Medien und Politik – Wahlwerbung im Wandel der Zeit

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Der Wahlkampf gilt als der Höhepunkt der politischen Kommunikation. Über die Massenmedien wollen die Parteien ihre Themen und Kandidaten bestmöglich platzieren und stecken daher Millionen in Plakate, Wahlwerbespots und Kampagnen. Mit dem Wandel der Medien hat sich dabei auch die Wahlwerbung immer wieder erneuert: Mit dem Aufstieg des Fernsehens zum „Leitmedium“ wurden Wahlwerbespots immer wichtiger, mit der Jahrtausendwende liegt ein neuer Schwerpunkt auf dem Internet als Medium zur Mobilisierung von Wählern. Auch inhaltlich hat sich die Wahlwerbung in 60 Jahren BRD deutlich verändert. Standen in der Nachkriegszeit noch die großen ideologischen Weichenstellungen für das Land im Vordergrund des Wahlkampfes, geht der Trend heutzutage stärker in Richtung der Personalisierung und Entertainisierung.

Eine sehr gelungene und spannende Übersicht über den Wahlkampf im Wandel der Zeit bieten folgende Quellen:

http://www1.bpb.de/methodik/31P06X,0,Wahlplakate_im_Spiegel_der_Zeit.html

„Wahlplakate im Spiegel der Zeit“ der Bundeszentrale für Politische Bildung

http://www.youtube.com/view_play_list?p=8225B50D01F7268F&search_query=qual+der+wahl

„Qual der Wahl“: ZDF Online und 3sat-Kulturzeit blicken zurück auf TV-Wahlwerbespots

Marcel Wollscheid

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Medien und Politik – Die Medienrealität des Wahlkampfs

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik, MedienwandelKommentare deaktiviert für Medien und Politik – Die Medienrealität des Wahlkampfs

Medien und Politik stehen in vielerlei Hinsicht in einem spannungsgeladenen Verhältnis. Einerseits streben Politiker über die Medien nach Legitimation und Zustimmung für ihre Politik und bemühen sich um ein positives Bild in der Öffentlichkeit, andererseits sind Journalisten auf der Suche nach exklusiven Informationen und betonen vor allem den Konflikt im politischen Tagesgeschäft. Gerade mit dem Aufstieg des Fernsehens zum „Leitmedium“ hat sich die politische Kommunikation dabei fundamental verändert: Politik wird heutzutage überwiegend als medienvermitteltes Ereignis wahrgenommen, weshalb sowohl politische Akteure als auch Journalisten einen Schwerpunkt auf die Medienwirksamkeit ihres Handelns legen.

Besonders deutlich wird dies im Bundestagswahlkampf, in dem Medien und Politik nach amerikanischen Vorbild eine Medienrealität der „Kanzlerwahl“ erzeugen. Bei der Bundestagswahl wählen die Bürgerinnen und Bürger Vertreter in ihrem Wahlkreis und Parteien, eine Direktwahl des Kanzlers ist in der Verfassung nicht vorgesehen. Nichtsdestotrotz wird der Wahlkampf zu einem „Duell“ zwischen den medienwirksam auserkorenen Kanzlerkandidaten der Parteien hochstilisiert. Besonders deutlich wird dies in den TV-Duellen, in denen seit 2002 die Kandidaten der Volksparteien vor der Bundestagswahl aufeinandertreffen. Grund für diese Entwicklung: Sowohl die Medien als auch die Parteien streben nach Personalisierung und Polarisierung, wollen Politik ein Gesicht geben und Aufmerksamkeit im Wahlvolk erzeugen.

Für die Medienwissenschaft ergeben sich aus dieser Konstellation spannende Fragen: Wie inszenieren Journalisten politische Ereignisse? Wie hat sich die politische Kommunikation seit Gründung der BRD verändert? Inwiefern kann man von einer totalen Medialisierung und Verinnerlichung der Medienlogik durch die Politik sprechen?

Teil 2: Medien und Politik – Wahlwerbung im Wandel der Zeit

Marcel Wollscheid

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Deutsche Politik(er) und das Web 2.0

geschrieben von in Medien und Politik5 Kommentare »

Das sich die deutsche Politik mit dem Internet und seinen Möglichkeiten nicht so recht anfreunden will, ist wirklich keine neue Nachricht. Da aber PR Berater und ihre Politiker es für wichtig erachten über all präsent zu sein, fehlt kaum ein wichtiger Politiker auf den großen Community Homepages. Doch ist das wirklich nötig?

