In und gesund – Wie Medien das Geschäft mit den „grünen“ Lebensmitteln boomen lassen

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Sätze wie „Ich hätte gerne einen Soja Latte“ oder „Welche vegetarische Alternative bieten Sie an?“ sind keine Seltenheit mehr. Neuerdings scheint das Supermarkt-Regal fast schon tapeziert mit den Hinweisen „vegan“ oder „vegetarisch“, in einigen Haushalten sieht es im Kühlschrank ähnlich aus.

Eine Hochkonjunktur dieser Produkte zeichnet sich deutlich ab. Plötzlich bietet jeder Supermarkt, jedes Restaurant und jedes Café solche Alternativen an – wer da nicht gleich umdenkt und das Konzept umstrukturiert, verliert leicht Kunden.
Auch in allen möglichen Medien, ob regionales Nachrichtenblatt, Tageszeitung, Fernseh-Talkshows oder beispielsweise Instagram: Das Thema ist allgegenwärtig und jeder will darüber berichten. Dies macht die ganze Sache sehr interessant für den Forschungsbereich der Medienwirkung.

Ist der ganze Trubel um den Veganismus und Vegetarismus tatsächlich lediglich einer allgemeinen Lebensumstellung geschuldet? Wie gehen eigentlich die Medien mit diesem Hype um und welche Rolle spielen sie dabei?

Es ist nicht zu übersehen, dass der Trend ohne Fleisch bzw. gar ohne tierische Produkte zu leben, immer und immer mehr zunimmt. Der Vegetarierbund (VEBU) beziffert die Zahl der ohne Fleisch lebenden Menschen in Deutschland auf rund 7,8 Millionen, also 10% der Bevölkerung, ca. 900.000, das heißt 1,1%, sind vegan – weltweit wird diese Gruppierung auf 1 Milliarde geschätzt.
Dementsprechend stieg der Umsatz mit Fleischersatzprodukten und pflanzlichen Brotaufstrichen laut statista von 155,6 Millionen Euro im Jahre 2012 auf 310,7 Millionen Euro im letzten Jahr.

“Der Trend ins Vegetarische ist unaufhaltsam. Vielleicht isst in 100 Jahren kein Mensch mehr Fleisch” | Helmut Maucher, ehemaliger Generaldirektor von Nestlé

Sieht man sich die Zahlen der Berichterstattung im deutschen Printbereich zu dieser alternativen Ernährung an, so ist ein deutlicher Anstieg innerhalb der letzten zehn Jahre zu vermerken. Obwohl die Anzahl der Veganer deutlich geringer ist, halten sie in Sachen Presse gut mit den Vegetariern mit, stellenweise gibt es über sie sogar mehr Artikel.

Aber auch vor der Buchhandlung macht der Trend nicht Halt. Die Zahl der neuveröffentlichten deutschsprachigen Kochbüchern in beiden Bereichen hat sich innerhalb von fünf Jahren verzehnfacht: Gab es 2012 lediglich 21 Neuveröffentlichungen, sind es 2016 ganze 211 Bücher.

fullsizerenderEine Trendentwicklung ist auch in sozialen Netzwerken zu bemerken. Überall gibt es „Foodpics“ von Sportlern, Models und Foodbloggern mit den Hashtags #vegan (rund 33.600.000 Treffer) und #vegetarian (rund 10.900.000 Beiträge), oftmals in Verbindung mit #healthy. Diesbezüglich hat sich schon so etwas wie eine eigene Community gebildet, viele wollen einfach nur „dazugehören“, egal ob man von der Ernährungsweise im ethischen oder ökologischen Sinne überzeugt ist.

 

Führen wir nun also die Fakten zur klar zu erkennenden Wende in unserer Gesellschaft und die zunehmende Aufmerksamkeitsentwicklung in allen möglichen Medien zusammen: Es ist eindeutig ein Hype entstanden. Hierbei lässt sich eine Hebelwirkung durch die mediale Darstellung vermuten, die die Entwicklung immens begünstigt. Dies liegt daran, dass das Thema Vegetarismus und Veganismus nahezu unumgänglich geworden ist und es durch die Allgegenwärtgkeit in den Medien der breiten Masse ins Bewusstsein gerufen wird. Außerdem vermitteln vor allem die Online-Medien wie Instagram dem Verbraucher: Wenn da „vegetarisch“ oder sogar „vegan“ draufsteht, dann MUSS es ja gesund sein. Oder?


Bildquelle: www.instagram.com

 

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Most Wanted-Die Medien über Verbrecher

geschrieben von in Internet, Medienkritik1 Kommentar »

Immer häufiger stolpern wir in den letzten Monaten über Schlagzeilen von Terror, Verbrechen und Gewalt, auch bei uns in Deutschland.

Natürlich ist es die Aufgabe der Medien über brisante, aktuelle Ereignisse zu berichten, aber wie viel mediale Aufmerksamkeit sollte dabei den Verbrechern selbst geschenkt werden?

Ein aktuelles Beispiel ist die Veröffentlichung einer Liste der 45 meistgesuchten Verbrecher Europas.
Europol gab vergangenen Freitag nicht nur Namen der Gesuchten heraus, sondern sogar auch Fotos und Steckbriefe dazu.
Diese Veröffentlichung stellt schönes Anschauungsmaterial dar, dem t-online.de beispielsweise eine ganze Foto-Serie mit Steckbriefen widmet:
„Alle 45 Gesuchten zum Durchklicken“

Ausschnitt der Titelseite von t-online.de (30.01.16)

Ausschnitt der Titelseite von t-online.de (30.01.16)

Aber auch Online-Angebote wie Spiegel-online.de, der tagesspiegel, etc. zeigen diese Fotos oder stellen noch zusätzlich Links zur Homepage von Europol bereit.

Was sind die Folgen einer solchen medialen Aufmerksamkeit?
Man sollte sich Gedanken darüber machen, ob ein solcher Medienrummel Verbrechern nicht möglicherweise einen Ansporn geben könnte, es auch in die Liste schaffen zu wollen.

Wieso also bereitet man Schwerverbrechern eine solche Bühne?
Dass der Bürger sich nun selbst auf Schwerverbrecherjagd begeben wird, oder man einen dieser Gesuchten beim Einkaufen wiedererkennen könnte um ihn der Polizei zu übergeben, ist recht unwahrscheinlich.
Ein zentrales Motiv der Medienschaffenden mag vermutlich das Maß an Sensation sein, das der Beitrag dadurch zugewinnt.

Ob solche Veröffentlichungen persönlicher Informationen über Schwerverbrecher nun eine tatsächliche Relevanz für den Normalverbraucher hat, darüber mag es verschiedene Meinung geben. Fakt ist, dass die Frage nach der Wirkung solcher Medienbeiträge nicht unberücksichtigt bleiben sollte.

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