Sollten sich schwule Fußballer outen?

Der Tatort „Mord in der ersten Liga“ handelt von einem ermordeten Profifußballer, der schwul ist. Dabei sind schwule Sportler noch immer ein Tabuthema in den deutschen Medien. Für Maria Furtwängler, die die Hauptrolle in diesem Tatort spielt und ebenfalls am Drehbuch mitwirkt, ist dieses Thema eine Herzensangelegenheit, wie sie der Bildzeitung im Interview erzählt. Des Weiteren betont sie, dass es wirklich mutig wäre, wenn sich ein Spieler outen würde. Theo Zwanziger sieht das ähnlich: „Ich würde es begrüßen, wenn sich ein Bundesliga-Spieler outen würde. Er hätte auch die Unterstützung des DFB und von mir.“ Allerdings fügt er im nächsten Satz hinzu: „Möglicherweise sind einige talentierte Spieler frühzeitig das Versteckspiel leid und brechen ihre Fußball-Laufbahn ab. Ein Profispieler müsste womöglich berufliche Nachteile befürchten.“ Dieses ambivalente Verhältnis zum Outing schwuler Profis haben auch Star-Fußballer. So sprach sich Manuel Neuer im Februar gegenüber der Zeitschrift „Bunte“ für ein Outing aus und ist der Meinung, dass sich die Fans in den Stadien schnell daran gewöhnen würden. In den südamerikanischen Medien wurde dieses Statement durch einen Übersetzungsfehler jedoch zu einer Falschmeldung, die besagte, dass Manuel Neuer schwul sei und sich geoutet hätte. Ebenso ermutigt der deutsche Nationalspieler Mario Gomez im Interview mit der „Bunten“, vom November letzten Jahres, seine Kollegen dazu, sich zu outen und dadurch befreiter zu spielen. Bayern-Kapitän Philipp Lahm sieht ein Outing hingegen kritischer und rät davon ab, da es sich negativ auf die Karriere des Profis auswirken könnte.

Alles in Allem ist es sehr schade, dass Homosexualität im beliebtesten Volkssport der Deutschen ein solches Tabuthema darstellt. Denn auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens werden homosexuelle Politiker, Schauspieler und Künstler akzeptiert. Besonders indem die Medienberichterstattungen kontroverse Meinungen von prominenten Vorbildern veröffentlichen, wird die Hemmschwelle, sich zu outen, noch größer. Der Konflikt wird nicht entschärft, sondern im Gegenteil, er wird angeheizt. Dadurch werden die Medien dem Anspruch, relevant, aktuell und wahrhaftig zu sein, nicht gerecht.

 

http://www.welt.de/sport/fussball/article10829595/Mario-Gomez-raet-schwulen-Fussballern-zum-Outing.html

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,324932,00.html

http://www.bild.de/sport/fussball/manuel-neuer/nach-uebersetzungspanne-halten-suedamerikaner-ihn-fuer-schwul-15987678.bild.html

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6 Gedanken zu „Sollten sich schwule Fußballer outen?

  1. Fußball ist der Männersport Nummer eins, Homosexualität gehört irgendwie nicht dazu. Schöne Spielerfrauen, das ist okay. Aber schöne Spielermänner? Das passt einfach nicht in das Schema Fußball. Fußball entführt aus dem Alltag und alles was zählt ist die Parallelwelt, in die man entführt wird. Sport ist Ablenkung vom Alltag, die schönste Nebensache der Welt. Es ist vollkommen okay, wenn diese kleine Welt politisch nicht korrekt ist, das Leben sonst ist es.

  2. Ich glaube nicht, dass dieses Thema ein „Tabuthema“ in den deutschen Medien ist, aber durchaus im deutschen Fußball. Das Thema wäre meiner Meinung nach eher ein gefundenes Fressen in den deutschen Medien. Aber ich glaube kaum, dass sich aktive Spieler in den nächsten Jahren zur Homosexualität bekennen werden, denn wie erwähnt wäre das ein viel zu hoher Druck für sie und keiner könnte mit dem Stempel „Erster Homosexueller Spieler“ zurechtkommen. Von einem bereits inaktiver Spieler könnte ich mir aber ein Outing durchaus vorstellen, denn diese haben einfach viel weniger zu befürchten.

  3. Während Theo Zwanziger den Fußballspielern, die sich outen wollen, die Unterstützung des DFB zusichert, verhält sich die Trainerin der
    nigerianischen Frauenfußballmannschaft bzgl. der Homosexualität im Fußball eher kontraproduktiv:
    Sie verbannte alle lesbischen Spielerinnen aus ihrem Team und ging mit der Tatsache, dass sie eine „Lesbenhasserin“ sei, sehr offen um.

    Siehe:
    http://de.eurosport.yahoo.com/abgeblogged/article/7539/

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