„Schwer verarscht“ statt „Schwer verliebt“

Bereits seit einigen Jahren sind Reality-Shows fester Bestandteil unseres Fernsehpogramms. Die neueste Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) vom 24.03.2011 besagt: „Insgesamt wurden 418 (!) Formate gezählt, die im deutschen Fernsehen im Zeitraum von 2000 bis 2009 in 29 privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehkanälen erstausgestrahlt wurden.“

Das Problem dieser Sendungen scheint mittlerweile der Mangel an aufregenden und unterhaltsamen Protagonisten zu sein und so scheint es unausweichlich, sich eben diese selbst zu schaffen.

Diese These wird durch die aktuellen Vorfälle rund um die Sendung „Schwer verliebt“ auf Sat. 1 nur gestärkt.

Die 27-jährige Sarah H. war Kandidatin der Kuppelshow „Schwer verliebt“. Sie erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Produktionsfirma und den Sender. Sie behauptet, dass sie zu ihren Handlungen vor der Kamera gezwungen wurde und die meisten ihrer Aussagen nicht von ihr, sondern aus einem geheimen Drehbuch stammen. Damit das ganze nicht an die Öffentlichkeit kommt, müssen die Kandidaten vor „Amtsantritt“ einen Knebelvertrag unterschreiben, der, neben der Schweigepflicht, ein Honorar von einmalig 700€ und das Abtreten sämtlicher Rechte an den Sender beinhaltet.

In der Beschreibung der Sendung auf Sat. 1 sagt die Moderatorin Britt Hagedorn „Unsere Kandidaten haben es satt, alleine durchs Leben zu gehen. Jetzt gehen sie bei ‚Schwer verliebt‘ in die Vollen – das finde ich toll! Wer sein Glück nicht in die eigene Hand nimmt, kann bekanntlich lange warten.“ Von Glück kann hier nur leider nicht die Rede sein, denn Sarah H. ist seit der Erstausstrahlung am 06.11.2011 zum Gespött in ihrem Dorf und im Internet geworden. Mit den beiden Kandidaten (nach Sarah wurden ihr übrigens nur 3 Kandidaten vorgestellt, aus denen sie 2 wählen durfte) hat sie zudem heute auch nichts mehr zu tun.

Mit Reality-Shows haben diese Formate folgerichtig also nicht mehr allzuviel zu tun.

 

 

Quellen:

http://www.polsoz.fu-berlin.de/kommwiss/institut/journalistik/news/2011-03-24_LfM-Studie.html

http://www.rhein-zeitung.de/regionales/extra_artikel,-Duerfen-Kuppelshows-alles-Kandidatin-Sarah-27-packt-aus-_arid,338688.html

http://www.sat1.de/ratgeber_magazine/schwerverliebt/content/49970/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu „„Schwer verarscht“ statt „Schwer verliebt“

  1. Ich finde den Bericht von besagter Sarah H. ehrlich gesagt nicht sehr mitleidserregend. Es liegt in der eigenen Verantwortung, sich bei solchen „Reality-Shows“ anzumelden. Dass besagte Kandidatin feststellen musste, dass sie nicht wirklich sich im Fernsehen präsentieren konnte wie sie wollte und dass sie zum Gespött in ihrem Dorf gemacht wurde, damit ist zu rechnen! Wer kennt nicht Shows wie TVtotal und dergleichen, in denen eben solche TV-Auftritte gesucht werden, um als Unterhaltungs- und Belustigungsstoff für andere Zuschauer zu dienen. Dass sie anscheinend ihre große Liebe noch nicht gefunden hat, ist ja schade, aber wie kann man ernsthaft denken, über solche Sendungen eben diese zu finden. In gewisser Hinsicht kann man den Sendern auch keinen Vorwurf machen, da diese hauptsächlich auf den Profit und eine bestmögliche Unterhaltung der Zuschauer aus sind.
    Meiner Meinung nach ist es absolut nicht überraschend, dass Sarah H. an ein gewisses Drehbuch gebunden war. In welchen Sendungen ist das denn nicht so? Welche Sendungen existieren denn, in denen es kein mehr oder weniger vorgeschriebenes Drehbuch gibt? Mir scheint Sarah H. in diesem Fall einfach etwas zu naiv gewesen zu sein.
    Ich bin der Ansicht, dass solche Sendungen, ebenso wie das gesamte Vor- und Nachmittagsprogramm auf RTL und Sat1 zur Verblödung der Gesellschaft beitragen und sonst einen relativ geringen Funktionswert haben.

    Dennoch, Unterhaltung hin oder her, man muss seine Mitmenschen nicht öffentlich demütigen!

  2. Ich hab mir das Interview von Sarah H. auch angesehen und bin schwer schockiert. Natürlich wusste ich auch von vorneherein, dass in solchen Sendungsformaten vieles inszeniert ist, doch mit welcher Hemmnungslosigkeit Sat. 1 in diesem Fall vorgegangen ist finde ich sehr schlimm. Auch denke ich, dass dies leider kein Einzelfall ist. Im Interview sagt Sarah H. ja auch, dass sie kaum Glegenheit hatte sich den von ihr unterschriebenen Vertrag gründlich durchzulesen. Gut, man kann sagen, dass ihre Zustimmung zu dieser Serie naiv war, dennoch entschuldigt dies nicht das Verhalten von Sat. 1. Außerdem wurde Sarah von Sat. 1 kontaktiert uns nicht umgekehrt, was zeigt, dass der Sender gezielt nach Menschen wie Sarah Ausschau gehalten hat: Menschen, die sie lächerlich machen können und kien großes Selbstwertgefühl haben und der Sender so die Sicherheit hat, dass sie schön das machen, was er von ihnen verlangt.

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