Medien- (Rück-) Wandel?

Wir alle reden hier in diesem Forum über den Medienwandel in Bezug auf die Weiterentwicklung, Synergieeffekte etc.

Aber es gibt auch Länder und Regionen auf dieser Welt, in denen die Medien anscheinend wieder (auch wenn ungewollt) im Rückschritt begriffen sind: In ihnen sind die grundlegenden Rechte und Grundprinzipien des Journalismus und der Medien in Gefahr.

In Ecuador wurde die Tageszeitung La Hora von dem linkksgerichteten Präsidenten Rafael Correa verklagt, weil sie Kritik an seiner Person übte…den Verlegern droht nun bis zu zwei Jahre Haft.
In Venezuela wurde dem Fernsehsender RCTV die Lizenz entzogen, weil dieser der Opposition näher steht.

Diese Vorgehensweisen wurden von Menschenrechts- und Standesorganisationen, wie den „Reporter ohne Grenzen“ kritisiert und es wurde auch von Seite des ecuadorianischen Präsidenten versichert, dass absolute Meinungsfreiheit herrsche.

Wie kann all dies aber sein?

Quelle: SZ, 30.Mai, S.19

print

5 Gedanken zu „Medien- (Rück-) Wandel?

  1. Also über das Thema „Medienwandel und Propaganda-Ausschlachtung derselben“, insbesondere in Südamerika, hab ich mir unter dem Gesichtspunkt des Medienwandels auch schon Gedanken zu machen versucht. Ergebnis: Es kommt nichts bei raus…zumindest was eine positive Vorwärtsentwicklung angeht.
    Das Problem dabei sind zum einen die politische Kultur in den betroffenen Ländern, aber auch die geringe Verbreitung von Internet, bzw. ein nicht ausreichend entwickeltes Mediensystem, das sich gegen den Herrscher(wie Chavez) durchsetzen könnte.
    Ein Vorteil des südamerikanischen Raumes scheint seine gemeinsame Sprache zu sein, wobei man aus dieser Gleichung das portugiesisch sprechende Brasilien wiederum ausnehmen muss. Aber auch die Übertragung von liberalen Fernsehsendern über Satellit wäre problematisch: mit einem „Schüsselverbot“ wäre dieses Einfallstor unkontrollierter Medien in das Reich von Chavez und Correa schnell geschlossen.
    Insgesamt kam ich bei meinen Überlegungen zum Ergebnis, dass ein positiver Wechsel der Medien hin zu einer vierten Gewalt(und wenn, welche Legitimiation hat diese?) in Südamerika nicht zu erwarten ist. Grund hierfür ist zumindest im Falle Kolumbien, dass der nun verbotene Privat-Sender RCTV eher dem RTL-Segment angehört als dem der hiesigen dritten Programme, und als solcher sendete, was Quote macht(und etwas Kritik an Chavez, die vermutlich von den konservativen Besitzern vorgegeben wurde).
    Für den Aufbau einer Gegenöffentlichkeit wohl kein optimales Modell, allerdings bietet sich für ebendiese derzeit kein goldener Weg an.

  2. Zumindest Venezuelas Staatsführung zeigt deutlich autoritäre Tendenzen. Da die meisten bzw. zumindest die betroffenen Medienunternehmen keine globalen Akteure sind, ist eine Gleichschaltung oder Auflösung jederzeit möglich.
    Ziel ist der Machterhalt. Da ein autoritäres System immer durch das Merkmal „mangelnde oder fehlende Partizipation von Oppositionsgruppen“ gekennzeichnet ist und die Mittel zur Sicherung des Machterhaltes nicht immer von aller Kritik verschont bleiben können, behilft man sich nun also durch diese Art der Gefügigmachung.

    Es stellt sich allein die Frage, aus welchem Blickwinkel man dies betrachtet. Man kann argumentieren, dies sei nichts besonderes, in weiten Teilen der Welt stehen Presse und Rundfunk längst unter weitgehender Regierungskontrolle, andererseits lässt sich gerade an Stelle Deutschlands oder der EU die zunehmende Problematik von Autoritarismus und Willkürherrschaft in Venezuela hervorheben. Immerhin ist dieser Staat wichtiger Ölliferant und zugleich wichtiger (De-)Stabilisierungsfaktor in Lateinamerika.

    Aus medienwissenschaftlicher Perspektive ist so etwas natürlich verheerend. Es bleibt allerdings an dieser Stelle zu beobachten, in wie weit auch Internet-Portale von derartigen Maßnahmen betroffen sein werden.
    In jedem Falle ergibt sich für die Bevölkerung, die zu einem bedeutenden Teil nicht über einen Internet-Zugang verfügt, ein Informationsproblem. Solange nur ein Sender betroffen ist, lässt sich dieses noch relativ gut umgehen; die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei bleibt, dürfte allerdings nicht allzu hoch sein.

  3. Möglicherweise ist das ja alles gar nicht so, wie es zu sein scheint, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Vielleicht hat ja von den angehenden Medienwissenschaftlern mal jemand Lust, ein bisschen zu recherchieren?

    Bezüglich Venezuela habe ich etwas recherchiert. Das Ergebnis der Recherche findet sich im Parteibuch-Artikel „Psychologische Kriegsführung„.

    @Ole Weigmann
    >Aus medienwissenschaftlicher Perspektive
    >ist so etwas natürlich verheerend. Es
    >bleibt allerdings an dieser Stelle zu
    >beobachten, in wie weit auch
    >Internet-Portale von derartigen Maßnahmen
    >betroffen sein werden.
    Gar nicht. Die Regierung plant im Gegenteil im großen Stil den Ausbau des Internets, damit alle Menschen in Venezuela das Internet nutzen und sich aus beliebigen Quellen informieren können.

    Recherchiere doch mal.

  4. Bei der Diskussion über den Sender RCTV in Venezuela, sollte man nicht außer acht lassen, dass dieser Sender während des Putschversuches gegen den gewählten Präsidenten Chavez eine wichtige Rolle spielt – auf den Seiten der Putschisten. So sendet er z. Bsp. während der Putsch noch lief, dass Chavez schon des Amtes enthoben sei und wieder alles beim alten wäre. Nachdem der Putsch gescheitert war, verbreitete RCTV diese Nachricht nicht, sondern sendete weiter Unterhaltungsprogramm als sei nichts passiert.

    Das macht Chavez natürlich nicht sympathischer, aber es zeigt, dass auch RCTV nicht unbedingt vor Kämpfer für ausgeglichene und richtige Information der Bevölkerung ist.

  5. In Russland starben seit 1994 214 Journalisten unter „merkwürdigen Umständen“. Einer „fiel“ zum Beispiel aus dem Fenster im vierten Stock seines eigenen Wohnhauses -er wohnte im Ersten. Man tippt auf die Regierung.
    Was die journalistische Freiheit angeht, werden viele Rechtssysteme auf einmal ziemlich willkürlich.
    Aber ich finde, dass auch in Deutschland die Pressefreiheit stark eingeschränkt ist. Die Gesetze erlauben einem zwar die eigene Meinung in Form von z.B. einem Kommentar, aber in der Berichterstattung muss man sich immer noch an das halten, was der jeweils Äußernde gesagt hat. Und wie man ja weiß, werden Politiker & Co, bevor sie an die Öffentlichkeit treten, rethorisch geschult.

Kommentare sind geschlossen.