Die Geschichte von Stephen Glass und die Ablehnung von die Fiktionjournalismus

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shattered glass

Glass schreibt falschen Nachrrichten , Respektlosigkeit für die Leser . | Flickr/CC/Hugoespinozas

Die traditionelle amerikanische Zeitschrift The New Republic (TNR), die Einfluss in der politischen Klasse hat, hat in der Ausgabe vom 18. Mai 1998 einenwissenschaftlichen Text mit dem Titel „Hack Heaven“ des jungen Autors Stephen Glass veröffentlicht. Der Artikel erzählte die Geschichte von einem Hacker im Teenageralter, der in das Computersystem einesrenommierten Software-Unternehmens eingedrunden ist, um Geld erpressen zu können.“ Glass hat eine sehr gute Geschichte geschrieben, mit zu vielen bunten Details, die offenbar nicht richtig ware“, sagte Kambiz Foroohar [1], der damalige Herausgeber der digitalen Zeitschrift forbes.com. Der Hauptgrund für die Ausgabe von Forbes online war damals, die Fragen von Technologie und Internet zu bearbeiten. Deshalb wurden die Daten von TNR überprüft.

Der Fehler, der damalsforbes.com unterlaufen ist, sollte eine Lektion für Journalisten sein, immer genauestens nach der Wahrheit zu suchen. Doch leider ist die Strenge noch nicht an allen Arbeitsplätzen angelangt. Adam L. Penenberg, damaliger Redakteur bei forbes.com, sagte, dass der wichtigste Schritt [2] ist, die Informationen zu vergleichen. Die ersten Bemühungen des Online-Publishing waren zunächst auf die Suche nach der angeblichen Firma konzentriert erpresst durch verschiedene Strategien: die Suche im Internet, über die Software Publishers Association of America in kontakt sein, oder die Beratung taxgatherers oder Register in Kalifornien. In keinem Fall wurde eine Spur von dieser Firma gefunden. Sogar, mit Hilfe einer Datenbank, wie Lexis Nexis [3], fanden sie nichts. Dieeinzige Erwähnung erschien im Zusammenhang mit dem Artikel in TNR . Diese Ergebnisse wurden mit TNR Autor, Charles Lane, der seine eigene Untersuchung in dieser Angelegenheit begann, geteilt. Folglich wurde Stephen Glass, weniger Tage nach der Veröffentlichung entlassen, aber erst, nachdem Forbes darüber informiert wurden, dass es sich bei dem Artikel um eine erfundene Geschichte von Anfang bis zum Ende handelte.

Die Nachricht von der Entlassung von Glass wurde vor der Veröffentlichung von forbes.com, der alle Elemente im Zusammenhang mit dem Skandal, der durch die Fälschung von Daten in „Hack Heaven“ aufgedeckt wurde. Der Autor Kambiz Foroohar [4] brachte eine neue Lektion in Journalismus: „Sollen wir unsere Geschichte veröffentlicht haben? Wir haben einen Fehler gemacht, indem wir vorsichtig waren. Im gegenwärtigen Klima ist der einfache Trigger Journalismus besser, um die Schaufel zu verlieren, um ein Ei ins Gesicht zu erhalten.“. Charles Lane folgte der gleiche Ansicht. In der Kopie des TNR am 25. Mai 1998 Schrieb er einen Leitartikel mit dem Titel: „An die Presse, die Wahrheit ist, oder ein absoluter Wert sein sollte.“

Einige Schlussfolgerungen

Die Veröffentlichung von “Hack Heaven” diente als Grundlage für das Drehbuch “Der Preis der Wahrheit” (2003) und lieferte Journalisten eine nützliche. Zu dem wichtigsten Lehren aus dem Fall Glass passen einige der „25 Gebote für Journalisten“ von Tim Radford [5].

1) Die Suche nach der Wahrheit ist der absoluter Wert, sie ist aber nicht immer zu erreichen. Auf seinem Weg finden die Journalisten interessante Quellen, aber man sollte auch die anderen Seiten der Geschichte finden, und immer Fairness als sein eigenes Ziel verfolgen. Wie wir im Fall von Glass gesehen haben, können wir sagen, dass das Streben nach Strenge, die Praxis der Überprüfung und guten Journalismus nicht synonym mit den traditionellen Medien einhergeht. Die Geschichte von Glass ist nicht das einzige Beispiel [6], denk man nur an die jüngsten Fälle von Janet Cooke [7], Jayson Blair [8], Jack Kelley [9] und Patricia Smith [10].

2) Ein weiteres Ziel ist, dass die Öffentlichkeit immer die wichtigste Rolle spielt. So erläutert Radford: „Während der Zeit des Schreibens gibt es eine wichtige Person, die alle respektieren müssen, nämlichen Leser.“. Wenn man den Leser nicht berücksichtigen, erreicht man dasselbe wie Glass. Der Journalist sollte immer wissen, für wen er schreibt. Deswegen müssen sie klare und konsequente Arbeit produzieren.

3) In einer Veröffentlichung, sollte der Kopf nicht alles akzeptieren, nur weil es nach einer guten Geschichteklingt. Um dies zu vermeiden, möglichst oft zu vermeiden muss man die Informationen verfolgen, man muss die Quelle der Informationen identifizieren und auf ihre Zuverlässigkeit überprüfen. In der Redaktion, arbeiten Journalisten eigenständig, mit einer Aufführung des „Teufels Advokat“, Werke von Kollegen sollten gegen gelesen werden und ihre Meinung sollte konsistent und genau sein. Dies ist eines der wichtigsten Ziele von Journalismus.

Die Erklärung für dieses Phänomen ist in den obigen Ergebnissen zusammengefasst. Erfüllen Journalisten den Geschmack des Lesers und aber opfern dafür die Wahrheit, da sie die Aufmerksamkeit damit erhöhen, ist ein Mangel an Respekt für die Öffentlichkeit und schließlich der Niedergang der Medien.


  1. http://www.forbes.com/fdc/welcome_mjx.shtml [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  2. http://www.forbes.com/1998/05/11/otw3.html [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  3. http://www.lexisnexis.com/en-us/home.page [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  4. http://www.forbes.com/1998/05/11/otw2.html [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  5. http://www.theguardian.com/science/blog/2011/jan/19/manifesto-simple-scribe-commandments-journalists [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  6. http://journalism.about.com/od/ethicsprofessionalism/tp/journalismscandals.htm [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  7. http://blog.washingtonpost.com/story-lab/2010/10/story_pick_janet_cooke_and_jim.html [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  8. http://www.nytimes.com/2003/05/11/us/correcting-the-record-times-reporter-who-resigned-leaves-long-trail-of-deception.html?pagewanted=all&src=pm [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  9. http://usatoday30.usatoday.com/news/2004-01-13-reporter_x.htm [Letzter Zugriff am 06.01.2014]
  10. http://ajrarchive.org/article.asp?id=648 [Letzter Zugriff am 06.01.2014]

Beteiligung und Zuverlässigkeit des Netzes

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Twitter

Twitter ist nicht immer sicher. | Flickr/CC/Pete Simon

Ende des Jahres 2012 wurde die Nachricht [1] publik, dass Lord Alistair McAlpine, ein ehemaliger Berater von Margaret Thatcher, Klage gegen tausende Twitter-Nutzer eingereicht hat. Nachdem ihm in einer Sendung der BBC mutmaßlicher Kindesmissbrauch in den siebziger Jahren vorgeworfen wurde, löste dies eine Lawine abfälliger Bemerkungen auf Twitter aus. Durch die Klage wollte er die falschen Gerüchten und Verleumdungen entkräftigen und seinen Ruf wieder herstellen.

In seiner Klage schreibt McAlpines [2]Anwalt, dass Twitter nicht ein Mittel der Kommunikation ist, sondern nur eine Plattform für bewegte Informationen ist und, dass dieses Medium nicht verantwortlichfür die Inhalte der Tweets ist. Bei Fernsehsendern wie BBC und ITV ist dies aber anders zu beurteilen. Diese britischen Fernsehen hatten die Missbrauchsvorwürfe, ohne Überprüfung nach ihrer Richtigkeit, verbreitet. Zu keinem Zeitpunkt standen sie in Kontakt mit dem ehemaligen Berater. Beide Sender mussten daher Schadensersatzzahlungen leisten und die Gerüchte richtigstellen. 

Das Problem

Diese Nachricht wirft Licht auf ein Problem, dass immer deutlicher wird: Soziale Netzwerke sind nicht immer eine zuverlässige Quelle. Jede Person muss sich selber fragen und überprüfen, ob die Information des sozialen Netzwerks tatsächlich der Wahrheit entspricht. Die Mitarbeit von Journalisten in sozialen Netzwerkenund die Umsetzung ihrer methodischen Arbeit, kann die Zuverlässigkeit der Informationen erhöhern. Durch journalistische Arbeit und Methodik würden Quellen identifiziert und genau überprüft werden. Dadurch würden nur noch geprüfte und wahre Informationen in sozialen Netzwerken veröffentlicht werden. Im Gegenzug, man muss wissen, dass  die Twitter-Nutzer und die Journalisten aufpassen sollen, was sie in den Tweets schreiben.

