„Wetten, dass..?“ – es immer unvergessen bleibt

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Die Kultshow nimmt nach 33 Jahren ihr Ende in der deutschen Fernsehgeschichte

Wohl jeder dürfte die Sendung kennen, ob alt oder jung,  „Wetten, dass..?“ war beim Publikum lange Zeit die wohl beliebteste Samstagabend Unterhaltungsshow im Deutschen Fernsehen.

Am Samstagabend den 13. Dezember 2014 hieß es schließlich zum letzten Mal im ZDF „Topp, die Wette gilt!“. Mehr als 3 Jahrzehnte lang hat das Format das Samstagabend Programm vieler Familien bestimmt. Doch 4 Moderatoren, 33 Jahre und 215 Sendungen später endet mit „Wetten, dass..?“ ein Stück Fernsehgeschichte.

Am 14. Februar 1981 begann mit Frank Elstner als Moderator die unglaubliche Geschichte von „Wetten, dass..?“. Er war es, der das Konzept der Sendung entwickelt hatte. Jeder kennt es: Ein Wettanbieter wettet, dass er etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches oder etwas Skurriles kann. Der Wettpate, in der Regel ein Star, der als Gast in die Sendung eingeladen wurde, tippte den Wettausgang. Für den Fall, dass er mit seinem Tipp daneben lag, bot der Wettpate einen Wetteinsatz an. Elstner moderierte das Format bis 1987. In 6 Moderationsjahren wurden unter seiner Leitung insgesamt 39 Sendungen ausgestrahlt.

Daraufhin wurde Gottschalk neuer Moderator zunächst bis 1992. Unter seiner Moderation fand die erste Sommerausgabe unter freiem Himmel 1991 im Amphitheater in Xanten statt.

Anschließend moderierte Wolfgang Lippert die TV-Show ein Jahr lang von 1992 bis 1993 in insgesamt nur 9 Sendungen.

Danach übernahm Thomas Gottschalk erneut die Moderation. Er präsentierte die Unterhaltungsshow insgesamt fast 22 Jahre lang bis Dezember 2011 und damit mehr als zwei Jahrzehnte. In 151 Sendungen gewann der Kultmoderator und mit ihm das Format an zunehmender Beliebtheit.

Die Unterhaltungsshow sorgte für Skandale und Aufreger, hatte großes Unterhaltungspotential durch ihre außergewöhnlichen Wetten und skurrilen Wetteinsätze und bot immer wieder aufs Neue Gesprächsstoff für die Medien. Insbesondere die weiblichen Stars sorgten wegen zu knapper oder durchsichtiger Outfits für Aufregung. Auch Gottschalks außergewöhnliche Garderobe, die sich an keine Trends hielt, und seine ausgefallenen Outfits wurden zum Markenzeichen von „Wetten, dass..?“.

In jede Show wurden Stars eingeladen, die dann alle zusammen auf der wohl berühmtesten Couch im deutschen Fernsehen Platz nahmen. Als Gäste wurden zahlreiche exklusive und internationale Weltstars empfangen. Darunter unter anderem der amerikanische Superstar Michael Jackson im März 1999. Auch der damalige Bundeskanzler, Gerhard Schröder war einst zu Besuch in der Sendung. Unter den berühmten Persönlichkeiten waren Schauspieler, Sänger, Sportler und viele mehr.

Die historische Samstagabend Sendung stand bis dahin für Spaß, Spannung und Unterhaltung bis die Show durch den tragischen Unfall bei einer Wette im Dezember 2010 einen bitteren Beigeschmack bekam. Der damals 23-jährige Schauspielstudent Samuel Koch versuchte auf Sprungstelzen mit einem Salto über ein fahrendes Auto zu springen, stürzte und verletzte sich dabei schwer. Daraufhin wurde die Sendung abgebrochen. Samuel Koch ist seit dem Unfall gelähmt. Dieser dramatische Vorfall nahm Gottschalk zum Anlass sich aus dem „Wetten, dass..?“- Showgeschäft vollständig zurückzuziehen. Seit dem Unfall des Kandidaten lag laut Gottschalk für ihn „ein Schatten auf der Sendung“ und er wäre nicht in der Lage „zu der guten Laune zurückzufinden, die Sie zu Recht von mir erwarten“.

Am 3. Dezember 2011 verabschiedete sich Thomas Gottschalk dann schließlich für immer von der großen „Wetten, dass..?“-Showbühne. Viele Zeitungen berichten vom Ende einer Ära.

Nach dem Rücktritt Gottschalks musste ein neuer Moderator her. Die Suche gestaltete sich Anfangs etwas schwierig bis sich schließlich Markus Lanz bereit erklärte die prominenteste deutsche Fernsehshow weiterzuführen. Seit 2012 präsentierte er 13 Ausgaben der Show. Mit der Moderation der Sendung durch Lanz gingen die Zuschauerquoten immer stärker zurück und die Kritik gegenüber Lanz selbst und seinem Moderationsstil wurde von Sendung zu Sendung stärker. Viele Zeitungen berichten er sei an der Sendung gescheitert, andere berichten von einem würdelosen Abgang, der den Abschied von „Wetten, dass..?“ nicht gerade schwer macht. Es ist sogar von einem „dramatischen Verfall“ die Rede. Laut Stern wollten sich viele Zuschauer einfach nicht an Lanz als „Wetten, dass..?“- Moderator gewöhnen. Es gab zahlreiche Schlagzeilen über das gesunkene Niveau der Show und etliche negativ Berichte. Die Bild – Zeitung berichtet von „Endzeitstimmung“, andere wiederum von „Wehmut“. „Wetten, dass..? ist der erste live im Fernsehen übertragene Tod einer öffentlich-rechtlichen Sendung. Aber in Würde stirbt man besser daheim und nicht im Fernsehen“, so die Welt.

Ob man die Meinungen der Zeitungen und deren Auslegungen glauben und folgen möchte, ist jedem selbst überlassen. Fest steht jedoch, dass Lanz die Sendung „Wetten, dass..?“ noch weitere 3 Jahre am „Leben erhalten“ hat und sich der Herausforderung gestellt hat eine so große und bekannte Fernsehshow von dem „Wetten, dass..?“ – Moderator schlechthin zu übernehmen. Von Anfang an war klar: das wird keine leichte Aufgabe sein.

Mit den Worten „Das Leben geht weiter – wetten, dass?“ von Markus Lanz aus Nürnberg endete die letzte Sendung.

Wie es nach dem Ende des Fernsehklassikers weiter gehen soll ist noch nicht genau bekannt. Der Stern berichtet von einer neuen Sendung, die im kommenden Jahr von Johannes B. Kerner moderiert werden soll. Bei der Sendung „Das Spiel beginnt!“ handle es sich um Brettspiele, die Kerner als Samstagabendshow präsentieren werde. Damit „will das ZDF die Lücke füllen, die „Wetten, dass ..?“ hinterlässt“. Die Sendung trägt den Untertitel „Die große Show von 3-99“ und soll im März 2015 starten. Dennoch sei kein direktes Nachfolgeformat geplant. Stattdessen soll es mehrere verschiedene Shows und Sendungen geben, die versuchen an den Erfolg von „Wetten, dass..?“ anzuknüpfen.

Auch das bekannte Sofa, auf dem während der insgesamt 215 Sendungen von „Wetten, dass..?“ zahlreiche Stars Platz fanden, soll nun in anderen Shows wie beispielsweise dem ZDF-Fernsehgarten zum Einsatz kommen.

Ob eine andere Show es jemals schaffen wird mit der Kultshow gleichzuziehen ist jedoch äußerst fraglich. Immerhin gab es die Unterhaltungssendung fast 34 Jahre lang, durchdauerte damit mehrere Jahrzehnte und war fester Bestandteil des Samstagabend Fernsehprogramms im ZDF. Trotz vieler Kritik und auch Quotenrückgang in den letzten beiden Jahren gilt „Wetten, dass..?“ als größte Fernsehshow Europas.

Die bislang größte Herausforderung des Senders dürfte nun sein, einen passenden Nachfolger für den Klassiker zu finden.

 

Quellen:

ZDF: http://multimedia.zdf.de/2014/10/wettendass-statistik/index.html

http://www.zdf.de/wetten-dass../ein-rueckblick-die-schoensten-bilder-aus-33-jahren-wetten-dass..-36195572.html

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2304288/Ich-werde-es-nicht-vermissen (letzter Zugriff: 31.12.14)

STERN: http://www.stern.de/kultur/tv/wetten-dass-markus-lanz-peinliches-interview-mit-samuel-koch-2159927.html

http://www.stern.de/kultur/tv/zdf-ersetzt-wetten-dass-durch-brettspiele-mit-johannes-b-kerner-2158396.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

BILD: http://www.bild.de/unterhaltung/tv/wetten-dass/das-wird-aus-der-beruehmten-couch-39050778.bild.html

http://www.bild.de/themen/specials/wetten-dass/eine-aera-geht-zu-ende-16866284.bild.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-wetten-dass-vollgas-in-den-himmel-13320266.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

WELT: http://www.welt.de/vermischtes/article135334632/Arrivederci-Lanz-das-war-dein-letzter-Tanz.html

http://www.welt.de/vermischtes/article135338948/So-waren-die-letzten-Atemzuege-von-Wetten-dass.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

SPIEGEL: http://www.spiegel.de/kultur/tv/wetten-dass-quote-bei-letzter-show-mit-lanz-und-schweiger-a-1008399.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

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Wetten, dass es peinlich wird?

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Gerard Butler versucht sich daran, Walnüsse mit seinem Hinterteil zu knacken,  um sich dann kurze Zeit später Eiswürfel in die Hose zu kippen und dabei in gebrochenem Deutsch den Erlkönig zu rezitieren. Tom Hanks trägt Plüsch-Katzenohren während Markus Lanz sich sackhüpfend durch den Raum bewegt. Nein, hierbei handelt es sich nicht um Szenarien aus einem Parallel-Universum, diese Dinge sind wirklich passiert. Nicht hinter verschlossenen Türen, nicht unter Einfluss von Rauschmitteln, sondern im deutschen Fernsehen. Genauer gesagt bei „Wetten, dass ..?“. Ehemals Aushängeschild des Öffentlich-Rechtlichen und Brücke zu den Stars im fernen Hollywood, ist der einstige  Quoten-Garant am Samstagabend heute nur noch ein zum Fremdschämen peinlicher Schatten seiner selbst. Das Gute daran? Bald ist es geschafft.

Am 13. Dezember wird der Show-Dino in der Nürnberger Messehalle zu Grabe getragen. „Vorerst“, schiebt der eine oder andere nach. Man kann ja nie wissen. Dass es sich dabei eher um das Abschalten lebenserhaltender Maßnahmen handelt als um das Einschläfern eines quietschfidelen Hundes, belegen die Quoten. Zwar waren diese schon vor dem Amtsantritt von Universal-Sündenbock Markus Lanz rückläufig, doch seit seiner Premierensendung (13,59 Mio. Zuschauer) sind die Zahlen schneller gefallen als der brasilianische Stürmer Fred beim Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Trauriger Tiefpunkt die diesjährige Oktoberausgabe, die gerade mal 5,48 Mio. Menschen zum Einschalten bewog.  Vielleicht auch gut so, wenn man sich die Sendung noch mal in Erinnerung ruft. Die Gäste? Unter anderem Horst Eckel, Benedikt Höwedes – Fußball geht ja bekanntlich immer – sowie Bryan Adams, Lenny Kravitz, Megan Fox und ihr nicht ganz so bekannter Begleiter Will Arnett. Letztere waren da, um für ihren Film „Teenage Mutant Ninja Turtles“ die Werbetrommel zu rühren. Hätte man sie im Vorhinein informiert, dass sowas im deutschen Fernsehen mitunter 40 Minuten dauern kann, sie wären der „Wetten, dass ..?“-Couch vermutlich fern geblieben.

Seine Erfahrungen mit der deutschen TV-Industrie trat der kanadische Schauspieler Will Arnett dann auch gleich im amerikanischen Fernsehen breit. Ganze fünf Minuten dauern seine Ausführungen zu „Wetten, dass ..?“ bei der Late Night Show „Jimmy Kimmel Live!“. Was „Wetten, dass ..?“ denn ins Englische übersetzt heißen würde, wollte der Talkmaster mit dem deutschen Namen in Erfahrung bringen. „I think it means something like ‚What the f*ck is happening?'“ – großes Gelächter. Nun zählt Will Arnett nicht gerade zum Großwild der amerikanischen Filmbranche, von daher wäre es zu verschmerzen, wenn diese Reaktion ein Einzelfall unter internationalen Gästen auf der fahrbahren Bühne des ZDF gewesen wäre. Das Gegenteil ist der Fall. Mit Tom Hanks, Halle Berry, Denzel Washington, James Blunt und Robbie Williams (die Liste ließe sich fortführen) haben sich schon weitaus klangvollere Namen der Musik- und Filmindustrie klagend über ihren Besuch bei Dauerlächler Markus Lanz geäußert. Muss man diese Prominenten für ihr Schicksal bemitleiden? Nein, gewiss nicht. Es ist davon auszugehen, dass sie auf einen Stundenlohn gekommen sind, der sich sehen lassen kann. Nichtsdestotrotz kann und sollte man aus diesen Erfahrungen seine Lehren ziehen.

Internationale Stars funktionieren im Konzept „Wetten, dass ..?“ nicht. Gäste, die von jenseits des großen Teiches kommen, haben ein gänzlich anderes Verständnis von Auftritten bei TV-Shows als es unsereins gewohnt ist: Hinsetzen. Film, wahlweise auch CD promoten. Anekdote erzählen. Nett auf Wiedersehen sagen. So stellt sich der gemeine Promi sein Late Night-Intermezzo vor. Wenn er dann genötigt wird, fremden Menschen bei mitunter befremdlichen Wetten zuzusehen, kommt dann eben schonmal so etwas dabei heraus, das nach Kritik klingen könnte. Ein weiteres Grundproblem ist die sprachliche Barriere. Wenn die Übersetzung nicht streikt, dann fällt sie dem Gast ins Wort und sorgt für das, was man aus dem Straßenverkehr als „Stop-and-go“ kennt. Unterm Strich stehen dann viel und nichts sagende Antworten wie: „Oh ja, es hat sehr viel Spaß gemacht diesen Film zu drehen.“ Eine Lösung hätte sein können, auf große Namen von weither zu verzichten, was jedoch angesichts der bereits lauen Einschaltquoten ein nicht zu unterschätzendes Risiko bedeutet hätte. Die Alternative wäre gewesen, die Leute einfach englisch sprechen zu lassen. Doch hier tut sich ein weiteres Problem auf. Auch, wenn „Wetten, dass ..?“ mit Gästen wie zuletzt „One Direction“ versucht hat, eine jüngere Zielgruppe anzusprechen, ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Sendung bei ihren Quoten in großen Teilen auf ein Publikum angewiesen ist, das sich aus älteren Zuschauern zusammensetzt. Genau diese sind es jedoch, die das Fehlen einer deutschen Übersetzung abgeschreckt hätte.

Wie die hier aufgeführte Problematik verdeutlicht, haben viele nur schwer greifbare Variablen zum Scheitern der Show beigetragen. Den Moderator – sicherlich nicht frei von Schuld – zum Alleinverantwortlichen zu erklären, wäre zu leicht. Unterm Strich steht ein Kultformat des deutschen Fernsehens, dem verwehrt wurde, in Würde zu gehen. „Wetten, dass ..?“ war krampfhaft darauf bedacht jeden anzusprechen und hat somit letztlich niemanden mehr angesprochen.

 

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