Vermischung von Recruiting, externer und interner Kommunikation bei Facebook

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Social Media verändert die PR. Ihre Bestandteile, die früher zwar unter einem Oberthema zusammengefasst waren, aber doch mehr oder weniger klar getrennt waren, wachsen zusammen. Bei Facebook kann man das, wenn sich Firmen den auf diesen Prozess einlassen, ganz gut beobachten. Zum Beispiel fragt die Telekom auf ihrer Karriere Seite ganz verblümt, wie den Fans (heißen die überhaupt noch so in der offiziellen Facebook Terminologie?) das neue Profilbild gefalle.

Der erste Kommentar attestiert es sei gruselig, worauf von Seite der Telekom schnell gefragt wird warum dieser Eindruck entstünde. Also wird schon mal die wichtige Social Media Regel befolgt und auf Kritik und Anregungen geantwortet. Viel spannender ist aber, wie sich im Laufe der Diskussion in den Kommentaren Telekom Mitarbeiter zu Wort melden und erst loben, dass das Profilbild endlich mal Coporate Identity konform sei oder auch nicht. Hier wird also auf einer Seite die zur externen Kommunikation dient, aktiv von Mitarbeitern über den Firmenauftritt diskutiert. Man merkt den Angestellten Telekom eine hohe Identifikation mit ihrem Arbeitgeber an, der soweit geht das sei Teile der CI in ihr eignes Profilbild übernehmen. Ein sicheres Indiz, wie bei der Telekom ein effektives Personal Branding betrieben. Das einzige was mich persönlich etwas stört, ist dass die Botschaft was für ein großartiges Unternehmen die Telekom sei, teilweise etwas plump daher kommt und an oldschool PR erinnert. Das kommt zwar bei den Mitarbeitern gut an und muss auch irgendwie gemacht werden, um die Botschaft zu transportieren, aber ich glaube da können PR Verantwortlichen im Social Web noch einen Tick subtiler zu sein.

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Nicht noch ein Social Media Artikel

geschrieben von in Internet, Kommunikationsformen, Medienkritik, Medienwandel, Qualität, Zukunft des InternetKommentare deaktiviert für Nicht noch ein Social Media Artikel

bildquelle: metaroll benedikt koehler

Alle sprechen über Social Media. Auch wenn die Menge der Artikel zu diesem Thema einen Umfang erreicht, der nur schwer zu bewältigen ist, zeigt ein genaues Monitorring doch, wie ernst das Thema genommen wird und wie reflektiert darüber geschrieben wird. Bis auf wenige Ausnahmen wird nicht mehr an jeder Ecke ein neuer Social Media Hype entdeckt und auch bei Skeptikern ist ein hohes Maß an Objektivität zu beobachten. Letztere haben sich anscheinend mit Social Media abgefunden und verteufeln nicht mehr prinzipiell alles was aus dieser Richtung kommt. Etablierte Journalisten, die mit Social Media ja ein gewisse Hassliebe verbindet, nutzen Social Media inzwischen fast selbstverständlich auch wenn Gefahren für die journalistische Qualität gesehen werden.

Die vernetzten Strukturen des Social Web erfordern auch ein Umdenken in der PR, auch wenn Social Media Fanatiker darüber, manchmal die klassische PR zu vergessen scheinen. Aber eigentlich dürfte jedem klar sein, das klassische PR nach wie vor das A und O ist. Nur ist es einfach wenig produktiv, darüber hinaus Social Media in der PR zu vergessen. Wer sich die Aktivitäten von Unternehmen im Bereich Social Media anguckt findet einerseits sehr gute Strategien, aber auch totale Fehlschüsse. Letztere zeugen oftmals von Unwissen über die Funktionsweisen des Social Web und das Fehlen einer durchdachten Social Media Policy (in dem Zusammenhang interessant Social Media Polcys für Non Profit Organisationen). Negativbeispiele sind das, über Facebook beworbene Chef Ticket der Bahn, das wie man sieht, auch für Häme in den klassichen Medien sorgte. Ein weiteres Beispiel dafür, wie es aussieht, wenn Social Media gewollt aber nicht gekonnt wird, ist die Facebook Seite von Meeting Metro. Dort ist das Bild beispielsweise eine Katastrophe und das Gewinnspiel an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Auch aufgrund dieser Unattraktivität hat MeetingMetro nur 153 Anhänger auf Facebook. Um so etwas zu verhindern sollten sich PR Verantwortliche mehr mit dem Thema Social Media befassen und sich mit der Realität abfinden. PR Blogger Klaus Eck hat dafür Illusionen über Social Media zusammengetragen, von denen man sich verabschieden sollte.

1. Ich kann private und berufliche Accounts trennen
2. Social Media ist umsonst
3. Ich mache Social Media nebenbei
4. Social Media ist nur ein Hype
5. Social Media ist ein Phänomen der Jugend
6. Ich nutze Social Media als Marketingkanal
7. Nur etablierte Publikationen beeinflussen meine Reputation
8. Ich bleibe dann mal im Hintergrund

Aus Punkt 6 und 7 und auch das Verhalten der Bahn kann man gut ableiten, wie beschränkt die Fähigkeit der PR ist, als Agenda Setter aufzutreten oder das Agenda Setting in der Öffentlichkeit zu beieinflussen. Beim Chef Ticket verlangten die User nach Kommunikation und die Reputation eines Unternehmens kann gerade außerhalb der Massenmedien schnell zerstört angekratzt werden.

Das Verwischen oder gar verschwinden von Grenzen zwischen privater, öffentlicher und beruflicher ist nicht nur ein Thema, welches PRler betrifft. Jan Schmidt hat zum Verhalten von Jugendlichen im Social Web kienbaumcommunications ein spannendes Interview gegeben. Auch Jugendliche sind mit Social Media teilweise überfordert und sehen – auch auf Grund der Massenmedialen Berichterstattung über Facebook als Karriere Killer – das Social Web oft kritisch. Den (teilweise gleichermaßen unwissenden wie ignoranten) Kritikern, denen auch ich tagtäglich begegne, stehen aber auch die sorglosen Nutzer gegenüber. Bei beiden Gruppen sind „letztlich wieder medienerzieherische Maßnahmen gefragt, die nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen vermitteln.“

Da ich gerade über Social Media spreche, empfehle ich doch gleich noch diese Studie über Weiterempfehlungen in Social Media. Und da man ja in der Medienwissenschaft nie genug auf Habermass verweisen kann, tue ich das hiermit auch.

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Der Hype um Ortsbasierte Dienste à la foursquare und Gowalla

geschrieben von in Internet, Kommunikationsformen, Medienwandel, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Wer sich wie ich wir irgendwo in der lustigen bunten Welt der Social Media (oder wie es damals in der Steinzeit hieß, Web2.0) tummelt, kommt nicht am Thema ortsbasierte Dienste (Location Based Services) wie foursquare und Gowalla vorbei. So scheint es zumindest. Ortsbasierte Dienste ermöglichen es dem Nutzer mit seinem Smartphone seine derzeitige Position zu ermitteln und so in einer Lokalität „einzuchecken“. So weiß der virtuelle Freundeskreis oder auch die gerade besuchte Lokalität, immer wer sich wo befindet. Skeptiker warnen vor der selbst gewollten  Totalüberwachung und BigBrother3.0 (wir erinnern uns: 2.0 ist out). Befürworter sehen den praktischen Nutzen für die Organisation des zwischenmenschlichen Zusammenlebens und das Marketing. Denn statt 20 SMS schreiben, in der stünde in welcher Kneipe man gerade sei, bräuchte man nur einmal in einem Location Based Services „encheckenW und der gesamte Freundeskreis wüsste, wo man gerade steckt. Betreiber der diversen Lokalitäten haben auf der anderen Seite beispielsweise die Möglichkeit Nutzern, die oft bei ihnen einchecken Vergünstigungen anzubieten.

So weit die Theorie. Social Media Enthusiasten sind natürlich längst bei foursquare und Gowalla dabei und herrscht in sowohl in der Szene als auch in der Fachwelt der Konsens, dass ortsbasierte Dienste und die gesamte Lokalisierung des mobilen Internet da nächste große Ding sind. Dumm nur,  das außerhalb der Welt der medienafinen Menschen, die neue Medien- und Kommunikationsmittel besonders nutzen und darüber schreiben noch kaum jemand ortsbasierte Dienste kennt, geschweige denn nutzt.

