Die ‚Bling Ring Teenies‘ auf Tumblr

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Gruppen gelangweilter, amerikanischer Teenager streifen durch die schrill, funkelnden Geschäfte in ihren heimatlichen Shoppingmalls, um anschließend selbstbewusste Aussagen in ihre Tumblr Blogs zu tippen, wie es zum Beispiel luxsteals regelmäßig macht:

“Leute denken Ladendiebstahl wäre das ultimative Verbrechen und überhaupt das Schlimmste was man machen kann. Drogen nehmen ist auch illegal […] und trotzdem ist es überall auf Tumblr und niemand sagt da was. Ich will ja nur sagen, dass wenn ich mal eine Hose für 40$ mitgehen lasse, das keiner mit Drogen nehmen oder Leute vergewaltigen vergleichen kann.“

Unter ominösen Benutzernamen wie “liftingcuteshit“, “toocutetopay“ oder “mrsliftsalot“ scheint sich eine eigene Online-Community verbündet zu haben. Ihre Interessen sind breit gefächert, so werden, neben kleineren Diebstählen von Shampoo bis Nagellack bei Bath & Body Works bis hin zu, mit Strass verzierten, Victoria’s Secret Pyjamas und Unterwäsche, alle Geschäfte abgeklappert.

Auf ihren Blogs posten sie anschließend Beweismaterial in Form von Haul Fotos, auf denen sie ihre neu eingesteckte Ware gezielt präsentieren. “Ein zurückhaltendes Setting für die Fotos zu schaffen sei schwerer, als die Sachen letzendlich zu klauen“, so smokeyandthebandit.

liftingthelittlethings   crybabylift

Diese Fotos sind für viele eine Art Wettbewerb um sich und seine Erfolge gezielt darzustellen.

Eine weitere Dokumentation erfolgt durch das Posten von Bilanzen. Viele scheinen ihr Verhalten gutheißen zu wollen, indem sie sich als Sparfüchse darstellen und stolz verkünden wie viel sie im Laufe ihrer ‚Shoplifterkarriere‘ sparen konnten.

Wie das Zitat am Anfang bereits zeigt, viele der Teenager sind sich dem Ausmaß der Illegalität ihres Hobbies nicht im Klaren. Die meisten von ihnen sind mit unter 21 Jahren womöglich auch noch viel zu jung um sich über die eigentliche Wahrheit, hinter ihren perfekt konstruierten Profilen, Gedanken zu machen.

Als im Jahre 2014 ein Tumblr, der mittlerwile deaktiviert ist, das Phänomen der klauenden Teenager, durch das Veröffentlichen einer Liste mit sämtlichen Blogtiteln, veröffentlicht, trifft dies die Community stark. Schnell wurde befürchtet, dass sie durch Tumblr gesperrt und zur Rechenschaft gezwungen würden. Somit gaben viele eine Art Disclaimer vor, in denen sie lauthals verkündeten, alle dargestellten Diebstähle seien rein fiktiv und bloß Teil eines Rollenspiels.

Dennoch verbot Tumblr einige Blogs und viele der User tauchten unter.

Ein regelrechter Hype brach innerhalb ihrer Community aus, sie wurden zum Bling Ring Tumblrs. Angelehnt war dieser Begriff an Sofia Copollas Film, der sich mit der klauenden Teenagergruppe die in Promi-Villen einbrachen, beschäftigte.

Viele der User fühlten sich geehrt und feierten die Anlehnung an diesen Filmklassiker. Von Einsicht war und ist nach wie vor keine Spur.

Die Jugendlichen finden Akzeptanz und Rat innerhalb ihrer Community und können offen und ehrlich über ihre Probleme, auch abseits von Shoppingmalls, schreiben.

Wie in allen Online-Communities ist der Wunsch nach Zugehörigkeit und Anerkennung ein treibender Beweggrund für viele der Kleinkriminellen.

Durch das Internet werden vielen Jugendlichen gewisse Standards vorgelebt und teilweise ein klarer Fokus auf Materialität gesetzt. So haben viele falsche Vorstellungen und gehen davon aus, um mit anderen mithalten zu können, müssten sie stets die neueste Kleidung zum passenden Lippenstift tragen.

Die Bling Ring Tumblr Community wird dank vieler Schlupflöcher trotz vereinzelter Verbote wachsen und weiter munter von ihren neu ergrabschten Duschgels, Seifen oder Handtaschen berichten.

