Facebook – ein Spiegel des Jahres 2016?

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„Zweitausendsechzehn“ – der Klang dieses Wortes hat wohl bei den meisten von uns einen eher bitteren Beigeschmack. Ungeachtet der persönlichen Ereignisse -ob positiv oder negativ- die dieses Jahr für Jeden in petto hatte, gab es auffallend häufig Momente, die vermutlich die Wenigsten unberührt ließen. Sei es durch das Ableben zahlreicher Idole, als inakzeptabel empfundene politische und wirtschaftliche Entscheidungen, humanitäre Krisen oder die allgegenwärtig scheinende Bedrohung durch Terrorismus.

Doch was hat Deutschland dieses Jahr konkret bewegt?

Laut einer Rangliste des mit 1712 Millionen Nutzern weltweit größten sozialen Netzwerks Facebook war das am meisten diskutierte Thema die US-Präsidentschaftswahl, ein Ereignis das alle vier Jahre für weltweites Aufsehen sorgt. 2016 stellte es eine besondere Kontroverse dar, weil keiner der beiden Kandidaten in seinen Eigenschaften vollends überzeugte. Verstärkt wurde der Einfluss auf die sozialen Medien noch durch den Wahlkampf, der vor allem von Kandidat Donald Trump zum großen Teil über diese geführt wurde.

Gefolgt wird die US-Wahl von der Fußball-Europameisterschaft. Ebenfalls ein Ereignis, das in zweijährigem Wechsel mit der Weltmeisterschaft die Begeisterung und den Nationalstolz von Jung und Alt zu neuen Höhen aufschwingen lässt. Kaum verwunderlich also, dass „DAS“ europäische Sportevent des Jahres auf Platz Nummer zwei rangiert.
Etwas überraschender scheint jedoch, dass das relativ kurzzeitige Phänomen „Pokémon Go“ die Nummer drei der am meisten diskutierten Themen ist. Gut, zweifellos hat das Spiel vorallem bei den jüngeren Generationen den Entdeckergeist und die Nostalgie geweckt, aber warum hat es die deutsche Bevölkerung scheinbar mehr beschäftigt als der Brexit (Platz sechs)? Oder die Aktivitäten der IS (Platz fünf)? Oder die Flüchtlingsproblematik, die Deutschland schon seit mehreren Jahren belastet (Platz sieben)? Doch wie intensiv man sich mit den Themen auseinandersetzen möchte, ist wohl Jedem selbst überlassen, Tatsache ist jedoch, dass Niantic Inc. durch das innovative Prinzip der erweiterten Realität den Kindheitstraum der 90er ein Stück weit möglich gemacht hat: nämlich wie Ash Ketchum raus in die Welt zu ziehen und die „Pocket Monster“ zu jagen.
Ob man sich mit der Rangfolge der Liste identifizieren kann, sollte jeder für sich selbst entscheiden.
Zusammenfassend lässt sich in jedem Fall sagen, dass 2016 uns aus den unterschiedlichsten Gründen in Atem gehalten hat und dass wir, ob durch das posten, liken, sharen oder das Hinterlegen eines Profilbildes mit Nationalfarben, das Web 2.0 regelmäßig als Ventil für unsere Gefühle und Eindrücke genutzt haben.
Quellen:
http://www.morgenpost.de/web-wissen/web-technik/article208930815/Das-waren-die-meistdiskutierten-Themen-auf-Facebook-2016.html
https://de.statista.com/themen/1842/soziale-netzwerke/
https://www.facebook.com/pg/DonaldTrump/posts/?ref=page_internal
https://www.facebook.com/hillaryclinton/?fref=ts

 

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Verschwörungstheorien – Gefangen im Netz?

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 Von der Religion zum Verschwörungsglaube

Die Frage nach der wahren Beschaffenheit der Welt und was wirklich in ihr vorgeht, wer unsere Geschicke bestimmt und uns leitet, sowie woraus das Böse entsteht hat die Menschen schon seit jeher beschäftigt.

In alter Zeit kamen religiöse Vorstellungen auf, um eben diese Grundfragen der Existenz zu klären, das eigene Leben und das Böse auf der Welt erträglicher zu machen und die Hoffnung auf ein besseres Leben, zumindest im Jenseits, nicht erlischen zu lassen. Grundsätzlich verbindet diese Theorien also meist der Glaube an eine (oder mehrere) allwissende, omnipotente metaphysische Wesenheit(en), sowie ein Gegenstück, dass das Böse personifiziert und somit greifbar macht. Sie schaffen für den Glaubenden eine neue, tröstliche Perspektive auf das Leben.

Was verbindet nun also den Glaube an die Religion mit dem Glauben an Verschwörungen ?

Wie auch bei der Religion zählt zu ihren Charakteristika die simple Einteilung der Welt in gut und böse, die eigene „Glaubensgruppe“ von anderen abzuheben, sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, das Böse greifbar zu machen und in gewisser Weise die Verantwortung für das eigene Leben abzugeben. Gleich ob es nun die Bilderberger, Aliens, Reptiloide, Nazis im inneren der Erde oder das CIA sind, die dem Bösen ein Gesicht geben.

Verschwörungstheorien in den Medien

Was mit der Erfindung des Buchdrucks seinen Anfang nahm („Hexenhammer„), hat sich bis zum heutigen Tage immer weiter ausgedehnt.

Das Internet bietet für Jedermann eine Plattform um auch mit den obskursten Theorien eine Bandbreite von Zuhörern zu erreichen und seine Sicht der Dinge als Wahrheit zu verkaufen. Die entscheidende Rolle spielt hierbei die „Wahrheitsfrage“, die in den Medien und vor Allem im Netz auf zigtausende Weisen konträr beantwortet und ausgelegt wird.

Medien konstruieren eine eigene Version der Wahrheit und seit die Tageszeitung nicht mehr als einziges Medium ihre Version der Wahrheit feilbietet, sondern im Netz zu jeder Frage tausende Antworten zu finden sind, ist die Verwirrung unter den Menschen vorprogrammiert.

Die „Vertrauenskrise“

Das erklärt, warum die „Medienverschwörung“ oftmals ein „zentrales und notwendiges Strukturmerkmal“ von vielen modernen Verschwörungstheorien ist. Nachrichten werden beobachtet („Beobachtung des Beobachters“) und zu eigenen Zwecken, zur Produktion alternativer Wahrheiten genutzt.

„Die Ablösung der Face-to-face-Kommunikation durch Schrift und insbesondere durch den Buchdruck, so Niklas Luhmann, erzwang erstmalig die Unterscheidung von Information und deren Mitteilung – mit der Folge, dass der Mitteilung seither misstraut wird. Denn seit man der Mitteilung nicht mehr direkt (am Gesicht des Gegenübers) ablesen kann, was es mit ihr auf sich hat, verstärkt sich der Verdacht, dass die Informationsseite anderen Motiven folgt, als sie glauben machen will.“

 http://www.bpb.de/apuz/231313/medien-als-gegenstand-von-verschwoerungstheorien?p=all

Nach seiner Ansicht liegt die Schuld also beim Medium als Kommunikationsform, das es unmöglich wäre medial und transparent über die eigene Transparenz zu berichten.

Hinzu kommt, dass für viele Menschen das Scrollen über ihre Facebook- Pinnwand oder anderer sozialer Netze, das Ansehen der Nachrichten oder das Lesen der Zeitung ersetzt hat.

 

Nun werden durch das breitgefächerte und weit verfügbare Quellenangebot im Netz viele verschiedene Sichtweisen und Standpunkte vertreten, womit theoretisch ein fundiertes und differenziertes Weltbild beim Rezipienten entstehen könnte. Die Realität sieht jedoch meist anders aus.

Durch den Effekt der „Filterbubble„, der von dem Internetaktivisten Eli Pariser eingeführt wurde, kreieren soziale Netzwerke und Datenriesen á la Google für den Nutzer „Parallelwelten“, wo dieser anhand von Algorithmen, basierend auf seinem Nutzungsverhalten nur noch Nachrichten angezeigt bekommt, die seinen Vorlieben entsprechen. Der eigene Standpunkt, der in heutiger Zeit  für viele Menschen zu einem Teil ihrer „Identität“ geworden ist, wird immer weiter gefestigt.

http://www.foerderland.de/uploads/pics/filterbubble2_7628.jpg

Der Verlust der Vertrauens in journalistische Berichterstattung, weitgehende mediale Inkompetenz unter den Nutzern, unüberschaubare unzählige Quellen, der Filtereffekt im Netz und unsere eigene Persönlichkeit als Filter, all das lässt das Internet als eine Art „Katalysator“ für Verschwörungstheorien wirken.

Hinzu kommt eine zunehmende Unzufriedenheit und Unsicherheit in der Bevölkerung, in der Verschwörungsglaube den Platz der Religion übernimmt. Ebenso wie die Religion lenken sie von den „eigentlichen“ Problemen, die öfter kritisch hinterfragt werden sollten, ab.

Der Mediziner Thomas Grüter warnt vor einer Psychiatrisierung der Anhänger von solchen Theorien, viel mehr sollte solches Verhalten genau analysiert werden, da sie oftmals gesellschaftliche Prozesse und Verwerfungen zwischen Gruppen innerhalb dieser aufzeigen.

Es wäre auch schließlich nicht das erste Mal, dass eine zunächst abstrus klingende Verschwörungstheorie sich im Nachhinein als wahr entpuppte. ( „Massenüberwachung durch die NSA“ )

Denn welche Wahrheit ist nicht konstruierte Realität ?

 

 

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Warum kann ich nicht so wie sie sein?

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Diese Frage macht sich heutzutage immer breiter in den Köpfen von vor allem jungen Frauen im Alter zwischen 12 und 20 Jahren. Aber warum?

Wie Forschungen von Body Image zeigen, reichen 60 Minuten Zeitschriftenlektüre aus, um das Selbstwertgefühl von mehr als 80 % der befragten Frauen zu senken.  Die Leserinnen werden hierbei mit lauter schönen Frauen konfrontiert, die ihnen das Gefühl vermitteln selbst weniger attraktiv zu sein. Jetzt könnte man natürlich fragen: „Warum vermeiden die nicht einfach solch eine intensive Zeitschriftenlekture?“ Aber leider ist es bei weitem  nicht so einfach.

Eine Studie, die in Psychology Today veröffentlicht wurde, schätzt, dass Jugendliche heute täglich mit 5.000 Werbebotschaften bombardiert werden.

