Satire im Blitzlicht der Medien – Der Fall des Dieter N.

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„Wenn man nicht wüsste, dass der Koran Gottes Wort ist, könnte man meinen, ein Mann habe ihn geschrieben.“

Provokante Worte, gut verpackt in Humor – quasi das, was gute Satire ausmacht.

Am 24.10.2014 veröffentlichte die Neue Osnabrücker Zeitung als Erste, dass der Kabarettist Dieter Nuhr (54) für diese und ähnliche Aussagen aus seinen Programmen von dem in Osnabrück lebenden Muslimen Erhat Toka verklagt wird. Die Anklage lautet „Beschimpfung von Religionsgemeinschaften„.
Auf eine Stellungnahme von Herr Nuhr wird hierbei verzichtet. Allerdings nicht freiwillig, so der zuständige Redakteur Rainer Lahmann-Lammert. Er habe mehrfach bei der Agentur des Kabarettisten angefragt, ob die Möglichkeit eines Interviews bestehe und dabei von Anfang an die von Herrn Toka geplante Demonstration am 25.10.2014 vor Nuhrs Auftritt in Osnabrück nicht unerwähnt gelassen.
Ein Termin wird  auch trotz seiner Ankündigung, den Artikel bereits vor dem Samstag der Show herausgeben zu wollen, erst auf den folgenden Dienstag gelegt. Nuhrs Begründung dazu lautete, dass er kein Aufsehen hatte erregen wollen. Ziel der Radikalen Islamisten sei gewesen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen, erzeugt durch die einprägsamen Schlagzeilen eines Skandals. Eine Äußerung seinerseits wäre damit pure „Werbung“ gewesen und genau das, was die Demonstranten sich erhofften. Er hatte angenommen, dass auch die Redaktion das berücksichtigen würde und war daher mehr als überrascht über das frühe Erscheinen des Artikels.

Doch im Prinzip hat nie wirklich jemand an die Verurteilung Nuhrs geglaubt. Sowohl in den Kreisen der Comedians, als auch unter den Persönlichkeiten der öffentlichen Medien, war man sich weit verbreitet einig, dass in diesem Fall nicht nur das Recht der freien Meinungsäußerung, das wir in Deutschland genießen, zum Tragen kommt, sondern viel mehr das der Kunstfreiheit, welches noch sehr viel tiefgreifender Kritik und Übertreibung zulässt.
Es ist die Aufgabe des Satirikers sich auf die Bühne zu stellen und durch Spott und Lächerlichkeit Missstände in unserer Gesellschaft anzuprangern und darauf aufmerksam zu machen. Nuhrs Kollege Lars Reichow meint dazu: „Wir Kabarattisten müssen mutig sein, wer soll es denn sonst machen?“

Tagtäglich wird die Bibel auf der Bühne genauso bloßgestellt wie der Koran und es kommt auch immer mal wieder vor, dass Beschwerden von Seiten des Vatikans eingehen, doch um dieses Ereignis mit Dieter Nuhr und dem Islam wird jetzt ein riesiger Hype  gemacht. Da fragt man sich doch, warum? Ist es nicht doch den sensationshungrigen Medien zuzuschreiben?
Laut Nuhr war „Tokas Ziel […] die Skandalisierung – und die Medien haben ihm den Gefallen getan.“ Wenn die ihre Story riechen, kann man „sich auf unsere Presse immer verlassen.
Die gute Nachricht ist, dass für dieses Mal aus genau dieser Aufmerksamkeit auch Vorteile gezogen werden konnten. Nuhr erhielt nicht nur unter seinen Kollegen, sondern auch millionenfach auf den Seiten seiner Social Network-Accounts von allen Seiten Unterstützung und Zustimmung.
Das Ermittlungsverfahren gegen Nuhr ist jetzt eingestellt und die stern-Leserin Cheeba McCheebs kommentiert: „Jeder der was gegen Nuhr zu sagen hat, darf das genau so machen wie Nuhr. Es ist fair, und wenn sich Nuhr über etwas lustig macht stirbt keiner„.

 

 

Quellen:

Neue Osnabrücker Zeitung

Frankfurter Allgemeine

Focus

Allgemeine Zeitung

Die Welt

Stern

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Ist die ZEIT vorbei?

geschrieben von in Internet, Printmedien, Zeitschriften, Zeitungskrise1 Kommentar »

Langsam schiebt sich die Masse über den überfüllten Bahnsteig. Sie kommen an einem Zeitungsstand vorbei. GRATIS steht in großen Buchstaben auf einem Schild. Ein alter Mann nimmt sich eine Zeitung. Alle anderen gehen weiter, ohne den Stand eines Blickes zu würdigen. Nach einer Weile sitzen alle im Zug. Taschen und Rucksäcke werden geöffnet, Laptops herausgeholt und Smartphones eingeschaltet. Der alte Mann geht den Gang hinunter. Er lässt sich auf einem freien Platz nieder und schlägt umständlich die Zeitung auf. Die Frau auf dem Platz neben ihm schaut genervt von ihrem Smartphone auf. „Was suchen Sie denn?“, fragt sie. „Die Bundesligaergebnisse!“, antwortet der alte Mann. „Die habe ich gestern schon nachgeschaut“, sagt sie und überreicht ihm ihr Smartphone.

Kein Überleben für die Zeitung?

Dass die Nachfrage nach Printmedien schwindet, ist nichts Neues. Doch gibt es den guten Journalismus nicht nur in der Zeitung? In der Zeitung überzeugen seit langen Jahren qualifizierte Journalisten mit gut recherchierter Arbeit, unterschiedlichen Themen und ausführlichen Hintergrundreportagen. Mit dem Kauf einer Zeitung wird versichert, dass die Artikel umfassend recherchiert und glaubwürdig sind. Dass die Journalisten Kenntnis haben, worüber sie schreiben und für den Leser die wirklich wichtigen Themen selektieren und aufbereiten.

Trotzdem greifen immer mehr Menschen zum Smartphone oder Tablet, um die Nachrichten online zu lesen.
Im Internet findet man die gesuchten Informationen schnell und zielsicher. Ohne großen Zeitaufwand. Und noch viel wichtiger ist, dass man NUR das erhält, was man wirklich möchte. Kauft man eine Zeitung, um sich über die neusten Ereignisse in Russland zu informieren, muss man auch den Rest, also den Sport und die Klatschspalte kaufen. Online ist das anders.
Kauft man eine Zeitung, entscheidet man sich nicht nur dafür mehr zu kaufen, als man eigentlich braucht, sondern es beschränkt auch auf die eine Sichtweise des Journalisten beziehungsweise die Quellen, die der schreibende Journalist wichtig hielt. Im Internet hingegen werden viele verschiedene Quellen präsentiert. Durch Verlinkungen findet man schnell viele Texte und Informationen zum selben Thema.

Natürlich hört man hier die Aufschreie der Zeitungsliebhaber. Denn Online birgt viele Risiken, die man nicht außer Acht lassen sollte. Im Internet kann jeder zum Journalist werden und jeder kann Informationen einstellen. Fehlinformationen werden nicht überprüft und verbreiten sich über das Internet wie ein Lauffeuer, bevor auffällt, dass es sich um eine Fehlinformation handelt.

Doch ist dieses Risiko nicht akzeptabel, wenn man bedenkt, was man dafür bekommt?

So schön es auch sein mag eine echte Zeitung in der Hand zu halten – das bekannte Rascheln beim Umblättern der Seiten zu hören. Sind es doch trotzdem nur die Nachrichten von gestern.
Für schnelle und aktuelle Nachrichten bleibt nur der Griff zum Smartphone.

Was sich viele wünschen, sind Onlineartikel, die umfassend recherchiert sind und komplexe Sachverhalte verständlich zusammenfassen. Artikel, wie man sie zuweilen nur in der „echten“ Zeitung findet.

Die Süddeutsche Zeitung versucht zur Zeit durch den Bau eines Print – Online – Newsrooms Online und Print erfolgreich zu verbinden. „Die geschäftsführenden Redakteure, die dort arbeiten werden, sind künftig für Print, wie online gleichermaßen verantwortlich.“ (http://www.turi2.de/heute/sueddeutsche-zeitung-baut-print-online-newsroom/) Dadurch soll es eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Print und Online geben. Es ist der Versuch „sowohl eine sehr gute Zeitung, als auch eine sehr gute Nachrichtenseite (zu) machen.“ (http://www.turi2.de/heute/sueddeutsche-zeitung-baut-print-online-newsroom/)
Es könnte ein entscheidender Schritt sein, Online qualitativ nach vorne zu treiben, aber dabei die Zeitung nicht zu vergessen.

Kein Überleben für die Zeitung?
Das ist zur Zeit schwer zu ermessen. Aber bis jetzt schreibt sie auch noch keiner ab!

 

Quellen:

http://www.gutjahr.biz/2013/03/zukunft-zeitung/

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/zukunft-der-zeitung-die-odyssee-der-online-onkels-12534852.html

http://verlag.faz.net/mediaportal/ueber-die-zukunft-von-zeitungen-ein-gespraech-mit-frank-schirrmacher-und-horizont-chef-juergen-scharrer-11885036.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/zukunft-des-journalismus-das-heilige-versprechen-11970610.html

http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2012-11/Tageszeitung

http://www.spiegel.de/thema/2020_die_zeitungsdebatte/

http://www.sueddeutsche.de/thema/Zukunft_des_Journalismus

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/zukunftdesjournalismus

http://www.arte.tv/guide/de/048392-000/journalismus-von-morgen-die-virtuelle-feder

http://www.theeuropean.de/debatte/342-zukunft-des-journalismus

http://www.turi2.de/heute/sueddeutsche-zeitung-baut-print-online-newsroom/

 

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Topfvollgold – Geschichten vom Ende des Regenbogens

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Personalisierung, Emotionalisierung und Dramatisierung. Mit diesen Präsentationsstrategien versuchen die Boulevardblätter ihre Leser zu gewinnen und zu unterhalten. Unterhaltung um jeden Preis. Je dramatischer desto besser. Hauptsache es kommt eine sensationelle Story am Ende dabei raus. Nach diesem Motto scheinen viele Boulevardzeitschriften in der heutigen Zeit zu verfahren. Doch wie weit darf Boulevardjournalismus gehen? Ist es wirklich in Ordnung die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte von Menschen gänzlich zu ignorieren und Fakten einfach zu erfinden? Denn ob das berichtete der Wahrheit entspricht oder nicht scheint heutzutage keinen mehr zu interessieren. Boulevardzeitschriften entwickeln sich immer mehr zu einem Portal von Märchen- und Lügengeschichten und das meist auf Kosten von ahnungslosen Prominenten. Banalitäten werden zu vermeintlich sensationellen Storys aufgebauscht. Seriöse Recherche scheint selten der Fall zu sein. Ganz im Gegenteil! Nicht selten werden Fakten sogar einfach erfunden. Die Frage die sich einem da stellt ist wo die Pressefreiheit ihre Grenzen hat? Erst kürzlich ging der Schauspieler George Clooney gegen die britische Yellow Press in die Offensive, welche darüber berichtete, dass Clooneys Schwiegermutter die geplante Hochzeit mit seiner Partnerin ablehne. Eine gänzlich erfundene Geschichte, die tief in die Privatsphäre von Clooney und dessen Familie eindrang und schon fast an eine Hetzjagd der Journalisten erinnert. Seriöse Recherche? Wer braucht das schon! Man kann ja auch Fakten erfinden und diese glaubwürdig verkaufen. Ein fast schon unmenschliches Verhalten der Boulevardpresse, welches immer schlimmer zu werden scheint.
Genau diesem „Phänomen“ widmen sich seit einem Jahr zwei Journalistikstudenten aus Dortmund, indem sie sich zur Aufgabe gemacht haben, diese Unwahrheiten, die die Boulevardzeitschriften verbreiten, aufzudecken. In ihrem „watchblog“ „Topfvollgold – Geschichten vom Ende des Regenbogens“ nehmen die beiden Studenten die angeblich sensationellen und angeblich der Wahrheit entsprechenden Geschichten der Boulevardblätter etwas genauer unter die Lupe und überprüfen, ob denn überhaupt ein Körnchen Wahrheit an der Story zu finden ist. Nicht ganz überraschenderweise ist dies nur selten der Fall wie sich nach der Recherche der beiden Blogger herausstellt: „In der Regenbogenpresse wird die Wahrheit nicht nur verdreht. Oft sind die Geschichten auch ganz klar erlogen“, so einer der beiden Gründer des Blogs. Und so haben die beiden Blogger schon viele schlicht erfundene Beiträge der Boulevardzeitschriften als schlichte Lügen entlarvt und nehmen diese immer wieder aufs Korn. Es ist amüsant und erschreckend zugleich die Ergebnisse der Recherche der beiden Studenten sich näher anzuschauen, da man dadurch einen ganz anderen Blick auf die Boulevardpresse bekommt und sich beim nächsten Lesen hinterfragt, ob der Beitrag überhaupt der Wahrheit entspricht. Mittlerweile hat der Blog, welcher ursprünglich als Praxisteil ihrer Bachelorarbeit angesehen war, täglich rund 2000 Leser. Darunter auch Prominente wie Günther Jauch, welcher immer wieder Opfer falscher Berichterstattung war und ist und die aufklärerische Wächterfunktion des Blogs begrüßt: „´Topfvollgold‘ ist momentan die einzige ernstzunehmende Seite im Netz, die sich die Mühe macht, den wöchentlichen Schrott der Yellow Press nicht nur durchzuarbeiten, sondern den publizistischen Dreck, der da abgesondert wird, auch als solchen zu benennen“.Mit ihrem Blog leisten die beiden Studenten einen großen Beitrag zur Bekämpfung des Sensationsjournalismus, indem sie auch falsche Berichterstattungen an die Betroffenen weiterleiten und die Berichte beim deutschen Presserat melden.
Natürlich wollen wir alle durch die Berichterstattung der Boulevardpresse auch unterhalten werden und finden es interessant und teils auch amüsant über das Leben und die kleinen Geheimnisse der Schönen und Reichen zu lesen. Aber dort wo Unwahrheiten verbreitet und die Privatsphäre von Menschen mit Füßen getreten wird geht Pressefreiheit zu weit. Und so ist es gut zu wissen, dass es noch Menschen gibt, denen die Privatsphäre anderer am Herzen liegt und den üblen Machenschaften der Boulevardpresse Einhalt geboten wird.

 

Quellen:

Kohlmaier, Matthias (21.08.2013): Wühlen in der klebrigen Melange, in: sueddeutsche.de, URL: http://www.sueddeutsche.de/medien/yellowpress-watchblog-topf-voll-gold-wuehlen-in-der-klebrigen-melange-1.1749390 (15.07.2014).

Braun, Dr. Marie-Luise (31.03.2014): Watchblog „Topf voll Gold“ nimmt Regenbogenpresse aufs Korn, in: noz.de, URL: http://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/463561/watchblog-topf-voll-gold-nimmt-regenbogenpresse-aufs-korn (15.07.2014).

Alvarez, Sonja (02.03.2014): Nur die Lüge zählt, in: tagesspiegel.de, URL: http://www.tagesspiegel.de/medien/ein-topfvollgold-ueber-die-regenbogenpresse-nur-die-luege-zaehlt/9556926.html (15.07.2013).

http://www.topfvollgold.de/

Infografiken Revisited: Ausflug zu Herr Neurath

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Wer ist Herr Neurath und was hat er gemacht? Herr Otto Neurath war so etwas wie ein Universalgelehrter. Folgt man den unterschiedlichen Quellen, nach Informationen über ihn, so war er unter anderem Architekt, Pädagoge, Nationalökonom. Und so langsam bin ich mir sicher, es hätte sich bestimmt noch die ein oder andere Tätigkeiten ausfindig machen lassen, der Herr Neurath nachgegangen ist, denn wie gesagt, er gilt als Universalgelehrter.

Eines seiner Hauptwerke, und ab hier ist er wohl für uns von Interesse, ist die Wiener Methode der Bildstatistik. Otto Neurath ist einer der Köpfe hinter dem »International System of Typographic Picture Education«, Kennern auch als Isotype geläufig.

Hintergrund dieser Bildstatistik war zum einen die Reaktion auf politischen Veränderungen zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Neurath erkannte einen Strukturwandel von der Arbeits- zur Wissensgesellschaft, der es erforderte neue partizipatorische Strategien zu entwickeln, welche die soziale und kulturelle Bildung vorantreiben sollen, um letztendlich Selbstbestimmung zu gewährleisten.

Erstmals wurden die visuellen Statistiken genutzt, um die der Planwirtschaft der UDSSR zu visualisieren. Jahre später wurde die Idee umgetauft, aus Isostat wurde Isotype. Der Leitgedanke allerdings, blieb der Gleiche: Die Isotype  soll auf visuelle Art der Verständigung der Völker dienen und diese durch grafische Zeichen revolutionär vereinfachen. Die Grafiken geben auf nüchterne Art allerlei Daten wieder, ganz im Sinne des logischen Empirismus.

Ausgehend von diesem Sinne des logischen Empirismus, und auch von einem Zitat Neuraths: »Wir müssen jedenfalls auch zeigen wie die Welt wirklich ist«, lässt sich auch die zunehmende Komplexität heutiger Informationsgrafiken erklären.

Aus dem Zitat lässt sich auch folgern, dass es nicht korrekt wäre sie (die Welt) einfach darzustellen, dies entspräche nämlich nicht den Fakten.

Gerade die Komplexität macht Informationsgrafiken so spannend. Ihnen empirischen Wert zuzusprechen ist gewiss richtig. Ihnen allerdings ihren poetischen und künstlerischen Wert abzusprechen wäre irgendwie falsch.

Fortsetzung folgt

WISSEN, wo’s herkommt…

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Viele kennen es, das Problem der intersubjektiven Nachvollziehbarkeit wissenschaftlicher Texte. Da sitzt man nun vor einer Hausarbeit, einem Essay oder jedweder Form wissenschaftlichen Dokuments und denkt über das Sujet: „Mensch, darüber hab‘ ich doch mal irgendwo etwas gelesen…“. Dumm nur, wenn einem die Quelle nicht mehr einfällt oder man fälschlicherweise gar davon ausgeht, dieser famose Geistesblitz sei Produkt der eigenen Vernunft. (Letzteres – durchaus auch intendiert –  scheint ja offensichtlich gerade in Zeiten digitaler Nachprüfbarkeit des „eigenen“ geschriebenen Wortes ein nicht zu unterschätzendes Problem geworden zu sein; man bediene sich diverser Beispiele, wie die des Herrn K.T. von und zu G. oder einer gewissen Frau S.)