Der Wahrheitsgehalt

Das Gerücht von einem Konflikt [3] zwischen Portugal und der Zeitung El País oder das falsche Foto [4]  des Mörders von Newtown, sind weitere Beispiele, die deutlich machen, dass man Informationen, die über sozialer Netzwerke öffentlich werden, nicht immer trauen kann. Patricia Duran [5], spanische Journalistin und Bloggerin, ist der Meinung, dass die sozialen Netzwerke, aus journalistischer Sicht, eine sehr zweifelhafte Quelle für genaue Informationen sind Auf einigen Internetwebsites sind die Quellen unbekannt oder nicht angegeben und man kann die Informationen nicht auf ihre Verlässlichkeit und Echtheit überprüfen. Ein weiteres Problem der sozialen Netzwerke ist, dass die Nutzer sich, in der Anonymität des Internets, anders verhalten und sie sich dadurch schneller und gewissensloser zu einem Thema äußern. Peter Torrijos [6]  formulierte das Phänomen im Jot Down Magazine [7]  wie folgt: „Wenn die Entindividualisierung eines der wichtigsten Merkmale der Anonymität ist, hat das Aufkommen von Web 2.0 das Phänomen beim Großteil der Bevölkerung aufgedeckt.“ In vielen Fällen unterbindet die Anonymität die Verantwortung  für das eigenes Handeln. Somit ist die Anonymität nicht positiv zu bewerten, sondern führt dazu, dass falsche Informationen und, die daraus resultierende Meinungen, schnell verbreitet werden. Diese Defekten  sind auch den traditionelleren Medien nicht unbekannt jedoch führt die Professionalität und Verantwortung der Journalisten, die bei Fernsehen, Zeitungen usw. arbeiten, zu einer höheren Garantie, dass keine Gerüchte, sondern Tatsachen verbreitet werden.

Eva Herrero-Curiel [8], Journalist und Psychologe an der Universität Carlos III Madrid (UC3M), denkt dass, die zirkulierenden Informationen von sozialen Netzwerken weniger zuverlässig sind, als die der traditionellen Medien. In einer Studie des UC3M sagt sie, dass “Plattformen wie Twitter, von Journalisten als Quelle von Informationen, sowie als Mittel zur Verbreitung ihrer Nachrichten verwendet werden”. Sie kommt auch zu dem Schluss [9], dass die Informationen aus Twitter der traditionell Journalistische Weg folgen müssen. Die Plattform ist, trotz vieler nutzloser Informationen, „ein fruchtbarer Boden, ein Rohstoff für Journalisten, der Auswirkungen auf die tägliche Arbeit enthalten kann“. Eva Herrero-Curiel identifiziert auch, dass dieses Phänomen von den Medien nicht unbemerkt bleibt und, dass sie einen Platz in sozialen Netzwerken suchen und für neue Geschäftsmodelle offen sind. Mit Bedenken denken die Medien über Styleguides nach, die Empfehlungen und sogar Standards für Wissen und ihre Nutzung von Social Media Journalisten gehören.  Jederzeit werdendie  Interessen und Bedürfnissen der Nutzer verfolgt und  die Form der Beteiligung in den Medien wird mit dem technischen Fortschritt ständig weiterentwickelt. Wenn diese Empfehlungen verfolgt werden, erhöhen sie die Zuverlässigkeit des Netzwerks und Verleumdungen, wie jene, die  Lord Alistair McAlpine  betraf, können sofort im Keim erstickt werden.


  1. http://sociedad.elpais.com/sociedad/2012/11/22/actualidad/1353599720_847000.html [Letzter Zugriff am 02.01.2014]
  2. http://www.youtube.com/watch?v=DlvUUls_hU0 [Letzter Zugriff am 02.01.2014]
  3. http://periodistaentwitter.wordpress.com/2012/04/21/twitter-es-una-fuente-de-informacion-fiable/  [Letzter Zugriff am 02.01.2014]
  4. http://internacional.elpais.com/internacional/2012/12/15/actualidad/1355526971_078860.html  [Letzter Zugriff am 02.01.2014]
  5. http://internacional.elpais.com/internacional/2012/12/15/actualidad/1355526971_078860.html  [Letzter Zugriff am 02.01.2014]
  6. http://www.jotdown.es/author/pedro-torrijos/ [Letzter Zugriff am 02.01.2014]
  7. http://www.jotdown.es/2013/03/el-troll-de-internet-y-la-paradoja-del-anonimato/ [Letzter Zugriff am 02.01.2014]
  8. http://www.2ip.es/wp-content/uploads/2012/11/Periodismo_nuevas_redes_sociales.pdf [Letzter Zugriff am 02.01.2014]
  9. http://www.pilarcarrera.es/imgs/jointheconversation.pdf [Letzter Zugriff am 02.01.2014]

[…]Wissen wer der Babo ist!…und der Verfall der deutschen Rechtschreibung!

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Die deutsche Rechtschreibung und somit das Medium der Sprache wird zum immer größeren Problem. Keiner weiß mehr was richtig oder falsch ist. Immer neue Reformen bringen Schüler und Lehrer aus dem Tritt. Doch nicht nur die Politik feilt an der Sprache, sondern auch das tägliche Leben. Es gibt sie als unveränderliche Institution, die zum Beispiel den Regeln der Grammatik gehorcht, aber auch als Tätigkeit, dem gesprochenen Wort, die sich stetig verändert. Sprache kann auch ein „Gradmesser der Integration“ sein.

Lauscht man so dem Text des Liedes „Chabos wissen wer der Babo ist!“ von Haftbefehl, versteht man zunächst nur Kauderwelsch. „Chabos wissen wer der Babo ist / Hafty Abi ist der der im Lambo und Ferrari sitzt / Saudi Arabi money rich / Wissen wer der Babo ist /Attention mach bloß keine Harakets […]“, lässt der 27-jährige Gangster-Rapper Aykut Anhan, alias Haftbefehl, am Anfang seines neuen Hits verlauten und überfordert damit jeden deutschen Duden. Der eigens kreierte Wortschatz setzt sich aus verschiedenen Sprachen und Markennamen zusammen. So  kann man aus „Lambo“, Lamborghini und aus dem Wort „Haraket“ so etwas wie das Wort „Faxen“, von dem türkischen Wort für Beleidigung, ableiten. Der Song und damit auch die Ausdrucksweise Anhans finden durch die Präsenz in den Medien deshalb nicht nur bei Gleichgesinnten, die sich mit der Lebenssituation von Haftbefehl identifizieren können, sondern beispielsweise auch an Schulhöfen von Gymnasien großen Anklang. Doch kann man den Verfall der deutschen Rechtschreibung nicht allein in die Schuhe von Gangster-Rappern mit Migrationshintergrund schieben.

Auch das deutsche Bildungssystem, bzw. das, was die Pädagogen heute daraus machen, sollte zur Verantwortung gezogen werden. So ist es, bis auf wenige Ausnahmen, den Schulen, oder aber auch den Lehrern selbst überlassen, wie den Kindern die deutsche Rechtschreibung näher gebracht werden soll. Aufgrund großer Unsicherheiten und mangelnder didaktischer Kenntnisse machen sich Praktiken breit, die eine wahre Anarchie unter den ABC-Schützen verbreiten. So zum Beispiel die Methode Jürgen Reichens, der die Kinder getreu seines Mottos „Lesen durch Schreiben“ nach ihrem eigenen Ermessen schalten und walten lässt. Anhand einer Lauttabelle setzen die Kinder eigenständig die Wörter nach ihrem Klang zusammen und produzieren Sätze wie: “Er sah auf, er nam den Stein, den dan Maden in er haud ligen hate. ,Ich hab noch mer steine zu hause.’“ (Er sah auf, nahm den Stein, den das Mädchen in der Hand liegen hatte. ,Ich habe noch mehr Steine zu Hause’“.) Sollten die Eltern besagten Kindes sich nun Sorgen über die Zukunft des Kindes machen, haben sie laut Reichen und seiner Mitstreiter keinen Anlass dazu, da es ja immer Kinder geben soll die etwas langsamer sind, jedoch nach und nach auf die richtige Fährte gelängen. Doch nach diesem Prinzip, keine Fehler anzustreichen und dem Unterricht keine Struktur zu geben, werden Lese- und Rechtschreibschwächen selten, später oder nie erkannt und die Kinder kämpfen mit ihrem Selbstwertgefühl. Von diesem Prinzip profitieren nur die ohnehin schon stärkeren Kinder und dem Rest fällt es schwerer den Anschluss nicht zu verpassen.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben,  Renate Valtin, spricht sich ganz klar gegen dieses Prinzip aus und fordert, das “Lesen durch Schreiben“ verboten wird. Nicht nur die deutsche Jugendkultur ist Schuld an den aktuellen Zahlen, dass die Generation unserer Eltern im Schnitt in einem Text mit 100 Wörtern neun Fehler weniger machte, sondern auch die fehlende Einheit im Bildungssystem, welche unerforschten Lehrmethoden den Weg ebnet und somit das Wirrwarr noch verstärkt.

