„Der Mann, der Udo Jürgens ist“ – Wie in den Medien auf den Tod des Sängers reagiert wird

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Sonntag, 21. Dezember 2014 ab 18 Uhr: Spätestens jetzt macht die Nachricht vom plötzlichen Tod des Entertainers Udo Jürgens auf allen vorstellbaren medialen Wegen die Runde. Wie sein Management mitteilte, starb der 80 – jährige Künstler bei einem Spaziergang in der Schweiz an plötzlichem Herzversagen. Und schnell ist klar: Auch die Menschen, die der Musik und vielleicht sogar dem Menschen Udo Jürgens nur wenig abgewinnen können – sei es einfach aus reiner Geschmackssache oder aufgrund mangelnder Sympathie – kommen wenigstens für diesen Abend nicht an diesem Mann vorbei.

Udo Jürgen Bockelmann, so sein bürgerlicher Name, wird am 30. September 1934 in Österreich (Klagenfurt) geboren. Früh zeigt er ein großes Interesse an Musik und schafft es mit viel Ehrgeiz und Fleiß, schnell verschiedene Instrumente zu erlernen. Im Alter von 14 Jahren beginnt er sein Musikstudium am Konservatorium Klagenfurt, ab 1961 ist er in verschiedenen Filmen zu sehen („Und du mein Schatz bleibst hier“, „Drei Liebesbriefe aus Tirol“ u.a.). 1966 schließlich gewinnt Udo Jürgens im dritten Anlauf den „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ mit dem Titel „Merci Chérie“. Spätestens ab diesem Moment liegen dem charmanten Mann Europas Frauenherzen zu Füßen, in mehr als 20 Ländern erreicht der Song die Spitzenposition in den Hitparaden. Als im Jahr 2007 das Musical „Ich war noch niemals in  New York“, das auf großen Hits von Udo Jürgens basiert, in Hamburg seine Weltpremiere feiert, wird dem Sänger schon zu Lebzeiten eine Art Denkmal gewidmet. Die Konzerte seiner Tourneen sind ausverkauft, Leute allen Alters feiern, Udo Jürgens kommt an bei seinem Publikum. Dies sei nur ein kurzer Abriss seiner Biographie.

 

Entertainer, Frauenschwarm, Legende – nur drei Begriffe, die dem Künstler schon zu Lebzeiten zugeschrieben werden. Nach seinem plötzlichen Tod überschlägt man sich in den Medien mit Lobhymnen auf den großen Superstar.

So bezeichnet die „Zeit“ Udo Jürgens als „Bühnenmagier“, dem es wie keinem anderen gelang, „[…] eine Form von Literatur in die deutsche Musik […]“ (Zeit online) zu bringen. In der Online – Ausgabe der „BILD“ heißt es im Untertitel „Merci, Genie!“, der „Tagesspiegel“ titelt „Merci, Udo!“. Hier wird im weiteren Verlauf der deutsche Komiker Hape Kerkeling zitiert: Udo Jürgens habe „den Soundtrack zur Bundesrepublik Deutschland geschrieben […]“ (entnommen aus der Dokumentation „Der Mensch, der Udo Jürgens ist“). Die „FAZ“ lobt den Künstler besonders dafür, dass er auch fröhliche Melodien bestens verwendet, um sein intelligenten und überlegten, manchmal sogar kritischen Texte zu unterlegen.

Natürlich wollen sich auch etwaige prominente Persönlichkeiten zum plötzlichen Ableben des Entertainers äußern. Der Musiker Tim Bendzko schreibt via Twitter: „Danke für alles was du uns gegeben hast.“, Schauspieler Elyas M’Barek lässt dort verlauten: „Nein, nicht Udo.“. Sein Kollege Matthias Schweighöfer zeigt sich auf Facebook ebenfalls bestürzt: „Du wirst sehr fehlen.“ Daneben äußern sich natürlich auch tief betroffene Fans, sei es in den sozialen Netzwerken, Medien oder indem sie die zahlreichen Artikel über den Vorfall kommentieren. Noch am selben Abend ändert die ARD ihr Programm und zeigt eine Wiederholung des NDR Porträts „Legenden: Udo Jürgens“[1],  für den darauf folgenden Montag ist die Ausstrahlung der Dokumentation „Der Mann, der Udo Jürgens ist“[2] vorgesehen.

 

Der Mann, der Udo Jürgens war. Müsste der Satz heute, nach dem überraschenden Tod des Sängers, nicht eigentlich korrekterweise so heißen? Fakt ist, Udo Jürgens ist und bleibt für einige Menschen ein Idol, ein Held, ein Traummann, ein guter Freund, ein großartiger Musiker und so vieles mehr. Fakt ist aber auch, dass er für viele, ob gewollt oder ungewollt, wohl genau das bleiben wird, als was er schon vor seinem Tod des Öfteren bezeichnet wurde: eine Legende. Denn seien wir einmal ehrlich: Selbst unsere Generation, deren einzige Verbindung zu den 1960er Jahren wahrscheinlich die eigenen Eltern sind, kommt in einigen Situationen nicht um ihn herum. Ob man nun will oder eben nicht, ob man dem Genre des Schlagers bzw. Chansons etwas abgewinnen kann oder darüber nur die Stirn in Falten legen kann, ob man für die öffentliche Person Udo Jürgens unglaubliche Sympathien hegt oder seinen Namen vermehrt aus der Klatschpresse wegen nachgesagten Affären kennt und sich so seine Meinung über ihn gebildet hat. Wer kennt Hits wie „17 Jahr, blondes Haar“ nicht? Wer kann nicht die obligatorischen Zeilen „Aber bitte mit Sahne“ wenigstens mitsummen? Wer kann von sich behaupten, noch niemals die Titel „Mit 66 Jahren“, „Ich war noch niemals in New York“ oder „Griechischer Wein“ gehört zu haben? Ich selbst könnte die Personen, die ich kenne, wahrscheinlich an einer Hand abzählen. „Der Mann, der Udo Jürgens ist“, hat somit die vielfältige Anteilnahme, unter anderem die der medialen Öffentlichkeit, an seinem plötzlichen Tod mehr als verdient. Denn eins steht fest: An diesem Mann und seinen großen Hits kam (und kommt vermutlich auch in naher Zukunft) niemand vorbei.

 

Quellen:

http://www.udojuergens.de/leben/biografie/jahre/2000-2009

http://www.zeit.de/kultur/musik/2014-12/udo-juergens-ist-tot

http://www.bild.de/unterhaltung/leute/udo-juergens/an-herzversagen-gestorben-39068328.bild.html

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/udo-juergens-ist-tot-merci-udo/11150916.html

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/ploetzlicher-herztod-udo-juergens-an-herzversagen-gestorben-13336114-p2.html

http://www.huffingtonpost.de/2014/12/21/udo-jurgens-trauer_n_6362834.html

http://www.spiegel.de/kultur/musik/udo-juergens-reaktionen-auf-den-tod-im-internet-a-1009838.html

[1] TV – Porträt von Kathrin Becker http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/legenden/sendung/2008/udo-juergens-102.html

[2] TV – Dokumentation  Hanns-Bruno Kammertöns und Michael Wech https://www.ardvideo-shop.de/85-d47324-dvd-udo-juergens-der-mann-der-udo-juergens-ist.html; http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/wdr/der-mann-der-udo-juergens-ist-110.html

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Noch nicht genug Geld GEMAcht?

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Höhere Abgaben für USB-Sticks

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte ist mal wieder in aller Munde. Nach der gerichtlichen Auseinandersetzung mit Youtube, in der es darum ging, dass die GEMA forderte alle Videos, in denen urheberrechtlich geschützte Musik verwendet wird, zu sperren, befindet sich das Unternehmen erneut in den Schlagzeilen.

Bei dem Verkauf von USB-sticks sollen nun um bis zu 1850 % mehr an die GEMA fließen als bisher. Als Grund wird der technische Fortschritt angegeben und die Tatsache, dass es möglich ist mehr Musik auf einem modernen USB-stick zu speichern. Konkret bedeutet das, dass die Abgabe von derzeit einheitlich 10 Cent pro Stick oder Karte künftig von der Speichergröße abhängig gemacht wird. Unterhalb der vier GB werden bei USB-Sticks bald 91 Cent, darüber 1,56 € fällig.