Hätten diese Herrschaften, die hier nur am Rande und in anonymisierter Weise erwähnt werden, sich doch einmal die Redaktion der Zeitschrift „ZEIT WISSEN“ zum Vorbild genommen, wäre ihnen wohl so manches erspart geblieben.

„ZEIT WISSEN“ ist ein vom Zeit-Verlag herausgegebenes Magazin, das sich auf Wissensfragen – wie der Name bereits suggeriert – spezialisiert hat und alle zwei Monate erscheint. So weit, so gut. Die eigentliche Neuerung besteht aber darin, dass man sich dazu entschlossen hat, die wichtigsten zu Rate gezogenen Quellen am Ende eines jeden Artikels preiszugeben, um dem Medium „[e]inen transparenteren und persönlicheren Charakter“ zu verleihen, wie Jan Schweitzer, Chefredakteur bei „ZEIT WISSEN“ verlauten ließ. Ferner sollen auch die Beweggründe der jeweiligen Autoren bekanntgegeben werden, indem man klarstellt, warum, wieso, weshalb, wann und wo welche Bücher gelesen, Studien ausgewertet, Experten ins Verhör genommen oder Datenbanken durchforstet wurden.

Dabei bleibt es allerdings nicht, denn multimediale Zeiten erfordern multimediale Mittel, und so kann der Leser seine Quellensuche im WWW weiterführen, denn dort sollen ab der nächsten, am morgigen Dienstag, 11.06.2013, erscheinenden Ausgabe, alle Quellen offengelegt werden. Des Weiteren verspricht sich die Redaktion von dieser „Vernetzung“ Online-Diskussionen von Lesern im Anschluss an die Artikel, vorrangig über die Quellen selbst und deren Qualität (oder eben deren Fehlen). Von einer potentiellen Kritikflut der Leserschaft hat man indes nicht viel Angst beim Zeit-Verlag, denn laut Schweitzer „hilft [sie], um das Heft noch besser zu machen“.

Vielleicht sehen dies nun gewisse Herrschaften – die hier ja nur am Rande und in anonymisierter Weise erwähnt werden – als Ansporn beim nächsten Mal auch ihre Quellen zu offenbaren, denn „ZEIT WISSEN“ geht mit gutem Beispiel und weitaus mehr Sympathiepunkten mit einer verkauften Auflage von 92.790 Exemplaren im ersten Quartal 2013 voran.

 

Quellen:

IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (2013): ZEIT WISSEN. URL: http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=1&u=&p=&detail=true. (08.06.2013).

Melzer, Melanie (2013): „Transparenter“ und „persönlicher“: „Zeit Wissen“-Redaktion veröffentlicht ihre Quellen. URL: http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/121612-transparenter-und-persoenlicher-zeit-wissen-redaktion-veroeffentlicht-ihre-quellen.html. (08.06.13).

BILD dir deine Meinung! – Oder wie die BILD deine Meinung bildet…

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Die BILD-Zeitung wurde 1952 von Axel Springer gegründet. Das neue Konzept, große Bilder und wenig Text, feierte nach einigen Anlaufschwierigkeiten große Erfolge und ist heute die fünftgrößte Tageszeitung der Welt. Doch wer liest die BILD und warum?

Der Bild-Leser ist, laut BILD ,ein männlicher Fachangestellter, mit unterdurchschnittlicher Schulbildung und lebt in der Großstadt. Die Zeitung ist die einzige überregionale Zeitung und wird auch in Sonderausgaben in 43 Ländern verkauft. Die BILD ist konkurrenzlos in ihrem Metier!

Durch geschickte Formulierungen der Überschriften, locken die Autoren die Leser und erleichtern das Textverständnis mithilfe von Kürzungen komplexer Zusammenhänge, Eingrenzung des Wortschatzes oder sogar Limitierung der Wortlänge. So soll Axel Springer einen Mitarbeiter gerügt haben, der das Wort „Geschichtsverständnis“ einbrachte. Dieses wäre weit über dem Niveau des Lesers und somit unverständlich. Man solle Solcherlei künftig unterlassen.

Die BILD versucht den Rezipienten zu emotionalisieren. Die Redaktion verwendet Lautmalereien, z.B. „Horror-Eltern müssen in den Knast“. Durch die Verbindung eines negativ konnotierten Wortes, wie „Horror“ und dem positiv angesehenen Wort „Eltern“, werden harte Kontraste gegeneinander gesetzt und erregen Aufmerksamkeit. Auch der „Aufschrei“ oder die häufige Verwendung des Wortes „WIR“ sind typisch für das Boulevardblatt. „Wir sind Papst!“, eine der geschicktesten Kampagnen der Zeitung, die ohnehin schon größten Wert auf die Nation, ihre Einheit und Einigkeit legt. Deutschland stellt den Papst. Nicht ein einzelner Mann sitzt nun auf dem heiligen Stuhl, nein, eine ganze Nation hat den höchsten Thron erobert, denn es klingt gleich wieder wie ein Wettkampf. Als hätte man die Fußballweltmeisterschaft gewonnen. Sie vertuschen Distanzen und wenden eine Art Schlüssellochguckprinzip an, um den Leser auf eine Stufe mit der Prominenz zu heben und ihm erlauben zu werten, bewerten oder gar zu beurteilen. Die BILD begibt sich scheinbar auf das Niveau der Leser, vereint sich mit ihnen, benutzt Umgangssprache und stellt Fragen, die sich dann aber doch meist als rhetorisch entpuppen. Dem Rezipienten entgeht meistens die Möglichkeit selbst zu antworten, da ihm die Verfasser der Texte, die auch nie mehr als 30 Zeilen lang sind, einen Schritt voraus sind und die Antwort vordiktieren. Vergleicht man die BILD-Ausgaben von heute mit denen von vor 25 Jahren kann man feststellen, dass man die Headlines beliebig austauschbar sind, da meistens keine Fakten zum Thema gemacht werden, sondern die Emotionakisierung von Sensationen, Unglücken, Sex, Kriminalität, Prominenz, dem Wetter und Provokationen im Vordergrund stehen.

Schon früh haben sich Größen wie Günter Grass und Heinrich Böll öffentlich gegen die BILD gewandt. So bemängelt Ulrich Saxler eine „Entlastung, Bestätigung und Stimulierung der Leser“. Günter Wallraff, der sich für dreieinhalb Monate unter Pseudonym in der Redaktion arbeitete, kritisierte danach die Arbeitsweise der Zeitung, „die sich aus „Halbwahrheit, Fälschung, offene[r] und versteckte[r] Werbung, verlogene[m] Sex und heuchlerische[m] Crime“ zusammensetze“.

Alles in Allem gibt die Redaktion die Antwort auf ihre Werbekampagne: „BILD dir deine Meinung!“ selbst, denn in einer Qualitativen Analyse des Axel-Springer-Verlags heißt es: „Dank ihrer Autorität nimmt die Zeitung dem Leser das Ordnen, Sichten und Bewerten der Ereignisse, welche die gegenwärtige Welt repräsentieren, ab.“ Es ist ihm also nur noch vergönnt, die von der BILD ausgearbeiteten „Ergebnisse“ abzunicken, denn die kollektive und richtige Meinung wurde ja bereits gebildet.

Quellen:

www.bild.de

http://www.mythos-magazin.de (19:10Uhr, 23.052013) ; Feindbilder in der BILD-Zeitung?; Magisterarbeit zur Erlangung des Grades Magistra Artium der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ; Gianna Jansen

Textgestaltung und Verfahren der Emotionalisierung in der BILD-Zeitung´; Autor: Voss, Cornelia, 1972-
Bild, Zeitung ; Berichterstattung ; Erzähltechnik ; Gefühl ; Geschichte 1997;Verknüpfte Titel: Münchener Studien zur literarischen Kultur in Deutschland ; 31 ;Verlag: Frankfurt am Main [u.a.] : Lang ;Erscheinungsjahr: 1999;

Axel Springer; Zusatz: die Biografie; Autor: Schwarz, Hans-Peter, 1934- ;Verlag: Berlin : Propyläen ;Erscheinungsjahr: 2008

 

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Sind die Zeitungen passee?

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Printmedien, Zeitungskrise, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Dänemark, Deutschland, England, die USA und so weiter. Egal wo man in der Welt ist, bezieht man schnell die neusten Informationen aus dem Internet. Die Zeitungen übermitteln nur „alte“ Nachrichten von dem vorherigen Tag. Bedeutet es, dass die Zeitungen Tod sind? Man kann in jedem Geschäft eine Zeitung kaufen. Mit dieser Tatsache kann man vielleicht überein Passee der Zeitungen sprechen.

Die Onlinemedien sind ständig „up to date“ mit allen Nachrichten den ganzen Tag aus der ganzen Welt. Die Onlinemedien benutzten nicht nur ihre Homepage, aber auch ihre Facebook-Seite, Twitter, Google+ und so weiter. Hat diese schnelle Aktualisierung im Internet die Folgerichtigkeit, falls die Zeitungen „alte“ Nachrichten bringen.

Die Zeitungen werden am Morgen herausgeben und sie werden in der Nacht gedruckt, welches bedeutet, dass die Nachrichten vom vorherigen Tag sind. Die junge Generation haben die Nachrichten im Internet gelesen, und sie haben auch die Nachrichten mit ihren Freunden im Internet auf verschiedene Weise geteilt. Für diese Generation sind die Neuigkeiten „alt“, wenn sie sie am nächsten Tag in der Zeitung lesen. Das moderne Handy hat 3G oder 4G, was bedeutet, dass egal wo man sich befindet, schnell Internet und auch schnell die Möglichkeit hat, die neusten Nachrichten zu lesen. Diese Generation braucht keine Papierzeitung, aber man kann in den meisten Geschäften eine Zeitung kaufen. So ist es weltweit.

Bedeutet das, dass man dennoch eine Zeitung kauft, obwohl man die Möglichkeit auf dem Handy hat oder sind es die Personen ohne moderne Handys, die die Zeitungen kaufen? Einerseits kauft die junge Generation „alte“ Nachrichten. Sie hat die Möglichkeit die Nachrichten den vorherigen Tag auf ihren Mobiltelefonen zu lesen, aber kauft dennoch eine Zeitung. Andererseits muss es die ältere Generation sein, die die Zeitungen kauft weil sie nicht die Möglichkeit auf dem Handy hat. Aber liest nur die junge Generation die Nachrichten im Internet, oder ist die ältere Generation „up to date“ und benutzt das Internet?

Geht es grundsätzlich darum, dass die Zeitungen nostalgisch für uns sind und deshalb kauften wir sie gleichgültig, ob die Nachrichten alt oder neu sind.

Das Buch ist tot, lang lebe das Buch

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Das Buch ist eines der Medien, dem man im Zuge der Digitalisierung am ehesten prognostizierte, dass es wohl aussterben werde. Weit gefehlt. Nicht zuletzt, weil der Buchmarkt clever auf seine digitalen Konkurrenten reagiert hat. Die Antwort des Buchmarktes auf Kindl und Co. ist zwar als ein Umdenken im eigenen Format zu verstehen, aber es bezieht sich auch zurück auf die Buchkunst.

Die Gestaltung eines Buches ist gewiss eines der Merkmale, die ihm einem besonderes Status verleiht, ihm weiter dazu verhilft seinen Wert als Medium nicht zu verlieren oder diesen Wert neu zu definieren.

Der Wert eines Mediums manifestiert sich unter anderem durch seine Konsumenten und diese haben eben durch die Digitalisierung und alle damit einhergehenden Nebeneffekte einen anderen Anspruch entwickelt, auf die der Markt nun eingeht. So kann man seit längerem schon beobachten, dass Bücherläden ihre Schaufenster wieder mit aufwendigen Hardcovern schmücken und es in der Tat mehr Bücher gibt, deren Gestaltung weitaus glanzvoller ist als noch vor einigen Jahren.

Das Austerben eines Mediums an sich ist mitnichten das schlimmste Resultat der Digitalisierung, bedenkt man auch die Berufszweige, die synchron dazu verloren gehen. So sollten, neben dem Medium, also auch die handwerklichen Tätigkeiten rund um dieses fokussiert werden.

Dieser Aufgabe nehmen sich Wettbewerbe wie »Die schönsten deutschen Bücher« an. Sie sind als Institutionen  zu verstehen, die den gestalterischen und herstellerischen Möglichkeiten des Mediums Buch eine Bühne bieten. Indem sie diesbezügliche Spitzenleistungen auszeichnen, schaffen sie nicht nur eine Öffentlichkeit für das Medium, sondern sie honorieren auch die Arbeit an dem Medium.

»Die schönsten deutschen Bücher« wurden erst kürzlich prämiert. Ausgezeichnet wurden insgesamt 25 Titel aus je fünf Kategorien (»Allgemeine Literatur«, »Wissenschaftliche Bücher, Schulbücher, Lehrbücher«, »Ratgeber, Sachbücher«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher«). Die Bücher, die es in diese Auswahl der fünfundzwanzig schönsten Bücher schaffen, haben weiter die Chance als das schönste Buch prämiert zu werden. Außer dem Fame, den dieser Preis inne hat, ist er auch mit 10000 Euro dotiert.

Die Liste der Sieger-Titel und die prämierten Bücher lassen sich über den Internetauftritt Homepage der Stiftung Buchkunst einsehen.

Zum Weiterlesen und sich selbst ein Bild machen:
http://www.stiftung-buchkunst.de

Regenbogenpresse – Ein Selbstversuch

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Der Spiegel schreibt diese Woche über eine Mediengattung, die von der allgegenwärtigen „Medienkriese“ verschont geblieben zu sein scheint. Eine Mediengattung, von der ich zwar am Rande wusste, dass sie existiert, mit der ich mich aber noch nie befasst habe: Das sogenannte „Regenbogenblatt“. Viel darunter vorstellen konnte ich mir nicht, hatte nur die vage Idee, dass der Wahrheitsgehalt wohl noch fragwürdiger sein könnte als bei der BILD.

Laut Spiegel ist die Leserschaft der Heftchen 60+, weiblich und ihrem Blatt sehr treu, aber warum? Worum geht es in den Heften überhaupt? Bei einer kurzen Recherche im Internet findet sich nicht viel. Die meisten der Hefte haben keinen richtigen Internetauftritt, Google bietet mir in den ersten Treffern nur an Anzeigen aufzugeben. Hat das Heft eine Internetseite, so stammt die, wie im Fall der „Revue der Woche“ vom Verlag und deckt gleich mehrere Blätter ab.

Spontan habe ich mich also zum Selbstversuch entschlossen, bin in den nächsten Supermarkt und habe mir drei Exemplare gekauft (Preis für alle drei: 2,37 €). Im Zeitschriftenregal finden sie sich in der untersten Reihe, wo ich normalerweise nicht einmal hinschaue und es gibt unfassbar viele von ihnen. Auf den Titelseiten: Unvorteilhafte Fotos von Menschen die ich nicht oder nur aus der RTL-Werbung kenne. So schreibt zum Beispiel die „Revue der Woche“: „Die Geissens: Angst um ihre Töchter (Die Gefahr ist größer den je – Sie fordern das Unglück heraus)“ Im inneren der Zeitung stellt sich heraus: Die Kinder sind alleine Tretboot gefahren. Lebensgefahr! Und außerdem: Im zwei Stunden entfernten Marseilles („unweit von St. Tropez“) ist die Drogenkriminalität gestiegen. Entführungsgefahr!

Die „Super Freizeit“ schlägt eine etwas andere Richtung ein: „Alkohol-Drama“1 Carmen Geiss trinke zu viel und sei „aufgedunsen“, wie ein Vorher-Nachher Bild beweisen soll. Ich kann keinen Unterschied erkennen. Immerhin findet sich auch hier die „Entführungspanik“ wieder, auch wenn sie im Artikel nicht erwähnt wird.

Eingehender mit dem Thema Regenbogenpresse beschäftigt sich das Watchblog TopfVollGold (http://www.topfvollgold.de/), betrieben von zwei Journalistik-Studenten der TU Dortmund. Sie decken auf, wo die Wahrheit verdreht und geschummelt wurde. In einem Interview mit dem EJO (s. Quellen) geben sei zu bedenken, dass ein Teil der Leser die Geschichten aus den Regenbogenheften durchaus ernst nehmen.

 

1Mehr zum Thema „Drama“: http://www.topfvollgold.de/?p=2805

Quellen:

Kühn, Alexander und Maximilian Popp (2013): Simple Storys. In: DER SPIEGEL (21/2013). Hamburg. SPIEGEL- Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG S. 136

Grass, Karen (2013): Regenbogenpresse: „Die Macht wird unterschätzt“. European Journalism Obervatory. (17.05.2013) Dortmund. Erich-Brosius-Institut. URL:http://de.ejo-online.eu/9233/medienjournalismus/9233 (Aufgerufen am 22.05.2013)

Schönauer, Mats und Moritz Tschermark (2013): Topf Voll Gold. Dortmund. URL: http://www.topfvollgold.de/ (Aufgerufen am 22.05.2013)

Gippner, Steffen (Hrsg.) (2013): „Alkohol-Drama“. In: Super Freizeit (Nr. 6 Mai/Juni 2013). Hamburg. Bauer People GmbH. S. 7

Schuhmacher, Klaus (Hrsg.) (2013): „Angst um ihre Töchter“. In: Revue der Woche (Nr. 6 Juni 2013). Hamburg. Deltapark-Verlag Ltd. S. 6-7

 

Recyclingprogramm für die Westfälische Rundschau

geschrieben von in ZeitungskriseKommentare deaktiviert für Recyclingprogramm für die Westfälische Rundschau

Ein weiterer Tiefpunkt in der Zeitungskrise: Die Westfälische Rundschau entlässt 120 Journalisten und 200 freie Mitarbeiter. Merkwürdig nur, dass sie weiterhin erscheinen soll. Und das ohne Redakteure? Ja, mit Berichten und Bildern anderer Zeitungen.

Was bleibt, ist der Name. Übernommen wird nun der Lokalteil der Ruhr- Nachrichten und der Hauptteil der WAZ, der Westfälischen Allgemeinen Zeitung. Dieser Plan lässt Leser und Kenner der WR noch mehr an der Idee zweifeln. Es sollen also sehr konservativ gehaltene Nachrichten in ein durch jahrelange SPD- Nähe arbeitergebundenes Blatt integriert werden.

Berichtet wird über die eigene Sache kaum, sie wird eher übergangen. Grund für die radikale Maßnahme sei der Verlust von 50 Millionen Euro in den letzten Jahren. Die Leser kämpfen nun für ihre Zeitung und die Pressevielfalt vor allem im Lokalen, gut 1000 Journalisten, Politiker und Leser versammelten sich Ende Januar in der Dortmunder Innenstadt.

67 Jahre Tradition gehen verloren und die Rundschau als eigene Stimme verstummt. Das Zeitungssterben in Deutschland hält an.

 

http://www.readers-edition.de/2013/02/03/trauerzug-fur-die-von-der-waz-axt-redaktionell-enthauptete-westfalische-rundschau/

http://de.wikipedia.org/wiki/Westf%C3%A4lische_Rundschau

„Deine Mudda liest das Handelsblatt!“ – Final Times: Endlich schwarz!

geschrieben von in Printmedien, Zeitschriften, ZeitungskriseKommentare deaktiviert für „Deine Mudda liest das Handelsblatt!“ – Final Times: Endlich schwarz!

Heute, am 07.12.12, erscheint die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland.
Erstmals verkauft wurde die Wirtschaftszeitung am 21. Februar 2000 und scheint jetzt die Rekorde noch einmal zu brechen: „Vergriffen und ausverkauft!“ heißt es an den Kiosks und den anderen Verkaufsstellen. Wer trotzdem nicht darauf verzichten will, hat die Chance im Online- Shop ein Exemplar zu erwerben.

Denn nicht nur der Aspekt der „letzten Ausgabe“ macht die Zeitung habenswert, sondern auch ihre ungewöhnliche Aufmachung:
Das ansonsten lachsfarbene Blatt erscheint ganz in schwarz. Final Times nennt sie sich heute. Auf der letzten Seite verneigen sich die Mitarbeiter vor den Lesern.

Gruner und Jahr verabschiedet sich mit dem spöttischen Protest „Deine Mudda liest das Handelsblatt!“ von der FTD.
Auch wenn sie Gruner und Jahr laut SpiegelOnline angeblich 250 Millionen Euro gekostet hat und der kein Interimsmanager gegönnt wurde, spart die Wirtschaftszeitung nicht an Eigenlob. Sie nennen die Titel ihrer aufregendsten Meldungen, zeigen ihre spannendsten Bilder und weisen sich selbst die Rolle eines revolutionären Blattes zu, das auch über Grenzen hinaus berichtete und „vorlaut“ und „anders“ sei.

Andererseits zeigen sie in dem Artikel „Fehler – doch nicht bei der FTD… außer manchmal“ auch ihre Schwächen und nehmen in amüsanten Artikeln wie „Wir waren Helden“, die von Erlebnissen der Reporter erzählen, auch Abstand vom zynischen Ton der restlichen Zeitung. Auch eine Reihe von Entschuldigungen seitens der Chefredaktion sind in der letzten Ausgabe zu finden, sei es wegen der „verbrannten Millionen“, den missachtenden „Formulierungsvorschlägen“ oder dem fehlenden „Glauben“ an die Politiker.

Insgesamt also ein stolzer Abgang, den die Financal Times Deutschland hingelegt hat!

 

http://www.ftd.de/panorama/vermischtes/outofoffice/:bilder-des-tages/70118891.html
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/gruner-jahr-verkuendet-aus-fuer-financial-times-deutschland-a-868371.html
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/die-letzte-ausgabe-der-financial-times-deutschland-am-7-12-2012-a-871506.html

Ein schlechtes VorBILD?

geschrieben von in Allgemeines, PrintmedienKommentare deaktiviert für Ein schlechtes VorBILD?

Auch wenn die Auflagenzahl der BILD in den letzten Jahren zurückgegangen ist, ist sie mit 2.671.363 Exemplaren immer noch die meist verkaufte Tageszeitung Deutschlands (Quelle: IVW, erstes Quartal 2012). Dies liegt nicht zuletzt am BILD-typischen Schreibstil, der zwar immer wieder stark kritisiert wird, jedoch die Menschen in Deutschland scheinbar sehr gut erreicht. Anlässlich der Wahl von Papst Benedikt XVI. hieß es auf der Titelseite beispielsweise „Wir sind Papst“; ein Ausruf, den inzwischen fast jeder Deutsche kennt und der bis heute immer  wieder in verschiedensten Diskursen erwähnt wird.

Erst kürzlich titelte die BILD „Mia Sammer mia“ und kommentierte damit die Verpflichtung Matthias Sammers, der ab sofort den neuen Sport-Vorstand des FC Bayern München bildet, in Anspielung auf das bajuwarische „Mia san mia“-Gefühl. Wie prägend solche Titel auf gesellschaftliche Diskurse sein können, erkennt man beispielsweise daran, dass das größte deutsche Fußballforum transfermarkt.de diese Zeile übernahm und den Thread, in dem die User über Sammer diskutieren können, genau so nannte.

Durch solche und ähnlich prägnante Titel, gelingt es der BILD Zeitung immer wieder Leser für sich zu gewinnen. Der umgangssprachliche Schreibstil, die Großbuchstaben auf der Titelseite, zahlreiche Personifizierungen und vor allem die direkte Ansprache des Leser (Beispiel Fußball-Europameisterschaft: Ständig wurde im Kontext der DFB Elf von „Wir“ und „uns“ gesprochen) scheinen sehr vielen Lesern Kaufargument genug zu sein, die BILD anderen, vermeintlich seriöseren Zeitungen, vorzuziehen. Durch die sehr knappen aber doch zumeist informativen Artikel, welche in möglichst einfachem Deutsch gehalten  und mit dem ein oder anderem Neologismus ausgeschmückt werden, passt sich das Blatt aus dem Axel Springer Verlag sehr gut an die heutigen Lesegewohnheiten an. In einer Gesellschaft, in der die Zeit immer mehr zum höchsten Gut zu werden scheint, sind ausführliche Hintergrundberichterstattungen und komplexere Tehemenentfaltungen beim Leser wohl nicht mehr so sehr gefragt, was irgendwann auch bei den anderen Zeitungen zu Überlegungen führen könnte, dem Trend, den die BILD mit ihrer Art der Berichterstattung setzt, zu folgen.

Ich persönlich finde, dass die BILD manchmal zu schlecht dargestellt wird. Sicherlich sind einige Artikel, die sich das Blatt in der Vergangenheit geleistet hat, ethisch absolut nicht vertretbar und müssen daher scharf kritisiert werden. Die Kritik an der BILD jedoch an ihrem oftmals als kindisch oder unprofessionell abgestempelten Schreibstil festzumachen, halte ich fraglich. Nicht umsonst handelt es sich um ein Boulevard-Blatt und so versucht die Zeitung mit den vier großen Buchstaben, Information mit Unterhaltung zu verbinden, was ihr in meinen Augen – und das belegen auch die Auflagenzahlen – doch sehr gut gelingt. Für viele Menschen ist das Zeitunglesen in Zeiten des Web 2.0 und diverser Apps, die ihnen die wichtigsten Informationen direkt auf das Smartphone liefern, längst keine Selbstverständlicheit mehr. Wenn man diese also überhaupt noch an das gedruckte Wort heranführen will, dann doch noch am ehesten über den Edutainment-Weg, welchen die BILD einschlägt. Insofern kann man, wie ich finde, schon von einem gewissen Vorbildcharakter der BILD im Sinne der Textgestaltung sprechen. Man muss die vielen Personifizierungen, Metaphern, Wortspiele und auf Sensation getrimmten Artikel sicherlich nicht gut finden und kann ihre Zweckmäßigkeit in gewissen Kontexten durchaus hinterfragen, doch sprechen die Verkaufszahlen für die BILD. In einer Zeit, in der sich die Presse augenscheinlich in der Krise befindet, muss deswegen auch die Frage erlaubt sein, ob man sich als Zeitungsmacher in Zukunft überhaupt noch erlauben kann, dem Trend der sensationalistischen Berichterstattung zu entsagen, wenn einen irgendwann das finanzielle Überleben dazu zwingen könnte…

 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild_%28Zeitung%29 (Stand: 14.07.2012)

http://daten.ivw.eu/ (Stand: 14.07.2012)

http://www.bild.de/ (Stand: 14.07.2012)

http://www.transfermarkt.de/de/fc-bayern-muenchen/forum/ansicht_10_seite1.html (Stand: 14.07.2012)

Papst angepisst. Urin oder Limonnade?

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Papst Benedikt XVI. ist verärgert: Durch das Titelblatt der Juli-Ausgabe des frankfurter Satiremagazins TITANIC fühlte der Papst sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und klagt nun gegen die Verbreitung des Bildes.

Mit dem Titel „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!“ zeigt die Titelseite des Magazins den Papst mit einem gelben Fleck auf seiner Soutane in Schritthöhe. Damit spielt TITANIC auf den „Vatileaks“-Skandal an, bei dem geheime Dokumente puplik geworden sind. Doch damit nicht genug: Auch die Rückseite zeigt den Papst – diesmal von hinten und mit braunem Fleck an selbiger Stelle.

Die heutige Erwirkung einer einstweiligen Verfügung führte dazu, dass TITANIC das Titelbild online bereits geschwärzt hat. Die Unterlassungserklärung unterschrieb die TITANIC jedoch nicht und so ist eine Einigung zwischen TITANIC und der Katholischen Kirche noch nicht abzusehen.

Überschreitet die TITANIC jedes Maß an Zumutbarem oder handelt es sich wie laut Chefredakteur Leo Fischer versichert um ein Missverständnis? Jedenfalls sind die Printausgaben mit Bild bereits in Umlauf und Fischer sagte: „Wir sind bereit, durch alle Instanzen zu gehen – bis hin zum Jüngsten Gericht.“

 

 

http://www.tagesspiegel.de/medien/einstweilige-verfuegung-der-rechtsstreit-ist-wohl-noch-nicht-beendet/6861908-2.html

http://www.titanic-magazin.de/newsticker.html

http://www.stern.de/kultur/einstweilige-verfuegung-papst-stoppt-titanic-cover-1855116.html

 

125,3 Elektronenvolt, aber was hat das mit Gott zu tun?

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Der 4. Juli 2012 versetzte die Welt der modernen Physik in einen Aufruhr, der weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaushallte. Am CERN, dem Europäischen Institut für Kernforschung in der Schweiz wurde ein neues Elementarteilchen mit der Masse 125,3 Elektronenvolt (ca. 10^-25 kg) entdeckt. Diese Meldung dürfte für Nicht-Physiker zunächst mal recht unspäktakulär sein, schließlich wird doch ständig irgendwo irgendwas entdeckt. Allerdings stellte sich bald heraus, dass es sich bei dem gefundenen Teilchen höchst wahrscheinlich um das berühmte Higgs-Boson handelte. Dieses Higgs-Boson, benannt nach seinem Quasi-Entdecker Peter Higgs zeichnete sich bislang vor allem dadurch aus, dass es noch nicht gefunden wurde. Seine Existenz war theoretisch nachgewiesen, einzig der tatsächliche physische Beweis fehlte als letzter Baustein zur Verifizierung der derzeit als gültig betrachteten physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Gut 40 Jahre lang mühten sich Physiker in aller Welt nun das Higgs-Boson nachzuweisen, was lange Zeit als nicht gerade aussichtsreiches Unterfangen galt. 1993 wollte nun der Physiker Leon Ledermann ein Buch über das Higgs-Boson veröffentlichen, unter dem schönen Titel „The Goddamn Particle“, was sich auf die frustrierenden Versuche beziehen sollte, das Higgs-Boson aufzuspüren. Leider war dieser Titel dem Verlag ein bisschen zu offensiv, weshalb man „damn“ kurzerhand aus dem Titel strich. Übrig blieb „The God Particle“ und dies ist für eine Entdeckung wie die Gestrige ein Schlagwort wie es sich die Vertreter der publizistischen Medien nicht schöner hätten ausdenken könnten.

Darum wimmelte es gestern in sämtlichen Zeitungen, Onlineblogs, Nachrichtensendungen usw. vom „Gottesteilchen“. An vorderster Front (im deutschsprachigen Raum) wie üblich die Bild, die mit „Gottesteilchen“ um sich feuert als hätte sie einen Werbevertrag für diesen Modeausdruck, doch auch Blätter wie der Spiegel, die FAZ, der Stern, die Welt und viele andere geizten nicht mit dem Gottesvergleich. Dies mag auf den ersten Blick verständlich sein, denn wahrscheinlich kann der Durchschnittsleser alleine mit dem Titel „Higgs-Boson“, geschweige denn mit den genannten Massezahlen nicht gerade viel anfangen. Um eine wichtige Nachricht zu verbreiten braucht man eben einen zumindest wichtig-klingenden Titel, und da kommt „The God Particle“ gerade recht. Entschließt sich der geneigte Leser dann jedoch einen näheren Blick auf die jeweiligen Artikel zu werfen, bleibt der Gottesbezug meist auf der Strecke. Die Erklärungsversuche für diese Titulierung beschränken sich entweder auf „weil das Teilchen so wichtig ist“ oder auf die noch spartanischere Variante „weil es eben so genannt wird“. Bloß von wem? Von den Physikern in CERN? Tatsächlich sind es nur die Medien selbst, die diese Bezeichnung benutzen und etabliert haben. Ob man sich daran nicht erinnern kann oder es lieber garnicht will sei einfach mal dahingestellt. Was bleibt ist eine bewusste Irreführung der Leser zugunsten der Prägnanz, denn mit Gott hat das Higgs-Boson herzlich wenig zu tun.

 

Bild.de:“ Gottesteilchen entdeckt!“ http://www.bild.de/news/ausland/cern/gottesteilchen-entdeckt-25001752.bild.html (Abruf am 05.07.2012)

Freistetter, Florian: „Liebe Medien: Das Higgs-Boson ist kein „Gottesteilchen“!“ http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/liebe-medien-das-higgs-boson-ist-kein-gottesteilchen.php (Abruf am 05.07.2012)

Spiegel Online: „Physiker feiern Durchbruch bei der Gottesteilchen-Suche“ http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/higgs-boson-cern-gibt-entdeckung-von-teilchen-am-lhc-bekannt-a-842478.html (Abruf am 05.07.2012)

Sueddeutsche.de: “ „Danke, Natur“ “ http://www.sueddeutsche.de/wissen/higgs-teilchen-entdeckt-danke-natur-1.1401966 (Abruf am 05.07.2012)

Faz.net: „Gottes-Teilchen: Higgs-Boson entdeckt?“http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-chemie/gottes-teilchen-higgs-boson-entdeckt-11807864.html (Abruf am 05.07.2012)

Stern.de: „Jubel bei der „Gottesteilchen“-Suche“ http://www.stern.de/wissen/kosmos/hinweis-auf-higgs-boson-jubel-bei-der-gottesteilchen-suche-1851063.html (Abruf am 05.07.2012)

60 Jahre Bild

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Wer von euch hat sich auch so gewundert wie ich, als er vorletztes Wochenende eine Bildzeitung in seinem Briefkasten fand?

Als nichtregelmäßige Bild-Leserin ist es an mir völlig vorbei gegangen, dass dieses Blatt schon 60 Jahre wird. Zuerst wollte ich die Zeitung einfach wegschmeißen, doch dann hab ich gedacht „Wirf doch mal nen Blick rein“. Ich lese Bild nie, vielleicht habe ich diese Zeitung bisher 10 mal in meinem Leben gelesen. Ich kann Menschen nicht verstehen, die Bild als Zeitung lesen und sich ihre politische Bildung daraus ziehen. Für mich ist Bild keine Zeitung, sondern nichts weiter als ein Boulevardblatt. Doch eben diese Bild gewinnt den Henri-Nannen-Preis oder den renommierten Herbert-Quandt-Medienpreis. Da stimmt doch was nicht?!

Bild polarisiert, provoziert und beleidigt. Doch eben ohne diese Bild sähe die Medienlandschaft vielleicht auch sehr langweilig aus. Kai Diekmann, der Chefredakteur der Bild sagt:

Die „Bild“-Zeitung will nicht die beliebteste Zeitung des Landes sein. Journalismus ist auch kein Beliebtheitswettbewerb. Diese Zeitung will unbequem sein, und sie will aufregen. Das ist der Markenkern von „Bild“. Und wenn Sie aufregen wollen, müssen Sie Leuten auf die Füße steigen, provozieren, polarisieren. Dann müssen Sie mit Ihren Geschichten, mit den Schlagzeilen, mit der Gestaltung an Grenzen gehen, manchmal auch an die Grenzen des guten Geschmacks.

Damit hat er wohl Recht, Bild geht oft an die Grenzen des guten Geschmacks und oft fragt man sich, wer sowas lesen bzw . wissen will. Doch es ist das gemeine Volk und wahrscheinlich auch viele, die gar nicht zugeben wollen, dass sie Bild lesen, die eben darauf anspringen.

Die Bild rühmt sich damit für jeden zu schreiben. Jeder kanns verstehen und jeden betriffts.

Anders als die „FAZ“ oder die „Welt“ berichten wir nicht nur darüber, was in der Welt los ist, sondern wir versuchen auch, darüber zu berichten, wie das, was passiert, von den Menschen empfunden wird. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser emotionale Zugang bei vielen Geschichten direkter zur Wahrheit führt als das Bemühen um Ratio und Logik.

Bild spricht die Emotionen der Leser an und hat damit Erfolg, denn sie ist mit 12 Millionen Lesern die meistgelesene Zeitung Deutschlands und sogar europaweit. Irgendwas muss diese Zeitung also ziemlich richtig machen.

Bild wird von vielen Menschen kritisiert für ihren Journalismus und für ihre Meinungsmache. Doch gibt man der Bild-Zeitung nicht eben damit die Plattform, um so erfolgreich zu sein. Wenn nicht über sie so sehr gestritten und gesprochen würde, wäre diese Zeitung vielleicht auch nicht so mächtig. Macht Bild Meinungen oder nimmt sie nur Meinungstrends auf und gibt sie wieder? Anscheinend hat die Bild aber einen großen Einfluss auf die Meinung der Bevölkerung und das finde ich zum Teil fatal. Ich finde, dass die Bild ihre Machtposition oft missbraucht, um gegen andere zu hetzen und sie durch den Dreck zu ziehen. Dabei ist es mir egal, ob das alles qualitativ richtig recherchiert ist. Man kann auch qualitativen hochwertigen Journalismus machen und trotzdem nicht so ausfallend berichten.

Ich werde diese Zeitung auch in Zukunft meiden und nachdem ich jetzt doch mal drin gelesen habe, hat sich diese Meinung nur verfestigt.

 

Quellen:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article106737780/Schlechtes-Gewissen-Kai-Diekmann-sagt-Nein.html

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1670186/60-Jahre-Bild-Tagtaegliche-Polarisation#/beitrag/video/1670186/60-Jahre-Bild-Tagtaegliche-Polarisation

Bildzeitung vom 23./24. 6. 2012

Studie Hans Bredow Institut: Tagesschau, Google und BILD: Was den Deutschen für ihre politische Meinungsbildung wichtig ist

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Das Hans Bredow Institut hat eine spannende Studie zur Mediennutzung der Deutschen raus gebracht, die es komplett oder in Auszügen online gibt.

Da dies mehr ein praktischer Hinweis an Studenten sein soll (falls sie das Blog hier überhaupt selber freiwillig lesen) poste ich jetzt die PM dazu. Ich muss ja keine Blogbeiträge mehr schreiben^^ 

Das Fernsehen ist nach wie vor die wichtigste Quelle für die politische Meinungsbildung, so das Ergebnis einer Studie des Hans-Bredow-Instituts, die heute in Berlin dem Bundestagsausschuss für Kultur und Medien vorgestellt wurde. Die Studie „Informationsrepertoires der Deutschen“ basiert auf einer bundesweiten repräsentativen Befragung von gut 1000 Personen ab 14 Jahren. Sie untersuchte, welche Angebote aus der Sicht der Bevölkerung für ihr eigenes Informationsverhalten am wichtigsten sind. „Auch in den heutigen digitalen Medienumgebungen spielen die etablierten Medien Fernsehen und Zeitung nach wie vor eine wichtige Rolle. Das Internet ist aber mittlerweile zu einem wesentlichen Faktor auch für die politische Meinungsbildung geworden. Auffällig ist vor allem, dass mit Google und Facebook auch solche Angebote dazu gehören, die selbst keine politischen Inhalte anbieten. Diskussionen um Medienvielfalt und den Einfluss von Medien auf die Meinungsbildung müssen daher einen medienübergreifenden Ansatz verfolgen“, so Uwe Hasebrink, Direktor des Hans-Bredow-Instituts.Für die politische Meinungsbildung sowie für Informationen über das Weltgeschehen und über Deutschland ist das Fernsehen mit jeweils mehr als 40 Prozent der Nennungen das wichtigste Medium. Die Zeitungen liegen jeweils mit rund 20 Prozent der Nennungen auf dem zweiten Platz, es folgen das Radio und das Internet. Für Informationen über die Region ist hingegen für 40 Prozent der Befragten die Zeitung die wichtigste Quelle.Bei den 14- bis 29-Jährigen ist die Bedeutung des Internets deutlich größer; aber auch bei ihnen ist das Fernsehen für die politische Meinungsbildung und die Zeitung für Informationen über die Region das meistgenannte Medium.In allen Altersgruppen wird die „Tagesschau“ am häufigsten als wichtigstes Einzelangebot für die politische Meinungsbildung genannt; in der Gesamtbevölkerung folgen dann Google und BILD. Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen stehen neben der „Tagesschau“ Online-Angebote – an sechster Stelle wird Facebook genannt – sowie private Nachrichtenkanäle und BILD im Vordergrund.Die Studie wurde im Rahmen des Vorhabens „Erfassung und Darstellung der Medien- und Meinungsvielfalt in Deutschland“ des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) durchgeführt. Ein ausführlicher Projektbericht ist auf der Website des Hans-Bredow-Instituts abrufbar. Die Studie basiert auf einer telefonischen Befragung, die Enigma GfK zwischen dem 19. Mai und 3. Juli 2011 im Auftrag des Hans-Bredow-Instituts durchgeführt hat. Insgesamt wurden 1.007 Personen befragt. Die Stichprobe ist repräsentativ für deutschsprechende Personen im Alter ab 14 Jahren aus Haushalten mit Telefonfestnetzanschluss in Deutschland.

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Ein Link auf Papier(?)

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Nun ist ein auf Papier abgedruckter Link in der heutigen Zeit nichts wirklich besonderes mehr, werden viele sagen. Dem ist auch so. Eine Variante allerdings, die mehr oder weniger neu ist, scheinen die so genannten Quick Response Codes (QR-Codes) zu sein.

Gesehen haben wir sie wahrscheinlich alle schon einmal: kleine schwarze Quadrate, auf deren Fläche noch kleinere, scheinbar willkürlich verteilte schwarze und weiße Kästchen zu sehen sind. Während sie für das menschliche Auge keinen Sinn ergeben, können Computer damit eine ganze Menge anfangen. Denn scannt man einen solchen QR-Code mit dem Handy ein, wird man unverzüglich auf die entsprechende Internetseite weitergeleitet, die inhaltlich mit dem Artikel verknüpft ist, in dessen Frame der Code auftaucht.

Vorreiter dieser zweidimensionalen Barcodes ist der Springer-Verlag, genauer dessen Tabloid Welt kompakt. Schon 2007 erschienen die QR-Codes regelmäßig als inhaltliche Ergänzung zu den veröffentlichten Artikeln. Ob sie von den Rezipienten oft oder überhaupt genutzt werden, legt der Springer-Verlag nicht offen. Doch da die QR-Codes weder viel Platz brauchen, noch sonderlich kostenintensiv sind, erscheinen sie weiterhin als kleine Wegweiser zu weiteren Informationen. [1]

Durch einen Artikel in einer Ausgabe der Journalistik (s. Quellen) darauf aufmerksam geworden, begegnen mir diese Barcodes nun immer häufiger. Noch am selben Tag fiel ein Supplement aus der aktuellsten Ausgabe des aud!max (s. Quellen): Campus Cooking. In diesem Heftchen werden schnelle, unkomplizierte Gerichte für Studenten von den Köchen Stefan Wiertz und Kevin von Holt präsentiert. Blättert man Campus Cooking einmal durch, findet man insgesamt sechs Rezepte, denen jeweils ein QR-Code hinzugefügt wurde. All diese Codes führen zu Videos, in denen die beiden Köche die Zubereitung der besagten Rezepte präsentieren. [2] – Des Weiteren sind mir die QR-Codes nun auch in Prospekten diverser Supermärkte und Fachläden aufgefallen. Bei manchen dachte ich, dass das eine durchaus sinnvolle Ergänzung sein kann, bei anderen habe ich mich wiederum gefragt, was dabei denn herauskommen soll. (In Ermangelung eines Smartphones konnte ich dem auch leider nicht auf die Spur gehen.)

Bleibt die Frage zu klären, ob diese Barcodes eine nützliche Erfindung sind, die unser alltägliches Leben mit zusätzlichen Informationen o.ä. bereichern können. Oder ob sie doch in die Richtung verschwendeter Druckerschwärze gehen und getrost fallengelassen werden können. Wie so oft wird das wohl wieder jeder für sich entscheiden (und ggf. verwenden) müssen.

_____________

[1] Westermeier, Carola (2012): QR-Codes als „Links in der Zeitung“ – Erfolg oder Fehlschlag? in: Fengler, Susanne (2012): Journalistik. 2012/01, s. 8.

[2] Telekom Deutschland GmbH (2012): Campus Cooking. Supplement in: aud!max Medien GmbH (2012): aud!max. 2012/06.

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Achtung! Hier kommt ein Skandal! (Vielleicht.)

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„Bild der Frau“, „Frau mit Herz“, „Frau ohne Herz“, „die aktuelle“, „7 Tage“ – wer wissen will, was in der Welt der Promis, der Schönen (und oft Reichen) gerade abgeht, der wird sie kennen, die Zeitschriften mit dem großen Klatsch-Content. Ihre Daseinsberechtigung ziehen sie nicht unbedingt aus dem beiliegenden TV-Programm, sondern vielmehr aus der Enthüllung von skandalösen Vorfällen in europäischen Königshäusern, von denen sonst nie jemand etwas mitbekommen hätte. Und eigentlich auch niemand mitbekommen muss.

Der Autor Stefan Niggemeier führt auf seinem Blog eindrucksvoll vor, was hinter den oftmals so reißerischen Titelschlagzeilen dieser Klatschzeitschriften steckt – nichts als heiße Luft. Mit aufgeblasenen Titeln werben die Blätter am Zeitschriftenstand um Leserinnen, versprechen ihnen den skandalösesten Skandal aller Skandale und tun am Ende doch nichts anderes, als die Käufer in die Irre zu führen.

Niggemeier erklärt das System der Klatschblätter am Beispiel der „aktuellen“ vom 28. April:

»Oh nein! Samuel Koch: Dramatischer Sturz aus dem Rollstuhl!« bedeutet, dass Koch in seiner gerade erschienenen Autobiographie unter anderem auch beschreibt, wie er einmal aus seinem Rollstuhl gefallen ist.