Quellen:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90931340.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/rapper-haftbefehl-chabos-wissen-wer-der-babo-ist-12046385.html

http://www.songtextemania.com/chabos_wissen_wer_der_babo_ist_songtext_haftbefehl.html

Die neue Schlechtschreibung„, Rafaela von Bredow, Veronika Hackenbroch, S. 96-104, Spiegel Nr. 25, 17.06.2013, Hamburg

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WISSEN, wo’s herkommt…

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Viele kennen es, das Problem der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit wissenschaftlicher Texte. Da sitzt man nun vor einer Hausarbeit, einem Essay oder jedweder Form wissenschaftlichen Dokuments und denkt über das Sujet: „Mensch, darüber hab‘ ich doch mal irgendwo etwas gelesen…“. Dumm nur, wenn einem die Quelle nicht mehr einfällt oder man fälschlicherweise gar davon ausgeht, dieser famose Geistesblitz sei Produkt der eigenen Vernunft. (Letzteres – durchaus auch intendiert –  scheint ja offensichtlich gerade in Zeiten digitaler Nachprüfbarkeit des „eigenen“ geschriebenen Wortes ein nicht zu unterschätzendes Problem geworden zu sein; man bediene sich diverser Beispiele, wie die des Herrn K.T. von und zu G. oder einer gewissen Frau S.)

Hätten diese Herrschaften, die hier nur am Rande und in anonymisierter Weise erwähnt werden, sich doch einmal die Redaktion der Zeitschrift „ZEIT WISSEN“ zum Vorbild genommen, wäre ihnen wohl so manches erspart geblieben.

„ZEIT WISSEN“ ist ein vom Zeit-Verlag herausgegebenes Magazin, das sich auf Wissensfragen – wie der Name bereits suggeriert – spezialisiert hat und alle zwei Monate erscheint. So weit, so gut. Die eigentliche Neuerung besteht aber darin, dass man sich dazu entschlossen hat, die wichtigsten zu Rate gezogenen Quellen am Ende eines jeden Artikels preiszugeben, um dem Medium „[e]inen transparenteren und persönlicheren Charakter“ zu verleihen, wie Jan Schweitzer, Chefredakteur bei „ZEIT WISSEN“ verlauten ließ. Ferner sollen auch die Beweggründe der jeweiligen Autoren bekanntgegeben werden, indem man klarstellt, warum, wieso, weshalb, wann und wo welche Bücher gelesen, Studien ausgewertet, Experten ins Verhör genommen oder Datenbanken durchforstet wurden.

Dabei bleibt es allerdings nicht, denn multimediale Zeiten erfordern multimediale Mittel, und so kann der Leser seine Quellensuche im WWW weiterführen, denn dort sollen ab der nächsten, am morgigen Dienstag, 11.06.2013, erscheinenden Ausgabe, alle Quellen offengelegt werden. Des Weiteren verspricht sich die Redaktion von dieser „Vernetzung“ Online-Diskussionen von Lesern im Anschluss an die Artikel, vorrangig über die Quellen selbst und deren Qualität (oder eben deren Fehlen). Von einer potentiellen Kritikflut der Leserschaft hat man indes nicht viel Angst beim Zeit-Verlag, denn laut Schweitzer „hilft [sie], um das Heft noch besser zu machen“.

Vielleicht sehen dies nun gewisse Herrschaften – die hier ja nur am Rande und in anonymisierter Weise erwähnt werden – als Ansporn beim nächsten Mal auch ihre Quellen zu offenbaren, denn „ZEIT WISSEN“ geht mit gutem Beispiel und weitaus mehr Sympathiepunkten mit einer verkauften Auflage von 92.790 Exemplaren im ersten Quartal 2013 voran.

 

Quellen:

IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (2013): ZEIT WISSEN. URL: http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=1&u=&p=&detail=true. (08.06.2013).

Melzer, Melanie (2013): „Transparenter“ und „persönlicher“: „Zeit Wissen“-Redaktion veröffentlicht ihre Quellen. URL: http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/121612-transparenter-und-persoenlicher-zeit-wissen-redaktion-veroeffentlicht-ihre-quellen.html. (08.06.13).

Das Buch ist tot, lang lebe das Buch

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Das Buch ist eines der Medien, dem man im Zuge der Digitalisierung am ehesten prognostizierte, dass es wohl aussterben werde. Weit gefehlt. Nicht zuletzt, weil der Buchmarkt clever auf seine digitalen Konkurrenten reagiert hat. Die Antwort des Buchmarktes auf Kindl und Co. ist zwar als ein Umdenken im eigenen Format zu verstehen, aber es bezieht sich auch zurück auf die Buchkunst.

Die Gestaltung eines Buches ist gewiss eines der Merkmale, die ihm einem besonderes Status verleiht, ihm weiter dazu verhilft seinen Wert als Medium nicht zu verlieren oder diesen Wert neu zu definieren.

Der Wert eines Mediums manifestiert sich unter anderem durch seine Konsumenten und diese haben eben durch die Digitalisierung und alle damit einhergehenden Nebeneffekte einen anderen Anspruch entwickelt, auf die der Markt nun eingeht. So kann man seit längerem schon beobachten, dass Bücherläden ihre Schaufenster wieder mit aufwendigen Hardcovern schmücken und es in der Tat mehr Bücher gibt, deren Gestaltung weitaus glanzvoller ist als noch vor einigen Jahren.

Das Austerben eines Mediums an sich ist mitnichten das schlimmste Resultat der Digitalisierung, bedenkt man auch die Berufszweige, die synchron dazu verloren gehen. So sollten, neben dem Medium, also auch die handwerklichen Tätigkeiten rund um dieses fokussiert werden.

Dieser Aufgabe nehmen sich Wettbewerbe wie »Die schönsten deutschen Bücher« an. Sie sind als Institutionen  zu verstehen, die den gestalterischen und herstellerischen Möglichkeiten des Mediums Buch eine Bühne bieten. Indem sie diesbezügliche Spitzenleistungen auszeichnen, schaffen sie nicht nur eine Öffentlichkeit für das Medium, sondern sie honorieren auch die Arbeit an dem Medium.

»Die schönsten deutschen Bücher« wurden erst kürzlich prämiert. Ausgezeichnet wurden insgesamt 25 Titel aus je fünf Kategorien (»Allgemeine Literatur«, »Wissenschaftliche Bücher, Schulbücher, Lehrbücher«, »Ratgeber, Sachbücher«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher«). Die Bücher, die es in diese Auswahl der fünfundzwanzig schönsten Bücher schaffen, haben weiter die Chance als das schönste Buch prämiert zu werden. Außer dem Fame, den dieser Preis inne hat, ist er auch mit 10000 Euro dotiert.

Die Liste der Sieger-Titel und die prämierten Bücher lassen sich über den Internetauftritt Homepage der Stiftung Buchkunst einsehen.

Zum Weiterlesen und sich selbst ein Bild machen:
http://www.stiftung-buchkunst.de

Regenbogenpresse – Ein Selbstversuch

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Der Spiegel schreibt diese Woche über eine Mediengattung, die von der allgegenwärtigen „Medienkriese“ verschont geblieben zu sein scheint. Eine Mediengattung, von der ich zwar am Rande wusste, dass sie existiert, mit der ich mich aber noch nie befasst habe: Das sogenannte „Regenbogenblatt“. Viel darunter vorstellen konnte ich mir nicht, hatte nur die vage Idee, dass der Wahrheitsgehalt wohl noch fragwürdiger sein könnte als bei der BILD.

Laut Spiegel ist die Leserschaft der Heftchen 60+, weiblich und ihrem Blatt sehr treu, aber warum? Worum geht es in den Heften überhaupt? Bei einer kurzen Recherche im Internet findet sich nicht viel. Die meisten der Hefte haben keinen richtigen Internetauftritt, Google bietet mir in den ersten Treffern nur an Anzeigen aufzugeben. Hat das Heft eine Internetseite, so stammt die, wie im Fall der „Revue der Woche“ vom Verlag und deckt gleich mehrere Blätter ab.

Spontan habe ich mich also zum Selbstversuch entschlossen, bin in den nächsten Supermarkt und habe mir drei Exemplare gekauft (Preis für alle drei: 2,37 €). Im Zeitschriftenregal finden sie sich in der untersten Reihe, wo ich normalerweise nicht einmal hinschaue und es gibt unfassbar viele von ihnen. Auf den Titelseiten: Unvorteilhafte Fotos von Menschen die ich nicht oder nur aus der RTL-Werbung kenne. So schreibt zum Beispiel die „Revue der Woche“: „Die Geissens: Angst um ihre Töchter (Die Gefahr ist größer den je – Sie fordern das Unglück heraus)“ Im inneren der Zeitung stellt sich heraus: Die Kinder sind alleine Tretboot gefahren. Lebensgefahr! Und außerdem: Im zwei Stunden entfernten Marseilles („unweit von St. Tropez“) ist die Drogenkriminalität gestiegen. Entführungsgefahr!

Die „Super Freizeit“ schlägt eine etwas andere Richtung ein: „Alkohol-Drama“1 Carmen Geiss trinke zu viel und sei „aufgedunsen“, wie ein Vorher-Nachher Bild beweisen soll. Ich kann keinen Unterschied erkennen. Immerhin findet sich auch hier die „Entführungspanik“ wieder, auch wenn sie im Artikel nicht erwähnt wird.

Eingehender mit dem Thema Regenbogenpresse beschäftigt sich das Watchblog TopfVollGold (http://www.topfvollgold.de/), betrieben von zwei Journalistik-Studenten der TU Dortmund. Sie decken auf, wo die Wahrheit verdreht und geschummelt wurde. In einem Interview mit dem EJO (s. Quellen) geben sei zu bedenken, dass ein Teil der Leser die Geschichten aus den Regenbogenheften durchaus ernst nehmen.

 

1Mehr zum Thema „Drama“: http://www.topfvollgold.de/?p=2805

Quellen:

Kühn, Alexander und Maximilian Popp (2013): Simple Storys. In: DER SPIEGEL (21/2013). Hamburg. SPIEGEL- Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG S. 136

Grass, Karen (2013): Regenbogenpresse: „Die Macht wird unterschätzt“. European Journalism Obervatory. (17.05.2013) Dortmund. Erich-Brosius-Institut. URL:http://de.ejo-online.eu/9233/medienjournalismus/9233 (Aufgerufen am 22.05.2013)

Schönauer, Mats und Moritz Tschermark (2013): Topf Voll Gold. Dortmund. URL: http://www.topfvollgold.de/ (Aufgerufen am 22.05.2013)

Gippner, Steffen (Hrsg.) (2013): „Alkohol-Drama“. In: Super Freizeit (Nr. 6 Mai/Juni 2013). Hamburg. Bauer People GmbH. S. 7

Schuhmacher, Klaus (Hrsg.) (2013): „Angst um ihre Töchter“. In: Revue der Woche (Nr. 6 Juni 2013). Hamburg. Deltapark-Verlag Ltd. S. 6-7

 

Opfer der Mediengesellschaft oder 17,98 für die Luft

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Für allen soll es schon klar sein, dass hier geht es um den Rundfunkbeitrag. Und das Gesetzt, das von Anfang an als Entlastung dienen sollte, ist für einige Leute eine große Belastung.  Alle müssen den Beitrag zahlen egal wo sie wohnen und welche Rundfunkgeräte (egal ob überhaupt irgendwelche) sie haben. Ja, eine super Idee des Beitragsservices um Zeit für die Überprüfung zu sparen und mehr Geld kassieren: „Aus Düsseldorf wird eine Erhöhung von 20.000 auf 150.000 oder 200.000 Euro pro Jahr gemeldet, aus Stuttgart eine von 67.000 auf 150.000, aus München ein Anstieg von 60.000 auf 350.000 Euro.“(das ist nur von Kommunen) 1

Vorher musste man den Beitrag pro ein Rundfunkgerät zahlen, und für einige große Familien das war richtige Belastung.  (Aber wenn eine Familie 3 Fernsehen, 2 Laptops und 3 Radios erledigen kann, muss auch in Zustand sein einen Beitrag zahlen!) Jetzt ist es egal wieviel Rundfunkgeräte man hat.  Was hier besonders einfällt– das Computer, Laptop und sogar Smartphone sind auch Rundfunkgeräte. Ja, klar, man kann auch mithilfe eines Smartphones Radio hören usw. aber man muss das nicht unbedingt tun, es wird nicht mit diesem Ziel gekauft. In eine Mediengesellschaft muss man jetzt zahlen nicht nur für Dienstleistungen und Waren, aber auch für die MÖGLICHKEIT etwas benutzen, sehen oder hören. Und was ist mit den Leuten die gar keine Fernsehens, Radios, Laptops oder kein Internetzugang und Smartphones haben?! Ja, solche existieren auch, aber leider nicht für ARD, ZDF Beitragsservice. Die Losung lautet: „Einfach für alle“. So einfach ist es leider nicht. Beitragsservice fordert den Beitrag von Bürgern, deren Einkommen unter dem Existenzminimum liegt (mehr darüber 2 ).

Jetzt kommt die Frage wofür wir eigentlich zahlen müssen. ARD, ZDF Beitragsservice gibt keine richtige Erklärung. Jetzt kassiert das Beitragsservice viel mehr Geld als GEZ früher, und was passiert mit dem Geld? Das ist auch eine interessante Frage. Ich hätte nichts dagegen wenn die Gesetzänderung zu einer besseren Qualität des Fernsehens und Radios führte. Wenn es wenige Werbung  und mehr erkenntnisreiche Sendungen gäbe, das würde ich gerne bezahlen.  Hat aber jemand die Veränderungen bemerkt?  Die einzige Veränderung ist nur das: einige,  die schon haben,  bekommen noch mehr und andere müssen das Letzte abgeben. So ist die moderne Mediengesellschaft—viele Möglichkeiten und sehr wenig Menschlichkeit.

 

1.Hanfeld, Michael: Rundfunkbeitrag. Elfmal mehr für die Kitas. FAZ.net.  31.01.2013. http://www.faz.net/aktuell/rundfunkbeitrag-elfmal-mehr-fuer-die-kitas-12046235.html (abgerufen 13.05.2013)

2. Hanfeld, Michael: Rundfunkbeitrag. Alle müssen zahlen. Ganz einfach. FAZ.net.   12.04.2013 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rundfunkbeitrag-alle-muessen-zahlen-ganz-einfach-12147046.html (abgerufen 13.05.2013)

 

 

Youtube und das Fernsehen

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Legale Videostreamingdienste wie Netflix, der sich in den Staaten großer Beliebtheit erfreut, oder gestartete Ableger in Deutschland wie etwa Watchever und Lovefilm, geben dem Konsumenten einen Vorgeschmack, wie das Fernsehen der Zukunft aussehen könnte. Man zahlt einen monatlichen Beitrag, dafür hat man Zugang zu etlichen Serien und Filmen, ähnlich wie es Spotify für die Musik tut. So ist es beispielsweise möglich sein eigenes TV-Programm zu erstellen. Werbung bzw. Werbeblocks würden hinfällig werden, sofern die monatlichen Abogebühren des Konsumenten den Dienst rentabel halten.

Durch die Einführungen der Youtube-App auf jeder aktuellen Konsole und vielen TV-Geräten selbst, dringt auch Youtube immer mehr in dieses Territorium vor. Das Image der Spaß- & Katzenvideos haftet zwar Youtube noch an, aber ganz zutreffend ist es heutzutage nicht mehr. Die Produktionen wurden in den letzten Jahren immer professioneller, was nicht nur mit den immer bezahlbareren und besseren Videokameras, die heutzutage alle HD-Auflösungen unterstützen, zu erklären ist, sondern auch mit dem Partnerprogramm von Youtube selbst, bei dem die Produzierenden von den Youtube-Werbeeinnahmen beteiligt werden können. Neben dem wohlmöglichen Verlangen sich im Netz kreativ auszutoben, stieg dadurch auch der Reiz etwas vom Kuchen abzubekommen. Diese Entwicklung möchte das weltweit größte Videoportal nun weiter ausbauen.

Vor kurzem startete Youtube in Amerika eine neue Funktion, die in unseren Landen derzeit noch nicht verfügbar ist. So gibt es nun bezahlbare Abonnements für bestimmte Kanäle. In der Praxis können somit bestimmte Kanäle erst dann angesehen werden, wenn man für diese den jeweiligen monatlichen Betrag zahlt. Neben dem bereits gestarteten Youtube-Angebot „Movies“, bei dem man Spielfilme in voller Länge ansehen kann, sowie offizielle Kanäle von dem Dienst selbst, versucht diese neue Funktion das „Niveau“ der Plattform weiter anzuheben. Zugleich dient es auch als neue Einnahmequelle. Ob eine weitere „Professionalisierung“ mit der Einführung von kostenpflichtigen Kanälen gelingt und ob die Konsumenten bereit sind für bestimmte Kanäle Geld zu zahlen, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Quellen:

Handelsblatt (2013):  Youtube will Bezahlkanäle starten. URL: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/internetfernsehen-youtube-will-bezahlkanaele-starten/8186370.html (12.05.13)

 
heise online (2013): Netflix mit starken Zuwachs dank „House of Cards“. URL: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Netflix-mit-starkem-Zuwachs-dank-House-of-Cards-1848186.html (12.05.13)

Unterschichtenfernsehen: Wieso schauen wir es?

