Scripted Reality

Unter dem Begriff aus dem Titel kann sich mittlerweile jeder etwas vorstellen. Noch vor 3 Jahren war er nahezu unbekannt und vor allem nicht gebräuchlich.

Auch das Phänomen was sich hinter dem Namen verbirgt ist bekannt: Die „Realität“ nachspielen in Form eines Fernsehformats. Dramatische Geschichten die am Ende immer ein Happy End haben und immer zum Ziel: Den Zuschauer unterhalten und in gewisser Weise etwas vermitteln, damit ihm eben so etwas nicht passiert.
Oft sind die ausgedachten Storys so verrückt und abwegig, dass man als Rezipient nur den Kopf schüttelt. Dennoch – die Sendungen müssen ein Erfolg sein, so häufig wie man sie zu sehen bekommt, in so vielen Abwandlungen und auf so vielen Sendern. Die wenigsten Zuschauer bekennen sich aber ehrlich dazu: „Ich schaue Scripted Reality“. Vielen ist es unangenehm, gar peinlich dazu zu stehen. Irgendwo verständlich – die Formate haben nach wie vor den Ruf als „Unterschichten-TV“ zu agieren und ein sogenanntes „Hartz IV“ Fernsehen zu sein.

Jedoch ist sogar erwiesen, dass ein Großteil des Publikums Akademiker sind, bzw. auf dem Weg dahin einer zu werden.

Die Frage aber bleibt: Was macht Scripted Realities zum Erfolg? Hauptgrund wird sicherlich die Einfachheit sein. Fernsehen ist, wie Radio, häufig zum Nebenbei-Medium geworden und man möchte sich einfach nur „berieseln“ lassen. Dies ist mit Formaten wie „Mitten im Leben“, „Verdachtsfälle“ „X-Diaries“ oder ähnlichem, bestens möglich. Das Nachdenken kann man als Rezipient beiseite schieben, man muss sich keine Meinung bilden und die Unterhaltung kommt von ganz alleine. Vielleicht liegt der Erfolg auch ein Stück weit in der Belustigung, die der Rezipient fühlt. Für ihn ist es offensichtlich: „Ich habe ein besseres Leben“ und „Ich brauche mich nicht ändern“. Es ist also eine Art Genugtuung diese Sendungen zu schauen.

 Man kann diese Formate sehen wie man will: kritisch, nahezu ablehnend oder eben doch als gute Unterhaltung. Aber eins ist sicher: erfolgreich sind Scripted Realities und das nicht ohne Grund.

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2 Gedanken zu „Scripted Reality

  1. Ich denke auch, dass vor allem der Faktor „sich berieseln lassen“ eine Rolle spielt. Wenn man sich das TV-Programm ansieht, gibt es ohnehin nicht viel Auswahl. Dann ist es im Grunde egal, was man nebenbei laufen lässt.
    Zudem wird – wahrscheinlich gerade durch die übertriebenen Geschichten – tatsächlich ein Gefühl erzeugt, dass man sich gegenüber den Leuten in der Sendung besser fühlt. Man selbst würde ja „niemals“ so sein, sich so geben, sprechen, darstellen.
    Auch wenn das Format fragwürdig ist, mit den beiden Aspekten greifen sie genau in die richtige Nische und machen es zu einem Erfolg.

  2. Ich sehe das auch so, dass viele Leute sich solche Sendungen ansehen um sich besser zu fühlen. Es ist ein beruhigendes Gefühl wenn man sieht, dass man nicht der Einzige ist, der Probleme hat. Und aufgrund der Happy Ends die in diesen Formaten dargestellt werden, glauben die Menschen natürlich, dass sich bei ihnen auch alles zum Guten wenden wird. Des Weiteren spielt auch die Identifikation eine wichtige Rolle. Gerade weil die Sendungen Probleme aus dem Alltag darstellen, können sich die Rezipienten oft damit identifizieren, und das ist gerade bei Jugendlichen, die ihre eigene „Identität“ noch nicht so richtig gefunden haben und Rollenmodelle suchen, auch ein entscheidender Faktor.
    Was aber meiner Meinung nach auch wichtig ist, ist die Tatsache, dass viele der Zuschauer Akademiker sind. Vielleicht ist gerade dass sie Akademiker sind, die Erklärung dafür dass sie solche Sendungen ansehen. Als Akademiker haben sie hohe Anforderungen zu erfüllen und wollen vielleicht wenn sie nach Hause kommen sich etwas im Fernsehen ansehen, was einfach ist und wo sie sich nicht noch zusätzlich anstrengen müssen.

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