Daten gegen Vergünstigung?

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So könnte es künftig bei einigen Versicherern aussehen.

Zum Beispiel bei Generali.  Das nach eigenen Angaben zu den fünf größten Erstversicherern in Deutschland zählende Unternehmen will in Zukunft, als erste große Versicherung in Europa, Fitnessdaten seiner Kunden via App sammeln.

Die App soll eine elektronische Kontrolle der Fitness, Ernährung und des Lebensstils ihrer Kunden darstellen. Dazu dokumentiert die App unter anderem Vorsorgetermine, zählt Schritte und misst sportliche Aktivitäten. Die Idee dabei? Wer gesund lebt kostet die Krankenversicherung weniger Geld. So soll die App die Kunden animieren sich aktiv um ihre Gesundheit zu kümmern und gleichzeitig Daten darüber erfassen, in welchem Umfang dies geschieht. Im Gegenzug erhalten diejenigen, die bereit sind ihre Daten via App preiszugeben und gesund leben, Vergünstigungen. Diese können sowohl die Krankenversicherungsbeiträge selbst, als auch fitnessbezogene Gutscheine und Geschenke betreffen. Es ist zu erwarten, dass die neuen Angebote in den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten auch in Deutschland erhältlich sein werden.

Nicht nur Generali auch andere Versicherer wie Allianz und Axa arbeiten an solchen Projekten.

Ein Vorreiter ist der amerikanische Krankenversicherer United Health. Dieser bietet seinen Kunden seit bereits drei Jahren einen Preisnachlass, wenn sie nachweisen können, dass sie täglich eine bestimmte Anzahl an Schritten gehen. Auch der südafrikanische Versicherer Discovery, mit dem Generali in Sachen Telemonitoring kooperiert, hat, unter dem Namen Vitality, bereits ein solches Gesundheitsheitsprogramm entwickelt.

Praktisch oder problematisch?

Dieses Konzept bringt allerdings nicht nur einen beidseitigen Nutzen, sondern auch Risiken in Hinsicht des Datenschutzes mit sich. So Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Wenn Versicherte individuelle Informationen preisgeben müssen, um rabattierte Angebote zu erhalten, sehe ich das sehr kritisch. Der Kunde weiß ja gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet werden und wer Zugriff darauf hat.“  Auf lange Sicht gesehen dürfte das größte Risiko des Konzepts ein deutlich höherer Versicherungsbeitrag für diejenigen sein, die nicht bereit sind ihre Daten preiszugeben oder eine eher ungesunde Lebensweise an den Tag legen.  So sind individualisierte Tarife eine wahrscheinliche Folge des neuen Systems. Sie sprechen jedoch gegen das Prinzip der Versicherung, den Ausgleich verschiedener Risiken, da sie den Unternehmen die Möglichkeit bieten die „besten Risiken“ für sich zu gewinnen. Auf diese Weise wird ein Ungleichgewicht zwischen „besseren Risiken“, also gesünderen Kunden und „schlechteren Risiken“, krankheitsanfälligeren Kunden, ermöglicht. Die einen Versicherungen ziehen daraus also einen finanziellen Vorteil, während anderen, mit einem Großteil an „schlechteren Risiken“, die Ausgleichsgelder für die vielen Zahlungen fehlen.

Andererseits weiß ein privater Versicherer auch heute schon einiges über den Gesundheitszustand seiner einzelnen Kunden, da er sämtliche Arztrechnungen und Rezepte kennt.

Ob man das Gesundheitsprogramm mit der App  für praktisch und sinnvoll oder problematisch hält bleibt letztendlich jedem selbst überlassen.

 

Quellen:

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/generali-fitnessdaten-101.html

http://www.sueddeutsche.de/geld/neues-krankenversicherungsmodell-generali-erfindet-den-elektronischen-patienten-1.2229667

http://www.focus.de/finanzen/news/fitness-und-ernaehrung-generali-verischerung-sammelt-daten-zum-lebensstil_id_4291137.html

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