Ist objektiver Journalismus noch möglich?

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Von geplatzten Blasen

9. November 2016, gegen vier Uhr morgens ist sämtliche Wahlkampfeuphorie der Moderatoren erloschen. Sowohl bei ARD und ZDF als auch bei den großen amerikanischen Networks, überall breitet sich Unverständnis aus im Angesicht des sich abzeichnenden Sieges von Donald Trump. Selbst bei dem sonst so pro-republikanisch eingestellten Sender FOX News ist man überrascht, hatte man doch ein äußerst knappes Endergebnis vorhergesagt. Wie konnte es sein, dass sich derart viele etablierte Medien, Meinungsforschungsinstitute und Prognosen irrten?

Darauf angesprochen hat der Journalist und Moderator Georg Restle eine klare Antwort:

„Ich behaupte, das lag daran, dass Trump als Feindbild in den Köpfen vieler Redakteure und Kollegen so verankert war, dass man sich insgeheim eine Präsidentin Hillary Clinton herbeigesehnt hat und dass das den journalistischen Blick vernebelt hat.“

Sind die Nachrichten also von den Meinungen ihrer Macher abhängig?

Restles Ausführungen scheinen auf jeden Fall nicht haltlos zu sein. So zeigt beispielsweise eine Umfrage zur Parteineigung von Journalisten mögliche Gründe auf. Nach dieser Umfrage fühlen sich 36,1% der befragten Journalisten zwar keiner Partei inhaltlich zugehörig, jedoch gab eine klare Mehrheit von 46,6% eine Neigung zu einer Partei links der politischen Mitte an. Es scheint also nicht überraschend, dass viele Journalisten einen Politiker, der sich ablehnend über Frauen und Ausländer äußert, argwöhnisch, wenn nicht sogar als Feindbild, sehen. Clinton, die zwar nicht als linke Politikerin bezeichnet werden kann, jedoch um einiges liberalere Ansichten vertritt als Trump und ein gutes Verhältnis zu den Medien pflegt, wirkt schon eher, wie die Kandidatin der Journalisten.

Genauso wenig erstaunt es, dass viele Journalisten Informationen, die nicht in ihr Weltbild passen, weniger Beachtung schenken als denen, die ihren Ansichten entsprechen oder diese angreifen. Betrachtet man rückblickend die Berichterstattung des US-Wahlkampfes, ist es bezeichnend, wie intensiv die Medien sich mit den unangemessenen und teilweise skandalösen Äußerungen Trumps beschäftigten. Im Vergleich dazu fiel die Aufarbeitung der politischen Positionen beider Kandidaten meistens im besten Fall oberflächlich aus.

Gefangen in der Echokammer

In sozialen Netzwerken gibt es das Phänomen der sogenannten Echokammern. Durch Algorithmen, die darauf angelegt sind, Dinge zu finden, die dem Nutzer gefallen, kommt es häufig dazu, dass jener hauptsächlich in seinen Ansichten bestätigt wird. Negatives Feedback, zuwiderlaufende Ansichten werden ausgeblendet.

Sieht man sich nun Erhebungen über (politische) Journalisten an, wird deutlich, dass viele aus ähnlichen sozialen Milieus stammen und mehrheitlich ähnliche politische Ansichten haben. Hohe Bildung, etwas links der Mitte, liberal. Sind die Redaktionen von Online-Magazinen, Fernsehsendern und Zeitungen also auch Echokammern? Tatsächlich zeigt auch hier das Beispiel des US Wahlkampfes 2016, dass gerade die Journalisten,  die sich näher mit der Unterstützerbewegung rund um Trump beschäftigt haben, einen Sieg des Republikaners als wahrscheinlicher eingestuft haben, als ihre Kollegen, die das Phänomen Trump zunächst für einen Scherz gehalten haben.

Und nun?

Das Ideal des „objektiven“ Journalismus steht nun alles andere als gut da. Man könnte noch andere Beispiele nennen: die immer wieder als einseitig kritisierte Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt oder der von vielen als tendenziös bezeichnete Umgang der Medien mit der Flüchtlingskrise sind nur zwei aktuelle Beispiele. Diejenigen die mit den jeweils vertretenen Meinungen übereinstimmen, fühlen sich bestätigt, die anderen rufen Lügenpresse. Dass Journalisten auch nur Menschen mit Meinungen sind und dass sich diese zwangsläufig in den Reportagen, Artikeln und Berichten niederschlägt, scheinen auch gerade die Medienschaffenden selbst nicht wahr haben zu wollen. Zu sehr klammert man sich an die Rolle des neutralen Berichterstatters.

Was wäre eine Lösung? Offen damit umzugehen, dass man einen Standpunkt hat. Sich nicht an die vermeintliche Objektivität klammern, sondern lieber verschiedene Standpunkte gegenüberstellen und den Leser selbst eine eigene Meinung ermitteln lassen. Das würde den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen und verhindern, dass sich andere Leser in Filterblasen und Echokammern zurückziehen.

Weierführende Informationen:

http://www.ipg-journal.de/aus-dem-netz/artikel/der-herbeigeschriebene-sieg-1632/

https://psmag.com/how-our-media-bubble-protects-our-ideologies-cdd2ed5202eb#.2omjbtbhb

https://aufwachen-podcast.de

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Spotlight – Ein Film über Investigativen Journalismus

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Am 28. Februar findet die diesjährige Verleihung der Academy Awards statt. Am 25. Februar starten, wie üblich an deutschen Donnerstagen, neue Filme in den Kinos. Mit von der Partie ist beide Male das mehrfach Oscar-nominierte und bereits jetzt preisgekrönte Drama „Spotlight“ von Regisseur Thomas McCarthy (u.a. AFI Award für Movie of the Year, Screen Actors Guild Award für Outstanding Performance by a Cast in a Motion Picture).

Der Film erzählt die wahre Geschichte der Investigativ-Abteilung des Boston Globe, genannt Spotlight, die 2001/02 systematischen Kindesmissbrauch durch katholische Priester im Großraum Boston aufdeckte. Hunderte von lokalen Einzelschicksalen wurden ans Licht gebracht, die schließlich zu nationalen sowie internationalen Fällen führten und somit die Katholische Kirche in ihren Grundfesten erschütterte.

SPOTLIGHT puts the power of journalism on the front page. With measure befitting the investigative method, Tom McCarthy presents The Boston Globe’s inquiry into cardinal sins without tabloid sensationalism — creating tension around the team’s dauntless pursuit of truth.“ (Begründung des American Film Institute)

Sachlich und ohne Hollywood-typische Überdramatisierung wird der Rechercheablauf auf authentische Weise dargestellt, als wäre der Film selbst Teil dieses Prozesses. In Zeiten von Lügenpresse und Click-Generierung ruft er somit in Erinnerung, was Journalismus leisten kann und wieso er ein bedeutsames Element der Gesellschaft ist. Dabei werden gleich mehrere relevante Aspekte beleuchtet. Kampf der Institutionen (Zeitung vs Kirche), Wettbewerbsdenken (Zeitpunkt der Veröffentlichung) sowie soziale Verflechtungen (52,8% Katholiken in Boston im Jahr 2001) sind nur einige Beispiele. Für Medienwissenschaftler ist „Spotlight“ also durchaus einen Blick wert.

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KissBangLove – Bachelor in Kurzfassung?

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Nach Formaten wie Sexy Beasts und Adam sucht Eva, kommt ProSieben mit einem neuen Twist: während man bei der einen Sendung von den Kandidaten etwas zu wenig sieht, sieht man bei der anderen deutlich zu viel, doch bei KissBangLove sehen sich die Teilnehmer gar nicht – zumindest nicht in der ersten Runde. Entscheidend für das Weiterkommen ist nämlich bloß der erste Kuss.

Am Donnerstag, dem 11. Februar um 22:30, startete die neue Dating Show, die ProSieben selbst als „die wohl authentischste, ehrlichste und gefühlvollste Dating-Show im deutschen Fernsehen“ beschreibt.

Single Dame Pia, 26, sucht die große Liebe und um sie zu finden, küsst sie sich durch die erste Runde, wobei sie und ihre Kusspartner mit verbundenen Augen ohne jegliche Hintergrundinformationen übereinander, den ersten Kuss als Indikator für eine potenzielle Partnerschaft nehmen. Das ganze Prozedere wird dabei Backstage von Pias zwei besten Freundinnen beobachtet und kommentiert, die von den zwölf Männern einen selbst für ihre partnersuchende Freundin ausgesucht haben, nämlich Philipp, dessen heimlicher Schwarm selbstverständlich Pia ist.

Als wäre das Fremdschämen nicht schon groß genug, folgt auch in der zweiten Runde wilde Knutscherei, nachdem die Männer auf fünf reduziert und die Augenbinden abgenommen werden, um dann in der letzten Runde mit Draufgänger Jan und – wer hätte es gedacht – Träumer Philipp auf ein ‚privates‘ Date zu gehen, wobei privat von einer Fernsehcrew und Tausenden von Zuschauern begleitet, bedeutet. Letzendlich entpuppt sich Philipp als der Auserwählte, was beide Turteltäubchen ziemlich „happy“ stimmt, wie sie in einem Abschlussinterview kundtun.

kbl

Die Qualität der Sendung ist fragwürdig und soll dem Anschein nach der Unterhaltung dienen doch bei den Zuschauern schneidet KissBangLove nicht gut ab. Das Verfolgen des Hashtags zeigt überwiegend negative Kommentare des Publikums, die belustigt Tweets veröffentlichen wie : „Da knutscht sie ein Dutzend Kerle, um am Ende festzustellen, dass sie doch ihren Bekannten nimmt. Alles wie im echten Leben.“ oder „Kiss Bang Love oder auch wie Laienschauspieler ein Podest für Ihr Schlampen-dasein bekommen.

Betont und kritisiert wird die übermäßige Sexualisierung einer eigentlich sehr intimen und persönlichen Sache, nämlich dem ersten Kuss zwischen zwei Menschen, sowie die Degradierung der Hauptkandidatin. Ob es die kurzseitige Internet Prominenz oder tatsächlich die Suche nach der großen Liebe ist, welches die Teilnehmer motiviert, sich für das Eindringen in die „Kusswelt“ zu bewerben, bleibt dem Zuschauer offen. Diese teilen sich eine Meinung und publizieren dies in Form von Kommentaren auf der Facebook Seite von ProSieben öffentlich: die Qualität lässt zu wünschen übrig und erinnert an das niveaupessimistische RTL Format „Der Bachelor„. Grundsätzlich einigt sich die Community allerdings auf eins: die Forderung nach einer sofortigen Absetzung.

Dass die Sendung sich nicht lange im Programm halten wird, ist vorraussehbar, dennoch erreicht ProSieben trotz weniger Niveau genau das, was es ökonomisch anstrebt: Einschaltquoten. Denn nach dem Abgang von Stefan Raab haben sich an vielen Programmplätzen (…) Lücken aufgetan, die es zu stopfen gilt.
Welches neue Dating Format uns Zuschauern danach geboten wird, ist fast schon eine beängstigende Vorstellung. Sicher ist, es wird mit KissBangLove vor allem eins gemeinsam haben: man möchte eigentlich nicht hinsehen, aber wegschauen geht auch nicht.

7000 Menschen wählen Oscar-Gewinner

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Am 28. Februar 2016 finden im Dolby Theatre in Los Angeles, CA zum 88. Mal die Oscar Verleihungen statt, dieses Jahr moderiert von Schauspieler und Comedian Chris Rock. Gekürt werden die besten Filme des Jahres 2015 mit einem Filmpreis, der seit dem Jahr 1929 verliehen wird und als Oscar bekannt ist.

Die Nominierungen für die besten Filme des Jahres 2015 wurden schon im Januar bekannt gegeben – doch wie kommt es dazu, dass ein Film für eine Kategorie nominiert wird oder wer entscheidet darüber, dass ein Film einen Oscar Award erhält?

Hierfür ist die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ (AMPAS) zuständig, die aus knapp über 7000 Mitgliedern besteht. Um Mitglied bei der Academy zu werden, muss man zunächst in der Filmbranche tätig sein und benötigt, bei Interesse einer Mitgliedschaft, die Bürgschaft zwei weiterer Kollegen, die bereits Academy-Mitglieder sind. Bürgschaften werden jedes Jahr im Frühling vom Academy’s Board of Governors überprüft, welches auch die Mitgliedschafts-Einladungen versendet.Quelle: http://blog.catchmyparty.com/wp-content/uploads/2013/02/Oscars_Printable_Ballot.jpg

Ein weiterer Weg ein Teil der Organisation zu werden, ist durch eine Oscar Nominierung. Somit handelt es sich bei den Mitgliedern der Academy größtenteils um Schauspieler wie zum Beispiel Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio, aber auch Produzenten wie Steven Spielberg, weshalb die Academy aus einem Team von Experten und besteht und die Oscar Verleihungen in der Branche so hoch angesehen sind. Eine genaue Liste der Academy Mitglieder wird allerdings geheim gehalten.

Doch wie erhält ein Film eine Nominierung? Jeder Film, der eine Mindestlänge von 40min, ein bestimmtes Format hat und im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember des Vorjahres für mind. 7 Tage in einem Kino in Los Angeles County gelaufen ist, kann für die Oscar Verleihungen nominiert werden.

Die Mitglieder der Academy werden bis Ende Dezember gebeten ihre Votings für die Filme schriftlich oder online einzureichen. Hierbei ist zu beachten, dass die Mitglieder nur für ihr eigenes Fachgebiet voten können – abgesehen von der Kategorie „Bester Film“, für die jedes Mitglied seine Stimme abgeben kann.

Nachdem die Nominierungen dann im Januar bekannt gegeben werden, hat jedes Mitglied die Möglichkeit für einen Gewinner in einem Ranking zu stimmen, nun in jeder Kategorie. Die Auswertung der Stimmen übernimmt das Management-Unternehmen PricewaterhouseCoopers, von dem nur zwei Mitarbeiter die Ergebnisse bis zur Vergabe im Fernsehen wissen. Somit lässt sich abschließend festhalten, dass die Academy, eine Organisation mit knapp 7000 Mitgliedern, für Nominierungen und Gewinne der Oscar Verleihungen verantwortlich ist.

Hier eine vollständige Lister aller Nominierten der Oscars 2016: http://oscar.go.com/nominees

Dokumentation „The Thread“ – Eine Online-Community auf der Jagd nach den Attentätern des Boston Marathon

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Als am 15. April 2013 auf der Zielgeraden des Boston-Marathons zwei Sprengsätze explodierten, kamen dabei drei Menschen ums Leben und 264 weitere wurden verletzt.

Is this the Boston Bomber?Die Dokumentation von Greg Barker („Manhunt“) rekonstruiert die Suche nach den Attentätern des Boston Marathon innerhalb der Online-Plattform „Reddit“ und thematisiert dabei auch den Konflikt zwischen traditionellen und neuen Medien. Stellt „Crowdsourcing“ eine Gefahr für den investigativen Journalismus dar?

Das Interesse an diesem Event war groß. Neben zahlreichen Reportern, die live berichteten, fotografierten und filmten vor allem tausende Zuschauer und Teilnehmer mit ihren Smartphones das Geschehen rund um den Boston Marathon. Damit gehört das Attentat zu den, am besten dokumentierten Terroranschlägen unserer Zeit.

Die Suche nach den Bombenlegern hielt die gesamten USA in Atem und entfachte natürlich einen erbitterten Kampf der Medien um die Nachrichtenhoheit. Ob Kabelsender, Online-Dienste oder Networks- alle versuchten sich als beste Informationsquelle zu profilieren. Überraschenderweise sorgte vor allem die Social-News-Plattform „Reddit“ für Furore. Deren Community teilte direkt nach dem Attentat zahlreiche Bild-und Videoaufnahmen miteinander und kommunizierte in unzähligen „Subreddits“ (Unterforen) über das Ereignis.

Reddit AnalyseIm Thread „FindBostonBombers“ kam es in den darauffolgenden Tagen zu einer perfiden Suche nach den möglichen Attentätern. Bild- und Videomaterial wurde gesichtet, analysiert und diskutiert. Wilde Spekulationen und Anschuldigungen führten schlussendlich dazu, dass mehrere Unschuldige in den Fokus der Medien und der Polizei gerieten.

Am 19. April 2013 schaffte es die Polizei schlussendlich die offiziellen Täter Tamerlan und Dschochar Zarnajew zu stellen. Im heftigen Schusswechsel wurde  Tamerlan Z. dabei tödlich verwundet. Sein Bruder Dschochar Z. konnte flüchten, wurde aber noch am selben Tag von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Die Amateuraufnahmen seiner spektakulären Verhaftung, die mitten in der Gemeinde Watertown, vor den Augen zahlreicher Anwohner stattfand, verbreiteten sich ebenfalls rasant in den sozialen Medien. –>DRAMATIC VIDEO: Intense Gunfight Between Police and Bombing Suspect

„The Thread“ zeigt, wie sich die Medienlandschaft durch Fortschritte in der Technologie und der weit verbreiteten Nutzung von Social Media verwandelt hat. Berichte aus erster Hand und Nachrichten mit einer beispiellosen Geschwindigkeit zu sammeln und zu publizieren ist schon lange nicht mehr, ein Privileg das nur professionellen Journalisten zuteilwird. Die klassischen Rollen des Produzenten und des Konsumenten verschwimmen immer mehr. Wie der Fall „Reddit“ und sein „FindBostonBombers“-Thread zeigt, ist die Eigendynamik solcher Dialoge im Web 2.0 kaum zu steuern. Durch die schneeballartige Verbreitung in Communities und dem Verlinken in Foren oder Blogs wird die Verbreitung von Gerüchten im Netz erleichtert. Weblogs dienen dem Meinungsaustausch und verhelfen durch die Anonymität des Internets zu einer neuen Qualität des Gerüchtestreuens. Aufgrund der Tatsache, dass jeder User zugleich Rezipient und Autor sein kann und Aussagen sowohl wahr als auch falsch sein können, kann der Inhalt ungeprüft auf Relevanz und Wahrhaftigkeit im Netz veröffentlicht werden.

Die 60-minütige Dokumentation glänzt besonders durch die zahlreichen Interviews mit Journalisten und Bossen der globalen Mediengiganten, wie auch den Social Media-Nutzern, die sich auf die Jagd nach den Boston-Marathon-Bombern gemacht haben.

Die Dokumentation ist u.A. auf Netflix & iTunes verfügbar.


Quellen:

„The Thread“, Courtesy of Greg Barker and Content Television

http://insider.foxnews.com/2013/04/20/dramatic-video-neighbor-captures-intense-police-gunfight-bombing-suspect-dzhokhar

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3035378/It-beast-Moderator-Reddit-s-Boston-Bombers-thread-tells-millions-users-descended-subreddit-days-attack-identified-wrong-suspect.html

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Das CHE Hochschulranking und die Verantwortung der Medien

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Das CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) ist eine von der Bertelsmanns Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz hervorgegangene Einrichtung. Das Ziel dieser Einrichtung ist die Modernisierung und Liberalisierung des Hochschulsystems. Mit diesem Ziel werden seit Mitte der 90.er Hochschulrankings in Deutschland durchgeführt. Doch ist das Anfangs in Amerika ausgebrochene Ranking-Phänomen das sich seit 1998 in Deutschland durchgesetzt hat längst nicht mehr nur in Munde der Befürworter zu finden. Nachteile der Vermessung und des Vergleichs von Bildungseinrichtungen haben in letzter Zeit immer mehr Fachbereiche zur einer Ablehnung und zum Ausstieg von Rankings geführt. Gründe dafür sind unter anderem die methodischen Mängel und die vereinfachte Runterstufung der Ergebnisse, dabei sind die Schwerpunkte der Fächer nicht abbildbar. Zudem ist die Beteiligung der Studenten auch nicht repräsentativ wenn nur 10% der Befragten teilnehmen. Für „klare“ Ergebnisse soll dies jedoch genügen. Nachdem 2007 bereits die Schweiz und Österreich aufgrund von methodischen Mängeln aus dem Ranking ausgestiegen waren, forderte die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) im Sommer 2012 alle Institute und Hochschulen dazu auf, aus dem CHE-Ranking auszusteigen (http://www.soziologie.de/index.php?id =che).

Die Medienmacher scheint dies kaum zu interessieren. Rankings sind nämlich trotz Kritik hoch beliebt und kommen gut an bei den Lesern. Beispielsweise hat „Die Zeit“ die seit Jahren damit prompt das CHE Hochschulranking, „dem umfassendsten und detailliertesten Ranking im deutschsprachigen Raum“ zu veröffentlichen sich dadurch eine fest etablierte Einnahmequelle garantiert. Der „Zeit Studienführer“ der die Ergebnisse des CHE Rankings präsentiert und mit knapp 300 Seiten die wichtigsten Fragen rund um Studiumauswahl und Einstieg beantwortet, scheint sich dabei weniger mit der Erhebungsmethode der Daten und deren Auswirkung für Studieninteressierte auseinander zu setzten. Die Zeitschrift die im Handel für 7,95€ erhältlich ist, gibt ihren Lesern sämtliche Informationen die ihr spätere Studien Auswahl und somit das ganze Leben beeinflussen könnten.