Die Konfrontation mit Werbeträgern ist also unvermeidlich. Sie sind überall und begleiten unseren Alltag: im Fernsehen sowie auf Websites, Blogs und unserem Mobiltelefon. Sei es die attraktive junge Frau, die mit wunderbar glänzendem, vollen Haar in einem Werbespot für ein neues Haarshampoo wirbt, oder auch die Frau mit den strahlend weißen Zähnen, die uns an jeder Straßenecke von einer Plakatwand anlächelt. Sie alle sind die Gesichter von Firmen, die versuchen durch überdurchschnittlich attraktiv wirkende Models, den potentiellen Käuferinnen zu vermitteln, dass sie, sobald sie selbst dieses Produkt anwenden, ebenfalls so aussehen können. Doch genau hier liegt die Gefahr! Denn was für die Unternehmen nur ein taktischer Spielzug ist, um ihre Produkte besser zu vermarkten, verursacht  gerade bei jungen Frauen ein vermindertes Selbstwertgefühl. Denn natürlich reicht nicht eine einmalige Anwendung des neuen Shampoos von L’Oréal Paris aus, um Haare wie Lena-Meyer Landrut zu bekommen. Und natürlich führt auch nicht die einfache Anwendung des neuen Playboy Parfums dazu, für alle Männer unwiderstehlich zu sein.

Fakt ist: Die Medien zeigen uns eine Wirklichkeit, die so nicht existiert!           

Nicht genug, dass die beworbene Produkte in vielen Fällen nicht halten was sie versprechen, viel mehr noch entsprechen auch die Abbildungen der Werbeträger oft nicht der Realität. Denn die schöne Frau mit dem makellosen Gesicht und der perfekten Figur, die in Zeitschriften, Werbespots und auf Plakatwänden dargestellt wird ist oft reine Illusion. Bildbearbeitung lautet das Stichwort und gerade dieser manipulative Teil der Medien wird häufig sehr stark unterschätzt. Denn während die meisten Mädchen bei diesem Stichwort an Instagramfilter oder spezielle Bearbeitungsprogramme denken, geht die Extreme dieser Manipulation viel viel weiter. Die Rede ist von Programmen wie z.B. Photoshop, mit denen Models komplett verändert werden können: Die Nase wird verkleinert, die Augen vergrößert und die Beine gestreckt. Ein Beispiel dafür bietet folgendes Video:

Dieses Video beweist es wieder: Es ist nicht alles Gold was glänzt!

Und was jeder, der sein Selbstwertgefühl durch Medien senken lässt immer bedenken sollte: All diese Models sind meistens auch nur ganz normale Menschen, deren Aussehen von Profis verändert  wurde, um gerade diese Unzufriednheit bei uns zu erzielen.

Denn wozu bräuchte ein Mensch, der mit seinem Aussehen rundum zufrieden ist, irgendeine Form von Beautyprodukten?

 

Bildquelle

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Tierische Instagram Stars

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Heutzutage werden durch das Internet täglich neue Stars geboren. Doch jetzt werden nicht nur Menschen zum Star, auch unsere Haustiere erreichen eine nie erwartete Popularitätsrate durch soziale Netzwerke wie Instagram.

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Täglich laden Tierbesitzer Millionen Fotos von ihren Schätzen auf Instagram hoch: Beliebteste Haustiere sind hierbei unangefochten Katzen und Hunde. Mit dem Hashtag #instacat oder #petstagram werden die Fotos mit einer enormen Geschwindigkeit unter eine breite Masse von Menschen gebracht. Besitzer erstellen mittlerweile immer häufiger eigene Accounts für ihre Tiere auf sozialen Netzwerken wie Instagram, Twitter oder Facebook.

Heute haben sich wahre Internetstars entwickelt. Allen voran wurde der amerikanische Katzen-Instagram-Star Sam (Instagram: samhaseyebrows) zu einer Berühmtheit am tierischen Starhimmel. Gegründet wurde der Instagramaccount im November 2012, neun Monate nachdem die Besitzer Sam bei sich aufgenommen haben. Heute kann der Kater eine Abonnentenzahl von über 186.000 vorweisen. Sein unverkennbares Markenzeichen: Seine Augenbrauen. Diese an menschliche Augenbrauen erinnernde Fellmusterung macht Sam zu einem Star, einem Star mit dem sich Geld verdienen lässt. Mittlerweile wird er nicht mehr nur von seinen Besitzern über Instagram vermarktet, sondern  auch über einen eigenen Twitter,- und Facebookaccount.

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Über seine Webseite http://www.samhaseyebrows.nyc/ werden Fanartikel wie T-Shirts vertrieben. Seine Besitzer investieren diese Erlöse zu einem guten Zweck, sie spenden Teile des Geldes an ein Tierschutzorganisation in Brooklyn.

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Das man mit seinen Haustieren spielend leicht Geld verdienen kann, zeigt auch das wohl bekannteste Beispiel von Grumpy Cat. Die immer „grumpy“ schauende Katze wurde während der letzten paar Jahre zu einem wahren Internetstar. Heute hat Grumpycat über 1,2 Millionen Abonnenten auf Instagram und eine eigene Wachsfigur im Madame Tussauds. Die Besitzer sind mittlerweile Multimillionäre.

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Bildquellen:

http://meowquarterly.com/wp-content/uploads/2015/04/SamHasEyebrows-52.jpg

https://www.instagram.com/realgrumpycat/

https://www.instagram.com/samhaseyebrows/?hl=de

http://samhaseyebrows.spreadshirt.com/customize/noCache/1

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Polen verabschiedet umstrittenes Mediengesetz

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medien und Politik, Medienkritik, Medienwandel, Nachrichten1 Kommentar »

Ein Kampf um die Meinungsvielfalt in den öffentlich-rechtlichen Medien und die Zukunft der kommerziellen Medien

Seit der Parlamentswahl im Oktober 2015 verfügt die  nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (“PiS”) über die absolute Mehrheit im Warschauer Parlament und verabschiedet seitdem im Eiltempo eine Reihe umstrittener Gesetze, die den polnischen Staat reformieren sollen.

Die neue nationalkonservative Regierung Polens: Ministerpräsidentin Beata Szydlo,  PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski und sein Vize Ryszard Terlecki    © dpa

Mitte Dezember wurde zunächst das alte Verfassungsgericht als Hüterin der Demokratie entmachtet. Die Arbeit der Verfassungshüter wird damit neu geregelt und erheblich erschwert. Die Regierung bestimmte bereits fünf neue Verfassungsrichter und löste damit eine Welle der Kritik von Opposition,  Medien und ausländischen Politikern aus.

Zum Jahreswechsel wurde im Eilverfahren ein neues Mediengesetz verabschiedet, dass die Säuberung der öffentlich-rechtlichen Medien und des Beamtenapparats erleichtern soll. So wird es der rechtskonservativen Regierung nun möglich sein, Direktoren der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosender zu berufen, die Zahl der Kontrollratsmitglieder der Stationen zu begrenzen und die Mandate der derzeitigen Amtsträger zu beenden.

Außenminister Waszczykowski: „Wir wollen lediglich unseren Staat von einigen Krankheiten heilen, damit er wieder genesen kann.” © REUTERS

„Wir wollen lediglich unseren Staat von einigen Krankheiten heilen, damit er wieder genesen kann“,  sagte Polens Außenminister Witold Waszczykowski der “Bild“-Zeitung. Bei den Medien sei unter der Vorgänger-Regierung ein bestimmtes linkes Politik-Konzept verfolgt worden. „Als müsse sich die Welt nach marxistischem Vorbild automatisch in nur eine Richtung bewegen – zu einem neuen Mix von Kulturen und Rassen, eine Welt aus Radfahrern und Vegetariern, die nur noch auf erneuerbare Energie setzen und gegen jede Form der Religion kämpfen.” Das habe mit traditionellen polnischen Werten nichts zu tun, so Waszcykowski.

Kurz nach Verabschiedung des Gesetzes folgte eine Rücktrittswelle im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Direktoren von vier Programmen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVP reichten ihren Rücktritt ein. Damit wollten sie offenbar ihrer Entlassung zuvorkommen, die sie durch das neue Mediengesetz befürchteten.

Nicht nur internationale Journalisten- und Medienorganisationen hatten das Gesetz scharf kritisiert. Auch EU-Kommissar Günther Oettinger sieht in Polens neuem Mediengesetz Gefahren für die Pressefreiheit.

Günther Oettinger: „Ein Intendant darf nicht ohne Angabe von Gründen entlassen werden. Das wäre Willkür.“ © dpa

Eine EU-Kommission beschäftigt sich am 13.Januar bei ihrer 1. Sitzung im neuen Jahr über die Lage in Polen. Sie sieht durch die Eingriffsmöglichkeiten der Regierung die Unabhängigkeit der Medien bedroht. Die geplante Beratung ist die Vorstufe zu einem  Prüfverfahren, das die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit durch die Mitgliedstaaten überwachen soll.

„Es spricht viel dafür, dass wir jetzt den Rechtsstaatsmechanismus aktivieren und Warschau unter Aufsicht stellen“, sagte der für Medienpolitik zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Der Rechtsstaatsmechanismus der EU wurde 2014 eingeführt und sieht einen verstärkten Dialog mit einem Mitgliedsland vor, wenn die EU-Kommission Verletzungen der Rechtsstaatlichkeit befürchtet. Wenn das Mitglied nicht auf Änderungswünsche der Kommission reagiert, droht ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen europäische Grundwerte. Bei „schwerwiegender und anhaltender Verletzung“ der im EU-Vertrag verankerten Werte kann in letzter Konsequenz das Stimmrecht des Landes bei Ministerräten und EU-Gipfeln entzogen werden. Weil diese Sanktion so hart ist, kam sie bislang nicht zum Einsatz. Diplomaten sprechen von einer „Atombombe“.

Tagesschau vom 03.01.2016 20:15 Uhr: EU Kommission droht Polen wegen Mediengesetz mit Aufsicht

 

Quellen:

http://www.tagesschau.de/thema/mediengesetz/

http://www.welt.de/politik/article150505395/Parlament-verabschiedet-umstrittenes-Mediengesetz.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/polen-das-mediengesetz-und-die-eu-polens-aussenminister-gegen-welt-aus-radfahrern-und-vegetariern/12784944.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/protest-gegen-mediengesetz-ruecktrittswelle-im-polnischen-rundfunk/12783122.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article150570603/Ist-Polen-fuer-euch-nur-Lieferant-billiger-Arbeiter.html

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Attentate – Gerüchte, voreilige Schlüsse und ihr Einfluss auf die Menschen

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Seit geraumer Zeit, insbesondere seit den rezenten Ereignissen in Paris, sind wir beinahe täglich mit neuen Berichten von Attentaten, Verdächtigen, verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und, sieht man sich auf sozialen Netzwerken um, einer scheinbar wachsenden Angst konfrontiert.

Durch die eigentliche Wahrheitspflicht der Medien werden diese Meldungen von der Bevölkerung oft nicht hinterfragt – doch inwiefern kann man sich auf die Richtigkeit jener Meldungen verlassen? Wie oft handelt es sich um tatächliche Fakten und wann fangen Gerüchte und voreilige Schlüsse an in den Vordergrund zu treten?

Der folgende Artikel listet einige Beispiele auf, die die Wichtigkeit seriöser Recherche verdeutlichen.