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Alle Jahre wieder schafft es RTL mit dem Dschungelcamp etliche Millionen Deutsche vor den Fernseher zu versammeln. Sie ergötzen sich an den Spannungen in der Gruppe, die Gespräche über Gott und die Welt und natürlich über die Prüfungen, die ohne Ekel in der Regel nicht auskommen können.

Im Prinzip handelt sich bei „Ich bin ein Star holt mich hier raus!“ nur um ein weiteres Format der umgangsprachlich genannten Kategorie „Unterschichtenfernsehen“, nur aufwendiger, professioneller, größer und mit mehr oder weniger bekannterer Besetzung und reiht sich perfekt in das restliche Programm von RTL ein, das diese Art der Unterhaltung schon fast inflationär ausstrahlt. So sollte man zumindest denken, aber in der Realität sieht es ganz anders aus. Deutschland liebt seine Promis im Dschungel. RTL lacht sich ins Fäustchen, denn satte 4,32 Mio. der 14- 19-Jährigen schauten sich die Show am 15.1.2013 an, was einen Marktanteil von 46,7 % entspricht.

Aber was ist es, was die Deutschen an Shows wie besonders „IBES“ so toll finden? Wieso erstreckt sich dieser Virus des „Unterschichtenfernsehen“ durch fast die vollständige Deutsche Fernsehlandschaft und nimmt dabei den Platz für eventuell interessantere Formate weg? Und wann werden wir davon endlich überdrüssig?

Ab und zu denke ich mir, was ein Tourist, der in Deutschland Urlaub macht, wohl über uns denkt, wenn er ein wenig Fernsehen schaut. Das bereitet mir fast ein wenig Sorge.

Gerne würde ich wieder einen vernünftigen Grund haben, um auf meiner Fernbedienung die Tasten für die privaten Sender zu drücken, um dort „gute“ & selbstproduzierte Serien zu sehen, aber davon sind wir gerade weit entfernt. Stattdessen gibt es etliche schnell und günstig produzierte Formate. Schade.

 

Quellen:

Meedia.de (2013): „Ich bin ein Star“ ist auf Rekordkurs URL: http://meedia.de/fernsehen/ich-bin-ein-star-auf-rekordkurs/2013/01/16.html (abgerufen: 20.01.2013)

Sprachschützer küren „Schlagzeile des Jahres“ … so what?

geschrieben von in Allgemeines, QualitätKommentare deaktiviert für Sprachschützer küren „Schlagzeile des Jahres“ … so what?

Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) hat die Schlagzeile des Jahres gekürt. Die Jury, bestehend aus dem Vereinsvorsitzenden Walter Krämer, sowie Journalisten und Sprachwissenschaftlern, wählte aus 96 eingegangenen Vorschlägen, die Schlagzeile „Politik. Macht. Einsam“ aus dem Stern (Ausgabe 43/2012) zu ihrer Nummer 1. Die Schlagzeile leitete einen Bericht über Linken-Politiker Gregor Gysi ein und fasse laut Jury „besser als mancher langer Text zusammen warum Politik tatsächlich einsam macht.“

Laut VDS-Homepage gibt es scheinbar nur zwei Kriterien für ihre persönlichen Schlagzeilen des Jahres: „Einmal dafür, dass sie das Wesentliche eines Beitrags in wenigen Worten zusammenfassen, und zweitens für ihre kreative Nutzung des wortspielerischen Reichtums, über den die deutsche Sprache nicht weniger als andere verfügt.“ Leider funktionieren diese Kriterien allerdings nur zusammen, wenn man sich auf die unterhaltenden Darstellungsformen des Journalismus beschränkt.

Sprachliche Kreativität ist im Geschäft der harten Nachrichten nicht wirklich gefragt, sondern zuverlässige und präzise Informationen für das Publikum. Und so haben es auch nur Schlagzeilen in die Liste geschafft, die mal mehr und mal weniger kreativ mit Sprache spielen, das aber auch tun können, weil der inhaltliche Schwerpunkt entweder z.b. mehr auf bunten Themen lag oder es sich dabei um Kommentare handelte. Wie auch immer, in jedem Fall konnten die Erzeuger der Schlagzeile nur kreativ werden, weil es Inhalt, Darstellungsform, das Image und die Eigenschaften des jeweiligen Mediums (darunter auch BILD, Deutsche Bahn mobil [???], test-Zeitschrift) erlaubte.

Die Kritik gilt hier nicht den Schlagzeilen-Erzeugern sondern der undifferenzierten Wahl zur Schlagzeile des Jahres daselbst. Hier wäre wenigstens eine Einordnung in Kategorien wünschenswert. Zudem kann eine Schlagzeile auch nicht entkoppelt vom zugehörigen Text und ohne Betrachtung seiner Qualität bewertet werden. Was bringt mir denn eine kreative Schlagzeile wenn der Beitrag an sich nicht lesenswert ist.

Aber bei der Wahl zur Schlagzeile des Jahres geht es ja anscheinend weniger um journalistische Qualität. Es geht um das Hauptziel des VDS, die deutsche Sprache, die ja „[…| nicht weniger zur Nutzung ihres wortspielerischen Reichtums als andere Sprachen geeignet ist […], vom Einfluss der angloamerikanischen Sprache (sie schwächt laut Leitlinie des VDS die sprachliche und kulturelle Eigenständigkeit der europäischen Länder) zu beschützen. Um dieses Ziel zu erreichen veranstaltet der VDS also eine Wahl zur Schlagzeile des Jahres deren einziges und wichtigstes Kriterium die Emanzipation der deutschen Sprachkultur von der englischen Sprache zu sein scheint.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Schlagzeile „Kampf dem organisierten Versprechen: Ein deutscher Professor tadelt die Sprachpanscher“ aus dem Hamburger Abendblatt auf Platz 6 landet. Besagter Professor, der in dem Beitrag die Sprachpanscher tadelt ist nämlich, wer hätte es gedacht: Walter Krämer, der Vorsitzende des VDS.

Die taz beschwerte sich zudem in ihrem Hausblog, dass die Schlagzeile auf Platz 2 des VDS-Rankings „Biosprit: Essen auf Rädern“, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zugeschrieben wird. Die taz hätte sie schon einen Tag vorher auf Seite 1 gehabt. Schlecht recherchiert? Egal, um Journalismus geht es bei der Wahl ja nicht. Sie dient dem VDS nur als Vehikel für eine Pressemitteilung um mediale Aufmerksamkeit zu generieren und ist somit reiner Selbstzweck und nicht ernst zu nehmen.

 

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Ein Lehrbeispiel: So schnell kann man das Vertrauen in eine Institution wie die BBC zerstören.

geschrieben von in Fernsehen, Nachrichten, QualitätKommentare deaktiviert für Ein Lehrbeispiel: So schnell kann man das Vertrauen in eine Institution wie die BBC zerstören.

Die BBC steckt mitten in einer ihrer größten Krisen und wird aus dieser vermutlich so schnell auch nicht mehr herauskommen. Der Grund: Reportagen in der bekannten Nachrichtensendung „Newsnight“, Geheimhaltung der Kindesmissbräuche eines Moderatoren und falsche Missbrauchsvorwürfe gegen einen Politiker.

Bereits vor einigen Wochen war herausgekommen, dass die BBC jahrelang von den Machenschaften ihres beliebten Moderators Jimmy Savile gewusst und diese bewusst verschwiegen und verschleiert hatte. Es wird sogar angenommen, dass eine Reportage, die für die große BBC-Nachrichtensendung „Newsnight“ geplant war und in der die Wahrheit über Savile ans Licht kommen sollte, von oberster Stelle gestoppt wurde. Stattdessen wurde der Entertainer weiter in den höchsten Tönen gelobt, nachdem er im vergangenen Jahr gestorben war.

Savile, der unter anderem auch Kindersendungen moderierte, soll über Jahre hinweg 300 junge Menschen missbraucht haben, zum Teil sogar in BBC-Studios.

Nun gab es einen zweiten Skandal. Am zweiten November wurde in der „Newsnight“ ein Bericht über Misshandlungen von Kindern in walisischen Waisenheimen in den 70-er und 80-er Jahren ausgestrahlt. Ein Opfer dieser Misshandlungen, Steve Messham gab an, unter den Tätern sei auch ein hochrangiger Tory-Politiker gewesen. Obwohl in der Sendung keine Namen genannt wurden, tauchten unmittelbar danach im Internet Vorwürfe gegen Lord Alistair McAlpine auf, Schatzmeister unter Margaret Thatcher, die sich später als falsch herausstellten.

In der Folge dieser Ereignisse verkündete der Generaldirektor und Chefredakteur der BBC, George Entwistle, am vergangenen Samstag seinen Rücktritt. Drei weitere namhafte Journalisten, Nachrichtenchefin Helen Boaden, ihr Stellvertreter Steve Mitchell sowie der Chef der Investigativ-Abteilung, Iain Overton, legten am Montag ihre Ämter nieder.

