Gurus als Werbeträger

Das Internet ist seit es in der breiten Masse populär geworden ist auch zu einem Schauplatz zahlreicher Phänome geworden. Es gibt Videos, die überall im Netz kursieren, bestimmte Verhaltensweisen, die nach und nach von mehr Usern aufgegriffen werden und sogar sprachliche Veränderungen^^ xD lol.

Besonders auffällig ist für mich in den letzten Jahr der Aufstieg sogenannter Gurus. Überall auf Youtube wimmelt es nur so von ihnen. Es sind meist junge Menschen, die Tipps für alle Lebenslagen geben. Wie öffne ich eine Flasche mit einem Papier oder welcher Nagellack ist in der neuen Saison angesagt? Besonders letztere Gruppe erlebt einen besonderen Ansturm, was sich an ihren Abonenntenzahlen ablesen lässt. Auch der deutsche Youtubesprecher Henning Dorsetwitz sagt: „Es ist definitiv ein Trend zu mehr Ratgeber-Videos auf YouTube erkennbar. Seien es Schminktipps, Produkttests oder ganz generell Lebensberatung“.

Für große Konzerne, speziell im Beautybereich sind diese Gurus inzwischen optimale Werbeträger geworden. Sie scheinen authentisch, wenn sie sich in ihren eigenen Wohnung mit teils unprofessioneller Technik ablichten. Alles ist spontan, es gibt kein richtiges Drehbuch. Und genau das gibt dem Rezipienten das Gefühl, dass er in heimischen Atmosphäre Tipps von einer guten Freundin bekommt. Die Distanz ist weit kleiner als vor dem Fernsehbildschirm. Durch das leichte Vertrauensverhältnis zu dem vermeintlichen Experten können Firmen ihre Waren so platzieren, dass es dem Konsumenten weniger über als Werbung aufstößt, aber wie machen sie das?

Ganz einfach. Sie schicken Proben an die Gurus, die diese dann testen. Ob die Objektivität, die sich ein Zuschauer speziell von so einem unabhängigen Guru verspricht damit noch gewahrt ist, bleibt ungewiss. Sicher ist aber, dass sich die Hersteller so ganz einfach in den Vordergrund rücken können. Es ist für sie eine relativ billige Angelegenheit und die Werbung kommt trotzdem an. Die Gurus profitieren ebenfalls davon, da auch sie Werbeeinnahmen bekommen, weil vor ihre Youtubevideos oftmals Werbespots geschalten sind. Des weiteren werden sie sogar von Firmen eingeladen um an Workshops teilzunehmen. Die Nivea Hair Academy by Sally Brooks hat erst kürzlich einige Gurus umgestylt und ihnen Produkte für den jeweiligen Typ vorgeschlagen. Es ist nicht überraschend, dass auf den Blogs und in den Youtubevideos der Gurus umfassend von dem Event und den Produkten berichtet wurde. Die Marke hat geschafft, was sie erreichen wollte: Marketing.

Letzendlich ist es wirklich interessant zu beobachten wie Gurus von ihren Fans gefeiert werden und von Kritikern, sogenannten Hatern, nach jedem Video Spott ernten. Sicher ist den meisten Verbrauchern inzwischen auch schon bewusst, dass die ehemals autonomen Gurus inzwischen von Firmen um den Finger gewickelt werden.

Meiner Meinung nach ist diese Art des versteckten Product Placements vollkommen legitim. Schließlich profitieren Firmen, Gurus und Konsumenten von der Verbindung. Denn ein geschenktes Produkt, das im Test schlecht abschneidet, wird ein Guru auf keinen Fall seinen Zuschauern empfehlen, da er nicht nur seinen Ruf, sondern auch Abonennten zu verlieren hat, die für seine Werbeeinkünfte verantwortlich sind.

Insgesamt ergibt sich also ein spannendes Beziehungsdreieck zwischen Hersteller, dem Guru in der Vermittlungsrolle und uns – den Konsumenten. Ob sich diese Art der Informationsverbreitung mit eingebauter Werbestrategie weiterhin hält werden wir noch sehen. Bis dahin können wir uns weiter fröhlich durchs Netz klicken.

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http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,668811,00.html

http://www.fragdiegurus.de/nivea-hair-academy-event/

http://www.google.com/support/youtube/bin/answer.py?hl=de&answer=95442

http://www.you./tube.com/watch?v=MZXIjHYsO7k&feature=rel.mfu

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