Die Krise der Printmedien und der Kindle eReader

Schon seit einiger Zeit wird über die Krise der Printmedien diskutiert. Während die Nutzung von Tageszeitungen insgesamt abnimmt, wird das Internet immer häufiger benutzt. (1) Die meisten Tageszeitungen sind allerdings inzwischen auch im Internet vertreten. Daher besteht die Diskussion, ob es künftig zu einer Substitution oder Komplementarität alter durch neue Medien kommen wird: Ist das Internet eine Hilfe für die Printmedien und führt dazu, dass alte und neue Medien komplementär genutzt werden und die insgesamte Nutzung wieder zunimmt? Oder ist das Internet eher eine Konkurrenz der Printmedien und wird früher oder später zu deren Verdrängung führen? Zu beiden Perspektiven gibt es Theorien und Prognosestudien. (2)

Seit ein paar Jahren ist ein weiterer Teilbereich der Welt der Printmedien in digitaler Form verfügbar: Bücher. Die Rede ist vom Kindle eReader. Ein flaches, ziemlich kleines und leichtes Pad, auf dem man bis zu 1400 Bücher speichern kann!
Zunächst hört sich Kindle ziemlich praktisch an. Aufgrund des integrierten WLANS kann man ein Buch, eine Zeitung oder eine Zeitschrift innerhalb kürzester Zeit herunterladen und sofort anfangen zu lesen. Manche Bücher sind als Kindle-Version sogar umsonst erhältlich. Des Weiteren kann man seine ganze Bibliothek sozusagen immer in der Handtasche dabei haben.  (3)
Möglicherweise werden viele Leute aufgrund der Mobilität des eReaders und den teilweise kostenlosen Büchern, diese Version bevorzugen. Sicherlich gibt es aber auch viele, die an der ihnen bisher bekannten Form der gedruckten Bücher festhalten wollen. Viele finden vielleicht auch, dass es trotz der vielen Vorzüge des eReaders, einfach ein besseres Gefühl ist, ein richtiges Buch in den Händen zu halten als ein Pad.

Man kann sich also fragen, welche Auswirkungen der Kindle eReader hat.
Insgesamt wird heutzutage immer seltener gelesen – jeder vierte Deutsche liest nie (4). Wird nun aufgrund des eReaders insgesamt wieder mehr gelesen, weil sich die Leute zu der digitalen Form von Büchern mehr hingezogen fühlen als zu gedruckten Büchern? Wird Kindle komplementär zu Büchern genutzt oder fangen auch Leute, die sonst regelmässig gedruckte Bücher gelesen haben nun an, diese durch den Kindle eReader zu ersetzen? Es wird in näherer Zukunft sicherlich Studien geben, die sich mit diesen Fragen und den Entwicklungen im Bereich der Bücher auseinandersetzen.

Literatur:
(1) Ridder, Christa-Maria/Turecek, Irina (2011): Medienzeitbudgets und Tagesablaufverhalten; in: Media Perspektiven, 12/2011, S. 574.
(2) Mögerle, Ursina (2009): Substitution oder Komplementarität?: Die Nutzung von Online- und Print-Zeitungen im Wandel, Konstanz.
(3) Amazon.de (2012). URL:  http://www.amazon.de/Kindle-eReader-Wi-Fi-Display-deutsches/dp/B0051QVF7A/ref (Stand vom 18.04.2012).
(4) Taffertshoffer, B.(2008): Studie: Deutsche lesen weniger. So wird das nie was mit Pisa; in: Süddeutsche Zeitung, 04.12.2008. URL: http://www.sueddeutsche.de/kultur/studie-deutsche-lesen-weniger-so-wird-das-nie-was-mit-pisa-1.385516 (Stand vom 18.04.2012).

print

Über Nicole Schreiner

Ich bin Nicole, komme aus Luxemburg und bin 22 Jahre alt. Ich studiere Medien, Kommunikation, Gesellschaft im 1. Semester an der Universität Trier. Mein Nebenfach ist Geschichte. Ich habe auch schon 4 Semester Psychologie in Luxemburg studiert. In meiner Freizeit schreibe, male, und lese ich gerne und gehe gerne ins Kino und shoppen.

5 Gedanken zu „Die Krise der Printmedien und der Kindle eReader

  1. Apple wirbt ja auch damit, dass das Ipad ein tolles Lesegerät für eBooks ist. Leider haben das Ipad und das von dir beschriebene Kindle eine gemeinsame Krux: Man kann lediglich die eBooks darauf lesen, die vom proprietären Betreiber (Apple über iTunes respektive Amazon) zum Kauf angeboten werden. Gerade bei Apple hat das natürlich wegen der hauseigenen Zensur ein geschröpftes Angebot zur Folge.

  2. In Deutschland sieht es mit der Akzeptanz von eBooks derzeit ja noch etwas mager aus.
    Das Argument der meisten ist dabei wohl, dass sie schon den ganzen Tag bei der Arbeit auf einen Bildschirm starren und das nicht auch noch in der Freizeit machen wollen.
    Zudem gibt es ja die Buchpreisbindung und viele (inklusive mir) sehen es nicht ein für eine digitale Datei genauso viel auszugeben wie für ein Buch aus Papier.

  3. Ich bin der Meinung, dass durch den eReader nicht unbedingt mehr gelesen wird, denn wer vorher keine Bücher gelesen hat, wird bestimmt auch nicht mit dem eReader lesen. Ob der eReader irgendwann die Bücher überholen und ersetzen wird ist die große Frage, ich persönlich glaube nicht daran. Des Weiteren ist sowas ja auch nicht gesund für die Augen, wenn man den ganzen Tag nur auf einen Bildschirm starrt. Mir persönlich fällt es leichter mit einem Buch in der Hand zu lesen, aber das ist ja jedem selbst überlassen.

  4. Der eReader ist mit Sicherheit eine schicke Neuerung, aber ich sehe es auch eher kritisch, ob dadurch mehr Deutsche anfangen zu lesen. Vermutlich werden lediglich einige Leute von Buch auf eReader umsteigen.
    Obwohl es immer wieder heißt, dass die Lesebegeisterung (egal, ob bezüglich Büchern oder Zeitungen)abnimmt, sind noch zahlreiche Buchladen vertreten und das Geschäft boomt trotzallem.
    Der Mensch mag generell sehr technikbegeistert sein und sich über neue „Spielereien“ freuen, aber das „Prestige“ Bücher im Regal zu Hause zu besitzen, das verschwindet nicht so einfach.

  5. Ich persönlich stehe dem Kindle eher kritisch gegenüber. Ich fände es einfach schade, wenn Bücher „aussterben“ nur wegen eines solchen Geräts.
    Bücher haben Tradition und es gehört, meiner Meinung nach, beim Lesen dazu, ein richtiges Buch mit Seiten zum Umblättern in der Hand zu halten.

Kommentare sind geschlossen.