Man fragt sich, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Die BBC ist ja schließlich kein Niemand. Die British Broadcasting Corporation wurde bereits 1922 gegründet und ist die weltweit größte öffentliche Sendeanstalt. Anders als beispielsweise in Deutschland haben die privaten Sender in Großbritannien deutlich weniger Einfluss; die BBC dominiert den Markt mit je 10 nationalen (englischen) Fernseh- und Radiosendern, nationalen Fernseh-und Radiodiensten für Wales, Schottland und Nord-Irland, 40 lokalen Radiostationen und einem großen Online-Angebot.

Die BBC, von den Briten liebevoll auch „Tantchen“ genannt, ist in Großbritannien also quasi das Nonplusultra.

Ein solcher Skandal passt da natürlich gar nicht zu dem Bild, das die Öffentlichkeit von der Sendeanstalt hat, und erschüttert umso mehr, als die BBC sonst für für ehrlichen, wahrheitsgetreuen Journalismus steht.

Generaldirektor Entwistle sagte jedoch aus, er habe weder von dem Inhalt der unterbundenen Reportage über Savile, noch von den Enthüllungen in der „Newsnight“-Ausgabe des 2. November gewusst  – und das ist untragbar für einen jeden Chefredakteur.  Entwistle ist maßgeblich dafür verantwortlich zu machen, dass das Vertrauen der Briten in die BBC stark zerstört ist. Der Rücktritt von „incurious George“, wie er bereits genannt wird, war die einzig logische Konsequenz.

Dieses Vertrauen zurückzugewinnen, hat jetzt oberste Priorität. Gelingen kann dies nur mit viel Ehrlichkeit und einer umfassenden Aufarbeitung der Vorfälle. Entwistles Nachfolger muss jetzt dafür Sorge tragen, den Ruf der BBC wiederherzustellen – eine schwierige Aufgabe.

 

Quellen:

At a glance. http://www.bbc.co.uk/aboutthebbc/insidethebbc/whoweare/ataglance/ (16.11.2012)

Kielinger, Thomas (2012): BBC steht für Blamage. http://www.morgenpost.de/printarchiv/panorama/article110911455/BBC-steht-fuer-Blamage.html (16.11.2012)

Thomas, Gina (2012): Die Tante des Clowns hat nichts mehr zu lachen. http://www.faz.net/aktuell/ruecktritt-des-bbc-generaldirektors-die-tante-des-clowns-hat-nichts-mehr-zu-lachen-11957522.html (16.11.2012)

Spiegel Online (2012): BBC-Nachrichtenchefin gibt auf. http://www.rp-online.de/panorama/ausland/bbc-generaldirektor-entwistle-tritt-zurueck-1.3064131 (16.11.2012)

 

125,3 Elektronenvolt, aber was hat das mit Gott zu tun?

geschrieben von in Allgemeines, Printmedien, QualitätKommentare deaktiviert für 125,3 Elektronenvolt, aber was hat das mit Gott zu tun?

Der 4. Juli 2012 versetzte die Welt der modernen Physik in einen Aufruhr, der weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaushallte. Am CERN, dem Europäischen Institut für Kernforschung in der Schweiz wurde ein neues Elementarteilchen mit der Masse 125,3 Elektronenvolt (ca. 10^-25 kg) entdeckt. Diese Meldung dürfte für Nicht-Physiker zunächst mal recht unspäktakulär sein, schließlich wird doch ständig irgendwo irgendwas entdeckt. Allerdings stellte sich bald heraus, dass es sich bei dem gefundenen Teilchen höchst wahrscheinlich um das berühmte Higgs-Boson handelte. Dieses Higgs-Boson, benannt nach seinem Quasi-Entdecker Peter Higgs zeichnete sich bislang vor allem dadurch aus, dass es noch nicht gefunden wurde. Seine Existenz war theoretisch nachgewiesen, einzig der tatsächliche physische Beweis fehlte als letzter Baustein zur Verifizierung der derzeit als gültig betrachteten physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Gut 40 Jahre lang mühten sich Physiker in aller Welt nun das Higgs-Boson nachzuweisen, was lange Zeit als nicht gerade aussichtsreiches Unterfangen galt. 1993 wollte nun der Physiker Leon Ledermann ein Buch über das Higgs-Boson veröffentlichen, unter dem schönen Titel „The Goddamn Particle“, was sich auf die frustrierenden Versuche beziehen sollte, das Higgs-Boson aufzuspüren. Leider war dieser Titel dem Verlag ein bisschen zu offensiv, weshalb man „damn“ kurzerhand aus dem Titel strich. Übrig blieb „The God Particle“ und dies ist für eine Entdeckung wie die Gestrige ein Schlagwort wie es sich die Vertreter der publizistischen Medien nicht schöner hätten ausdenken könnten.

Darum wimmelte es gestern in sämtlichen Zeitungen, Onlineblogs, Nachrichtensendungen usw. vom „Gottesteilchen“. An vorderster Front (im deutschsprachigen Raum) wie üblich die Bild, die mit „Gottesteilchen“ um sich feuert als hätte sie einen Werbevertrag für diesen Modeausdruck, doch auch Blätter wie der Spiegel, die FAZ, der Stern, die Welt und viele andere geizten nicht mit dem Gottesvergleich. Dies mag auf den ersten Blick verständlich sein, denn wahrscheinlich kann der Durchschnittsleser alleine mit dem Titel „Higgs-Boson“, geschweige denn mit den genannten Massezahlen nicht gerade viel anfangen. Um eine wichtige Nachricht zu verbreiten braucht man eben einen zumindest wichtig-klingenden Titel, und da kommt „The God Particle“ gerade recht. Entschließt sich der geneigte Leser dann jedoch einen näheren Blick auf die jeweiligen Artikel zu werfen, bleibt der Gottesbezug meist auf der Strecke. Die Erklärungsversuche für diese Titulierung beschränken sich entweder auf „weil das Teilchen so wichtig ist“ oder auf die noch spartanischere Variante „weil es eben so genannt wird“. Bloß von wem? Von den Physikern in CERN? Tatsächlich sind es nur die Medien selbst, die diese Bezeichnung benutzen und etabliert haben. Ob man sich daran nicht erinnern kann oder es lieber garnicht will sei einfach mal dahingestellt. Was bleibt ist eine bewusste Irreführung der Leser zugunsten der Prägnanz, denn mit Gott hat das Higgs-Boson herzlich wenig zu tun.

 

Bild.de:“ Gottesteilchen entdeckt!“ http://www.bild.de/news/ausland/cern/gottesteilchen-entdeckt-25001752.bild.html (Abruf am 05.07.2012)

Freistetter, Florian: „Liebe Medien: Das Higgs-Boson ist kein „Gottesteilchen“!“ http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/liebe-medien-das-higgs-boson-ist-kein-gottesteilchen.php (Abruf am 05.07.2012)

Spiegel Online: „Physiker feiern Durchbruch bei der Gottesteilchen-Suche“ http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/higgs-boson-cern-gibt-entdeckung-von-teilchen-am-lhc-bekannt-a-842478.html (Abruf am 05.07.2012)

Sueddeutsche.de: “ „Danke, Natur“ “ http://www.sueddeutsche.de/wissen/higgs-teilchen-entdeckt-danke-natur-1.1401966 (Abruf am 05.07.2012)

Faz.net: „Gottes-Teilchen: Higgs-Boson entdeckt?“http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-chemie/gottes-teilchen-higgs-boson-entdeckt-11807864.html (Abruf am 05.07.2012)

Stern.de: „Jubel bei der „Gottesteilchen“-Suche“ http://www.stern.de/wissen/kosmos/hinweis-auf-higgs-boson-jubel-bei-der-gottesteilchen-suche-1851063.html (Abruf am 05.07.2012)

Spaß und Tränen vor dem Spiel

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medienkritik, Online-Magazine, Qualität1 Kommentar »

Wer hat sie nicht gesehen, diese zwei prägnanten Szenen während der Live-Übertragungen des Vorrundenspiels Niederlande:Deutschland (13.6.; ZDF) und des Halbfinales Deutschland:Italien (28.6.; ARD)?

Zur Erinnerung:

Im Vorrundenspiel Niederlande:Deutschland am Mittwoch, den 13. Juni 2012, wird in der 22. Minute auf einmal eine Szene vom Spielfeldrand gezeigt, in der Bundestrainer Joachim Löw von hinten auf einen Balljungen zuschlendert, diesem spielerisch den Ball aus dem Arm stupst, dem Balljungen daraufhin mit einem Lächeln auf die Schulter klopft und ihm anschließend den Ball per Hacke zurück kickt [1, 2]. Dieses kurze Intermezzo sorgte wohl vor zahlreichen Leinwänden und Bildschirmen für allgemeine Belustigung, zeigten diese Bilder doch gänzlich unerwartet einen überaus entspannten Bundestrainer, der seine Scherze treibt, während seine Mannschaft auf dem Platz um wichtige Punkte kämpft. Der Überraschungseffekt der Szene war pointiert.