Die Smartphone Dichte in der breiten Bevölkerung nimmt zwar rasant zu und er Otto Normalverbraucher, zahlt gerne  1000 Euro für ein Iphone 4 und nutzt damit das mobile Internet. Aber er nutzt es so, wie er es auch zu Hause nutzen würde.

Wie unbekannt die Ortsbasierten Dienste wirklich sind zeigt jetzt eine Studie, deren Inhalt GigaOm zusammengefasst hat. Demnach  nutzen nur 4 % der Befragten ortsbasierte Dienste, während 84 % nichts mit dem Begriff anfangen können. 9 % wissen immerhin worum es bei Location Based Services geht und 3 % kennen Leute die solche Applikationen nutzen. Und wie man es nicht anders gewohnt ist, sind die Early Adopters die jungen Männer.  Da solche Trends in den USA in der Regel früher losbrechen und erst mit der Zeit von den deutschen und europäischen Nutzern übernommen werden, ist der Hype um Location Based Services derzeit noch unbegründet. Foursquare hat so z.B.  lediglich 20.000 aktive Nutzer in Deutschland.

Ich stimme Martin Weigert zu und kann mich seinem Fazit im Artikel auf netzwertig.com nur anschließen. Er sagt dass ein eigener Ortsbasierter Dienst von Facebook das Zünglein an der Waage sein könnte, der den Durchbruch für die Location Based Services einläuten könnte. Facebook steht wohl kurz davor den Location Based Service Hot Potato zu übernehmen. Gerade jüngere Nutzer, die neuen Formen der Nutzung von Social Media offener Gegenüber sind könnten so leicht zu Nutzern der Ortsbasierten Dienste werden.

Die Frage ist ob foursquare und Gowalla dadurch verdrängt werden. Twitter wurde seiner Zeit nicht von Facebook verdrängt und hält sich gegenüber den neu eingeführten Statusupdates auf Facebook. Aber Twitter war zu dem Zeitpunkt als Facebook zum Angriff überging auch bereits tiefer verankert. Für Deutsche Social Networks a la StudiVZ, könnte der Wind durch die ortsbasierte Dienste noch rauher werden, als er eh schon ist. Denn ohne enormes Kapital, wie es hinter Facebook steht, dürfte sich kaum in nächster Zeit eine eigene  ortsbasierte Dienste Applikation entwickeln lassen. Zumal die StudiVZ Nutzer in ihrem Nutzungsverhalten doch eher konservativ sind und dem ganzen SchnickSchnack (dem aber die Zukunft gehört) bei Facebook eher skeptisch gegenüber stehen.

PS. Martin Weigert weißt übrigens in einem anderen Blogpost darauf hin, das 4 von 4 Studien zu Netzthemen fragwürdig sind.^^

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Facebook – Der Untergang für StudiVZ und Co?

geschrieben von in Internet, Internetstatistik, Kommunikationsformen, Medienkritik, Medienwandel, Zukunft des Internet3 Kommentare »

Unter dem Titel Die Folge der Facebook-Dominanz: Deutsche Social Networks am Scheideweg gibt es bei netzwertig einen absolut lesenswerten Artikel darüber über Facebook. Am Beispiel Schweden wird erläutert, wie Social Network Marktführer alteingesessene nationale Netzwerke in die Bedeutungslosigkeit verbannte.
Die Frage die sich zu Recht stellt, ist ob eine ähnliche Entwicklung auch in Deutschland wahrscheinlich ist. Oder hängen die Deutschen zu sehr an ihrem StudiVZ, MeinVZ, SchülerVZ, Wer-kennt-wen oder gar an Lokalisten?

Problemkind VZNetzwerke

Die VZ Netzwerke, sind wie der Name schon sagt mehrere Netzwerke, die sich aber mehr oder weniger miteinander verbinden lassen. Lässt man den positiven Aspekt des, letzten Endes umgehbaren Jugenschutzes bei SchülerVZ beiseite, ist das eine ziemlich lästige Angelegenheit. Hier zeigt sich, dass der einstige Trumpf von StudiVZ von inzwischen zu einem Problem geworden ist. Waren es einst die Studenten als Early Adopters und Zugpferd des Social Networks, schließen diese nach dem Studium ihren Account und denken in der Regel nicht daran, zum hochgradig altbacken klingenden MeinVZ zu wechseln.
Wobei ich zumindest aus meinem Umfeld sagen kann, das viele StudiVZ Profile den Studienabschluss ihrer Besitzer nicht miterleben. Viele User kehren StudiVZ den Rücken zu. Sei das Datenschutzgründen oder weil sie einfach keinen Mehrwert in dem sozialen Netzwerk mehr sehen. Ersterer Grund mag zwar von hohen Idealen zeugen, aber wer fair sein will, muss den VZ Netzwerken zugestehen, dass sich etwas in Sachen Datenschutz getan hat und Facebook oder auch Google eine größer Datensammelwut antreibt. Aus diesem Grund preist StudiVZ sich ja inzwischen gerne als kleines deutsches Datenschutzparadies an, und macht so geschickt PR gegen Facebook.
Das weit größere Problem von StudiVZ ist der fehlende Mehrwert. Partyfotos sind für Nutzer die irgendwann einmal die Uni Richtung Arbeitswelt verlassen wollen eher ein Grund, StudiVZ zu verlassen, als dort aktiv zu sein. Der in den Anfangstagen des Studentenverzeichnis oft beschworene Gedanke, es bestünde die Möglichkeit alte Schulfreunde zu finden, gilt einerseits auch für Facebook und Co und war andererseits schon immer ein Scheinargument für soziale Netzwerke. Auch wenn wer seinen kompletten Abijahrgang als Freund hinzufügte, hat letzten Endes doch eher mit den Leuten in Kontakt gestanden zu denen eine engere soziale Bindung bestand. Der „Aha X studiert jetzt in Y das Fach Z – Effekt“ der einst den Reiz von StudiVZ ausmachte, ist nunmal keine Langzeitmotivation.
Das jedoch größte Problem, dass StudiVZ immer hatte und auch noch jetzt hat, ist seine Innovationsarmut. Es war immer ein Facebook Clon in rot, der sich erstaunlich langsam weiterentwickelte. Exemplarisch dafür ist immer das Fehlen von Hyperlinks gewesen. Wo Facebook sich heute selbst ins offene Internet katapultiert, sich mit diesem vernetzt und die Nutzerseiten von außen einsehen lässt, war StudiVZ immer ein in sich geschlossener Mikrokosmus. Wer einen Link teilen wollte, musste diesen kopieren und in die Browseradresszeile einfügen. Ein Usability Alptraum. Der noch größere Alptraum sind bei StudiVZ aber nach wie vor die Gruppen. Diese haben nie als Kommunikationskanal funktioniert sondern waren für gefühlte 90% der Nutzer nur eine lustige Erweiterung des Profils. „Ich glüh härter vor als du Party machst“, um nur eine dieser Juxgruppen zu nennen, erfüllt keinen kommunikativen Zweck sondern ist nichts weiter als ein Gag. Das Fehlen von Apps und Spielen hat mich hingegen nie wirklich gestört.Aber wer bei Facebook sieht, wie viele Freunde den halben Tag damit verbringen ihren virtuellen Bauernhof zu beackern, versteht wie sehr die Apps die Nutzer binden.

Was die Zukunft bringt

Eine derart ausgeprägte Analyse von Wer-Kennt-wen und Lokalisten spare ich mir an dieser stelle. Die Google-Statistik zeigt, dass es mit Wer-kennt-wen nach einem kleinen Boom schon wieder bergab geht und Lokalisten war niemals wirklich bedeutend. Aus der Google-Statistik geht klar hervor, dass die VZNetzwerke insgesamt zwar noch schlagkräftig sind, aber das gigantische Wachstum von Facebook macht nicht den Eindruck als würde sich stoppen lassen. Zumal der Funktionsumfang schon jetzt gewaltig ist und hinter diesem Social Network wesentlich mehr Kapital steht, dass sich in die Weiterentwicklung stecken lässt.
Ich kann mich Medienlese als nur anschließen und sagen, es harte Zeiten für die nationalen sozialen Netzwerke werden und dass es wahrscheinlich ist, das einige von ihnen in die Bedeutungslosigkeit abdriften werden. Wobei nicht gesagt ist, dass Facebook das Ende vom Lied ist.

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