Wie den Anonymen die Identität gestohlen wurde

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Anonymous erklärt dem Islamischen Staat den Krieg – und wird im Internet gefeiert. Berichte werden begeistert kommentiert, Videos geteilt und die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer durch das Netz. Manche Onlineangebote titeln mit Schlagzeilen wie „den IS zerschlagen“. Der Hype ist groß.

Die Likezahl auf der Facebookseite facebook.de/anonymous.kollektiv explodiert. In diesem Moment sind es 1.379.207 Nutzer, die die Seite mit „Gefällt mir“ markiert haben. Vor allem in den letzten Tagen, seit der Online-Kriegserklärung, lässt sich beobachten wie die Zahl rasant steigt. Wendet man sich jedoch dem Inhalt der Facebookseite zu, stellt sich die Frage: Seit wann ist Anonymous eine rechte Verschwörungsplattform?

Quelle: https://de.nachrichten.yahoo.com/anonymous-gegen-is--was-die-hacktivisten-k%C3%B6nnen-und-was-nicht-100548491.html

Quelle: https://de.nachrichten.yahoo.com/anonymous-gegen-is–was-die-hacktivisten-k%C3%B6nnen-und-was-nicht-100548491.html

Rechtes Gedankengut im Namen des gefeierten Kollektivs

Anonymous ist ein Kollektiv, in dessen Namen Hacktivismus betrieben wird. Als Ziele werden beispielsweise der Schutz des Internets genannt. Nicht selten bewegt es sich dabei an der Grenze zur Legalität. In den letzten Tagen wurden Twitter-Accounts von IS-Mitgliedern aufgespürt, Hackangriffe ausgeführt und Daten den US-Behörden zugespielt. Einer der Grundsätze Anonymous‘ lautet jedoch, sich nicht politisch zu positionieren. Die Facebookseite anonymous.kollektiv tut aber genau das: Es werden im Namen des Internetkollektivs rechtes Gedankengut verbreitet und pro-russische Beiträge veröffentlicht. Den deutschen Medien wird dabei unterstellt, falsche Berichterstattung zu leisten. So wird beispielsweise in einem Bericht über syrische Flüchtlinge ein rechts orientiertes Onlinemagazin zitiert. Kommentare, die sich gegen dieses Gedankengut richten, werden gelöscht.

Anonymous distanziert sich von anonymous.kollektiv

Es wurden Annahmen über den Betreiber der Facebookseite angestellt, so gehöre dieser der rechten Szene an. Diesen Vorwürfen folgte ein gerichtliches Verfahren bei dem es nicht gelang, sie zu beweisen. Anonymous Deutschland veröffentlichte ein Video mit einer Stellungnahme zu der Seite und distanzierte sich deutlich von dieser.

Unzählige junge Menschen folgen der Facebookseite und vermuten hinter dem Auftritt die Helden des Internetzeitalters, die endlich etwas gegen den Terror auszurichten scheinen. Dass aber die Seite und ihre Inhalte von Personen mit rechtem Hintergrund zu stammen scheint, ist offensichtlich nicht jedem bewusst.

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Anonymous.

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Anonymous ist ein loser Zusammenschluss. Eine Gruppe, die in der Vergangenheit speziell durch ihr Hackerangriffe gegen Websites auf sich Aufmerksam gemacht hat. Bewaffnet mit Guy Fawkes Maske und Tastatur haben sie bereits rechtsextreme Seiten kurzzeitig lahmgelegt, den Menschen beim arabischen Frühling zu einer Internetverbindung verholfen und mehrfach gegen Scientology protestiert. Schnell wird klar, was ihr Ziel ist: eine freie Welt, in der Menschenrechte geachtet werden.

Trotzdem fällt es schwer die Ziele eindeutig zu formulieren, da Anonymous viele sind und nicht immer alle an den teils kriminellen Aktionen beteiligt sind. Ohne Zweifel haben sie aber einiges an Macht und nutzen diese vor allem durch „DDoS“-Angriffe (Distributed Denial of Service) auf andere Websites. Dabei wird die Seite so überlastet, dass von anderen Nutzern nicht mehr auf den Inhalt zugegriffen werden kann. Speziell bei wirtschaftlichen Unternehmen kann eine kurze Störung große monetäre Verluste einbringen.

Ein besonders interessantes Beispiel möchte ich an dieser Stelle herausgreifen und etwas näher beleuchten.

Wer hat es nicht schoneinmal erlebt? Man surft gemütlich auf youtube, klickt ein Video an und wird zu dem wohlbekannten, herzallerliebsten Schild weitergeleitet. Danke, GEMA! Die sogenannte Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte hat es dadurch nicht leicht. Das Öffentlichkeitsimage ist nach einer scheinbar endlosen Diskussion mit Yotube über Urheberrechte stark angekratzt und letztlich wurde die Hauptseite www.gema.de auch noch von Anonymus angegriffen. Dort konnten die Besucher nun folgenden parodisierenden Text lesen:

„Leider ist diese Seite (nicht nur) in Deutschland nicht verfügbar, da sie auf ein Unternehmen verweisen könnte, für das Anonymous die erforderlichen Freiheitsrechte nicht eingeräumt hat.“

Ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Die Message von Anonymous hingegen ist klar: Sie treten für die vermeintliche Grundidee des Internets ein: freier Content für alle und Kampf gegen eine zunehmende Kommerzialisierung. Außerdem sehen sie sich auf Seiten der Künstler stehend. Youtube sei, so in einer Stellungsnahme zur GEMA, eine kostenlose Promotionsplattform, die es Künstlern ermöglicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden und den Plattenfirmen so mehr hilft als schadet. Für die User haben Anonymous ein Programm zur Verfügung gestellt, das jedem ermöglicht auch gesperrte Videos anzusehen.

Anonymous sind also ein wichtiges Glied in der Kette, wenn man sich die Strukturen des Internets anschaut. Welche (kriminellen) Hackerangriffe Sie uns in Zukunft bescheren werden bleibt spannend.

 

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Taz: Vom Kollektiv lahmgelegt: http://www.taz.de/!70239/

Hamburger Abendblatt: Anoymoushacker legen erneut GEMA Seite lahm: http://www.abendblatt.de/kultur-live/tv-und-medien/article2000018/Anonymous-Hacker-legen-erneut-Gema-Seite-lahm.html

Anonymous: Stellungnahme zur GEMA: http://www.yo.utube.com/watch?v=g-qFLX26-O8

Chip: Youtube-Proxy: http://www.chip.de/webapps/YouTube-Proxy_40712525.html

Zdf_neo: Wild Germany zum Thema Hacker: http://www.yo.utube.com/watch?v=OLV1JMONOHg

www.du-bist-anonymous.de: Demonstration gegen Scientology: http://bilder.du-bist-anonymous.de/main.php?cmd=imageview&var1=pic_3.jpg

Blockiermeldung auf Youtube: http://computer.t-online.de/b/47/21/46/32/id_47214632/tid_da/bei-vielen-youtube-videos-erhalten-deutsche-nutzer-eine-blockiermeldung-screenshot-t-online-.jpg

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