Wäre wohl doch nutzreich wenn auch der Diskurs im Wissenschaftlichen Milieu thematisiert werden würde oder gar auf den Ausstieg von immer mehreren Fachbereichen angedeutet würde, die nach und nach aus den Rankings verschwinden. Stellt dies nicht auch eine verzehrte Abbildung der Realität dar? Müssten die Leser nicht auch über die vielleicht gar nicht repräsentative Erhebungsmethode aufgeklärt werden? Und auch wenn Hochschulrankings noch lange in unserem Mediensystem ihren Platz finden werden, so sollten doch die Leser dieser Angebote eins im Kopf behalten: Nicht nur die erhobene Daten sondern auch die Tauglichkeit und Methode dieser Erhebung werden viel zu selten hinterfragt, solange die Medienmacher von ihnen profitieren.

https://premium.zeit.de/studienfuehrer

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Die bösen Festivals – Thüringer „Ver“ Allgemeinernde

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Seit 15 Jahren findet nun schon das Stoner Rock – Festival „Stoned from the Underground“ am Alperstedter See bei Stotternheim in der Nähe von Erfurt statt. Im Detail handelt es sich bei „Stoner Rock“ um eine langsame, aber kraftvolle Mischung aus Rock und Heavy Metal mit tiefen basslastigen Riffs und einer vergleichsweise kleinen aber sehr treuen Fangemeinde. Anfang Juli diesen Jahres spielten rund zwei Dutzend Bands aus Europa und den USA bei dem Festival. Ähnlich international wie die Bands ist auch das Publikum. Aus ganz Europa schwärmten Rock-Fans herbei, um die kultige Atmosphäre dieses Festivals zu erleben und brachten dabei viel Stimmung und Feierlaune mit.

Als begeisterter Festivalbesucher musste ich mich im Anschluss an den Besuch über folgenden Artikel der Thüringer Allgemeinen Zeitung doch sehr wundern:

Unbenannt2

Genauer heißt es in dem Bericht:

„Mehrere Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz hat die Polizei am vergangenen Wochenende beim Rockfestival in Alperstedt registriert.“

„Die Beamten, die seit Freitag Kontrollen vornahmen, fertigten aus diesem Grund insgesamt 65 Anzeigen.“

„Außerdem erwischten sie 14 Frauen und Männer, die entweder unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol ein Fahrzeug führten. Außerdem wurden drei Spring- und Klappmesser gefunden.“

Unbenannt

Unter dem Festivalbild (unvorteilhaft!) des Artikels steht noch die Bemerkung:

„Das Rockfestival am Alperstedter See findet bereits seit mehreren Jahren statt – und wie jedes Jahr nehmen die Aufräumarbeiten einige Zeit in Anspruch.“

Aha. Auch hier eine negative Beurteilung. Das Festival verursacht also nur Dreck und Aufräumarbeiten. Ohne die Verstöße verharmlosen zu wollen, die Formulierungen sind doch sehr drastisch gewählt, es klingt ja fast nach einer Razzia in einem Drogenkartell.

Durch diesen Artikel wird das ruhige Stonerrock Festival meines Erachtens in ein völlig falsches Licht gestellt. Bei der sehr einseitigen und verurteilenden Berichterstattung wird scheinbar nur die Schattenseite des Festivals betrachtet. Bei knapp 3.000 Festivalbesuchern bleiben kleinere Verstöße (bei denen niemand zu Schaden gekommen ist) nicht aus. Immerhin findet das Festival nun schon seit 15 Jahren ohne erhebliche Vorkommnisse in dieser Richtung statt.

Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass es nie irgendwelche Vorfälle der Gewalt oder Ähnliches gab. Das Festival wird in diesem Artikel dargestellt, als würde man ständig von bewaffneten, drogenkonsumierenden Irren bedroht werden. Auch wenn es nur ein kleiner Artikel ist, so hätte ich mir doch ein wenig mehr Objektivität bei der Berichterstattung gewünscht. Die Enttäuschung über die öffentliche Darstellung des Festivals machte anschließend auch in der Fangemeinde die Runde. Letztlich schadet dieser Bericht dem Ruf des Festivals und kommuniziert dabei nicht die Begeisterung der Fans und die tolle Leistung des Veranstalters. Bleibt nur zu hoffen, dass der günstige Standort des Festivals weiterhin besteht und die Anwohner der Veranstaltung vorurteilsfrei entgegenblicken.

Quelle:

http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Drogen-Alkohol-Klappmesser-65-Anzeigen-beim-Rockfestival-Alperstedt-1304867592

 

 

Neben FDH, Paleo oder Low Carb jetzt auch „SDS“ – Schlank durch Schokolade?

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Laut dieser neuen Wunderdiät soll uns Schokolade beim Abnehmen helfen. Das klingt ja zu schön um wahr zu sein. Ist das denn überhaupt möglich? Eine berechtigte Frage, die jedem von uns direkt durch den Kopf gehen sollte. Aber wieso groß darüber nachdenken, schließlich resultiert das Ergebnis aus einer wissenschaftlichen Studie, also muss es ja stimmen. Diesen Gedankengang verfolgten auch die Journalisten einiger Boulevardblätter, Diäten sind außerdem Topseller. So zum Beispiel die Bild auf der Titelseite:

BILD SDS

Und auch Focus Online zog mit diesen Worten und einem eigenen Videobeitrag nach:

FOCUS SDS

Natürlich bissen auch Frauenzeitschriften, wie zum Beispiel die Brigitte an – ein gefundenes Fressen sozusagen. Sogar in Großbritannien, Australien, USA, Indien, Russland und Nigeria erschien die Meldung in den Medien.

Dumm nur, dass die Studie ein Fake ist. Alles Blödsinn, alles Inszenierung. Dahinter stecken zwei Journalisten, Diana Löbl und Peter Onneken, mit folgender Motivation: Kann man einfach eine Diät erfinden, eine wissenschaftliche Studie dazu durchführen, die Ergebnisse manipulieren und wissenschaftlich publizieren? Und schaffen es die Ergebnisse dann auch in die klassischen Medien?

Hat augenscheinlich geklappt und sogar gar nicht so viel Aufwand gekostet. Alle Fragen sind mit „ja“ zu beantworten. Mit einem völlig sinnfreien Design und 15 Probanden haben die beiden Journalisten ihre „Studie“ durchgeführt. Die Entwicklung und den Verlauf haben die beiden in der Arte-Doku „Schlank durch Schokolade. Eine Wissenschaftslüge geht um die Welt“ festgehalten. Die Doku wurde Anfang Juni bei Arte ausgestrahlt.

Zum einen wird in der Doku die Wissenschaft an sich kritisiert und zum anderen natürlich die Sorgfalt und Gründlichkeit der Journalisten. Neben einer fragwürdigen Wissenschaft spielen Journalisten eine entscheidende Rolle. Peter Onneken bescheinigt seinen Kollegen: „Das Business stinkt, und wir Journalisten machen mit.“ Außerdem beschwert er sich, dass niemand die Echtheit des Instituts oder die dünne Auswahl an Probanden geprüft habe. Die Pressemitteilung, in der sie quasi ein Märchen erzählt haben, sei einfach blind übernommen worden.

Woran liegt es? Haben Journalisten und Rezipienten einfach ein grundlegendes Vertrauen in die Wissenschaft? Sind gekürzte Redaktionsetats für schlampige Recherche und mangelnde Gegenkontrolle von Informationen verantwortlich? Oder wird einfach nur nach dem Motto „wenn die Geschichte zu gut ist, dann bloß nicht recherchieren“ gehandelt? Die Glaubwürdigkeit und die Qualität des Journalismus ist ein Dauerbrenner. Nach dieser etwas unangenehmen Geschichte kann man dennoch auch ein wenig Entwarnung geben, denn neben Bild, Focus Online und anderen Boulevardblättchen veröffentlichte wenigstens keiner der sogenannten Qualitätsmedien die Schokolüge. Ganz so düster sieht es also im heutigen Journalismus nicht aus.

Im Fokus der Doku steht natürlich ebenso das Geschäft mit dem Abnehmen. Und weil die Verbraucher der Wissenschaft grundlegend erstmal Vertrauen und Glauben schenken, werben Abnehm-Programme, wie zum Beispiel „Weight Watchers“ mit immer neuen Studien um ihre Kunden. Die Doku legt allerdings offen, dass die Studien eher selten und nur unter ganz bestimmten Bedingungen aussagekräftig sind. Sie messen oftmals nur Korrelationen und keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen, sind sehr einfach zu manipulieren und zu publizieren, wie der Zuschauer am Beispiel der Schokolüge selbst erfährt. Eine veröffentlichte Studie in Wissenschaftsenglisch steigert die Glaubwürdigkeit und Seriosität. Jedoch muss das nicht der Realität entsprechen.

Ein weiterer erstaunlicher Aspekt der Doku, neben der nichtdurchdachten Verbreitung der Boulevardmedien sowie der Einfachheit der Manipulation von wissenschaftlichen Studien, ist die Entwicklung der S3-Leitlinien (zur Vorbeugung und Therapie von Fettleibigkeit) der DAG, der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, die sich laut Doku der bestverfügbaren wissenschaftlichen Beweislage verpflichten sollten. Die Ersteller sollten unabhängig sein, was allerdings meistens nicht der Fall ist. Sie sind oftmals genau in diesem Tätigkeitsfeld aktiv und propagieren demnach ihre eigenen Methoden. Vier der sechs Wissenschaftler, die diese „Leitlinien“ entworfen haben, stehen laut Doku in direktem oder indirektem Kontakt zu den einzelnen Programmen. Wissenschaftler und Professor Hans Hauner gibt unverblümt zu: „Eine Art Geschmäckle ist schon dabei“. Solange man es aber offenlege und die Möglichkeiten aufzeige, sei es vertretbar, laut Hauner. Der Leser könne dann ja selbst entscheiden, ob er es akzeptiert oder nicht. Na dann!

Blind vertrauen sollte man einigen wissenschaftlichen Studien also erstmal nicht. Vor allem dann nicht, wenn man Journalist ist und über eine Veröffentlichung nachdenkt. Da lohnt es sich einen genaueren Blick drauf zu werfen und zumindest mal die Echtheit bzw. die Existenz des durchführenden Instituts zu überprüfen.

Ansonsten eine interessante, auf modern gemachte Doku, die entscheidende Fakten in Sachen wissenschaftlicher Studien enthält und einige überraschende Wahrheiten aufzeigt. Mit etwas mehr als 50 Minuten vielleicht ein bisschen zu lang für das Thema, aber dennoch eine gute Idee und Strategie zu zeigen, wie einfach eine Manipulation von Wissenschaft und Medien stattfinden kann.

Die Doku gibt’s hier zum Anschauen: http://www.arte.tv/guide/de/052711-000/schlank-durch-schokolade

Hollywoods neue Freiheit

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Super Mario Bros. Mortal Kombat. Tomb Raider. Diese Titel lassen Gamer mit der Zunge schnalzen, alle drei sind unbestrittene Meilensteine des Mediums Videospiel. Die selben Titel dürften bei Cineasten jedoch blankes Entsetzen auslösen, denn neben ihrem Klassikerstatus als Games ist diesen drei außerdem gemein, dass sie als Vorlage für äußerst fragwürdige Spielfilme herhalten mussten.

Das Verhältnis zwischen den Medien Film und Videospiel darf mittlerweile durchaus als belastet angesehen werden. Peinlichkeiten wie die oben genannten sind im Genre der Videospielverfilmungen eher die Regel als die Ausnahme. Umgekehrt bekommt auch jeder erfolgreiche Film ein passendes Game spendiert und auch hier handelt es sich mehrheitlich um Wegwerfware. Die scheinbar allgegenwärtige Medienkonvergenz beißt sich an diesen beiden Medien wiederholt die Zähne aus.

