Der Retter des Polit-Talks – „Absolute Mehrheit“ für Stefan Raab?

Wer sich regelmäßig Polit-Talks ansieht, der bemerkt früher oder später wie der Hase läuft. Das Thema ist eng gefasst (meist eine Abwandlung von „Eurokrise“), die Politiker legen sich nicht fest und werden auch kaum festgelegt, das System ist immer das gleiche (eine Sendung – ein Thema) und man kommt nicht darum herum, sich zu fragen, ob mache Politiker schon eine Wohnung in Studionähe gemietet haben.

Ausgezogen, um das alles zu ändern, ist das Ass im Ärmel von Pro Sieben: Stefen Raab. Nach TV-Total, Schlag den Raab, der Wok-WM, dem Turmspringen, der Stock Car Challenge, der Autoball-WM, den Pokerstars und vielem mehr: jetzt also auch Politik mit Raab. Und alles soll anders werden! Mehr Themen (gleich 3 pro Sendung und auch recht weit gefasst), mehr Meinung, mehr „Bürgerbeteiligung“, mehr Einfachheit und dann auch noch mehr Geld. „Absolute Mehrheit“ kann man nämlich auch gewinnen. 100 000 Euro für den Politiker, der mehr als 50% der kostenpflichtigen SMS und Telefonstimmen erhält. Logisch.

Ob das nun funktioniert hat, ist fraglich. Zugegeben, Raabs Sendung ist locker und zugänglich, weniger polit-theoretisch als die Konkurrenz und er schafft es wohl auch, die eine oder andere verbindliche Aussage aus den Gästen herauszuholen aber irgendwie erscheint auch alles sehr simpel. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, ob das denn wirklich alles so einfach wäre, wie es sich hier anhört. Leider macht es das Konzept der Sendung auch nicht leichter; schließlich müssen drei Themen abgearbeitet werden und die Zuschauerstimmen sollten ja auch noch berücksichtigt werden. Da kann es dann schon mal passieren, dass der Redner mitten im Satz abgeschnitten wird (an sich ja nicht tragisch) nur um ganz dringend auf die total wichtigen Balkendiagramme zu schauen, die zeigen, welcher Gast bei den Zuschauern gerade vorne liegt. Kurz darauf ist auch schon das Thema vorbei. Weiter zum nächsten. Jedes Thema der Sendung wird eingeleitet von einem kleinen Einspieler der die Problemstellung erläutern soll. Das erinnert (mich zumindest) an eine mäßig lustige Kopie der Rubrik „Toll!“ am Ende von Frontal 21.

Gewonnen hat am Ende der Herr Kubicki das Ganze, Geld hat er aber trotzdem keins bekommen, keine absolute Mehrheit.

Die nächste Sendung kommt dann im Januar auf uns zu, aber die werde ich mir wohl nicht ansehen. Das ist aber auch bei anderen Raab Sendungen nicht anders.

Quellen:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-kritik-stefan-raab-und-seine-polit-show-die-absolute-mehrheit-a-866591.html

http://www.sueddeutsche.de/medien/absolute-mehrheit-von-stefan-raab-jetzt-macht-euch-mal-locker-1.1519088

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Ein Gedanke zu „Der Retter des Polit-Talks – „Absolute Mehrheit“ für Stefan Raab?

  1. Interessanter Atikel, allerdings sehr kritisch!

    Für meinen Geschmack etwas zu subjektiv, an manchen Stellen sehr sarkastisch. Besonders das Ende des Artikels zeigt für mich eine besondere Ablehnung gegen Stefan Raabs Sendungen im Ganzen, eventuell bedingt durch den Schreibstil(?). Ich frage mich ob diese Abneigung bewusst ausgedrückt werden soll oder das nur meine Wahrnehmung ist?
    In meinen Augen gehört Raabs Polit-Talk zwar zu keinem seiner Meisterwerke, jedoch würde ich nicht der nallgemeinen negativen Kritik gegenüber seinen Projetke zustimmen. Sendungen wie „Schlag den Raab“ o.ä. empfinde ich als durchaus unterhaltend, was meiner Meinung nach auch die Hauptaufgabe der Sendung „Absolute Mehrheit“ sein soll.

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