Und »Also doch! Nicolas Sarkozy & Carla Bruni: Steht ihre Ehe vor dem Aus« hat den faktischen Hintergrund, dass Sarkozy die erste Runde der Präsidentschaftswahlen verloren hat und die »aktuelle« sich nicht vorstellen kann, dass die Bruni mit einem Verlierer zusammen sein will.

Dieses Vorgehen ist nicht nur aus medienethischer Sicht ziemlich perfide, es birgt auch interessante Fragen zum Umgang der Medien mit Sprache. Die Sprache ist ein zentrales Element aller Medien, ohne sie sind Medien undenkbar. Gerade Journalisten sollten sich darüber im Klaren sein, was sie mit Worten bewegen können und wie viel Macht tatsächlich hinter einem Text, einer Schlagzeile steckt. Sie sollten Sprache nicht nur als reines Werkzeug einsetzen, sondern auch als ihr wichtigstes Gut betrachten, mit dem sie Öffentlichkeit herstellen und lenken können.

Besagte Klatschblätter wissen natürlich ganz genau, was sie tun, wenn sie wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten machen: Sie wollen verkaufen, sie müssen es sogar. Je reißerischer der Titel, je aufregender und vielversprechender die Schlagzeile, desto besser der Absatz. Aber sie übersehen dabei, welchen Effekt sie damit auf Dauer bei ihren Lesern auslösen könnten: Den Verlust ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit.

Dem Großteil der Käufer dürfte es vielleicht nicht auffallen, dass sich der im Titel angekündigte „Skandal“ um Nicolas Sarkozy im Heft plötzlich in nichts auflöst. Dazu verpacken die „Journalisten“ der Klatschblätter ihre Storys zu professionell. Doch irgendwann bleibt bei dem einen oder anderen vielleicht doch mal der Gedanke hängen, dass an den Titelstorys irgendwie nie wirklich was dran ist.

Ob sich die Macher von „Frau mit Herz“ & Co darüber Gedanken machen, darf angesichts der konsequent durchgehaltenen Täuschung ihrer Kunden eher bezweifelt werden. In Verlagskreisen regiert die Kurzsichtigkeit mit eiserner Hand, wie es scheint. Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack bei jeder „Schlagzeile“. Und die Frage, wo echter Journalismus aufhört. Manche Redaktionen, so scheint es, haben die Grenze längst überschritten.

Und es nicht bemerkt.

 

Henri Nannen Preis für die ‚Bild‘

geschrieben von in Medienkritik, Printmedien1 Kommentar »

Freitagabend wurde zum achten Mal der Henri Nannen Preis verliehen, welcher Bestleistungen im deutschsprachigen Print- und Onlinejournalismus auszeichnet. Es ist einer der wichtigsten Journalistenpreise in Deutschland.

In der Kategorie „Beste investigative Leistung des Jahres“ wurden die ‚SZ’ und die ‚Bild’ zum Sieger gekürt, da sich die Jury zum ersten Mal bei der Abstimmung nicht einigen konnte (fünf Stimmen für ‚Bild’, fünf Stimmen für die ‚SZ’, zwei Enthaltungen).

Die ‚SZ’ wurde für die Aufdeckung der „Formel-1-Affäre“ bei der BayernLB ausgezeichnet, die ‚Bild-Zeitung’ für ihren Beitrag: „Wirbel um Privatkredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“

Die Redakteure der ‚SZ’, Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter, lehnten den Nannen Preis aus Protest gegen die Auszeichnung der ‚Bild’ ab. Leyendecker verkündete, dass er und seine Kollegen den Preis nicht annehmen werden und spricht von einer „unerträglichen Aufwertung“ der ‚Bild’ durch den Henri Nannen Preis.

Bereits vor der Preisverleihung gab es Diskussionen, ob ein Boulevardblatt wie die ‚Bild’ mit einem so renommierten Preis ausgezeichnet werden darf und somit auf die Ebene des seriösen Journalismus „aufsteigt“.

Die Meinungen spalten sich. Auf der einen Seite heißt es, die ‚SZ’ Redakteure übertreiben und stellen sich an, auf der anderen Seite findet man Verständnis für diese Reaktion und schüttelt den Kopf darüber, dass die ‚Bild’ geehrt wurde.

Wird durch den Nannen Preis die ‚Bild’ als seriös(er) angesehen? Oder wird der Henri Nannen Preis von nun an als weniger wichtig angesehen? Doch auch mit Nannen Preis bleibt die ‚Bild’ ein Boulevardblatt und ist keinesfalls mit seriösen Angeboten wie der ‚SZ’ gleichzusetzen.

Quellen:

bos/dpa/dapd (2012): „SZ“- Redakteure lehnen Henri-Nannen-Preis ab, Spiegel Online, URL: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sz-lehnt-henri-nannen-preis-ab-a-832759.html, [14.05.12]

Pohlmann, Sonja (2012): „Henri“, alleingelassen, Tagesspiegel, URL: http://www.tagesspiegel.de/medien/boulevard-versus-qualitaet-henri-alleingelassen/6624816.html, [14.05.12]

Pohlmann, Sonja (2012): SZ-Journalisten lehnen Henri-Nannen-Preis ab, Tagesspiegel, URL: http://www.tagesspiegel.de/medien/eklat-bei-preisverleihung-sz-journalisten-lehnen-henri-nannen-preis-ab/6623602.html, [14.05.12]

 

 

Die Krise der Printmedien und der Kindle eReader

geschrieben von in Allgemeines, Medienwandel, Printmedien, Zukunft des Internet5 Kommentare »

Schon seit einiger Zeit wird über die Krise der Printmedien diskutiert. Während die Nutzung von Tageszeitungen insgesamt abnimmt, wird das Internet immer häufiger benutzt. (1) Die meisten Tageszeitungen sind allerdings inzwischen auch im Internet vertreten. Daher besteht die Diskussion, ob es künftig zu einer Substitution oder Komplementarität alter durch neue Medien kommen wird: Ist das Internet eine Hilfe für die Printmedien und führt dazu, dass alte und neue Medien komplementär genutzt werden und die insgesamte Nutzung wieder zunimmt? Oder ist das Internet eher eine Konkurrenz der Printmedien und wird früher oder später zu deren Verdrängung führen? Zu beiden Perspektiven gibt es Theorien und Prognosestudien. (2)

Seit ein paar Jahren ist ein weiterer Teilbereich der Welt der Printmedien in digitaler Form verfügbar: Bücher. Die Rede ist vom Kindle eReader. Ein flaches, ziemlich kleines und leichtes Pad, auf dem man bis zu 1400 Bücher speichern kann!
Zunächst hört sich Kindle ziemlich praktisch an. Aufgrund des integrierten WLANS kann man ein Buch, eine Zeitung oder eine Zeitschrift innerhalb kürzester Zeit herunterladen und sofort anfangen zu lesen. Manche Bücher sind als Kindle-Version sogar umsonst erhältlich. Des Weiteren kann man seine ganze Bibliothek sozusagen immer in der Handtasche dabei haben.  (3)
Möglicherweise werden viele Leute aufgrund der Mobilität des eReaders und den teilweise kostenlosen Büchern, diese Version bevorzugen. Sicherlich gibt es aber auch viele, die an der ihnen bisher bekannten Form der gedruckten Bücher festhalten wollen. Viele finden vielleicht auch, dass es trotz der vielen Vorzüge des eReaders, einfach ein besseres Gefühl ist, ein richtiges Buch in den Händen zu halten als ein Pad.

Man kann sich also fragen, welche Auswirkungen der Kindle eReader hat.
Insgesamt wird heutzutage immer seltener gelesen – jeder vierte Deutsche liest nie (4). Wird nun aufgrund des eReaders insgesamt wieder mehr gelesen, weil sich die Leute zu der digitalen Form von Büchern mehr hingezogen fühlen als zu gedruckten Büchern? Wird Kindle komplementär zu Büchern genutzt oder fangen auch Leute, die sonst regelmässig gedruckte Bücher gelesen haben nun an, diese durch den Kindle eReader zu ersetzen? Es wird in näherer Zukunft sicherlich Studien geben, die sich mit diesen Fragen und den Entwicklungen im Bereich der Bücher auseinandersetzen.

Literatur:
(1) Ridder, Christa-Maria/Turecek, Irina (2011): Medienzeitbudgets und Tagesablaufverhalten; in: Media Perspektiven, 12/2011, S. 574.
(2) Mögerle, Ursina (2009): Substitution oder Komplementarität?: Die Nutzung von Online- und Print-Zeitungen im Wandel, Konstanz.
(3) Amazon.de (2012). URL:  http://www.amazon.de/Kindle-eReader-Wi-Fi-Display-deutsches/dp/B0051QVF7A/ref (Stand vom 18.04.2012).
(4) Taffertshoffer, B.(2008): Studie: Deutsche lesen weniger. So wird das nie was mit Pisa; in: Süddeutsche Zeitung, 04.12.2008. URL: http://www.sueddeutsche.de/kultur/studie-deutsche-lesen-weniger-so-wird-das-nie-was-mit-pisa-1.385516 (Stand vom 18.04.2012).

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