Die Zukunft von RTL II

Die Unterhaltungschefin von RTL II, Julia Nicholas, hat in einem Interview mit DWDL.de ein schönes Wort geprägt: „Real-People-Formate“.
Diese Formate sollen allem anschein nach gewöhnliche Menschen in ihrem alltäglichen Leben darstellen oder eben sonstwie der Öffentlichkeit preisgeben. Leider findet sich keine griffige Definition dieses Begriffes. Aber damit man eine Vorstellung hat: Formate wie „Das perfekte Dinner“ oder auch „Raus aus den Schulden“ gehören dazu. Und natürlich auch die geliebte „Super Nanny“.
RTL II jedenfalls möchte diese Sparte weiter ausbauen. Neben so gehaltvollen Sendungen wie „Frauentausch“ und „Big Brother“ kommen im Sommer wohl noch solche vielversprechenden Formate wie „Mein Kiez“ und „Das Schicksal meines Lebens“ auf uns zu.
Nun gut, man kann das für schlimm halten, aber im Zuge der Quotenorientierung der Privaten mit Hinweis auf das Geld durchaus entschuldbar.
Was nun aber wirklich interessant wäre zu erfahren ist, wer diese Formate schaut und warum.

Ist es wirklich nur die „bildungsferne Schicht“, die sich diese Programme abendlich antut? Oder auch die „freischwebende Intelligenz“ in Form von Akademiker und selbsternannten Intelektuellen, die durch die Rezeption von „Super Nanny“ die Gelegenheit hat, sich selbst dem dargestellten Rest der Gesellschaft in ihrer Lebensart und Erziehungsweise überlegen zu fühlen, während sich der Sohn respektive Tochter im Nebenzimmer wahlweise die Pulsadern aufschneidet oder Koks schnupft?

Wie dem auch sei, interessant ist auch der Einfluß, den diese Formate vielleicht auf andere Sender haben. VOX hat ja mit „Das perfekte Dinner“ auch ein erfolgreiches „Real-People-Format“ und die Doku-Soap „Steinzeit – Das Experiment“ wird ja beispielsweise vom Spiegel auch als „Big Brother im Öko-Ambiente“ verstanden.
Denn, ohne Frage, gesehen werden „Real-People-Formate“ auf jeden Fall.

Vielleicht könnten diese Formate in ihren extremen Auswüchsen vielleicht noch erzieherische Funktionen entwickeln. Durch die Präsentation von Negativ-Beispielen.
Ich sage nur „KOMM MA‘ NACH OSSENDORF!„…

Quellen:
http://www.dwdl.de/article/news_10996,00.html
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,485055,00.html

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4 Gedanken zu „Die Zukunft von RTL II

  1. Real-Formate: Bitte nicht noch mehr Geflimmer! Ist ja schön, dass die Privaten Fernsehanbieter jedes Pixel der Bildschirmfläche ausnutzen wollen -da bekommt man wenigstens was für sein Geld geboten! „Geiz ist geil“,wäre mir diesbezüglich jedoch weit aus lieber! Mir erscheint der erzieherische Aspekt dieser Formate nicht gegeben.

    Wer füllt die Quoten solcher Formate, dieser Frage nachzugehen erscheint tatsächlich interessant. Ich bezweifle doch sehr arg, dass sich die „soziale Unterschicht“ an einem Programm ergötzt, dass sie selbst zu Genüge von zu Hause kennt! Berieselung, der Wunsch nach „nicht denken“ erscheint für mich als eines der Hauptkriterien für die hochfrequentierte Nutzung solcher Formate.

  2. Dass RTL II mehr dieser so genannten Real-Formate senden will, finde ich eigentlich nicht verwunderlich. Man muss sich doch nur mal die Quoten der Sendungen anschauen, die sonst so bei dem Sender laufen, und die sind oftmals alles andere als berauschend. RTL II ist nun mal ein kommerziell orientierter Privatsender, und da kommen einem billig zu produzierende Formate gerade recht. Die benötigen dann auch nicht so hohe Einschaltquoten wie andere Sendungen, um als Erfolg zu gelten.
    Welche Quoten nachher wirklich erreicht werden, bleibt abzuwarten. Aber bei einem Überangebot an Real-Formaten dürfte es später genauso gehen wie bei dem Telenovelas: Irgendwann haben die Zuschauer genug, und die Quoten (fast) aller Sendungen stürzen ins Bodenlose.

  3. Es ist ja nicht nur so das sich die Fernsehsender dem Zuschauer anpassen, sondern auch umgekehrt. Wenn dem Rezipienten also nichts anderes geboten wird als eben diese Formate, wird er sie genauso in seinen Fernsehalltag einbauen wie er es zuvor mit anderen Sendungen gemacht hat. Ihr glaubt doch nicht wirklich dass, nur weil vielleicht mehr ?Real-People-Formate? gesendet werden, alle aufeinmal den Fernsehr abschalten und zu anderen, vielleicht sogar sinnvolleren Beschäftigungen übergehen?! Ehr früher als später wird sich das angestrebte Publikum an die Serien gewöhnen.

  4. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass sich RTL II dabei stark an Pro7 orientiert. Die ihr gesamtes Mittags- und Nachmittagsprogramm mit „Real-People-Formate“ gefüllt. Ich habe habe das selsbt verfolgt, wie dadurch mittlerweile sämtliche Gerichtssendungen im Pro7 Programm verdrängt wurden und es immer mehr Sendungen in diesem Format gibt. Angefangen hat es glaube ich mit „We are Family! So lebt Deutschland“, dass einige Zeit sogar als Doppelfolge ausgestrahlt wurde. Dafür gab es dann irgendwann „Besser Essen“ und jetzt „Lebe deinen Traum“. Auch die davor gesendeten Sendungen SAM und Avenzio haben ihr Format vom Boulevardmagazin (SAM) zur hälfte in ein „Real-People-Format“ geändert. SAM begleitet zum Beispiel jeden tag drei Jugentliche im Wettkampf um eine Ausbildungsstelle. Auch kabel eins hat solche Formnate zum Beispiel „Lebe deinen Traum XXL“ und auf vox läuft neben dem „perfekten Dinner“ auch „Der Perfekte Urlaub“ und „Das Perfekte Promi Dinner“ (So 20.15 Uhr). Ich denke die Zunahme solcher Programm zeigt ziemlich gut, dass gewisse Quoten damit erreicht werden. Aus diesem Grund beginnt Pro7 übernächste Woche (Donnerstag 21.06, 21.15 Uhr)wohl auch mit „We are Family – Das Promi Spezial“.

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