„Die Rekruten“- Informativ oder niveaulos?

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Früher Pflicht, heute „eine Überlegung wert“: Die Arbeit bei der Bundeswehr.
Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht mangelt es dem Bund an Nachwuchs, diesen versuchen sie nun durch die Werbesendung „Die Rekruten“ auf Youtube anzuwerben. Ein schlauer Zug wenn man bedenkt, dass nach Umfragen über 60% der Befragten 10-19 jährigen täglich die Plattform nutzen.

In den Videos wird dir ein Einblick in die Grundausbildung ausgewählter Jugendlicher geboten. Mit einer wackligen Kameraführung, Effekten wie Fisheye und Untertiteln à la RTL 2 wurde das Budget von 1,7 Millionen Euro für den Dreh und weiteren 6,2 Millionen für die Werbung (Quelle: Deutschlandfunk.de), gezielt dafür genutzt, die jüngere Masse der Youtube Nutzer in den Bann zu ziehen. Die dargestellten Rekruten weisen alle ein geringes Selbstwertgefühl, wenig Disziplin und kaum Durchhaltevermögen auf. Sie haben jeden Tag ein anderes nichtiges Problem wie die Angst vor Prüfungssituationen oder Schürfwunden von Strümpfen. Das wird oft mit dramatischer Musik und Effekten begleitet.

bildschirmfoto-2016-11-24-um-10-44-16Da es sich um eine Werbeserie handelt geschieht nichts ungewollt. Ist es also Zufall, dass unter den Rekruten
nicht ein wirklich charakterstarker und talentierter Bewerber gezeigt wird? Machen diese nicht gerade das Heer der Bundeswehr aus?
Die Videos sind kurz und simpel, erinnern an Vlogs und bieten dadurch einen hohen Unterhaltungswert für die breite Masse, da nur eine geringe Aufmerksamkeitsspanne nötig ist, um die Inhalte zu erfassen.

Die Frage stellt sich, ob die angesprochene Zielgruppe denn wirklich in der Lage ist, die Inhalte kritisch zu hinterfragen und sich außerhalb dieser Videos zu informieren, was die Bundeswehr wirklich ausmacht. Ihre Werte und Gefahren können nicht in 5-minütigen Videos zusammengefasst werden.bildschirmfoto-2016-11-24-um-10-42-27

Auf mich persönlich wirken die Videos nicht ansprechend sondern eher abschreckend, jedoch dienen sie und die viele Werbung primär dazu, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das Thema ist wieder in aller Munde und es wird darüber diskutiert, bringt Klicks und Kommentare. Gut möglich, dass einige der jugendlichen Zuschauer
sich in den Videos wiedererkennen und ihre Zukunft bei der Bundeswehr sehen. Ob das wirklich der Fall ist, werden wir in den nächsten Monaten und Jahren erfahren.

Solange die Interessenten – bevor sie sich tatsächlich für den Wehrdienst verpflichten – in einem Bewerbergespräch nochmal ausreichend informiert werden und die Gefahren und möglichen Folgen verdeutlicht werden, ist es eine legitime Methode um das Interesse zu wecken.
Ein Ersatz zu einem Dokumentarfilm oder anderen seriösen informativen Medien ist dadurch zwar nicht gegeben, aber diese Art der Werbung – so umstritten sie auch sein mag – ist allemal besser als das Wiedereinsetzen der Wehrpflicht.

 

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Der Krieg im Internet

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Vermutlich bestärkt durch den Hackerangriff auf Estland und diverse Eindringversuche in deutsche Regierungsrechner reagiert die Bundesregierung nun auf den Cyberwar, das vermeintlich neue Schlachtfeld der Informationsgesellschaft.

Dort werden statt Panzern und Soldaten Netzwerke und Breitbandleitungen des Gegners unter digitalen Beschuss genommen, Spionage, DDoS und Defacements, also die Manipulation bestehender Websites zum Zwecke der Propaganda, als Waffe eingesetzt.

Um gegen etwaige Angriffe dieser Art gewappnet zu sein, wurde nun laut Spiegel die „Abteilung Informations- und Computernetzwerkoperationen“ gegründet. 76 Abgänger bundeswehreigener Informatikuniversitäten sollen im kommenden Jahr einsatzbereit sein und „Informationsinfrastrukturen im Einsatz besser vor Cyber-Attacken zu schützen“, so ein Bundeswehrsprecher. Im Spiegelbericht werden aber auch Angriffe auf fremde Netze als möglich erwähnt, von bloßer Verteidigungsrolle kann also keine Rede sein.

Kurz nach Bekanntgabe der Truppenbildung wurden allerdings mehrere Rechner der Bundeswehr selbst mit dem Wurm „Conficker“ infiziert. Dieser verhinderte beispielsweise Flugzeugstarts der ebenfalls betroffenen französischen Luftwaffe, befiel englische Regierungs- und Krankenhausrechner und soll laut Focus weltweit über 9 Millionen PCs infiziert haben.

Das dies weit über Cybervandalismus hinausgeht und eine reale und vorallem globale Bedrohung für die Infrastruktur informationsbasierter Länder darstellt, zeigt auch die Reaktion von Microsoft: 250 000 Dollar Belohnung für die Ergreifung des Virus-Autors.

Quellen:

SpiegelOnline: Bundeswehr baut geheime Cyberwar-Truppe auf

Chinesische Trojaner auf PCs im Kanzleramt

Heise.de: DDoS-Angriffe auf Estland waren kein „Cyberwar“

Focus: Kriegsschauplatz Internet

Netzwelt.de: Conficker: Bundeswehr kämpft gegen Computerwurm

Microsoft.com: Microsoft Collaborates With Industry to Disrupt Conficker Worm

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