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Cyber Monday – Der Countdown läuft

geschrieben von in Allgemeines, Internet1 Kommentar »

Cyber open

Bald ist es wieder soweit: am kommenden Freitag – dem 27. November, beginnt mit dem „Black Friday“ in den USA die Saison der vorweihnachtlichen Einkäufe. Am Tag nach Thanksgiving locken viele Einzelhändler und Stores in den Malls der vereinigten Staaten ihre Kunden mit gewaltigen Rabatten an, wodurch Umsätze in Milliarden Höhe erzielt werden. Mit dem stetig wachsenden Anteil des E-Commerce, hat sich das Internet dieses Phänomen natürlich abgeschaut und zieht 3 Tage später mit dem „Cyber Monday“ nach.

Auch hierzulande hat die Industrie das Potential erkannt und viele Online Händler, Amazon voran, versuchen mit einer großen Marketing Offensive ein Teil vom Umsatzkuchen zu ergattern. Aber sind die Sales wirklich so gut wie angepriesen und lohnt sich die Schnäppchenjagd wirklich?

Discounts Auf den ersten Blick schlägt jedes Shopping-Herz, durch die Flut an roten Zahlen, höher, doch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt vor Pseudo-Schnäppchen und geschönten Ersparnissen. Die hohen Preisnachlässe beziehen sich oftmals auf die UVP, die von den meisten Händlern sowieso nicht übernommen wird. So entstehen Schnäppchen die keine waren und aus kleinen werden große Rabatte.

Was tun? Ein Plan muss her!

  • Prioritäten setzen:  Bevor man sich in den Discountdschungel stürzt sollte man sich klar machen was man am ehesten braucht und sich ein Budget setzen. So kann man zielgerichtet vorgehen und verhindern , dass Oma leer ausgeht, da man statt einem Geschenk ein neues paar Schuhe gekauft hat und diese einen dann immer an Oma’s traurige Augen unterm Weihnachtsbaum erinnern werden.
  • Recherchieren: Nachdem eine Übersicht verschafft wurde, kann man sich nun die richtigen Seiten raussuchen bei denen man zuschlagen will. Hier meldet man sich ggf. für den Newsletter an um die besten Deals zu erwischen und vergleicht schon mal Preise um die späteren Rabatte besser einschätzen zu können. Auch Kriterien wie Versandkosten und Umtauschpolitik müssen beachtet werden um im Nachhinein keine böse Überraschungen zu erleben.
  • An den Plan halten: Wenn der Tag gekommen ist, muss nur noch das geplante umgesetzt werden. Preise vergleichen, wichtigere Artikel wie z.B. Geschenke zuerst kaufen und über den ganzen Tag hinweg immer wieder nachsehen, da Deals oft nur für kurze Zeiträume aktiv sind. Wichtig !: Keine Panikkäufe im Kauffrausch – Cyber Monday ist nicht der einzige Tag an dem man Online günstig einkaufen kann. Wenn man nicht das bekommt was man haben wollte, ist es eher sinnvoll es ein anderes mal wieder zu versuchen, statt etwas Unnötiges zu kaufen.

Cyber Monday R

 

Wenn sich an diese Schritte gehalten wird, hat man im Idealfall schon einen Großteil der Weihnachtsgeschenke beisammen, konnte bei sich selbst schon ein paar Dinge von der Wunschliste streichen und landet nicht auf der Strasse, weil man sich hoffnungslos verschuldet hat. Letztendlich kann man top Schnäppchen ergattern und sollte diese Chance nicht ungenutzt lassen. Also ran an die PCs – Fertig – Los!

 

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Dokumentation „The Thread“ – Eine Online-Community auf der Jagd nach den Attentätern des Boston Marathon

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Als am 15. April 2013 auf der Zielgeraden des Boston-Marathons zwei Sprengsätze explodierten, kamen dabei drei Menschen ums Leben und 264 weitere wurden verletzt.

Is this the Boston Bomber?Die Dokumentation von Greg Barker („Manhunt“) rekonstruiert die Suche nach den Attentätern des Boston Marathon innerhalb der Online-Plattform „Reddit“ und thematisiert dabei auch den Konflikt zwischen traditionellen und neuen Medien. Stellt „Crowdsourcing“ eine Gefahr für den investigativen Journalismus dar?

Das Interesse an diesem Event war groß. Neben zahlreichen Reportern, die live berichteten, fotografierten und filmten vor allem tausende Zuschauer und Teilnehmer mit ihren Smartphones das Geschehen rund um den Boston Marathon. Damit gehört das Attentat zu den, am besten dokumentierten Terroranschlägen unserer Zeit.

Die Suche nach den Bombenlegern hielt die gesamten USA in Atem und entfachte natürlich einen erbitterten Kampf der Medien um die Nachrichtenhoheit. Ob Kabelsender, Online-Dienste oder Networks- alle versuchten sich als beste Informationsquelle zu profilieren. Überraschenderweise sorgte vor allem die Social-News-Plattform „Reddit“ für Furore. Deren Community teilte direkt nach dem Attentat zahlreiche Bild-und Videoaufnahmen miteinander und kommunizierte in unzähligen „Subreddits“ (Unterforen) über das Ereignis.

Reddit AnalyseIm Thread „FindBostonBombers“ kam es in den darauffolgenden Tagen zu einer perfiden Suche nach den möglichen Attentätern. Bild- und Videomaterial wurde gesichtet, analysiert und diskutiert. Wilde Spekulationen und Anschuldigungen führten schlussendlich dazu, dass mehrere Unschuldige in den Fokus der Medien und der Polizei gerieten.

Am 19. April 2013 schaffte es die Polizei schlussendlich die offiziellen Täter Tamerlan und Dschochar Zarnajew zu stellen. Im heftigen Schusswechsel wurde  Tamerlan Z. dabei tödlich verwundet. Sein Bruder Dschochar Z. konnte flüchten, wurde aber noch am selben Tag von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Die Amateuraufnahmen seiner spektakulären Verhaftung, die mitten in der Gemeinde Watertown, vor den Augen zahlreicher Anwohner stattfand, verbreiteten sich ebenfalls rasant in den sozialen Medien. –>DRAMATIC VIDEO: Intense Gunfight Between Police and Bombing Suspect

„The Thread“ zeigt, wie sich die Medienlandschaft durch Fortschritte in der Technologie und der weit verbreiteten Nutzung von Social Media verwandelt hat. Berichte aus erster Hand und Nachrichten mit einer beispiellosen Geschwindigkeit zu sammeln und zu publizieren ist schon lange nicht mehr, ein Privileg das nur professionellen Journalisten zuteilwird. Die klassischen Rollen des Produzenten und des Konsumenten verschwimmen immer mehr. Wie der Fall „Reddit“ und sein „FindBostonBombers“-Thread zeigt, ist die Eigendynamik solcher Dialoge im Web 2.0 kaum zu steuern. Durch die schneeballartige Verbreitung in Communities und dem Verlinken in Foren oder Blogs wird die Verbreitung von Gerüchten im Netz erleichtert. Weblogs dienen dem Meinungsaustausch und verhelfen durch die Anonymität des Internets zu einer neuen Qualität des Gerüchtestreuens. Aufgrund der Tatsache, dass jeder User zugleich Rezipient und Autor sein kann und Aussagen sowohl wahr als auch falsch sein können, kann der Inhalt ungeprüft auf Relevanz und Wahrhaftigkeit im Netz veröffentlicht werden.

Die 60-minütige Dokumentation glänzt besonders durch die zahlreichen Interviews mit Journalisten und Bossen der globalen Mediengiganten, wie auch den Social Media-Nutzern, die sich auf die Jagd nach den Boston-Marathon-Bombern gemacht haben.

Die Dokumentation ist u.A. auf Netflix & iTunes verfügbar.


Quellen:

„The Thread“, Courtesy of Greg Barker and Content Television

http://insider.foxnews.com/2013/04/20/dramatic-video-neighbor-captures-intense-police-gunfight-bombing-suspect-dzhokhar

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3035378/It-beast-Moderator-Reddit-s-Boston-Bombers-thread-tells-millions-users-descended-subreddit-days-attack-identified-wrong-suspect.html

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Das CHE Hochschulranking und die Verantwortung der Medien

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Das CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) ist eine von der Bertelsmanns Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz hervorgegangene Einrichtung. Das Ziel dieser Einrichtung ist die Modernisierung und Liberalisierung des Hochschulsystems. Mit diesem Ziel werden seit Mitte der 90.er Hochschulrankings in Deutschland durchgeführt. Doch ist das Anfangs in Amerika ausgebrochene Ranking-Phänomen das sich seit 1998 in Deutschland durchgesetzt hat längst nicht mehr nur in Munde der Befürworter zu finden. Nachteile der Vermessung und des Vergleichs von Bildungseinrichtungen haben in letzter Zeit immer mehr Fachbereiche zur einer Ablehnung und zum Ausstieg von Rankings geführt. Gründe dafür sind unter anderem die methodischen Mängel und die vereinfachte Runterstufung der Ergebnisse, dabei sind die Schwerpunkte der Fächer nicht abbildbar. Zudem ist die Beteiligung der Studenten auch nicht repräsentativ wenn nur 10% der Befragten teilnehmen. Für „klare“ Ergebnisse soll dies jedoch genügen. Nachdem 2007 bereits die Schweiz und Österreich aufgrund von methodischen Mängeln aus dem Ranking ausgestiegen waren, forderte die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) im Sommer 2012 alle Institute und Hochschulen dazu auf, aus dem CHE-Ranking auszusteigen (http://www.soziologie.de/index.php?id =che).

Die Medienmacher scheint dies kaum zu interessieren. Rankings sind nämlich trotz Kritik hoch beliebt und kommen gut an bei den Lesern. Beispielsweise hat „Die Zeit“ die seit Jahren damit prompt das CHE Hochschulranking, „dem umfassendsten und detailliertesten Ranking im deutschsprachigen Raum“ zu veröffentlichen sich dadurch eine fest etablierte Einnahmequelle garantiert. Der „Zeit Studienführer“ der die Ergebnisse des CHE Rankings präsentiert und mit knapp 300 Seiten die wichtigsten Fragen rund um Studiumauswahl und Einstieg beantwortet, scheint sich dabei weniger mit der Erhebungsmethode der Daten und deren Auswirkung für Studieninteressierte auseinander zu setzten. Die Zeitschrift die im Handel für 7,95€ erhältlich ist, gibt ihren Lesern sämtliche Informationen die ihr spätere Studien Auswahl und somit das ganze Leben beeinflussen könnten.

Wäre wohl doch nutzreich wenn auch der Diskurs im Wissenschaftlichen Milieu thematisiert werden würde oder gar auf den Ausstieg von immer mehreren Fachbereichen angedeutet würde, die nach und nach aus den Rankings verschwinden. Stellt dies nicht auch eine verzehrte Abbildung der Realität dar? Müssten die Leser nicht auch über die vielleicht gar nicht repräsentative Erhebungsmethode aufgeklärt werden? Und auch wenn Hochschulrankings noch lange in unserem Mediensystem ihren Platz finden werden, so sollten doch die Leser dieser Angebote eins im Kopf behalten: Nicht nur die erhobene Daten sondern auch die Tauglichkeit und Methode dieser Erhebung werden viel zu selten hinterfragt, solange die Medienmacher von ihnen profitieren.

https://premium.zeit.de/studienfuehrer

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Girls und Boys – OMG!