Prinzipiell mag es sicherlich nicht unsinnvoll sein ein funktionierendes Netzwerk im Internet zu haben, wie der Wahlkampf Obamas in den USA beweißt, allerdings spielt die Mobilisierung von Wählern in Amerika auch eine ganz andere Rolle. So findet man auf der Homepage von Obama dann auch einen regelmäßig geführten Blog, der zwar von seinem Team mit Inhalten gefüllt wird aber immerhin. Man findet Obama auch auf Myspace oder Facebook und auf beiden Plattformen hat er relativ gut ausgefüllte Profile, so dass man zum Beispiel rausfindet, dass Obama gerne der Pate guckt oder Miles Davis hört. Und damit erfüllt die Seite, neben dem Netzwerkcharakter als Selbstzweck, ihren Zweck Bodenständigkeit zu zeigen und dem Kandidaten ein „menschliches Gesicht“ zu geben schonmal relativ gut.

Wie sieht die Lage jetzt in der Bundesrepublik aus. Es gibt zum einen natürlich offizielle, große und gepflegte Projekte wie den Merkel Podcast, aber es gibt auch Merkels Facebook Seite. Und hier offenbart sich dann das Dilemma in dem Angela Merkel, aber auch Frank-Walter Steinmeier oder Guido Westerwelle in ihrer Beziehung zum Internet stecken. Beginnen wir mit dem „Selbstzweck“ solcher Communityauftritte, dem Netzwerkcharakter. Hat Merkel immerhin noch über 1400 Freunde, was für ein Profil auf einer amerikanischen Seite noch halbwegs akzeptabel ist, sieht es bei ihren Kollegen Westerwelle und Steinmeier deutlich trüber aus. Steinmeier ist trauriger Rekordhalter mit 12 Myspace-Freunden und auch Westerwells Facebook Seite hat nicht mehr als 42 Fans.  Das sind alles keine Netzwerke, die ienem die Brust vor Stolz schwellen lassen, wie vielleicht bei Obama mit seinen 1,8 Millionen „Freunden“.
Auch mit den Inhalten sind deutsche Politiker deutlich zurückhaltender, außer Presse Informationen, die man ohnehin überall zu lesen kriegt, die hier zweit- – naja wohl eher fünft- – -verwertert werden, gibt es auf den Auftritten der deutschen Politiker nicht viel zu holen.

Der Nutzen so eines Profils dürfte bei der Art geringer Beteiligung ohnehin schon gering sein. Wird aber durch den Inhalt noch deutlich gemacht, dass man die Seite zwar aus einem falschverstandenen Öffentlichkeitsbewusstsein braucht, aber man sich eigentlich nicht daraum kümmert, dann stellt sich doch die Gefahr ein, dass der Effekt Bürgernähe herzustellen, sich eher ins Gegenteil verkehrt. Denn er zeigt nur, dass Politiker sich zwar PR-mäßig auf alles einlassen, aber das ihnen tatsächlich nichts daran liegt. Mir erscheint es zusätzlich fragwürdig, ob es für „seriöse“ Politiker ratsam ist auf jeden schnellvorbeifahrenden Web 2.0 Zug aufzuspringen. Muss z.B. ein Fanz Müntefering wirklich Twittern (auch wenn es bisher so aussieht als würde er tatsächlich durchhalten regelmäßig selbst zu twittern)? Oder eben ein Steinmeier Myspacen? Ich weiß es nicht. Ob je ein Image- oder Inforamtiosngewinn durch halbherzige und informationsarme Web 2.0 Auftritte realisiert werden kann, steht für mich noch in den Sternen. An den Erfolg Obamas oder Kerrys (im letzten US Wahlkampf) werden deutsche Politiker allerdings so schnell nicht anknüpfen können, wenn sie das Medium Internet weiterhin nicht wirklich ernstnehmen. Egal ob das jetzt unfertige Myspace Seiten von Bundesministern oder unregelmäßig gefüllte Blogs von Bundestagsabgeordneten sind. Vielleicht ist aber auch Müntefering mit seinem Twitter und restlichem Webauftritt der erste deutsche Politiker, der das Internet wirklich ernstnimmt. Wir werden es sehen.

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