 

Bildquellen:

http://liftingthelittlethings.tumblr.com/

http://shoplifterbabe.tumblr.com/post/125537407014/my-friend-beeped

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„Blogs liest ja sowieso keiner.“

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Die meisten wissen noch nicht einmal recht, wo sie den Begriff einordnen sollen – geschweige denn, wie man ihn mit Inhalten füllt. Der „Blog“. Laut Definition eine Art Online-Tagebuch, das sich mit Hilfe von WordPress und Co. jeder aneignen kann, um nach Herzenslust sein Leben, seine Meinungen oder einfach nur lustige Bilder in die weite Welt des Internets hinaus zu posaunen.
Aber Blogs sind eben nicht nur eine frühe Variante des Facebookprofils. Sie dienen (vor allem für Journalisten) als Informationsquellen, spiegeln (gut und weniger gut belegte) Meinungen wieder und auch andere Social Media Accounts, wie Twitter oder eben Facebook können als „Blogs“ bezeichnet werden. Und selbst die „reinen“ Blogs sind trotzdem nicht zu unterschätzen:

Weltweit lesen mehr als 409 Millionen Menschen pro Monat WordPress Blogs, die unter anderem bekannte Größen wie die New York Times, Samsung oder ebay beinhalten. Von Internetzeitungen bis zu Infopages über die neusten technischen Errungenschaften ist also alles vertreten. Für Unternehmen ist es profitabel einen Blog zu unterhalten – sei das nun über WordPress, über eine Facebookseite oder einen Twitteraccount, denn sie können so Werbung machen. Um so viele Menschen wie möglich zu erreichen, werden alle Mittel auf einmal genutzt. Die Anzahl der Blogs steigt ständig an, alleine auf tumblr fanden sich im Oktober diesen Jahres 207,3 Millionen. Eine Zahl, die man sich eigentlich schon gar nicht mehr vorstellen kann und trotzdem ist sie nur ein Bruchteil dessen, was sich in den Tiefen des World Wide Web tummelt. Doch worüber schreiben all diese Menschen und Unternehmen den lieben langen Tag?

Eine Studie von rankseller hat 2013 2.344 deutsche Blogger dazu befragt und das Fazit?

Die beliebtesten Themenbereiche sind Heim und Garten oder Erotik und Liebe, Schlusslicht bilden Shopping und (leider) auch Bildung und Wissen. Was erstmal kein besonders überraschendes Ergebnis ist, Klatschzeitschriften verkaufen sich schließlich auch am laufenden Band. Die deutsche Top 100-Liste der Blogs wird vom Postillon angeführt, einer Website die das aktuelle Mediengeschehen meist satirisch aufbereitet, gefolgt von mimikama, die sich auf  Betrugsfälle im Internet konzentriert, und Schlecky Silberstein (ehemals Spiegel Offline), die dem Leser einfach nur ein wenig den Tag versüßen möchte. Wobei man sicher auch bei diesen weniger ernsthaften Blogs über den ein oder anderen bemerkenswerten Eintrag stolpern könnte.

Wer selbst einen Blog schreiben möchte, wird mit Hilfestellungen und Ratschlägen geradezu überschüttet. Tippt man bei Google „Wie schreibe ich einen Blog“ ein, erhält man circa 44,3 Millionen Ergebnisse. Allerdings sind ein paar einfache Tipps schnell herausgefiltert:

  • Themenbezogenheit/Zielsetzung: Wer sich auf ein Thema spezialisiert und weiß, worauf er hinaus will bzw. für wen er da schreibt, hat einen guten Grundstein gelegt.
  • Ansprechendes Design: Wenn das Layout stimmt und die Seite übersichtlich ist, findet sich der Leser gleich besser zurecht.
  • Schlagworte/Beziehungen: Mit Schlagworten wird der Blog leichter gefunden – und Beziehungen (Links, Verweise, etc) zu Unternehmen, anderen Bloggern u. Ä. schaden nie – und schützen vor Plagiatsvorwürfen.
  • unvm.

Für den Erfolg eines Blog ist im Endeffekt aber der Inhalt entscheidend, damit er auch heute – in der Zeit von Facebook, Twitter und Co. Aufmerksamkeit erlangt. Oder ob der Inhaber des Blogs die National Football League ist.

 

 

Quellen:

WordPress Stats

WordPress Notable Users

Statista: Statistik Tumblr

Studie Basicthinking.de „So bloggt Deutschland“

Deutsche Blogcharts

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