Ein kurzes Essay, warum das Internet das demokratischste aller Massenmedien ist.
Medien – ihnen fällt die Verantwortung zu, die politischen Akteure zu kontrollieren. Indem sie das politische Geschehen bewerten, aufbereiten, kommentieren und vor allem den Massen zugänglich machen, wirken sie stabilisierend auf politische Systeme ein. Aber nicht nur auf demokratische.
Klar, gerade Twitter, Facebook und Co. haben indirekt maßgeblichen Anteil am arabischen Frühling. Revolutionäre können sich hier organisieren, ohne dabei ihre Identität dem diktatorischen Heimatland zu offenbaren. Am wichtigsten, sie können Öffentlichkeit schaffen und den Stein ins Rollen bringen ohne gleich ins Kreuzfeuer der Behörden zu gelangen. Aber das Internet ist im Vergleich zu anderen Mediengattungen eine Ausnahme. Staaten haben, ohne einen enormen Aufwand zu betreiben, nur sehr bedingte Einflussmöglichkeiten auf das heutzutage oft drahtlose Netz. Eine Regierungen kann in der Tat (fast) das gesamte Internet in seinem Staat lahmlegen. Einschlägigen Berichten zufolge war Ägyptens Ex-Machthaber Mubarak das beste Beispiel dafür. Im Falle des kompletten Abschaltens wird jedoch nicht nur die angestrebte Zensur Andersdenkender erreicht. Der diktatorische Staat würde sich (zugegebenermaßen überspitzt formuliert) selbst in die Steinzeit zurückbefördern, und das will er nicht. Auch das Internet in Ägypten funktionierte bald wieder. Und so muss die Regierung das fleißige geblogge, getwittere der Aufsässigen ertragen, oder aber ein ganzes Heer an Zensierenden beschäftigen, um das Internet auch nur einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Welche Autokratie, China ausgenommen, soll sich das leisten können?
Anders sieht es bei allen anderen relevanten Massenmedien aus. Der in diesem Zusammenhang wesentliche Unterschied zum Internet: Zeitungen, Fernsehen und Radiosender sind in hohem Maße auf Personen hin institutionalisiert. Die für die politische Willensbildung der Bevölkerung eines autokraten oder totalitären Staates entscheidenden dieser drei Massenmedien, sind in eben jenem Staat ansässig (BBC und Co. werden nicht verstanden, nur bedingt empfangen, nicht als vertrauenswürdig erachtet usw.). Ihre Sendetürme, ihre Zeitungsverlage, Redaktionen und Mitarbeiter sind einem Regime unterworfen, denn von diesem werden sie für Kritik hart und lautlos (man beachte den Teufelskreis) bestraft. Nicht nur vor dem arabischen Frühling in den beteiligten nordafrikanischen Ländern, auch heute in uns vergleichsweise nahe stehende Staaten wie Russland, hinter deren autoritären Nebel die Regierung verkrampft versucht, eine Demokratie durchscheinen zu lassen. Was ihnen früher, als es nur Zeitungen, Radio und Fernsehen gab, zumindest bei der eigenen Bevölkerung besser gelang als heute. Dann kam das Internet.