“Das Journalistenprivileg steht auf dem Prüfstand”, so lautete die Überschrift unter der Rubrik Medien der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 06. Dezember 2007. Bisher befand sich auf der Rückseite des Presseausweises ein Vermerk der Innenministerkonferenz (IMK), ab heute soll dieses qualitätssichernde Merkmal vielleicht fern bleiben.
Am 6. Dezember sind die Innenminister zu einem Gespräch zusammengekommen, indem sie über den Fortbestand des vom IMK herausgegebenen Presseausweises, debattieren wollen. Grund für die Zusammenkunft sind die Klagen von jenen Verlegern und Journalistenverbänden, die bisher ihren Mitgliedern keine amtlichen Dokumente anbieten dürfen und sich so gegenüber ihren Mitstreitern im Nachteil sehen, berichtete die FAZ.
Seit vier Jahren ist die Ausstellung des bundeseinheitlichen und anerkannten Presseausweises vier Institutionen vorbehalten: Dem Deutschen Journalisten Verband, dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union. Diese Tatsache hindert jedoch die verschiedensten Firmen nicht daran täuschend ähnliche Presseausweise auch für “Hobbyjournalisten” zu erstellen, da die Berufsbezeichnung Journalist oder Publizist von Rechtsseite bisher keine gesicherte Berufsbezeichnung ist.
Diente einst der Presseausweis der Abgrenzung beruflich hochqualifizierter Journalisten von der sogenannten “Spreu vom Weizen”, so kommt nun ein “Jedermann” durch die Zahlung von ca. ? 150 Euro in den Genuss einer schicken Plastikkarte zuzüglich Journalistenstatus.
“Weil die Politik sich nicht in der Lage sieht, die Bewerberverbände auf ihre Seriosität hin zu überprüfen – also die Spreu vom Weizen zu trennen-, ist ihr vollständiger Rückzug aus der Ausweisvergabe wahrscheinlich.”, so beurteilt die FAZ die Situation in der heutigen Ausgabe.
Die Debatte um die Ausstellung des Presseausweises ist alles andere als neu: In 2006 initiierte BILD eine “Bild-Leser-Reporter” Rekrutierung. Hier sollten Hobbyfotografen nach dem Einsenden des ersten Bildes einen Presseausweis erhalten und ihre Schnappschüsse durch die “Bild-Leser-Reporter” – Redaktion “1414″ veröffentlicht sehen.
Ich stimme der FAZ vollkommen zu, dass mit der Inflationierung der zur Ausstellung eines anerkannten Presseausweises berechtigten Institutionen, die Medienberichterstattung im Allgemeinen in Mitleidenschaft gezogen wird. Vermutlich wird – sollte der nicht wünschenswerte Fall eintreten- in naher Zukunft auch jenen Journalisten der Zugang zu öffentlichen und politisch herausragenden Ereignissen verwehrt/erschwert, die aus Sicht ihrer Ausbildung und Berufserfahrung dazu befähigt sind. Insbesondere in Zeiten des Internets werden qualitätssichernde Institutionen wie der bundeseinheitliche Presseausweis benötigt, um die Medienberichterstattung in den deutschen Medien nicht nur aus quantitativer sondern auch als qualitativer Sicht im internationalen Vergleich als beachtlich erscheinen zu lassen.