Schleichwerbung auf YouTube – Ist jetzt Schluss damit?

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Knapp 60% Marktanteil unter den Videoplattformen, knapp 70% der Jugendliche im Alter von 14-29 Jahre nutzen die Plattform regelmäßig, die beliebteste Social-Media-Plattform deutlich vor Facebook, 300 Stunden neues Videomaterial pro Minute und über 4 Milliarden Videoaufrufe pro Tag weltweit. Das alles ist YouTube. Die Videoplattform Nummer 1, die mittlerweile in der jugendlichen Zielgruppe (12-19 Jahre) dem klassischen Fernsehen den Rang abgelaufen hat. So nannten bei einer Studie nur noch 84% Fernsehen als Zeitvertreib, wobei YouTube von 93% der Befragten Jugendlichen eine Freizeitbeschäftigung ist.

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Mittlerweile nutzen knapp 50% der User die Angebote von Youtube mobil.

Klar, dass das Phänomen YouTube und seine Reichweite bei Unternehmen und vor allen Dingen bei Werbetreibenden nicht unbemerkt bleibt und das riesige Potenzial erkannt wird und genutzt werden will. Was YouTube über die Marktmacht und Reichweite hinaus überaus interessant für Werbung macht, ist die persönliche, gar freundschaftliche Bindung, die viele Fans zu ihren Idolen spüren und die auch so von den YouTubern nach außen hin vermittelt wird. Dadurch wurden Produktplatzierung immer wieder als eine ungekennzeichnete, persönliche Empfehlung von den YouTubern an ihre Fans dargestellt. Dadurch ist es vor allen Dingen für die leichtgläubigen, jungen Fans extrem schwierig nachzuvollziehen, was man davon ernst nehmen kann und was in Wirklichkeit nur bezahlte Werbung ist.

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Phil und TC von Y-Titty halten das damals neue Galaxy S4 in die Kamera, ohne irgendeine Kennzeichnung. Schleichwerbung?

Bekannt sind natürlich nur wenige Fälle von ungekennzeichneten Produktplatzierungen, man würde sich freilich ein Eigentor schießen, sollte man dies öffentlich zugeben. Verdachtsmomente gibt es aber zu genüge und auch heute auch noch immer wieder. So stehen die überaus beliebten „Haul-Videos„, in denen meistens weibliche YouTuber ihre neuesten Errungenschaften aus angesagten Geschäften, wie DM oder H&M, präsentieren und in die Kamera halten, unter Verdacht eigentlich nur Marketingmaßnahme zu sein. Darüber hinaus gibt es auch klassischere, versteckte Produktplatzierung wie man sie aus dem Fernsehen oder Kino kennt. So trank das Comedy-Trio Y-Titty in ihren Videos immer wieder Coca-Cola und präsentierte in ihren Musikvideos ein Samsung-Handy. Bei knapp 3,2 Millionen Abonnenten über die der Kanal verfügt, sicherlich kein Zufall.

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Ein klassischer DM-Haul der YouTuberin DagiBee. Darin präsensiert aktuelle Produkte der Firma DM, angeblich aus eigenem Antrieb.

So setzt auf YouTube eine zunehmende Kommerzialisierung des Contents ein, immer mehr der Videos sind gesponsert oder gar reine Werbevideos. Vom eigentlichen und ursprünglichen Kredo „Broadcast Yourself“ ist immer weniger zu sehen. Dass diese Werbevideos oftmals nicht als solche gekennzeichnet sind, beschäftigt die Medienanstalten schon länger. Bislang bewegten sich allerdings sowohl die Content-Producer, als auch die Werbetreibenden in einer Grauzone, da es noch keine eindeutigen Regelungen für den Bereich Social-Media, also auch nicht für YouTube, gab. Nun allerdings gaben die Medienanstalten in einem FAQ klare Rahmenbedingungen heraus, wie sie schon bei Film, Radio und Fernsehen längst existierten und gelten.

Darin werden alle wichtigen Fragen zur korrekten Kennzeichnung von verschiedenen Sachverhalten erklärt und vor allen Dingen auch die Konsequenz eines Imageschadens und Glaubwürdigkeitsverlusts für YouTuber bei Nichtbeachtung aufgezeigt. Wirklich neu sind die Regelungen allerdings nicht, denn auch auf YouTube gilt, wie überall: „Werbung muss als solche leicht erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote angemessen durch optische und akustische Mittel oder räumlich abgesetzt sein (§ 58 Absatz 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 3 Rundfunkstaatsvertrag).“Unbenannt

Wer dies in der Vergangenheit nicht richtig getan hat, Stichwort Y-Titty, hatte allerdings keine Strafen oder Sanktionen zu fürchten. Inwiefern sich das jetzt ändern wird und überhaupt kann, in Anbetracht der riesigen Mengen an Content, die täglich hochgeladen werden, bleibt weiterhin völlig offen und spannend.

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Der perfekte Tweet

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Wie sieht der perfekte Tweet aus? Wann ist der optimale Zeitpunkt ihn zu veröffentlichen? Wie viele #Hashtags dürfen verwendet werden? Und um wie viel Uhr ist ein Post am effektivsten?

Forschungen haben Folgendes ergeben:

Der optimale Zeitpunkt zum veröffentlichen des „perfekten“ Tweets ist samstags oder sonntags zwischen 08:00 Uhr und 19:00 Uhr. Nicht mehr als zwei Hashtags darf er beinhalten, sonst wird es den Lesern zu lästig. Und am besten bittet man ausführlich um Feedback. Denn ein höfliches, ausgeschriebenes „Bitte retweeten“, bringt im Durchschnitt 12 Prozent mehr als ein „bitte RT“! Wenn man dann noch GROßBUCHSTABEN hinzufügt ist der Tweet angeblich perfekt.

Was als lustige Freizeitbeschäftigung anfing ist nun eine Wissenschaft für sich. Es herrscht knallharter Konkurrenzkampf.

 

„Retweets“ und „Follower“

Barack Obamas „Four more years“ war lange Zeit, zumindest zahlenmäßig gesehen, der „perfekte Tweet“. Sprich, der Beitrag mit den meisten Retweets. Und das ohne den Einsatz von Versailien oder Hashtags. Dafür aber mit passendem, emotional lenkenden Bild.

 

Obamas Bild zu seinem Tweet "Four more years".

https://twitter.com/BarackObama/status/266031293945503744?

In der Nacht vom 2. März 2014 löste ihn Ellen Degeneres mit dem „best photo ever“ ab. Ihr Oscar-Selfie mit Stars wie Jennifer Lawrence und Bradley Cooper, erreichte ganze 3.366.979 Retweets.

 

Das Foto mit den meisten Retweets. Das "Oscar-Selfie"

https://twitter.com/theellenshow/status/440322224407314432

Doch die meisten Follower konnte sie dadurch nicht gewinnen.

Die hat immer noch Katy Perry mit 63.391.609 Followern und belegt somit Platz eins der Rangliste. Hinter ihr Justin Bieber und Barack Obama auf Platz zwei und drei.

 

Über Nacht zum Twitter-Star

Aber nicht immer gewinnen Twitteruser durch ihre Statements an Sympathie. Im Fall der 17-jährigen Naina aus Köln löste ein banaler Tweet eine ganze Bildungs-Debatte aus. Immerhin 14.000 Mal wurden ihre Worte alleine auf Twitter weitergeleitet.

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

Neben Einladungen zu etlichen TV-Shows und positivem Feedback, musste die Schülerin aber auch mit Hass und jeder Menge negativer Schlagzeilen kämpfen. Für Sie blieb nur ein Ausweg aus der Medien-Hölle: Erstmal aufhören mit dem twittern.

 

Social Networks als Werbeplattform

Aber nicht nur Twitter, sondern auch Facebook und andere“ Social Networks“ sind für Firmen und Organisationen inzwischen unverzichtbare Werbemöglichkeiten. So entstand das oben genannte Oscar-Selfie ebenfalls aus einer Werbeidee des Herstellers „Samsung“. Denn das Foto entstand mit dem damals neu erschienenen Smartphone „Samsung Galaxy S4“. Die perfekte Platzierung für Schleichwerbung.

 

Fazit

Natürlich gibt es Studien zum perfekten Tweet, der, wie bisherige Studien zeigen, am besten bildlich unterstützt wird. Die Entwicklung einer Erfolgsformel ist jedoch noch keinem gelungen. Wichtig ist nämlich nicht nur wie und wann gepostet wird. Auch der Inhalt muss den Zeitgeist, also die Interessen anderer User treffen. Und der ist unvorhersehbar. Der Erfolg der 140 Zeichen ist und bleibt vorerst zufallsorientiert.

http://meedia.de/2015/01/15/acht-gruende-warum-der-bildungs-tweet-von-naina-zum-medien-hit-wurde/

http://meedia.de/2015/01/16/ihr-widert-mich-an-bildungskritischer-twitter-star-kapituliert-vor-twitter-hass/

http://karrierebibel.de/der-perfekte-tweet-so-sieht-er-aus-bitte-retweeten/

https://twitter.com/theellenshow/status/440322224407314432

http://twittercounter.com/pages/100

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Werbeparadies Youtube

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Am 10. November 2014 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel über Schleichwerbung. Darin thematisierte sie die Veröffentlichung von Blogbeiträgen und Kommentaren auf Webseiten wie spiegel.de, focus.de, Spezialwebseiten und größeren Foren wie Youtube oder gutefrage.net, deren Inhalt Produktbewertungen von scheinbar ganz normalen Nutzern waren. Aber hinter den Empfehlungen steckten keine normalen Verbraucher, sondern Mitarbeiter von Firmen, die dafür bezahlt wurden, positiv über die Produkte ihrer Kunden zu berichten. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet dies bereits in der Überschrift als „Das Geschäft mit der gefälschten Meinung“, da in den bezahlten Beiträgen der Werbecharakter nicht ersichtlich ist.
Auch Nutzer der Internetplattform Youtube standen schon im Verdacht, Schleichwerbung zu betreiben. Pro Minute werden hier mehr als 100 Stunden Videomaterial hochgeladen.Mit der Produktion von Videos für die Plattform lässt sich Geld verdienen, wie Youtube selbst auf seiner eigenen Internetseite anpreist. Millionen ihrer Nutzer verdienen mit ihren Videos Geld, einige Tausende davon angeblich sogar sechsstellige Beträge.
Für Firmen bietet sich dabei die Möglichkeit, vor, während oder nach den Videos ihre Werbeclips einblenden zu lassen. Diese Möglichkeit der Werbung nennt sich „True View In-Stream“. Bereits ab einigen hundert Klicks pro Video kann der Besitzer des Youtube-Kanals sein Video monetarisieren, das heißt, er kann Werbung schalten lassen und somit Geld verdienen. Dies lohnt sich aber für die Nutzer kaum noch, da sie von ihren Einnahmen auch Teile an Youtube oder Netzwerke, in denen sich Youtuber zusammengeschlossen haben, abgeben müssen. Eine andere Möglichkeit sind daher Produkt-Placements, da Youtube hieran bisher nichts verdient.
Auch die Plattform selbst geht auf diesen Unterpunkt in ihren „Grundlagen der Monetarisierung“ ihrer Videos ein: „Bezahlte Produkt-Placements sind Teile von Videos, die speziell für einen Sponsor erstellt wurden und bei denen die Marke, die Botschaft oder das Produkt dieses Sponsors direkt in das Video integriert ist. Ein typisches Beispiel eines bezahlten Produkt-Placements ist, wenn ein Händler einen Partner für die ausdrückliche Erwähnung seines Produkts oder seiner Marke im redaktionellen Teil des Videos bezahlt.“, so die Definition der Internetplattform. Anschließend wird auch darum gebeten, Youtube mithilfe des Klicks auf ein kleines Kontrollkästchen über das Produkt-Placement zu informieren, was aber bisher keine weiteren Folgen für den Nutzer hat. Auf die Frage, ob noch andere Informationen über die Produktwerbung erhalten müssen, gibt Youtube allerdings keine klare Antwort, verweist nur auf geltende lokale Vorschriften, über die sich der Nutzer selbst informieren soll.
Der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen Dr Jürgen Brautmeier sagte im April 2014 in einem Beitrag des Medienmagazin Zapp bezüglich der dadurch häufig auftretenden Schleichwerbung auf Youtube, dass eine eindeutige Kaufaufforderung  sowie die Bezahlung für die Produktempfehlung, die nicht kenntlich gemacht wird, Indizien für Schleichwerbung sind.  Desweiteren gibt es das Trennungsgebot, das besagt, dass redaktionelle und werbliche Inhalte klar voneinander getrennt werden müssen. Häufig findet man Angaben zu Kooperationen in der Infobox unter dem Video, was aber laut einer Fachanwältin für Medienrecht nicht ausreichend ist. Der Direktor der Landesmedienanstalt Baden-Württemberg Thomas Langheinrich gibt außerdem gegenüber Zapp noch zu bedenken, dass es auch Unmengen an Videos gibt, die demnach kontrolliert werden müssten. Bußgeldverfahren sind daher eine Seltenheit. Dr Jürgen Brautmeier weist auch darauf hin, dass eine gemeinsame Zuständigkeit der Medienanstalten erforderlich ist, um eine Einheitlichkeit im Umgang mit Fällen der Schleichwerbung auf beispielsweise Plattformen wie Youtube zu gewährleisten.
Bisher kam es bereits zu einer Bewegung unter den Youtubern selbst, die sich nun als #Angeber bezeichnen und ihre Produktplatzierungen deutlich kennzeichnen wollen. Auch Vermarkter wie Mediakraft, bei denen viele große Youtuber unter Vertrag sind, wollen Produktplatzierungen in Zukunft kenntlicher machen.

Quellen:
http://www.sueddeutsche.de/digital/heimliche-werbung-im-internet-das-geschaeft-mit-der-gefaelschten-meinung-1.2211777
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/youtube-stars-y-titty-vorwurf-der-illegalen-schleichwerbung-a-960805.html
https://www.youtube.com/yt/press/de/statistics.html
https://www.youtube.com/yt/advertise/de/why-it-works.html
https://support.google.com/youtube/answer/154235?hl=de
http://www.ardmediathek.de/tv/Zapp/WebTV-Productplacement-auf-YouTube/NDR-Fernsehen/Video?documentId=20557614&bcastId=3714742
http://www.wuv.de/digital/angeber_youtube_blogger_starten_kampagne_gegen_schleichwerbung
http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/internet-umstrittene-schleichwerbung-in-den-clips-der-youtube-stars-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-140508-99-02640
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FHM vergibt Preis für Schleichwerbung

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik, Printmedien5 Kommentare »

Wie aus einer Pressemitteilung des Männerzeitung FHM bekannt wurde, hat die Zeitung zusammen mit ihren Lesern einen Award für die dreisteste Schleichwerbung in einem Film vergeben. Gewinner ist der Simpsons Film. Der Animationsfilm bestach durch Product placement eines Nokia Handys (Die Einblendung von FOX bzw. Pro7 ist hingegen wohl eher als Satire anzusehen). Auf Platz zwei und drei wurden die Filme ?Transformers? für Chevrolet und ?Das Bourne Ultimatum? für VW gewählt.

Neben diesem eigentlich recht vernünftigem Anprangern von Schleichwerbung und Product placement hat die FHM auch noch einen Award für den Film vergeben, der am ehesten eine Nacktszene vertragen hätte.

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Schleichwerbung in der ARD bereits in den 80ern?

geschrieben von in Fernsehen1 Kommentar »

Im Jahr 2005 erschütterte der Skandal um Schleichwerbung und Product Placement in der ARD Vorabendserie Marienhof das öffentlich rechtliche Fernsehen.

Wie sich nun herausstellte, soll es bereits im Jahre 1985 Gespräche zwischen der ARD Tochter Bavaria und dem Westdeutschen Rundfunk gegeben haben. In der Folgezeit sei zum Beispiel in den ?Tatort? Folgen „Zahn um Zahn“, „Freunde“ oder „Bazooka Bande“ gezielt Werbung eingebaut worden.

Ans Licht gekommen sind diese Fälle von Schleichwerbung durch Aktennotizen des ehemaligen Produktionsleiters der Bavaria, Lutz Hengst. Laut diesem habe der Leiter einer WDR Vertriebsfirma Dr. Schering vom Product Placement gewusst.

Die Darstellung des bereits verstorbenen Hengsts wird von Seiten des WDR bestritten. Laut einer Sprecherin des WDR habe, die Geschäftsleitung keine Schleichwerbung geduldet.

Quelle: stern.de

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