Im Halbfinale Deutschland:Italien am Donnerstag, den 28. Juni 2012, schießt Mario Balotelli das für deutsche Fans erschütternde 2:0 für Italien. Es folgt eine Großaufnahme ins Publikum, genauer auf eine Frau – unverkennbar in den Farben Deutschlands -, der bei unbewegter Miene eine einzelne Träne aus dem Augenwinkel über die Wange kullert [3]. Dieses emotional stark aufgeladene Bild spricht vielen Fans aus der Seele und ruft Mitgefühl hervor – und passte in diesem Moment perfekt.

Zu perfekt vielleicht? Ja, laut der Berichterstattung von FOCUS Online vom 15., 16. und 30. Juni 2012 [1, 2, 3]. In drei Artikeln wird von den Hintergründen dieser zwei Szenen berichtet, die beide jeweils vor den entsprechenden Spielen stattgefunden haben und von der UEFA möglichst wirkungsvoll an den genannten Stellen in die Bilder der Live-Übertragung montiert worden sein sollen [2, 3]. ARD und ZDF echauffieren sich über diese, wenn auch nur kurzweilige, Aussetzung gesetzter journalistischer Standards, und fordern: „Wo live drauf steht, muss auch live drin sein.“ [2]

Ein klassischer Fall der Konstruktion einer Medienrealität, scheinbar frei nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht.“. Doch wenn solche Methoden lediglich aufgrund einer effektiveren Dramaturgie in die Medien Einzug erhalten, was soll uns zukünftig dann noch erwarten? Darf man der Bildschirmnotiz „live“ fortan wirklich noch Glauben schenken? Muss man nun jede ausgestrahlte Sekunde TV-Programm bzgl. ihres Wahrheitsgehaltes hinterfragen?

Die Verantwortung für die Montage während der zwei EM-Spiele scheint bisher noch nicht geklärt [2]. Doch ob es nun der Regisseur allein, die Produktionsfirma oder gar die UEFA an sich gewesen sei – von welchem Interesse mag das am Ende noch sein, wenn eine derartige Verzerrung der Realität gang und gäbe würde?

 

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[1] FOCUS Online (15. Jun 2012, 10:04 Uhr): Jogi Löw scherzt mit einem Balljungen. Uefa-Fake sorgt für Verwirrungen. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/kultur/medien/jogi-loew-scherzt-in-der-22-minute-mit-einem-balljungen-uefa-fake-sorgt-fuer-verwirrungen_aid_767595.html ; [30. Jun 2012, 3.57 pm].

[2] FOCUS Online (16. Jun 2012, 9:31 Uhr): Joachim Löw und der Balljunge. ZDF beschwert sich bei Uefa über falsche Bilder. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/joachim-loew-und-der-balljunge-zdf-beschwert-sich-bei-uefa-ueber-falsche-live-bilder_aid_767948.html ; [30. Jun 2012, 3.59 pm].

[3] FOCUS Online (30. Jun 2012, 12:35 Uhr): EM-Halbfinale Italien gegen Deutschland. Uefa montiert Tränen über Balotellis Treffer. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/beim-halbfinale-italien-gegen-deutschland-uefa-montiert-traenen-ueber-ballotellis-tor_aid_775227.html ; [30. Juni 2012, 4.00 pm].

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We Love To Entertain You

geschrieben von in Medienkritik, Medienwandel, Qualität4 Kommentare »

Eine wichtige Quelle für Medienwissenschaftler, um sich über Veränderungen der Medienangebote auf dem laufenden zu halten, ist das Kölner Institut für empirische Medienforschung.
Eine Programmanalyse von 2011 offenbart nun, dass die Sendergruppe ProSiebenSat.1 an der Grenze dazu steht, ihre Lizenz als Vollprogramm halten zu können.

Ein Vollprogramm ist laut dem 2. Rundfunkstaatsvertrag „ein Rundfunkprogramm mit vielfältigen Inhalten, in welchem Informationen, Bildung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogramms bilden“, eine deutliche Unterscheidung zu den Spartenprogrammen.

Information und Bildung, damit scheinen sich sowohl ProSieben als auch Sat.1 schwer zu tun. Laut der Programmanalyse 2011 ging der Informationsanteil bei ersterem von 15,8 % (2009) auf 9,5 Prozent zurück. Sat.1 hat immerhin noch einen Anteil von 18,6% vorzuweisen.
Vergleicht man dies jedoch mit RTL (22%) oder dem ZDF (47%), so ist dieser Anteil keineswegs zufriedenstellend.
Besonders schockierend ist vor allem, dass ProSieben mehr als die Hälfte des Informationsangebotes mit der Sendung Galileo abdeckt. Auf Nachfrage, wie viele Journalisten überhaupt noch für den Bereich Nachrichten oder insgesamt den Sender arbeiten, wurden vom Konzern keine Angaben veröffentlicht.

Die ersten, die nun darauf reagieren, ist die Landesmedienanstalt Saarland, die in einem Prüfungsverfahren Sat.1 die Zustimmung für neue Lizenzen versagte, aufgrund der Defizite im Bereich eines Vollprogramms.

Die ganze Sache wird dadurch verkompliziert, dass durch heutige Formate nicht mehr eindeutig zwischen Information und Unterhaltung zu trennen ist. Wo ist die Sendung „Wer wird Millionär?“ einzuordnen? Besitzt „Teeniemütter in Not!“ wirklich einen Informationsanteil?
Einigen mag dies schon gar lächerlich vorkommen, doch die Sender selbst sehen hier deutlich einen informativen Charakter für die Bevölkerung vorliegen.
Die harte politische Berichterstattung wird somit gekonnt immer weiter aus dem Programm verdrängt und trotzdem werden fleißig weiter Lizenzen vergeben.

Hier kann man sich nur noch die Frage stellen, ob das Privatfernsehen, wie es aktuell existiert, überhaupt noch mit „klassischem Journalismus“ zusammenpasst und ob es nicht an der Zeit wäre, gegen das Verdrängen der Information juristische Maßnahmen zu ergreifen.

Quellen:

Lenders, Wolfgang (2012): Tutti Frutti. in: journalist. 6/2012. S. 8.

http://www.ifem.de/

 

Achtung! Hier kommt ein Skandal! (Vielleicht.)

geschrieben von in Medienkritik, Printmedien, Qualität, ZeitschriftenKommentare deaktiviert für Achtung! Hier kommt ein Skandal! (Vielleicht.)

„Bild der Frau“, „Frau mit Herz“, „Frau ohne Herz“, „die aktuelle“, „7 Tage“ – wer wissen will, was in der Welt der Promis, der Schönen (und oft Reichen) gerade abgeht, der wird sie kennen, die Zeitschriften mit dem großen Klatsch-Content. Ihre Daseinsberechtigung ziehen sie nicht unbedingt aus dem beiliegenden TV-Programm, sondern vielmehr aus der Enthüllung von skandalösen Vorfällen in europäischen Königshäusern, von denen sonst nie jemand etwas mitbekommen hätte. Und eigentlich auch niemand mitbekommen muss.

Der Autor Stefan Niggemeier führt auf seinem Blog eindrucksvoll vor, was hinter den oftmals so reißerischen Titelschlagzeilen dieser Klatschzeitschriften steckt – nichts als heiße Luft. Mit aufgeblasenen Titeln werben die Blätter am Zeitschriftenstand um Leserinnen, versprechen ihnen den skandalösesten Skandal aller Skandale und tun am Ende doch nichts anderes, als die Käufer in die Irre zu führen.

Niggemeier erklärt das System der Klatschblätter am Beispiel der „aktuellen“ vom 28. April:

»Oh nein! Samuel Koch: Dramatischer Sturz aus dem Rollstuhl!« bedeutet, dass Koch in seiner gerade erschienenen Autobiographie unter anderem auch beschreibt, wie er einmal aus seinem Rollstuhl gefallen ist.

Und »Also doch! Nicolas Sarkozy & Carla Bruni: Steht ihre Ehe vor dem Aus« hat den faktischen Hintergrund, dass Sarkozy die erste Runde der Präsidentschaftswahlen verloren hat und die »aktuelle« sich nicht vorstellen kann, dass die Bruni mit einem Verlierer zusammen sein will.

Dieses Vorgehen ist nicht nur aus medienethischer Sicht ziemlich perfide, es birgt auch interessante Fragen zum Umgang der Medien mit Sprache. Die Sprache ist ein zentrales Element aller Medien, ohne sie sind Medien undenkbar. Gerade Journalisten sollten sich darüber im Klaren sein, was sie mit Worten bewegen können und wie viel Macht tatsächlich hinter einem Text, einer Schlagzeile steckt. Sie sollten Sprache nicht nur als reines Werkzeug einsetzen, sondern auch als ihr wichtigstes Gut betrachten, mit dem sie Öffentlichkeit herstellen und lenken können.