Woran liegt das? Warum lässt sich aus einem guten Game kein guter Film machen und umgekehrt? Der YouTuber und selbst ernannte „Game Theorist“ Matthew Patrick (a.k.a. MatPat) hat sich in einem Video dieser Frage gewidmet und kam zu dem Schluss, dass die Verantwortlichen auf beiden Seiten konsequent ignorieren, dass Merkmale, die ein gutes Game ausmachen (Handhabung, Grafik, Narrativ, Erkundungsfreiheit etc.) noch lange keinen guten Film schaffen. Super Mario Bros. mag als Game ein absoluter Klassiker sein, aber es verfügt schlicht über keine brauchbare Story. Auf der anderen Seite hatten Games zu Filmen (abgesehen von der Lieblosigkeit ihrer Produktion) bisher immer mit den Limitierungen des Mediums, insbesondere in optischer Hinsicht zu kämpfen. Filme leben neben ihrem Narrativ auch von ihrem Schauspiel, von Mimik und Gestik, Kameraeinstellungen und Belichtungen.

Nun war dem Moore’schen Gesetz zufolge absehbar, dass zumindest die letztgenannte Hürde irgendwann fallen würde, irgendwann würde es möglich sein, über ein animiertes Gesicht die selben Emotionen auszudrücken, wie über ein abgefilmtes. Das Spiel, welches diese neue Ära einläutete war nach Meinung vieler Gamer das 2013 veröffentlichte „The Last of Us“. Ursprünglich veröffentlicht als Schwanengesang für Sonys Playstation 3, als furioser Schlussakkord der damaligen Konsolengeneration, zeigte es der Welt was mittlerweile möglich ist und was vielleicht in Zukunft noch möglich sein wird. Das Game wurde von Fachpresse, wie auch Zielgruppe frenetisch gefeiert, als –  entgegen seines Namens – erstes seiner Art, als erste gelungene Melange aus Game und Film, ein Meisterwerk, ein Meilenstein. Obwohl es keine Film- oder sonstige Vorlage hatte, schien erstmals der Begriff „cineastisch“ im Zusammenhang mit einem Game angebracht. „The Last of Us“ verband erstmals wirklich ausgereifte Charaktere mit einer packenden und emotionalen Story und einem visuell überwältigenden Setting einer postapokalyptischen Welt. Entwickler Naughty Dog genügte es nicht, spannende Kämpfe gegen Zombies und Paramilitärs zu liefern, das „drumherum“ musste stimmen und es stimmte. Wer sich davon einen Eindruck machen möchte, dem seien die zahllosen Lets-Play-Videos auf Youtube empfohlen. Trotzdem wäre es falsch davon auszugehen, dass die erfolgreiche Einbindung von cineastischen Elementen automatisch ein gutes Game hervorbringt. Die Essenz jedes Spiels (nicht nur von Videospielen) ist es, den Spieler vor Entscheidungen zu stellen, die den Spielverlauf beeinflussen. Entscheidungsfreiheit ist der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Spiels, nimmt man sie dem Spieler, so verliert das Spiel seinen Sinn. Überfrachtet man ein Game mit Filmeinlagen und vernachlässigt diesen Aspekt, ist es kein gutes Game. Aus diesem Grund werden Games-Verfilmungen nie an ihre Vorlagen heranreichen, denn die wenigsten Games verfügen über die dramaturgischen Komponenten einen Wegfall der Entscheidungsfreiheit zu kompensieren.

Schon jetzt ist die Games-Branche eine wesentlich umsatzstärkere Industrie als das Kino. Hollywood-Größen wie Kevin Spacey spielen Rollen in Games, als seien es schon Filme, die Resultate sind schon rein optisch verblüffend. Während die Technik mit Riesenschritten fortschreitet, scheint es weiterhin ausgeschlossen, dass Film dem Medium Videospiel noch einen Schub geben können, während es jedoch durchaus möglich ist, dass die Zukunft Hollywoods auf der Playstation spielt.

Kevin Spacey in Call of Duty – Advanced Warfare (2014)

Hitlers Werwölfe im Multimedia-Format

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„mir ist klargeworden, dass ich von zwei unrühmlichen Bastarden groß gezogen worden bin.“

– Cordt Schnibben

Mit „Mein Vater ein Werwolf“ aus dem Jahr 2014 liefert der Spiegel eine Multimedia-Reportage im Scrollytelling-Stil. Der Journalist Cordt Schnibben arbeitet darin seine Familiengeschichte während des Nationalsozialismus auf. Sein Vater war damals Oberleutnant und arbeitete mit den sogenannten Werwölfen zusammen, einer Untergrundbewegung, die ab 1944 in feindlich besetzten Regionen zahlreiche Attentate auf deutsche Kollaborateure verübte.

Der Leser scrollt durch eine Melange aus animierten Comicausschnitten, Fotos, Videos sowie Textteilen und findet sich in einem dichten Geflecht an Ereignissen wieder, die in Zusammenhang mit der Ermordung des Bauerns Willi Rogge stehen, an der auch Schnibbens Vater beteiligt war. Rogge war kein Nazi-Sympathisant. Er machte sich durch eine kritische Haltung gegenüber des Regimes als Volksverräter strafbar und wurde spontan verurteilt. Die Werwölfe dienten als Vollstrecker. Auf dem Leichnam klebte ein Zettel: „Wer sein Volk verrät, stirbt!“

Nach dem Krieg mussten sich die Werwölfe für die Tat vor Gericht verantworten. Der eigentliche Erzählstrang rund um die Ermordung wird daher immer wieder durch Berichte aus dem Prozess unterbrochen. Cordt Schnibben will dadurch deutlich machen, „ wie schwer sich deutsche Gerichte damit taten, kleine Nazis gerecht zu bestrafen.“ Außerdem erreicht er eine multiperspektivische Darstellung rund um den Fall.

Durch einen vorgeschobenen Trailers ist von Anfang an ist klar, welchen Ausgang die Geschichte nehmen wird. Auf der einen Seite bietet dies dem Leser die Möglichkeit, die wenig chronologische Erzählung besser zu erfassen. Auf der anderen Seite wir der Spannungsaufbau dadurch eher flach gehalten. Tatsächlich ist es angesichts der Detailfülle, die über verschiedene multimodale Elemente transportiert wird, schwer, den dramaturgischen Verlauf nachvollziehen zu können. Die Zeitsprünge zwischen Prozess und Ermordung sind nicht immer leicht zu verfolgen. Die Intention scheint klar: die Verworrenheit des gesamten Falls wird unterstützt und nur langsam Licht ins Dunkle gebracht. Für bestimmte Lesergruppen kann dies jedoch zum Abbruchkriterium werden. Wer abends auf seinem Sofa hängt und nette Unterhaltung sucht, kann sich schnell erschlagen fühlen. Wirklich leichte Kost geht anders.

Etwas auflockernd wirkt der Comic-Stil, der in manchen Abschnitten tragendes Handlungselement ist. Technisch durch Parallax Scrolling realisiert, kann so visualisiert werden, wozu es keine Zeitdokumente gibt. In Graustufen bewegen sich die Werwölfe durchs Bild und geben dem Terror eine Gestalt. Mit dem Scrollen erscheinen Sprechblasen. Gelegentlich sind auch Audioeffekte eingebunden. Die gesamte Zeit über dudelt das „Radio Werwolf“ vor sich hin. Düstere Klangschwaden ergießen sich so durch die Lautsprecher eines jeden Users. Die Atmosphäre, die kreiert wird, verheißt Unheil, kann durch ihre Monotonie aber auch nerven.

Sprachlich wirkt „Mein Vater ein Werwolf“ sehr ausgewogen. Cordt Schnibben schreckt nicht vor einer Personalisierung zurück und macht seine persönliche Betroffenheit immer wieder deutlich, wenn er von „mein Vater“ spricht. Der gesamte Inhalt gewinnt dadurch an Nähe. Eine Verbindung zum Leben 70 Jahre nach dem dritten Reich wird geschaffen. Und letztendlich bleibt die immer gleiche Frage: Wie soll man mit dem Erbe dieser Zeit umgehen?

„Mein Vater ein Werwolf“ ist technisch gut gemacht und verdeutlicht, was Online-Journalismus kann. Das Stück ist gerade wegen seiner Länge und Komplexität aber nichts für die Mittagspause. Wer sich für den Nachrichtenfaktor Nationalsozialismus dennoch ein Stündchen nehmen will, dem sei die Reportage wärmstens empfohlen.


Lust bekommen? Die Multimedia-Reportage gibt’s hier:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nazi-werwolf-spiegel-reporter-schnibben-ueber-seinen-vater-moerder-a-963465.html

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Mercury Retrograde…

geschrieben von in Allgemeines, Kommunikationsformen, Qualität1 Kommentar »

… what is it? Does it influence us all? How to live through it without getting into too much trouble?

Mercury Retrograde happens circa 3 times a year, this year we’re experiencing the first one between the 22nd January 2015 until the 11th February 2015. The phenomenon means that Mercury slows down its usual pace and from our point of view, Earth, it looks like it is going backwards. It has some repercussions on our planet Earth because of the relationship between the two planets and their specific positions in the Solar System.

For starters, Mercury is known as the Messenger, i.e., the planet of communication. Therefore, many of us may experience also a „retrograde“ in our hand-held communication devices such as mobile phones, laptops and the Internet. To understand it better you have to imagine Mercury as a big magnet that goes around us thus having a magnetic impact on Earth and our tech-devices.

Some of you may have doubts about what you’re reading right now. This is astrology, this is not card reading or some crystal ball. This is science and it has a strong impact on our daily lives and it allows us to understand some of the so-called „weird“ things happening to our tech and ourselves in this period of time.

Mercury being the Messenger and being in retrograde means that we could experience problems with technology, so a big advice to everyone is to back-up your files. As for problems of communication it is highly suggested to proof-read your texts or e-mails and have a second opinion on what you have written. Also, in time it is for the best to post-pone signing any papers or contracts, but of course, that isn’t always an option, so you better have someone to read the fine print with you. Two heads better than one, especially during Mercury Retrograde.

For some of us the Retrograde can mean being unusually late, missing appointments and just being slower, just like Mercury is right now. And on an emotional level it may bring a feeling of nostalgia and sadness. But knowing that the cycle is just temporary, we can set our minds and actions to work with it not against it. For example, for the majority of human beings, though depending on the astrological sign one is born in, Mercury Retrograde can make us re-think the past from different points of view, in different light, we may feel more nostalgic than usual and just feel lazy. That can cause a big impact on our work, studying and relations/communication. But in just a few days the Retrograde will be over and the planets will be aligned like usual, putting everything back on track. Until next Mercury Retrograde!

 

 

Quellen:

http://astrology.about.com/od/advancedastrology/p/MercuryRetro.htm

http://hellogiggles.com/mercury-in-retrograde

http://www.findyourfate.com/astrology/year2015/2015-mercury-retrograde.html

„Ich habe mich geschämt“

geschrieben von in Fernsehen, Internet, Medien und Politik, Nachrichten, Qualität1 Kommentar »

Am Montagabend strahlte das Erste anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz drei Dokumentationen über  Diese und den Holocaust aus. Die Dokumentation „Night Will Fall“  zeigte tragische Aufnahmen, die alliierte Kamerateams 1945 in den befreiten KZs gedreht hatten.