Eine solche Abgabe fällt nicht nur bei Speichermedien an, sondern beispielsweise auch bei Mobiltelefonen. Im Kaufpreis eines solchen Gerätes mit Touchscreen und 8 GB Speicherkapazität ist seit 2011 eine Pauschalabgabe von 36 Euro enthalten. Wer bisher dachte, dass sich das GEMA-Geschäft nur auf die Musik an sich beschränkt, der liegt also falsch. Auch leere CD-, DVD- und BluRay-Rohlinge enthalten beim Kauf bereits einen eingerechneten Betrag, der an die GEMA geht.

Ein wenig verwunderlich ist die neue Regelung für Speichermedien angesichts der Tatsache, dass die GEMA stetig mehr Gewinn macht schon. Allein in den letzten 10 Jahren konnte sie ihre Einnahmen um 60 Millionen € anheben. Von Seiten der Kritiker wird eingeworfen,dass ein Speichermedium von sich aus keine Musik abspielen kann und von vielen ohnehin mehr als virtuellen Aktenschrank genutzt wird. Auf den Eigentlich Abspielgeräten wie MP3-Playern oder Computern sind allerdings schon Gebühren.Ob Doppelte Einnahme oder wertvolle Existenzsicherung von Künstlern in einer finsteren Downloadwelt, bleibt wohl ungeklärt.Sicher ist jedenfalls, dass man sich schleunigst mit Speichermedien eindecken sollte, wenn man die 91 cent nicht zahlen möchte.

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Süddeutsche Zeitung: Gema erhöht Speicher-Gebühren um 1850 Prozent: http://www.sueddeutsche.de/digital/usb-sticks-und-speicherkarten-gema-erhoeht-speicher-gebuehren-um-prozent-1.1366645

Focus: BMG schließt europaweiten Vertrag mit Gema: http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/online-musik-bmg-schliesst-europaweiten-vertrag-mit-gema_aid_757360.html

Spiegel: Gema und Google gehen in Berufung: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/gema-legt-berufung-im-streit-mit-youtube-ein-a-834246.html

GEMA Tarife: https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Tarife/Tarife_sonstige/Tarif_Mobiltelefone_ab_2011.pdf

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Erste silent disco in Trier

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Etwa 60 Menschen tanzten am 30. November an der Porta – ohne dass dabei Musik zu hören war.

„Das Konzept ist einfach. Jeder Gast erhält gegen einen kleinen Pfandbetrag schwarze Kopfhörer. Der DJ, der auf der Silent Disco anwesend ist, schickt seine Beats geradewegs über Funk auf die schwarzen Kopfhörer der Gäste. Diese haben dabei die Möglichkeit, sich die Lautstärke komplett individuell einzustellen. Damit niemand zu Schaden kommt, sind die Kopfhörer bei einer Maximallautstärke von 80 Dezibel begrenzt.“

„Dem Erfinder der Silent (Stiller) Disco gebühren ein Patent und der Nobelpreis. Liebes Ordnungsamt, sorge bitte nun dafür, dass alle Kneipen im weiteren Bereich des Stockplatzes nur noch Silent Discos betreiben dürfen“, schreibt, leicht sarkastisch, Hans-Peter Haag aus Trier dem Volksfreund in einem Leserbrief. Lassen wir ihn reden.

Den größten Spaß macht die silent disco, wenn es mehrere DJs gibt und die HörerInnen den Kanal wechseln. LED-Leuchten in verschiedenen Farben zeigen an, Weiterlesen »

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Last.Fm – Die Revolution des Hörfunks?

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Von der Funktionsweise des letztes Radios

2002 ging Last.fm auf Sendung. Ziel des Projekts war es das Medium Radio aktiver zu gestalten. So ist es möglich auf der Seite anzugeben, welches Genre oder welchen Künstler man favorisiert, um dann ein auf den persönlichen Geschmack zugeschnittenes Programm zu erhalten.

