Flash M-/ROB

 „Der Begriff Flashmob […] bezeichnet einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun. Flashmobs werden über Online-Communitys, Weblogs, Newsgroups, E-Mail-Kettenbriefe oder per Mobiltelefon organisiert.[1] Flashmobs gelten als spezielle Ausprägungsformen der virtuellen Gesellschaft (virtual community, Online-Community), die neue Medien wie Mobiltelefone und Internet benutzt, um kollektive direkte Aktionen zu organisieren.“ 1

Wie diese Definition hergibt, handelt es sich bei Flashmobs also um eine scheinbar spontane Zusammenkunft von Menschen, die sich über Kommunikationsmedien verabreden, um gemeinsam an einem Ort durch eine ungewöhnliche Aktion Aufmerksamkeit zu erregen. Diese Flashmobs wurden in der Vergangenheit, und werden immer noch, oftmals genutzt, um die Mitmenschen zu unterhalten oder um etwas publik zu machen. In diesem Kontext gelangte zum Beispiel der öffentliche Flashmob für den Eurovision Songcontest 2010 ins Auge, wo in den verschiedenen Ländern massenweise Menschen zusammenkamen, um eine Choreographie zu dem Song „Glow“ von der Band Madcon aufzuführen. Dieser europaweite Flashmob wurde live im Fernsehen übertragen. Doch schon zuvor erlangte ein Flashmob besondere Beachtung, an dem sich an einem Tag tausende Menschen in Stockholm versammelten, um eine Choreographie als Michael Jackson Tribute aufzuführen. Diese Welle schwappte auch in andere Länder über und so wurden Videos auf www.youtube.de veröffentlicht, die es ermöglichten, eine Choreographie zu Hause einzuüben und dann gemeinsam bei einem Flashmob aufzuführen (auch in Trier fand ein Michael Jackson Tribute Flashmob statt). Doch nicht nur der künstlerische Aspekt steht im Vordergrund dieser Aktionen, oftmals tragen sie lediglich zur Belustigung und zum Spaß bei, wie zum Beispiel die Flashmob Kissenschlacht vorm Kölner Dom im Jahr 2009.

 Allerdings sollte es bei diesem harmlosen und unterhaltsamen Charakter nicht bleiben. Seit etwa einem Jahr gelangt immer mal wieder eine andere Sorte der Flashmobs in das Interesse der Öffentlichkeit, die diese Menschenaufläufe allgemein in ein schlechtes Licht rückt – nämlich die, bei denen vor Allem Jugendliche zusammenkommen, um gemeinsam kriminell zu werden:

Im Zusammenhang mit diesen gewalttätigen Ausschreitungen wird meist die Stadt Philadelphia genannt. Seit 2010 wird berichtet, dass vor Allem am Abend sich Jugendliche dort arrangiert treffen, um in den Straßen zu randalieren. Jedoch sollte es nicht bei Sachbeschädigungen bleiben. Immer öfter wurden diese Flashmobs genutzt, um Passanten zu verprügeln und somit die Stadt in Angst und Schrecken zu versetzen. Folge dieser Überfälle ist eine Ausgangsperre für Minderjährige am Wochenende ab 21:00. Doch diese Regelung kann den neuen Trend des kriminellen Flashmobs nicht umgehen, der sich zum Flash R O B entwickelt hat:

Über soziale Netzwerke verabreden sich junge Leute, um zu rauben. Sie stürmen massenweise in Supermärkte, Klamottenläden oder sonstige Geschäfte, „stopfen“ sich wortwörtlich die Taschen voll und flüchten dann wieder gemeinsam schlagartig aus den Läden ohne bezahlt zu haben. In der Gruppe fühlen sich die Jugendlichen dann so sicher und stark, dass sie nicht einmal maskiert agieren, obwohl sie wissen müssten, dass die meisten Märkte mit Kameras ausgestattet sind. Mit Hilfe des Videomaterials wird dann nach den Tätern fahndet. (auf www.youtube.de kann man sich diese Flashrob Videos auch anschauen) Diese Raubüberfälle sind nicht nur aus Philadelphia, sondern auch aus Ottawa und Washington bekannt und immer noch aktuell, wie ein gestriger Fernsehbericht in RTL aktuell (14/11/211) erneut zeigte. 

Eine Mitschuld wird hierbei immer wieder den sozialen Netzwerken gegeben, was auch der Minister für öffentliche Sicherheit in Philadelphia, Everett Gillison, stellt, auf den Punkt bringt: „What is making this unique today is the social media aspect […] they can communicate  and congregate at a moment’s notice“2

Fakt ist, dass die soziale Plattform Facebook den Jugendlichen sowohl bei der Organisation von Flashmobs, als auch bei der Organisation eben dieser kriminellen FlashROBS eine Möglichkeit bietet, sich schnell mit Jugendlichen mit gemeinsamen Interessen in einer bestimmten Umgebung in Verbindung zu setzen und diese Aktionen spontan anzukündigen. Aber es muss nicht der Aspekt der Kommunikation über soziale Netzwerke angeprangert werden, denn, wie wir alle wissen, beabsichtigen das Medium Internet und diese sozialen Netzwerke nicht die Kommunikation und Interkation zum Zwecke der Kriminalität, man kann auch von organisiertem Verbrechen sprechen.

Vielmehr muss hier der Ursache auf den Grund gegangen werden, warum die Communities auf diese Art und Weise und zu diesem „Fremdzweck“ missbraucht werden und zu einer gesteigerten Gewaltbereitschaft und Ausführung dieser in der Öffentlichkeit führt:

Wie kann es überhaupt soweit kommen, dass Jugendliche sich in Massen zusammenfinden wollen, um Mitmenschen zu schädigen, zu verletzen, und sich freiwillig und in aller Öffentlichkeit strafbar zu machen? Woher kommt dieser Aufmerksamkeitsdrang, diese Bereitschaft zu Kriminalität? Und daran anschließen müssen wir die Frage, warum diese wohl heimliche Organisation im Internet niemand auf die Schliche kommt und die FlashROBS verhindert werden können. Kontrollieren Eltern ihre Kinder nicht genug? Wissen Jugendliche zu wenig über den Umgang mit dem Internet und lassen sich mitreißen? Nehmen Sicherheitsministerien die dort entspringende Gewalt nicht ernst genug und sind eben nicht so vertraut mit dem meist genutztem Medium der Tage? Müssten sie nicht mit sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter kooperieren, um diese Art der Verbreitung krimineller Aktionen zu unterbinden?

Wem auch immer wir die Schuld geben, die These, dass die sozialen Plattformen  wie Facebook und Twitter die Gewalt der Jugendlichen fördern, darf nicht propagiert werden. Denn hinter dieser Entwicklung und hinter den offensichtlichen Gefahren, die eine grenzenlose Kommunikation eben auch birgt, stehen Menschen und Charaktere, die eine falsche Auffassung von sozialer Kommunikation haben und das dafür gedachte Medium Internet für Fremdzwecke missbrauchen und eben viel mehr als Plattform für eine a- soziale Kommunikation nutzen.

 

 


[1] www.wikipedia.de

[2] http://www.bbc.co.uk/news/world-us-canada-14466369

http://www.sueddeutsche.de/panorama/philadelphia-ausgangssperre-gegen-gewalt-1.1131700

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2018835/Facebook-Twitter-used-plan-flashrob-raid-Victorias-Secret-store.html

http://observers.france24.com/content/20110823-usa-washington-flash-mob-robberies-youth-crime

http://www.cbc.ca/news/canada/ottawa/story/2011/08/02/ottawa-flash-rob.html

 

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