Opfer der Mediengesellschaft oder 17,98 für die Luft

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Für allen soll es schon klar sein, dass hier geht es um den Rundfunkbeitrag. Und das Gesetzt, das von Anfang an als Entlastung dienen sollte, ist für einige Leute eine große Belastung.  Alle müssen den Beitrag zahlen egal wo sie wohnen und welche Rundfunkgeräte (egal ob überhaupt irgendwelche) sie haben. Ja, eine super Idee des Beitragsservices um Zeit für die Überprüfung zu sparen und mehr Geld kassieren: „Aus Düsseldorf wird eine Erhöhung von 20.000 auf 150.000 oder 200.000 Euro pro Jahr gemeldet, aus Stuttgart eine von 67.000 auf 150.000, aus München ein Anstieg von 60.000 auf 350.000 Euro.“(das ist nur von Kommunen) 1

Vorher musste man den Beitrag pro ein Rundfunkgerät zahlen, und für einige große Familien das war richtige Belastung.  (Aber wenn eine Familie 3 Fernsehen, 2 Laptops und 3 Radios erledigen kann, muss auch in Zustand sein einen Beitrag zahlen!) Jetzt ist es egal wieviel Rundfunkgeräte man hat.  Was hier besonders einfällt– das Computer, Laptop und sogar Smartphone sind auch Rundfunkgeräte. Ja, klar, man kann auch mithilfe eines Smartphones Radio hören usw. aber man muss das nicht unbedingt tun, es wird nicht mit diesem Ziel gekauft. In eine Mediengesellschaft muss man jetzt zahlen nicht nur für Dienstleistungen und Waren, aber auch für die MÖGLICHKEIT etwas benutzen, sehen oder hören. Und was ist mit den Leuten die gar keine Fernsehens, Radios, Laptops oder kein Internetzugang und Smartphones haben?! Ja, solche existieren auch, aber leider nicht für ARD, ZDF Beitragsservice. Die Losung lautet: „Einfach für alle“. So einfach ist es leider nicht. Beitragsservice fordert den Beitrag von Bürgern, deren Einkommen unter dem Existenzminimum liegt (mehr darüber 2 ).

Jetzt kommt die Frage wofür wir eigentlich zahlen müssen. ARD, ZDF Beitragsservice gibt keine richtige Erklärung. Jetzt kassiert das Beitragsservice viel mehr Geld als GEZ früher, und was passiert mit dem Geld? Das ist auch eine interessante Frage. Ich hätte nichts dagegen wenn die Gesetzänderung zu einer besseren Qualität des Fernsehens und Radios führte. Wenn es wenige Werbung  und mehr erkenntnisreiche Sendungen gäbe, das würde ich gerne bezahlen.  Hat aber jemand die Veränderungen bemerkt?  Die einzige Veränderung ist nur das: einige,  die schon haben,  bekommen noch mehr und andere müssen das Letzte abgeben. So ist die moderne Mediengesellschaft—viele Möglichkeiten und sehr wenig Menschlichkeit.

 

1.Hanfeld, Michael: Rundfunkbeitrag. Elfmal mehr für die Kitas. FAZ.net.  31.01.2013. http://www.faz.net/aktuell/rundfunkbeitrag-elfmal-mehr-fuer-die-kitas-12046235.html (abgerufen 13.05.2013)

2. Hanfeld, Michael: Rundfunkbeitrag. Alle müssen zahlen. Ganz einfach. FAZ.net.   12.04.2013 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rundfunkbeitrag-alle-muessen-zahlen-ganz-einfach-12147046.html (abgerufen 13.05.2013)

 

 

Youtube und das Fernsehen

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Legale Videostreamingdienste wie Netflix, der sich in den Staaten großer Beliebtheit erfreut, oder gestartete Ableger in Deutschland wie etwa Watchever und Lovefilm, geben dem Konsumenten einen Vorgeschmack, wie das Fernsehen der Zukunft aussehen könnte. Man zahlt einen monatlichen Beitrag, dafür hat man Zugang zu etlichen Serien und Filmen, ähnlich wie es Spotify für die Musik tut. So ist es beispielsweise möglich sein eigenes TV-Programm zu erstellen. Werbung bzw. Werbeblocks würden hinfällig werden, sofern die monatlichen Abogebühren des Konsumenten den Dienst rentabel halten.

Durch die Einführungen der Youtube-App auf jeder aktuellen Konsole und vielen TV-Geräten selbst, dringt auch Youtube immer mehr in dieses Territorium vor. Das Image der Spaß- & Katzenvideos haftet zwar Youtube noch an, aber ganz zutreffend ist es heutzutage nicht mehr. Die Produktionen wurden in den letzten Jahren immer professioneller, was nicht nur mit den immer bezahlbareren und besseren Videokameras, die heutzutage alle HD-Auflösungen unterstützen, zu erklären ist, sondern auch mit dem Partnerprogramm von Youtube selbst, bei dem die Produzierenden von den Youtube-Werbeeinnahmen beteiligt werden können. Neben dem wohlmöglichen Verlangen sich im Netz kreativ auszutoben, stieg dadurch auch der Reiz etwas vom Kuchen abzubekommen. Diese Entwicklung möchte das weltweit größte Videoportal nun weiter ausbauen.

Vor kurzem startete Youtube in Amerika eine neue Funktion, die in unseren Landen derzeit noch nicht verfügbar ist. So gibt es nun bezahlbare Abonnements für bestimmte Kanäle. In der Praxis können somit bestimmte Kanäle erst dann angesehen werden, wenn man für diese den jeweiligen monatlichen Betrag zahlt. Neben dem bereits gestarteten Youtube-Angebot „Movies“, bei dem man Spielfilme in voller Länge ansehen kann, sowie offizielle Kanäle von dem Dienst selbst, versucht diese neue Funktion das “Niveau” der Plattform weiter anzuheben. Zugleich dient es auch als neue Einnahmequelle. Ob eine weitere “Professionalisierung” mit der Einführung von kostenpflichtigen Kanälen gelingt und ob die Konsumenten bereit sind für bestimmte Kanäle Geld zu zahlen, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Quellen:

Handelsblatt (2013):  Youtube will Bezahlkanäle starten. URL: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/internetfernsehen-youtube-will-bezahlkanaele-starten/8186370.html (12.05.13)

 
heise online (2013): Netflix mit starken Zuwachs dank “House of Cards”. URL: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Netflix-mit-starkem-Zuwachs-dank-House-of-Cards-1848186.html (12.05.13)

Unterschichtenfernsehen: Wieso schauen wir es?

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Alle Jahre wieder schafft es RTL mit dem Dschungelcamp etliche Millionen Deutsche vor den Fernseher zu versammeln. Sie ergötzen sich an den Spannungen in der Gruppe, die Gespräche über Gott und die Welt und natürlich über die Prüfungen, die ohne Ekel in der Regel nicht auskommen können.

Im Prinzip handelt sich bei „Ich bin ein Star holt mich hier raus!“ nur um ein weiteres Format der umgangsprachlich genannten Kategorie „Unterschichtenfernsehen“, nur aufwendiger, professioneller, größer und mit mehr oder weniger bekannterer Besetzung und reiht sich perfekt in das restliche Programm von RTL ein, das diese Art der Unterhaltung schon fast inflationär ausstrahlt. So sollte man zumindest denken, aber in der Realität sieht es ganz anders aus. Deutschland liebt seine Promis im Dschungel. RTL lacht sich ins Fäustchen, denn satte 4,32 Mio. der 14- 19-Jährigen schauten sich die Show am 15.1.2013 an, was einen Marktanteil von 46,7 % entspricht.

Aber was ist es, was die Deutschen an Shows wie besonders „IBES“ so toll finden? Wieso erstreckt sich dieser Virus des „Unterschichtenfernsehen“ durch fast die vollständige Deutsche Fernsehlandschaft und nimmt dabei den Platz für eventuell interessantere Formate weg? Und wann werden wir davon endlich überdrüssig?

Ab und zu denke ich mir, was ein Tourist, der in Deutschland Urlaub macht, wohl über uns denkt, wenn er ein wenig Fernsehen schaut. Das bereitet mir fast ein wenig Sorge.

Gerne würde ich wieder einen vernünftigen Grund haben, um auf meiner Fernbedienung die Tasten für die privaten Sender zu drücken, um dort „gute“ & selbstproduzierte Serien zu sehen, aber davon sind wir gerade weit entfernt. Stattdessen gibt es etliche schnell und günstig produzierte Formate. Schade.

 

Quellen:

Meedia.de (2013): „Ich bin ein Star“ ist auf Rekordkurs URL: http://meedia.de/fernsehen/ich-bin-ein-star-auf-rekordkurs/2013/01/16.html (abgerufen: 20.01.2013)

Sprachschützer küren “Schlagzeile des Jahres” … so what?

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Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) hat die Schlagzeile des Jahres gekürt. Die Jury, bestehend aus dem Vereinsvorsitzenden Walter Krämer, sowie Journalisten und Sprachwissenschaftlern, wählte aus 96 eingegangenen Vorschlägen, die Schlagzeile „Politik. Macht. Einsam” aus dem Stern (Ausgabe 43/2012) zu ihrer Nummer 1. Die Schlagzeile leitete einen Bericht über Linken-Politiker Gregor Gysi ein und fasse laut Jury “besser als mancher langer Text zusammen warum Politik tatsächlich einsam macht.”

Laut VDS-Homepage gibt es scheinbar nur zwei Kriterien für ihre persönlichen Schlagzeilen des Jahres: “Einmal dafür, dass sie das Wesentliche eines Beitrags in wenigen Worten zusammenfassen, und zweitens für ihre kreative Nutzung des wortspielerischen Reichtums, über den die deutsche Sprache nicht weniger als andere verfügt.” Leider funktionieren diese Kriterien allerdings nur zusammen, wenn man sich auf die unterhaltenden Darstellungsformen des Journalismus beschränkt.

Sprachliche Kreativität ist im Geschäft der harten Nachrichten nicht wirklich gefragt, sondern zuverlässige und präzise Informationen für das Publikum. Und so haben es auch nur Schlagzeilen in die Liste geschafft, die mal mehr und mal weniger kreativ mit Sprache spielen, das aber auch tun können, weil der inhaltliche Schwerpunkt entweder z.b. mehr auf bunten Themen lag oder es sich dabei um Kommentare handelte. Wie auch immer, in jedem Fall konnten die Erzeuger der Schlagzeile nur kreativ werden, weil es Inhalt, Darstellungsform, das Image und die Eigenschaften des jeweiligen Mediums (darunter auch BILD, Deutsche Bahn mobil [???], test-Zeitschrift) erlaubte.

Die Kritik gilt hier nicht den Schlagzeilen-Erzeugern sondern der undifferenzierten Wahl zur Schlagzeile des Jahres daselbst. Hier wäre wenigstens eine Einordnung in Kategorien wünschenswert. Zudem kann eine Schlagzeile auch nicht entkoppelt vom zugehörigen Text und ohne Betrachtung seiner Qualität bewertet werden. Was bringt mir denn eine kreative Schlagzeile wenn der Beitrag an sich nicht lesenswert ist.

Aber bei der Wahl zur Schlagzeile des Jahres geht es ja anscheinend weniger um journalistische Qualität. Es geht um das Hauptziel des VDS, die deutsche Sprache, die ja “[…| nicht weniger zur Nutzung ihres wortspielerischen Reichtums als andere Sprachen geeignet ist […], vom Einfluss der angloamerikanischen Sprache (sie schwächt laut Leitlinie des VDS die sprachliche und kulturelle Eigenständigkeit der europäischen Länder) zu beschützen. Um dieses Ziel zu erreichen veranstaltet der VDS also eine Wahl zur Schlagzeile des Jahres deren einziges und wichtigstes Kriterium die Emanzipation der deutschen Sprachkultur von der englischen Sprache zu sein scheint.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Schlagzeile “Kampf dem organisierten Versprechen: Ein deutscher Professor tadelt die Sprachpanscher” aus dem Hamburger Abendblatt auf Platz 6 landet. Besagter Professor, der in dem Beitrag die Sprachpanscher tadelt ist nämlich, wer hätte es gedacht: Walter Krämer, der Vorsitzende des VDS.

Die taz beschwerte sich zudem in ihrem Hausblog, dass die Schlagzeile auf Platz 2 des VDS-Rankings „Biosprit: Essen auf Rädern“, der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zugeschrieben wird. Die taz hätte sie schon einen Tag vorher auf Seite 1 gehabt. Schlecht recherchiert? Egal, um Journalismus geht es bei der Wahl ja nicht. Sie dient dem VDS nur als Vehikel für eine Pressemitteilung um mediale Aufmerksamkeit zu generieren und ist somit reiner Selbstzweck und nicht ernst zu nehmen.

 

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Ein Lehrbeispiel: So schnell kann man das Vertrauen in eine Institution wie die BBC zerstören.

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Die BBC steckt mitten in einer ihrer größten Krisen und wird aus dieser vermutlich so schnell auch nicht mehr herauskommen. Der Grund: Reportagen in der bekannten Nachrichtensendung „Newsnight“, Geheimhaltung der Kindesmissbräuche eines Moderatoren und falsche Missbrauchsvorwürfe gegen einen Politiker.

Bereits vor einigen Wochen war herausgekommen, dass die BBC jahrelang von den Machenschaften ihres beliebten Moderators Jimmy Savile gewusst und diese bewusst verschwiegen und verschleiert hatte. Es wird sogar angenommen, dass eine Reportage, die für die große BBC-Nachrichtensendung „Newsnight“ geplant war und in der die Wahrheit über Savile ans Licht kommen sollte, von oberster Stelle gestoppt wurde. Stattdessen wurde der Entertainer weiter in den höchsten Tönen gelobt, nachdem er im vergangenen Jahr gestorben war.

Savile, der unter anderem auch Kindersendungen moderierte, soll über Jahre hinweg 300 junge Menschen missbraucht haben, zum Teil sogar in BBC-Studios.

Nun gab es einen zweiten Skandal. Am zweiten November wurde in der „Newsnight“ ein Bericht über Misshandlungen von Kindern in walisischen Waisenheimen in den 70-er und 80-er Jahren ausgestrahlt. Ein Opfer dieser Misshandlungen, Steve Messham gab an, unter den Tätern sei auch ein hochrangiger Tory-Politiker gewesen. Obwohl in der Sendung keine Namen genannt wurden, tauchten unmittelbar danach im Internet Vorwürfe gegen Lord Alistair McAlpine auf, Schatzmeister unter Margaret Thatcher, die sich später als falsch herausstellten.

In der Folge dieser Ereignisse verkündete der Generaldirektor und Chefredakteur der BBC, George Entwistle, am vergangenen Samstag seinen Rücktritt. Drei weitere namhafte Journalisten, Nachrichtenchefin Helen Boaden, ihr Stellvertreter Steve Mitchell sowie der Chef der Investigativ-Abteilung, Iain Overton, legten am Montag ihre Ämter nieder.

Man fragt sich, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Die BBC ist ja schließlich kein Niemand. Die British Broadcasting Corporation wurde bereits 1922 gegründet und ist die weltweit größte öffentliche Sendeanstalt. Anders als beispielsweise in Deutschland haben die privaten Sender in Großbritannien deutlich weniger Einfluss; die BBC dominiert den Markt mit je 10 nationalen (englischen) Fernseh- und Radiosendern, nationalen Fernseh-und Radiodiensten für Wales, Schottland und Nord-Irland, 40 lokalen Radiostationen und einem großen Online-Angebot.

Die BBC, von den Briten liebevoll auch „Tantchen“ genannt, ist in Großbritannien also quasi das Nonplusultra.

Ein solcher Skandal passt da natürlich gar nicht zu dem Bild, das die Öffentlichkeit von der Sendeanstalt hat, und erschüttert umso mehr, als die BBC sonst für für ehrlichen, wahrheitsgetreuen Journalismus steht.

Generaldirektor Entwistle sagte jedoch aus, er habe weder von dem Inhalt der unterbundenen Reportage über Savile, noch von den Enthüllungen in der „Newsnight“-Ausgabe des 2. November gewusst  – und das ist untragbar für einen jeden Chefredakteur.  Entwistle ist maßgeblich dafür verantwortlich zu machen, dass das Vertrauen der Briten in die BBC stark zerstört ist. Der Rücktritt von „incurious George“, wie er bereits genannt wird, war die einzig logische Konsequenz.

Dieses Vertrauen zurückzugewinnen, hat jetzt oberste Priorität. Gelingen kann dies nur mit viel Ehrlichkeit und einer umfassenden Aufarbeitung der Vorfälle. Entwistles Nachfolger muss jetzt dafür Sorge tragen, den Ruf der BBC wiederherzustellen – eine schwierige Aufgabe.

 

Quellen:

At a glance. http://www.bbc.co.uk/aboutthebbc/insidethebbc/whoweare/ataglance/ (16.11.2012)

Kielinger, Thomas (2012): BBC steht für Blamage. http://www.morgenpost.de/printarchiv/panorama/article110911455/BBC-steht-fuer-Blamage.html (16.11.2012)

Thomas, Gina (2012): Die Tante des Clowns hat nichts mehr zu lachen. http://www.faz.net/aktuell/ruecktritt-des-bbc-generaldirektors-die-tante-des-clowns-hat-nichts-mehr-zu-lachen-11957522.html (16.11.2012)

Spiegel Online (2012): BBC-Nachrichtenchefin gibt auf. http://www.rp-online.de/panorama/ausland/bbc-generaldirektor-entwistle-tritt-zurueck-1.3064131 (16.11.2012)

 

125,3 Elektronenvolt, aber was hat das mit Gott zu tun?

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Der 4. Juli 2012 versetzte die Welt der modernen Physik in einen Aufruhr, der weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaushallte. Am CERN, dem Europäischen Institut für Kernforschung in der Schweiz wurde ein neues Elementarteilchen mit der Masse 125,3 Elektronenvolt (ca. 10^-25 kg) entdeckt. Diese Meldung dürfte für Nicht-Physiker zunächst mal recht unspäktakulär sein, schließlich wird doch ständig irgendwo irgendwas entdeckt. Allerdings stellte sich bald heraus, dass es sich bei dem gefundenen Teilchen höchst wahrscheinlich um das berühmte Higgs-Boson handelte. Dieses Higgs-Boson, benannt nach seinem Quasi-Entdecker Peter Higgs zeichnete sich bislang vor allem dadurch aus, dass es noch nicht gefunden wurde. Seine Existenz war theoretisch nachgewiesen, einzig der tatsächliche physische Beweis fehlte als letzter Baustein zur Verifizierung der derzeit als gültig betrachteten physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Gut 40 Jahre lang mühten sich Physiker in aller Welt nun das Higgs-Boson nachzuweisen, was lange Zeit als nicht gerade aussichtsreiches Unterfangen galt. 1993 wollte nun der Physiker Leon Ledermann ein Buch über das Higgs-Boson veröffentlichen, unter dem schönen Titel “The Goddamn Particle”, was sich auf die frustrierenden Versuche beziehen sollte, das Higgs-Boson aufzuspüren. Leider war dieser Titel dem Verlag ein bisschen zu offensiv, weshalb man “damn” kurzerhand aus dem Titel strich. Übrig blieb “The God Particle” und dies ist für eine Entdeckung wie die Gestrige ein Schlagwort wie es sich die Vertreter der publizistischen Medien nicht schöner hätten ausdenken könnten.

Darum wimmelte es gestern in sämtlichen Zeitungen, Onlineblogs, Nachrichtensendungen usw. vom “Gottesteilchen”. An vorderster Front (im deutschsprachigen Raum) wie üblich die Bild, die mit “Gottesteilchen” um sich feuert als hätte sie einen Werbevertrag für diesen Modeausdruck, doch auch Blätter wie der Spiegel, die FAZ, der Stern, die Welt und viele andere geizten nicht mit dem Gottesvergleich. Dies mag auf den ersten Blick verständlich sein, denn wahrscheinlich kann der Durchschnittsleser alleine mit dem Titel “Higgs-Boson”, geschweige denn mit den genannten Massezahlen nicht gerade viel anfangen. Um eine wichtige Nachricht zu verbreiten braucht man eben einen zumindest wichtig-klingenden Titel, und da kommt “The God Particle” gerade recht. Entschließt sich der geneigte Leser dann jedoch einen näheren Blick auf die jeweiligen Artikel zu werfen, bleibt der Gottesbezug meist auf der Strecke. Die Erklärungsversuche für diese Titulierung beschränken sich entweder auf “weil das Teilchen so wichtig ist” oder auf die noch spartanischere Variante “weil es eben so genannt wird”. Bloß von wem? Von den Physikern in CERN? Tatsächlich sind es nur die Medien selbst, die diese Bezeichnung benutzen und etabliert haben. Ob man sich daran nicht erinnern kann oder es lieber garnicht will sei einfach mal dahingestellt. Was bleibt ist eine bewusste Irreführung der Leser zugunsten der Prägnanz, denn mit Gott hat das Higgs-Boson herzlich wenig zu tun.

 

Bild.de:” Gottesteilchen entdeckt!” http://www.bild.de/news/ausland/cern/gottesteilchen-entdeckt-25001752.bild.html (Abruf am 05.07.2012)

Freistetter, Florian: “Liebe Medien: Das Higgs-Boson ist kein “Gottesteilchen”!” http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/liebe-medien-das-higgs-boson-ist-kein-gottesteilchen.php (Abruf am 05.07.2012)

Spiegel Online: “Physiker feiern Durchbruch bei der Gottesteilchen-Suche” http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/higgs-boson-cern-gibt-entdeckung-von-teilchen-am-lhc-bekannt-a-842478.html (Abruf am 05.07.2012)

Sueddeutsche.de: ” “Danke, Natur” ” http://www.sueddeutsche.de/wissen/higgs-teilchen-entdeckt-danke-natur-1.1401966 (Abruf am 05.07.2012)

Faz.net: “Gottes-Teilchen: Higgs-Boson entdeckt?”http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-chemie/gottes-teilchen-higgs-boson-entdeckt-11807864.html (Abruf am 05.07.2012)

Stern.de: “Jubel bei der “Gottesteilchen”-Suche” http://www.stern.de/wissen/kosmos/hinweis-auf-higgs-boson-jubel-bei-der-gottesteilchen-suche-1851063.html (Abruf am 05.07.2012)

Spaß und Tränen vor dem Spiel

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Wer hat sie nicht gesehen, diese zwei prägnanten Szenen während der Live-Übertragungen des Vorrundenspiels Niederlande:Deutschland (13.6.; ZDF) und des Halbfinales Deutschland:Italien (28.6.; ARD)?

