Die Macht der Medien

Wie extrem der Druck sein kann, den Medien auf die Gesellschaft auswirken, hat sich in den vergangenen Wochen im Hinblick auf die Berichterstattung des Emdener Mordfalls wieder einmal gezeigt.

Ein 17-jähriger Schüler wurde als angeblicher Täter festgenommen und schon stürzten sich die Medien auf diese Nachricht. Natürlich lässt sich nicht abstreiten, dass schnelle Ermittlungserfolge stets gut aussehen und auch die Bevölkerung beruhigen. Doch in diesem Fall ist vor allem durch die Medien die Zukunft eines jungen Menschen (zumindest in Emden) zerstört worden.
Logisch ist, dass die Polizei Hinweisen nachgehen muss. Dagegen sagt auch niemand etwas. Aber man kann in den Medien keine Hetzreden starten, wenn man sich noch nicht einmal sicher ist, ob der Verdächtige überhaupt auch der Täter ist. Gegen den Schüler gab es zahlreiche Morddrohungen und so etwas geht an keinem spurlos vorbei.
Jetzt im Nachhinein reden diverse Tageszeitungen das nieder, was sie selbst geschrieben haben. Als hätten sie ihn nicht selbst an den Pranger gestellt, derbe Formulierungen für ihn gefunden und ihn bundesweit gedemütigt. Nun spricht man höchstens vom Umfeld in Emden, die so ungerecht mit dem Jugendlichen umgegangen sind.

Wieso passiert so etwas immer wieder? Die Zeitungen und generell die Medien sollten bereits aus der Vergangenheit gelernt haben, sich in gewissen Situationen zurückzuhalten – und sei dieses „Zurückhalten“ eben auch nur, mit einem vorschnellen Urteil zu warten.
Fest steht, dass die Medien enorme Macht besitzen, Druck ausüben können und genau das auch tun. Ich finde, man sollte das nicht um jeden Preis tun, sondern vorher darüber nachdenken, was mit einem überspitzten, falschen Bericht ausgelöst werden kann.

 

Quelle: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/film_fernsehen_radio/emden721.html

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3 Gedanken zu „Die Macht der Medien

  1. es waren ja weniger die bösen medien (die haben nur ihren job gemacht) sondern die ermittlungsbehörden, die vorschnell an die Medien herangegangen sind.

    Wäre übrigens ein schöne abschlussarbeitsthema mal zu untersuchen in wie weit sich Polizei und Justiz Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren verändert haben (z.b. die fälle zumwinkel oder kachelmann). Da könnte man systhemtheoretisch sicher was spannendes machen

  2. Ja, manchmal erscheint einem die Berichterstattung zu gewissen Themen wirklich etwas grausam. Gerade dann, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass es viele Falschaussagen gab.
    Trotzdem, ich gebe meinem Vorredner recht, die Medien selbst haben nur ihren Job gemacht. Geschlampt haben wohl eher die Informationsbeschaffer…
    Trotz Sorgfalt und Bewusstsein dafür, dass Wahrheit eines der wichtigsten Dinge in der Berichterstattung sein sollte, wird sowas auch noch häufiger vorkommen.

  3. Ich sehe das auch so, dass der Fehler eher bei den Ermittlungsbehörden lag und die Medien nur ihren Job gemacht haben.
    Trotzdem finde ich auch, dass die Medien eine enorme Macht besitzen und mit ihrer Berichterstattung grossen Einfluss ausüben können, da sie zur Meinungsbildung der Menschen beitragen und eine eigene Realität konstruieren. Das kann bei falschen Informationen – egal ob unbeabsichtigt, oder beabsichtigt um eine Nachricht „sensationneller“ darzustellen – wirklich schlimme Folgen haben, was man an dem von dir beschriebenen Beispiel ja auch klar erkennen kann.

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