Besagte Klatschblätter wissen natürlich ganz genau, was sie tun, wenn sie wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten machen: Sie wollen verkaufen, sie müssen es sogar. Je reißerischer der Titel, je aufregender und vielversprechender die Schlagzeile, desto besser der Absatz. Aber sie übersehen dabei, welchen Effekt sie damit auf Dauer bei ihren Lesern auslösen könnten: Den Verlust ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit.

Dem Großteil der Käufer dürfte es vielleicht nicht auffallen, dass sich der im Titel angekündigte „Skandal“ um Nicolas Sarkozy im Heft plötzlich in nichts auflöst. Dazu verpacken die „Journalisten“ der Klatschblätter ihre Storys zu professionell. Doch irgendwann bleibt bei dem einen oder anderen vielleicht doch mal der Gedanke hängen, dass an den Titelstorys irgendwie nie wirklich was dran ist.

Ob sich die Macher von „Frau mit Herz“ & Co darüber Gedanken machen, darf angesichts der konsequent durchgehaltenen Täuschung ihrer Kunden eher bezweifelt werden. In Verlagskreisen regiert die Kurzsichtigkeit mit eiserner Hand, wie es scheint. Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack bei jeder „Schlagzeile“. Und die Frage, wo echter Journalismus aufhört. Manche Redaktionen, so scheint es, haben die Grenze längst überschritten.

Und es nicht bemerkt.

 

Wie die Medien zitieren

geschrieben von in Medienkritik, Medienwandel, QualitätKommentare deaktiviert für Wie die Medien zitieren

Bin gerade im graphitti-blog auf eine schöne Grafik gestoßen, die recht gut wiedergibt, wie in den Massenmedien mit Internetquellen umgegangen wird.

OK. Das ganze ist nicht ganz ernst gemeint. Und  Quellenangaben in Medien mit Quellenangaben beim wissenschaftlichen Arbeiten zu vergleichen hinkt auch ein bisschen. Aber tendenziell trifft das Ganze einen wahren Kern. Denn die Quellen Youtube oder Internet sind ungefähr so aussagekräftig, als würde man schreiben „Quelle:  Öffentlichkeit“, „Quelle: Zeitung“ oder ähnliches.  Vermutlich dienen die Quellengaben „Internet“ oder „youtube“ auch eher dazu, zu unterstreichen, dass man sich nicht der Authentizität verpflichtet.  Ich persönlich fände ja, dass es nicht nur weniger lächerlich wirken würde eine richtige Quelle anzugeben, sondern dem Rezipient auch eine Möglichkeit geben würde, sich selber ein Bild von der Gesamtquelle zu machen

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Ein russischer Kater macht Kunst?!

geschrieben von in Online-Magazine, QualitätKommentare deaktiviert für Ein russischer Kater macht Kunst?!

Themenknappheit? fehlender Humor? Trierfantiker? Ich weiß nicht was spielgel-online sich bei diesem Bericht gedacht hat. Das Thema ist eine rote Katze, die sich in berühmten Gemälden ein gemütliches Plätzchen sucht, um die russische Internetgemeinde zu belustigen.

Die Petersburger Künstlerin Swetlana Petrowa erbte nach dem Tod ihrer Mutter deren heißgeliebten und gut gefütterten Kater „Zarathustra“. Der lustige Kater half ihr über den Verlust hinwegzukommen und eine Freundin schlug ihr vor mit dem Kater Kunst zu machen. Nicht im Sinne von Trauerbewältigung, sonder eher im Sinne von lustigen Collagen. Da der Street-Arterin dies zu gewöhnlich erschien, bediente sie sich Photoshop und schon räkelte sich die dicke Katze mit der Haremdienerin auf dem Gemälde von Jean-Auguste-Dominique Ingres (1814) „Die große Odaliske“.

Diese Werke nutzt die Künstlerin gleichzeitig als Werbung für ihre Website www.Factart.ru. Durch die Übersetzung mancher Sprechblasen des Katers ins Englische gewann sie in Großbritannien mehrere Fans. Das Erfolgsgeheimnis? Laut Swetlana sei die Katze ein Wesen, was Menschen von Geburt an bis zum Tode lieben. Sie macht sogar deutlich, dass sich Katzen besser verkaufen als Sex. Dies ist meiner Meinung nach eine eindeutige Hommage an ihren geliebten Kater, jedoch auf keinen Fall eine weit verbreitete Meinung. Gut, es gibt die beliebte Comicfigur „Garfield“ aber steht dieser über der überaus gut laufenden Pornografieszene?!

Eines hat die Künstlerin mit Sicherheit bewirkt. Die Betrachter der Neuinterpretationen werden mit den alten, berühmten Gemälden in Verbindung gebracht und bringt evtl. den Ein oder Anderen auf die Recherche nach dem Original. Ob jetzt der Kater als indirektes Bildungsobjet gilt ist zwar weit hergeholt, aber das einzige Positive (außer der Publicity für die Künstlerin und deren Festivals) an diesem Kunstprojekt. (Und erklärt den Spiegel-Artikel)

Quellen:

www.spiegel.de

www.factart.ru

 

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Für alle Nicht Handelsblatt Leser

geschrieben von in Printmedien, Qualität3 Kommentare »

Für All diejenigen die kein Handelsblatt lesen (Solltet Ihr; Meiner Meinung die beste Deutsche Tageszeitung [nach BILD^^]):

Also ich muss wirklich gestehen, dass es mich gefreut hat, von unserer Twitterwall oder generell von die Uni Trier, in einer anderen Zeitung als dem Volksfreund zu lesen.

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geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik, Qualität1 Kommentar »

Heute erreicht mich eine Pressemitteilung über den Start eines Portals mit Texten zur Medienkritik – Vocer. Finanziert über namhafte Geldgeber (u.a. Bundeszentrale für politische Bildung, Rudolf-Augstein-Stiftung) will es die digitale Medienentwicklung kritisch begleiten. Ein interessantes Projekt, das Aufmerksamkeit verdient. Unter den Autoren sind prominente Medienschaffende, aber auch geschätzte Kollegen aus der Wissenschaft.
Zum Schluß: warum heißt vocer so wie es heißt? Dann hätte man einen Anhaltspunkt für die Aussprache. Es macht schließlich einen Unterschied, ob das Projekt im Gespräch ganz deutsch und hart ‚fozer‘, ‚foker‘, oder eher weich ‚woser‘ oder gar ‚woßér‘ heißt.

Facebook Weltherrschaft

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Das woran Pinky und der Brain sich Nacht für Nacht abrackern, ist Facebook inzwischen fast gelungen. Die Weltherrschaft an sich zu reißen. Basierend auf Daten von Alexa und Google Trends macht sich der Italiener  Vincenzo Cosenza seit einiger Zeit die Mühe, eine Weltkarte der Social Network Herrschaft zu erstellen. Und der Stand zeigt die Welt in Facebook Blau gefärbt.

Mir kamen bei dieser Karte ja Assoziationen an Darstellungen aus Guido Knopp Dokus die, Nazi Eroberungen im zweiten Weltkrieg anhand einer Karte animieren (Oder war das in Inglourius Bastards?). Um Irritationen vorzubeugen: ich möchte Facebook nicht mit den Nazis vergleichen, sondern spreche hier rein von einer visuellen Assoziation. Obwohl dieses Blog ja eigentlich prädestiniert ist für schlechte Vergleiche.

Betrachtet man die weltweite Entwicklung von Facebook in den letzten Jahren wird deutlich, wie lokale soziale Netzwerke nach und nach verdrängt wurden. Ähnlich wie es in Deutschland mit StudiVZ passiert ist. Nun wurde auch in Brasilien das soziale Netzwerk von Google Orkut (weiß eigentlich irgendwer warum sich das außerhalb von Brasilien nie durchgesetzt hat, oder auch nur ansatzweise bekannt wurde?) vom Thron gestoßen. Es zeigt sich eine klarer Trend weg vom Pluralismus der Anbieter hin zum weltweiten Monopol eines Anbieters. Nämlich Facebook.

Eigentlich müsste ich ja jetzt hier diesem Blog gemäß mit einer umfassenden Medienschelte beginnen, da Medien ja so oder so immer irgendwie böse sind. Und klar, selbst wenn Mark Zuckerberg nicht der  unsympathischste Typ auf diesem Planten wäre, würde die Firmenpolitik von Facebook trotzdem jeden vor den Kopf stoßen, der sich um Datenschutz und Nutzerrecht interessiert.

Aber darüber hinaus wollte ich hier einfach mal zur Diskussion anregen und die These in Raum schmeißen, dass man mit einem Weltweit einheitlichen Sozialen Netzwerk, einer utopisch geeinten Welt ein Stück näher kommt.

via allfacebook.de

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