Zur Erinnerung:

Im Vorrundenspiel Niederlande:Deutschland am Mittwoch, den 13. Juni 2012, wird in der 22. Minute auf einmal eine Szene vom Spielfeldrand gezeigt, in der Bundestrainer Joachim Löw von hinten auf einen Balljungen zuschlendert, diesem spielerisch den Ball aus dem Arm stupst, dem Balljungen daraufhin mit einem Lächeln auf die Schulter klopft und ihm anschließend den Ball per Hacke zurück kickt [1, 2]. Dieses kurze Intermezzo sorgte wohl vor zahlreichen Leinwänden und Bildschirmen für allgemeine Belustigung, zeigten diese Bilder doch gänzlich unerwartet einen überaus entspannten Bundestrainer, der seine Scherze treibt, während seine Mannschaft auf dem Platz um wichtige Punkte kämpft. Der Überraschungseffekt der Szene war pointiert.

Im Halbfinale Deutschland:Italien am Donnerstag, den 28. Juni 2012, schießt Mario Balotelli das für deutsche Fans erschütternde 2:0 für Italien. Es folgt eine Großaufnahme ins Publikum, genauer auf eine Frau – unverkennbar in den Farben Deutschlands -, der bei unbewegter Miene eine einzelne Träne aus dem Augenwinkel über die Wange kullert [3]. Dieses emotional stark aufgeladene Bild spricht vielen Fans aus der Seele und ruft Mitgefühl hervor – und passte in diesem Moment perfekt.

Zu perfekt vielleicht? Ja, laut der Berichterstattung von FOCUS Online vom 15., 16. und 30. Juni 2012 [1, 2, 3]. In drei Artikeln wird von den Hintergründen dieser zwei Szenen berichtet, die beide jeweils vor den entsprechenden Spielen stattgefunden haben und von der UEFA möglichst wirkungsvoll an den genannten Stellen in die Bilder der Live-Übertragung montiert worden sein sollen [2, 3]. ARD und ZDF echauffieren sich über diese, wenn auch nur kurzweilige, Aussetzung gesetzter journalistischer Standards, und fordern: “Wo live drauf steht, muss auch live drin sein.” [2]

Ein klassischer Fall der Konstruktion einer Medienrealität, scheinbar frei nach dem Motto “Was nicht passt, wird passend gemacht.”. Doch wenn solche Methoden lediglich aufgrund einer effektiveren Dramaturgie in die Medien Einzug erhalten, was soll uns zukünftig dann noch erwarten? Darf man der Bildschirmnotiz “live” fortan wirklich noch Glauben schenken? Muss man nun jede ausgestrahlte Sekunde TV-Programm bzgl. ihres Wahrheitsgehaltes hinterfragen?

Die Verantwortung für die Montage während der zwei EM-Spiele scheint bisher noch nicht geklärt [2]. Doch ob es nun der Regisseur allein, die Produktionsfirma oder gar die UEFA an sich gewesen sei – von welchem Interesse mag das am Ende noch sein, wenn eine derartige Verzerrung der Realität gang und gäbe würde?

 

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[1] FOCUS Online (15. Jun 2012, 10:04 Uhr): Jogi Löw scherzt mit einem Balljungen. Uefa-Fake sorgt für Verwirrungen. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/kultur/medien/jogi-loew-scherzt-in-der-22-minute-mit-einem-balljungen-uefa-fake-sorgt-fuer-verwirrungen_aid_767595.html ; [30. Jun 2012, 3.57 pm].

[2] FOCUS Online (16. Jun 2012, 9:31 Uhr): Joachim Löw und der Balljunge. ZDF beschwert sich bei Uefa über falsche Bilder. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/joachim-loew-und-der-balljunge-zdf-beschwert-sich-bei-uefa-ueber-falsche-live-bilder_aid_767948.html ; [30. Jun 2012, 3.59 pm].

[3] FOCUS Online (30. Jun 2012, 12:35 Uhr): EM-Halbfinale Italien gegen Deutschland. Uefa montiert Tränen über Balotellis Treffer. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/beim-halbfinale-italien-gegen-deutschland-uefa-montiert-traenen-ueber-ballotellis-tor_aid_775227.html ; [30. Juni 2012, 4.00 pm].

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We Love To Entertain You

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Eine wichtige Quelle für Medienwissenschaftler, um sich über Veränderungen der Medienangebote auf dem laufenden zu halten, ist das Kölner Institut für empirische Medienforschung.
Eine Programmanalyse von 2011 offenbart nun, dass die Sendergruppe ProSiebenSat.1 an der Grenze dazu steht, ihre Lizenz als Vollprogramm halten zu können.

Ein Vollprogramm ist laut dem 2. Rundfunkstaatsvertrag „ein Rundfunkprogramm mit vielfältigen Inhalten, in welchem Informationen, Bildung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogramms bilden“, eine deutliche Unterscheidung zu den Spartenprogrammen.

Information und Bildung, damit scheinen sich sowohl ProSieben als auch Sat.1 schwer zu tun. Laut der Programmanalyse 2011 ging der Informationsanteil bei ersterem von 15,8 % (2009) auf 9,5 Prozent zurück. Sat.1 hat immerhin noch einen Anteil von 18,6% vorzuweisen.
Vergleicht man dies jedoch mit RTL (22%) oder dem ZDF (47%), so ist dieser Anteil keineswegs zufriedenstellend.
Besonders schockierend ist vor allem, dass ProSieben mehr als die Hälfte des Informationsangebotes mit der Sendung Galileo abdeckt. Auf Nachfrage, wie viele Journalisten überhaupt noch für den Bereich Nachrichten oder insgesamt den Sender arbeiten, wurden vom Konzern keine Angaben veröffentlicht.

Die ersten, die nun darauf reagieren, ist die Landesmedienanstalt Saarland, die in einem Prüfungsverfahren Sat.1 die Zustimmung für neue Lizenzen versagte, aufgrund der Defizite im Bereich eines Vollprogramms.

Die ganze Sache wird dadurch verkompliziert, dass durch heutige Formate nicht mehr eindeutig zwischen Information und Unterhaltung zu trennen ist. Wo ist die Sendung „Wer wird Millionär?“ einzuordnen? Besitzt „Teeniemütter in Not!“ wirklich einen Informationsanteil?
Einigen mag dies schon gar lächerlich vorkommen, doch die Sender selbst sehen hier deutlich einen informativen Charakter für die Bevölkerung vorliegen.
Die harte politische Berichterstattung wird somit gekonnt immer weiter aus dem Programm verdrängt und trotzdem werden fleißig weiter Lizenzen vergeben.

Hier kann man sich nur noch die Frage stellen, ob das Privatfernsehen, wie es aktuell existiert, überhaupt noch mit „klassischem Journalismus“ zusammenpasst und ob es nicht an der Zeit wäre, gegen das Verdrängen der Information juristische Maßnahmen zu ergreifen.

Quellen:

Lenders, Wolfgang (2012): Tutti Frutti. in: journalist. 6/2012. S. 8.

http://www.ifem.de/

 

Achtung! Hier kommt ein Skandal! (Vielleicht.)

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“Bild der Frau”, “Frau mit Herz”, “Frau ohne Herz”, “die aktuelle”, “7 Tage” – wer wissen will, was in der Welt der Promis, der Schönen (und oft Reichen) gerade abgeht, der wird sie kennen, die Zeitschriften mit dem großen Klatsch-Content. Ihre Daseinsberechtigung ziehen sie nicht unbedingt aus dem beiliegenden TV-Programm, sondern vielmehr aus der Enthüllung von skandalösen Vorfällen in europäischen Königshäusern, von denen sonst nie jemand etwas mitbekommen hätte. Und eigentlich auch niemand mitbekommen muss.

Der Autor Stefan Niggemeier führt auf seinem Blog eindrucksvoll vor, was hinter den oftmals so reißerischen Titelschlagzeilen dieser Klatschzeitschriften steckt – nichts als heiße Luft. Mit aufgeblasenen Titeln werben die Blätter am Zeitschriftenstand um Leserinnen, versprechen ihnen den skandalösesten Skandal aller Skandale und tun am Ende doch nichts anderes, als die Käufer in die Irre zu führen.

Niggemeier erklärt das System der Klatschblätter am Beispiel der “aktuellen” vom 28. April:

»Oh nein! Samuel Koch: Dramatischer Sturz aus dem Rollstuhl!« bedeutet, dass Koch in seiner gerade erschienenen Autobiographie unter anderem auch beschreibt, wie er einmal aus seinem Rollstuhl gefallen ist.

Und »Also doch! Nicolas Sarkozy & Carla Bruni: Steht ihre Ehe vor dem Aus« hat den faktischen Hintergrund, dass Sarkozy die erste Runde der Präsidentschaftswahlen verloren hat und die »aktuelle« sich nicht vorstellen kann, dass die Bruni mit einem Verlierer zusammen sein will.

Dieses Vorgehen ist nicht nur aus medienethischer Sicht ziemlich perfide, es birgt auch interessante Fragen zum Umgang der Medien mit Sprache. Die Sprache ist ein zentrales Element aller Medien, ohne sie sind Medien undenkbar. Gerade Journalisten sollten sich darüber im Klaren sein, was sie mit Worten bewegen können und wie viel Macht tatsächlich hinter einem Text, einer Schlagzeile steckt. Sie sollten Sprache nicht nur als reines Werkzeug einsetzen, sondern auch als ihr wichtigstes Gut betrachten, mit dem sie Öffentlichkeit herstellen und lenken können.

Besagte Klatschblätter wissen natürlich ganz genau, was sie tun, wenn sie wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten machen: Sie wollen verkaufen, sie müssen es sogar. Je reißerischer der Titel, je aufregender und vielversprechender die Schlagzeile, desto besser der Absatz. Aber sie übersehen dabei, welchen Effekt sie damit auf Dauer bei ihren Lesern auslösen könnten: Den Verlust ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit.

Dem Großteil der Käufer dürfte es vielleicht nicht auffallen, dass sich der im Titel angekündigte “Skandal” um Nicolas Sarkozy im Heft plötzlich in nichts auflöst. Dazu verpacken die “Journalisten” der Klatschblätter ihre Storys zu professionell. Doch irgendwann bleibt bei dem einen oder anderen vielleicht doch mal der Gedanke hängen, dass an den Titelstorys irgendwie nie wirklich was dran ist.

Ob sich die Macher von “Frau mit Herz” & Co darüber Gedanken machen, darf angesichts der konsequent durchgehaltenen Täuschung ihrer Kunden eher bezweifelt werden. In Verlagskreisen regiert die Kurzsichtigkeit mit eiserner Hand, wie es scheint. Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack bei jeder “Schlagzeile”. Und die Frage, wo echter Journalismus aufhört. Manche Redaktionen, so scheint es, haben die Grenze längst überschritten.

Und es nicht bemerkt.

 

Wie die Medien zitieren

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Bin gerade im graphitti-blog auf eine schöne Grafik gestoßen, die recht gut wiedergibt, wie in den Massenmedien mit Internetquellen umgegangen wird.

OK. Das ganze ist nicht ganz ernst gemeint. Und  Quellenangaben in Medien mit Quellenangaben beim wissenschaftlichen Arbeiten zu vergleichen hinkt auch ein bisschen. Aber tendenziell trifft das Ganze einen wahren Kern. Denn die Quellen Youtube oder Internet sind ungefähr so aussagekräftig, als würde man schreiben “Quelle:  Öffentlichkeit”, “Quelle: Zeitung” oder ähnliches.  Vermutlich dienen die Quellengaben “Internet” oder “youtube” auch eher dazu, zu unterstreichen, dass man sich nicht der Authentizität verpflichtet.  Ich persönlich fände ja, dass es nicht nur weniger lächerlich wirken würde eine richtige Quelle anzugeben, sondern dem Rezipient auch eine Möglichkeit geben würde, sich selber ein Bild von der Gesamtquelle zu machen

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Ein russischer Kater macht Kunst?!

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Themenknappheit? fehlender Humor? Trierfantiker? Ich weiß nicht was spielgel-online sich bei diesem Bericht gedacht hat. Das Thema ist eine rote Katze, die sich in berühmten Gemälden ein gemütliches Plätzchen sucht, um die russische Internetgemeinde zu belustigen.

Die Petersburger Künstlerin Swetlana Petrowa erbte nach dem Tod ihrer Mutter deren heißgeliebten und gut gefütterten Kater “Zarathustra”. Der lustige Kater half ihr über den Verlust hinwegzukommen und eine Freundin schlug ihr vor mit dem Kater Kunst zu machen. Nicht im Sinne von Trauerbewältigung, sonder eher im Sinne von lustigen Collagen. Da der Street-Arterin dies zu gewöhnlich erschien, bediente sie sich Photoshop und schon räkelte sich die dicke Katze mit der Haremdienerin auf dem Gemälde von Jean-Auguste-Dominique Ingres (1814) “Die große Odaliske”.

Diese Werke nutzt die Künstlerin gleichzeitig als Werbung für ihre Website www.Factart.ru. Durch die Übersetzung mancher Sprechblasen des Katers ins Englische gewann sie in Großbritannien mehrere Fans. Das Erfolgsgeheimnis? Laut Swetlana sei die Katze ein Wesen, was Menschen von Geburt an bis zum Tode lieben. Sie macht sogar deutlich, dass sich Katzen besser verkaufen als Sex. Dies ist meiner Meinung nach eine eindeutige Hommage an ihren geliebten Kater, jedoch auf keinen Fall eine weit verbreitete Meinung. Gut, es gibt die beliebte Comicfigur “Garfield” aber steht dieser über der überaus gut laufenden Pornografieszene?!

Eines hat die Künstlerin mit Sicherheit bewirkt. Die Betrachter der Neuinterpretationen werden mit den alten, berühmten Gemälden in Verbindung gebracht und bringt evtl. den Ein oder Anderen auf die Recherche nach dem Original. Ob jetzt der Kater als indirektes Bildungsobjet gilt ist zwar weit hergeholt, aber das einzige Positive (außer der Publicity für die Künstlerin und deren Festivals) an diesem Kunstprojekt. (Und erklärt den Spiegel-Artikel)

Quellen:

www.spiegel.de

www.factart.ru

 

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Für alle Nicht Handelsblatt Leser

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Für All diejenigen die kein Handelsblatt lesen (Solltet Ihr; Meiner Meinung die beste Deutsche Tageszeitung [nach BILD^^]):

Also ich muss wirklich gestehen, dass es mich gefreut hat, von unserer Twitterwall oder generell von die Uni Trier, in einer anderen Zeitung als dem Volksfreund zu lesen.

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geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik, Qualität1 Kommentar »

Heute erreicht mich eine Pressemitteilung über den Start eines Portals mit Texten zur Medienkritik – Vocer. Finanziert über namhafte Geldgeber (u.a. Bundeszentrale für politische Bildung, Rudolf-Augstein-Stiftung) will es die digitale Medienentwicklung kritisch begleiten. Ein interessantes Projekt, das Aufmerksamkeit verdient. Unter den Autoren sind prominente Medienschaffende, aber auch geschätzte Kollegen aus der Wissenschaft.
Zum Schluß: warum heißt vocer so wie es heißt? Dann hätte man einen Anhaltspunkt für die Aussprache. Es macht schließlich einen Unterschied, ob das Projekt im Gespräch ganz deutsch und hart ‘fozer’, ‘foker’, oder eher weich ‘woser’ oder gar ‘woßér’ heißt.

Facebook Weltherrschaft

geschrieben von in Internet, Kommunikationsformen, Medienkritik, Medienwandel, Qualität1 Kommentar »

Das woran Pinky und der Brain sich Nacht für Nacht abrackern, ist Facebook inzwischen fast gelungen. Die Weltherrschaft an sich zu reißen. Basierend auf Daten von Alexa und Google Trends macht sich der Italiener  Vincenzo Cosenza seit einiger Zeit die Mühe, eine Weltkarte der Social Network Herrschaft zu erstellen. Und der Stand zeigt die Welt in Facebook Blau gefärbt.

Mir kamen bei dieser Karte ja Assoziationen an Darstellungen aus Guido Knopp Dokus die, Nazi Eroberungen im zweiten Weltkrieg anhand einer Karte animieren (Oder war das in Inglourius Bastards?). Um Irritationen vorzubeugen: ich möchte Facebook nicht mit den Nazis vergleichen, sondern spreche hier rein von einer visuellen Assoziation. Obwohl dieses Blog ja eigentlich prädestiniert ist für schlechte Vergleiche.

Betrachtet man die weltweite Entwicklung von Facebook in den letzten Jahren wird deutlich, wie lokale soziale Netzwerke nach und nach verdrängt wurden. Ähnlich wie es in Deutschland mit StudiVZ passiert ist. Nun wurde auch in Brasilien das soziale Netzwerk von Google Orkut (weiß eigentlich irgendwer warum sich das außerhalb von Brasilien nie durchgesetzt hat, oder auch nur ansatzweise bekannt wurde?) vom Thron gestoßen. Es zeigt sich eine klarer Trend weg vom Pluralismus der Anbieter hin zum weltweiten Monopol eines Anbieters. Nämlich Facebook.

Eigentlich müsste ich ja jetzt hier diesem Blog gemäß mit einer umfassenden Medienschelte beginnen, da Medien ja so oder so immer irgendwie böse sind. Und klar, selbst wenn Mark Zuckerberg nicht der  unsympathischste Typ auf diesem Planten wäre, würde die Firmenpolitik von Facebook trotzdem jeden vor den Kopf stoßen, der sich um Datenschutz und Nutzerrecht interessiert.

Aber darüber hinaus wollte ich hier einfach mal zur Diskussion anregen und die These in Raum schmeißen, dass man mit einem Weltweit einheitlichen Sozialen Netzwerk, einer utopisch geeinten Welt ein Stück näher kommt.

via allfacebook.de

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Google lädt zum Gespräch

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Medien und Politik, QualitätKommentare deaktiviert

“Dadurch dass Sie mir gerade zuhören, stimmen Sie automatisch meinem Geschäftsbedingungen zu. Diese habe ich [in] winziger Schrift auf einen kleinen Zettel gedruckt und unter Ihrem Stuhl versteckt.” – US-Blogger Cory Doctorow veranschaulicht das oftmals ebenso skandalöse, wie undurchsichtige Vorgehen verschiedener Internetdienste in Sachen Datenschutz durch eine simple Metapher. Der scheinbar einzige Unterschied zur Realität: Automatisch möchte man bei Doctorows Beispiel aufschreien und sich empören, wie man so etwas nur machen könne. Im Internet läuft alles viel umfangreicher und unübersichtlicher ab, sodass es vielen zu umständlich ist, genauer nachzuforschen, was denn so mit den eigenen Daten passiert.

Der Internetkonzern Google lud Politiker, Datenschützer und Journalisten dazu ein, über die Privatsphäre des Nutzers im Internet zu diskutieren, wobei natürlich das übergeordnete Thema „Datenschutz“ unweigerlich zur Sprache kam. Kurz nach Doctorow äußerte sich der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar folgendermaßen: “Der Bundesdatenschutzbeauftragte zu Gast bei Google: Geht das denn überhaupt zusammen?” – Diese Aussage eine unterschwellige Kritik am Umgang Googles mit persönlichen Daten zu nennen, wäre reine Untertreibung. Doch Schaar selbst ist anderer Meinung, möchte Google offenbar gar nicht direkt kritisieren, sondern konzentriert sich vielmehr auf eine Art großen Rivalen des Internetkonzerns: facebook.

Prompt wird Google die Rolle der zeigefingerhebenden Instanz zugeschrieben, die sich über Datenschutzbestimmungen Gedanken macht und das soziale Netzwerk angreift. In der Zwischenzeit habe Google zudem eine Forschergruppe bzgl. „digitaler Privatheit und Öffentlichkeit“ finanziert und ebenso die Stelle für einen Manager ausgeschrieben, der sich um Abstimmung mit deutschen und europäischen Regierungen, sowie Behörden kümmern soll.

Des Weiteren befürwortet die Innen-Staatssekretärin Rogall-Grothe mehr „Selbstverpflichtungen im Datenschutz“ – Bundesdaten-schutzbeauftragtem Schaar gefällt das wiederum gar nicht. Doch eine Einigung war scheinbar nicht zu erwarten. Zwar gab es eine allgemeine starke Stimme in Richtung Verbraucherschutz, aber während die eine Seite wirtschaftliche Schäden befürchtet, erhoffen sich andere Meinungen eine erhöhte Qualität der Internetangebote durch eine positive Anpassung des Datenschutzes. Schaar selbst spricht sich schließlich für einen Online-Dienst aus, der es möglich macht, ähnlich der Werbungseinschränkung, genau zu kontrollieren, welche Daten gespeichert werden und vor allem: welche nicht.

Was in dieser langen Debatte wohl niemandem so wirklich auffiel: Google schwieg.

Für den Augenblick war die gute publicity sicher – der große Internetkonzern rückte die Diskussion um Datenschutzbe-stimmungen im Internet in den Fokus, ließ Meinungen äußern, hielt sich aber selbst dezent im Hintergrund. Immerhin sind bereits einige Angebote von Google in die öffentliche Kritik geraten: man denke nur an Google StreetView, den wohl umstrittensten Online-Dienst, der aktiviert wurde.

Man darf wohl zurecht gespannt sein, wie sich diese Debatte in Zukunft noch entwickeln und ob sie zu handfesten Ergebnissen führen wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Verbraucher letzten Endes nicht auf den Stühlen sitzen, unter denen das Kleingedruckte versteckt wurde…

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Stegers, Fiete (24. Nov 2011): „Google will reden, aber nichts sagen“; http://www.tagesschau.de/inland/google402.html (24. Nov 2011; 22.46).

Wissenswertes zu Google StreetView:

Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Internetredaktion: “Google Street View”; http://www.bfdi.bund.de/DE/Themen/KommunikationsdiensteMedien/Internet/Artikel/GoogleStreetView.html?nn=409872 (25. Nov 2011; 00.40)

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Der letzte Zukunftsmarkt für schlecht informierte Journalisten

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Beim Lesen der Wochenzeitung DIE ZEIT kann man manchmal erschrecken. Marcus Rohwetter schreibt über das westafrikanische Land Ghana und macht dabei entscheidende Fehler.

Das Thema des Artikels ist unterstützenswert. Es geht um die Modernisierung der Abläufe in der Landwirtschaft, wie sie der Softwarekonzern SAP in Ghana voran treibt. Dabei ist gut, dass Rohwetter nicht so penetrant Mitleid erzeugen will wie das an vielen anderen Artikeln über Afrika beobachtet werden kann.

Die Umrechnung von Bauer Darris Jahresumsatz auf “Pro-Kopf-Tagessatz” deutet jedoch eine Mitleidsnummer an. Nur fünfzig Cent am Tag. Die Armen.

Rassismus ist im Artikel kaum zu spüren.

Nur, dass der Paramount Chief “Häuptling” genannt wird…

“Häuptling”. Da denkt man gleich an “Stamm”. Oder von mir aus “Neger”. (vgl. Arndt)

Der Artikel versucht keine großen Ausführungen über die ghanaische Kultur. Vielmehr wird eine leichte Ignoranz gegenüber derselben in folgender Aufzählung deutlich:

“Uhr, Mütze, Cola, Telefon. Das sind die Statussymbole von John Darri.”

Ein Handy hat fast jede_r in Ghana. Auf dem Bild trägt der Bauer Darri ein traditionelles Chief-Oberteil, das aus Kente gefertigt wurde. Das ist ein Statussymbol. (vgl. Andanquah)

Wie ein Geist erscheint mir der letzte Satz des Infokastens am Rande des Artikels:

“Vor allem die Region südlich der Sahara dürfte auch weiterhin stark wachsen.”

Was heißt hier Region? Dutzende Staaten, hunderte Millionen von Menschen.

Herr Rohwetter hat eben Ahnung von Wirtschaft und Technik. Er erklärt ein System, mit dem SAP den Handel optimiert. Ghana dient nur als Hintergrund. Schade eigentlich.

Vielleicht muss jemand ja auch gar nicht so genau wissen, wie es da ist, in Afrika, um darüber zu schreiben.

Nein, im Ernst. In China essen sie Hunde. Und bei DER ZEIT, da schreiben sie Texte.

 

Quellen:

Rohwetter, Marcus (2011): Der letzte Zukunftsmarkt; in: DIE ZEIT, Nr. 45, [http://www.zeit.de/2011/45/Ghana-SAP] 07/11/2011

Arndt, Susan (2004): Kolonialismus, Rassismus und Sprache, [http://www.bpb.de/themen/2IQNTS,0,0,Kolonialismus_Rassismus_und_Sprache.html] 07/11/2011

Anquandah, James (2006): Splendour of Traditional Art, S. 2f, [http://www.ghanaculture.gov.gh/modules/mod_pdf.php?sectionid=506] 07/11/2011

Wenn ich von Rassismus spreche gehe ich von der Definition von Memmi aus: „Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ Albert Memmi (1994), Rassismus, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, S. 103 u. 164

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Die Lust am Plagiat

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Ist Ideenklau eigentlich ansteckend? Oder in den letzten Monaten einfach nur ‚trendy‘?
Neben politischen Größen (Guttenberg, Koch-Mehrin) oder deren Kindern (Stoiber), die sich gerne mit akademischen Titeln versehen wollten, ohne dafür eigenständige Arbeit zu leisten, griff die Lust am Plagiat auch in den Bereichen Kunst und Technik munter um sich.
So wurde der Rapper Bushido bereits mehrfach zu hohen Geldstrafen verurteilt, nachdem sich viele seiner Lieder als teilweise plagiiert herausgestellt hatten.
Doch was geht im ‚Fälscher‘ eigentlich vor, wenn er sich zum Stibitzen entschließt?
Ist es in unserer Gesellschaft allein die Faulheit, die Menschen zu solchen Handlungen treibt?
In vielen Fällen mag dies wohl zu treffen. Statt eigener Anfertigung einfach widerkäuen, was man an anderer Stelle schon wohl zubereitet entdeckt hat.
Gerade in der heutigen Zeit, wo PC, Internet, Suchmaschine und die Copy-Paste-Funktion es dem willigen ‚Plagiator‘ so leicht machen. Man muss nicht mehr stundenlang Bücher wälzen. Ein paar Klicks genügen und fertig sind gekonnte Formulierungen und ansehnliche Ergebnisse.
Doch gerade darin liegt doch die Gefahr, die der geneigte Abschreiber oftmals unterschätzt.
Denn dass auch das Wiederentdecken des aufgeschnappten Materials nicht allzu schwer fällt, sollte eigentlich auf der Hand liegen.
Daher entweder wirklich gut umformulieren, hoffen, dass es keiner mitbekommt und das schlechte Gewissen ertragen.
Oder aber doch die eigenen grauen Zellen anstrengen. Denn darum sollte es doch, egal ob im künstlerischen, handwerklichen oder wissenschaftlichen Bereich, stets gehen:
Die Lust, etwas Eigenes zu schaffen, zu eigenen Erkenntnissen zu gelangen und sich selbst in der Arbeit widerzuspiegeln.
Plagiieren mag verführerisch sein, aber das befriedigende Gefühl samt der Erkenntnis „Wow, das ist meine eigene Leistung“ bleibt aus.
Eine weitere Problematik, die sich abzeichnet, ist das vermehrte Aufkommen von Nachahmungen auf dem chinesischen Markt.
Gerade im Bereich Automobilbau wird seit diesem Jahr immens stark von deutschen Fabrikaten abgekupfert, besonders was den Bereich Design angeht.
Die deutschen Partner, etwa BMW oder Daimler, fühlen sich vor den Kopf gestoßen, gilt solcher Ideenklau in unserer Gesellschaft doch als Diebstahl.
Hierbei treffen verschiedene Mentalitäten aufeinander, wird das Abschauen in China doch als eine „Ehrerbietung“ an das Original gesehen, wie Daimler-Chef Zetsche in einem Interview erklärte. Dennoch würden die deutschen Automobilkonzerne sich „gegen die Plagiate formell wehren“ und hätten „die nötigen Schritte unternommen“, wie er in einem Gespräch mit dem Stern erklärte.
Hier liegen also grundverschiedene Auffassungen des ‚Sich-mit-fremden-Federn –Schmückens‘ vor und müssen, da die Kooperation mit der chinesischen Industrie wohl zunehmend ausgebaut wird, zur Not juristisch ausgehandelt werden.

So zeigt sich also, dass der Ideenklau, trotz aller Einfachheit, nach wie vor zu Recht ein Tabu mit hoher Hemmschwelle und scharfen Sanktionen in unserer Gesellschaft darstellt, unabhängig davon, wie prominent der Fälscher auch sein mag, oder wie die Denkweise in fernen Ländern aussieht. Und diesen Wert eigener Arbeit sollte nicht nur die Gesellschaft an sich, sondern auch jeder Künstler, Wissenschaftler und Handwerker mittragen und erhalten, um Kreativität und Fortschritt die nötige Wertschätzung entgegenzubringen und nicht verkommen zu lassen.

(In diesem Sinne: Sollten in diesem Text Plagiatsstellen auftauchen, so wäre es reiner Zufall:)

-

Quellen/Links:

- http://mc.cellmp.de/op/stern/de/ct/-X/detail/gesundheit/Smart-China-R%E4cher-Land-Plagiate/617997/  (Dieter Zetsche im Stern, Stand: 04.07.2011)

- http://auto.t-online.de/automesse-peking-dreiste-plagiate-aus-chinas/id_41538664/index (Die Automesse in Peking, Stand: 04.07.2011)

Wer im Glashaus sitzt…

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sollte nicht mit Steinen werfen. So oder so ähnlich sollte der Leitspruch der Süddeutschen Zeitung lauten, wenn der nächste Politiker beim Kopieren seiner Doktorarbeit erwischt wird und man sich zum Richter über ihn aufschwingen möchte.

Mir ist da nämlich bei meiner letzten Google-Suche etwas Interessantes ins Auge gefallen. Ein Artikel des Focus vom 8.9.2007, der auf wundersame Weise nur knapp zwei Wochen später am 21.09.2007 bei der Süddeutschen erschienen ist. Und zwar Wort für Wort.

Seht selbst:

http://www.focus.de/finanzen/karriere/perspektiven/fachkraefte/tid-7359/migranten_aid_132144.html

http://www.sueddeutsche.de/karriere/hochqualifizierte-auslaender-putzfrau-mit-doktortitel-1.789764

Natürlich sind diese Artikel nicht brandneu, aber eine Kopie bleibt eine Kopie. Allein die Tatsache, dass die Süddeutsche Zeitung einen Artikel vom Focus kopiert und dabei nur im Titel den Numerus ändert und hier und dort ein Wort wie beispielsweise “Professor” hinzufügt oder “sagt” statt “erklärt” schreibt, ist erwähnenswert. Schließlich wird dem Focus meistens nicht der beste Journalismus bescheinigt, während die Süddeutsche Zeitung zu auserkorenen Lektüre der Akademikerelite gehört und das nicht nur in München. Da fragt man sich doch, ob die beiden Zeitungen einfach nur exakt dasselbe Interview geführt haben oder alles einfach ein und dieselbe Brühe ist, die dem Leser Tag für Tag präsentiert wird.

Ich weiß nicht, ob damals 2007, irgendjemandem aufgefallen ist, dass hier zwei große Medien einfach das gleiche Schreiben oder ob man es wohlwissentlich ignoriert hat. Eine Unverschämtheit ist es auf jeden Fall.
Und bei der aktuellen Diskussion, um Tarifbezahlungen und Dumping Löhne im Journalismus, werden uns solche kreativen Recherchelösungen vielleicht noch sehr viel öfters begegnen.

Musicals sind nicht mehr nur für Schwule!

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Neil Patrick Harris (den Älteren bekannt als Gestapo Typ aus Starship Troopers und den Jüngeren bekannt aus How I Met Your Mother) hat die Tony Awards (sowas wie Oscars für Musicals) mit einer Musical Nummer eröffnet und attestiert darin, Musicals seien nicht mehr nur etwas für Schwule.

watch?v=-6S5caRGpK4&feature=player_embedded (Eigentlich sollte hier so ganz web2.0ig das video stehen; klappt aber nicht mit dem einbetten, schade)

Aus gegebenem Anlass dazu mein Kommentar:
Musical sind das Schwulenklischee Nummer eins, Heterosexualität gehört irgendwie nicht dazu. Schöne schwule Männer die Muscial besuchen, das ist okay. Aber Heterosexuelle? Das passt einfach nicht in das Schema Musical. Musicals entführen aus dem Alltag und alles was zählt ist die Parallelwelt, in die man entführt wird. Musicals sind Ablenkung vom Alltag, die schönste Nebensache der Welt. Es ist vollkommen okay, wenn diese kleine Welt politisch nicht korrekt ist, das Leben sonst ist es.

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Höhere Qualität bei Google-Suchanfragen

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Google hat vorerst den eigenen Suchalgorithmus umgestellt um bei Suchanfragen eine höhere Qualität der Ergebnisse zu gewährleisten. Bisher gab es häufig wenig informative Treffer, welche von Contentfarmen schnell zusammengeschustert wurden. Diese wurden dann mit ausreichend Tags und anderen suchmaschinenoptimierenden Inhalten versehen um bei Google ein möglichst hohes Ranking zu erzielen. Darüber hinaus kopieren viele Seiten den Inhalt anderer und die originale Meldung läuft Gefahr unter den „Fakes“ unterzugehen. Diesem Trend probiert Google nun entgegenzuwirken. Vor fünf Tagen wurde der Suchvorgang – vorerst nur in den USA – nun so umgestellt, dass die „Billignewsanbieter“ eine schlechtere Platzierung im Ranking erhalten als zuvor und die qualitativen Seiten immer mehr nach oben rücken.

Insgesamt sind bisher 11,8 % aller Suchanfragen von diesen Maßnahmen betroffen. Doch funktioniert das auch alles so wie gewünscht? Generierter Content von z.B. suite101.com und Yahoos associatedcontent.com haben deutlich an Gewicht verloren.

Associatedcontent.com hat 75% aller Einträge verloren (162.000) und bei suite101.com waren es 79 % (141.000).

Es bleibt allerdings unklar warum die Einträge von ehow.com davon nicht betroffen waren. Der Demandanbieter veröffentlicht täglich mehrere Tausend Ratgeber für die Bereiche Sport, Outdoor und Mode.

Diese Entwicklung ist durchaus positiv zu sehen auch wenn scheinbar noch die Einheitlichkeit dieser „Säuberungsaktion“ etwas zu schwanken scheint. Vielleicht sind auch viele Seiten und Einträge schwer zuzuordnen, ob es sich dabei um einen nützlichen und wertvollen Inhalt handelt oder es doch nur ein zusammengeschusterter und kopierter Beitrag einer anderen Seite ist. Dennoch ist dies ein Schritt in die richtige Richtung und sicherlich nicht der letzte dieser Art. Qualität statt Quantität. Natürlich kann es auch vorkommen, dass Google evtl. über das Ziel hinausschießt und tatsächlich nützliche Einträge nach hinten schiebt oder sogar komplett verbannt. Aber das ist ein Punkt mit dem man sich arrangieren kann und (hoffentlich) auch nur eine Art Kinderkrankheit ist. Das heißt ja nicht, dass die entsprechenden Einträge bei weiteren Maßnahmen in dieser Richtung nicht wieder neu aufgenommen werden können. Es ist leider derzeit noch nicht bekannt wann diese Umstellung auch Deutschland erreicht. Aber es ist dennoch schön zu sehen, dass sich die meistgenutzte Suchmaschine der Welt qualitativ weiterentwickelt und sich damit auf ihr Kerngeschäft konzentriert und es dem Unternehmen nicht nur noch um Expansion und dem Kauf weiterer Onlinedienstleister geht.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,748067,00.html

http://www.sistrix.de/news/985-algorithmus-nderung-google-sucht-nach-qualit-t.html

http://googleblog.blogspot.com/2011/02/finding-more-high-quality-sites-in.html

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