Der elektrische Reporter wird Realität

geschrieben von Tristan Tarpani in Medienwandel, Nachrichten, Qualität, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Journalismus ist ja bekanntlich ein hartes und stark umkämpftes Geschäft. Für viele ist es ein Traum, nurnoch seinen Interessen nachgehen zu können und darüber schreibend auch noch Geld zu verdienen. Doch dass die Medienlandschaft in der Krise steckt, ist kein großes Geheimnis. Sinkende Absatzzahlen, abspringende Sponsoren, Globalisierungskampf im Internet – all das macht der Branche zur Zeit zu schaffen. Da nimmt man natürlich jeden Strohhalm dankend an, an den man sich klammern kann. Die neuste Idee ist so grotesk wie faszinierend: Am meisten Geld lässt sich im Journalismus einsparen, wenn man einfach auf die Journalisten verzichtet. Klingt unmöglich? Ist es aber vielleicht nicht mehr lange.

StatSheet ist ein Internetdienst, der sich auf die Bereitstellung von Statistiken aller Art zu sportlichen Ereignissen spezialisiert hat. Bisher noch fokussiert auf den Bereich Basketball bekommt man  dort alle Zahlen, die im Sport eine Rolle spielen: Spielstände, Erfolge und Niederlagen, Spieleinsätze und aktuelle Tendenzen gehören zum Repertoire und sollen das Leben von Sportjournalisten erleichtern. Diese Zielsetzung wurde jedoch jäh in ihr Gegenteil verkehrt, als die Macher der Seite erklärten, sie hätten einen Algorhitmus entwickelt, der aus den vorhandenen Daten selbstständig und automatisiert die komplette Sportberichterstattung generiert.

Journalistische Leistungen von Computerprogrammen erzeugt? Da stellt sich natürlich direkt die Frage nach der Qualität. Eine Kostprobe davon kann man bei der FAZ nachlesen, die laut eigenen Angaben eine Testversion des Journalistenroboters (siehe Foto) erhalten hat und ihm die Berichterstattung über den 28. Bundesligaspieltag überließ. Der Artikel ist generell sehr überzeugend, dafür an manchen stellen unfreiwillig komisch, wenn z.B. den letzten die Pferde beißen, die Katze im Dorf gelassen wird oder der frühe Fisch den Wurm fängt. StatSheet entwickelt das Programm jedoch weiterhin, mit dem Ziel, dass mindestens 90% der Rezipienten nicht mehr den Unterschied zu konventionellen Sportartikeln erkennen können.

Sollte sich die Idee bewähren wäre das toll für die Journalismusindustrie, allerdings schlecht für die Journalisten, denen dann die Arbeit abgenommen wird. Laut StatSheet ist dies jedoch kein Problem, da sehr spezielle Artikel beispielsweise über bestimmte Persönlichkeiten oder andere Hintergrundberichte nicht von dem Automatismus erzeugt werden können. Das System solle nicht den konventionellen Journalismus ersetzen sondern nur den Menschen ihre Arbeit erleichtern.

Das ist wahrscheinlich in etwa das gleiche, was man früher auch über die Dampfmaschine gesagt hat. Was daraus geworden ist, wissen wir ja.

(via ReadWriteWeb)

Visual Leaders 2010

geschrieben von s2kagrue in Allgemeines, Printmedien, Qualität, Zeitschriften, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Bereits am am gestrigen Donnerstag (25.3.) wurden in Hamburg die 19.  Lead Awards verliehen. Ausgezeichnet werden u.a. die besten Fotoserien, Magazinbeiträge, Anzeigen und Websites von 420 deutschen Magazinen aus 2009. Im Gegensatz zu anderen Medienpreisen genießen die Lead Awards ihre Anerkennung aufgrund des einzigartigen Auswahlverfahrens: Das Vorschlagsrecht obliegt allein der Lead Academy. Eine Vorjury entscheidet über die Nominierung preiswürdiger Beiträge, welche dann von einer prominent besetzten Hauptjury in 20 Kategorien (u.a.”Porträtfotografie des Jahres” ,”Cover des Jahres” oder “NewcomerMagazin des Jahres”) gekrönt werden.

Doch wo man meinen könnte, die Krise der Verlage hätte die Awards negativ beeinflusst, der irrt: Da zu einem Yin auch immer ein Yang gehört, gewinnt der Juryleiter der Lead Awards, Markus Peichel, dem Anzeigeneinbruch etwas Positives für die Kreativszene ab: “Wenn die Annoncenzahl schrumpft, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass eine Fotostrecke durch Anzeigen unterbrochen und dadurch zerstückelt wird.”, sodass letztlich die optische Erscheinung an Qualität gewinnt und “die letzten Haudegen des kreativen Journalismus sich richtig ins Zeug legen.”

Die Goldmedaille in der Königsdisziplin “Lead Magazin” ging in diesem Jahr an den “Spiegel”, mit der Begründung, er sei  ”sympathischer, zeitgemäßer, aufgeräumter und zugänglicher als früher. (…) Er hat an Arroganz verloren – und gleichzeitig an Relevanz gewonnen.”, so Peichel. Silber erhielt das Fußballmagazin “11Freunde”, Bronze ging an die “Vogue”.

Die Ausstellung “VisualLeader – Fotografie, Anzeigen, Online und Editorial Design – die große Leistungsschau der Kreativszene ” ist noch bis zum 11.04.2010 im Haus der Photographie in den Deichtorhallen in Hamburg zu sehen.

Bilderreihe der Ausstellung:

http://www.hamburg.de/deichtorhallen/2164972/visual-leader-bildergalerie.html

alle Gewinner:

http://www.artinfo24.com/shop/artikel.php?id=442

Quellen:

http://www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,683161,00.html

http://leadacademy.de/2010/ix/

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Hoffnung für Lokalzeitungen

geschrieben von s2japrob in Allgemeines, Printmedien, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Es gibt Hoffnung für den Lokaljournalismus.  Thomas Krüger, seines Zeichens Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, sieht positiv in die Zukunft der Zeitung. ? Die Zeitung wird eine Renaissance erleben.?, so Krüger. Zur Zeit tagen 150 Redakteure regionaler und lokaler Zeitungsblätter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim 18. Forum Lokaljournalismus der Bundeszentrale für politische Bildung.

?Die Bevölkerung will wissen, was in ihrer Gemeinde passiert?, sagt Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens. Und genau dieses Kriterium erfüllt die Lokalzeitung ? sie berichtet über das, was in der näheren Umgebung passiert. Präzise, nachhaltig und ausgiebig. Diese Werte werden laut Krüger auch ausschlaggebender Punkt sein,  der die Leser weiterhin an ihre regionale Zeitung binden wird.

Quelle:  http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11717838/63369/Thomas-Krueger-erwartet-eine-Renaissance-der-lokalen-Tageszeitungen.html

SZ schreibt rote Zahlen

geschrieben von s2laplit in Printmedien, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Trotz stabiler Auflagenzahlen schreibt die Süddeutsche Zeitung für das vergangene Jahr 2009 laut dem Hamburger Abendblatt rote Zahlen. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Ganz klar leidet auch eine überregionale Zeitung wie die Süddeutsche Zeitung am Einbruch des Werbemarktes im Zuge der Finanzkrise. Doch ist das die einzige Erklärung?

Auch auf journalistischer Seite sind einige Dinge noch im Unklaren: Wie gehts es zum Beispiel mit dem Chefredakteur der SZ Hans- Werner Kilz weiter? Eine Entscheidung wird wohl in nächster Zeit fallen, da Kitz’ Vertrag Ende 2010 ausläuft. Kitz erwartet zudem, dass auch 2010 ein schwieriges Jahr für die SZ wird.  Bleibt abzuwarten, wie sich die Dinge bei der Süddeutschen Zeitung entwickeln.

Quelle: http://meedia.de/nc/details-topstory/article/sddeutsche-schreibt-2009-rote-zahlen_100026062.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=23&cHash=b91a3fd5e0

Wozu noch Journalismus?

geschrieben von s2reblae in Allgemeines, Printmedien, Qualität, ZeitungskriseKeine Kommentare »

So lautet der Name einer neuen Serie der Süddeutschen Zeitung, von der gestern der erste Teil erschienen ist. In der Serie, herausgegeben und betreut von den beiden Medienwissenschaftlern Stephan Weichert und Leif Kramp, werden sich angesehene Publizisten mit der Frage um die Zukunft des Journalismus auseinandersetzen.

Der erste, der seine Meinung kund tun darf ist Ernst Elitz, Gründungsintendant des Deutschlandradios. Er prognostiziert dem Journalismus “eine blühende Zukunft, wenn er die Nähe zum Leser sucht, wenn er statt kühler Distanz Emotionen zeigt, wenn er seine gouvernantenhafte Vergangenheit abstreift und sich als Wahrheitsfanatiker neu entdeckt. Wozu noch Journalismus? Weil er der beste Welterklärer ist, den ich kenne.”

Diese These stellt er schon recht früh in seinem Aufsatz auf, in dessen Fortlauf er dann ausführt was der Journalismus tun muss, was er verändern muss, um diese “blühende Zukunft” zu erleben.

Selbst nachlesen könnt ihr die Serie hier.

Ein Zeitungsvergleich I. : Das Aachener Modell

geschrieben von samm2201 in Medienkritik, Printmedien, Qualität, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Sowohl die Aachener Zeitung (AZ) als auch die Aachener Nachrichten (AN) sind für das deutsche Pressewesen geschichtlich gesehen bedeutende Blätter. Die AZ, erstmals erschienen am 22.2.1946,  gilt als die erste freie Zeitung in Nachkriegsdeutschland, während die AN unter der Besetzung Aachens durch die Amerikaner schon Anfang 1945 veröffentlicht wurde. Außerdem hält sie den Status der ersten Lizenzzeitung inne, wodurch sich eine quasi historisch bedingte Linksorientierung manifestiert.

Durch das “Aachener Modell” sollte die AZ und die AN infolge der beginnenden Zeitungskrise gerettet werden: 1975 entschieden sich die Herausgeber der Zeitungen zu “zwei voneinander absolut unabhängig arbeitende Redaktionen, deren inhaltliche Ausrichtung und Schwerpunkte nicht angetastet wurden. Der Anzeigenteil und die Administration wurden zusammengelegt, die technischen Anlagen sowie der Vertriebsapparat gemeinsam genutzt”. Ganz klar liegt hier also die Betonung auf der publizistischen Unabhängigkeit der beiden Blätter. Als Reaktion auf die sich weiter zuspitzende Krise, entwickelten die Herausgeber ein neues Konzept, durch welches vor allem Einsparungen möglich sein sollten, aber auch “spürbare publizistische Verbesserungen”, so der Zeitungsverlag Aachen. Neben “konkurrierenden” politischen und lokalen Mantelteilen sowie getrennten Lokalteilen in Aachen, Düren und Alsdorf, sind Sport- Wirtschaft- und Kulturteil und vermischte Meldungen sowie die übrigen Lokalteile identisch. Die beiden Blätter sind ab dieser Zeit also zu großen Teilen identisch.

Diverse Medien berichten Ende 2008/Anfang 2009 von den Anstrengungen des Aachener Zeitungsverlags einen neuen Partner zu finden und äußern Bedenken bezüglich der sowieso schon eng gefassten publizistischen Eigenständigkeit der AZ und AN: “Der Betriebsrat des Zeitungsverlages befürchtet, dass ein Verkauf über die bereits in den vergangenen Jahren erfolgten und für das Jahr 2009 beschlossenen Zusammenlegungen diverser Redaktionen zu weiteren Einschnitten bis hin zur Einstellung einer der beiden Tageszeitungen führen wird. [...] Auch die Stadt Aachen betrachtet die Entwicklung mit großer Sorge. Sollte tatsächlich eine der beiden Tageszeitungen eingestellt werden, dann wäre dies ein herber Schlag für die Meinungsvielfalt in Aachen, außerdem würden viele Arbeitsplätze verloren gehen.” (euregio-aktuell ).

Letzter Stand der Entwicklungen ist ein Bericht über eine gescheiterte Fusion des Aachener Zeitungsverlags mit der Rheinischen Post, “Damit seien sie [die Eigentümer des Aachener Zeitungsverlags] möglicherweise einer Untersagung der Fusion durch das Kartellamt zuvorgekommen, das eigentlich am 4. Dezember über das Verfahren entscheiden wollte.” ( euregio-aktuell)

In folgenden Posts sollen die beiden Zeitungen hinsichtlich ihres Layouts und Textdesign sowie Inhalt analysiert werden. Dabei werden vor allem der Mantel und die Lokalteile betrachtet, da diese laut Verlag konkurrierende Inhalte beherbergen sollen.

DuMont gründet Redaktionsgemeinschaft für 4 Zeitungen

geschrieben von s2reblae in Allgemeines, Printmedien, Qualität, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Nachdem es im letzten Jahr schon erste Synergie-Schritte, mit der Zusammenlegung der Wissenschafts- und Medienressorts bei der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung gegeben hat, nun also das: Die Mediengruppe M. DuMont Schauberg hat nun offiziell die Gründung einer Redaktionsgemeinschaft verkündet, die, bestehend aus einem Pool von 25 Journalisten, ab Anfang April die vier Titel Berliner Zeitung, Frankfurter Rundschau, Kölner Stadtanzeiger und Mitteldeutsche Zeitung mit den Themenfelder Politik, Wirtschaft und Gesellschaft versorgen soll. Betriebsbedingte Kündigungen soll es deswegen nicht geben. Im Gegenteil, Journalisten des Verlags, würden bei der Auswahl der Mitglieder des Journalistenpools sogar bevorzugt behandelt werden. Die Stellen der Redaktionsgemeinschaft werden zum 1. Februar ausgeschrieben.

Die Gründung der Redaktionsgemeinschaft soll laut Neven DuMont ein Schritt zur Qualitätssteigerung sein. Er sagte: “Wir bündeln unsere Kompetenzen und sichern journalistische Qualität in Zeiten der Wirtschafts- und Branchenkrise, um mit dieser Maßnahme nicht zuletzt den investigativen Anteil zu erhöhen.”Gegenstimmen zur Gründung des Redaktionspools gab es auch reichliche: Die Berliner Zeitung protestierte mit einem offenen Brief, die Gewerkschafte ver.di und der DJV haben sich ebenfalls schon zu Wort gemeldet.

Was dieser Schritt für die Vielfalt in der deutschen Presse bedeutet bleibt zu diskutieren.

meedia.de

kress.de

Neuer Reporterpool im Hause DuMont

geschrieben von adam2c01 in Medienkritik, Medienwandel, Printmedien, Qualität, Seminarlinks, ZeitungskriseKeine Kommentare »

DuMont Redaktionsgemeinschaft GmbH. So lautet der Name der des neuen Reporterpools, den die Mediengruppe M. DuMont Schauberg Anfang April diesen Jahres einrichten möchte. Etwa 25 Journalisten sollen hier arbeiten und die vier großen Abo-Zeitungen des Konzerns, die “Berliner Zeitung”, die “Frankfurter Rundschau”, den “Kölner Stadt-Anzeiger” und die “Mitteldeutsche Zeitung” mit Inhalten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft versorgen.

Ziel des Verlages ist es einerseits, die Qualität der Berichterstattung durch Bündelung von Kompetenzen zu steigern, und andererseits, Geld dadurch einzusparen, dass Artikel nicht mehr doppelt oder dreifach besetzt werden, sondern von einem Journalisten (bzw. Journalistenteam) bearbeitet werden. Kritiker befürchten hingegen, dass es infolge der Gründung einer zentralen Redaktionsstelle zu betriebsbedingten Kündigungen bei den einzelnen Zeitungen kommen wird und dass die Qualität der Berichterstattung sich nicht verbessern, sondern unter den Umstrukturierungsmaßnahmen leiden werde.

Die Zukunft wird zeigen, inwiefern welche Seite Recht behalten soll.

Quellen und weiter Informationen:

Kress ? Der Mediendienst

ad-hoc-news.de

Hamburger Abendblatt

“Gottes Werk und Googles Beitrag”

geschrieben von s2kagrue in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Zeitungskrise1 Kommentar »

Die fundamentale Krise der Verlage ist ja in den letzten Zeit heftig diskutiert worden. Die Verleger pochen auf das “Leistungsschutzrecht”, welches im Koalitionsvertrag eingebunden ist, Bernd Neumann appellierte in diesem Zusammenhang anlässlich des 60. Gründungsjubiläums des DJV an den Berufsethos der  ”(…) Objektivität, Unbestechlichkeit, Seriosität und Gründlichkeit der Recherche, die Achtung der Menschenwürde, aber auch die Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen(…)”

Unter der Headline “Gottes Werk und Googles Beitrag” diskutieren morgen (20.01) Dr. Eva-Maria Schnurr (Freie Journalistin, Hamburg), Dr. Till Jaeger (Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Berlin), Christoph Keese (Head of Public Affairs, Axel Springer AG, Berlin), Malte Spitz (Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen, Berlin) im Saal der Heinrich-Böll Stiftung in Berlin über mögliche Lösungen aus der Krise. Das Gespräch wird live ab 19.00 Uhr im Internet auf www.boell.de und www.carta.info übertragen.

Ich finde die gewählte Überschrift in diesem Zusammenhang sehr interessant. Google als Synonym für den Teufel zu verwenden (wir erinnern uns an John Irvings oskarprämierten Film: “Gottes Werk und Teufels Beitrag”) kann man als verbale Ohrfeige deuten. Eine symbolische Dichotomie von Gut gegen Böse. Gutenberg, der einst mühsam die erste Bibel druckte gegen das Unternehmen Google, welches mittlerweile den Markt mit 85% beherrscht. Die Grundstimmung des Gesprächs ist somit -auch anhand der ausgewählten Gesprächspartner aus der Medienbranche- erahnbar und könnte sich äußerst provokant gestalten. Wie konstruktiv es wird, bleibt abzuwarten.

http://www.boell.de/calendar/VA-viewevt-de.aspx?evtid=7420

http://www.bundesregierung.de/nn_774/Content/DE/Rede/2009/11/2009-11-08-neumann-djv.html

Liebeserklärung an das Medium Zeitung

geschrieben von s2aageis in Printmedien, Qualität, Zeitungskrise1 Kommentar »

Wer hätte in Tagen des Internets noch mit solch einer Schlagzeile gerechnet. Eine Liebeserklärung an die vom Aussterben bedrohte Zeitung. Aber es ist wahr. Es gibt einen Liebhaber, der eine neue Zeitung auf den amerikanischen Markt bringt und damit erstaunlicher Weise durchschlagenden Erfolg hat.

Dave Eggers heißt dieser Liebhaber, seines Zeichens Bestsellerautor, Herausgeber von Literaturzeitschriften, Drehbuchautor und seit neustem eben auch Zeitungsverleger.

?San Francisco Panorama? heißt das Projekt, eine Zeitung die zum ersten Mal im Dezember 2009 in San Francisco erschienen ist und in Zukunft alle viertel Jahre zu kaufen sein soll. Für fünf Dollar waren die ersten Ausgaben zu haben, während jetzt im Januar in New York bereits 16 Dollar für die umfangreiche Erstauflage verlangt wurden. Ein stolzer Preis, der die Menschen aber nicht davon abhielt, in einer New Yorker Buchhandlung Schlange zu stehen um ein Exemplar zu erwerben.

Eine Besonderheit des ?San Francisco Panorama? ist sicherlich der Umfang. Auf hunderten von Seiten erstrecken sich typische Zeitungsthemen wie Lokalnachrichten und Nachrichten aus der Welt sowie Sport und Kultur. Dabei hat Eggers namhafte Autoren für sein Projekt gewinnen können, so zum Beispiel Stephen King, der sich im Sportteil verewigte. Das ?San Francisco Panorama? überzeugt durch seine Inhalte und seine Aufmachung und zeigt, wo das Internet sparen muss und die Zeitung nachlegen kann. Auf großem Format wird viel mit Farbe und Layout gestalterisch verwirklicht und statt kurze Meldungen findet der Leser Hintergrundberichte und Reportagen.

Dass er mit seinem neusten Projekt die Aktualität des Internets nicht überbieten kann ist Eggers bewusst. Seine Intention ist viel mehr dem Leser zu zeigen, was Zeitung auch heute noch alles kann. Statt, auch im Internet zu findende, kurze Meldungen zu veröffentlichen setzt er auf Hintergründe und mehr Anspruch und scheint damit den Geschmack der vor allem unter 30-jährigen zu treffen.

Der Erfolg mit seiner Zeitung in Amerika beweist, dass die Menschen immer noch ein Interesse an der gedruckten Nachricht haben. Eggers hat sein Ziel erreicht. Den Menschen zeigen, was Zeitung kann. Jetzt liegt es an den Verlegern herkömmlicher Pendants, ob sie wieder bereit sind mehr ?Liebe? in ihre Objekte zu investieren.

Quelle: http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E12D7DFA6D95D45A288A447A6ACE8AAFD~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Genossen steht zusammen!

geschrieben von s2juerme in Allgemeines, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Die taz ist die einzige größere Tageszeitung in Deutschland, die von einer knapp 9000 Mitglieder starken Genossenschaft finanziell getragen wird. Trotz einer stetig zunehmenden Zahl von Mitgliedern bleibt die Finanzdecke der taz sehr dünn und verlangt von den angestellten Redakteuren und Mitarbeitern finanzielle Zugeständnisse. Die Solidarität der Journalisten mit ihrer Zeitung scheint ungebrochen, so dass diese bitteren Pillen häufig klaglos hingenommen werden. Schließlich sehen sich Förderer und Mitarbeiter der linken tageszeitung, als Vorkämpfer der Pressefreiheit in Deutschland. So heißt es auf der Titelseite der taz, ?TAZ muss sein ? Die tageszeitung wird ermöglicht durch 8.928 GenossInnen, die in die Pressefreiheit investieren?.

Vor diesem Hintergrund sorgt eine Genossenschaft im Rücken doch für ein reines Gewissen der Redakteure und vor allem der Leser. So gibt es keine direkte Abhängigkeit von großen Werbekunden, die unter Umständen mit Kündigung der Verträge drohen könnten, sollte es zu missliebiger Berichterstattung kommen.

Wächst die Genossenschaft weiter, so könnte die finanzielle Situation der Zeitung solider werden und vielleicht auf längere Sicht dafür sorgen, dass die taz im Vergleich zu anderen Zeitungen weniger stark von der Zeitungskrise gebeutelt wird. Klar, Leser der Zeitung muss es immer geben, doch strahlt die Genossenschaft als identitätsstiftendes Organ auch auf Abo-Kunden und einfache taz-Leser aus. Zeitung wird zum Gemeinschaftsprojekt. Wer eine taz kauft, der kauft damit eine Stück Gemeinschaftsgefühl. Eine stärkere und emotionalere Leserbindung kann es doch gar nicht geben. Und vielleicht wird das System irgendwann wirklich zum Selbstläufer, wenn der Gelegenheitsleser zum Abo-Kunden und schließlich zum Genossen wird. Es bleibt also abzuwarten, ob auf längerfristige Sicht nicht die Letzten die Ersten sein werden.

Subventionierte Zeitungen

geschrieben von s2juerme in Allgemeines, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Interessante Antworten auf die Fragen der Zeitungskrise in den USA liefert eine neue Studie, die Michael Schudson von der Graduate School of Journalism an der Columbia University und Leonard Downie jr. Vize-Präsident der Washington Post unter dem Titel ?The Reconstruction of American Journalism? veröffentlicht haben. Auch wenn viele Lösungsvorschläge auf spezifisch amerikanische Probleme zugeschnitten sind, so lassen sich doch eine paar Ideen auch auf die Situation in Deutschland anwenden.
So schlagen Schudson und Downie etwa vor Zeitungen in ?new organisations? umzuwandeln. Damit wäre für sie der Weg frei Spenden einfacher einziehen und steuerrechtlich geltend machen zu können.
Des Weiteren halten sie die Einrichtung eines ?Fund of Local News? für angebracht. Dieser soll subventionsartig speziell den im Existenzkampf befindlichen Lokal- und Regionaljournalismus finanziell unterstützen. Gefüllt werden soll der Topf durch die ?Federal Communications Commission? (FCC), die schon jetzt zusätzliche Gebühren auf Telefonanschlüsse erhebt, um beispielsweise Breitbandanschlüsse des Internet auf dem Land einzurichten zu können. Dieses Konzept, geht es nach dem Willen der Experten, solle nun auf die Förderung des Lokaljournalismuses ausgeweitet werden.
Was also die Zeitungen aus eigener Kraft nicht mehr schaffen, soll nun umgelegt werden auf die Gesellschaft und schließlich auf den Staat. Soll dies das Konzept der Zukunft sein? Eine vielseitige Medienlandschaft, die ähnlich wie Museen und Theater, staatlich subventioniert wird? Gar ein duales System auch in der deutschen Zeitungslandschaft?
Fragen über Fragen, die es nun zu diskutieren gilt. Fest steht nur eins: in Anbetracht der Lage müssen neue, vielleicht auch ungewöhnliche Wege gegangen werden.

Quelle: www.taz.de

Auch der Plan-B ist gescheitert

geschrieben von s2juerme in Allgemeines, Internet, Printmedien, Zeitungskrise, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Im Zuge der Verschärfung der Zeitungskrise suchen Redaktionen und Verlage akribisch nach neuen Wegen Zeitungen für das digitale Zeitalter fit zu machen. Ein Konzept ist dabei die papierlose Zeitung, also eine Zeitung deren Inhalte ausschließlich im Internet veröffentlichen werden. Durch Werbung und Abo-Kunden, die z.B. mit einer personalisierten Startseite und einem SMS-Benachrichtigungsdienst geworben werden, sollen sich Internetzeitungen in Zukunft profitabel auf dem Markt positionieren. Die Idee scheint gut, geht sie doch besonders auf die neue Generation von jungen Zeitungslesern ein, die den Großteil ihrer Zeit im Internet verbringen. Doch das aktuelle Beispiel der Berliner ?Netzeitung? zeigt, dass Theorie und Praxis oftmals zwei Paar Schuhe sind. Die ?Netzeitung?, die im Jahr 2000 mit einer 40 Journalisten starken Redaktion ihren Betrieb aufnahm, versuchte stets profitabel zu werden, schaffte es aber bis zuletzt nicht wirklich. Ende 2009 wurde den letzten 14 Redakteuren gekündigt und das ambitionierte Projekt ?Netzeitung? fand ein jähes Ende. Ist also auch die totale Anpassung der Zeitung an das Internet die falsche Antwort auf die drängenden Probleme der Zeitungskrise? Ist kurz gesagt auch der Plan B gescheitert? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Fest steht nur eins, zur Zeit gibt es lukrativere Möglichkeiten im Internet Geld zu verdienen. Der Boom von Social Network Sites etwa zeigt, dass dort größere Gewinnmargen zu finden sind. Doch es scheint für den außenstehenden Beobachter doch schon paradox. Einerseits wird argumentiert, die Print-Zeitungen verlieren viele ihrer Leser an die neuen Möglichkeiten des Internet. Andererseits scheitern Zeitungen, die genau dort im Internet auf die Leser warten. Ist also am Ende doch das Konzept richtig aber die Methode der Umsetzung falsch? Wenn ja, wie könnte man es besser machen?

Quelle: www.zeit.de

Warum so viel Internet in der Zeitung?

geschrieben von s2netheo in Allgemeines, Printmedien, Zeitungskrise1 Kommentar »

Hinter jedem zweiten Artikel: “FR-ONLINE.DE Lesen Sie die Langfassung unter …” oder “FR-ONLINE.DE Bilder, Videos, interaktive Grafiken und Hintergründe”. Warum verweist die “Frankfurter Rundschau” so oft auf das Internet?

Wenn man das liest hat man die Zeitung doch schon gekauft. Die Langfassung gibt es dann aber nur im Netz. Ich versteh nicht ganz. Heißt das ich solle mich doch besser gleich im Internet informieren, weil ich dort mehr Informationen bekomme? Ich schaue mir die Seiten im Internet meist trotzdem nicht an. Ich lese nicht gerne am Computer. Aus diesem Grund kaufe ich mir ja auch die Printausgabe. Wenn ich jetzt aber in dieser Printausgabe lesen muss, dass in der Onlineausgabe mehr Informationen zu finden sind, dann ergibt sich für mich der Eindruck als buhlen Printausgabe und Onlineausgabe um genau die gleiche Leserschaft. Ich denke, dass ist eher destruktiv für die Printausgabe.  Ich könnte mir vorstellen, dass einige Leser ihr Abonnement abbestellen und sich nur noch aus der Onlineausgabe informieren.

Mittlerweile scheinen diese Verweise auf das Internet aber völlig normal zu sein. Denn nicht nur die “Frankfurter Rundschau” verweist so häufig auf ihre Onlineausgabe.

Quelle: Betrachtung der Printausgaben der “Frankfurter Rundschau” von Montag 14.12.2009 bis Freitag 18.12.2009

Kulturkampf – “taz” und “Bild”

geschrieben von s2netheo in Printmedien, Zeitschriften, Zeitungskrise2 Kommentare »

Sie kämpfen schon seit fast 40 Jahren, die konservative “Bild” und die linkskritische “taz”. Der Streit geht zurück auf die Studentenunruhen in den sechziger Jahren. Damals berichtete die “Bild” negativ über die Studenten und stiftete so  zum Volkszorn gegen sie. Die 68er glaubten die Berichterstattung der “Bild”  sei mit für den Tod Benno Ohnesorgs und das Attentat auf Rudi Dutschke verantwortlich.

Es scheint ein ungleicher Kampf. Die “taz”, von einer Genossenschaft herausgegeben, mit einer Auflage von 65.000 gegen die “Bild”, mit ihrem Chefredakteur Kai Diekmann, die größte Zeitung Europas mit einer Auflage von mehr als drei Millionen.

Doch bis heute hat die “taz” es geschafft sich gegen die “Bild” zu behaupten. Ihr Erfolg lässt sich unter anderem auf ihren Witz, die Frechheit und die Satire zurückführen. Im Jahr 2002 berichtete die “taz” auf der Satire-Seite über eine angeblich durchgeführte, missglückte Genitalverlängerung des “Bild”-Chefredakteurs Kai Diekmann. Den anschließenden Rechtsstreit mit der “taz” verlor Diekmann. Nun hat der Künstler Peter Lenk mit Zustimmung der “taz” an deren Redaktionsgebäude in Berlin eine “Anti-Springer-Installation” (Spiegel Nr.49) mit dem Titel: “Friede sei mit dir” angebracht. “Es zeigt einen Mann der Diekmann ungeheurer ähnlich sieht, mit einem übergroßen Geschlechtsteil” (www.derwesten.de 30.11.09) Diese Skulptur sorgt für Aufruhr. Es scheint als verliere die “taz” ihren eigenen Humor und vielleicht somit einen Teil ihrer Identität. Denn Einigkeit über die Skulptur herrscht in den Reihen der “taz” nicht. Die neue Chefredakteurin Ines Pohl ist alles andere als erfreut über diese Art der Kunst. Das Selbstverständnis der “taz” wird in diesen Tagen auf die Probe gestellt. Leser sind genervt und Redakteuren ist der “Riese” peinlich. Doch was würde es bedeuten die Skulptur jetzt wieder abzunehmen? Stärkt man damit nicht Diekmann? Er nutzt die Gelegenheit und blogt was das Zeug hält über den internen Streit der “taz”-Redaktion.

Fest steht, dass die Skulptur erst mal bleibt. Denn Peter Lenk droht mit einer hohen Summe Schadensersatz. Für Ines Pohl ist das wohl eine bittere Tatsache. Ihr Einsatz gegen die Skulptur scheint nicht geglückt. Nach der Kritik an ihrer Vorgängerin Mika und ihrer Reaktion auf den “Riesen” wird es für Pohl schwer sein, den internen Konflikt beizulegen.

Man könnte sagen die “taz” hat sich mit ihren eigenen Mitteln, dem Witz und der Satire, im Kampf mit Kai Diekmann schwer zugesetzt. In meinen Augen lässt genau diese Tatsache, die ganze “Riesen”-Affäre so lächerlich erscheinen. Mit dieser Skulptur hat die “taz” Diekmann in die Arme gespielt. Der die Empörung in der Medienwelt und Gesellschaft zu nutzen weiß. Ich finde die “taz” ist etwas über das Ziel hinausgeschossen. Solch eine Skulptur passt nicht an das Redaktionsgebäude der “taz”. Meiner Meinung nach käme die Funktion der Skulptur die Methoden der Boulevardpresse zu entlarven an einer anderen Stelle, ohne eine Verbindung zur “taz”, besser zur Geltung.

Quellen:

- “der Westen” das Portal der WAZ Mediengruppe (zuletzt gesichtet am 09.12.09): http://www.derwesten.de/kultur/Bild-und-taz-streiten-um-eine-Penis-Skulptur-id2182548.html

- “Der Spiegel” Nr.49 2009, Thomas Hüetlin: “Tanz den Axel Springer” S.184-186

Verlage kriseln

geschrieben von s2pesaue in Allgemeines, Medienwandel, Printmedien, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Obwohl der Springer-Verlag in diesem Jahr einen Gewinn von 260 Mio. Euro verbucht hat, gab Vorstandschef Mathias Döpfner bekannt, dass das Unternehmen in Zukunft sparen müsse. Immer mehr Journalisten bangen um ihren Job. Die WAZ-Gruppe verkleinerte ihre Redaktion erst kürzlich und setzte ein Drittel ihrer Redakteure auf die Straße. Die Redaktionen schrumpfen immer mehr, bekommen gleichzeitig aber auch immer mehr Arbeit. Klingt unlogisch ? ist es auch! Die verkleinerten Redaktionen übernehmen zunehmend mehr Aufgaben. Darunter leidet die journalistische Qualität. Die Quantität des journalistischen Schaffens nimmt parallel dazu ebenso ab. So kooperiert die Redaktion der Berliner Zeitung beispielsweise mit der Frankfurter Rundschau und dem Kölner Stadtanzeiger. Die Berliner Zeitung steuert seit neuestem den Wissenschaftsteil der Frankfurter Rundschau bei. Derselbe Inhalt also in beiden Zeitungen. Bei Zapp gab es einen interessanten Beitrag zu dieser Thematik.

Quelle: http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/medien_wirtschaft/verlagskrise100.html

Zeitungskiosk im Internet ? die rettende Idee?

geschrieben von s2aageis in Internet, Printmedien, Zeitschriften, Zeitungskrise1 Kommentar »

Dass die Zeitungs- und Zeitschriftenbranche in Zeiten einer internet-fixierten Gesellschaft mit sinkenden Erlösen zu kämpfen hat ist keine Neuheit. Zurückgehende Anzeigeneinnahmen und Auflagenzahlen gipfelten 2009 in einem Zeitschriftensterben. Man erinnere sich zum Beispiel an Amica (Burda), Vanity Fair (Condé Nast), Park Avenue (Gruner + Jahr) oder Maxim (Marquard Media). Doch nicht nur in Deutschland mussten Titel beerdigt werden. Auch in den Vereinigten Staaten stellte zum Beispiel Condé Nast USA erst im Oktober mit Gourmet, Modern Bride,
Elegant Bride
und Cookie gleich vier seiner Objekte ein.

Den Leser von heute findet man nur noch selten am Kiosk um die Ecke, in einer Bahnhofsbuchhandlung oder gar als Abonnent direkt am eigenen Briefkasten. Der Leser von heute ist im Internet. Hier bietet sich ihm eine schier unfassbare Menge an immer aktuellen, immer erhältlichen und immer abrufbaren Informationen.

Was bleibt also für die Verlagshäuser zu tun, um die letzte Konsequenz ? das eigene Sterben ? zu verhindern? In den USA scheint dieser Tage eine neue Lösung Gestalt anzunehmen. Die rettende Idee soll eine Onlineplattform für bezahlte Zeitungs- und Zeitschrifteninhalte, vergleichbar mit dem Webportal iTunes für Musik, sein. Es wird eine Bandbreite an unterschiedlichsten Titeln geboten, ähnlich wie an einem Zeitungskiosk. Die Inhalte büßen dabei nichts an Qualität und Umfang verglichen mit dem gedruckten Original ein und müssen – natürlich – bezahlt werden. Ziel dieses Angebots ist die Talfahrt der Umsätze in der Branche zu stoppen.
Hinter der Plattform soll ein Bündnis von amerikanischen Verlagen stehen, dessen treibende Kraft vor allem
John Squires, Executive Vice President von Time Inc., eines der größten Verlagshäuser weltweit, ist. HORIZONT.NET berichtete bereits im Oktober, dass Squires versuchte große Verlage in Amerika für den Zeitungskiosk im Internet und für die gemeinsame Trägerschaft zu gewinnen. Jetzt scheint das Verlagsbündnis spruchreif zu werden. Sogar von einer neuen Software, welche iPhone, Blackberry oder E-Book Besitzern ebenfalls den Onlineeinkauf von Magazinen ermöglichen soll, ist die Rede.

Zugegeben ist die Idee von bezahlten Inhalten im Internet nicht neu. Zeitungen und Zeitschriften bieten heutzutage häufig den Zugriff auf ihre Artikeln gegen ein Entgelt an. Der Schritt der Bündelung von einzelnen Archiven in einer gemeinsamen Plattform verspricht einen effektiveren Verkauf. Mit einem Klick auf den virtuellen Zeitungskiosk kann der Nutzer aus einem vielfältigen Portfolio die für ihn relevanten Informationen auswählen und Ausgaben in digitaler oder realer Form kaufen.

Welche Auswirkungen der virtuelle Zeitungskiosk auf die gedruckte Publikation hat, darüber wird nichts gesagt. Ob der Leser noch an reale Verkaufsstellen geht, wenn er dass selbe Angebot auch online in heimischen Wänden abrufen und lesen kann, ist fraglich. Eher ist zu vermuten, dass die Verkäufe gedruckter Publikationen weiter zurückgehen werden. Der Kiosk im Internet wird dem drohenden Aussterben eines jahrhundertealten Kulturguts, dem geschriebenen und gedruckten Wort, kaum entgegenwirken.

Quellen:

http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/iTunes-fuer-Magazine-US-Verlage-planen-Online-Zeitungskiosk_88750.html

http://www.horizont.net/aktuell/digital/pages/protected/USA-Konsortium-soll-Paid-Content-auf-die-Spruenge-helfen_87872.html

http://www.sueddeutsche.de/kultur/918/471458/text/

http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Cond%E9-Nast-USA-stellt-Gourmet-und-drei-weitere-Magazine-ein_87670.html

Erhalten US-Zeitungen bald Unterstützung?

geschrieben von s2laplit in ZeitungskriseKeine Kommentare »

Die US- Zeitungen stecken in der Krise. Das ist nicht erst seit gestern bekannt. Bereits seit der ersten Zeitungskrise 2001 schreiben viele amerikanische Zeitungen rote Zahlen.

Was gibt es da für Möglichkeiten aus der Krise?  Mäzenatentum, die Einführung einer Kulturflatrate, eine Form der GEZ- Gebühr für Zeitungen? Viele Dinge werden diskutiert, auch in Deutschland. In den USA wird in einer in der letzten Woche erschienenen Studie der Columbia University School of Journalism gefordert, die Zeitungen als “gemeinnützig” anzuerkennen- eine Finanzierung durch Spenden wäre möglich, da die Zeitungen dadurch als nicht-kommerzielle Unternehmen eingestuft würden. Der unabhängige Journalismus sei nur durch allgemeine Unterstützung auch in Zukunft überlebensfähig, so die Autoren der Studie. Auch Steuererleichterungen oder die Mitfinanzierung durch Gebühren sind im Gespräch. Außerdem soll ein Fonds für Lokaljournalismus (“Fund for Local News”) gegründet werden. Trotz der derzeitigen Lage der meisten US- Zeitungen mit einem durchschnittlichen Auflagenminus von 10,6 % und der Streichung vieler Redakteursstellen, sehen viele diese Ideen skeptisch.

Bleibt abzuwarten, welcher Ansatz sich durchsetzt oder ob die Zeitungen alleine einen Weg aus der Krise finden…

Quellen: Spiegel vom 26.10.2009, Seite 101

http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/redaktionen-werden-subventionsfall/

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,657798,00.html

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,657555,00.html

Gruner + Jahr droht erneut drastischer Sparkurs

geschrieben von M. Spengler in Printmedien, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Nach heutigen Berichten der Printausgaben von Spiegel und der Süddeutschen Zeitung muss das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr noch vor Jahresfrist rund 200 Millionen Euro einsparen. Diese Einsparungen sind wiederum Teil der Sparmaßnahmen beim Mutterkonzern Bertelsmann, der seit dem Rückkauf aller Aktienanteile vom belgischen Investor Albert Frère fur rund 4,5 Milliarden Euro hoch verschuldet ist und auch anderen Tochterkonzernen (Arvato, RTL Group) Sparpakete verordnet hat.
Bereits Ende 2008 musste Gruner + Jahr massiv einsparen, was sich unter anderem in Stellenkürzungen und der Einstellung der Zeitschrift Park Avenue geäußert hat. Wie der Verlag den neuerlichen Sparzwängen begegnen will, wurde bislang nicht bekannt.

Gruner + Jahr ist Europas größtes Druck- und Verlagshaus mit Publikationen wie dem stern, Financial Times Deutschland oder Geo. Die AG gehört zu 74,9 % dem Bertelsmann-Konzern.

Wann kommt die papierlose Zeitung?

geschrieben von Christian Moeris in Medienwandel, Printmedien, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Früh am Morgen klingelt der Wecker und wenig später ist schon der Kaffee durchgelaufen. Aber was mich noch schneller als die Vorfreude auf den heißen Kaffee aus dem Bett hat aufstehen lassen, ist die Neugierde auf die Nachrichten in der Zeitung. Auf dem Küchentisch liegt etwas, das auf den ersten Blick wie ein Schnellhefter mit transparenter Folie aussieht. Am rechten Rand dieser seidig glänzenden und transparenten Folie im DIN A4 Format blinkt eine grüne LED. Die flexible einige Millimeter dicke Folie hat an ihrer rechten Seite einen ca. 4 cm breiten Rand, der als Griff und Steuerungsleiste dient. Das grüne blinkende LED-Lämpchen signalisiert mir, dass sich das E-Paper über  meinen WLAN-Anschluss bereits die abonnierte Tageszeitung in elektronischen Format aus dem Netz heruntergeladen hat. Es ist also kein Schnellhefter sondern ein E-Paper, eine elektronische Zeitung auf einer Art elektronischem Papier, das physikalisch greifbar ist und vor mir auf dem Tisch liegt.

Und dieses E-Paper hat, als ich noch im Schlaf lag, ganz einfach automatisch meine abonnierte Tageszeitung über das Internet heruntergeladen. Mit einem Tastendruck auf der Bedienleiste starte ich das lautlose Gerät und 2 Sekunden später die Lektüre. Mit dem Zeigefinger navigiere ich über den touchscreen. In der Vollbildansicht überfliege ich die Titelseite. Zur Lektüre ändere ich dann die Zoomstufe.

Aber nicht die ganze Zeitung und nicht nur eine einzige Tageszeitung habe ich abonniert, sondern nur bestimmte Ressorts/Themenbereiche für jeweils 5 ? monatlich, die ich mir aus verschiedenen Tageszeitungen, Wochenzeitungen und Zeitschriften zusammengestellt habe. Der Sportteil landete bei mir früher eh immer ungelesen im Altpapier. Daher habe ich jetzt nur 4 Themenbereiche abonniert, die mich auch wirklich interessieren. Und diese beziehe ich aus 4 verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften.

Da ich aber gleich schon aus dem Haus muss, packe ich das E-Paper in den Rucksack zwischen andere Ordner, Hefte und Papierblöcke und nehme es lieber gleich im Bus wieder aus der Tasche, um weiter zu lesen. Meinen Laptop möchte ich zum Zeitunglesen nicht ständig benutzen und mit mir herumschleppen, da er zu schwer, zu  laut, zu empfindlich und vor allem zu unhandlich ist. Mein Smartphone ist auf Dauer auch ganz einfach zu klein dazu.

So, oder so ähnlich könnte es eines Morgens aussehen, wenn das E-Paper dann mal auf dem deutschen Markt eingeführt worden ist und die Zeitungen und Zeitschriften (Verlage)  ihre journalistischen Inhalte für das E-Paper anbieten.

Aus deutscher Sicht erscheint einem diese ganze E-Book und E-Paper Geschichte aber eher als eine Art Fata Morgana. Das sogenannte E-Book gibt es nun schon seit genau 10 Jahren. Schon vieles habe ich in der Presse darüber gelesen, aber zu Gesicht bekommen habe ich bis heute noch keines. In den USA scheinen solche Reader aber schon weiter verbreitet zu sein und die Hersteller wie Sony und Amazon bringen schon neue E-Book Generationen auf den Markt.

Was mich aber am meisten verwundert ist die Passivität der deutschen Verlage in Bezug auf die Entwicklung des E-Papers, des perfekten mobilen Lesegerätes ihrer E-Zeitungen. Was lässt die Printmedien-Branche eigentlich so stoisch verharren, wo sie doch im wahrsten Sinne des Wortes am Absaufen ist. Online verdienen sie ja auch kein Geld. Es scheint so, als verließe man sich ganz auf die Elektronik-Industrie, die aber ihre Termine für die dt. Markteinführung der Geräte  ständig nach hinten korrigiert. Müssten die Verlage nicht auch an der Entwicklung partizipieren, sei es beispielshalber dadurch, dass sie Geld in die Entwicklung fließen lassen ?

Was sagt Ihr dazu?

Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO