NBA droht Saison-Aus

Der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA (National Basketball Association) droht das Saison-Aus.  Im Kern geht es um einen Tarifstreit zwischen der Spielergewerkschaft NBPA und der Klubbesitzer, in dem um die Gehaltsverteilung zwischen beider Parteien diskutiert wird. Die Klubbesitzer um Ligaboss  David Stern fordern eine 50:50-Aufteilung der Einnahmen. Die Spielergewerkschaft um Präsident Derek Fisher (Spieler der Los Angeles Lakers) verlangt hingegen 52,5 Prozent des eingenommenen Geldes. Letzte Saison hatten die Spieler noch 57 Prozent  kassiert.  Der Tarifstreit geht mit einem Lockout einher, d.h. die Spieler sind für die Zeit der Verhandlungen von ihren Teams ausgesperrt und können weder zusammen trainieren noch spielen. Alle Spiele der Vorbereitung und der Saisonspiele im November wurden bereits abgesagt. Der Lockout besteht seit dem 1. Juli.

In der letzten Sitzung vom gestrigen Abend lehnte die Spielergewerkschaft  die 50:50-Forderung der Klubbesitzer ab, sodass nach zahlreichen Verhandlungen immer noch kein Ende in Sicht ist und eine Saison in weite Ferne rückt.

Aus diesem Stande der Verhandlungen und des drohenden Saisonaus können viele medienbezogene und vor allem ökonomische Konsequenzen abgeleitet werden. Vor allem in den USA, aber auch in vielen anderen Ländern, in denen NBA gezeigt wird, müssten Fernsehsender (Pay-TV Sender) wahrscheinlich mit hohen Verlusten rechnen. Vor allem die Sportsender ESPN und TNT, die alle Spiele der laufenden Saison zeigen werden darunter zu leiden haben. Außerdem müssen zahlreiche Online-Anbieter mit Einbußen rechnen (z.B auf nba.de der NBA-League Pass, den ich als Basketballfan natürlich auch schon benutzt habe). Aber noch drastischer würde es für die Werbeeinahmen und dem Merchandise aussehen. In der NBA dauert ein Spiel 4 mal 12 Minuten, also 48 Minuten reine Spielzeit, wenn man jedoch die Unterbrechungen (Viertelpause, Halbzeit, Auszeiten (In der NBA gibt es irre viele Auszeiten), Fouls etc.) dazu rechnet, kommt man im Endeffekt auf fast 3 Stunden „Spielzeit“. Diese Unterbrechungen sind natürlich feinstes Futter für Werbefachleute und Verkaufsstrategen. In jeder Pause wird Werbung eingestrahlt, überall laufen „Popcornmenschen“ oder „Softdrinkverkäufer“ rum. Und damit noch nicht genug: Fanartikel werden nicht, wie bei uns üblich im Fanshop verkauft, sondern werden den Zuschauern in der Halle und während dem Spiel bzw. den Pausen angedreht. Außerdem gibt es zu jedem Team alles was man sich überhaupt vorstellen kann, mehr als hier in Deutschland.

Andererseits wirkt sich der Lockout in der NBA vermutlich noch auf das Medieninteresse hierzulande bzw. in Europa aus. Viele Topstars aus der NBA tragen sich mit dem Gedanken nach Europa oder sogar nach Deutschland zu wechseln, oder sind es schon. Z.B. ist Los Angeles Lakers Superstar Kobe Bryant nach Bologna gewechselt, natürlich nur für die Zeit, in der in der NBA nicht gespielt ist. Der Bundesligist BBC Bayreuth ist in Verhandlungen mit Kevin Durant (Oklahoma City Thunder), der bei der Basketball-WM zum wertvollsten Spieler gekürt worden war. Auch Deutschlands Basketball-Wunderkind Dirk Nowitzki trägt sich mit dem Gedanken bei einem Ausfall der Saison in der BBL (Basketball Bundesliga) zu wechseln. Nicht auszudenken, was hier in Deutschland los wäre, wenn dies geschehen würde. Zuschauerboom und wachsendes Medieninteresse wären los.

 

 

http://www.kicker.de/news/basketball/startseite/560654/artikel_nba-angebot-abgelehnt-der-saison-droht-das-aus.html

http://www.abendblatt.de/sport/article2093541/Spieler-lehnen-finales-Angebot-ab-Saison-vor-dem-Aus.html

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Sport/Mehr-Sport/Basketball/482333/Bayreuth-will-NBA-Star-Durant-holen.html

http://sport.t-online.de/dirk-nowitzki-wechsel-nach-europa-rueckt-naeher/id_51463456/index?news

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Ein Gedanke zu „NBA droht Saison-Aus

  1. Da scheinen beiden Konfliktparteien die fetten Dollarchecks wohl ein wenig zu Kopfe gestiegen zu sein. Natürlich nimmt Profi-Sport auf diesem Niveau für die Akteure nicht weniger Zeit in Anspruch als ein „gewöhnlicher“ Vollzeitjob, aber dennoch: sowohl die Spieler als auch die Funktionäre auf der Gegenseite bewegen sich finanziell bzw. lebenshaltungstechnisch in Sphären von dem der durchschnittliche (amerikanische) Arbeitnehmer nur träumen kann, und das finanziert durch eine Beschäftigung für die der Begriff „Beruf“ zumindest kritisch betrachtet werden kann. Daher finde ich es eine Unverschämtheit um Geldbeträge zu feilschen, die letztlich niemand der Betroffenen tatsächlich zum Leben braucht und somit diesen Konflikt letztlich auf dem Rücken der Fans auszutragen, welche die Hauptleidtragenden einer abgesagten Saison wären bzw. schon sind. Wasser auf die Mühlen der aktuellen amerikanischen Protestbewegung gegen die ungerechte Wohlstandsverteilung und zweifellos ein Schuss ins eigene Bein.

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