Und jährlich grüßt das Weihnachtslied

Es ist ein schöner Wintermorgen. Du fährst mit deinem Auto durch die weiße Landschaft Deutschlands auf dem Weg zur Arbeit. Du fühlst sich pudelwohl, doch dann trifft dich nichtsahnend der „Last Christmas“-Weihnachtshammer. Der Running-Gag der weihnachtlichen Hörfunkwelt zerstört den wohltuenden Morgen: „Last Christmas I gave you my heart…“

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact AG wollen 28 % der Befragten Autofahrer diesen Song nicht mehr hören.

Dieses Lied verdeutlicht die Einfallslosigkeit der deutschen Radiolandschaft. Es spielt einfach keine Rolle welchen Sender man einschaltet, ob ich nun Radio Hamburg höre, Antenne Bayern, RPR 1 oder Radio Berlin: das Programm ist fast immer identisch und redundant. Zur Weihnachtszeit wird das ganz besonders deutlich durch eben diesen Klassiker von Wham.

Wie kann es sein, dass ich innerhalb einer Stunde gefühlte zehn mal ein Lied von Rihanna, One Republic oder sonstigen Göttern des Mainstreamhimmels höre?

Wieso ist dieses Musikprogramm so unfassbar klein, wenn doch die Musikwelt eine so gigantische Auswahl bereithält? Mir ist klar, dass das Programm durch Marktforschungen erstellt bzw. angepasst wird, um somit ein möglichst breites Publikum glücklich zu machen und die für die Werbekunden relevante Zielgruppe zu treffen. Aber wird ein Radiosender dadurch nicht unfassbar belanglos? Wird er nicht einer von vielen?

Laut einer aktuellen Langzeitstudie der Universität Leipzig „Klangraum Internet“ nutzen nur noch 18 % der Jugendlichen in Deutschland das klassische Radiogerät regelmäßig und setzen fast ausschließlich auf die Angebote im Netz. 93 % derjenigen, die Youtube aufrufen, nutzen diese Plattform um Musik zu hören. 36 % der Musikhörenden im Netz surfen bestimmte Webradios an.

Aus meiner Sicht völlig verständlich, denn das Internet bietet verschiedene Möglichkeiten Musik zu genießen. Es ist dynamisch, steuerbar und bietet im Gegensatz zum Radio auch unbekannten Bands eine erhöhte Chance gehört zu werden.

Das klassische Radio wäre für mich eigentlich schon erledigt, hätte ich nicht Ego.fm, mit einem für mich interessanten Konzept, entdeckt. Die Redaktion hört auf die Wünsche der Hörer und ist selbst daran interessiert Musik zu senden, die gut und noch nicht durchgehört ist. Fritz Radio beispielsweise in Berlin/Brandenburg bietet ebenfalls eine interessante Musikauswahl. Ich hoffe, dass sich noch mehr Sender wie diese etablieren können: für mehr Vielfalt, für bessere Musik, für bessere Chancen unabhängige Musiker zu entdecken & für eine bessere deutsche Radiolandschaft.

 

Quellen:

Musikmarkt (2012): Studie: Klassisches Radio ist out, Youtube in, URL: http://www.musikmarkt.de/Aktuell/News/Studie-Klassisches-Radio-ist-out-YouTube-in (abgerufen: 23.12.2012)

Focus Online (2012): Bloß nicht Wham und keine roten Nasen, URL: http://www.focus.de/auto/news/weihnachtslieder-im-auto-bloss-nicht-wham-und-keine-roten-nasen_aid_876394.html (abgerufen am: 23.12.2012)

egoFM (2012), URL: http://www.egofm.de/ (abgerufen am: 23.12.2012)

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2 Gedanken zu „Und jährlich grüßt das Weihnachtslied

  1. Ich bin selbst einer der „Wenignutzer“ des Radios und wurde auch durch die ständigen Wiederholungen und die Einfältigkeit abgeschreckt. Allerdings freue ich mich aber jedes Jahr, wenn ich an Weihnachten doch zufällig mal „Last Christmas“ höre, was doch einfach dazugehört 😉

  2. Ich fahre fast jeden Tag mit dem Auto von Luxembourg nach Trier und zurück. Bis jetzt hatte ich das Glück das ich relativ gemischte Musik zum zuhören hatte, dabei höre ich nur auf RTL Radio Lëtzebuerg, DNR (Lux) und RPR1 (in Trier) – ich wechsle aber sehr oft zwischen denen drei wenn die Musik zu einseitig wird. Während dem Dezembermonat hab ich es irgendwie geschaft „Last Christmas“ ganz zu vermeiden.

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