Für die Aussteiger der Always-on-Gesellschaft

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Für die Aussteiger der Always-on-Gesellschaft

 

Mit 46% besitzt fast jeder zweite Deutsche heutzutage ein Smartphone. 81 Minuten verbringen wir laut der Mobile Monitor Studie 2014 täglich am Handy. E-Mails checken, mit Freunden chatten, schnell eine Runde Clash of Clans oder Quizduell zocken, nach dem Blick auf den mobilen Wetterbericht schon mal das Outfit für morgen per App planen – viele Bereiche unseres Lebens hat die ständige Verbindung zum Internet, unabhängig von Ort und Zeit, vereinfacht und (nicht nur) zum Positiven verändert.

Diesem Trend tritt die schweizerische Firma Punkt. entgegen: mit der Entwicklung des „MP01 Mobile Phone“ will Entwickler Jasper Morrison zurück zu den Wurzeln des Mobiltelefons. Die Features der „Innovation“ wirken im heutigen Alltag wie aus einer anderen Zeit: mit SMS versenden und telefonieren hat man sich bei der Entwicklung wirklich auf die nötigsten Funktionen beschränkt. Das Mobiltelefon besitzt kein Internet, kein Farbdisplay und auch keinen Touchscreen. Schwarz und schlicht verzichtet man auf jeden Schnickschnack, der ablenken könnte.

Kaum zu glauben, dass es sich bei diesem Mobiltelefon um eine 295 Euro teure Neuentwicklung handeln soll. (Quelle: t-online.de)

Kaum zu glauben, dass es sich bei diesem Mobiltelefon um eine 295 Euro teure Neuentwicklung handeln soll. (Quelle: t-online.de)

 

Das Handy soll wegführen von der gegenwärtigen Mentalität, 24 Stunden am Tag vernetzt zu sein, eine Entwicklung, die auch Probleme mit sich bringt. Vor allem Konzentrationsschwierigkeiten werden in Verbindung mit andauernder Nutzung von Smartphones hervorgerufen. Immer stärker kritisiert wird jedoch auch, dass soziale Kontakte vernachlässigt werden, weil vor allem Jugendliche sich lieber online aufhalten als sich abseits von der virtuellen Welt mit Freunden zu treffen.

Diese negativen Seiten der Handynutzung haben Schüler eines Ulmer Gymnasiums zu einer App inspiriert, die dem ständigen online-Sein entgegentreten soll. Bei „Sloffline“ soll es sich um eine Art Wettkampf handeln, bei dem der gewinnt, der am wenigsten das Handy nutzt. Die Entwicklung ist jedoch noch nicht abgeschlossen, und zurzeit werden noch Sponsoren gesucht. Die App ist also noch nicht verfügbar.

Das von verschiedenen Medien als „Anti-Smartphone“ betitelte Mobiltelefon von Punkt. dagegen soll pünktlich zum Weihnachtsgeschäft versendet werden. Wer jedoch gewillt sein soll, für ein technisch minimal ausgestattetes Gerät 295 Euro auszugeben, ist fraglich, da der Markt auch deutlich günstigere Alternativen zu bieten hat. Ebenso fraglich ist, ob ein solches Handy sich in der heutigen Gesellschaft durchsetzen kann, der das Internet und seine Vorteile so wichtig sind wie noch nie. Aber vielleicht ist es auch die Chance, einen neuen Trend zu setzen und darauf aufmerksam zu machen, sich vom World Wide Web abzukoppeln.

 

Quellen:

http://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Die-Anti-Smartphone-App-aus-Schwaben/-/id=47428/did=3578694/14f2uav/index.html

http://www.t-online.de/handy/smartphone/id_75772250/ohne-internet-und-apps-anti-smartphone-mp-01-kommt-aus-der-schweiz.html

https://www.punkt.ch/en/products/mp01-mobile-phone/

http://www.izmf.de/de/wann-wird-die-handynutzung-zum-problem

http://bam-interactive.de/die-mobile-zahl-der-woche-112014/

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Wzup?

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2l8 4 deutsche Rechtschreibung? – Idk
Täglich werden Millionen von Wörtern getwittert, per Email verschickt, bei Facebook gepostet, als WhatsApp oder SMS geschrieben. Alles muss mühelos und schnell gehen, dabei werden Rechtschreibung und Grammatik häufig völlig außer Acht gelassen.
Droht der deutsche Sprachverfall?
Im Gegensatz zu früher wird die gesprochene Sprache heute auch im Schriftdeutsch verwendet. Durchschnittlich wird deutlich mehr Zeit mit „texten“, „posten“ und „twittern“ verbracht. Aus Bequemlichkeit oder Zeitmangel werden häufig Abkürzungen und Emoticons verwendet. Neue Satzstellungen werden kreiert, andere Zeitformen benutzt, Satzzeichen werden weggelassen, Groß- und Kleinschreibung außer Acht gelassen und Artikel sind sowieso völlig überbewertet und kosten nur Zeit beim Tippen.
Die gesprochene Sprache wird im Schriftlichen abgebildet, dadurch entsteht für viele eine leichtere Kommunikation, es herrscht ein besseres Verständnis untereinander. Der Informationsaustausch geht einfach schneller.

Aber können Jugendlichen eigentlich noch „richtig“ schreiben?

Die Sprachwissenschaftlerin Christa Dürscheid von der Universität Zürich hat sich mit dieser Frage beschäftigt und eine Untersuchung durchgeführt. So verglich sie Aufsätze, die Jugendliche für die Schule verfasst hatten mit Mitteilungen, die sich die Jugendlichen untereinander via WhatsApp und Co. sendeten. Die Untersuchung zeigt, dass in keinem der Bereiche Rechtschreibung, Interpunktion, Grammatik, Wortschatz, Stil und Aufbau der Texte „die sprachlichen Eigenarten der Netzkommunikation nennenswerte Spuren hinterlassen (hatten).“ (  http://www.zeit.de/2011/09/C-Schreibkompetenz) „Die Schüler können die Schreibwelten durchaus trennen. Sie wissen, dass in der Schule und der formellen Kommunikation andere Regeln gelten, als beim Chat mit ihren Freunden“, sagt Christa Dürscheid. (http://www.zeit.de/2011/09/C-Schreibkompetenz)

Es hat also offensichtlich doch etwas damit zu tun, mit wem man schreibt und in welcher Form. Jugendliche sind durchaus noch in der Lage zu unterscheiden, welches Sprachregister sie verwenden müssen, um ein offizielles Bewerbungsschreiben oder eine schnelle Nachricht an einen Freund zu verfassen. Die Rechtschreibung und Grammatik, sowie die gesamte Ausdrucksweise wird situativ angemessen angepasst. Der viel beklagte Sprachverfall scheint also von der heutigen Handy- und Internetkommunikation nicht beeinflusst zu werden. Vielmehr scheint ein grundsätzlicher, vielseitiger und kreativer Sprachwandel stattzufinden.
T+

MFG

Quellen:

http://www.zeit.de/2011/09/C-Schreibkompetenz

http://www.tagesschau.de/inland/meldung97642.html

http://www.zeit.de/digital/internet/2013-01/chat-sprache-forschung

http://www.focus.de/familie/erziehung/jugendsprache-voll-normal-megasupergeil_id_2138612.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/debatte-ueber-jugendsprache-was-schreibst-du/9690452.html

http://lexikon.martinvogel.de/sms-abkuerzungen.html

http://www.freenet.de/digitalewelt/handymobiles/handy/smskuerzel–das-steckt-hinter-den-akronymen_609386_1055376.html

 

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Vom Mobiltelefon zum Lebensberater

geschrieben von in Allgemeines, Kommunikationsformen, Medienkritik, Medienwandel4 Kommentare »

Es ist noch nicht lange her,
da war mein Leben öd und leer. (…)
doch plötzlich kam die Wende dann,
als ich in der Lotterie gewann.
Zwar nicht den Hauptgewinn, und keine Million,
doch neuen Lebenssinn, ein Funktelefon.

Oh Handy, seit du bei mir bist, fühl‘ ich mich wichtig,
denn die Leute beachten mich, Handy, (…)“ [1]

Frei nach Peter Lustig: klingt komisch, is‘ aber so. Neue Medien haben unser Verhalten zum Teil grundlegend verändert. Das Handy ist ein passendes Beispiel. Während früher kantige, schwere Kästchen mit dicken Antennenstäben als die Sensation galten, bekommt die heutige „Handy-Generation“ bei dieser Vorstellung nur große Augen. Schließlich bekommt man Handys inzwischen in Größen, denen diese Bezeichnung nicht mehr gerecht wird. Man sollte darüber nachdenken, den Neologismus „die Kleine“ (äquivalent zu „die Größe“) einzuführen.

„(…) Ich hab ein neues Handy, das ist so unglaublich klein,
es passt in vollem Umfang in ein Schnapsglas rein.
Wenn das Schnapsglas voll ist, stört das mein Handy nicht,
denn mein neues Handy ist völlig wasserdicht. (…)“ [2]

Doch mal ganz abgesehen davon, wie sich das äußere Design der Mobiltelefone im Laufe der Jahre verändert hat, erweiterte sich vor allem das Angebot – quasi die „inneren Werte“.

„(…) Mein neues Handy macht mein Leben zu ’nem Kinderspiel.
Durch dieses Handy ist für mich der Weg allein das Ziel.
Mein neues Handy macht mich zu ’nem völlig neuen Mann,
und es gibt nix, was mein Handy noch nicht kann.
(…) Flexibel ist mein Handy, und sparsam ist es auch:
Es kontrolliert im ganzen Haus den Gas- und Stromverbrauch.
Ich setz mein neues Handy auch als Fernbedienung ein.
Die Waschmaschine startet es inzwischen ganz allein.
Mein neues Handy lernt sehr schnell. Ich glaube fest daran,
dass es nach ’nem Software-Update Hemden bügeln kann. (…)“ [2]

Auch wenn die Innovation noch (?) nicht derartig weit ist, hat man es dennoch zu manch einer Funktion (inzwischen auch „App“) gebracht, die erstaunlich bis nützlich ist (u.a. „Tagesschau-App“, „Navigations-App“). Auf der anderen Seite wiederum, gibt es Dinge, die man doch eigentlich überhaupt nicht braucht, wie z.B. die Simulation eines Bierglases, das an „elektronischem Inhalt“ verliert, wenn man das Handy entsprechend neigt. Oder auch eine App, die das Geräusch eines elektrischen Rasierers imitiert, das sich bei Berührung im Klang anpasst. Die Meinungen zur Nützlichkeit bzw. Notwendigkeit dessen gehen selbstverständlich weit auseinander. Es ist letzten Endes eben eine Frage der Perspektive, Geschmackssache.

„ (…) Ich hab ein neues Handy, das rundherum besticht.
Nur telefonieren kann man damit leider nicht. (…)“ [2]

Doch dass wir (fast) alle einen Nutzen aus unseren Handys schlagen, ist nicht von der Hand zu weisen. Der ursprüngliche Grundgedanke lag einst darin, unterwegs telefonieren zu können. Doch schon die SMS geht über dieses Prinzip hinaus und ist doch eine praktische Alternative. Somit erweiterte sich das Angebot des Mobiltelefons von der synchronen Kommunikation des Telefonierens auf die asynchrone des Nachrichten-Schreibens aus. Ich selbst gehöre zu der Gruppe Menschen, die sich weitestgehend auf diese Dienste beschränken, zusätzlich fungiert mein Handy jedoch auch als Wecker. Durch die ausgesetzte Notwendigkeit der Anschaffung eines separaten Weckers (ob Nostalgiegerät oder Radiowecker) erlebe ich damit auch noch unschlagbare Vorteile: weniger Kosten (Anschaffung), weniger Kosten (Strom), weniger Kosten (ggf. Batteriebetrieb) und zusätzlich Energieersparnis. Ergo fühlte ich mich im Vorteil.
Dachte ich.

„ (…) Ja, du bist ein echter Hit.
Ich nehm‘ dich überall hin mit:
In die Straßenbahn, ins Schwimmbad, ins Kino,
auch zum Fahrradfahr’n, ins Bett sowieso, (…)“ [1]

Bis ich kürzlich auf der Zugreise aus der Heimat nach Trier feststellen musste, mein Handy zu Hause liegen gelassen zu haben. Aufgrund der Tatsache, dass ich die Verwandtschaft binnen weniger Tage wiedersehen sollte, störte mich dieser Umstand wenig – bis ich mich an mein Handy als Wecker erinnerte. Da begann die Katastrophe: Fernseher und Stereoanlage sind – aufgrund zu hohen Alters – in diesem Dienst nicht funktionsfähig, auf einen separaten Wecker hatte ich ja verzichtet und Tageslicht bringt leider auch nichts. Mal ganz davon abgesehen, dass meine Veranstaltungen am nächsten Morgen um acht Uhr beginnen sollten – im Dezember ist man um diese Uhrzeit mit Tageslicht spärlich gesegnet, wenn überhaupt. Einzige Möglichkeit, gar nicht erst schlafen gehen? Verworfen wegen zu großer Gefahr, den Schlaf im Seminarraum nachzuholen.
Die Rettung nahte in der Verkörperung einer unersetzlichen Freundin: sie leihte mir kurzerhand ihr Handy. Eine gewisse Situationskomik und Ironie der Hilfestellung sind durchaus vorhanden…
Mein Fazit: es hat mich zutiefst erschrocken, wie situationsbedingt abhängig ich von meinem Handy war, obwohl ich mich nahezu ausschließlich auf die ureigenen Grundfunktionen dieses Gerätes beschränke. An der Lage geändert hat sich allerdings nichts: Morgen für Morgen bimmelt mich das kleine Telefon aus dem Schlaf, erinnert mich nur ab sofort regelmäßig daran, dass es Macht über mich zu haben scheint. Keine Herrschaft, aber Macht – schlimm genug.

„ (…) ohne dieses Handy wär
mein Alltag ziemlich leer.
Ich glaube sogar, dass mein ganzes Leben sehr schwer wär. (…)“ [2]

 

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Quellen:
[1] Wise Guys: Oh Handy. Von: Manilow, Barry (1971): Brandy. URL: http://www.wiseguys.de/songtexte/details/oh_handy/ , [12. Dezember 2011].
[2] Wise Guys (2010): Mein neues Handy. URL: http://www.wiseguys.de/songtexte/details/mein_neues_handy/, [12. Dezember 2011].

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Google Wallet: Der neue Arm der Datenkrake

geschrieben von in Allgemeines, Internet, MedienkritikKommentare deaktiviert für Google Wallet: Der neue Arm der Datenkrake

„Google Wallet“ heißt das neue Bezahlsystem des Internetriesen Google, das in diesen Tagen startet. Es ermöglicht den Nutzern das Bezahlen ohne einen eigentlichen Geldbeutel dabei zu haben. „Ihr Handy wird zum Portmonee“, verspricht Stephanie Tilenius, Managerin bei Google. Bequem, schnell und vor allem sicherer als das Zahlen mit Kreditkarte soll der neue Dienst sein.

Um das System zu nutzen, muss man lediglich sein Mobiltelefon kurz an ein dafür ausgerichtetes Empfangsteil halten und einen Code eingeben. Die Technik dahinter nennt sich „Near Field Communication“ (NFC). Durch diese können verschiedene Geräte, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander befinden, untereinander Daten austauschen.

 

In einem Bericht über dieses neuartige Zahlverfahren auf FOCUS Online geht es im wesentlichen um Googles Versprechen zu dem neuen Dienst, die Technik dahinter und darum, dass der Online-Bezahldienst „PayPal“ eine Klage gegen den Internetkonzern eingereicht hat. Was jedoch mit keinem Wort erwähnt wird ist die Tatsache, dass durch das Nutzen dieser Zahlpraxis Google nun sogar von den Einkaufsgewohnheiten der Nutzer erfährt. Das wiederum ist eine hervorragende Grundlage dafür, auf den jeweiligen Handybesitzer zugeschnittene und angepasste Werbung zukommen zu lassen.

Stellt das System beispielsweise fest, dass man häufig eine bestimmte Art Schokoriegel kauft, so weiß dies in erster Linie das System und letztendlich auch Google. Der Konzern kann dann wiederum beispielsweise Schokoriegelwerbung sämtlicher Hersteller auf dem personalisierten Handy erscheinen lassen. Das ist alles kein Problem, da Google Wallet nur auf Android-Betriebssystemen läuft und dieses bekanntlich ebenfalls Google gehört.

Google Wallet ist also letztendlich nichts weiter als eine neue Möglichkeit, an Informationen und Gewohnheiten vieler verschiedener Personen zu gelangen. In Kombination mit denen auf dem Android-Smartphone getätigten Internetsuchen lässt sich so ein sehr viel genaueres Bild des Nutzers zeichnen. Wer also Google Wallet häufig nutzt gibt mit jedem getätigten Einkauf ein Stück mehr über sich Preis und verhilft dem Konzern somit, seine Werbeeinnahmen noch weiter zu steigern.

 

Letztendlich ist es wie bei allem mit Google: Ein toller Service in den verschiedensten Bereichen, doch immer mit dem Gefühl im Bauch, sich in gewisser Art und Weise ausspionieren zu lassen.

 

Quellen:

http://www.focus.de/digital/handy/google-wallet-bezahlsystem-fuer-smartphones-startet_aid_631496.html (Stand: 27.05.2011)

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