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Die Bravo – ihr erinnert euch, diese Zeitung aus der ihr den Starschnitt von den Backstreet Boys ausgeschnitten habt – war in den letzten Tagen in den Schlagzeilen. Grund war ein Shitstorm, der sich anlässlich eines Listicles entwickelte, den die Bravo kurz zuvor veröffentlichte. „So fällst Du Jungs auf: 100 Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung!“ hieß die Zusammenstellung von Ratschlägen, die die Bravo jungen Mädchen ans Herz legte. Der Link führt zu einer Cache-Version des Artikels, der eigentliche Artikel ist inzwischen verschwunden und die Stelle ziert nun eine Stellungnahme anlässlich des Backlash. Den Kern des Problems treffen sie darin ganz gut:

„Kritik ist, dass wir ein rückständiges Frauenbild transportieren.“

Bei Tipps wie

„Wirf öfter mal Dein Haar lässig zurück. Das wirkt überlegen und zeigt, dass ein Junge sich ins Zeug legen muss, um Dich zu erobern. So weckst Du seinen Jagdinstinkt!“

oder

„Guck Jungs eher immer leicht von unten an. Das wirkt am süßesten auf Typen!“

ist das auch nicht besonders weit hergeholt. Weitere Tipps, die zum Beispiel empfehlen, sich auch mal alleine in der Nähe von Jungs aufzuhalten um mysteriöser zu wirken sind vielleicht auch einfach fahrlässig. Die Problematik der Bravo-Empfehlungen ist schon umfassend erörtert worden – VICE hat z.B. die gruseligsten zusammengetragen und diskutiert – aber der Shitstorm bietet eine gute Gelegenheit das Jugendmedium Bravo näher zu betrachten und zwar dort, wo sicher auch die meisten Jugendlichen mit ihr in  Berührung kommen: im Internet.

Hundeparkplätze bei IKEA

Auf den ersten Blick hat die Internetpräsenz der Bravo weit mehr mit Werbung als mit Sexismus zu tun. Die Seite zeigt meist ein Skyscraper-Banner, das höchstwahrscheinlich von Google beliefert wird, mir wird hier nämlich eine Versicherung angeboten – ziemlich sicher nicht das, worauf ich aus bin, wenn ich mir diese Seite anschaue. Die Werbung geht aber allem Anschein nach auch im redaktionellen Teil weiter. Auf der Startseite laufen heute (am 21.07) gleich zwei Artikel über IKEA, klickt man durch, erscheint auch noch ein dritter. Wir lernen, dass es bei IKEA Hundeparkplätze gibt, dass man dort Möbel kaufen kann, die das Smartphone ohne Kabel aufladen (Bravo dazu: „geil!“) und dass Jennifer Lawrence dort einkauft. Niedliche Tiere, Handy, Star – gelungene Zielgruppenansprache also.

STINKSAUER auf SNAPCHAT!

Auf den zweiten Blick, kann ich auf der Startseite etwas wichtiges einfach nicht finden: die Social Links. Die Bravo weist mich an keiner Stelle auf ihre Facebook-Seite hin. Auch nicht auf ihr Instagram-Profil oder ihren Snapchat-Usernamen, dabei ist das doch grade das neue Trend-Netzwerk. Eine Facebookseite hat die Bravo natürlich trotzdem, die Inhalte sind im Prinzip identisch mit der Website. Ein Snapchat-Profil findet sich zwar nicht, aber immerhin so etwas wie eine Erklärung: „Wir sind STINKSAUER auf SNAPCHAT!“ Die dezent click-baitige Headline führt zu einem Artikel, der darauf hinweist dass Snapchat (ein Netzwerk also, in dem unter anderem Videos versendet werden können) viel Datenvolumen aufsaugt.

YAY! WTF!

Clickbait-Headlines finden sich überdies bei mindestens jedem zweiten Artikel. Sie fangen mit „So“ an, oder mit „Krass!“ und wirken wie eine Kreuzung zwischen der Bildzeitung und Seiten wie heftig.co mit viel vermeintlicher Jugendsprache (OMG! Schock! YAY! WTF! WIN! FAIL!) und extra vielen Ausrufezeichen dazwischen. Nun bin ich keine vierzehn, aber das ganze wirkt schon ziemlich aufgesetzt. Thematisch dreht sich die Bravo größtenteils um (meist junge, weibliche) „Stars“, drauf folgen Smartphone-Themen und etwas, was man als „human touch“ beschreiben könnte. Artikel mit Überschriften wie „4-Jährige heiratet Erwachsenen – und der Grund dafür ist wunderschön“ – ihr kennt das.

Abgesehen von ihrer jüngeren Zielgruppe wirkt die Bravo online wie jedes andere Internet-Magazin, das vor allem auf Werbung und Klicks angewiesen ist. Mit Ausnahme der Ausstrahlung-Tipps ist es auch nicht sexistischer als andere. Auffällig ist hier höchstens noch der Kontrast zwischen den umfassenden Bildergalerien von Geschlechtsteilen, die den jungen Menschen zeigen sollen, dass ihre Körperteile ganz normal sind, und der „Skandal!“-Meldung über angebliche Brüste im Video eines YouTube-Stars. Wie das zusammen passt, mag sich jeder selbst überlegen.

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Lëtzebuerg Privat – Unabhängige Wochenzeitung oder Hetzblatt gegen das eigene Land?

geschrieben von in Medienkritik, Printmedien1 Kommentar »

Seit Beginn meines Studiums in Trier, hatte ich schon des Öfteren das Vergnügen Luxemburg, das heißt die Stadt samt Bewohner, näher kennen lernen zu dürfen. Beim gemütlichen Schlendern durch die Straßen fielen mir insbesondere die prunkvollen Gebäude, die netten Lokale und Gässchen sowie die vielen kleinen Grünanlagen, rings um den Stadtkern, auf.

Als ich vor ein paar Wochen vor einem Luxemburgischen Kiosk Halt machte, um mir eine Tageszeitung zu kaufen, musste ich diesen positiven Eindruck  gezwungenermaßen in Frage stellen: Ist am Ende doch alles nur Lug und Trug? Das gängige Luxemburger Boulevard-Blatt Lëtzebuerg Privat titelte jedenfalls in ihrer Ausgabe vom 10.04.2015-16.04.2015 „Drecksloch Luxemburg – Unsere Luft ist hoch-krebserregend“.

Unbenannt

Ich war irritiert. Erstens, weil die Luft mir rein erschien oder zumindest nicht schmutziger als sonst wo und zweitens, liegt hier schon in der Überschrift ein Rechtschreibfehler vor? Was hat ein Bindestrich zwischen „hoch-krebserregend“ zu suchen? Na ja, die Neugierde hatte mich gepackt, also wurde die Zeitung gekauft.

„Unabhängige Wochenzeitung für Luxemburg“ hieß es weiter unter dem Blatt-Namen. Okay, vielleicht doch kein Bild-Niveau? Beim Durchblättern wurde schnell deutlich – sehr wohl Bild-Niveau. Aufbau, Farben, Sprachstil und Bildauswahl waren quasi identisch mit dem deutschen Pendant.

Nicht eine auf mich positiv wirkende Überschrift war in dieser Zeitung zu finden. Im Gegenteil, die Titel wirkten aggressiv und rückten Luxemburg in ein negatives Licht. Einige Beispiele unter vielen wären: Asyl: Kein Land lehnt so viele Anträge ab wie Luxemburg; Hammer! Polizeischule hat Mega-Versager-Quote; Atom-Alarm in Luxemburger Gewässern!; Ausländer-Wahlrecht: „Nee2015.lu“ kämpft für das Nein!; Bald sind wir alle Opfer; Luxemburg ist ein Drecksloch!; So verdreckt ist der Boden; Luxemburg leugnet sein Dreck-Problem – andere handeln; Verdreckte Hauptstadt; So schlimm ist die Armut in Luxemburg wirklich.

Ziemlich harte Worte und viele Anschuldigungen für eine 16 seitige Ausgabe, die treu dem Motto folgt „Bilder sagen mehr als 1000 Worte“. Besonders prägnant und groß aufgemacht erschien mir der Artikel „Luxemburg ist ein Drecksloch“. Drei große Bilder prangten in der Mitte der Doppelseite:

  1. Aufnahme des Stadtverkehrs mit der Bildunterschrift: „Sieht aus wie ein „Normalzustand“ – ist aber viel zu viel Verkehr.“ Frage: Wenn der Verkehr doch ganz normal erscheint, warum soll es denn dann zu viel sein?
  2. Ausschnitt eines Asiaten mit Mundschutz gefolgt von der Bildunterschrift: „Hauptstadttouristen in Atemnot: Einige trauen sich nur mit Atemschutz nach Luxemburg“. Frage: Tragen nicht viele Asiaten generell einen Mundschutz?
  3. Aufnahme einer Baustelle. Die Bildunterschrift hierzu: „Eine gefährliche Mischung wird es, wenn sich der Dreck der Baustellen mit den Dieselpartikeln der vielen Autos verbindet.“ Frage: Ist dann nicht jede Stadt eine tickende Zeitbombe?

Spätestens jetzt sollte niemand mehr gut recherchierte Fakten erwarten. Der Leser wird in den Texten, die um insgesamt acht Bilder herum positioniert wurden mit zahllosen Anschuldigungen konfrontiert, wo hingegen schlagende Argumente, die für eine Verdreckung Luxemburgs sprechen, rar erscheinen. So steht beispielsweise in Bezug auf Graffiti an Hauswänden geschrieben: „Kunst ist das nicht! Im Gegenteil: Die komplette Stadt ist verschandelt! Dazu kommt: Richtiger Dreck! Die Sockel der Mauern – sie sind nicht nur vergilbt. Schwarze Striemen lockern die auf.“

Wenn diese Wortwahl und dieser Satzbau das Werk eines gut ausgebildeten Journalisten sind, dann finde ich das Ergebnis doch sehr bedenklich.  Vielleicht hängt meine negative Haltung auch damit zusammen, dass Boulevard-Zeitungen noch nie meine erste Wahl waren. Jedenfalls hat das Blatt mit mir keinen neuen Leser gewinnen können.

Mein Fazit: Für 3,50 Euro kaufe ich mir das nächste Mal lieber ein Eis und genieße die für mich noch immer sehr schöne Innenstadt Luxemburgs.

http://www.luxprivat.lu/index.php/Archiv/(edition)/424

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„Facebook at work“

geschrieben von in Internet1 Kommentar »

Facebook bei der Arbeit? Seit wann ist das denn erlaubt?
Bald muss der Blick in das überall so beliebte soziale Netzwerk keine Heimlichkeit mehr sein. Denn Facebook hat einen neuen Dienst in die Testphase geschickt.

„Facebook at work“
Dies ist ein neues Angebot, speziell entwickelt für Firmen und Unternehmen. Es soll Nutzer innerhalb eines Unternehmens vernetzen und den sicheren Austausch von Informationen gewährleisten. Der Aufbau und auch das Angebot werden dem „normalen“ Facebook bis auf wenige Unterschiede ähneln. Es wird Profile, Timelines, Nachrichten, Chats, Gruppen und Veranstaltungen geben.
Der Unterschied zum „normalen“ Facebook ist, dass „Facebook at work“ nicht öffentlich zugänglich sein wird, sondern nur von den Mitarbeitern innerhalb des Unternehmens genutzt werden kann. So können berufliche Kontakte gepflegt werden und es ermöglicht gemeinsames Arbeiten an Dokumenten und Projekten. „Facebook at work“ soll die bisher vielfältigen Kommunikationswege in EINEM Kanal zusammenführen und so die Kommunikation vereinfachen. Facebook selbst benutzt diesen Dienst angeblich schon seit Jahren.

„Facebook at work“ wird den Firmen lizenziert zur Verfügung gestellt werden. Anders als beim öffentlichen Facebook fallen hierfür allerdings Kosten an. Wie hoch diese sein werden, ist bis jetzt noch nicht bekannt.
Wie das in letzter Zeit viel diskutierte Thema Datensicherheit behandelt werden wird, bleibt vorerst noch offen. Klar ist aber jetzt schon, dass die Arbeitsdaten nicht mit den privaten Facebookdaten verknüpft werden sollen, sondern neue „accounts“ angelegt werden.
Ob „Facebook at work“ Erfolg haben wird und die alten Kommunikationswege innerhalb eines Unternehmens ablöst, wird die Zukunft zeigen.

 

Quellen:
http://www.sueddeutsche.de/digital/facebook-at-work-hilfe-facebook-wird-mein-intranet-1.2305077
http://t3n.de/news/facebook-at-work-2-579120/
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-at-work-soziales-netzwerk-fuer-firmen-a-1012946.html
http://www.zeit.de/digital/internet/2014-11/facebook-karriere-netzwerk-linkedin
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-testet-Facebook-at-Work-2517799.html

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„Breaking Borowski“

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen1 Kommentar »

Eine Raserei durch die Nacht Schleswig-Holsteins – schnell, dunkel, Sicht aus dem Rückfenster und dann ‚wumm‘. Kopf ab. So beginnt der Kieler Tatort, der am Sonntag um 20.15 Uhr auf ARD ausgestrahlt wurde.

Die Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) finden zunächst nur den Kopf des 20 Jährigen Mikes. In einem Fluss, der an Mundsforde vorbei fließt.  Dass es sich dabei um ein zweites Albuquerque handelt, bleibt zunächst unklar.

Bei ihren Ermittlungen stoßen die beiden Kommissare aber recht schnell auf Crystal-Meth. Auch Rita, die Freundin vom toten Mike, ist der Horror-Droge verfallen.Als sie das erste Mal die Substanz nimmt, strahlt sie. Brennendes Licht, Glücksgefühle und rasende Geschwindigkeit bilden sich in ihrem Gesicht ab. „Ich war mal zwei Wochen am Stück wach“, sagt sie, und: „Man hat soo viel Energie.“  Später zeigen sich die verheerende Wirkung der Droge und die grausamen Folgen. Auch ohne faule Zähne und verfallene Haut zeigt Elisa Schlott in dieser Rolle schauspielerische Höchstleistung!

Nach und nach wird klar, dass nicht nur Rita, sondern das ganze Dorf der Horror-Droge zum Opfer wurde. „Hier passiert nichts“, sagt einer der Ureinwohner deprimiert, „außer Inzest. Ackern und Internet-Porno, das ist Mundsforde.“ Doch dabei handelt es sich um weitaus mehr: Ein Mann fällt vor den Augen der Kommissare vom Fahrrad, einfach so. Ein anderer fährt mit dem Traktor immer wieder im Kreis herum und selbst der Dorfsheriff ist der Droge verfallen.

„Borowski, der offenbar nie „Breaking Bad“ gesehen hat, ist zum Teil überrascht, erstaunt oder einfach nur wütend. „Was ist das für ein Scheißdorf!“, brüllt er irgendwann und geht los, um den Rest von Mike zu suchen und den Mord aufzuklären.“

Doch die Frage wer Mike getötet und enthauptet hat, scheint schon fast unter zu gehen, neben den Kids im Dauerpartymodus und den Bauern in Ekstase. Sowohl Rolf Basedow als Autor, wie auch Regisseur Christian Schwochow haben in ihrem Tatort „Borowski und der Himmel über Kiel“, ganze Arbeit geleistet. Statt die Mainstream-Droge Crystal-Meth mit direkter Kritik zu durchleuchten, wurde die Entwicklung vom Drogentrip zum Höllentrip viel mehr durch brutale aber realistische Bilder verdeutlicht. Die furchtbaren Folgen von Crystal-Meth werden dem Zuschauer durch schauspielerisch grandiose Rauchszenarien veranschaulicht.

Und der wahre Täter steht doch eigentlich sowieso schon von Anfang an fest: die Horror-Droge Crystal-Meth.

 

 

Quellen:

„Tatort: Borowski und der Himmel über Kiel“, auf ARD. Sonntag, 25. Januar 2015, 20.15 Uhr

http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/borowski-und-der-himmel-ueber-kiel-100.html

http://www.welt.de/kultur/medien/article136740139/Hat-Borowski-Breaking-Bad-denn-nie-gesehen.html

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Terror im Schatten des Terrors

geschrieben von in Internet und Politik, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Gerade in einer Zeit der zunehmenden Digitalisierung und der damit einhergehenden Individualisierung des Medien- und Informationskonsums, entsteht leicht das Gefühl, man wüsste über alles bescheid. Dass einem jede nennenswerte Information vorliegt, alles, was man wissen muss, einem auf irgendwelchen Wegen zugetragen wird. Doch dabei entsteht ein informationeller Tunnelblick und die in der Medienforschung „Gatekeeping“ genannte Funktion des Journalismus verselbstständigt sich, da nur gelesen und rezipiert wird, was dem Konsumenten nahegelegt wird, und nur über das berichtet wird, was den Leser/Zuschauer/Hörer augenscheinlich interessiert. Das Medium schafft erst den Bedarf, nach dem es sich richten möchte. Während die linearen Medien – wie das Fernsehen oder der Rundfunk – dieses Problem weniger betrifft, so sorgt gerade der non-lineare, modulare Aufbau des Internets und der vertretenen Nachrichtenmedien für eine starke Aufmerksamkeitslenkung der Rezipienten.

Während einem dies normalerweise weniger auffällt, da selten mehrere wichtige Ereignisse zeitlich so beieinander liegen, dass sie sich selbst überlagern, so konnte man in dieser Woche dieses Phänomen besonders gut beobachten. Während die Anschläge auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ noch über das Wochenende hinaus starke mediale Resonanz erzeugt, die sich – da die Hauptereignisse längst ausführlich dokumentiert wurden – nunmehr mit den Trauerkundgebungen und – märschen, Hintergründen und gesamtgesellschaftlichen Prognosen auseinandersetzen, noch unterstützt von der Brandstiftung im Verlagsgebäude der Hamburger Morgenpost; so gehen die Anschläge der islamistischen „Boko Haram„-Gruppierung im Norden Nigerias beinahe unter.

Für den flüchtigen Leser unsichtbar

Auf keiner Startseite der großen Zeitungen – von der Süddeutschen bis zur BILD – findet sich heute ein Hinweis darauf, erst durch gezielte Suche oder Stöbern in den einzelnen Ressorts trifft man auf diese Meldungen – einen Aufwand, den sich sicher nur wenige Rezipienten aus purem Interesse machen. Auf der Startseite der Huffington Post finden sich noch am Sonntag Abend über 25 (!) Artikel, die einen direkten oder indirekten Bezug zu dem Attentat auf Charlie Hebdo vorweisen; seien es Mitteilungen unmittelbar aus Frankreich oder Beschreibungen, Reaktionen, Kolumnen, Kommentare zum Attentat selbst und zu seiner Rezeption in sämtlichen politischen Strömungen, Ländern und Gesellschaftsschichten. Wer sich hingegen für Afrika interessieren mag, bekommt einen Reisebericht nach Botswana präsentiert. Nur vom Betrachten der Startseite – und gerade wenn diese derart umfangreich gestaltet ist, bleibt sie auch das Einzige, was der Rezipient sich zur Themenauswahl zu Gemüte führt – bleibt der Leser im Unklaren darüber, dass eben erwähnte Terrormiliz diesen Donnerstag die nigerische Stadt Baga quasi dem Erdboden gleichgemacht hat; bis zu 2000 Tote werden befürchtet. Dass sich gestern am Nachmittag wohl ein 10-jähriges Mädchen im Auftrag der Terroristen auf einem Marktplatz in die Luft sprengte und zwanzig Menschen in den Tod riss. Dass der Terror also – in letzter Konsequenz – auch in Afrika immer mehr Fuß fasst.

Wer die entsprechenden Suchbegriffe bei Google und Konsorten eingibt, kriegt schnell eine Reihe von Artikeln angeboten, von den meisten Tageszeitungen, die aber keinerlei Hinweise auf ihrer Startseite haben. Obwohl also der Nachrichtenwert bewiesen ist, obwohl hier Recherchen durchgeführt und Texte geschrieben wurden, trotz alledem bleibt der gemeine Leser im Unklaren. ZEIT online beispielsweise dokumentiert die Vorfälle; aber um darauf zu stoßen muss unten auf der Startseite vom Politikressort aus die Rubrik Außenpolitik gewählt und viel gescrollt werden.

Ein deutsches Phänomen? Und warum?

Jetzt mag man sich sicher fragen, warum die deutschen Medien (internationale Informationsportale scheinen hier insgesamt mehr Informationen zu geben: siehe hier oder hier) ein derartiges Thema so zurückstellen. Liegt es daran, dass der gemeine Leser kaum Identifikationspotential mit einem der ärmsten Länder dieser Erde hat? Dass man „ja schon weiß“, dass die Menschen in Afrika „arm dran“ sind? Liegt es an der räumlichen Distanz? Oder sind die Anschläge auf ein französisches Magazin einfach so viel wichtiger für den deutschen Leser?

Man kann sicher darüber debattieren und wird vielleicht irgendwann zu dem Fazit kommen, das der Anschlag in Frankreich durch seine Symbolwirkung mehr Aufmerksamkeit verdient, den Terror nach Europa trägt und eine fundamentale Freiheit der westlichen Welt bedroht. Vielleicht kommt man aber auch zu dem Fazit, dass der Terror in Nigeria, getragen von einer antiaufklärerischen, extremistischen Gruppierung, die sich dort gerade erst entwickelnden Freiheiten um ein vielfaches mehr bedroht als er es in einer derartig gefestigten Wertegemeinschaft wie Frankreich könnte.

Um im langen Bogen zum Anfang zurückzukommen: die meistgelesenen Themen auf der Zeit Online Seite betreffen – sicherlich nicht Nigeria. Und wo kein Interesse der Leser, da auch kein Interesse an verstärkter Berichterstattung, oder Aufmerksamkeitsgenerierung. Es gibt kein Interesse seitens der Leser – und deswegen keine Berichterstattung, die dieses Interesse erst wecken könnte.

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Perfektionismus und Schönheit

geschrieben von in Allgemeines1 Kommentar »

Es ist seit langem kein Wunder mehr, dass schöne Bodys in Magazinen nicht nur harte Arbeit der Models sind, sondern auch die der Retuschierer. Genau gegen dieses Retuschieren, wenn man schon sich selbst nicht erkennen kann, protestiert so die Prominenz. Wenn einige Prominente nichts darüber hören möchten, zeigt sich Keira Knightley nackt in dem Fotoshooting für Interview und sagt, sie lasse sich hier nur deswegen nackt fotografieren, damit ihre Brüste später nicht vergrößert werden. Emma Watson gesteht, dass auch sie Zeit und Make-up braucht, um sich auf Veranstaltungen vorzubereiten. Lady Gaga kritisiert öffentlich die Zeitschrift Glamour für das unaufhörliche Schönmachen der Wirklichkeit, was mittlerweile keine Grenzen hat. Und sie würde sich lieber auf dem Cover Malala Yousafzai und nicht sich selbst sehen.
Alle diese Taten und Wörter lassen uns, Menschen und insbesondere Frauen auf solche Gedanken kommen, wie: Was ist Schönheit? Wann kann jemand als ein schöner Mensch betrachten werden? Können die Menschen noch die echte natürliche Schönheit verstehen?
Ein Heft von der Zeitschrift Vanity Fair LA sollte man für die Nachkommen unbedingt aufbewahren. Und nicht nur wegen der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Rasse auf dem Cover, sondern wegen des Konzepts des Fotoshootings „Be hind the scenes“ mit Kate Winslet, Brad Pitt, Julia Roberts, Oprah Winfrey, George Clooney, Scarlett Johansson und vielen anderen, die sich den Lesern ohne Make-up gezeigt haben.
Trotzdem wäre es gelogen, wenn man sagen würde, dass die Magazine lieber gar keinen Photoshop benutzen sollen. Hier müsste man schon eine gewisse Grenze wissen, und vor allem, wann es schon genug ist. Als ein Mittel, das die öffentliche Meinung prägt, sollten die Magazine keine unerreichbare Standards für die Schönheit setzen, sondern eine reale Schönheit zeigen. So könnte man sich fragen, ob Jennifer Lawrence, die schon wunderbar aussieht, tatsächlich für das eine oder das andere Foto die Hilfe des Photoshops gebraucht hat? Ist sie nicht genug schön für das Cover von Flame?
Jeder weiß, dass die Schönheitsstandards nicht gleich für alle Ländern sind. Aber weiß man, wie wirklich unterschiedlich sie sind? Das wissen Esther Honig und Priscilla Wilson, die das Projekt „Before & After“ geleitet haben.
Landläufige Ansicht behauptet, dass glatte Haare, eine schlanke Figur und große Brüste schön sind. Im Gegenteil sind Sommersprossen und Falten, breite Hüften und kleine Brüste unschön. Aus diesem Grund vergessen immer häufiger die Mädchen und Frauen, dass sie auf ihre persönliche Art und Weise schön und einzigartig sind.
The Economist hat das Foto von Cate Blanchett auf dem Cover ohne Retuschen abgedrückt. Man kann nicht sagen, dass dieses Foto überhaupt keine Retusche hat. Aber hier wurde retuschiert, sodass die Fotografie noch ein schönes, lebendiges und begeisterndes Gesicht bewahren konnte. Und es ist schon viel mehr als ein einfaches Bild in einer Zeitschrift. Etwas Ähnliches kam in der französischen Elle 2009.
Das Thema „natürliche Schönheit“ wird langsam, aber sicher aktueller. Diese Tendenz wird auch von Gisele Bundchen unterstützt. 2013 ließ sie sich vom Fotograf Johan Lindeberg ohne Make-up fotografieren. Die Fotografien zeigen Bundchen als eine reale Person und nicht als Super Model.
Die Handelsmarke der Unterwäsche „Aerie“ tritt für die Natürlichkeit auf. „Aerie“ bietet die Werbekampagne, wo die Models nicht retuschiert worden sind. Auf dem Werbeplakat ist folgender Spruch zu sehen: „The girl in this photo has not been retouched. The real you is sexy“. Die Vertreter teilen mit, dass es endlich mal Zeit für Veränderungen sei. Sie meinen, die echte Schönheit brauche keine Retusche.
Die neue amerikanische Zeitschrift Verily geht noch weiter. Hier beschloss man auf die Retusche von Photoshop ganz zu verzichten. Verily hat die Absicht so über die Frauen zu schreiben, wie sie heutzutage sind und nicht wie sie sein sollten.
Die Magazine und Schönheitsindustrie versuchen mit kleinen Schritten den Frauen ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben. Hier bekommt der Begriff „Schönheit“ schon eine andere Bedeutung als „geschminktes Äußeres“ – die Schönheit ist Selbstachtung und Gesundheit, die Fähigkeit sich und den anderen so akzeptieren, wie man ist. Die Schönheit ist unbeschränkbar, es gibt keine altersmäßigen, zeitlichen, nationalen oder Alters – Grenzen. Nur Unverständnisse und begrenzte Ansichten lassen die echte wahre Schönheit nicht ans Licht kommen. Man spricht zwar über die Vielfalt der Schönheit, und aber man verurteilt gleichzeitig das, was nicht wie in der Zeitschrift aussieht, was nicht ins Schema passt, und was man nicht verstehen kann. Man erkennt nicht nur eine reiche Palette der Schönheit nicht, man erkennt sich selbst nicht, weil man nach den Standards lebt. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Kritik und die gesellschaftliche Meinung sehr schaden können, und jeder sowohl der Richter als auch der Angeklagter sein kann. Man soll entscheiden, wie man mit dieser Kritik weiter umgehen wird, ob man sich weiter entwickeln will oder nicht.
Quellen:
http://www.interviewmagazine.com/fashion/keira-knightley-by-patrick-demarchelier#_
https://twitter.com/MTV/status/449014764875042816/photo/1
http://www.berliner-zeitung.de/panorama/glamour-kuert-frauen-des-jahres-malala–gaga-und-streisand-sind–women-of-the-year–,10808334,25016014.html
http://www.vanityfair.com/vf-hollywood/hollywood-issue-george-clooney-chiwetel-ejiofor
http://www.vanityfair.com/hollywood/photos/2014/03/chuck-close-hollywood-portfolio#1
http://www.huffingtonpost.com/2013/12/14/jennifer-lawrence-photoshop_n_4446190.html
http://www.estherhonig.com/#!before–after-/cvkn
http://priscillaywilson.wix.com/priscillayukiwilson#!blank/c1de8
http://thesocietypages.org/socimages/2009/04/30/french-elle-stars-without-makeup/
http://au.ibtimes.com/articles/471736/20130528/gisele-bundchen-blk-dnm-johan-lindeberg.htm#.VHYBXbSf56p
http://www.adweek.com/adfreak/aerie-launches-simple-revolutionary-lingerie-ads-beautiful-models-and-no-photoshop-155088
http://verilymag.com/
http://www.huffingtonpost.com/2013/10/10/verily-magazine-no-photoshop_n_4079217.html

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Medien, Feminismus und Morddrohungen

geschrieben von in Internet, Medienkritik1 Kommentar »

Gamer sind männlich, riesen Nerds, haben wenig soziale Kontakte und von Frauen auch keine Ahnung, beziehungsweise interessieren sich auch nicht wirklich für sie, außer sie kommen in ihren Spielen vor.

Sieht so aus als hätte da mal wieder jemand tief in die Klischeekiste gegriffen, oder?
Natürlich ist diese Darstellung mehr als nur übertrieben. Natürlich hat jemand, auch wenn er sich als Gamer bezeichnet, Freunde und geht duschen. Doch sieht man sich die momentane Diskussion an, welche auf diversen Plattformen unter dem Hashtag #GamerGate läuft, kann man schnell auf den Gedanken kommen, dass diese Klischees irgendwie doch eines wahren Ursprungs entspringen.
Bekannteste Opfer der #GamerGate-Debatte sind Zoe Quinn, Brianna Wu (beides Spiele-Entwicklerinnen) und die Feministin und Medienkritikerin Anita Sarkeesian. Diese wurden (und werden immer noch) von vielen aus der Gaming-Community auf das Schwerste beschimpft und sogar bedroht. Privatadressen wurden öffentlich gemacht und mittlerweile stehen sie sogar unter Polizeischutz. Doch was hat dieses extreme Verhalten ausgelöst?
Zunächst einmal ein Blogeintrag eines betrogenen Freundes. Dieser beschuldigte seine damalige Freundin Zoe Quinn darin, um gute Kritiken für eines ihrer Spiele zu bekommen, eine Affäre mit einem Spielejournalisten eingegangen zu sein. Auch wenn sich diese Annahme als falsch heraus stellte, zogen diese Anschuldigungen natürlich die übliche Entrüstung nach sich und wie man es so aus dem Internet kennt, waren auch verbale Entgleisungen unter all den Kommentaren dabei. Dennoch wurde durch diesen Zwischenfall etwas – oder besser – jemand stellvertretend für einige, wenn auch nicht viele in das Rampenlicht der Öffentlichkeit gerückt: Zoe Quinn beziehungsweise Frauen in der Spieleindustrie.
Ins Rollen kam der große #GamerGate Skandal dann durch die Erscheinung des neuesten Videos von Anita Sarkeesian, welche auf ihrem Youtube-Kanal die Darstellung von weiblichen Charakteren in Spielen beleuchtet. Einer ihrer Grundaussagen ist, dass weibliche Figuren meist nur den hübschen Rahmen für die männlichen Hauptfiguren bilden. Durch diese Äußerungen hatte sie einen empfindlichen Nerv in der Gaming-Community getroffen. Sie und Zoe Quinn rückten somit immer mehr in den Focus von ‚Kritikern‘, welche eigentlich keine sind. Zusammen mit Brianna Wu, welche sich auch kritisch zu Sexismus in Spielen äußerte, stehen die drei nun im Mittelpunkt von Anfeindungen, Drohungen und Beschimpfungen. Trauriger Höhepunkt war die Absage eines Vortrages von Anita Sarkeesian aufgrund von der Androhung eines Anschlages am Veranstaltungsort.
Reaktionen gab es viele. Unter anderem einen offenen Brief an die Gaming Community von Entwicklern, in dem sich dafür eingesetzt wird, dass jeder spielen darf, egal welches Geschlecht oder sexuelle Ausrichtung er hat. Dennoch hat sich die gesamte Situation zu einem undurchdringlichen wirren Durcheinander von Meinungen, Drohungen und Vermischung der unterschiedlichsten Themen entwickelt. Festzuhalten ist, dass es um Sexismus in Spielen und gegenüber Frauen in der Spieleindustrie, sowie die Glaubwürdigkeit von Spielejournalisten, geht.

Nachdem dies schon vor ungefähr 3 Monaten im englisch sprachigen Raum ein viel diskutiertes Thema war, wird dies von den deutschen Medien erst jetzt aufgegriffen. Neben einer Vielzahl von Gaming-Portalen (u.a. Playnation.de oder auch Giga-Games),die allerdings seit einem längeren Zeitraum davon berichten, werden jetzt auch etablierte Medien wie zum Beispiel die Tagesschau, oder auch die FAZ auf dieses doch brisante Thema aufmerksam.
Bei letzterem ist jedoch folgendes anzumerken um wieder auf die am Anfang erwähnten Klischees einzugehen: Das im ersten Abschnitt des Artikels erläuterte ‚Utopia‘ ist bei weitem noch nicht erreicht. Natürlich gibt es wie in dem Artikel beschrieben neben den Spielen nun auch viele andere Medien, die diese aufgreifen, wie Bücher oder ähnliches. Doch ist dies lediglich Merchandise. Die Gruppe derer, die Spiele als Kulturgut ansehen ist weiterhin sehr gering und jemand der es geschafft hat eine beachtliche Summe von ca. 300 Stunden in Skyrim zu verbringen, bekommt wohl immer noch gesagt, dass er doch seine Zeit auch besser nutzen könnte.
Die Entwicklung, dass nicht jeder gleich als potenzieller Amokläufer gilt, wenn er einen Ego-Shooter spielt, steht selbst noch in den Kinderschuhen, wenn man die Diskussionen um Gewalt in Spielen verfolgt. Gewaltdarstellungen werden immer noch in den verschiedenen Gattungen Film und Spiel unterschiedlich gewertet, egal wie cineastisch ein Spiel inszeniert wurde.
In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung wird im Zuge der #GamerGate Affäre eine spannender Punkt aufgegriffen, der hier noch nicht im Mittelpunkt stand: Der Spieler – also Gamer – an sich mit seiner Identität; derjenige auf den die Klischees aufgedrückt werden. Halten wir kurz an dieser Stelle fest, dass in diesem Artikel der generische Maskulinum genutzt wird. Laut einer Studie der Entertainment Software Association aus diesem Jahr sind mittlerweile ungefähr die Hälfte aller Spieler weiblich.
Wer bin ich wenn ich spiele? Ich für meinen Teil: weiblich, 22 jährig, GTA V spielend mit vielen sozialen Kontakten, da ich mich aktiv an der Arbeit in einer Fachschaft beteilige. Passend wird in dem Artikel vom „Ende der Gamer-Identität“ gesprochen. Durch dieses ‚Ende‘, das Aufkommen von Frauen in der ‚Szene‘, die Kritik an der Darstellung von Frauen, seien die Reaktionen die im #GamerGate auftauchen fast eine logische Konsequenz. Leider trifft dieser Punkt nur auf einen kleinen Teil der Community zu, nämlich auf jenen in dem die Drohungen und Anfeindungen entstanden sind. Dieser kleine Teil ist aber auch im Rest der Gesellschaft zu finden und fühlt sich durch jedes kleinere aufkommen von feministischen Inhalten angegriffen ( vgl. hierzu zum Beispiel die Diskussion um das Video „10 Hours of Walking in NYC as a Woman“)

Der größere Teil findet es schön, dass nun auch die Damen der Schöpfung die Welt der Spiele für sich entdeckt hat. Es wird auch nicht kritisiert, dass kritisiert wird, sondern es wird auf das alte Thema aufmerksam gemacht, dass Pauschalisierungen immer schwierig sind. Zum Schluss bleibt nur noch kurz etwas Kritisches zu hinterfragen: Ja es wird diskutiert – und das ist auch gut so – aber kommen diejenigen, über die diskutiert wird, eigentlich auch zu Wort oder ist es wieder eine fremdbestimmte Diskussion?

 

 

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Spaß und Tränen vor dem Spiel

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medienkritik, Online-Magazine, Qualität1 Kommentar »

Wer hat sie nicht gesehen, diese zwei prägnanten Szenen während der Live-Übertragungen des Vorrundenspiels Niederlande:Deutschland (13.6.; ZDF) und des Halbfinales Deutschland:Italien (28.6.; ARD)?

Zur Erinnerung:

Im Vorrundenspiel Niederlande:Deutschland am Mittwoch, den 13. Juni 2012, wird in der 22. Minute auf einmal eine Szene vom Spielfeldrand gezeigt, in der Bundestrainer Joachim Löw von hinten auf einen Balljungen zuschlendert, diesem spielerisch den Ball aus dem Arm stupst, dem Balljungen daraufhin mit einem Lächeln auf die Schulter klopft und ihm anschließend den Ball per Hacke zurück kickt [1, 2]. Dieses kurze Intermezzo sorgte wohl vor zahlreichen Leinwänden und Bildschirmen für allgemeine Belustigung, zeigten diese Bilder doch gänzlich unerwartet einen überaus entspannten Bundestrainer, der seine Scherze treibt, während seine Mannschaft auf dem Platz um wichtige Punkte kämpft. Der Überraschungseffekt der Szene war pointiert.

Im Halbfinale Deutschland:Italien am Donnerstag, den 28. Juni 2012, schießt Mario Balotelli das für deutsche Fans erschütternde 2:0 für Italien. Es folgt eine Großaufnahme ins Publikum, genauer auf eine Frau – unverkennbar in den Farben Deutschlands -, der bei unbewegter Miene eine einzelne Träne aus dem Augenwinkel über die Wange kullert [3]. Dieses emotional stark aufgeladene Bild spricht vielen Fans aus der Seele und ruft Mitgefühl hervor – und passte in diesem Moment perfekt.

Zu perfekt vielleicht? Ja, laut der Berichterstattung von FOCUS Online vom 15., 16. und 30. Juni 2012 [1, 2, 3]. In drei Artikeln wird von den Hintergründen dieser zwei Szenen berichtet, die beide jeweils vor den entsprechenden Spielen stattgefunden haben und von der UEFA möglichst wirkungsvoll an den genannten Stellen in die Bilder der Live-Übertragung montiert worden sein sollen [2, 3]. ARD und ZDF echauffieren sich über diese, wenn auch nur kurzweilige, Aussetzung gesetzter journalistischer Standards, und fordern: „Wo live drauf steht, muss auch live drin sein.“ [2]

Ein klassischer Fall der Konstruktion einer Medienrealität, scheinbar frei nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht.“. Doch wenn solche Methoden lediglich aufgrund einer effektiveren Dramaturgie in die Medien Einzug erhalten, was soll uns zukünftig dann noch erwarten? Darf man der Bildschirmnotiz „live“ fortan wirklich noch Glauben schenken? Muss man nun jede ausgestrahlte Sekunde TV-Programm bzgl. ihres Wahrheitsgehaltes hinterfragen?

Die Verantwortung für die Montage während der zwei EM-Spiele scheint bisher noch nicht geklärt [2]. Doch ob es nun der Regisseur allein, die Produktionsfirma oder gar die UEFA an sich gewesen sei – von welchem Interesse mag das am Ende noch sein, wenn eine derartige Verzerrung der Realität gang und gäbe würde?

 

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[1] FOCUS Online (15. Jun 2012, 10:04 Uhr): Jogi Löw scherzt mit einem Balljungen. Uefa-Fake sorgt für Verwirrungen. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/kultur/medien/jogi-loew-scherzt-in-der-22-minute-mit-einem-balljungen-uefa-fake-sorgt-fuer-verwirrungen_aid_767595.html ; [30. Jun 2012, 3.57 pm].

[2] FOCUS Online (16. Jun 2012, 9:31 Uhr): Joachim Löw und der Balljunge. ZDF beschwert sich bei Uefa über falsche Bilder. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/joachim-loew-und-der-balljunge-zdf-beschwert-sich-bei-uefa-ueber-falsche-live-bilder_aid_767948.html ; [30. Jun 2012, 3.59 pm].

[3] FOCUS Online (30. Jun 2012, 12:35 Uhr): EM-Halbfinale Italien gegen Deutschland. Uefa montiert Tränen über Balotellis Treffer. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/beim-halbfinale-italien-gegen-deutschland-uefa-montiert-traenen-ueber-ballotellis-tor_aid_775227.html ; [30. Juni 2012, 4.00 pm].

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Ein Link auf Papier(?)

geschrieben von in Allgemeines, Medienwandel, Printmedien, Zeitschriften, Zukunft des InternetKommentare deaktiviert für Ein Link auf Papier(?)

Nun ist ein auf Papier abgedruckter Link in der heutigen Zeit nichts wirklich besonderes mehr, werden viele sagen. Dem ist auch so. Eine Variante allerdings, die mehr oder weniger neu ist, scheinen die so genannten Quick Response Codes (QR-Codes) zu sein.

Gesehen haben wir sie wahrscheinlich alle schon einmal: kleine schwarze Quadrate, auf deren Fläche noch kleinere, scheinbar willkürlich verteilte schwarze und weiße Kästchen zu sehen sind. Während sie für das menschliche Auge keinen Sinn ergeben, können Computer damit eine ganze Menge anfangen. Denn scannt man einen solchen QR-Code mit dem Handy ein, wird man unverzüglich auf die entsprechende Internetseite weitergeleitet, die inhaltlich mit dem Artikel verknüpft ist, in dessen Frame der Code auftaucht.

Vorreiter dieser zweidimensionalen Barcodes ist der Springer-Verlag, genauer dessen Tabloid Welt kompakt. Schon 2007 erschienen die QR-Codes regelmäßig als inhaltliche Ergänzung zu den veröffentlichten Artikeln. Ob sie von den Rezipienten oft oder überhaupt genutzt werden, legt der Springer-Verlag nicht offen. Doch da die QR-Codes weder viel Platz brauchen, noch sonderlich kostenintensiv sind, erscheinen sie weiterhin als kleine Wegweiser zu weiteren Informationen. [1]

Durch einen Artikel in einer Ausgabe der Journalistik (s. Quellen) darauf aufmerksam geworden, begegnen mir diese Barcodes nun immer häufiger. Noch am selben Tag fiel ein Supplement aus der aktuellsten Ausgabe des aud!max (s. Quellen): Campus Cooking. In diesem Heftchen werden schnelle, unkomplizierte Gerichte für Studenten von den Köchen Stefan Wiertz und Kevin von Holt präsentiert. Blättert man Campus Cooking einmal durch, findet man insgesamt sechs Rezepte, denen jeweils ein QR-Code hinzugefügt wurde. All diese Codes führen zu Videos, in denen die beiden Köche die Zubereitung der besagten Rezepte präsentieren. [2] – Des Weiteren sind mir die QR-Codes nun auch in Prospekten diverser Supermärkte und Fachläden aufgefallen. Bei manchen dachte ich, dass das eine durchaus sinnvolle Ergänzung sein kann, bei anderen habe ich mich wiederum gefragt, was dabei denn herauskommen soll. (In Ermangelung eines Smartphones konnte ich dem auch leider nicht auf die Spur gehen.)

Bleibt die Frage zu klären, ob diese Barcodes eine nützliche Erfindung sind, die unser alltägliches Leben mit zusätzlichen Informationen o.ä. bereichern können. Oder ob sie doch in die Richtung verschwendeter Druckerschwärze gehen und getrost fallengelassen werden können. Wie so oft wird das wohl wieder jeder für sich entscheiden (und ggf. verwenden) müssen.

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[1] Westermeier, Carola (2012): QR-Codes als „Links in der Zeitung“ – Erfolg oder Fehlschlag? in: Fengler, Susanne (2012): Journalistik. 2012/01, s. 8.

[2] Telekom Deutschland GmbH (2012): Campus Cooking. Supplement in: aud!max Medien GmbH (2012): aud!max. 2012/06.

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Are you in time? – ‚Cause time is money.

geschrieben von in Allgemeines2 Kommentare »

„Wie schnell doch die Zeit vergeht!“ – Ein gern gesagter Satz, der heutzutage einen teils erschreckend hohen Wahrheitsgehalt hat. Die Uhr ist ein elementarer Bestandteil unseres Alltags geworden, auch wenn manch einer nun fragen wird, warum gerade so etwas eigentlich Altmodisches wie die Uhr? Weil sie uns den Wert vorschreibt, nach dem wir uns inzwischen pausenlos richten – im wahrsten Sinne des Wortes. Für alles vereinbart man Termine, jeder muss seinen Zeitplan einhalten, bloß nicht zu spät kommen, bloß nichts verpassen – und wehe, dabei geht etwas schief. Katastrophe!

Katastrophe? Mag sein – jetzt, wo man’s hört, fällt uns ein, stimmt ja schon irgendwie. Seltsam, dass uns ein so beeinträchtigender Faktor unseres Lebens eigentlich derart unbewusst ist. Zwar schauen nahezu alle Menschen ständig auf die Uhr, aber wer von ihnen würde tatsächlich behaupten, von Zeiteinheiten abhängig zu sein? Niemand? Ja, kommt hin.

Obwohl allein der Studienbeginn viel Chaos und Stress verursacht hat – man denke nur an all die Texte, die man noch immer nicht gelesen hat, eben aufgrund fehlender Zeit –, musste ich feststellen, dass mir diese Thematik auch erst kürzlich wirklich wieder bewusst geworden ist. Dass man in der heutigen Zeit scheinbar stets zu viel Arbeit in zu wenig Zeit zu erledigen hat; dass alles, was man unternimmt, an Uhrzeiten fest gemacht wird; dass man jederzeit erreichbar sein kann/soll/muss/…; dass der einzelne Tag an sich besser 30 Stunden hätte. Über all das denkt doch niemand nach, denn man ist es inzwischen gewohnt.

Ich habe mir hierzu Gedanken gemacht, als bei der vorletzten „Wetten, dass…?“-Sendung ein neuer Kinofilm vorgestellt wurde: „In Time“ von Regisseur Andrew Niccol (Gattaca, Lord of War). Diese Idee, Zeit als Währung zu gebrauchen, klingt erschreckend, wirkt aber auf den zweiten Blick gar nicht so dumm.

Die Gedanken der Vorrede im Hinterkopf behaltend, zunächst ein kurzer Einblick in den Plot des Films: In einer unbestimmten, aber nahen Zukunft existiert das Zahlungsmittel „Geld“, wie wir es heute kennen, nicht mehr. Die Währung ist Zeit. Wird ein Mensch geboren, altert er – bis zu seinem 25. Lebensjahr. Denn dann endet die physische Alterung und auf dem linken Unterarm beginnt eine dreizehnstellige Uhr zu ticken: ein Jahr abwärts (001:00:00:00:00:00, also jjj:mt:ww:tt:hh:mm:ss). Nun wird das folgende Prinzip wirksam: „Die Armen sterben, die Reichen sind unsterblich.“ (vgl. Trailer) Je mehr Zeit (also Mittel) man auf seiner Uhr hat, desto reicher ist man. Zeit kann verdient und ausgegeben, sowie abgegeben, aber auch gestohlen werden. Zeit ist hier im absolut wahrsten Sinne des Wortes Geld. Ein Kaffee kostet vier Minuten, eine Busfahrt zwei Stunden. Während die Menschen in der zwölften, und damit letzten, Zeitzone, dem so genannten Ghetto, täglich um ihr Leben bangen müssen, wird in der vierten Zone langsam gelebt: die meisten Menschen verfügen dort über mehrere Jahrhunderte Lebenszeit.

Dass damit eine Situation der völligen Ungleichheit beschrieben wird, wie wir sie in unserer globalen Gesellschaft auch kennen, ist offensichtlich, sei aber in diesem Artikel nicht weiter thematisiert. Vielmehr soll es darum gehen, dass im Film „In Time“ der Gedanke umgesetzt wird, wie sehr die Gesellschaft von der Einheit „Zeit“ abhängig ist. Es ist nicht einfach die Zeit als Anhaltspunkt, auch nicht nur als Lebensinhalt, sondern als das Leben selbst. „His crime wasn’t taking time. It was giving it away.“ (vgl. Trailer). Zwar mag diese drastische Darstellung überspitzt sein, doch enthält sie einen wahren Kern, wie es eingangs erläutert wurde.

Betrachtet man in diesem Zusammenhang die aktuellen Medien, zeigt sich ein ähnliches Muster. Es besteht ein ständiger Wettbewerb, wer brisante Informationen und sensationelle Neuigkeiten zuerst veröffentlicht. Elementar wichtig ist hinzu-kommend die durchgehende Aktualität der Medieninhalte, weil es niemals soweit kommen darf, dass die Konkurrenz zum selben Zeitpunkt Informationen verbreitet, die viel aktueller sind als die eigenen. Und dieser Wettbewerb ist nicht nur intern bei den verschiedenen Mediengattungen zu beobachten, sondern insbesondere zwischen den Medien. Wer informert sich heute noch primär über das Radio? Wer wartet die nächste Tageszeitung ab, wenn man doch genauso gut – oder gar besser? – den Internetbrowser öffnet und dort die neuesten der neuen Neuigkeiten recherchiert? Niemand? Soweit ist es bisher nicht, aber es sind zumindest nur noch sehr wenige Menschen. Inhalte im Internet sind oftmals topaktuell und können sich minütlich, sogar alle paar Sekunden ändern (sofern die Verfasser dementsprechend schnell genug tippen können).

Die Zeit ist mächtig. Sie scheint alles zu kontrollieren. Überall wird sich Zeit erbeten, wird Zeit herausgehandelt, wird Zeit verplant, wird ihr regelrecht nachgerannt. Sogar heilende Kräfte werden ihr zugesprochen, heilt sie doch alle Wunden. Doch wer nimmt sich heute noch Zeit? Wer genießt Zeit? Wer kann Zeit auch mal vergessen? „In Time“ hat mich zum Nachdenken gebracht, weil die Idee manches womöglich vor Augen führen kann, was man vor lauter Uhren nicht mehr sieht. Nämlich, dass unsere Zeit wirklich begrenzt ist und nicht so einfach übertragen werden kann wie im Film. Die Zeit mag unendlich sein, jedoch nur für sich selbst.

Eine kleine Anmerkung am Rande: Exakt diesen Film habe ich mir allein im Kino angesehen. Niemand kam mit. Warum? – Nun, weil viele Leute dafür keine Zeit gefunden haben.

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Quellen & Verweise:

www.intimemovie.com/ (off. Homepage mit Originaltrailer auf der Startseite; 7. Dez 2011, 0:44am)

Interaktivfabrik GmbH (2011): In Time Trailer (deutsch); http://www.trailerlounge.de/film/in-time/video/in-time-trailer-deutsch-100313 , [7. Dez 2011, 1:26am].

Interaktivfabrik GmbH (2011): In Time Clip: Das Geheimnis der Langlebigkeit; http://www.trailerlounge.de/film/in-time/video/in-time-clip-das-geheimnis-der-langlebigkeit-100995 , [7. Dez 2011, 1:32am].

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Paulchen Panther sorgt für Medienzirkus

geschrieben von in Allgemeines1 Kommentar »

Mittlerweile sollten wir alle von den neuesten Geschehnissen rund um den „nationalsozialistischen Untergrund“ Bescheid wissen. Puzzlestück für Puzzlestück wird derzeit der Fall zusammengesetzt und dabei kommen immer neue Informationen ans Tageslicht.

Zum Beispiel tauchten auch vier Kopien eines Bekennervideos auf, in welchem der rosarote Panther benutzt wird (Bild und Ton). Eine Verbindung, die man von nun an wohl nicht mehr vergessen wird. Ein Cartoon missbraucht.

Viel schlimmer finde ich hingegen aber, dass das Video nur gewissen Verlagen zur Verfügung stand und von Journalisten gekauft werden konnte. Für 2.000 €! Und man durfte das Video auch erst ab einem gewissen Datum verbreiten. Der Spiegel sicherte sich als erstes die Exklusivrechte und durfte Auszüge schon vor dem ausgemachten Datum ausstrahlen.

Ist das fair? Sollte das wirklich so laufen? „Wer zuerst kommt, malt zuerst.“ – heißt es ganz plump. Entweder man hat das Geld und investiert es, oder man kann eben nicht mitziehen. Die Medien sind doch dafür da, gerade in solchen Fällen, die Informationen der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Es geht uns alle etwas an!
Da kann es nicht angehen, dass solch ein wichtiges Video – wenn auch nur für kurze Zeit – vorenthalten wird. Während sich dann ein Medienunternehmen die Exklusivrechte sichert, bekommen wir nämlich nur eine interpretierte Möglichkeit. Kein anderes Medium kann uns einen zweiten Blick ermöglichen. Wir müssen uns auf eine Zeitung oder eine Sendung stützen und der Berichterstattung glauben. So lange, bis andere Unternehmen nachziehen können.

So kann das wirklich nicht ablaufen. Sollte es sich um irgendwelche irrelevanten Informationen über Prominente und deren neuesten Lebensstile beziehen – dann bitte. Da brauchen wir nicht sofort mehrere Medien, die uns ermöglichen, uns ein eigenes Bild zu machen. Aber wenn es um wichtige Themen, wie den „nationalsozialistischen Untergrund“ geht, dann darf das in den Medien nicht passieren!!!

 

Quellen:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,797608,00.html
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medien_politik_wirtschaft/nazis121.html

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