#einearmlaenge

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Ganz Deutschland beschäftigt sich zurzeit mit den Ereignissen aus der Silvesternacht in Köln: Frauen wurden sowohl am Hauptbahnhof als auch rund um den Kölner Dom von Männern belästigt, sexuell bedrängt und teilweise auch ausgeraubt. Die Polizei hat sechs Tage nach den Geschehnissen bereits über 100 Anzeigen rein bekommen, die sich alle auf die Nacht vom 30.12.15 auf den 1.1.16 beziehen.
Zu diesen Vorfällen hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker eine Krisensitzung einberufen und sich am Nachmittag des 5.1. in einer Pressekonferenz zu der Thematik geäußert.

Unter anderem ging es dabei um die aufkommenden Karnevals-Tage; ob derartige Vorfälle erneut zu befürchten sind, wie die Besucher und Besucherinnen von der Polizei geschützt werden und besonders, wie junge Mädchen und Frauen sich speziell vor sexueller Belästigung schützen können.
Auf die Frage einer Reporterin: „[…] wie kann man sich in so einer Situation präventiv oder besser schützen als Frau? Was sind da die Tipps die der Stadt vorschweben?“ antwortete die Oberbürgermeisterin:
„Es ist immer eine Möglichkeit eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft.“

Diese Antwort löste im Netz heftige Empörung aus. Unter dem Hashtag „armlaenge“ ließen sich vor allem Twitter-User über die Aussage Henriette Rekers aus.

Die Meinungen über diese Aussage gehen mit Sicherheit auseinander, doch vor allem auf Frauen dürften die Ratschläge auf Unverständnis stoßen.
Reker hatte nicht die Absicht, eine derartige Reaktion hervorzurufen und hat es mit Sicherheit nur gut gemeint, doch Verhaltensregeln für Frauen zu erteilen, wenn doch eigentlich jedem Mann klar sein müsste, dass niemand ohne Einwilligung angefasst wird, ist fragwürdig.

Weiterhin sagte sie:
„Sich in Gruppen zusammen zu finden, sich nicht trennen zu lassen; auch nicht in Feierlaune! Zu sagen, ich gehe jetzt mal mit diesen oder jenen mit.“

Viel zu oft wird Frauen bei sexueller Belästigung und sogar bei Vergewaltigung eine Mitschuld zugeteilt, weil sie sich „zu aufreizend kleiden“ oder „einfach mitgegangen sind“. Genau deshalb sorgt die Aussage von Henriette Reker für Aufruhr, weil es den Anschein macht, als würde sie damit zu diesem Missstand beitragen.
Letzten Endes lässt sich über diese Ratschläge nur streiten, doch Fakt ist: kein Mensch sollte ohne Einwilligung angefasst werden. Und die Leute, die es trotzdem tun, sollten zur Rechenschaft gezogen werden – nicht die Opfer!

Hier das Video zur vollständigen Konferenz

Quellen:

https://www.tagesschau.de/inland/reker-143.html
https://www.tagesschau.de/inland/uebergriffe-koeln-103.html
https://www.youtube.com/watch?v=KRzfSx-I-3
https://twitter.com/hashtag/armlaenge

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Oper nur was für Erwachsene?

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Stille? Lautes Flüstern und Getuschel. Hier ein Kichern, dort ein Füße Trampeln. Wann geht es denn endlich los? Erwartungsvoll und gespannt blicken hunderte glänzende Kinderaugen auf die von Musikern besetzte Bühne der Kölner Philharmonie und spitzen ihre Ohren. Pssssst, ein Instrument erklingt. Helle Aufregung im Saal ? das Konzert beginnt. Laute, leise, helle, dunkle, pompöse und wohlklingende Streicher, Bläser und Tastenklänge erfüllen mit ihren Melodien den Raum ? Tiergeräusche und deren Stimmen imitierend. Manch junger Konzertbesucher verstummt, lauscht entzückt. Andere sind laut und kommentieren jedes Tier, jede neue Sequenz mit Freude. Horch, die Elefantendame kommt mit großen Schritten. Dumpf erschallt ein Kontrabass: Bam, bam, bam, bam ? dann eine Trompete. Der Schwan kommt etwas filigraner daher. Sanftere, hellere Töne des Violincellos schwingen durch den Saal. Bei geschlossenen Augen tanzen die einzelnen Tiere durch unsere Köpfe, sind ganz deutlich zu erkennen: Löwen, Zebras, Schildkröten, Elefant, Esel, Känguru und zum Schluss der stolze Schwan, bevor noch einmal alle Tiere gemeinsam ein Konzert veranstalten. Nach der Vorstellung dauert es eine kleine Weile bis sich Unruhe und Aufregung wieder unter die Zuschauerreihen mischen. Das war 1990. Damals verhalfen uns die Beschreibungen von Loriot zu Saint-Saens Karneval der Tiere zu noch schillernderen Bildern in unserer Vorstellung. Für viele Schützlinge, die den Weg gemeinsam mit ihren Eltern in die ausverkaufte Philharmonie gefunden hatten, war diese Darbietung ein Erlebnis, mal etwas ganz anderes. War klassische Musik doch sonst nur für die `Großen´.

Auch heute gibt es für junges Publikum musikalische Erlebnisse der anderen Art: Kinderopern. Vor etwas mehr als zehn Jahren wurde zum Beispiel die Kinderoper Köln für unsere jungen Mitbürger ins Leben gerufen und durch ihre größte Förderin, Elke Heidenreich, bekannt. Sie gilt als erste Oper, die sich speziell an Kinderohren richtete. Seit 1996 wurden mehr als 20 Stücke unter musikalischer Begleitung des Gürzenich-Orchesters aufgeführt, darunter Strawinskys Die Nachtigall oder Das Opernschiff von Marius Felix Lange. Der kleine Zeltbau mit 130 Sitzplätzen und die winzige Bühne mit 80 bis 100 Vorstellungen pro Spielzeit ist seither fester Bestandteil der Kölner Oper. Kinder sollen so mit qualitativ hochwertiger Musik spielerisch an Opern herangeführt werden und Interesse an dem facettenreichen Genre entwickeln. Das Konzept scheint zu gefallen: Fast jede Inszenierung ist laut Angaben der Veranstalter ausverkauft. Ist Oper also doch nicht nur für ältere Generationen?

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