Das Buch – Verstaubte Medienleiche oder unsterblicher Klassiker?

geschrieben von in Medienwandel, PrintmedienKommentare deaktiviert für Das Buch – Verstaubte Medienleiche oder unsterblicher Klassiker?

„Wo schaltet man das an?“

„Kann man da nicht scrollen?“

„Ist da etwa der Ton aus?“

„Und das funktioniert tatsächlich ohne W-LAN?“

Ein wenig könnte man über derartige Fragen schmunzeln, aber beobachtet man die bemerkenswerte Technikaffinität, die bereits Kindergartenkinder an den Tag legen, ergibt sich im Umkehrschluss schon beinahe die Überlegung, ob diese Altersgruppe in zehn Jahren, fünf, oder vielleicht schon heute eben genau diese Fragen stellen könnte.

Wenn sie ein Buch in der Hand hält.

Aber trennt uns noch so viel von dieser – zugegeben etwas überspitzten – Vorstellung? Werden im Zeitalter von „Ich lad‘ mir das mal eben runter“ und „Gibt’s da auch den Film dazu?“ überhaupt noch Bücher gelesen? Und wenn ja, welche?

Jedes Jahr veröffentlicht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die neusten Zahlen zur Entwicklung der Branche. Zwar schloss diese das vergangene Jahr mit einem leichten Minus von 1,4 % ab, blickt man jedoch auf die letzten zehn Jahre zurück stellt man fest, dass die Umsätze insgesamt stabil geblieben sind.

Den größten Beitrag hierzu leistet nach wie vor die Belletristik mit knapp einem Drittel Umsatzanteil. Etwaige Umsatzanstiege sind häufig mit dem Erscheinen einzelner „Megaseller“verknüpft: so generierte die „Shades of Grey“-Reihe im Jahr 2012 deutliche Mehreinnahmen. Ein ähnliches Phänomen ließ sich 2014 in der Warengruppe der Sachbücher beobachten. Diese erhielt signifikanten Zuwachs durch den Bestseller „Darm mit Charme“.

Ebenfalls beruhigend für Verlage und Buchhandlungen dürften die aktuellen Zahlen zur Häufigkeit der Büchernutzung sein. Stolze 43% der Frauen und immerhin noch gut ein Viertel der Männer geben an täglich, oder zumindest mehrmals in der Woche in einem Buch zu lesen.

Insgesamt lässt sich resümieren, dass trotz der stetig wachsenden Anzahl an Alternativen zu Unterhaltung, Bildung und Informationsbeschaffung per Buch, sich der Klassiker unter den Medien sobald nicht verdrängen lassen wird. Noch scheint es genügend Liebhaber der Haptik eines Blattes Papier und des Geruchs von Druckerschwärze und vielleicht sogar ein Bisschen Staub zu geben.

Verschwörungstheorien – Gefangen im Netz?

geschrieben von in Internet, Medienkritik, Weblogs, ZeitungskriseKommentare deaktiviert für Verschwörungstheorien – Gefangen im Netz?
 Von der Religion zum Verschwörungsglaube

Die Frage nach der wahren Beschaffenheit der Welt und was wirklich in ihr vorgeht, wer unsere Geschicke bestimmt und uns leitet, sowie woraus das Böse entsteht hat die Menschen schon seit jeher beschäftigt.

In alter Zeit kamen religiöse Vorstellungen auf, um eben diese Grundfragen der Existenz zu klären, das eigene Leben und das Böse auf der Welt erträglicher zu machen und die Hoffnung auf ein besseres Leben, zumindest im Jenseits, nicht erlischen zu lassen. Grundsätzlich verbindet diese Theorien also meist der Glaube an eine (oder mehrere) allwissende, omnipotente metaphysische Wesenheit(en), sowie ein Gegenstück, dass das Böse personifiziert und somit greifbar macht. Sie schaffen für den Glaubenden eine neue, tröstliche Perspektive auf das Leben.

Was verbindet nun also den Glaube an die Religion mit dem Glauben an Verschwörungen ?

Wie auch bei der Religion zählt zu ihren Charakteristika die simple Einteilung der Welt in gut und böse, die eigene „Glaubensgruppe“ von anderen abzuheben, sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, das Böse greifbar zu machen und in gewisser Weise die Verantwortung für das eigene Leben abzugeben. Gleich ob es nun die Bilderberger, Aliens, Reptiloide, Nazis im inneren der Erde oder das CIA sind, die dem Bösen ein Gesicht geben.

Verschwörungstheorien in den Medien

Was mit der Erfindung des Buchdrucks seinen Anfang nahm („Hexenhammer„), hat sich bis zum heutigen Tage immer weiter ausgedehnt.

Das Internet bietet für Jedermann eine Plattform um auch mit den obskursten Theorien eine Bandbreite von Zuhörern zu erreichen und seine Sicht der Dinge als Wahrheit zu verkaufen. Die entscheidende Rolle spielt hierbei die „Wahrheitsfrage“, die in den Medien und vor Allem im Netz auf zigtausende Weisen konträr beantwortet und ausgelegt wird.

Medien konstruieren eine eigene Version der Wahrheit und seit die Tageszeitung nicht mehr als einziges Medium ihre Version der Wahrheit feilbietet, sondern im Netz zu jeder Frage tausende Antworten zu finden sind, ist die Verwirrung unter den Menschen vorprogrammiert.

Die „Vertrauenskrise“

Das erklärt, warum die „Medienverschwörung“ oftmals ein „zentrales und notwendiges Strukturmerkmal“ von vielen modernen Verschwörungstheorien ist. Nachrichten werden beobachtet („Beobachtung des Beobachters“) und zu eigenen Zwecken, zur Produktion alternativer Wahrheiten genutzt.

„Die Ablösung der Face-to-face-Kommunikation durch Schrift und insbesondere durch den Buchdruck, so Niklas Luhmann, erzwang erstmalig die Unterscheidung von Information und deren Mitteilung – mit der Folge, dass der Mitteilung seither misstraut wird. Denn seit man der Mitteilung nicht mehr direkt (am Gesicht des Gegenübers) ablesen kann, was es mit ihr auf sich hat, verstärkt sich der Verdacht, dass die Informationsseite anderen Motiven folgt, als sie glauben machen will.“

 http://www.bpb.de/apuz/231313/medien-als-gegenstand-von-verschwoerungstheorien?p=all

Nach seiner Ansicht liegt die Schuld also beim Medium als Kommunikationsform, das es unmöglich wäre medial und transparent über die eigene Transparenz zu berichten.

Hinzu kommt, dass für viele Menschen das Scrollen über ihre Facebook- Pinnwand oder anderer sozialer Netze, das Ansehen der Nachrichten oder das Lesen der Zeitung ersetzt hat.

 

Nun werden durch das breitgefächerte und weit verfügbare Quellenangebot im Netz viele verschiedene Sichtweisen und Standpunkte vertreten, womit theoretisch ein fundiertes und differenziertes Weltbild beim Rezipienten entstehen könnte. Die Realität sieht jedoch meist anders aus.

Durch den Effekt der „Filterbubble„, der von dem Internetaktivisten Eli Pariser eingeführt wurde, kreieren soziale Netzwerke und Datenriesen á la Google für den Nutzer „Parallelwelten“, wo dieser anhand von Algorithmen, basierend auf seinem Nutzungsverhalten nur noch Nachrichten angezeigt bekommt, die seinen Vorlieben entsprechen. Der eigene Standpunkt, der in heutiger Zeit  für viele Menschen zu einem Teil ihrer „Identität“ geworden ist, wird immer weiter gefestigt.

http://www.foerderland.de/uploads/pics/filterbubble2_7628.jpg

Der Verlust der Vertrauens in journalistische Berichterstattung, weitgehende mediale Inkompetenz unter den Nutzern, unüberschaubare unzählige Quellen, der Filtereffekt im Netz und unsere eigene Persönlichkeit als Filter, all das lässt das Internet als eine Art „Katalysator“ für Verschwörungstheorien wirken.

Hinzu kommt eine zunehmende Unzufriedenheit und Unsicherheit in der Bevölkerung, in der Verschwörungsglaube den Platz der Religion übernimmt. Ebenso wie die Religion lenken sie von den „eigentlichen“ Problemen, die öfter kritisch hinterfragt werden sollten, ab.

Der Mediziner Thomas Grüter warnt vor einer Psychiatrisierung der Anhänger von solchen Theorien, viel mehr sollte solches Verhalten genau analysiert werden, da sie oftmals gesellschaftliche Prozesse und Verwerfungen zwischen Gruppen innerhalb dieser aufzeigen.

Es wäre auch schließlich nicht das erste Mal, dass eine zunächst abstrus klingende Verschwörungstheorie sich im Nachhinein als wahr entpuppte. ( „Massenüberwachung durch die NSA“ )

Denn welche Wahrheit ist nicht konstruierte Realität ?

 

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

In und gesund – Wie Medien das Geschäft mit den „grünen“ Lebensmitteln boomen lassen

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Medien und Politik, PrintmedienKommentare deaktiviert für In und gesund – Wie Medien das Geschäft mit den „grünen“ Lebensmitteln boomen lassen

Sätze wie „Ich hätte gerne einen Soja Latte“ oder „Welche vegetarische Alternative bieten Sie an?“ sind keine Seltenheit mehr. Neuerdings scheint das Supermarkt-Regal fast schon tapeziert mit den Hinweisen „vegan“ oder „vegetarisch“, in einigen Haushalten sieht es im Kühlschrank ähnlich aus.

Eine Hochkonjunktur dieser Produkte zeichnet sich deutlich ab. Plötzlich bietet jeder Supermarkt, jedes Restaurant und jedes Café solche Alternativen an – wer da nicht gleich umdenkt und das Konzept umstrukturiert, verliert leicht Kunden.
Auch in allen möglichen Medien, ob regionales Nachrichtenblatt, Tageszeitung, Fernseh-Talkshows oder beispielsweise Instagram: Das Thema ist allgegenwärtig und jeder will darüber berichten. Dies macht die ganze Sache sehr interessant für den Forschungsbereich der Medienwirkung.

Ist der ganze Trubel um den Veganismus und Vegetarismus tatsächlich lediglich einer allgemeinen Lebensumstellung geschuldet? Wie gehen eigentlich die Medien mit diesem Hype um und welche Rolle spielen sie dabei?

Es ist nicht zu übersehen, dass der Trend ohne Fleisch bzw. gar ohne tierische Produkte zu leben, immer und immer mehr zunimmt. Der Vegetarierbund (VEBU) beziffert die Zahl der ohne Fleisch lebenden Menschen in Deutschland auf rund 7,8 Millionen, also 10% der Bevölkerung, ca. 900.000, das heißt 1,1%, sind vegan – weltweit wird diese Gruppierung auf 1 Milliarde geschätzt.
Dementsprechend stieg der Umsatz mit Fleischersatzprodukten und pflanzlichen Brotaufstrichen laut statista von 155,6 Millionen Euro im Jahre 2012 auf 310,7 Millionen Euro im letzten Jahr.

“Der Trend ins Vegetarische ist unaufhaltsam. Vielleicht isst in 100 Jahren kein Mensch mehr Fleisch” | Helmut Maucher, ehemaliger Generaldirektor von Nestlé

Sieht man sich die Zahlen der Berichterstattung im deutschen Printbereich zu dieser alternativen Ernährung an, so ist ein deutlicher Anstieg innerhalb der letzten zehn Jahre zu vermerken. Obwohl die Anzahl der Veganer deutlich geringer ist, halten sie in Sachen Presse gut mit den Vegetariern mit, stellenweise gibt es über sie sogar mehr Artikel.

Aber auch vor der Buchhandlung macht der Trend nicht Halt. Die Zahl der neuveröffentlichten deutschsprachigen Kochbüchern in beiden Bereichen hat sich innerhalb von fünf Jahren verzehnfacht: Gab es 2012 lediglich 21 Neuveröffentlichungen, sind es 2016 ganze 211 Bücher.

fullsizerenderEine Trendentwicklung ist auch in sozialen Netzwerken zu bemerken. Überall gibt es „Foodpics“ von Sportlern, Models und Foodbloggern mit den Hashtags #vegan (rund 33.600.000 Treffer) und #vegetarian (rund 10.900.000 Beiträge), oftmals in Verbindung mit #healthy. Diesbezüglich hat sich schon so etwas wie eine eigene Community gebildet, viele wollen einfach nur „dazugehören“, egal ob man von der Ernährungsweise im ethischen oder ökologischen Sinne überzeugt ist.

 

Führen wir nun also die Fakten zur klar zu erkennenden Wende in unserer Gesellschaft und die zunehmende Aufmerksamkeitsentwicklung in allen möglichen Medien zusammen: Es ist eindeutig ein Hype entstanden. Hierbei lässt sich eine Hebelwirkung durch die mediale Darstellung vermuten, die die Entwicklung immens begünstigt. Dies liegt daran, dass das Thema Vegetarismus und Veganismus nahezu unumgänglich geworden ist und es durch die Allgegenwärtgkeit in den Medien der breiten Masse ins Bewusstsein gerufen wird. Außerdem vermitteln vor allem die Online-Medien wie Instagram dem Verbraucher: Wenn da „vegetarisch“ oder sogar „vegan“ draufsteht, dann MUSS es ja gesund sein. Oder?


Bildquelle: www.instagram.com

 

Schlagwörter: , , , , , ,

Spotlight – Ein Film über Investigativen Journalismus

geschrieben von in Allgemeines, Printmedien, QualitätKommentare deaktiviert für Spotlight – Ein Film über Investigativen Journalismus

Am 28. Februar findet die diesjährige Verleihung der Academy Awards statt. Am 25. Februar starten, wie üblich an deutschen Donnerstagen, neue Filme in den Kinos. Mit von der Partie ist beide Male das mehrfach Oscar-nominierte und bereits jetzt preisgekrönte Drama „Spotlight“ von Regisseur Thomas McCarthy (u.a. AFI Award für Movie of the Year, Screen Actors Guild Award für Outstanding Performance by a Cast in a Motion Picture).

Der Film erzählt die wahre Geschichte der Investigativ-Abteilung des Boston Globe, genannt Spotlight, die 2001/02 systematischen Kindesmissbrauch durch katholische Priester im Großraum Boston aufdeckte. Hunderte von lokalen Einzelschicksalen wurden ans Licht gebracht, die schließlich zu nationalen sowie internationalen Fällen führten und somit die Katholische Kirche in ihren Grundfesten erschütterte.

SPOTLIGHT puts the power of journalism on the front page. With measure befitting the investigative method, Tom McCarthy presents The Boston Globe’s inquiry into cardinal sins without tabloid sensationalism — creating tension around the team’s dauntless pursuit of truth.“ (Begründung des American Film Institute)

Sachlich und ohne Hollywood-typische Überdramatisierung wird der Rechercheablauf auf authentische Weise dargestellt, als wäre der Film selbst Teil dieses Prozesses. In Zeiten von Lügenpresse und Click-Generierung ruft er somit in Erinnerung, was Journalismus leisten kann und wieso er ein bedeutsames Element der Gesellschaft ist. Dabei werden gleich mehrere relevante Aspekte beleuchtet. Kampf der Institutionen (Zeitung vs Kirche), Wettbewerbsdenken (Zeitpunkt der Veröffentlichung) sowie soziale Verflechtungen (52,8% Katholiken in Boston im Jahr 2001) sind nur einige Beispiele. Für Medienwissenschaftler ist „Spotlight“ also durchaus einen Blick wert.

Schlagwörter: , , , ,

Wenn es nicht mehr genügt milliardenschwerer Facebookgründer zu sein

geschrieben von in Kommunikationsformen, Medien und Politik, Medienwandel, Printmedien, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Neues Jahr, neue Vorsätze. Das denkt sich so mancher. Was letztendlich aus diesen Vorsätzen wird bleibt einem selbst überlassen.

Das hat sich auch Facebook founder Mark Zuckerberg gedacht als er der Facebook-Community seine Jahresvorsätze mitteilte. Nach Vorsätzen wie mehr zu lesen kommt nun ein Vorsatz der erst einmal ungewöhnlich klingt:

Zuckerbergpost 1 möchte einen Roboter erschaffen der ihm im Haushalt hilft. Man könnt meinen, dass der Mann der vermeintlich alles hat, jetzt über das Ziel hinausgeschossen sei. Kann man diesen Post denn ernst nehmen? Wie ein Scherz klingt er nicht. Der Plan von diesem Roboter, den man sich übrigens wie „Jarvis“ aus „Iron-Man“ vorstellen kann, hat bereits Form angenommen.

 

 

 

Dass Zuckerberg auch wirklich an seinen Vorsätzen festhält hat er bewiesen indem er seinen Vorsatz, aus dem Jahre 2010, Mandarin zu lernen an der chinesischen Universität Tsinghua, Peking, in einer zwanzig-minütigen Rede unter Beweis gestellt hat, so berichtet auch „The Guardian“ . Also womit werden wir zu rechnen haben? Dass wir Facebook Technologie auch irgendwann in unseren Häusern haben können? So weit entfernt ist das smarte wohnen nämlich gar nicht mehr. Samsung legt bereits mit der Gerätereihe „smart home“ vor in Sachen zukunftsorientiertem Wohnen. Das Smartphone mit allen kompatiblen Geräten verbinden und dann auf alles zugreifen können ist schon Realität, da spielt es keine Rolle mehr ob man zu Hause ist oder nicht. Das einzige was man braucht ist einen Internetzugang, um alle Geräte steuern zu können.

Nicht nur das Wohnen ist betroffen vom technischen Fortschritt, im letzten Jahr kam auch immer wieder das Wort Industrie 4.0 zum Vorschein. Was kann man sich darunter bloß vorstellen? Alles kommuniziert miteinander, alles ist vernetzt. Das scheint so der Kern der Industrierevolution zu sein. Diesen Fortschritt will auch die Universität Stuttgart nutzen und zeigen wie es ablaufen kann. Auf deren Website kann man sich individuell Joghurt zusammenstellen. Der Clou an der Sache ist, dass Maschinen mit programmierten Chips die Bestellung aufnehmen und weiterverarbeiten können. Die Roboter kommunizieren miteinander und produzieren die individuellen Joghurts. Die Technologie schreitet voran doch was heißt das konkret für den „Otto – Normalverbraucher“? Roboter in der Industrie erreichen nicht die breiten Massen doch das smarte Wohnen könnte von hoher Bedeutung für den einzelnen in der Zukunft sein.

Inwiefern wirkt sich diese technologische Entwicklung auf die Mediennutzung aus?

Dem Menschen wird so einiges erleichtert, jedoch gewinnen Smartphone und Co. an Bedeutung im Alltag. Alles wird digitalisiert, ein neues Zeitalter von Fortschritt bricht an. Doch bedeutet dies, dass Printmedien auf dem absteigenden Ast stehen? Dass die Auflagen der Zeitungen von Jahr zu Jahr sinken ist kein Geheimnis mehr, doch die Umgestaltung des Heimes könnte möglicherweise massiv dazu beitragen, dass sich der Umgang mit Medien radikal verändert. Die Sonntagszeitung wird nicht mehr beim Bäcker um die Ecke gekauft, sondern wird digitalisiert an die Wand projiziert oder erstrahlt möglicherweise als Hologramm. Jedoch wird eines feststehen, Medien egal in welcher Form werden bestehen bleiben, denn sie haben einen sehr wichtigen Platz in unserem Leben eingenommen. Was wären Politiker ohne legendäre Fernseh-Interviews oder Promis ohne Boulevardpresse. Um es nach Luhmann zu sagen, die Teilsysteme sind aufeinander angewiesen. Die Politik braucht die Medien und die Medien die Politik. Diese wechselseitige Abhängigkeit kann nicht verhindert werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Fortschritt unaufhaltsam ist, jedoch bestimmte Systeme wie die Medien bestehen bleiben. Auch wenn äußerliche Veränderungen vorgenommen werden, die nicht unbedingt kontraproduktiv sein müssen, bleibt der Kern der Kommunikation, Unterhaltung etc. in den Medien bestehen.

Schlagwörter: , , , , , , ,

Aktualität über Relevanz?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Internet, Internet und Politik, Nachrichten, Printmedien1 Kommentar »

Wer kennt das nicht? Gestern war uns noch wichtig, dass das Freihandelsabkommen nicht durchkommt, heute ziehen sich von Einem auf den anderen Moment Berichte über ein Attentat in Paris durch die Schlagzeilen. Was Gestern wichtig war, scheint nun vergessen und weicht einem Thema, das eine explosionsartige Verbreitung erfährt. Nicht automatisch handelt es sich dabei um etwas nebensächliches, ganz im Gegenteil! Es sind in der Regel Themen, aus denen die Presse ein hohes Maß an Dramaturgie zieht und diese verkauft.

Diverse Faktoren bestimmen, wann es ein Ereignis in die Schlagzeilen schafft: persönlicher Bezug, Involvierung prominenter Personen, oder großer Staaten, die Negativität eines Ereignisses, die Kontinuität in der über das Thema berichtet wird und einige weitere, nicht zuletzt aber ist entscheidend, ob das Ereignis aktuell ist. Gerade ein Vorfall wie Paris erfüllt mehrere der genannten Faktoren. So ist es also nicht verwunderlich, dass Dinge wie TTIP, oder der Gaza-Konflikt schnell in den Hintergrund rücken. In einem Spiegel-Artikel  ist beispielsweise die rede von 1000 Toten in Gaza. In Gegenüberstellung zu den Ereignissen in Paris, ist dies eine Zahl, die die Messlatte sprengt. Hinzu kommt, dass die Meldung über eine Waffenruhe in Gaza, welche laut Spiegel aus den hohen Opferzahlen resultiert, keinen Boden findet, da es sich hierbei um ein positives und in fortlaufende Entwicklungen eingebettetes Ereignis handelt.
TTIP, auch als Transatlantisches Freihandelsabkommen bekannt, ist weder aus der Welt, noch hat es Minderung erfahren. Laut Wikipedia wird 2016 entschieden, ob es in bekannter Form in Kraft tritt, oder nicht. Aktuelle Ereignisse, die wie man sieht, geringere Ausmaße als Gaza annehmen, verdrängen Themen wie TTIP aus den Medien und ermöglichen es den Verantwortlichen eine Durchsetzung mit wesentlich weniger Hindernissen durch zubringen. Für uns Verbraucher könnte das neben diversen anderen Dinge auch erheblich schlechtere Qualität bei Konsumgütern aus der Lebensmittelbranche, Aufweichung und Umgehung von Arbeitnehmerrechten und Gefährdung des Tierschutzes bedeuten (siehe Wikipedia-Artikel).

Ein klassisches Beispiel, welches den Fokus auf aktuelle Geschehnisse herausstellt, ist hierfür die Themenverteilung in den Nachrichten für den vergangenen Oktober:

Unbenannt

Wie also kann ich mich nun als Nachrichtenkonsument richtig orientieren?

In erster Linie ist es wichtig, für sich selbst zu wissen, was einen betrifft, oder wo das persönliche Interesse liegt. Weiterhin bedarf es einiger Recherche um in den entsprechenden Themenbereichen auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Das wäre schon alles.

Wer also seinen Fokus in der leichten Vermarktbarkeit von Negativmeldungen und Aktualität nicht verlieren will, muss sich selbst ein wenig mehr betätigen, was das Nachrichten lesen und schauen angeht.
Nichts desto trotz wird die Aufmerksamkeit der Rezipienten weiterhin in erster Linie auf eben diesen Kriterien liegen. Uns selbst ist es überlassen, was wir daraus machen und wie wir darauf reagieren.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ueber-1000-tote-in-gaza-israel-erwaegt-laengere-feuerpause-a-983044.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Transatlantisches_Freihandelsabkommen
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/39456/umfrage/top-10-themen-in-den-tv-nachrichten/

Schlagwörter: , , , ,

Überlebenschancen der jugendlichen Lesekultur während dem Aufstieg medialer Technikgeräte

geschrieben von in Allgemeines, Internet, PrintmedienKommentare deaktiviert für Überlebenschancen der jugendlichen Lesekultur während dem Aufstieg medialer Technikgeräte

Sätze wie „die Jugend von heute liest keine Bücher mehr“ oder „die Kinder sitzen entweder vor dem Fernseher oder den Smartphones“ hört man nicht allzu selten, meistens von den eigenen Großeltern, die dann noch betonen, dass früher alles besser war, bevor die ganzen elektrischen Medien anfingen, unseren Alltag so stark zu prägen.

Doch kann man wirklich davon reden, dass sich die Lesegewohnheiten der heutigen Jugend (14-20 Jahren) im Laufe der Zeit so drastisch verschlechtert haben?

Eine Studie, welche letztes Jahr durchgeführt wurde, hat jetzt bewiesen, dass das alltägliche Lesen unserer jungen Generation keinesfalls so negativ abschneidet, wie oft behauptet wird.  Laut der „Jugend-, Information- und Multimedia-Studie“ in Stuttgart lesen in ganz Deutschland 40 % der Jugendlichen regelmäßig ein Buch, d.h. zwei von fünf Heranwachsenden greifen mehrmals in der Woche nach einer Lektüre in ihrer Freizeit.  Auffällig ist hier, dass Bücher eine höhere Anziehungskraft für Mädchen als für Jungen haben. Anders gesagt, in Deutschland liest jedes zweite Mädchen, während „nur“ jeder vierte Junge regelmäßig ein Buch liest. Um einen Kontrastpunkt zu finden, beschäftigte die Studie sich auch mit den Jugendlichen, die nie lesen. Dabei kam raus, dass die Anzahl der nicht lesenden Teenager 19 % der Gesamtanzahl an Jugendlichen in Deutschland beträgt. Davon sind doppelt so viele Jungen als Mädchen betroffen.                                                                                                                                                           Richtet man seine Aufmerksamkeit nun auf die Titel der von Jugendlichen häufig gelesenen Bücher, so fällt hier ein Muster auf. Nicht überraschend ist, dass die „Harry Potter“-Reihe, die 1997 von Jennifer K. Rowling geschrieben wurde, ganz oben im Trend liegt. Gefolgt wird die berühmte Fantasy Reihe von Büchern wie „Tribute von Panem“ von Suzanne Collins, „Die Bestimmung“ von Veronica Roth, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ von John Green, aber auch von historisch geprägten Büchern wie „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Bemerkenswert ist, dass alle diese Bücher verfilmt wurden bzw. zum Zeitpunkt der Studie in der Planung zu einer Verfilmung waren. Man könnte also hier sagen, dass bei vielen Lesern die grafische Darstellung als Film Einfluss auf die Bücherauswahl hat. Zu den Filmen gibt es noch ein anderes effektives mediales Mittel, welche die Lesegewohnheit der Heranwachsenden positiv beeinträchtigt: Das Internet, bzw. die gesamte Buchcommunity im Internet. Seiten/Apps wie Goodreads oder lovelybooks.de motivieren Menschen zum Lesen und helfen zusätzlich dabei, eine Verbindung zwischen Lesern herzustellen, durch die sie sich austauschen und beraten können.                                                                                       Auch spielt „Booktube“ eine große Rolle bei den Lesern. Youtuber und Blogger im Internet reden via Videos auf Youtube oder eigene Blogeinträge über Bücher und stellen so einen weiteren Support für die Lesekultur dar. Eine sehr einflussreiche Plattform für das Lesen ist das „E-Book“. Das E-Book ermöglicht den Lesern, Geschichten auf ihren Smartphones oder Tablets zu lesen und ist zudem reizvoll, weil der Preis dieser elektronischen Bücher meistens niedriger ist als die der Bücher aus dem Laden.

Es ist nicht ganz klar, ob Jugendliche in der Zukunft zu sehr von ihren Smartphones oder anderen technischen Medien abgelenkt werden, um Bücher zu lesen. Doch ist auch zu sagen, dass die oben beschriebenen technischen medialen Geräte die Überlebenschance der Lesekultur steigern könnten.

 

Das CHE Hochschulranking und die Verantwortung der Medien

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik, Printmedien, Qualität, ZeitschriftenKommentare deaktiviert für Das CHE Hochschulranking und die Verantwortung der Medien

Das CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) ist eine von der Bertelsmanns Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz hervorgegangene Einrichtung. Das Ziel dieser Einrichtung ist die Modernisierung und Liberalisierung des Hochschulsystems. Mit diesem Ziel werden seit Mitte der 90.er Hochschulrankings in Deutschland durchgeführt. Doch ist das Anfangs in Amerika ausgebrochene Ranking-Phänomen das sich seit 1998 in Deutschland durchgesetzt hat längst nicht mehr nur in Munde der Befürworter zu finden. Nachteile der Vermessung und des Vergleichs von Bildungseinrichtungen haben in letzter Zeit immer mehr Fachbereiche zur einer Ablehnung und zum Ausstieg von Rankings geführt. Gründe dafür sind unter anderem die methodischen Mängel und die vereinfachte Runterstufung der Ergebnisse, dabei sind die Schwerpunkte der Fächer nicht abbildbar. Zudem ist die Beteiligung der Studenten auch nicht repräsentativ wenn nur 10% der Befragten teilnehmen. Für „klare“ Ergebnisse soll dies jedoch genügen. Nachdem 2007 bereits die Schweiz und Österreich aufgrund von methodischen Mängeln aus dem Ranking ausgestiegen waren, forderte die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) im Sommer 2012 alle Institute und Hochschulen dazu auf, aus dem CHE-Ranking auszusteigen (http://www.soziologie.de/index.php?id =che).

Die Medienmacher scheint dies kaum zu interessieren. Rankings sind nämlich trotz Kritik hoch beliebt und kommen gut an bei den Lesern. Beispielsweise hat „Die Zeit“ die seit Jahren damit prompt das CHE Hochschulranking, „dem umfassendsten und detailliertesten Ranking im deutschsprachigen Raum“ zu veröffentlichen sich dadurch eine fest etablierte Einnahmequelle garantiert. Der „Zeit Studienführer“ der die Ergebnisse des CHE Rankings präsentiert und mit knapp 300 Seiten die wichtigsten Fragen rund um Studiumauswahl und Einstieg beantwortet, scheint sich dabei weniger mit der Erhebungsmethode der Daten und deren Auswirkung für Studieninteressierte auseinander zu setzten. Die Zeitschrift die im Handel für 7,95€ erhältlich ist, gibt ihren Lesern sämtliche Informationen die ihr spätere Studien Auswahl und somit das ganze Leben beeinflussen könnten.

Wäre wohl doch nutzreich wenn auch der Diskurs im Wissenschaftlichen Milieu thematisiert werden würde oder gar auf den Ausstieg von immer mehreren Fachbereichen angedeutet würde, die nach und nach aus den Rankings verschwinden. Stellt dies nicht auch eine verzehrte Abbildung der Realität dar? Müssten die Leser nicht auch über die vielleicht gar nicht repräsentative Erhebungsmethode aufgeklärt werden? Und auch wenn Hochschulrankings noch lange in unserem Mediensystem ihren Platz finden werden, so sollten doch die Leser dieser Angebote eins im Kopf behalten: Nicht nur die erhobene Daten sondern auch die Tauglichkeit und Methode dieser Erhebung werden viel zu selten hinterfragt, solange die Medienmacher von ihnen profitieren.

https://premium.zeit.de/studienfuehrer

Schlagwörter: ,

Die bösen Festivals – Thüringer „Ver“ Allgemeinernde

geschrieben von in Medienkritik, Printmedien, QualitätKommentare deaktiviert für Die bösen Festivals – Thüringer „Ver“ Allgemeinernde

Seit 15 Jahren findet nun schon das Stoner Rock – Festival „Stoned from the Underground“ am Alperstedter See bei Stotternheim in der Nähe von Erfurt statt. Im Detail handelt es sich bei „Stoner Rock“ um eine langsame, aber kraftvolle Mischung aus Rock und Heavy Metal mit tiefen basslastigen Riffs und einer vergleichsweise kleinen aber sehr treuen Fangemeinde. Anfang Juli diesen Jahres spielten rund zwei Dutzend Bands aus Europa und den USA bei dem Festival. Ähnlich international wie die Bands ist auch das Publikum. Aus ganz Europa schwärmten Rock-Fans herbei, um die kultige Atmosphäre dieses Festivals zu erleben und brachten dabei viel Stimmung und Feierlaune mit.

Als begeisterter Festivalbesucher musste ich mich im Anschluss an den Besuch über folgenden Artikel der Thüringer Allgemeinen Zeitung doch sehr wundern:

Unbenannt2

Genauer heißt es in dem Bericht:

„Mehrere Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz hat die Polizei am vergangenen Wochenende beim Rockfestival in Alperstedt registriert.“

„Die Beamten, die seit Freitag Kontrollen vornahmen, fertigten aus diesem Grund insgesamt 65 Anzeigen.“

„Außerdem erwischten sie 14 Frauen und Männer, die entweder unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol ein Fahrzeug führten. Außerdem wurden drei Spring- und Klappmesser gefunden.“

Unbenannt

Unter dem Festivalbild (unvorteilhaft!) des Artikels steht noch die Bemerkung:

„Das Rockfestival am Alperstedter See findet bereits seit mehreren Jahren statt – und wie jedes Jahr nehmen die Aufräumarbeiten einige Zeit in Anspruch.“

Aha. Auch hier eine negative Beurteilung. Das Festival verursacht also nur Dreck und Aufräumarbeiten. Ohne die Verstöße verharmlosen zu wollen, die Formulierungen sind doch sehr drastisch gewählt, es klingt ja fast nach einer Razzia in einem Drogenkartell.

Durch diesen Artikel wird das ruhige Stonerrock Festival meines Erachtens in ein völlig falsches Licht gestellt. Bei der sehr einseitigen und verurteilenden Berichterstattung wird scheinbar nur die Schattenseite des Festivals betrachtet. Bei knapp 3.000 Festivalbesuchern bleiben kleinere Verstöße (bei denen niemand zu Schaden gekommen ist) nicht aus. Immerhin findet das Festival nun schon seit 15 Jahren ohne erhebliche Vorkommnisse in dieser Richtung statt.

Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass es nie irgendwelche Vorfälle der Gewalt oder Ähnliches gab. Das Festival wird in diesem Artikel dargestellt, als würde man ständig von bewaffneten, drogenkonsumierenden Irren bedroht werden. Auch wenn es nur ein kleiner Artikel ist, so hätte ich mir doch ein wenig mehr Objektivität bei der Berichterstattung gewünscht. Die Enttäuschung über die öffentliche Darstellung des Festivals machte anschließend auch in der Fangemeinde die Runde. Letztlich schadet dieser Bericht dem Ruf des Festivals und kommuniziert dabei nicht die Begeisterung der Fans und die tolle Leistung des Veranstalters. Bleibt nur zu hoffen, dass der günstige Standort des Festivals weiterhin besteht und die Anwohner der Veranstaltung vorurteilsfrei entgegenblicken.

Quelle:

http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Drogen-Alkohol-Klappmesser-65-Anzeigen-beim-Rockfestival-Alperstedt-1304867592

 

 

Lëtzebuerg Privat – Unabhängige Wochenzeitung oder Hetzblatt gegen das eigene Land?

geschrieben von in Medienkritik, Printmedien1 Kommentar »

Seit Beginn meines Studiums in Trier, hatte ich schon des Öfteren das Vergnügen Luxemburg, das heißt die Stadt samt Bewohner, näher kennen lernen zu dürfen. Beim gemütlichen Schlendern durch die Straßen fielen mir insbesondere die prunkvollen Gebäude, die netten Lokale und Gässchen sowie die vielen kleinen Grünanlagen, rings um den Stadtkern, auf.

Als ich vor ein paar Wochen vor einem Luxemburgischen Kiosk Halt machte, um mir eine Tageszeitung zu kaufen, musste ich diesen positiven Eindruck  gezwungenermaßen in Frage stellen: Ist am Ende doch alles nur Lug und Trug? Das gängige Luxemburger Boulevard-Blatt Lëtzebuerg Privat titelte jedenfalls in ihrer Ausgabe vom 10.04.2015-16.04.2015 „Drecksloch Luxemburg – Unsere Luft ist hoch-krebserregend“.

Unbenannt

Ich war irritiert. Erstens, weil die Luft mir rein erschien oder zumindest nicht schmutziger als sonst wo und zweitens, liegt hier schon in der Überschrift ein Rechtschreibfehler vor? Was hat ein Bindestrich zwischen „hoch-krebserregend“ zu suchen? Na ja, die Neugierde hatte mich gepackt, also wurde die Zeitung gekauft.

„Unabhängige Wochenzeitung für Luxemburg“ hieß es weiter unter dem Blatt-Namen. Okay, vielleicht doch kein Bild-Niveau? Beim Durchblättern wurde schnell deutlich – sehr wohl Bild-Niveau. Aufbau, Farben, Sprachstil und Bildauswahl waren quasi identisch mit dem deutschen Pendant.

Nicht eine auf mich positiv wirkende Überschrift war in dieser Zeitung zu finden. Im Gegenteil, die Titel wirkten aggressiv und rückten Luxemburg in ein negatives Licht. Einige Beispiele unter vielen wären: Asyl: Kein Land lehnt so viele Anträge ab wie Luxemburg; Hammer! Polizeischule hat Mega-Versager-Quote; Atom-Alarm in Luxemburger Gewässern!; Ausländer-Wahlrecht: „Nee2015.lu“ kämpft für das Nein!; Bald sind wir alle Opfer; Luxemburg ist ein Drecksloch!; So verdreckt ist der Boden; Luxemburg leugnet sein Dreck-Problem – andere handeln; Verdreckte Hauptstadt; So schlimm ist die Armut in Luxemburg wirklich.

Ziemlich harte Worte und viele Anschuldigungen für eine 16 seitige Ausgabe, die treu dem Motto folgt „Bilder sagen mehr als 1000 Worte“. Besonders prägnant und groß aufgemacht erschien mir der Artikel „Luxemburg ist ein Drecksloch“. Drei große Bilder prangten in der Mitte der Doppelseite:

  1. Aufnahme des Stadtverkehrs mit der Bildunterschrift: „Sieht aus wie ein „Normalzustand“ – ist aber viel zu viel Verkehr.“ Frage: Wenn der Verkehr doch ganz normal erscheint, warum soll es denn dann zu viel sein?
  2. Ausschnitt eines Asiaten mit Mundschutz gefolgt von der Bildunterschrift: „Hauptstadttouristen in Atemnot: Einige trauen sich nur mit Atemschutz nach Luxemburg“. Frage: Tragen nicht viele Asiaten generell einen Mundschutz?
  3. Aufnahme einer Baustelle. Die Bildunterschrift hierzu: „Eine gefährliche Mischung wird es, wenn sich der Dreck der Baustellen mit den Dieselpartikeln der vielen Autos verbindet.“ Frage: Ist dann nicht jede Stadt eine tickende Zeitbombe?

Spätestens jetzt sollte niemand mehr gut recherchierte Fakten erwarten. Der Leser wird in den Texten, die um insgesamt acht Bilder herum positioniert wurden mit zahllosen Anschuldigungen konfrontiert, wo hingegen schlagende Argumente, die für eine Verdreckung Luxemburgs sprechen, rar erscheinen. So steht beispielsweise in Bezug auf Graffiti an Hauswänden geschrieben: „Kunst ist das nicht! Im Gegenteil: Die komplette Stadt ist verschandelt! Dazu kommt: Richtiger Dreck! Die Sockel der Mauern – sie sind nicht nur vergilbt. Schwarze Striemen lockern die auf.“

Wenn diese Wortwahl und dieser Satzbau das Werk eines gut ausgebildeten Journalisten sind, dann finde ich das Ergebnis doch sehr bedenklich.  Vielleicht hängt meine negative Haltung auch damit zusammen, dass Boulevard-Zeitungen noch nie meine erste Wahl waren. Jedenfalls hat das Blatt mit mir keinen neuen Leser gewinnen können.

Mein Fazit: Für 3,50 Euro kaufe ich mir das nächste Mal lieber ein Eis und genieße die für mich noch immer sehr schöne Innenstadt Luxemburgs.

http://www.luxprivat.lu/index.php/Archiv/(edition)/424

Schlagwörter: , ,

Der freie Autor. Oder: Warum er nicht gelesen wird.

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Medienwandel, Printmedien1 Kommentar »

Noch nie schien die Zeit für alle Kreativen günstiger zu sein als heute, insbesondere für Autoren und solche, die sich so nennen wollen. Denn das Internet lässt Gedrucktes immer mehr obsolet werden, Massenproduktionen etwaige Druckkosten minimieren, digitale Lesegeräte, eReader, das Buch in der Hand ersetzen. Und wo man sich als Autor früher noch durch Lektorat, Korrektorat schlagen musste, sein Werk unerfindlich vielen Verlagen mit ihren eigentümlichen Vorsitzenden und kritischen Managern vorlegen musste, man auch nach der zehnten Absage, die nicht selten unbegründet blieb, nicht aufgeben durfte, bis man endlich in die Hände eines mit jesuanischer Güte gesegneten Verlegers kam, der schon die Zeichen am Himmel für den neuen Propheten der Nationalliteratur sehen konnte – so reichen heute einige Klicks und man wird begrüßt in der Welt des schreibenden Volks.

Plattformen gibt es mittlerweile zahlreiche, zum Beispiel der deutsche Service „BoD“ (Books on demand), der für eine geringe Gebühr nicht nur eine ISBN für das geliebte Werk liefert (Denn diese ist für eine Repräsentation im klassischen Buchhandel quasi unabdingbar, da nur so die Werke in das „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ eingepflegt werden), sondern gleich einen internen Editor für die Covergestaltung und entsprechende Vertriebskanäle bereitstellt. Das Buch wird digital den Kindle-Produkten von Amazon, sowie der digitalen Konkurrenz seitens der alteingesessenen Buchhändler (z.B. Tolino)zur Verfügung gestellt; möchte der Leser hingegen sein Buch in Händen halten, so wird es nach Bedarf gedruckt und innerhalb von zwei Wochen an den Käufer ausgeliefert. Weder eine inhaltliche, noch formale Überprüfung oder Korrektur ist erforderlich, kann aber für das entsprechende Kleingeld modular dazu gebucht werden.

Zwar sträuben sich die Buchhandlungen in den deutschen Innenstädten noch, diese Werke in ihr Sortiment aufzunehmen – dennoch scheint der Siegeszug des sogenannten „self-publishing“ beschlossen zu sein. Seit neuestem wird sogar eine Kooperation mit den öffentlichen Bibliotheken angestrebt. Und es ist verständlich: Da der Service keine (katalogorientierte) Selektion und kein aufwendiges Lektorat unterhält, wird jedes Werk gedruckt, gleich wie viele Rechtschreibfehler, inhaltliche Ungenauigkeit oder sprachliche Unverschämtheit darin enthalten ist. Da der Service am Autor verdient, auch wenn sonst nichts verkauft wird (durch monatliche und einmalige Kosten), und keinerlei Werbung stellt, ist die Autorenmarge frei wählbar und wird einfach dem reinen Druckpreis als Mehrkosten für den Käufer aufgeschlagen. Der Autor wird Unternehmer, kümmert sich um Layout und Cover, Format, Papierfarbe, Marketing und Verbreitung.

Es darf zwar als erwiesen gelten, dass große Verlage noch lange keine Qualität garantieren (Das prominente Beispiel „Shades of Grey“, das auf einer Fanfiction zu Twilight basiert, erschien hierzulande im Goldmann Verlag!), aber gerade in der Verschmelzung des Self Publishings mit dem traditionellen Buchmarkt erfährt man (insbesondere auf dem eBook-Markt) eine deutliche Absenkung der Qualität. Dort findet man fragwürdige „Kinderbücher“ und „Horrorgeschichten“ zum Centpreis, voller Fehler und Ungereimtheiten, die im langen Verlauf dem eBook-Markt wieder in den Rücken fallen könnten. Denn auch 99 Cent sind zu viel für ein Werk, das man zehn Minuten später genervt von seinem Gerät löscht.

Das immer populärer werdende Self Publishing deckt ein Bedürfnis der Gesellschaft, sich auszudrücken. Wo in großen Verlagen mehr und mehr nicht nach der literarischen Qualität gefragt wird, sondern den Verkaufserwartungen, ermöglicht die eigene Veröffentlichung die Chance auf einen kleinen Teil am großen Markt und weckt bei vielen die Hoffnung, im großen Haufen an Veröffentlichungen endlich etwas von großem literarischen Wert zu erspähen. Doch dieser neue, freie Autor schafft sich in gleicher Geschwindigkeit wieder ab, wie er sich erschafft. Wenn Independent und „ohne Verlag“ zum Synonym für schlechte Belletristik geworden sind, dann spielt das nur den Verlagen in die Hände, die immerhin noch ohne Rechtschreibfehler Aufgewärmtes servieren.

Schlagwörter: , , , , , , ,

Die Geschichte der „Lügenpresse“

geschrieben von in Printmedien1 Kommentar »

Es wurde entschieden: Das Unwort des Jahres 2014 ist „Lügenpresse“. Weitere Anwärter für den Titel waren „Erweiterte Verhörmethoden“ und „Russland-Versteher“.

Jedes Jahr wählt eine unabhängige Jury aus einer Vielzahl an eingesendeten Wörtern aus. Die Jury bestand dieses Jahr aus 5 Mitgliedern, unter Anderen Prof. Dr. Martin Wengeler, der als Lehrstuhl für Germanistische Linguistik an der Universität Trier fungiert.

Dieses Jahr wurden 733 verschiedene Begriffe eingeschickt, wobei die Jury sich für „Lügenpresse“ entschied. Das Wort habe einen sprachgeschichtlichen Hintergrund, der denen, die es wieder aktuell gemacht haben, wohl nicht bewusst sein dürfte. Die Rede ist hier von Pegida, dem anti-islamischen Verein, der jeden Montag Demos in  Dresden veranstaltet.

Der Begriff reicht tatsächlich zurück bis ins 19. Jahrhundert, wo er zur Einschränkung der Pressefreiheit genutzt wurde. Im  1. Weltkrieg war von der „Lügenpresse“ als 4. Großmacht gegen Deutschland die Rede, die auch Schuld am Kriegsausbruch gewesen sein soll; im 2. Weltkrieg war es dann die sozialdemokratische Presse, die von den Nationalsozialisten der Lüge beschuldigt wurde.

Dieser Kampfbegriff wurde zur Beleidigung und Diffamierung der Presse benutzt, die von jenen gemacht wurde, die eine andere Meinung vertraten. Das konnte zum Beispiel die jüdische Presse sein oder auch die oben genannte sozialdemokratische Presse.

Seit den 2010er Jahren wird das Wort von Neonazis genutzt und heute von Pegida. Ausgerechnet Pegida, die doch betonen, weder rechts noch ausländerfeindlich zu sein. Sie werfen der „Lügenpresse“ vor, ihre Aussagen zu manipulieren, zu verdrehen oder gar nicht erst zu veröffentlichen.

Anscheinend wissen die Anhänger des Vereins wirklich nicht, was hinter diesem Kampfbegriff steht, wie die Jury angenommen hat. Sonst würden sie diesen nationalsozialistischen Begriff nicht jeden Montag lautstark skandieren, da sie ja nicht rechts sein wollen.

 

 

Quellen:

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43838/1.html

http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2014.pdf

http://www.nachdenkseiten.de/?p=24552

http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgenpresse#Verwendungsgeschichte

Schlagwörter: ,

Wer dachte die Artikel einer Zeitung werden debattiert, hat die Werbung unterschätzt

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik, Printmedien1 Kommentar »

Der Andrang an Meinungen um die Redaktionsleiterin von Christ & Welt Christiane Florin ist groß seit der ersten Ausgabe der Wochenzeitung in diesem Jahr. Doch seit der dritten ist er gewaltig.

Es ist nicht immer leicht als Journalist – und als einer, der über Glaubensfragen debattiert, schon gar nicht. Darüber können die Mitarbeiter der Zeit-Beilage wohl ein Lied singen.
Vor wenigen Wochen bekam die Redaktion eine Anzeigenbuchung von „Kirche in Not“, ein katholisches Hilfswerk, das international gegen die Verfolgung von Christen vorgeht. In ihrer ersten Ausgabe diesen Jahres thematisierte Frau Florin nun die Anzeigen der Zeitung und erklärte den Lesern, warum sie sich gegen das Abdrucken dieser einen entschieden hatten. Ausschlaggebend war insbesondere, dass die Organisation sich „[g]egen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“ aussprach. Bei näherer Betrachtung des Kongressprogramms wurde offensichtlich: gemeint war nicht die Diktatur im herkömmlichen Sinne. Gegenstand des Aspektes sollte wahrhaftig die im Staat verankerte Demokratie sein, wie sie z.B. in der deutschen Verfassung steht, unter der du und ich leben.
Dass sich am rechten Rand der Kirche einiges tut, damit sind Christiane Florin und ihre Kollegen vertraut, sowie die Begabung einiger Gläubiger „Demokratien mit ihren Kompromissen und Mehrheitsentscheidungen mal eben zu einer „Diktatur des Relativismus“ umzudeuten“, nachvollziehen können und – vor allen Dingen – so eine Meinung zu publizieren und repräsentieren, müssen sie deswegen aber nicht.

Ich verwende an dieser Stelle bewusst den Ausdruck „repräsentieren“, da dies für viele Leser – oder sollte man lieber sagen Nicht-Leser? – nichts anderes darstellt. Man könnte meinen, dass eine Zeitung und ihr Team nicht verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen, die sie abdrucken, gemacht werden, da diese für sie bloße Finanzierungsmittel darstellen. Und doch treffen immer mehr Leserbriefe ein, die Bezug darauf nehmen und sich bei der Redaktion beschweren.
So gab es sogar zum Nicht-Veröffentlichen besagter Anzeige geradezu einen „Shitstorm“, der die völlig überrumpelte Frau Florin erreichte. Schuld waren verschiedene Homepages und Blogs, welche negativ über das Ablehnen berichteten und somit die eigenen Leser und eigentliche Nicht-Leser der Zeit auf die Redaktion und ganz im Besonderen auf die Redaktionsleiterin hetzten.
Die Folge war eine Flut aus persönlichen und unprofessionellen Beleidigungen.
Doch die Redaktion war der Meinung, dass „sich [auch] Journalisten nicht alles gefallen lassen müssen“ und beschloss kurzerhand die Zuschriften, die sie erhalten hatten, unzensiert und unter Angabe des Verfassers zu veröffentlichen. Da sie diese auf dem Weg der Leserbriefe erhalten hatten und mit einem Großteil der Urheber auch noch einmal Rücksprache hielten, welche zum Teil mehr als stolz darauf waren, wie sie ihre Einstellung kundgetan hatten, verletzten sie damit keine Persönlichkeitsrechte und das einzige Ergebnis lag in bereits erwähnter noch größerer Aufmerksamkeit.
Doch im Gegensatz zu den anfänglichen ausschließlich negativen Reaktionen, durfte Christiane Florin sich diesmal besonders über eine riesige Fülle an zustimmenden, mitfühlenden und Beifall-klatschenden Antworten erfreuen, diesmal von den Originallesern der Zeitung signiert.

Und wer zuvor noch an der verwerflichen Verwendung und Auslegung des Begriffs „Meinungsdiktatur“ zweifelte, soll sich einmal die Reaktionen der Fürsprecher durchlesen. Wie Christiane Florin ganz richtig feststellt: „Ein Wort, das solche Verteidiger hat, lehnen wir ab.“

 

 

 

 

Quellen

Christ & Welt – „Wir Meinungsdiktatoren“

Christ & Welt – „Wir Meinungsdiktatoren 2“

Christ & Welt – „Sie kotzen mich an“

Sueddeutsche.de

Schlagwörter: ,

Karnickel-Gate

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik, PrintmedienKommentare deaktiviert für Karnickel-Gate

Katholiken sollen sich nicht wie die Karnickel vermehren. Bei drei Nachkommen solle Schluss sein, mit dem eigenen Nachwuchs müsse man Maß halten und so positiv dazu beitragen, dass die Weltbevölkerung nicht weiter so unportional ansteige wie bisher. Mit diesen Worten hat Papst Franziskus unter der Woche für Furore gesorgt. Auf der einen Seite sorgte er für einige Lacher, für nickende, zustimmende Köpfe. Auf der anderen Seite rief seine Äußerung Unmut hervor, vor allem unter Kaninchenzüchtern.

Ausgangspunkt war sein medienwirksamer Besuch auf den Philippinen. Auf dem Rückflug von Manila nach Rom erklärte er sich vor anwesenden Journalisten, äußerte sich besorgt zur enorm hohen Geburtenrate auf den Philippinen und der damit durchaus auch zumindest indirekt in Beziehung stehenden Armut. Wichtigstes Stichwort seiner Ausführungen war das katholische Konzept der „verantwortenden Elternschaft.“

Die „verantwortende Elternschaft“ entwirft das Idealbild einer katholischen Familie in einem Elternpaar mit drei Kindern. So umgehe man das Problem, das auf den Philippinen herrscht, nämlich die Überpopulation, gleichzeitig reagiere man aber auchauf erschreckende Prognosen, die in der in den Industrienationen immer weiter sinkenden Geburtenrate  ein Risiko für das gesamte Rentensystem sehen, und das schon in wenigen Jahren. Im konkreten Beispiel Italien müsse man Stand jetzt damit rechnen, dass schon 2024 die Altersvorsorge nicht mehr zu stemmen wäre.

So spricht er ein durchaus relevantes Thema an, das in vielerlei Hinsicht Grund zur Sorge gibt. Die Zahl der in Armut lebenden Menschen steigt immer weiter an, während die Vermögenskonzentration voranschreitet. Erst in dieser Woche machte der Oxfam-Armutsbericht das deutlich: Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt über 50 Prozent des Weltvermögens. Doch statt sich mit den durchaus überdenkenswerten Grundthesen seiner Ansprache zu beschäftigen, wurde ein ganz anderes Fass aufgemacht. Franziskus hatte sich nämlich erdreistet, die gesamte Gattung der Kaninchen in ein völlig falsches Licht zu rücken.

Die Aussage des Kirchenoberhauptes noch einmal im Wortlaut: „Einige glauben – entschuldigt bitte das Wort -,um gute Katholiken zu sein müssen wir sein wie Kaninchen, nicht wahr? Nein.“ Das konnte der „Chef der deutschen Rasse-Kaninchenzüchter“ Erwin Leowsky natürlich nicht auf sich sitzen lassen und sorgte mit seiner öffentlichen Kritik an den Worten des Papstes für ein hohes mediales Echo. Das Sprichwort „vermehren wie die Karnickel“ sei völlig überholt und treffe nur auf in der Wildnis lebende Tiere zu. Die Fortpflanzung von Zuchttieren laufe in völlig geordneten Bahnen. Bei ihm würde „ein weibliches Tier höchstens zwei Mal im Jahr belegt“.

Nun, es mag zutreffen, dass man in diesem Fall nicht von ungeordneter Fortpflanzung sprechen kann. Der Grund hierfür liegt allerdings in der menschlichen Kontrolle, die den Tieren ihre gattungsgegebenen Instinkte abtrainiert. Zieht man einem Hund am Tag vierundzwanzig Stunden lang einen Maulkorb an, bellt er auch nicht mehr. Trotzdem wird man sagen dürfen, dass Hunde in aller Regel doch bellen.

Eigentlich gibt es weitaus wichtigere Diskussionen, die mit dem angesprochenen Thema einhergehen. Wieso findet Verhütung in der katholischen Kirche im 21. Jahrhundert weiterhin keinen Platz? Warum entwirft man stattdessen merkwürdige Konzepte, die Menschen vorschreiben sollen, wie viele Kinder sie zu gebären haben? Und wieso finden diese Fragestellungen in medialen Diskurs kaum mehr Platz? Vielleicht, weil sie nicht neu sind. Schon seit Jahrzehnten monieren Kritiker das Kondomverbot der Kirche. Dass es allerdings zum Duell Kaninchenzüchter versus Papst kommt, das ist neu. Und scheinbar äußerst interessant.

Schlagwörter: , , , , , , ,

Können sich Printmedien doch am Leben halten?

geschrieben von in Printmedien1 Kommentar »

Seit vielen Jahren hört man immer wieder: „Die Printmedien sterben aus!“ Es gibt einen guten Grund dafür, dass diese Aussage der Realität entspricht: Z. B. hat das gedruckte Wort einen Mangel an Flexibilität. Auch die hohen Kosten, welche durch einen spontanen und aktuellen Druck entstehen, werden als sehr unvorteilhaft angesehen. Warum also sollte man eine Zeitung drucken und ausliefern lassen, wenn dies Online viel preiswerter und aktueller ist?

Die Verfallsprognosen von opendatacity.de zeigen allerdings, dass die Printmedien nicht am aussterben sind und dass man zwischen den verschiedenen Blättern differenzieren muss.

Open-Data-City ist eine Agentur für Datenjournalismus und Datenvisualisierung. Sie recherchieren und bearbeiten große Datenmengen aus journalistischer Sicht.

Laut ihrer Publikation zu dem Thema „Zeitungssterben in Deutschland“ sind vor allem Magazine von einem natürlichen Zerfallsprozess betroffen.

Nennenswerte Beispiele wären der „Focus“ mit einer Halbwertszeit von 15 Jahren, die „Brigitte“ mit 18 Jahren, der „Stern“ mit 20 Jahren und der „Spiegel“ mit einer Halbwertszeit von 31 Jahren.

Allgemein betrachtend kann man aus der Open-Data-City-Prognose entnehmen, dass sich vor allem Programm- und Jugendzeitschriften nicht mehr lange im Geschäft halten werden können. Die Halbwertszeit der Programmzeitschrift „TV Spielfilm“ beträgt 10 Jahre, die Halbwertszeit der Jugendzeitschrift „Mädchen“ 12 Jahre und die der „Bravo“ nur 8 Jahre.

Hier hingegen geht es den Wochen- und Sonntagszeitungen relativ gut: Die „Frankfurter Allgemeine“ hält sich mit einer Halbwertszeit von 54 Jahren und der „Tagesspiegel“ mit 31 Jahren.

Fragwürdig bleibt allerdings, in wie weit die Prognosen von Open-Data-City der Wahrheit entsprechen oder nicht. Denn durch die Digitalisierung entstehen immer mehr neue Medien, die die Printmedien anscheinend ersetzen beziehungsweise in den Hintergrund drängen.

Wir dürfen jedoch nicht nur die Nachteile der Printmedien betrachten. Es gibt kein Medium beziehungsweise keinen Kommunikationskanal, der mehr Aufmerksamkeit beim Betrachten dem Kunden entlockt, als das gedruckte Blatt. Design und Ästhetik werden hier natürlich in den Vordergrund gestellt: Umso attraktiver die Aufmachung eines Blattes, desto stärker wird das Interesse der Kunden geweckt. Für viele Menschen ist es immens wichtig, eine Zeitung beim Lesen in der Hand zu halten. Es gibt ihnen ein ganz besonderes Gefühl, dass sie nicht durch ein neues Medium ersetzen möchten. Dies betrifft vor allem die jahrelangen Nutzer der Printmedien.

Zusätzlich muss man bedenken, dass es einen großen Unterschied zwischen den Journalisten der Printmedien und der Journalisten im Internet gibt: Wenn ein Beitrag für ein gedrucktes Blatt verfasst wird, durchläuft er viele Phasen der Korrektur, damit es nur zu seriösen und wahrheitsgerechten Artikeln kommt. Online hingegen kann jeder Texte verfassen und veröffentlichen, der nichts mit professionellem Journalismus zu tun hat.

Man sollte nicht vergessen, dass die Printmedien allgegenwärtig noch sehr präsent sind und ein wichtigen Meilenstein für die Entwicklung der Medien beigetragen haben.

 

Quellen:
http://www.netzpiloten.de/opendatacity-verfallsprognose-fuer-printmedien/#more-61688

https://opendatacity.de/project/zeitungssterben-in-deutschland/

http://meedia.de/2015/01/05/und-wann-stirbt-ihre-zeitung-open-data-projekt-sagt-halbwertszeit-von-printmedien-voraus/

http://artplatz.berlin/2014/11/06/im-wandel-der-printmedien/

http://apps.opendatacity.de/zeitungssterben/brigitte

Schlagwörter: ,

Einmal Werbung, bitte

geschrieben von in Fernsehen, Zeitschriften1 Kommentar »

Die Werbung ist ein steter Begleiter auf all unseren Wegen, aber ist das überhaupt nötig?

Wir lesen ein Magazin und überblättern die Werbung einfach. Während der Werbepause im Film gehen wir auf die Toilette. Kommt im Radio Werbung, schalten wir einfach um. Und wenn wir durch die Stadt laufen, nehmen wir die Werbung auf Bussen und Plakaten nur flüchtig wahr. Wozu also das Ganze, wenn sich anscheinend kaum einer darum schert?

Dazu kommt, dass die Unternehmen für ihre Werbung teuer zahlen müssen. Denn immerhin zahlt man für eine DinA4 Anzeige in einer bekannten Zeitschrift wie zum Beispiel „Stern“ oder „Der Spiegel“ ab 58.000€. Werfen wir dann einen Blick auf die Werbeeinnahmen der Fernsehindustrie, so steigen die Preise stark in die Höhe. Die öffentlich-rechtlichen Sender halten sich noch in einem gewissen Rahmen: Bei ZDF zum Beispiel kann man ab 3600€ eine Werbeeinheit senden. Die Privaten sind meist wesentlich teurer.

Warum werben Unternehmen dann?

Weil wir unbewusst doch auf die Werbung reagieren. Die Werbebranche verfügt über diverse ausgefeilte Techniken. Werbesprüche, Logos und Clips sind besonders auffällig gestaltet, sodass sie auch nur bei beiläufiger Wahrnehmung ihre Wirkung haben. Die Information rückt dabei immer weiter in den Hintergrund, während die Unterhaltung eine größere Rolle spielt. Die Kunden sollen gelockt werden, und das funktioniert durch Konditionierung. Man erweckt in der Werbung den Eindruck, das Produkt verleite zu einem besseren Zustand als dem jetzigen –  zum Beispiel das Parfum, das eine unwiderstehliche Wirkung auf das andere Geschlecht hat.

Das ist also die eine Seite der Werbung, die uns mit verschiedenen Tricks und Methoden zum Kaufen verführen soll. Aber auf der anderen Seite funktioniert die Werbung auch als Finanzierung.

Wie würden sich Zeitschriften finanzieren, vor allem im Zeitalter der Digitalisierung, wenn sie ihre Einnahmen nicht aus der Reklame bekämen, sondern nur von den Lesern? Diese müssten dann sehr hohe Preise zahlen und das würde wahrscheinlich keiner tun.

Also können wir sicherlich alle damit leben, in einer Zeitschrift mal ein paar Seiten zu überblättern, wenn wir dafür nicht so viel bezahlen müssen. Nur gilt es, Werbung mit einem geschärften Blick zu bemerken, damit man nicht auf einfache Werbepsychologie hereinfällt.

 

Quellen:

https://www.mediadaten-online.com/mediadaten/tarife/publikumszeitschrift/aktuelle_illustrierte/s/stern/titel_18420.html

http://kommunikationsabc.de/2011/10/20/print-hoerfunk-fernsehen-was-kostet-werbung/

http://www.movie-college.de/filmschule/medien/tv-werbung.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Werbepsychologie

Schlagwörter:

C’est l’encre qui doit couler, pas le sang.

geschrieben von in Allgemeines, Internet und Politik, Medien und Politik, Nachrichten, Zeitschriften1 Kommentar »

Maskierte Männer, verwackelte Bilder, dann Schüsse.

Solidarische Karikaturen aus der ganzen Welt

Seit gestern Morgen macht ein grausiges Video die Runde: Von einem Privatgerät aus gefilmt, zeigt es die regelrechte Hinrichtung eines Polizisten auf offener Straße in Paris. Wer die Nachrichten mitverfolgt hat, weiß um was es geht. Gegen 11.30 Uhr am Mittwoch riss ein schreckliches Ereignis die französische Hauptstadt aus dem alltäglichen „traintrain“: Drei Unbekannte stürmten das Redaktionsgebäude der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und eröffneten das Feuer auf die Mitarbeiter. Einige der potenziellen Opfer fanden auf dem Dach des Pariser Gebäudes Schutz, doch für Direktor Stéphane Charbonnier und weitere elf Menschen war jegliche Flucht unmöglich. Der Zeichner, bekannt unter dem Namen „Charb“, sowie weitere Künstler und Polizisten fielen den Kalaschnikows der Täter zum Opfer und überlebten das fünf-minütige Blutbad nicht.

Es war die blutigste Attacke seit dem Zugattentat im Jahr 1961, die Frankreich gestern zerüttete. Die Bilder, die per Handy von Augenzeugen aus dem elften Arrondissement im Zentrum der Stadt aufgenommen wurden, erinnern nicht zu Unrecht an die Hinrichtungsvideos der Terrororganisation IS: Immer wieder erklingen Ausrufe wie „On a vengé le prophète!“ („Wir haben den Propheten gerächt!“) und „Allah Akbar“ („Allah ist der Größte“) seitens der Schützen. Viele Experten sind sich sicher: Es muss einen islamistischen Hintergrund für diese genauestens geplante Attacke gegeben haben. Nicht zum ersten Mal hatte das linksgerichtete Magazin den Zorn von Muslimen und Gläubigen auf sich gezogen: Immer wieder hatte die Redaktion des „Charlie Hebdo“ islamkritische Artikel und Karikaturen veröffentlicht, am Tag des Attentats selbst zierte eine Zeichnung zum thematisch passenden Roman von Skandalautor Michel Houellebecq das Cover der Zeitschrift. Makaber: Als hätte der Verfasser es geahnt, so steht auf Seite 7 des Heftes auf die Frage nach ausgebliebenen Attentaten in Frankreich die islamistische Antwort „Warten Sie es ab! Wir haben ja bis Ende Januar, um die Feiertagsgrüße zu überbringen“. Es sollte wohl früher schon zur Bestätigung dieser Aussage kommen…

Bereits seit 1969 reizt das Magazin mit dem Untertitel „Journal irresponsable“, also verantwortungslose bzw. unverpflichtete Zeitung, Vertreter jeglichen Standpunktes: Egal ob Politiker, Rechtsradikale oder eben Muslime, niemand blieb bisher vom Spott verschont. Höhepunkt der Provokation waren aber sicherlich die weltweit bekannt gewordenen Mohammed-Karikaturen, welche die Seiten der Zeitschrift mit Sprüchen wie „Es ist hart, von Idioten geliebt zu werden“ zierten. Zur Folge hatten diese nicht nur Morddrohungen an die einzelnen Redakteure, sondern ebenfalls eine Brandattacke auf das damalige „Charlie Hebdo“-Gebäude im November 2011.

Die Annahme, dass der Angriff eine Reaktion auf die satirischen Darstellungen des Magazins war, bestätigen wohl am besten die schockierenden Szenen in den aufgenommenen Videos. Vermutlich seien die Täter Rückkehrer aus den Syrien- und Irak-Kämpfen, so Experten, denn ihr geschulter Umgang mit den Schusswaffen zeuge von Erfahrung mit Militär- oder Guerillaoperationen. Es gibt jedoch auch jene, die alternative Theorien im Netz vertreten: So unter anderem die für ihre politisch-kritischen Aussagen bekannte Aktivistengruppe Anonymous, welche die Gräueltat online als eine angezettelte „False-Flag-Operation“ bezeichnet, mit dem Hintergedanken Europa innenpolitisch zu destabilisieren. Wer die Auftraggeber sind und welchem Ziel diese Attacke dienen soll, wird sich hoffentlich bald herauskristalisieren. Momentan läuft die Suche nach den  Schuldigen auf Hochturen, neben über 3000 Polizisten fahndet ebenfalls die Anti-Terror Spezialeinheit Raid nach den flüchtigen Verdächtigen Cherif und Said Kouachi. Neben den beiden Brüdern, welche durch einen im Fluchtwagen gefundenen Personalausweis identifiziert werden konnten, soll ebenfalls der 18-jährige Hamid M. an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein. Dieser hielt sich  zur Tatzeit jedoch in seiner Schule auf und stellte sich nach mehrfacher namentlicher Erwähnung in sozialen Netzwerken der Polizei.

Auch wenn vieles an den Geschehnissen des 7. Januars zwielichtig erscheint, eine Sache müsse jedoch verdeutlicht werden, so die Rede von Präsident François Hollande am Ort des Verbrechens:

„Une attaque contre un journal, c’est une attaque contre la liberté d’expression. (…) Nous devons réagir avec fermeté, mais avec le souci de l’unité nationale (…). Nous sommes dans un moment difficile (…), nous savions que nous étions menacés, car nous sommes un pays de liberté.“

Kurz: Ein Angriff auf eine Zeitung sei einem Angriff auf die Redefreiheit gleichzusetzen und diese Tat werde nicht unbestraft bleiben. Frankreich sei ein freies Land, das besonders in solchen Krisenzeiten auf Zusammenhalt setzen müsse, so Hollande. Als Maßnahme wurde die Terror-Alarmstufe („plan vigipirate“) heraufgesetzt und weitere französische Medien, unter anderem die Redaktion der France 2, unter Polizeischutz gestellt.

Nicht nur internationale Politiker drückten den Opfern und Betroffenen ihr Mitgefühl aus, auch im Internet verbreitet sich die Empathie-Welle rasant: Soziale Netzwerke wie Instagram und Tumblr werden seit gestern dominiert von Posts mit den Schlagwörtern #JeSuisCharlie und #CharlieHebdo, und auch bei Facebook zeigen die Menschen ihre Anteilnahme durch Sharen und Posten von „Je suis Charlie“ Beiträgen und Bildern. Besonders Aufgerüttete drücken ihre Unterstützung der Rede- und Pressefreiheit durch Veröffentlichen von den im Magazin gedruckten Mohammed-Karikaturen aus und sammeln sich am heutigen Gedenktag in vielen europäischen Städten. Was der satirischen Presse wohl einen zerschmetternden Schlag versetzen sollte, ermutigt nun Journalisten, Künstler und Laien weltweit genau zum Gegenteil: Die Ausrufe nach dem Recht sich frei auszudrücken, auch in Medien, erhallen trotz allgemeiner Angst vor ähnlichen Anschlägen rund um den Globus und verstärken den Respekt vor jenen, die sich getraut haben, die kritischen Worte ebenfalls öffentlich zu machen.

„Ils voulaient mettre la France à genoux, ils l’ont mise debout!“, so die Devise eines Frankreichs, das jetzt in diesen traurigen Tagen mehr denn je  als vereinte Nation aufsteht und sich dieser Form von Unterdrückung widersetzen will.

"Je suis Charlie"

„Je suis Charlie“: Fassungslosigkeit am Gedenktag in Paris

 

Quellen:

http://www.rtl.lu/international/597084.html

http://www.spiegel.de/

https://www.facebook.com/Anonymous.Kollektiv/posts/835560656490396:0

http://www.charliehebdo.fr/index.html

http://www.zeit.de/kultur/2015-01/charlie-hebdo-charb-geschichte

Schlagwörter: , , , , ,

Sensationell! Bild unaufhaltsam auf Siegesmarsch!

geschrieben von in Printmedien1 Kommentar »

Seit ihrer Erstauflage am 24. Juni 1952 entwickelte sich die im Axel Springer Verlag erscheinende Bild von einer zunächst kostenfreien Zeitung zu einem Giganten unter den Printmedien. So wurden 2014 insgesamt 2.435.404 verkaufte Auflagen täglich verzeichnet.(http://de.statista.com/statistik/daten/studie/73448/umfrage/auflage-der-ueberregionalen-tageszeitungen/). Eine beeindruckende Statistik, doch stellt sich die Frage, was die Bildzeitung aus der Masse der Printmedien herausstechen lässt. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Ein Aspekt, welchen sich die Bildzeitung sowie die Boulevardpresse generell zu nutzen macht, lässt sich anhand eines Beispiels verdeutlichen: mit der zugegeben ziemlich reißerisch gewählten Überschrift ist es gelungen, Ihre Aufmerksamkeit auf den vorliegenden Eintrag zu lenken, da angesichts der (scheinbaren) Sensationsmeldungen das Interesse daran erweckt wurde, welcher Inhalt hinter der Überschrift stecken mag. Diese Vorgehensweise charakterisiert ebenso die Boulevardpresse. Sie erweckt die Aufmerksamkeit ihrer potenziellen Kunden durch kurze, prägnante, reißerische Blocküberschriften („Wir sind Papst“, Bildzeitung am 20. April 2005) sowie auffallende visuelle Elemente. Da sich die Boulevardpresse größtenteils über den Einzelverkauf absetzt und nicht im Abonnement verfügbar ist, besteht die Notwendigkeit, die Neugier der Leser täglich aufs Neue zu erwecken.

Ein weiterer Grund, weshalb die Bildzeitung ein solches Spektrum an Interessenten aus allen gesellschaftlichen Schichten in ihren Bann zieht, ist neben ihrer optischen Aufmachung insbesondere die thematische Gestaltung. Während vergleichbare Inhalte in anderen Tageszeitungen sachlich und informativ aufbereitet werden, appelliert die Boulevardpresse an die Sensationslust ihrer potenziellen Leser („Fluch der Neugier“, http://www.zeit.de/2011/29/01-Medien-Abhoerskandal). Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen aus diesem Grund oftmals Themen, die für jedermann leicht zugänglich und verständlich sind und welche insbesondere auf die Emotionen der Leser abzielen. („Die Beiträge appellieren an Neugier und Sensationslust und zielen durch schockierende, dabei leicht konsumierbare Sex-and-Crime Storys, Skandale, Promi-Dramen sowie kuriose Geschichten auf die Emotionen der Leser“, aus „Presse in Deutschland“, Pürer/Raabe)

Abschließend lässt sich sagen, dass die Meinungen über die Boulevardzeitungen weit auseinander gehen mögen, doch es steht außer Frage, dass das simple Erfolgskonzept der Bildzeitung seit über 60 Jahren aufgeht.

Und der Theodor-Wolff-Preis 2015 geht an…

geschrieben von in Allgemeines, Printmedien, QualitätKommentare deaktiviert für Und der Theodor-Wolff-Preis 2015 geht an…

Es ist wieder soweit. Bis zum 16.02.2015 haben die Journalisten Deutschlands noch Zeit sich mit einem Artikel ihrer Wahl zu bewerben.

Seit 1962 nun ist es dem Journalisten vertraut – wer den Theodor-Wolff-Preis verliehen bekommt, wird eine große Ehre zuteil. Die Bedingungen: Der Beitrag des hauptberuflichen Journalisten muss im Vorjahr online oder gedruckt in einer deutschen Tages-. Sonntags- oder politischen Wochenzeitung veröffentlicht worden sein.
Honoriert wird hierbei aber nicht der bloße Text. Der Fokus der Jury, welche aus 9 anerkannten Chefredakteuren und Autoren aller Art besteht, liegt auf der Leistung, die Öffentlichkeit auch heute noch auf die journalistische Bedeutung und Verantwortung in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen.
Die Preise von jeweils 6000 Euro werden in der Regel an fünf Journalisten vergeben, dabei gibt es jeweils zwei in den Kategorien „Lokaljournalismus“ und „Reportage/Essay/Analyse“, sowie einen im Rahmen „Meinung/Leitartikel/Kommentar/Glosse“. Und alle paar Jahre wird zusätzlich ein verdientes „journalistisches Lebenswerk“ ausgezeichnet.

Erinnern soll die Verleihung an den langjährigen Chefredakteur des Berliner Tageblatts. Der jüdisch geborene Theodor Wolff begann seine Karriere mit einer kaufmännischen Lehre bei der Tageszeitung, ursprünglich von seinem Cousin Rudolf Mosse geleitet, und ließ ihr Ansehen in seiner Zeit dort beträchtlich wachsen. Durch seine Korrespondenz in Frankreich lernte er Parlamentarisierung und Demokratisierung schätzen und das Berliner Tagesblatt wurde in Deutschland für seine Fortschrittlichkeit und Liberalität bekannt. Außerdem gründete er die „Deutsche Demokratische Partei“ und sprach sich in der Politik regelmäßig öffentlich gegen die Ziele der damaligen NSDAP aus. 1933 floh er unter Lebensgefahr ins Ausland, wurde allerdings nicht viel später verhaftet und starb letztendlich in der Gewalt der Gestapo. Seine Werke wurden noch zu seinen Lebzeiten öffentlich verbrannt.

Seit 1973 wird der Preis von dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger gestiftet.
Im vergangenen Jahr waren die glücklichen Gewinner in der Kategorie „Lokaljournalismus“ Johannes Ehrmann vom Tagesspiegel mit seinem Bericht „Wilder, weiter, Wedding“ über einen Berliner Stadtteil und Benjamin Piel von der Elbe-Jeetzel-Zeitung, der mit „Bettys erstes Mal“ ein Projekt vorstellt, in dem behinderte Menschen an sexuelle Erfahrungen herangeführt werden.
In dem Gebiet „Reportage/Essay/Analyse“ durften Kai Strittmatter der Süddeutschen Zeitung mit seiner Auslandsreportage „Wolfskind“ aus der Sicht eines chinesischen Kindes über die Kulturrevolution und Kerstin Kohlenberg von der Zeit mit ihrem Artikel „Aufnahme läuft!“ über die anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten einer Filmproduktion sich freuen.
Peter Unfried von der tageszeitung erhielt die Ehrung mit seinem Bericht „Auf der Suche nach Adorno“ über die Vorurteile des Bildungsbürgertums in der Kategorie „Meinung/Leitartikel/Kommentar/Glosse“.
Und schließlich wurde noch Rudolph Chimelli ebenfalls von der Süddeutschen Zeitung für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Nun geht es in eine neue Runde. Die Wahlurnen sind offen für jedermann. Auch ein Vorschlag durch einen Dritten, etwa den Verleger oder Chefredakteur, ist möglich. Also lasst die Spitzer warmlaufen, das Blatt bereit gelegt und ran an die Stifte, liebe Schreiberlinge!
Wir sind gespannt, wenn es im Mai wieder heißt…

„Und der Theodor-Wolff-Preis 2015 geht an…“

 

 

 

Quellen

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger – Die Ausschreibung (07.01.2015)

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger – Preisträger (07.01.2015)

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger – Jury (07.01.2015)

Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger – Theodor Wolff (07.01.2015)

Süddeutsche Zeitung (07.01.2015)

Wikipedia (07.01.2015)

Schlagwörter: , ,

Die blonde Flut: Blondinen auf TV-Zeitschriften

geschrieben von in Fernsehen, Medienkritik, Zeitschriften1 Kommentar »

Fernsehen.
Eine der liebsten Beschäftigungen der Deutschen. Und einige von uns besitzen sie noch: die Fernsehzeitschrift. Auch wenn dieses Format im Zeitalter des Internets zunehmend untergeht. Doch aus Trotz gegen die steigende Verinternetisierung der Gesellschaft oder einfach nur aus Gewohnheit ist das Format der Fernsehzeitschrift noch nicht völlig untergegangen und immer noch in einigen Haushalten zu finden.

Was beim scannenden Blick über die breite Zeitschriftenauslage im Fachhandel auffällt, ist nicht nur die große Angebotspalette der Fernsehzeitschriften, sondern auch die sich stark ähnelnden Cover:
1. Ohne Ausnahme sind auf allen Frauen abgebildet.
2. Diese Frauen sind auffallend oft (nahezu immer) blond und langhaarig.
3. Die meisten dieser Frauen tragen aufreizende Kleider oder Tops, die ihre (durch Photoshop verstärkten?) Kurven betonen und einen schönen Blick auf ihr Dekolleté bieten.
Eine Fernsehzeitschrift, deren Namen hier nicht genannt wird, hat es sogar geschafft, in den letzten Monaten ausschließlich Blondinen in weißer Kleidung abzulichten.
Wieso das Ganze? Wieso schaffen es nur lächelnde, makellose Blondinen auf die Cover, die sich alle sehr ähneln und austauschbar und langweilig wirken? Zwar findet man ab und zu doch noch einen Hauch von brünett auf einer Auflage, was einer Sensation gleicht, aber dann auch nur, wenn diese gerade in einem neuen Kinohit mitspielt und für steigende Verkaufszahlen sorgen könnte.
Die Verkaufsstrategie Blond scheint überall Einlass gefunden zu haben und wird konsequent durchgezogen. Mal etwas Abwechslung wagen, um aus der blonden Flut herauszustechen? Dies wäre wohl ein zu hohes Risiko. Wer kann denn auch wissen, ob sich die Zeitschrift mit einer Brünetten oder gar einer Schwarzhaarigen auf dem Cover überhaupt verkaufen würde? Lieber auf Sicherheit gehen und Altbewährtes weiter führen. Auch wenn das bedeutet, dass sich jede Auflage mehr und mehr ähnelt, jede Fernsehzeitschrift der anderen gleicht, da sie alle die gleiche Schiene fahren.
Bekanntlich gilt das Prinzip „Sex sells“, nicht nur auf den Covern unserer Fernsehzeitschriften. Also müssen natürlich perfekt scheinende, junge Frauen darauf abgebildet sein, die das Ideal unserer Gesellschaft repräsentieren sollen. Und Blondinen scheinen dabei eine gute Wahl, gelten sie doch als freundlich, strahlend, unschuldig und anziehend. Außerdem besteht bekanntlich das Klischee, dass Männer diesen Typ Frau besonders bevorzugen würden.

Man könnte diesen Trend durchaus als sexistisch bezeichnen. Wo sind denn all die Verfechter der Gleichberechtigung der Frau? Die haben sich wahrscheinlich alle auf die Frauenquote gestürzt, damit Frauen ja nicht wegen ihrer Führungsqualitäten, sondern lediglich zur Erfüllung der Quote eingestellt werden, eine zweifellos sehr erfolgreiche Methode.
Ein anderer -sinnvollerer?- Schritt zur Gleichberechtigung wäre doch, auch mal mehr Männer auf Fernsehzeitschriften abzubilden, schließlich wollen die Frauen doch auch mal einen schönen Anblick genießen können, und nicht nur die Männer. Oder man könnte versuchen, die Flut aus Blondinen zu durchbrechen und zu anderen Haarfarben übergehen, um etwas Abwechslung zu bekommen, sei es nun Braun, Schwarz, Rot oder gar Bunt. Schließlich sind diese Typen von Frauen auch Teil unserer Gesellschaft, und genauso schön und anziehend wie etwa Blondinen. Auch wenn das die Medienindustrie noch nicht ganz begriffen zu haben scheint.

Quellen:
http://www.dwdl.de/hoffzumsonntag/47491/blond_angenehm_abwaschbar_das_groesstmoegliche_nichts/ (03.01.15 18:10h)
http://konsumpf.de/?p=9798 (03.01.15 18:10h)
http://www.cafe-eloquent.de/blond-gut-tv-magazine-und-ihre-cover/ (03.01.15 18:20h)

Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO