Wo bleiben eigentlich die Superheldinnen?

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Wenn ich von Superhelden spreche, dann hat jeder sofort ein Bild im Kopf. Superman , ganz offensichtlich, Batman oder Spiderman, diese Namen kann man inzwischen schon fast zum Allgemeinwissen zählen. Bei den weiblichen Kollegen wird es dann aber schon schwieriger. Superwoman? Gibt es die?, könnte sich manch einer fragen. Nicht ganz, Supermans weibliches Gegenstück heißt Wonder Woman. Catwoman? Spätestens bei Black Widow geben viele auf. Nie gehört. Natürlich gibt es noch unglaubliche viele Helden und Heldinnen mehr, jeder Comicbuch-Fan könnte diese Liste beliebig weiter führen, der Einfachheit halber bleiben wir hier aber bei den Bekannteren.

Marvel’s Avengers bestehen in ihren bekanntesten Filmen aus sechs legendären Superhelden und tatsächlich, Black Widow ist eine von ihnen. Um genau zu sein, die Einzige ohne exorbitant hohen Testosteronspiegel. Ihre Mitstreiter nämlich, tragen die Namen Iron Man, The Incredible Hulk, Captain America, Hawkeye und Thor. Neben ihren Hormonen haben die werten Herren auch noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind wesentlich bekannter als ihre Kollegin. Nun halte ich es schon für traurig genug, dass Black Widow, trotz ihrer Verkörperung durch die durchaus populäre Schauspielerin Scarlet Johansson, so unbekannt blieb, doch damit nicht genug.

So will der eingefleischte Fan natürlich nicht auf sein geliebtes Merchandise verzichten. Die Jungen und Männer haben es hier leicht, ihre Lieblingshelden finden sie in zahllosen Variationen auf T-Shirts, Pullovern, Taschen, Tassen und als Spielzeug. Für Mädchen und Frauen dagegen wird es jetzt in zweierlei Hinsicht schwierig. Zum Einen ist es erschreckend zu beobachten, dass einige Heldinnen, sind sie doch ohnehin schon in der Unterzahl, auf Shirts oder Taschen, wie hier Gamora von den Guardians of the Galaxy, einfach verschwinden oder sogar ausgetauscht werden. Zum Anderen gibt es an besagten Shirts zwar eine riesige Auswahl, die meisten davon sind allerdings nur für Männer geschnitten. Ist die Frau hier dennoch nach langer Suche erfolgreich, dann ist ihr Fund entweder pink oder besagt, dass die Trägerin am Liebsten einen der männlichen Helden heiraten würde. Oder beides.
Dem weiblichen Fan ein wohlbekanntes Problem.

Was aber vermittelt das den Mädchen und jungen Frauen in unserer Gesellschaft? Dass sie kein Recht haben selbst stark zu sein? Dass sie doch bitte wie eine Disney Prinzessin süß und hübsch und rosa sein sollen und letztendlich doch immer auf ihre Prinzen angewiesen sind.

Der amerikanische Medienwissenschaftler Christopher Bell erzählt in einem seiner Vorträge die Geschichte eines elfjährigen Jungen aus North Carolina, der My Little Pony schaut und dafür in der Schule so lange gemobbt und verprügelt wird, bis er eines Tages zu Hause versucht sich zu erhängen. Der Junge hat überlebt, doch das macht seine Geschichte meines Erachtens nicht weniger tragisch.

In was für einer Gesellschaft leben wir, deren Medien Mädchen und Frauen den Männern so klar unterstellt, während es für einen Jungen als Demütigung gesehen wird Ponys zu mögen? Ponys, die noch dazu wichtige Grundwerte verkörpern, wie jeder weiß, der sich einmal die Mühe gemacht hat die Kinderserie zu recherchieren. Also gebt den Heldinnen eine Chance. Nicht nur für Mädchen, auch für Jungen. Denn von ihnen lernen können wir alle.

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Perfektionismus und Schönheit

geschrieben von in Allgemeines1 Kommentar »

Es ist seit langem kein Wunder mehr, dass schöne Bodys in Magazinen nicht nur harte Arbeit der Models sind, sondern auch die der Retuschierer. Genau gegen dieses Retuschieren, wenn man schon sich selbst nicht erkennen kann, protestiert so die Prominenz. Wenn einige Prominente nichts darüber hören möchten, zeigt sich Keira Knightley nackt in dem Fotoshooting für Interview und sagt, sie lasse sich hier nur deswegen nackt fotografieren, damit ihre Brüste später nicht vergrößert werden. Emma Watson gesteht, dass auch sie Zeit und Make-up braucht, um sich auf Veranstaltungen vorzubereiten. Lady Gaga kritisiert öffentlich die Zeitschrift Glamour für das unaufhörliche Schönmachen der Wirklichkeit, was mittlerweile keine Grenzen hat. Und sie würde sich lieber auf dem Cover Malala Yousafzai und nicht sich selbst sehen.
Alle diese Taten und Wörter lassen uns, Menschen und insbesondere Frauen auf solche Gedanken kommen, wie: Was ist Schönheit? Wann kann jemand als ein schöner Mensch betrachten werden? Können die Menschen noch die echte natürliche Schönheit verstehen?
Ein Heft von der Zeitschrift Vanity Fair LA sollte man für die Nachkommen unbedingt aufbewahren. Und nicht nur wegen der Gleichberechtigung der Geschlechter und der Rasse auf dem Cover, sondern wegen des Konzepts des Fotoshootings „Be hind the scenes“ mit Kate Winslet, Brad Pitt, Julia Roberts, Oprah Winfrey, George Clooney, Scarlett Johansson und vielen anderen, die sich den Lesern ohne Make-up gezeigt haben.
Trotzdem wäre es gelogen, wenn man sagen würde, dass die Magazine lieber gar keinen Photoshop benutzen sollen. Hier müsste man schon eine gewisse Grenze wissen, und vor allem, wann es schon genug ist. Als ein Mittel, das die öffentliche Meinung prägt, sollten die Magazine keine unerreichbare Standards für die Schönheit setzen, sondern eine reale Schönheit zeigen. So könnte man sich fragen, ob Jennifer Lawrence, die schon wunderbar aussieht, tatsächlich für das eine oder das andere Foto die Hilfe des Photoshops gebraucht hat? Ist sie nicht genug schön für das Cover von Flame?
Jeder weiß, dass die Schönheitsstandards nicht gleich für alle Ländern sind. Aber weiß man, wie wirklich unterschiedlich sie sind? Das wissen Esther Honig und Priscilla Wilson, die das Projekt „Before & After“ geleitet haben.
Landläufige Ansicht behauptet, dass glatte Haare, eine schlanke Figur und große Brüste schön sind. Im Gegenteil sind Sommersprossen und Falten, breite Hüften und kleine Brüste unschön. Aus diesem Grund vergessen immer häufiger die Mädchen und Frauen, dass sie auf ihre persönliche Art und Weise schön und einzigartig sind.
The Economist hat das Foto von Cate Blanchett auf dem Cover ohne Retuschen abgedrückt. Man kann nicht sagen, dass dieses Foto überhaupt keine Retusche hat. Aber hier wurde retuschiert, sodass die Fotografie noch ein schönes, lebendiges und begeisterndes Gesicht bewahren konnte. Und es ist schon viel mehr als ein einfaches Bild in einer Zeitschrift. Etwas Ähnliches kam in der französischen Elle 2009.
Das Thema „natürliche Schönheit“ wird langsam, aber sicher aktueller. Diese Tendenz wird auch von Gisele Bundchen unterstützt. 2013 ließ sie sich vom Fotograf Johan Lindeberg ohne Make-up fotografieren. Die Fotografien zeigen Bundchen als eine reale Person und nicht als Super Model.
Die Handelsmarke der Unterwäsche „Aerie“ tritt für die Natürlichkeit auf. „Aerie“ bietet die Werbekampagne, wo die Models nicht retuschiert worden sind. Auf dem Werbeplakat ist folgender Spruch zu sehen: „The girl in this photo has not been retouched. The real you is sexy“. Die Vertreter teilen mit, dass es endlich mal Zeit für Veränderungen sei. Sie meinen, die echte Schönheit brauche keine Retusche.
Die neue amerikanische Zeitschrift Verily geht noch weiter. Hier beschloss man auf die Retusche von Photoshop ganz zu verzichten. Verily hat die Absicht so über die Frauen zu schreiben, wie sie heutzutage sind und nicht wie sie sein sollten.
Die Magazine und Schönheitsindustrie versuchen mit kleinen Schritten den Frauen ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben. Hier bekommt der Begriff „Schönheit“ schon eine andere Bedeutung als „geschminktes Äußeres“ – die Schönheit ist Selbstachtung und Gesundheit, die Fähigkeit sich und den anderen so akzeptieren, wie man ist. Die Schönheit ist unbeschränkbar, es gibt keine altersmäßigen, zeitlichen, nationalen oder Alters – Grenzen. Nur Unverständnisse und begrenzte Ansichten lassen die echte wahre Schönheit nicht ans Licht kommen. Man spricht zwar über die Vielfalt der Schönheit, und aber man verurteilt gleichzeitig das, was nicht wie in der Zeitschrift aussieht, was nicht ins Schema passt, und was man nicht verstehen kann. Man erkennt nicht nur eine reiche Palette der Schönheit nicht, man erkennt sich selbst nicht, weil man nach den Standards lebt. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Kritik und die gesellschaftliche Meinung sehr schaden können, und jeder sowohl der Richter als auch der Angeklagter sein kann. Man soll entscheiden, wie man mit dieser Kritik weiter umgehen wird, ob man sich weiter entwickeln will oder nicht.
Quellen:
http://www.interviewmagazine.com/fashion/keira-knightley-by-patrick-demarchelier#_
https://twitter.com/MTV/status/449014764875042816/photo/1
http://www.berliner-zeitung.de/panorama/glamour-kuert-frauen-des-jahres-malala–gaga-und-streisand-sind–women-of-the-year–,10808334,25016014.html
http://www.vanityfair.com/vf-hollywood/hollywood-issue-george-clooney-chiwetel-ejiofor
http://www.vanityfair.com/hollywood/photos/2014/03/chuck-close-hollywood-portfolio#1
http://www.huffingtonpost.com/2013/12/14/jennifer-lawrence-photoshop_n_4446190.html
http://www.estherhonig.com/#!before–after-/cvkn
http://priscillaywilson.wix.com/priscillayukiwilson#!blank/c1de8
http://thesocietypages.org/socimages/2009/04/30/french-elle-stars-without-makeup/
http://au.ibtimes.com/articles/471736/20130528/gisele-bundchen-blk-dnm-johan-lindeberg.htm#.VHYBXbSf56p
http://www.adweek.com/adfreak/aerie-launches-simple-revolutionary-lingerie-ads-beautiful-models-and-no-photoshop-155088
http://verilymag.com/
http://www.huffingtonpost.com/2013/10/10/verily-magazine-no-photoshop_n_4079217.html

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