Am darauffolgenden Abend äußerte sich die NDR-Moderatorin Anja Reschke während der ARD-„Tagesthemen“ zum Thema. Sie habe die genannte Dokumentation gesehen und habe sich „geschämt“ für das, was sie zu sehen bekam. Dafür, dass es zu ihrer Identität als Deutsche gehöre. Ob sie wolle oder nicht. Sie nennt Zahlen aus einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung, die aussagen, dass 58% der Deutschen einen Schlussstrich ziehen und die Geschichte des Holocausts „hinter sich lassen“wollen. Sie betont, dass die Männer, die dort waren und die Aufnahmen gemacht haben heute noch lebten und keiner von ihnen einen Schlussstrich ziehen könne. Wir stattdessen schmettern ihnen entgegen: „Es muss doch mal Schluss sein.“  „Ausgerechnet wir?“ fragt sie „Es gibt keinen Schlussstrich in der Geschichte“. Sie beendet ihren Kommentar mit einem Vergleich zu den Pegida Demonstrationen in Dresden: „Nach diesem Film konnte ich nicht schlafen, also habe ich umgeschaltet. Und was sehe ich? Pegida-Demonstranten in Dresden, die sich aufregen über die vielen Ausländer in Deutschland. Ganz ehrlich: Da ist mir dann wirklich schlecht geworden.“

Unbenannt

Im Internet wird seit der Ausstrahlung und Veröffentlichung des Videos heftig diskutiert. Auf Facebook besitzt das Video inzwischen fast 2,5 Millionen Aufrufe, wurde über 32.000 Mal geteilt und bekam über 54.000 „Likes“. Auf Twitter wurde das Video im Vergleich auch sehr viel öfter retweeted und favorisiert als andere Tweeds der ARD. Doch nicht alle können sich mit den von Frau Reschke getätigten Aussagen identifizieren. Änhänger der Pegida-Bewegung verurteilen sie  und reagieren mit: „Frau Reschke, Ihnen wird schlecht wenn Sie Menschen bei der Pegida sehen?! MIR wird schlecht wenn ich im TV solch dämliche Aussagen und Berichte wie Ihre sehe!!!“ Andere sind beeindruckt und unterstützen Sie: „Jeder, der hier schreibt, dass er es nicht mehr hören kann, hat es noch nicht so oft gehört, dass er es verstanden hat!“ oder „Sie spricht mir aus der Seele. Da wo wir Auschwitz vergessen, öffnen wir die Tür für neue KZ-Bauer…“

Selten gibt es Momente mit solch klaren Worten im deutschen Fernsehen. Es lässt sich auch darüber debattieren ob der Vergleich zu Pegida gerechtfertigt oder einfach überspitzt war. Eines steht jedoch fest. Frau Reschke hat mit ihrem Kommentar im Abendprogramm Mut bewiesen und eindrucksvoll veranschaulicht, warum der Holocaust immer ein Teil der Deutschen Geschichte ist und auch bleiben sollte. Alleine dafür gebührt ihr Respekt.

 

Der Link zum Video :

Kommentar von Anja Reschke zum Thema Auschwitz und Holocaust

 

 

Quellen:

http://meedia.de/2015/01/28/kein-schlussstrich-in-der-geschichte-eindrucksvoller-tagesthemen-kommentar-zum-thema-ausschwitz/

http://www.stern.de/politik/deutschland/auschwitz-kommentar-von-anja-reschke-loest-internet-debatte-aus-2169549.html

http://www.tagesspiegel.de/medien/gedenk-tv-und-wenig-publikum-wenig-zuschauerinteresse-an-auschwitz-gedenken-in-ard-und-zdf/11293598.html

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-58033.html

https://www.facebook.com/video.php?v=10152546666441389&set=vb.48219766388&type=2&theater

https://twitter.com/tagesthemen/media?lang=en

 

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Und der Theodor-Wolff-Preis 2015 geht an…

geschrieben von in Allgemeines, Printmedien, QualitätKommentare deaktiviert für Und der Theodor-Wolff-Preis 2015 geht an…

Es ist wieder soweit. Bis zum 16.02.2015 haben die Journalisten Deutschlands noch Zeit sich mit einem Artikel ihrer Wahl zu bewerben.

Seit 1962 nun ist es dem Journalisten vertraut – wer den Theodor-Wolff-Preis verliehen bekommt, wird eine große Ehre zuteil. Die Bedingungen: Der Beitrag des hauptberuflichen Journalisten muss im Vorjahr online oder gedruckt in einer deutschen Tages-. Sonntags- oder politischen Wochenzeitung veröffentlicht worden sein.
Honoriert wird hierbei aber nicht der bloße Text. Der Fokus der Jury, welche aus 9 anerkannten Chefredakteuren und Autoren aller Art besteht, liegt auf der Leistung, die Öffentlichkeit auch heute noch auf die journalistische Bedeutung und Verantwortung in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen.
Die Preise von jeweils 6000 Euro werden in der Regel an fünf Journalisten vergeben, dabei gibt es jeweils zwei in den Kategorien „Lokaljournalismus“ und „Reportage/Essay/Analyse“, sowie einen im Rahmen „Meinung/Leitartikel/Kommentar/Glosse“. Und alle paar Jahre wird zusätzlich ein verdientes „journalistisches Lebenswerk“ ausgezeichnet.

Erinnern soll die Verleihung an den langjährigen Chefredakteur des Berliner Tageblatts. Der jüdisch geborene Theodor Wolff begann seine Karriere mit einer kaufmännischen Lehre bei der Tageszeitung, ursprünglich von seinem Cousin Rudolf Mosse geleitet, und ließ ihr Ansehen in seiner Zeit dort beträchtlich wachsen. Durch seine Korrespondenz in Frankreich lernte er Parlamentarisierung und Demokratisierung schätzen und das Berliner Tagesblatt wurde in Deutschland für seine Fortschrittlichkeit und Liberalität bekannt. Außerdem gründete er die „Deutsche Demokratische Partei“ und sprach sich in der Politik regelmäßig öffentlich gegen die Ziele der damaligen NSDAP aus. 1933 floh er unter Lebensgefahr ins Ausland, wurde allerdings nicht viel später verhaftet und starb letztendlich in der Gewalt der Gestapo. Seine Werke wurden noch zu seinen Lebzeiten öffentlich verbrannt.

Seit 1973 wird der Preis von dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger gestiftet.
Im vergangenen Jahr waren die glücklichen Gewinner in der Kategorie „Lokaljournalismus“ Johannes Ehrmann vom Tagesspiegel mit seinem Bericht „Wilder, weiter, Wedding“ über einen Berliner Stadtteil und Benjamin Piel von der Elbe-Jeetzel-Zeitung, der mit „Bettys erstes Mal“ ein Projekt vorstellt, in dem behinderte Menschen an sexuelle Erfahrungen herangeführt werden.
In dem Gebiet „Reportage/Essay/Analyse“ durften Kai Strittmatter der Süddeutschen Zeitung mit seiner Auslandsreportage „Wolfskind“ aus der Sicht eines chinesischen Kindes über die Kulturrevolution und Kerstin Kohlenberg von der Zeit mit ihrem Artikel „Aufnahme läuft!“ über die anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten einer Filmproduktion sich freuen.
Peter Unfried von der tageszeitung erhielt die Ehrung mit seinem Bericht „Auf der Suche nach Adorno“ über die Vorurteile des Bildungsbürgertums in der Kategorie „Meinung/Leitartikel/Kommentar/Glosse“.
Und schließlich wurde noch Rudolph Chimelli ebenfalls von der Süddeutschen Zeitung für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Nun geht es in eine neue Runde. Die Wahlurnen sind offen für jedermann. Auch ein Vorschlag durch einen Dritten, etwa den Verleger oder Chefredakteur, ist möglich. Also lasst die Spitzer warmlaufen, das Blatt bereit gelegt und ran an die Stifte, liebe Schreiberlinge!
Wir sind gespannt, wenn es im Mai wieder heißt…

„Und der Theodor-Wolff-Preis 2015 geht an…“

 

 

 

Quellen

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger – Die Ausschreibung (07.01.2015)

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger – Preisträger (07.01.2015)

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger – Jury (07.01.2015)

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger – Theodor Wolff (07.01.2015)

Süddeutsche Zeitung (07.01.2015)

Wikipedia (07.01.2015)

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Wer NICHT die Wahl hat – hat die Qual

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Qualität1 Kommentar »

Das Schönste am Fernsehen war bislang doch immer noch die Möglichkeit sich auszusuchen, was man sehen möchte und was nicht. Diese Entscheidungsfreiheit wird einem jedoch mit zunehmendem Maße genommen, wenn es um Helene Fischer geht.

Hinwegsehend über die Qualität ihrer musikalischen Leistung ist Helene Fischer ohne Frage eine bildhübsche Ausnahme-Schlagersängerin, der mithilfe ihres Hits „Atemlos“, über die Schlagerszene hinaus, ihr großer Durchbruch gelang und die Fans aus allen Altersgruppen und sozialen Schichten um sich scharen konnte.

Ihr Schlagertechnohit „Atemlos“ wurde mit einer solchen Penetranz in das Gehirn eingetrichtert, dass er sich sogar zur deutschen Hymne der Fußballweltmeisterschaft 2014 avanciert hat und nicht mehr aus der deutschen Musiklandschaft wegzudenken ist. Ob beim Aprés Ski, im Dorffestzelt oder in der Großstadtdiskothek, ob freiwillig oder nicht, fast jeder kennt in irgendeiner Weise den Songtext und die halbe Gesellschaft gröhlt/trällert/singt spätestens nach dem dritten Schnaps mit.  Die andere Hälfte wird zunehmend genervt.

Mittlerweile hat es Helene Fischer von Radio bis hin zu den Fernsehgeräten der Deutschen geschafft. Seit 2011 inszeniert sie  sich im ZDF gekonnt selbst in ihrer alljährlichen Weihnachtsausgabe der „Helene Fischer Show“ (2011-2012 im ARD).Die einen lieben sie – die anderen wünschen sie einfach nur noch weg.

Fans der Sängerin raten damit doch einfach das Programm zu wechseln – Ja, wenn Das mal so einfach wäre! Im massivsten Falle schaltet man den Fernsehr ein und zappt auf das ZDF, bekommt sie in der gefühlt 19. Ausstrahlung ihrer eigenen Sendung bei einem Duett mit irgendeinem anderen“Star“ präsentiert. Wechselt man zu einem privaten Sender klärt sie einen in Werbeplatzierungen auf, wie gut doch das vollkommen neue Baguette von Meggle schmeckt, oder dass es jetzt bei Tchibo eine wunderschöne Schmuckkollektion gibt, die ihren Namen trägt, oder wie man seine blonde Engelsmähne mit dem aktuellen Shampoo von Garnier pflegen sollte. 2015 übernimmt das Multitalent sogar eine Schauspielrolle im hochheiligen Primetimerenner der ARD – dem Tatort. Die Frau kann einfach Alles!

Das Management von Helene Fischer läuft Experten zu Folge jedoch Gefahr, dass das Publikum ihrer Omnipräsenz in den Medien überdrüssig werden könnte und das ihrer Popularität negativ zusetzen könnte. Dem ein oder anderen Zuschauer würde ein bisschen weniger Helene sicher gut tun.

Manchmal ist weniger einfach doch mehr.

 

 

 

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/kultur/kino/tatort-in-der-ard-2015-auch-mit-helene-fischer-a-1010542.html

http://www.bunte.de/musik/helene-fischer-irgendwann-wird-sie-keine-hallen-mehr-fuellen-114353.html

http://www.bunte.de/musik/helene-fischer-diese-frau-ist-ueberall-112380.html

http://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_72225638/helene-fischer-ist-ueberall-sind-sie-auch-vom-hype-genervt-.html

http://www.bild.de/regional/koeln/helene-fischer/kebekus-parodiert-fischer-auf-comedypreisbuehne-38251624.bild.html

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Weltmeister ohne Makel

geschrieben von in Fernsehen, Qualität1 Kommentar »

Es ist nun ein gutes halbes Jahr her: In ganz Deutschland feierte man ausgelassen eine Reihe von Menschen, die in Brasilien gerade etwas Besonderes erreicht hatten: Sie war Weltmeister geworden, hatte alle Erwartungen übertroffen, hatte Millionen Fußballfans stolz gemacht. Es ging das Gefühl um, wir alle wären Weltmeister. Und dieses Gefühl wurde vom DFB auch ganz klar nach außen transportiert. Der Tenor: Ohne die Fans in der Heimat wäre diese Mannschaft im Jahre 2014 kein Weltmeister geworden.

Heute, am 2.Januar 2015, läuft in der ARD zum ersten Mal im frei empfangbaren Programm die offizielle Doku zum Titelgewinn, sie trägt den schönen Namen „Die Mannschaft“. Nur wenige Monate nach dem Kinostart des Films wird sie allen Deutschen frei zugänglich gezeigt, schließlich sind wir ja auch alle irgendwie Weltmeister.  Erst am 2. Januar, weil der Neujahrstag eben nun einmal Tatorttag ist. Gegen den Kultkrimi kommt auch der Weltmeister nicht an. Der muss sich hinten anstellen und darf sein Filmchen erst einen Tag später zeigen. Einschaltquoten wird er trotzdem generieren, denn das Volk sehnt sich nach dem Hochgefühl, dass es im Sommer erfasst hat. Um es mit den Worten Andreas Bouranis zu sagen: „Wer friert uns diesen Moment ein? Besser kann es nicht sein?“. Ab dem morgigen Tag darf der Moment aber ruhig erstmal in der Tiefkühltruhe (oder der Eistonne) bleiben, denn dann ist auch mal gut mit dem ’sich-selbst-Feiern‘. Und mit dem Lied, das 2014 durch die Decke ging, mittlerweile aber nur noch den Wenigsten ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

 Die Erinnerungen, die der Film noch einmal aufwärmt, werden sich die Allermeisten noch einmal anschauen wollen, und das ist überhaupt nicht verwerflich. Es war schließlich wirklich ein toller Sommer und es war wirklich ein kollektives Glücksgefühl, dass diese dreiundzwanzig Spieler und das sie begleitende Trainerteam nach Deutschland schwappen ließen. Doch bei einem offiziellen Film von FIFA und DFB darf man auch nicht mehr erwarten als plumpes ‚in-schönen-Erinnerungen-Schwelgen‘. Interna wird man keine erfahren, Streitereien werden verschwiegen. Alles war total nett in Campo Bahia, dem Aufenthaltsort der Mannschaft in Brasilien. Tolle Tore, lustige Stimmung, viel Harmonie und ein völlig reibungsloser Ablauf. Wer sich einen differenzierteren Blick auf die Dinge erhofft, wird enttäuscht werden. Und jeder Zuschauer sollte sich im Vorhinein gewiss sein: Das WM-Finale zu schauen war spannender. Die Torgala gegen Brasilien zu schauen war überwältigender. Und das Interview mit Per Mertesacker nach dem Spiel gegen Algerien war unterhaltender als dieser Film.

Doch ist er damit gleich schlecht? Ich sage nein. Er bietet eine schöne Erinnerung an ein schönes Ereignis, dem Zuschauer sei gestattet, sich zurückzulehnen und zu entspannen. Große Fragen werden zwar nicht aufgeworfen und auch nicht beantwortet. Doch wenn man in vielen Jahren, dann vielleicht gemeinsam mit Kindern oder sogar Enkelkindern, auf das Jahr 2014 zurückschauen und den Kleinen erzählen will, wie das damals so war, als Deutschland zum vierten Mal Weltmeister wurde und man selbst enthusiastisch gefeiert hat, dann kann man auf diesen Film zurückgreifen und selbst Unbeteiligte werden begeistert sein von der Harmonie, die im Jahre 2014 in Deutschland herrschte. Denn der Titel sagt es schon: Da hat wirklich eine Mannschaft zusammengespielt.

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„Wetten, dass..?“ – es immer unvergessen bleibt

geschrieben von in Fernsehen, Medienkritik, Medienwandel, Qualität1 Kommentar »

Die Kultshow nimmt nach 33 Jahren ihr Ende in der deutschen Fernsehgeschichte

Wohl jeder dürfte die Sendung kennen, ob alt oder jung,  „Wetten, dass..?“ war beim Publikum lange Zeit die wohl beliebteste Samstagabend Unterhaltungsshow im Deutschen Fernsehen.

Am Samstagabend den 13. Dezember 2014 hieß es schließlich zum letzten Mal im ZDF „Topp, die Wette gilt!“. Mehr als 3 Jahrzehnte lang hat das Format das Samstagabend Programm vieler Familien bestimmt. Doch 4 Moderatoren, 33 Jahre und 215 Sendungen später endet mit „Wetten, dass..?“ ein Stück Fernsehgeschichte.

Am 14. Februar 1981 begann mit Frank Elstner als Moderator die unglaubliche Geschichte von „Wetten, dass..?“. Er war es, der das Konzept der Sendung entwickelt hatte. Jeder kennt es: Ein Wettanbieter wettet, dass er etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches oder etwas Skurriles kann. Der Wettpate, in der Regel ein Star, der als Gast in die Sendung eingeladen wurde, tippte den Wettausgang. Für den Fall, dass er mit seinem Tipp daneben lag, bot der Wettpate einen Wetteinsatz an. Elstner moderierte das Format bis 1987. In 6 Moderationsjahren wurden unter seiner Leitung insgesamt 39 Sendungen ausgestrahlt.

Daraufhin wurde Gottschalk neuer Moderator zunächst bis 1992. Unter seiner Moderation fand die erste Sommerausgabe unter freiem Himmel 1991 im Amphitheater in Xanten statt.

Anschließend moderierte Wolfgang Lippert die TV-Show ein Jahr lang von 1992 bis 1993 in insgesamt nur 9 Sendungen.

Danach übernahm Thomas Gottschalk erneut die Moderation. Er präsentierte die Unterhaltungsshow insgesamt fast 22 Jahre lang bis Dezember 2011 und damit mehr als zwei Jahrzehnte. In 151 Sendungen gewann der Kultmoderator und mit ihm das Format an zunehmender Beliebtheit.

Die Unterhaltungsshow sorgte für Skandale und Aufreger, hatte großes Unterhaltungspotential durch ihre außergewöhnlichen Wetten und skurrilen Wetteinsätze und bot immer wieder aufs Neue Gesprächsstoff für die Medien. Insbesondere die weiblichen Stars sorgten wegen zu knapper oder durchsichtiger Outfits für Aufregung. Auch Gottschalks außergewöhnliche Garderobe, die sich an keine Trends hielt, und seine ausgefallenen Outfits wurden zum Markenzeichen von „Wetten, dass..?“.

In jede Show wurden Stars eingeladen, die dann alle zusammen auf der wohl berühmtesten Couch im deutschen Fernsehen Platz nahmen. Als Gäste wurden zahlreiche exklusive und internationale Weltstars empfangen. Darunter unter anderem der amerikanische Superstar Michael Jackson im März 1999. Auch der damalige Bundeskanzler, Gerhard Schröder war einst zu Besuch in der Sendung. Unter den berühmten Persönlichkeiten waren Schauspieler, Sänger, Sportler und viele mehr.

Die historische Samstagabend Sendung stand bis dahin für Spaß, Spannung und Unterhaltung bis die Show durch den tragischen Unfall bei einer Wette im Dezember 2010 einen bitteren Beigeschmack bekam. Der damals 23-jährige Schauspielstudent Samuel Koch versuchte auf Sprungstelzen mit einem Salto über ein fahrendes Auto zu springen, stürzte und verletzte sich dabei schwer. Daraufhin wurde die Sendung abgebrochen. Samuel Koch ist seit dem Unfall gelähmt. Dieser dramatische Vorfall nahm Gottschalk zum Anlass sich aus dem „Wetten, dass..?“- Showgeschäft vollständig zurückzuziehen. Seit dem Unfall des Kandidaten lag laut Gottschalk für ihn „ein Schatten auf der Sendung“ und er wäre nicht in der Lage „zu der guten Laune zurückzufinden, die Sie zu Recht von mir erwarten“.

Am 3. Dezember 2011 verabschiedete sich Thomas Gottschalk dann schließlich für immer von der großen „Wetten, dass..?“-Showbühne. Viele Zeitungen berichten vom Ende einer Ära.

Nach dem Rücktritt Gottschalks musste ein neuer Moderator her. Die Suche gestaltete sich Anfangs etwas schwierig bis sich schließlich Markus Lanz bereit erklärte die prominenteste deutsche Fernsehshow weiterzuführen. Seit 2012 präsentierte er 13 Ausgaben der Show. Mit der Moderation der Sendung durch Lanz gingen die Zuschauerquoten immer stärker zurück und die Kritik gegenüber Lanz selbst und seinem Moderationsstil wurde von Sendung zu Sendung stärker. Viele Zeitungen berichten er sei an der Sendung gescheitert, andere berichten von einem würdelosen Abgang, der den Abschied von „Wetten, dass..?“ nicht gerade schwer macht. Es ist sogar von einem „dramatischen Verfall“ die Rede. Laut Stern wollten sich viele Zuschauer einfach nicht an Lanz als „Wetten, dass..?“- Moderator gewöhnen. Es gab zahlreiche Schlagzeilen über das gesunkene Niveau der Show und etliche negativ Berichte. Die Bild – Zeitung berichtet von „Endzeitstimmung“, andere wiederum von „Wehmut“. „Wetten, dass..? ist der erste live im Fernsehen übertragene Tod einer öffentlich-rechtlichen Sendung. Aber in Würde stirbt man besser daheim und nicht im Fernsehen“, so die Welt.

Ob man die Meinungen der Zeitungen und deren Auslegungen glauben und folgen möchte, ist jedem selbst überlassen. Fest steht jedoch, dass Lanz die Sendung „Wetten, dass..?“ noch weitere 3 Jahre am „Leben erhalten“ hat und sich der Herausforderung gestellt hat eine so große und bekannte Fernsehshow von dem „Wetten, dass..?“ – Moderator schlechthin zu übernehmen. Von Anfang an war klar: das wird keine leichte Aufgabe sein.

Mit den Worten „Das Leben geht weiter – wetten, dass?“ von Markus Lanz aus Nürnberg endete die letzte Sendung.

Wie es nach dem Ende des Fernsehklassikers weiter gehen soll ist noch nicht genau bekannt. Der Stern berichtet von einer neuen Sendung, die im kommenden Jahr von Johannes B. Kerner moderiert werden soll. Bei der Sendung „Das Spiel beginnt!“ handle es sich um Brettspiele, die Kerner als Samstagabendshow präsentieren werde. Damit „will das ZDF die Lücke füllen, die „Wetten, dass ..?“ hinterlässt“. Die Sendung trägt den Untertitel „Die große Show von 3-99“ und soll im März 2015 starten. Dennoch sei kein direktes Nachfolgeformat geplant. Stattdessen soll es mehrere verschiedene Shows und Sendungen geben, die versuchen an den Erfolg von „Wetten, dass..?“ anzuknüpfen.

Auch das bekannte Sofa, auf dem während der insgesamt 215 Sendungen von „Wetten, dass..?“ zahlreiche Stars Platz fanden, soll nun in anderen Shows wie beispielsweise dem ZDF-Fernsehgarten zum Einsatz kommen.

Ob eine andere Show es jemals schaffen wird mit der Kultshow gleichzuziehen ist jedoch äußerst fraglich. Immerhin gab es die Unterhaltungssendung fast 34 Jahre lang, durchdauerte damit mehrere Jahrzehnte und war fester Bestandteil des Samstagabend Fernsehprogramms im ZDF. Trotz vieler Kritik und auch Quotenrückgang in den letzten beiden Jahren gilt „Wetten, dass..?“ als größte Fernsehshow Europas.

Die bislang größte Herausforderung des Senders dürfte nun sein, einen passenden Nachfolger für den Klassiker zu finden.

 

Quellen:

ZDF: http://multimedia.zdf.de/2014/10/wettendass-statistik/index.html

http://www.zdf.de/wetten-dass../ein-rueckblick-die-schoensten-bilder-aus-33-jahren-wetten-dass..-36195572.html

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2304288/Ich-werde-es-nicht-vermissen (letzter Zugriff: 31.12.14)

STERN: http://www.stern.de/kultur/tv/wetten-dass-markus-lanz-peinliches-interview-mit-samuel-koch-2159927.html

http://www.stern.de/kultur/tv/zdf-ersetzt-wetten-dass-durch-brettspiele-mit-johannes-b-kerner-2158396.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

BILD: http://www.bild.de/unterhaltung/tv/wetten-dass/das-wird-aus-der-beruehmten-couch-39050778.bild.html

http://www.bild.de/themen/specials/wetten-dass/eine-aera-geht-zu-ende-16866284.bild.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik/tv-kritik-wetten-dass-vollgas-in-den-himmel-13320266.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

WELT: http://www.welt.de/vermischtes/article135334632/Arrivederci-Lanz-das-war-dein-letzter-Tanz.html

http://www.welt.de/vermischtes/article135338948/So-waren-die-letzten-Atemzuege-von-Wetten-dass.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

SPIEGEL: http://www.spiegel.de/kultur/tv/wetten-dass-quote-bei-letzter-show-mit-lanz-und-schweiger-a-1008399.html (letzter Zugriff: 31.12.14)

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Das Fernsehprogramm an Heiligabend: Alle Jahre wieder…

geschrieben von in Fernsehen, Medienkritik, Medienwandel, QualitätKommentare deaktiviert für Das Fernsehprogramm an Heiligabend: Alle Jahre wieder…

An Weihnachten kommt immer das Gleiche im Fernsehen, so die gängige Meinung. Ob das nun Fluch oder Segen ist, soll jeder für sich selbst entscheiden. Aber stimmt das wirklich? Sehen wir jedes Jahr die gleichen Filme und Sendungen? Vergleicht man das Heiligabend-Programm sowohl der öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme Das Erste und ZDF sowie der privaten Programme RTL, Sat.1 und Pro7 in den Jahren 2012-2014, so fallen einem doch schon einige Ähnlichkeiten auf.

Programm vor 20:15
Das Erste spricht mit seinem Programm 2014 vor allem Familien an: Es zeigt Kinderfilme und Märchen wie beispielsweise den Weihnachtsklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Nach der Tagesschau folgen dann weitere Klassiker mit „Familie Heinz Becker“ und „Loriot“ und im Anschluss an die „Christvesper“ wird ein deutscher Film ausgestrahlt. Diese Art der Programmgestaltung scheint sich für den Sender bewährt zu haben, da 2013 und 2012 kaum Unterschiede festzustellen sind. 2013 wurden Heinz Becker und Loriot lediglich von einer Sendereihe zum Baron von Münchhausen abgelöst und 2012 ein anderer deutscher Film gezeigt.
Auch das ZDF setzt auf eine Mischung aus Kinderfilmen, Klassikern und Märchen. So laufen 2014 Filme wie „Grüffelo“, „Pippi geht von Bord“, „Michel in der Suppenschüssel“ und „Aschenputtel“. Im Anschluss folgen die Übertragung eines Konzerts unter dem Titel „Weihnachten mit dem Bundespräsidenten“ und eine Fernsehshow. Auch hier änderte sich in den Jahren 2013 und 2012 nur minimalst die Filmauswahl. Die Klassiker Pippi und Michel blieben im Programm. Auffällig war aber, dass das Konzert 2012 nicht im Programm auftaucht.
RTL entscheidet sich bei seiner Filmauswahl 2014 für Weihnachts- und Abenteuerfilme. Ab 17:10 will es dann mit Kurzfilmen von den Schlümpfen und „Ice Age“ auch Kinder vor den Fernseher locken. Die Weihnachtsfilme wie zum Beispiel „Santa Baby“ und die Kurzfilme für Kinder blieben im Programm. Die Abenteuerfilme wurden aber durch die „Sister Act“-Reihe (2013) und die „Zurück in die Zukunft“-Reihe (2012) ersetzt. 2012 zeigte RTL außerdem noch ein „Promi Undercover Special“ und deshalb nur einen Kurzfilm, was aber aufgrund des Verlängerung der Sendezeit für die Kurzfilme nur auf wenig positive Ressonanz beim Publikum zu treffen schien.
Auch Sat.1 passt sich dem Muster an und zeigt Weihnachtsfilme, Komödien, Abenteuerfilme und 2014 den Klassiker „Mary Poppins“.  Allerdings tauschte es die alten Komödien aus den 80er Jahren, die 2012 und 2013 noch ausgestrahlt wurden, im aktuellen Jahr durch neuere Filme aus.
Pro7 fällt mit seinem Programmangebot deutlich aus der Reihe. Während die anderen Sender Spielfilme zeigen, beschränkt sich dieser Anbieter auf amerikanische Serien. Mit Ausnahme von 2012, als vormittags immerhin noch zwei Tanzfilme und eine Teenie-Komödie gezeigt wurden, findet man im weiteren Verlauf des Programms nur noch die Serien, die Pro7 auch im normalen Wochenprogramm zeigt (zum Beispiel: „Two and a half men“, „How I met your mother“, „Die Simpsons“). Es variieren lediglich die Serientitel.

Programm um 20:15
Das Erste zeigt deutsche Filme: „Buddenbrooks“ (2012), „Die Liebe kommt mit dem Christkind“ (2013) und „Weihnachten…ohne mich, mein Schatz!“ (2014). Beim ZDF ist der „Heiligabend mit Carmen Nebel“ scheinbar schon zur Tradition geworden, denn er wird in allen drei Jahren zu dieser Zeit ausgestrahlt. Somit sprechen die öffentlich-rechtlichen Sender aber eher das ältere Publikum an. Der private Sender RTL hat ebenfalls scheinbar eine Tradition entwickelt und zeigt den Weihnachtsklassiker „Schöne Bescherung“ aus dem Jahre 1989. Sat.1 wechselt zwischen „Kevin-Allein zu Haus“ (2012 und 2014) und dem ersten Teil der „Indiana Jones“-Reihe (2013). Pro7 zeigt ebenfalls Spielfilme,allerdings keine aktuellen: „Fantastic Four“ (2013) und „Stirb langsam 2“ (2014). 2012 fällt der Sender aber deutlich aus der Reihe und zeigt die amerikanische Serie „The Big Bang Theory“.

Anschlussprogramm
Das Erste zeigt im Anschluss an den deutschen Film 2012 „Loriot“, 2013 ein Special zu einer Arzt-Serie und 2014 eine Krimikomödie. Danach folgen die Tagesschau und die katholische Christmette. Das ZDF zeigt dazu passend die evangelische Christmette und danach ebenfalls Nachrichten. Spielfilme werden daran im Anschluss gezeigt: „Ist das Leben nicht schön?“ (2012), „Tatsächlich…Liebe“ (2013) und „Leo und Marie-Eine Weihnachtsliebe“ (2014). RTL strahlt Action- oder Science-Fiction-Thriller aus, 2014 ergänzt es sein Programm aber noch durch die Komödie „Snow Dogs“. Sat.1 knüpft einfach an den vorhergehenden Film an, zeigt also „Kevin-Allein in New York“ (2012 und 2014) und den zweiten Teil der „Indiana Jones“-Reihe (2013). Dieses Muster übernimmt auch Pro7 2013 und zeigt im Anschluss an „Fantastic Four“ die Fortsetzung des Spielfilms aus dem Jahr 2007. 2014 orientiert sich der private Fernsehsender dann eher am Konkurrenten RTL und zeigt den Actionthriller „Tödliche Weihnachten“ (lief 2012 auf RTL zur selben Sendezeit). 2012 bleibt Pro7 aber der amerikanischen Serie „The Big Bang Theory“ treu und zeigt diese bis 02:40.

Es stimmt also, dass die Fernsehsender ihr Programm kaum verändern. Die öffentlich-rechtlichen bedienen vor 20:15 Familien und Kinder mit Märchen, Kinderfilmen und Klassikern und abends sprechen sie dann eher das ältere Publikum an. Die privaten Sender versuchen eine Alternative dazu zu bieten, indem sie abwechslungsreichere Filme zeigen, die ein größeres Publikum ansprechen. Pro7 fällt mit seinen Serien dabei deutlich aus der Reihe. Tatsächlich ändern sich also lediglich die Filmtitel, das Konzept dahinter bleibt aber gleich. Häufig tauchen die Titel im Abstand einiger Jahre auch genau in dieser Zusammenstellung wieder auf. Am auffälligsten sind die Wiederholungen um 20:15 bei ZDF und RTL, aber dadurch wird auch einen gewisse Zuschauerbindung erzeugt. Es entsteht eine Art Tradition und wann passt dies wohl besser als an Weihnachten?

Quellen:
– Fernsehprogramm 2012
– Fernsehprogramm 2013
– Fernsehprogramm 2014

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Entlarvung auf dem Boulevard

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Medienkritik, QualitätKommentare deaktiviert für Entlarvung auf dem Boulevard

Häufig sind die Strategien von Boulevardmedien simpel und leicht durchschaubar. Das ist zumindest die Annahme von jemanden der „Irgendwas mit Medien“ studiert. Dennoch Boulevard kommt an, ob es aber vom Medienlaien als solches identifiziert wird, bleibt durchaus fraglich.

Trotz zunehmend schwammiger Grenzen zwischen Boulevardmedien und Qualitätsmedien, die zum Teil mit Trends der Amerikanisierung und stärkerem nationalen Konkurrenzdruck zu begründen sind, ist die Entlarvung von klassischen Interviewstrategien wohl möglich. Das zeigt ein Mitschnitt einer Pressekonferenz der Nationalmannschaft vor dem Finale in Maracanã. Dort betitelt ein Reporter Papst Franziskus als Geheimwaffe der Argentinier und fragt Thomas Müller, welche irdischen Kräfte die deutsche Mannschaft dagegen setzen wolle. Müllers freche Antwort: „Ich müsste jetzt keinen sehen. Ich kann mir denken, die Frage kommt von RTL“. Natürlich ist Thomas Müller ein Medienprofi und somit eindeutig vom Medienlaien zu unterscheiden. Er kennt die Strategien seiner Interviewer. Aber Hand aufs Herz: Welcher halbwegs fußballliebende Mensch hätte in solch einer Situation eine so belanglose und absurde Frage gestellt?

RTL-Reporter ertappt

Das Verhältnis zwischen Fußballern und Reporter ist generell schwierig, das zeigt sich auch aktuell bei der Weltmeisterschaft in Brasilien. Läuft ein Spiel gut, will der Fußballer eigentlich nur feiern, spricht aber dennoch gerne. Lief ein Spiel nicht so gut, dann endet ein Gespräch zwischen Fußballer und Journalist ganz schnell in einem zickigen Ton. Trotzdem ist es durchaus angebracht, dass sich die Sportler nicht alles gefallen lassen. Das Aufkommen an Journalisten ist zum medialen Großereignis Weltmeisterschaft 2014 riesig, die Nachfrage nach gutem Interviewstoff identisch hoch. Fußballer erbringen in dieser Zeit eine Doppelbelastung. Sie müssen zum einen ihre Leistung auf dem Platz bringen und zum anderen ihr Können vor und nach dem Spiel rechtfertigen. Umso sympathischer, dass Thomas Müller seine Gedanken nicht einfach runterschluckt und die Frage gemäß den Erwartungen des Journalisten beantwortet. Sein frecher, aber durchaus angebrachter Kommentar zeigt nur, dass er noch zu keinem Spielball der Medienlandschaft geworden ist und stellt den RTL-Reporter zurecht ein bisschen bloß.

 

Weiterführende Quellen:

O.A. (04.07.2014 ): Per Mertesacker erklärt sein Wut-Interview. URL: http://www.bild.de/sport/fussball/per-mertesacker/erklaert-sein-wut-interview-36674166.bild.html, [12.07.14].

O. A. (04.07.2014): Per Mertesacker spricht über sein ZDF-Interview. URL: http://www.stern.de/sport/fussball/wm-2014/news/ab-in-die-eistonne-per-mertesacker-spricht-ueber-sein-zdf-interview-2121669.html, [12.07.2014].

https://twitter.com/esmuellert_

O.A. (12.07.2014): DFB-PK: Thomas Müller macht sich über RTL-Reporter lustig. URL: http://meedia.de/2014/07/11/dfb-pk-thomas-mueller-macht-sich-ueber-rtl-reporter-lustig/, [12.07.2014].

 

Sprache im Netz: Wie uns Onlinezeitungen zum Klick verführen wollen

geschrieben von in Internet, Kommunikationsformen, Medienkritik, Online-Magazine, Qualität, Zukunft des InternetKommentare deaktiviert für Sprache im Netz: Wie uns Onlinezeitungen zum Klick verführen wollen

Schon seit jeher verfolgen Journalisten vorrangig ein Ziel: Ihre Texte sollen gelesen werden. Publizität ist neben Aktualität, Universalität und Periodizität ein wesentliches Kriterium des Mediums Zeitung. Der Lohn für tiefgründige Recherche, originelle Formulierung und spannende Texte ist die Aufmerksamkeit der Leser.

So sollte es zumindest sein. Denn seit der Etablierung von Online-Medien hat sich eines verändert: Der Erfolg einzelner Beiträge innerhalb eines Angebots ist quantifizierbar geworden. Konnte man im analogen Zeitalter anhand von Verkaufszahlen, Abonnements und der Auflage die Größe der Leserschaft einer Zeitung bestimmen, ist es in der digitalen Epoche längst möglich, anhand der Klickzahlen einzelner Artikel Rückschlüsse auf sie zu ziehen. Somit werden diese Klickzahlen zur Maßeinheit im Netz – und im Kampf um diese hat sich auch die Sprache verändert. Als Beispiele hierfür lassen sich insbesondere zwei Webportale nennen, die im Gegensatz zu den zahlreichen Onlineangeboten der etablierten Printmedien von Anfang an nur im Netz zuhause waren: Die „Huffington Post“ und „Heftig.co“.

Schaut man sich die Startseiten dieser beiden Websites an, so fällt eines ins Auge: Eine zentrale Rolle spielen hier Überschriften und Bilder; längere Texte oder zumindest Vorspanne für Artikel sind von stark untergeordneter Bedeutung. Bei „Heftig.co“ fehlen diese gar komplett – die Startseite besteht fast ausschließlich nur aus Bildern und Überschriften. Diese sind zugleich Hyperlinks, die von der jeweiligen Startseite als Absprungstelle auf portal-interne Seiten mit dem eigentlichen Inhalt verlinken.

Dabei fällt nicht nur die auffällige optische Gestaltung dieser Links ins Auge (wie etwa die große, bunte Schrift bei der „Huffington Post“), sondern auch die sprachliche Gestaltung. Die Seiten gehen mit einem Stil vor, der Überschrift und Cliffhanger verbindet. Exemplarisch zu nennen sind etwa die Überschriften „Tierschützer befreien Elefanten nach 50 Jahren Gefangenschaft. Dann passiert etwas Magisches“ oder „9 Monate. 98 Männer. Das habe ich gelernt“ bei der Huffington Post. Während die „Huffington Post“ auch noch teilweise längere, einführende Texte auf ihrem Portal anbietet, geht „Heftig.co“ bei all seinen Links nach diesem Muster vor. Beispiele hierfür sind: „Was macht man, wenn die Liebe nachlässt? Ich wollte es selbst nicht glauben, aber die Lösung ist denkbar einfach!“, „Es ist nur eine Minute. Aber diese Rede von Jim Carrey kann dein Leben verändern. Für immer!“ oder „Etwas bewegte sich im Brunnen. Als er es erkannte, stockte ihm der Atem.“ Die genannten exemplarischen Überschriften stehen alle ohne weitere Informationen und nur begleitet von einem Bild auf der Startseite.

Das Ziel dieses Vorgehens ist offenkundig: Die Leser sollen neugierig gemacht und dazu gebracht werden, die Links zu den einzelnen Beiträgen anzuklicken – ohne dass vorher dargestellt werden muss, welcher konkrete Inhalt in diesen enthalten ist. Aufmerksamkeit als Lohn für tiefgründige Recherche, originelle Formulierung und spannende Texte wirkt vor diesem Hintergrund geradezu anachronistisch.

 

Quellen:

  • Bucher, Hans-Jürgen, 1999: Die Zeitung als Hypertext. Verstehensprobleme und Gestaltungsprinzipien für Online-Zeitungen. In: Lobin, Henning (Hrsg.): Text im digitalen Medium: Linguistische Aspekte von Textdesign, Texttechnologie und Hypertext-Engineering. S. 9-32. Opladen: Westdt. Verlag.
  • Neuberger, Christoph, 2003: Online – die Zukunft der Zeitung? Das Engagement deutscher Tageszeitungen im Internet. 2. Auflage. Wiesbaden: Westdt. Verlag.
  • http://www.huffingtonpost.de/, Zugriff am 08.07.2014, 11:00 Uhr
  • http://heftig.co/, Zugriff am 08.07.2014, 11:00 Uhr

Die sprachliche Darstellung Putins in der Ukrainekrise

geschrieben von in Medien und Politik, Medienkritik, QualitätKommentare deaktiviert für Die sprachliche Darstellung Putins in der Ukrainekrise

Eine derzeit höchst aktuelle sowie brisante Debatte ist die um die Darstellung Putins in der Ukrainekrise. Gabriele Krone-Schmalz, langjährige ARD-Korrespondentin, prangert das Schwarz-Weiß-Muster der Berichterstattung an und stellt fest, dass in den westlichen Medien stets der Westen als gut und der Osten als böse dargestellt werden. Des Weiteren bemängelt sie einen fehlende Reflexion und Kritik der Journalistenkollegen untereinander. Der vollständige Artikel kann hier gelesen werden.

In meiner Hausarbeit zum Thema „Die sprachliche Darstellung Putins in der Ukrainekrise“ habe ich mit Hilfe der Wissenssoziologischen Diskursanalyse fünf Meilensteine der Berichterstattung in deutschen Medien analysiert. Diese waren die Vertragsunterzeichnung im Kreml durch den russischen Präsidenten, seine Rede zur Annexion der Krim, der Putin-Hitler-Vergleich durch Schäuble, die Militärparade auf der Krim sowie Putins Besuch zum D-Day in der Normandie.

Die Ergebnisse meiner Diskursanalyse bestärken Krone-Schmalz‘ Kritik zum größten Teil. Putin wird als Symbol für russische Politik, und somit das gesamte russische System, dargestellt. Der russische Präsident wird als machthungrig, zielstrebig und eigensinnig wahrgenommen. Auch Macht und Stärke sind im Diskurs von großer Bedeutung. Es geht um Russland als starker Staat in allen Belangen, politisch wie wirtschaftlich, und dies auch mit Hilfe von militärischen Mitteln versucht, durchzusetzen. Auch die Darstellung des Ostens als böse wird besonders in der Berichterstattung zum D-Day deutlich. Spiegel online titelt sogar „Putin beim D-Day: Lass uns reden, Bösewicht“. Eine distanziertere Perspektive nehmen die Journalisten lediglich beim Thema Hitler-Vergleich ein. Die Berichterstattung zu diesem Thema ist gekennzeichnet durch distanzierte, neutrale Beschreibungen der Situation und wird als warnender geschichtlicher Vergleich, um die Bevölkerung vor möglichen Konsequenzen zu warnen, dargestellt.

Um diese Ergebnisse mit der ebenso aktuellen Debatte um journalistische Qualitätskriterien in Verbindung zu bringen, kann man sagen, dass es wünschenswert wäre, wenn die Journalisten generell einen objektiveren Standpunkt einnehmen würden. Natürlich sind die journalistischen Akteure westlich sozialisiert und ihr Weltbild dementsprechend geprägt, allerdings könnte versucht werden, zwischen den Kulturen zu vermitteln und so zum gegenseitigen Verständnis und eventuell zu einer Deeskalation des Konflikts beitragen zu können.

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