Guttenplag-Wiki für den Grimme Online Preis nominiert

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Es ist eines der meist diskutierten Internetangebote in den letzten Monaten und man ist sich sicher, dass es einen wesentlichen Einfluss auf den Rücktritt des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg hatte.

Auf der Mitmach-Plattform „Wikia“ wurde kurz nach der Bekanntgabe des Plagiatsvorwurfs gegen zu Guttenberg das Guttenplag-Wiki ins Leben gerufen, um in einem Gemeinschaftsprojekt von Internetnutzern die abgeschriebenen, jedoch ungekennzeichneten Passagen herauszusuchen. Mehr als 1000 Freiwillige beteiligten sich an der Dokumentation und erregten mit ihrer Arbeit großes Aufsehen. Aufgrund des erheblichen Engagements wurden schon innerhalb von zwei Tagen 238 von 407 Seiten gemeldet, welche auf Plagiate überprüft wurden.

Für dessen Aufklärungsarbeit wurde das Guttenplag-Wiki in der Kategorie „Spezial“ nun für den begehrten Grimme Online Preis nominiert, welcher qualitativ herausragende Internetangebote ehrt.

„Ihre Leistung führte letztendlich nicht nur zum Rücktritt des Ministers, sondern fachte eine gesellschaftliche Diskussion über Ethik, Moral und Verantwortung an.“

Mit dieser Begründung erklärte die Nominierungskommission ihre Entscheidung.

Das Guttenplag-Wiki ist eines der 26 nominierten Angebote aus denen in der Endrunde acht Preisträger hervor gehen. Diese werden am 22. Juni 2011 bei der Verleihung in Köln offiziell gewürdigt.

Aus medienwissenschaftlicher Sichtweise wäre nun interessant, inwiefern die nach und nach zusammen getragenen Erkenntnisse des Guttenplag-Wikis die journalistische Berichterstattung über zu Guttenberg beeinflusst haben könnten. Hierfür wäre eine Inhaltsanalyse der Berichte und Informationen durchzuführen, welche sich mit den Plagiatsvorwürfen beschäftigten und sich auf die Inhalte des Guttenplag-Wikis bezogen. Diese würden Aufschluss darüber geben, in welche Richtung die neuen Erkenntnisse die Berichterstattung lenkten und ob durch die Zunahme von Plagiaten sowie deren Beweis eventuell eine bestimmte Aussage über zu Guttenberg gemacht wurde und die Berichte dadurch konkret meinungsbildend wirkten. Des Weiteren sollte man berücksichtigen, ob und wie sich die Berichterstattung verändert hat, als die Arbeit und die Informationen des Guttenplag-Wikis bekannt wurden. Dies wäre anhand von Vergleichen der Nachrichten, vor der Gründung des Guttenplag-Wikis sowie danach festzumachen.

Zusätzlich sollte anhand einer Befragung der Rezipienten festgestellt werden, wie die Berichterstattung aufgenommen wurde; ob gegebenenfalls Veränderungen aufgefallen sind und ob sich dadurch auch die eigene Meinung bzgl. der Thematik verändert hat.

Da dieses Angebot ganz neue Möglichkeiten zur Aufklärung und Herstellung von Ordnung und Transparenz geschaffen hat, kann man sich fragen, welche Entwicklungen in Zukunft zu beobachten sind. Letztendlich verdeutlicht es einmal mehr wie vielfältig und dynamisch das Internet und wie „gläsern“ die Gesellschaft heutzutage ist.

Quellen:

http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki

http://www.grimme-institut.de/html/index.php?id=7

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,746582,00.html

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,761932,00.html

http://www.focus.de/digital/internet/grimme-online-award-2011-nominierung-fuer-das-guttenplag-wiki_aid_625745.html

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