Gebe ich beispielsweise Raggae an tönt schon im nächsten Moment – nach kurzer Werbung – Bob Marleys Stimme aus den Boxen.

Noch passender wird die Playlist, wenn der Nutzer sich einen Account erstellt und eine Software herunterlädt, die fortan alle gehörte Musik direkt in die Datenbank von Last.fm einspeist.

Dadurch sind einige lustige Spielereien möglich. Man kann sich beispielsweise Statistiken über das eigene Hörverhalten erstellen, bekommt gezielt Künstler und Konzerte vorgeschlagen oder kann einfach die prozentuale Übereinstimmung des eigenen Musikgeschmacks mit dem von Freunden einsehen.

Sicherlich sind diese Tools äußerst unterhaltsam, man sollte aber nicht vergessen, dass alles, was man hört, „gescrobbelt“ (d.h. aufgezeichnet) wird und auch für unangemeldete Nutzer einsehbar ist. Das Privatvergnügen Musik wird so zu einer transparenten Sache.

Social Music Revolution?

Last.Fm als social network

Vorteil an dieser Situation ist ganz sicher der Austausch mit anderen Leuten, denn ähnlich wie bei Facebook gibt es ziemlich überall Kommentarfunktionen, „Freunde“ und sogenannte Nachbarn, Menschen mit einem fast identischen Musikgeschmack.

Man kommt also leicht ins Gespräch und kann auch von den neuen Kontakten wertvolle Tipps bekommen. Zudem ist Last.Fm weltweit verbreitet, sodass eine internationale Kommunikation – meist auf Englisch – stattfindet.

Man könnte fast so weit gehen und Last.Fm als ein spezialisiertes Facebook bezeichnen. Doch hier liegt auch schon der Haken. Wer komplette Privatsphäre will, der ist in einem social network fehl am Platz.

2009 wurde Last.Fm von der Seite TechCrunch vorgeworfen den Datenschutz missachtet zu haben und die Daten von Hörern, die das Urheberrecht verletzen weitergegeben zu haben. Last.FM dementierte den Vorwurf mit den Worten: „Techcrunch are full of shit“.

 

Arbeitsosigkeit für die Musikredaktion?

2007 wurde Last.Fm von der amerikanischen Senderkette CBS für stolze 280 Mio. Dollar übernommen. CBS betreibt einige reguläre Hörfunksender. Die Idee: Weg vom Einheitsbrei des Chartadios und hin zu einem Programm, das die Musik spielt, die die Leute von ihrem PC aus hören. Das sollte durch die Nutzung von Last.Fm Charts geschehen, denn wer weiß besser, was die breite Masse gerne hört, wenn nicht die Masse selbst? Letztendlich unterscheiden sich die Last.Fm Charts aber wenig von den allgemeinen Radiocharts, weshalb der Gedanke dadurch vom Einheitsbrei abzukommen vielleicht etwas zu kurzsichtig war. Eine Schnittmenge aller verschiedenen Musikgeschmäcker ist zwangsläufig irgendetwas „in der Mitte“, etwas das jeder hören kann – Einheitsbrei.

Trotz allem konnte durch die Umstrukturierung der CBS Radiosender etwas erreicht werden: die Musikredaktion, die früher über das Programm entschied, konnte wegrationalisiert werden. Ein enormer Kostenfaktor konnte damit beseitigt werden.

Doch damit tat sich wieder ein Problem auf. Bis die breite Masse ein neues Lied von ihrem Rechner aus scrobbeln kann, vergeht einige Zeit, da es sich nach der Erscheinung erst noch verbreiten muss. Damit haben die 4 umstrukturierten CBS Radiosender keinen Aktualitätsbezug mehr, sondern senden das Neuste immer mit einer gewissen Verzögerung.

Ein Rechercheteam ist damit für einen Radiosender, der neue Erscheinungen präsentieren will, nach wie vor die Quintessenz.

Abschließend lässt sich sagen, dass Last.Fm speziell für große Musikjunkies viel Platz zum Stöbern, Diskutieren und Neuentdecken bereitstellt. Das Radio so wie wir es bisher kannten ersetzt es aber (nicht nur wegen der fehlenden Moderation und Informationsverbreitung (z.B. Nachrichten und Stauinfos)) nicht.

Damit wird Last.Fm nicht das letzte Radio bleiben, sondern wohl fröhlich neben der etwas älteren Version des Hörfunks existieren.

 

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Quellen:

  1. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,648332,00.html
  2. http://www.lastfm.de/download
  3. http://techcrunch.com/2009/02/20/did-lastfm-just-hand-over-user-listening-data-to-the-riaa/
  4. http://blog.last.fm/2009/02/23/techcrunch-are-full-of-shit
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Fertig oder nicht, Geld ist Geld

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Es ist bereits bekannt und üblich, dass nicht nur Filmstudios, sondern auch Musikkünstler Opfer von Raubkopierern werden, welche angeblich Millionenschäden bei den Studios und Record Labeln auslösen.
Film- und Musikpiraterie unterscheidet sich aber in einem Aspekt erheblich, nähmlich in dem, dass diverse Songs und Alben oft bereits vor ihrer Veröffentlichung von Raubkopierern angeboten werden.

Dies mussten vor Kurzem Künstler wie Justin Timberlake, Lady Gaga und Kesha zu spüren bekommen. Mithilfe eines Trojanerprogramms, gelang es zwei Männern aus NRW, bisher unveröffentlichte und teils noch nicht fertige Songs der Künstler von ihren Rechnern zu stehlen und zu verkaufen.
Schlussendlich wurden die Täter jedoch (17 und 23 Jahre alt) von der Polizei gefasst.

Solche Verbrechen geschehen tatsächlich öfter als die Medien davon berichten. Aufgrund der Tatsache, dass heute so ziemlich alles digitalisiert erscheint, egal ob Buch, Musik, Filme, etc., lässt sich alles in Sekundenschnelle verbreiten. Wie man sieht, berichten die Medien hier wohl nur über diesen speziellen Fall, da die beiden Täter schlussendlich gefasst werden konnten. Doch wieviele von solchen „Webpiraten“ gibt es da draußen noch, die die Künstler bestehlen, diese dies jedoch natürlich nicht merken und die Täter nicht gefasst werden? Man kann sich wohl einigen, dass die Mehrheit solcher Krimineller wohl nicht und evtl. nie gefasst werden wird. Ich frage mich selbst, was einige Leute mit unfertigen Songs oder nur Fetzen eines Songs anfangen wollen, aber solange die Kasse der Webpiraten klingelt kann es diesen wohl egal sein.

Ob solche Vorfälle auch den Künstlern egal sein können bleibt fraglich. Immerhin gibt es Webpiraterie und Diebstahl von noch unveröffentlichtem Songmaterial schon seit Jahren und trotzdem scheint es berühmten Musikern und den Studios trotzdem immernoch sehr gut zu gehen mit ihren Millionen und Milliarden an Profit.

Quellen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,732288,00.html

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„To whom it may concern.“

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Musikidole wie Trent Reznor (u.a. Nine Inch Nails) und John Frusciante (u.a. ehem. Gitarrist der Red Hot Chili Peppers) nutzen die Möglichkeiten die es bietet, junge Künstler wie The XX oder Lily Allen haben ihm den größten Teil des Erfolgs zu verdanken. Dass das Internet sich als gute und günstige Werbe- und Vertriebsplattform von Musik, aber auch Filmen und anderen Unterhaltungsmedien eignet, dürfte inzwischen den meisten klar sein. Gerade Virales Marketing – über Netzwerke und Internetseiten ausgelöste, gesteuerte Mundpropaganda, die sich wie ein „Virus“ verbreiten soll – erfreut sich großer Beliebtheit, grade bei Filmproduzenten: J. J. Abrams zum Beispiel nutzte für seinen Film „Cloverfield“ MySpace um die fiktionalen Charaktere aus dem Film vorab „lebendig“ zu machen, verbreitete über YouTube inszenierte Nachrichtensendungen, die über die Ereignisse aus dem Film berichteten, und ließ Websites erstellen, die die Nutzer wie bei einer Schnitzeljagd näher an den Film führen sollten. Ein aktuelleres, bekanntes Beispiel ist der „JK Wedding Entrance Dance“ auf jeglichen Videoplattformen (YouTube, Clipfish, etc…) der Chris Brown’s Lied „Forever“ promoten sollte. Allgemein ist zu beachten, dass die Mundpropaganda normalerweise kontrolliert und gesteuert wird: einflussreiche Blogs und/oder Magazine des relevanten Umfelds werden informiert und gemeinsam mit Crowdsourcing genutzt um die Anfänge der Kampagne zu unterstützen und Aufmerksamkeitsschwerpunkte der Zuschauer zu lenken.

Wer sich in letzter Zeit ein wenig in der Musikszene umgehört hat, hat eventuell mitbekommen wie das Prinzip des viralen Marketings auf eine neue Ebene verfrachtet wurde. „Iamamiwhoami„, inzwischen ziemlich sicher als die schwedische Indie-Pop Sängerin Jonna Lee identifiziert, fing am 4. Dezember 2009 an monatlich Musikvideos auf YouTube zu veröffentlichen in denen sie sich in Begleitung von synthie- und basslastiger, elektronischer Musik und später auch seltsam proportionierten, männlichen Gestalten sowie ihrer elektronisch verzerrten, hohen Stimme, in seltsamen Flüssigkeiten räkelt, Arme aus Bäumen wachsen lässt und ihre Zunge an denselbigen streicht. Wahrlich der feuchte Traum eines Dendrophilen, wie treffend von MTV-Redakteur James Montgomery hier bezeichnet. Ich werde ihm die genauere Beschreibung der Videos überlassen, die später aus der Thematik „Wald“ heraustreten und in einem Labyrinth aus Pappkartons weitergedreht werden… wahrlich gruselig, verwirrend und eigentlich nicht zu beschreiben. Auch die Titel der Videos sind kryptisch: Zahlencodes werden von einzelnen Buchstaben abgelöst, die beide danach verlangen entschüsselt zu werden. Wie groß das „Einzugsgebiet“ der interessierten und engagierten Menge ist zeigt sich an den Spekulationen, die sich lange um die Identität der Person hinter den Videos rankten: Trent Reznor, Aphex Twin und The Knife waren zusammen mit Lady Gaga und Christina Aguilera im Gespräch, Künstler wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten.

So weit, so unrevolutionär was das Prinzip des viralen Marketings betrifft, sieht man davon ab, dass sich die Lebensdauer des Projekts sich bereits über ein Jahr hinzieht und noch nicht zu Ende zu sein scheint. Vor knapp zwei Monaten allerdings erschien ein sehr kurzes Video auf Iamamiwhoami’s YouTube-Channel indem sie um einen Freiwilligen bittet und ein Konzert für den 16.11.10 ankündigt. Nach zwei weiteren Videos erschien auf ihrem Channel am 12.11.10 ein Videotagebuch (im Amateur-Stil gehalten) des von der Community ausgesuchten Freiwilligen, der im Verlauf des Tagebuchs zeigt wie er von Berlin-Tegel nach Schweden fliegt um dem privaten Konzert beizuwohnen. Auch hier ist alles mysteriös gehalten, man sieht Personen in sein Hotelzimmer treten um ihm Anweisungen zukommen zu lassen doch bis zum Tag des Konzerts wird nur wenig gesprochen und es werden keine Gesichter gezeigt. Das Konzert, was für 4 Stunden auf einer Website des Projekts abrufbar war, zeigt die Autofahrt des Freiweilligen zum Konzert (im Wald) und wechselt dann wieder auf eine professionelle Kameraführung. Das Konzert ähnelt schließlich weniger einem Konzert als einer Führung durch einen surrealen Wald mit skurrilen Ritualen,Tänzen mit musikalischer Begleitung und anschließender (inszenierter) Beisetzung und Hinrichtung des Freiwilligen – in der Reihenfolge. Welche Teile vom Konzert bereits vorbereitet und bei welchen der Freiwillige tatsächlich zugegen war bleibt dem Urteilsvermögen des Zuschauers überlassen, klar ist jedoch, dass es unmöglich war das einstündige Konzert an einem Stück zu drehen. Traurigerweise wurden im Anschluss an das Konzert jegliche Videos die damit in Verbindung standen vom Channel gelöscht und finden sich (illegalerweise) nur noch auf wenigen Fansites.

Verblüffend jedoch ist der unglaubliche Einbezug der Community in dem Projekt und dass es tatsächlich möglich war einige, sonst doch so anonyme Internetnutzern, dazu zu bringen ihre Adresse und Telefonnummer zu veröffentlichen (Pflicht für das Amt des Freiwilligen). Eine Frage die auch noch aussteht ist der Zweck des Projekts. Inzwischen gehen viele nicht mehr nur davon aus, dass es als gut gelungene Werbung für Jonna Lee’s (neue) Musik und damit einem wirtschaftlichen Zweck dienen soll, sondern auch das musikalische Konsumverhalten jedes Einzelnen aufzeigen soll; man schaue sich nur Szenen in den Kommentarsektionen unter Iamamiwhoami’s Videos an in denen immer schneller nach immer mehr verlangt wird und der Konsum das Genießen und Nachdenken über das Produkt verdrängt.

In vollem Bewusstsein hiermit selbst Teil des viralen Netzwerks zu werden, hier ein Link zum Ausgangsort des ganzen: http://www.youtube.com/iamamiwhoami und (ja, auf Wikipedia) eine gute, chronologische Auflistung des Geschehens.

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Obama überall

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Es ist Wahlkampf in den USA. Im Kampf um die mediale Aufmerksamkeit offenbaren die Kandidaten dabei alles, was noch ein paar positive Artikel zusätzlich bringt ? zum Beispiel der Musikgeschmack. Barack Obama präsentierte deshalb dem Rolling Stone Magazine seine aktuelle Playlist. Der Kandidat steht also auf Stevie Wonder und Bob Dylan und Rapper Jay-Z, ein paar Gangster-Rapper dürfen nicht fehlen, auch wenn sich Obama bei deren Liedern ?bekümmert? ob der Frauenfeindlichkeit und Gewalt zeigt. Nun ja, man darf getrost davon ausgehen, dass es sich hier um Wahlkampf handelt und kein Musiker und kein Song zufällig ausgewählt wurden.

Interessant ist aber die Medienberichterstattung darüber: In welches Ressort ordnet man das Thema ein? Politik, weil es sich um den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten handelt? Oder Kultur, weil es eben in erster Linie um Musik geht? Für beide Seiten sprechen gute Argumente, sicherlich kann man im eigentlichen Artikel auch noch einen eigenen Schwerpunkt setzen. Was aber auffällt (und diese Diskussion hatten wir zum Thema ?68er? ja auch schon im Seminar kurz angeschnitten), ist die Schwammigkeit des Ressorts Kultur. Letztlich bietet es Platz für eine extrem breite Palette an Themen ? Politische Kultur, Kulturbewegungen, Wirtschaftskultur, Alltagsreportagen, Kritiken des letzten Wiener Opernballs. Gerade dies macht das Ressort für mich so interessant ? hier findet sich Platz für Reportagen und Berichte, die in anderen Ressorts schwer zu platzieren sind und die dennoch oder gerade deshalb interessante Einblicke geben können. Entscheidend ist dabei, dass ein möglichst weiter Kulturbegriff verwendet wird. Die Berichterstattung darf sich eben nicht nur auf Karajan und das Avantgarde-Kino konzentrieren, sondern muss auch Phänomene aufnehmen können, die mit der klassischen ?Hochkultur? (im Gegensatz zur ?Populärkultur?) nicht ohne weiteres zu vereinbaren sind. Die ?Welt? hat sich jedenfalls entschieden und bringt die Geschichte von Obama und dessen iPod im Ressort Kultur. Gute Wahl!

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