Mittelfinger vs Hakenkreuz?

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik1 Kommentar »

Im Februar 2010 sorgte das Titelbild des Magazins Focus für Aufsehen. Auf dem Cover des Nachrichtenmagazins war das Griechische Wahrzeichen, die Aphrodite von Milos, mit ausgestrecktem Mittelfinger zu sehen. Darunter stand der Slogan: “Betrüger in der Euro-Familie” Hintergrund war das Dilemma der griechischen Wirtschafts- und Finanzpolitik. Während die einen die kritische Berichterstattung über Griechenland im Zeichen der Pressefreiheit als völlig legitim ansehen, kritisieren andere die Berichterstattung als Beleidigung und Verunglimpfung der Griechen.

In Griechenland selbst war man natürlich empört und kündigte rechtliche Konsequenzen an. Am vergangenen Mittwoch sollte es zu einem Prozess gegen die Verantwortlichen vom Focus kommen. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Athens lautet unter anderem “Verunglimpfung der Symbole des griechischen Staates, Verleumdung und üble Nachrede” Für neuen Uhr waren diverse Autoren der Zeitschrift Focus , sowie Herausgeber Helmut Markwort und der freie Reisejournalist Klaus Bötig vorgeladen. Laut Bötig dauerte es bis 14.00 Uhr bis das Gericht trotz Streiks einen Protokollführer auftreiben konnte. Die Beklagten ließen sich von Anwälten vertreten und waren selbst nicht vor Ort. Ein Urteil wurde nicht gefällt. Das Gericht stellte lediglich fest, dass gar nicht alle Beklagten eine Vorladung bekommen hätten. Der Burda-Verlag bestätigte dies auf Anfrage. Das Gericht hat den Prozess nun auf den 19. August vertagt. Trotzdem ist die Sache noch lange nicht erledigt. Die Gemüter sind erhitzt, griechische Blogger fordern den Boykott deutscher Waren und die griechische Presse hat längst zurückgeschlagen. Die Zeitung „Eleftheros Typos“ druckte eine Fotomontage der Göttin Viktoria auf der Berliner Siegessäule, die ein Hakenkreuz in der Hand hält. Die Bildunterschrift lautet: „Es reicht mit der Verleumdung des Landes durch die Deutschen.“

Ob diese Reaktion angemessen ist, wage ich anzuzweifeln. Für die das kritische Focus-Titelbild gab es einen konkreten Anlass. Auch wenn die kritische Abbildung ein griechisches Wahrzeichen zeigt, sind keine politischen oder historisch behafteten Symbole zu sehen. Natürlich ist es im Rahmen der Pressefreiheit legitim, aber ein Nazi-Vergleich ist meiner Meinung nach nicht angebracht. Ich bin kein großer Fan des “Nachrichtenmagazins Focus”, sehe aber die Berichterstattung zu Griechenland als gerechtfertigt an. Sollten die Griechischen Wirtschaftsführer wirklich betrogen haben, um den Euro zu bekommen, sollte das auch öffentlich diskutiert werden dürfen. Schade ist allerdings, dass das Titelbild die “Griechen” über einen Kamm schert, denn das Volk ist an den Fehlern der Wirtschaftselite unschuldig und das wird durch das Titelbild des Magazins nicht deutlich.

 

Quellen:

http://www.bild.de/politik/wirtschaft/focus/empoert-ueber-focus-titel-11587480.bild.html (abgerufen am 01.Juli, 13.30 Uhr)

http://www.sueddeutsche.de/medien/athen-focus-autor-soll-vor-gericht-aphrodites-mittelfinger-1.1087776 (abgerufen am 01.Juli, 13.00 Uhr)

http://www.sueddeutsche.de/medien/vor-gericht-focus-vs-griechenland-volkes-finger-1.1114114 (abgerufen am 01.Juli, 13.00 Uhr)

 

Schlagwörter: , ,

Reporter ohne Grenzen Jahresbilanz 2008

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik, WeblogsKommentare deaktiviert

Heute hat die NGO Reporter ohne Grenzen in Berlin ihren Jahresbericht für 2008 vorgestellt. Insgesamt weisen die Zahlen eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr auf.

Während laut RoG 2007 mindestens 86 Journalisten und 20 Medienmitarbeiter umkamen, seien es 2008 nur 60 Journalisten und ein Medienmitarbeiter gewesen. Auch die Zahl der festgenommenen Journalisten soll sich von fast 900 auf knapp 600 verringert haben. Genauso wie sich Entführungen fast um die Hälfte, von 67 auf 29, verringert haben sollen.

Veränderungen habe es auch hinsichtlich der Rangliste der für Journalisten gefährlichsten Länder gegeben. Erwartungsgemäß und trotz sich entstpannender Sicherheitslage liegt laut dem Jahresbericht der Irak wieder auf dem ersten Platz. Pakistan dagegen rückte um einen Platz nach vorne. Auf Platz drei stehen die Philippinen, während letztes Jahr Somalia noch auf Platz zwei und Pakistan auf Platz drei stand.

Insgesamt konstatiert Reporter ohne Grenzen, dass sich die Repression gegenüber Journalisten traditioneller Medien zwar verringert habe, dafür aber “konzentrieren viele Regierungen ihre repressiven Maßnahmen stärker auf das Internet”. Insbesondere Blogger gerieten verstärkt ins Visier, jüngstes Beispiel ist hier wohl der Fall des im Iran inhaftierten Bloggers Hossein Derakhshan aka “Blogfather”.

Die ausführliche Version der Jahresbilanz stellt RoG als PDF zum Download.

Schlagwörter: , , , , , , ,

Reporter ohne Grenzen veröffentlicht Jahresbilanz 2007

geschrieben von in Allgemeines, Internet und Politik, Weblogs3 Kommentare »

Am heutigen Dienstag (02.01.2008) hat die Menschenrechtsorganisation “Reporter ohne Grenzen” ihre Bilanz des vergangenen Jahres vorgelegt. Dem Bericht zufolge sind im vergangenen Jahr weltweit 86 Journalisten und 20 Medienmitarbeiter getötet sowie 887 verhaftet worden, außerdem zählte die Organisation über 1 500 Fälle in denen Journalisten körperlich angegriffen oder bedroht wurden.

Diese Zahlen unterscheiden sich damit kaum von denen des Jahres 2006, damals zählte die Organisation 85 getötete Journalisten und 32 Medienmitarbeiter, 871 Festnahmen und 1 472 tätliche Angriffe bzw. Drohungen.

Am gefährlichsten leben Journalisten dem Bericht zufolge im Irak, wo alleine 47 Journalisten umkamen und der damit weit vor anderen Ländern wie Somalia (8), Pakistan (6) und Sri Lanka (3) liegt. Spitzenreiter hinsichtlich der Festnahmen sind Pakistan (195), Kuba (55) und das islamische Regime im Iran (54) .

Gleichzeitig verzeichnete “Reporter ohne Grenzen” eine Zunahme der Zensurbemühungen im Internet. So seien allein in China im Vorfeld des 17. Kongress der Kommunistischen Partei 2500 Internetseiten durch staatliche Stellen blockiert worden. Gleichzeitig würde verstärkt gegen unliebsame Internetaktivisten vorgegangen, als jüngstes Beispiel hierfür kann der saudische Blogger Fouah al-Farhan gelten, der laut New York Times seit dem 10. Dezember in Saudi-Arabien inhaftiert ist.

Schlagwörter: , , , , , , ,
Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO