#heimkommen: Ein Werbeclip der zu Tränen rührt?!

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Es ist Ende November in Deutschland, Weihnachtsmärkte haben eröffnet, Lichterketten werden aufgehängt, Adventskränze stehen bereit und auch in unseren Supermärkten finden wir wieder die beliebten Weihnachtsspezialitäten wie Lebkuchen, Spekulatius, Kinderpunsch, Gänsebraten und Co.

Aber gute Produkte müssen natürlich auch gut vermarktet werden. Am 28. November 2015 veröffentlicht die Supermarktkette „Edeka“ einen neuen Werbeclip unter dem Namen #heimkommen, der bereits nach nur einem Tag über 1 Millionen Clicks auf Youtube erzielt. Mittlerweile (Stand vom 1. Dezember) wurde dieser Werbespot schon über 7 Millionen Mal angesehen:

https://www.youtube.com/watch?v=V6-0kYhqoRo

Kurz zusammengefasst geht es in dem Werbespot um einen Opa, der jedes Weihnachten aufs Neue von seinen meilenweit entfernten Kindern versetzt wird. Verzweifelt schmiedet er einen Plan.  Um an Heilig Abend nicht wieder alleine essen zu müssen schickt er seinen Kindern seine eigene Todesanzeige. Diese reisen natürlich sofort trauernd nach Hause, um dort ihren quicklebendigen Vater zu finden. Neben einem festlich gedeckten Tisch ladet er mit dem Satz „Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen? Mmh?“ zur Feier ein.

Konsumenten, Social Media Kommentare sowie Kritiker sind gespaltener Meinung, was die Aussage des Spots angeht.

Antje Hildebrandt schreibt für „Die Welt“:

    „Mit #heimkommen hat Edeka den Bogen überspannt“ 

„Eins steht fest: Das Video ist abgrundtief geschmacklos.“

Hildebrandt frägt sich in ihrem Artikel, ob die Einsamkeit und der Tod in diesem Zusammenhang, in einer Weihnachtswerbung überhaupt genutzt werden dürfen. Die mediale Aufmerksamkeit, die die Hamburger Agentur Jung von Matt mit ihrem Werbespot für Edeka schafft, ist ihr ein Dorn im Auge. Ihrer Meinung nach ist der Spot ein direkter Angriff auf diejenigen, die Weihnachten wirklich alleine verbringen müssen.

Im „Tagesspiegel“ bestätigt Ute Burbach- Tasso, Sprecherin der Diakonie Deutschland, ebenfalls die Kenntnisnahme des Videos. Sie äußert sich zu dem Clip mit diesen Sätzen:

„Das trifft die Einsamkeit von vielen alten Menschen ziemlich gut“

„Ich hoffe, dass ganz viele Deutsche zu Weihnachten ihre Eltern besuchen.“

Feedback in den Sozialen Medien, sowie die Kommentare unter dem von Edeka veröffentlichten Youtube- Video vertritt die verschiedensten Standpunkte. „herzzerreißend“ „rührend“, „traurig“ und „makaber“ liest man am häufigsten. Allerdings trifft der Werbespot überwiegend auf Empathie, Verständnis sowie aber auch einem schlechten Gewissen gegenüber der eigenen Familie.

Ein Videobeitrag von RTL spricht auf weitere wichtige Punkte an. Laut einer von RTL hinzugezogenen Expertin wir der Tod als ungewöhnlich ernstes und trauriges Thema in dem Clip gezielt eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei geht es nicht nur um Aufmerksamkeit  für ein bestimmtes Produkt sondern vielmehr um Aufmerksamkeit für ein spezielles Image das Edeka sich aufbauen will. Eine von Emotionen bestimmte Werbung um aus der Masse herauszustechen.

Kritik hin oder her: Der Werbeclip hat seine Aufgabe mehr als erwartet erfüllt. Edeka ist vorerst im Gespräch. Das angesprochene Thema verdient Aufmerksamkeit, auch wenn es auf den ersten Blick nichts mit Edeka zu tun hat. der Zusammenhang von Tod Einsamkeit im Alter mit Weihnachten kann zwar als makaber angesehen werden, aber trotzdem sollten wir uns die „Moral der Geschicht“ merken.

Die Liebe und Einzigartigkeit der eigenen Familie sollten immer im Vordergrund stehen und geschätzt werden. Familie ist etwas ganz besonderes und nicht als selbstverständlich anzusehen. Diese Botschaft bleibt uns hoffentlich im Hinterkopf, wenn wir unseren diesjährigen Weihnachtsablauf planen.

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Das Darknet als Ausgangspunkt von Pädophilie

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Unter Pädophilie versteht man ein „auf Kinder gerichtetes sexuelles Verlangen“.

Das Medium Internet und insbesondere die sich in den letzten Jahren rasant entwickelten sozialen Medien bieten viel Platz für Anonymität sowie das problemlose Vorgeben einer falschen Persönlichkeit und das scheinbar ohne Konsequenzen. Die dem Darknet ähnelnden Plattformen stellen eine optimale Grundlage für Pädophilie im Internet dar.

So geben viele Menschen falsche Daten beispielweise bei Facebook oder Kosenamen in diversen Chatrooms an mit dem einzigen Ziel auf diese Weise unaufmerksame Teenager anzulocken und deren Leichtsinnigkeit auszunutzen. Dies ist auch ohne weiteres möglich, da die angegebenen Daten nicht auf Richtigkeit überprüft werden und folglich jeder die Möglichkeit hat, anzugeben, was er möchte.

Dass dies daher in vielen Fällen nicht mit der eigentlichen Erwartung übereinstimmt, zeigen viele Beispiele, bei denen Teenager unwissend auf Fake-Profile eingehen und deren Unwissenheit ausgenutzt wird. Sie treffen sich im realen Leben mit ihren Chatpartnern und es erwartet sie nicht immer das, was sie sich im Voraus vorgestellt haben. So stellt sich ein vermeintlich 18-Jähriger schließlich als 38-Jähriger heraus. http://www.spiegel.de/sptv/a-301244.html

Es gibt einige Selbstversuche von Personen, die eine falsche Identität eines jungen Teenagers vorgeben, um herauszufinden, wie viele und wie schnell Erwachsene auf Profile Minderjähriger eingehen. Binnen weniger Minuten nach Erstellen des Profils gehen einige Nachrichten ein. Die erwachsenen Chatpartner wollen von den Minderjährigen zumeist freizügige Bilder oder streben ein persönliches Treffen an, wobei der Altersunterschied für die Chatpartner keine Rolle spielt. Allein die Namen der Nutzer der Chatrooms sind teilweise eindeutig und zeigen bereits deren Intention. Die Erwachsenen legen ihr sexuelles Begehren offen dar und hoffen auf Einwilligung seitens der Minderjährigen. Es wird deutlich, dass es alles andere als schwer für Erwachsene ist, mit Minderjährigen Kontakt aufzunehmen. http://www.vice.com/de/read/chat-paedophilie-hallo-kleines-was-traegst-du-untenrum-401

Doch um das zu verhindern, versuchen einige Menschen die anonymen Identitäten aufzudecken, was jedoch auf gesetzlicher Ebene nicht in jedem der Fälle als legitim angesehen werden kann, vor allem wenn die Personen auf Erpressung zielen, um einen Nutzen daraus zu ziehen. Dies ist beispielsweise bei Loveandmercy, einem anonymen Darknet-Hacker, der Fall. Als vermeintlich 14-jähriges Mädchen in Chatrooms wartet er auf Nachrichten mutmaßlich Pädophiler, um auf diese Weise an möglichst viele persönliche Informationen dieser Personen zu gelangen, darunter Email-Adressen, Social Media-Accounts oder Handynummern, und diese schließlich zu veröffentlichen, wenn es zu keiner Geldzahlung kommt. Er sagt, dass er es den dafür zuständigen Ermittlungsbehörden nicht zutraue, „angemessen gegen die Verdächtigen vorzugehen“. http://motherboard.vice.com/de/read/ein-deepweb-hacker-jagt-um-sie-dann-zu-erpressen-247?utm_source=vicefbde&utm_medium=link

Sowohl der aufgeführte Selbstversuch als auch das eigenmächtige Aufdecken teils falscher Identitäten stellen allerdings keine Lösung des Grundproblems dar.

Ein bestehendes Problem, das eine Lösung erschwert, bildet die Tatsache, dass es zu viele solcher Profile gibt und es eigentlich nicht strafrechtlich verfolgbar ist, wenn Erwachsene Minderjährige anschreiben, doch das teilweise ohne verschleiernde Worte ausgedrückte Begehren sowie die Aufdringlichkeit müssten dies doch revidieren?

Allerdings scheint es unmöglich, dieses Problem gänzlich aus der Welt zu schaffen, da es zu einer stetigen Zunahme solcher Profile kommt. Jedoch können Eltern besonders Minderjähriger darauf achten, was ihre Kinder im Internet machen und beispielweise eine Software einsetzen, die unangemessene Inhalte filtert. Es gilt vor allem Kindern die Gefahren, die das Internet birgt, offen aufzuzeigen und keineswegs zu verheimlichen. http://www.bild.de/ratgeber/kind-familie/kindesmissbrauch/paedophilie-im-netz-akte-undercover-sat-1-29531322.bild.html

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Wut statt Vertrauen

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Deutsche Medien sehen sich immer mehr der Kritik ausgesetzt, dass sie nicht unabhängig und unglaubwürdig seien. Diese Begebenheit scheint keine kurzfristig Verdrossenheit von Einzelnen darzustellen, sondern macht einen großen Teil der Bevölkerung aus.

Der Begriff der ,,Lügenpresse“, welcher in der deutschen Geschichte des öfteren aufgetreten ist und wohl am stärksten bei Joseph Goebbels Nazi-Propaganda zum Vorschein trat, begibt sich wieder in den Sprachgebrauch vieler. Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass der Begriff nicht nur auf Pegida-Demonstrationen skandiert wird, sondern ein Fünftel der wahlberechtigten Bevölkerung in Deutschland ihn verwenden würde, wenn es um deutsche Medien geht.  Somit ist das Unwort des Jahres 2014, welches sonst vermehrt in rechten Kreisen verwendet wurde, wieder im Munde eines nicht zu vernachlässigenden Teils der Deutschen.

Das Vertrauen gegenüber den Medien ist in weiten Teilen der Bevölkerung tief erschüttert. Nur etwa die Hälfte der Bürger hält die deutschen Medien für glaubwürdig. Dies resultierte gerade aus Ereignissen, bei denen die Berichterstattung selbst starker Kritik ausgesetzt wurde. Im Falle des Ukraine-Konfliktes wurde die Glaubwürdigkeit und damit auch das Vertrauen in die Medien nachhaltig geschädigtFür 37% der Deutschen ist das Vertrauen in die Medien in den letzten Jahren gesunken.

Für ein konkretes, wenn auch extremes, Beispiel für Misstrauen sorgt der Bericht des ZDF morgenmagazins, welcher den Kontakt der Teilnehmer, der mittwöchlichen AfD-Kundgebung in Erfurt, mit der Moderatorin Dunja Hayali zeigt. Der gekürzte Bericht wurde aufgrund zahlreicher Zensur- und Manipulations-Vorwürfe nochmals in voller Länge auf Facebook und in der ZDF-Mediathek hochgeladen.

Sicherlich wird bei einer solchen Kundgebung kein objektiver Schnitt durch die deutsche Gesellschaft gezogen, jedoch ist bedenklich, dass Teile des Publikums einen verzweifelten Eindruck machen. Sie fühlen sich nicht verstanden und betonen, nicht etwa Nazis oder AfD-Anhänger zu sein, sondern dass ihnen ein Medium fehlt, das ihre Gedanken und Ängste vertritt.

Höchstwahrscheinlich ist das Gros der Teilnehmer einer solchen Veranstaltung nicht mehr belehrbar, jedoch sollte jeder aufschrecken, wenn das voranschreitende Misstrauen in Medien zum präferieren extremer Ansichten führt.

 

 

„Ich habe nur in einem Bildschirm gelebt und mir gewünscht, dass Leute mich wertschätzen würden“

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Vor ein paar Wochen verbreitete sich die Nachricht von Essena O’Neill, dass sie die Welt der sozialen Medien verlässt.
Essena war bekannt durch die berühmte Plattform „Instagram“, bei der Fotos hochgeladen werden und mit „Likes“ bewertet werden können. Der mittlerweile 19-jährigen Australierin folgten über 800.000 Leute, die ihre Bilder mit unzähligen solcher Likes versahen. Außerdem besaß Essena einen YouTube Account, der von 200.000 Leuten abonniert war und dessen Videos mindestens 100.000 Aufrufe hatten.
Viele Menschen, darunter hauptsächlich Mädchen, beneideten das „Instagram-Model“ und sahen zu ihr auf, da sie das vermeintlich „perfekte Leben“ führte und `“perfekt“ aussah.
Doch vor ein paar Wochen deckte Essena die Wahrheit über die Berühmtheit auf sozialen Medien auf. Sie nahm ein Video auf, indem sie erklärt, wie unwirklich die Welt der sozialen Medien ist und was es für Konsequenzen hat, eine solche Aufmerksamkeit und Berühmtheit auf Plattformen wie beispielsweise Instagram zu genießen.

„Alles was ich tat war für Klicks, Likes, für mehr Follower. Ich habe Shootings über mehrere Stunden gehabt, nur um Fotos für Instagram zu bekommen.“, heißt es von Essena in diesem Video. Die Welt, die über soziale Medien vermittelt wird, ist gestellt und unwirklich. Zwar sind sich dessen die meisten Nutzer bewusst, doch ist nicht abzustreiten, dass diese Bilder uns auch auf unterbewusster Ebene erreichen.
Essena gewann rapide an neuen „Followern“ und wurde auf Online-Plattformen immer bekannter. Irgendwann kontaktierten sie große Model-Agenturen von berühmten Marken und baten sie, für das Unternehmen zu modeln. Doch das ist nicht das Einzige, was die Unternehmen von Essena verlangten.
Essena erzählt in ihrem Video auch, wie Unternehmen ihr E-Mails schickten, indem sie ihr explizit vorgaben, was sie in ihrem nächsten YouTube-Video zum Produkt der jeweiligen Marke zu sagen hatte und wie sie es am besten platzierte.

“Unternehmen sind sich der Macht sozialer Medien bewusst und sie nutzen sie aus.“

Dass das Leben und die Welt im Netz gestellt ist, war mir persönlich klar. Aber dass dort auch Produktplatzierungen in so exzessivem Maße betrieben werden, war mir fremd.
Essena erklärt in ihrem Video weiterhin, dass sie dieses Statement für ihr 12-jähriges Selbst setzt. Denn als Essena 12 Jahre alt war, so erzählt sie, hatte sie das Gefühl wertlos und nicht hübsch gemäß den sozialen Standards zu sein. Sie war besessen von der Vorstellung, so zu sein wie die Mädchen, die sie im Internet und in den Magazinen sah. Sie habe sich Bilder von Models in Katalogen von berühmten Marken angeschaut und ihren Körper mit dem der Models verglichen. Ihrer damaligen Auffassung nach, war man nur glücklich und etwas wert, wenn die Internet-Welt einen kannte und begehrte.
Nun wendet sich Essena gegen diese Auffassung. „Ich verlasse die sozialen Medien um jedem, der das hier noch sieht, zu sagen, dass ich unglücklich war“, heißt es weiter in ihrem Video.
Denn Essena bemerkte für sich selbst, dass das Leben für andere Leute und sich durchgängig durch Zahlen zu definieren, kein glückliches Leben war. Daher beschloss sie, all ihre Accounts die sie im Netz hatte, zu löschen und sich von den sozialen Medien zurückzuziehen. Essena O'Neill
„Dich auf sozialen Medien zu beweisen, Fotos von dir zu machen in der Hoffnung Likes und Komplimente zu bekommen, darüber aufgeregt sein wieviele Likes du hast und wieviele Leute dir folgen… Das ist kein Leben und es ist nicht das, was dich glücklich macht.“

Essena ist nicht die Einzige Internet-Berühmtheit, die sich so fühlt.
„Ich habe Leute getroffen die online weitaus erfolgreicher sind als ich es bin und sie sind genauso unglücklich und einsam und verängstigt und verloren.“
Scheinbar scheint dies ein weiter verbreitetes Phänomen zu sein, als bekannt ist und viele der Leute, dessen Leben auf dem Bildschirm so perfekt aussieht, sind in Wirklichkeit trauriger, als man denkt.
In ihrem Video bittet Essena ihre Zuschauer weiterhin, raus zu gehen, reale Kontakte zu knüpfen und das Leben zu genießen es nicht nur als perfekt anzusehen, wenn es genügend Anerkennung im Netz findet.

Fazit

Die Berichte von Essena O’Neill über die sozialen Medien ist für mich ein weiterer Beweis dafür, dass Medien kein Abbild der Realität darbieten, sondern eine eigene, eine sogenannte „Medienrealität“ schaffen.
Man sollte Informationen und Bilder aus den Medien immer kritisch hinterfragen und sich, wie in diesem speziellen Fall, nicht von dem vermeintlich perfekten Leben auf Instagram blenden lassen.


Quellen:

https://www.youtube.com
http://www.huffingtonpost.ca/2015/11/02/essena-oneill-social-media-is-not-real-life_n_8455278.html
http://www.vh1.com/news/220547/essena-oneill-quits-social-media/

 

EinsPlus mit Sternchen – Das Ende eines Digitalsenders

geschrieben von in Fernsehen, Internet, Medienkritik1 Kommentar »

Auch in den schnelllebigen, sensationsaffinen Tagen des digitalen Zeitalters sollte hin und wieder Zeit gefunden werden, um kurz innezuhalten und „Danke“ zu sagen. Gerade dann, wenn es gilt die Dynamik des urgermanischen Lieblingsmediums Fernsehen – wenn auch im Kleinen – in voller Arbeit zu erleben und den in diesem unaufhaltsamen Fortgang am Straßenrand Sitzengebliebenen wehmütig hinterher zu winken. Die Rede ist hier vom Abschied vom ARD-Digitalsender EinsPlus, welcher voraussichtlich zum Beginn des sich mit großen Schritten nähernden Jahres 2016 gemeinsam mit der intellektuellen ZDF-Tochter ZDFkultur den Weg in die ewigen Jagdgründe der Television antritt (die SZ berichtete). Und so darf im folgenden wohl in zumindest annähernd berechtigt zu nennenden Maße – und selbstverständlich mit allem Respekt vor zuletzt genannter Theater- und Kulturplattform des Lerchenbergs – eine bescheidene Frage geäußert werden: Warum eigentlich ausgerechnet EinsPlus?

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Das EinsPlus-Logo seit dem Frühjahr 2012 im Graffiti-Style trägt nun Trauerflor. (Quelle: https://twitter.com/einsplus)

Der Anfang vom Ende

Die Entscheidung fiel bereits vor über einem Jahr, das heißt, um näher zu den öffentlichen und offiziellen Beweggründen der öffentlich-rechtlichen Programmdirektion zu gelangen, muss der Blick zurück in den vergangenen Oktober gehen. Dort entschloss sich die Ministerpräsidentenkonferenz zur Einstellung des 1997 als „einsMuXx“ ins Leben gerufenen und seitdem mit fast schon regelmäßig zu nennenden Facelifts, Konzeptumstellungen und sonstigen mehr oder weniger weitreichenden Veränderungen bedachten Digitalsenders; doch nicht etwa aus Gründen fehlender positiver Resonanz oder ähnlichen pragmatischen Anliegen, wie sie bei der in den letzten Jahren stark erfolgsverwöhnten und was die Programmgestaltung im Hauptprogramm angeht durchaus innovativ arbeitenden Agentur der Rundfunkanstalten zu vermuten wären.

Der eigentliche Grund von ARD und ZDF ist der bereits seit nunmehr fast einer Handvoll Jahren gehegte und in der Frage um seine mediale und vor allem konzeptionelle Beschaffenheit quasi über die gesamte Länge der zeit umstrittene öffentlich-rechtliche Jugendkanal. Die Zielgruppe der 14-30-Jährigen anzusprechen offenbart sich als Anliegen, wenn nicht sogar als Wunsch der ARD, genau wie zugleich auch des ZDF.

Letztgenannte Sendeanstalt sucht ihren Zugang zu dieser zugegebenermaßen , der extrem großen Dynamik in puncto Sehgewohnheiten und -vorlieben geschuldet und somit so oder so stark im Privatfernsehen verwurzelten, schwierig zu erreichenden peer group verstärkt im crossmedialen Ausbau von Unterhaltungs-, bzw. Comedy-Formaten. Bestes Beispiel dürfte hier die seit 2014 auffällig ausgedehnt und entsprechend präsent in Sozialen Netzwerken wie Facebook agierende „heute-Show“. Das Vorgehen des Ersten wiederum zeigt sich indes beinahe ironisch.

Analoge Frischzellenkur

Ironisch deshalb, weil man im Frühsommer 2012 ausgerechnet EinsPlus mit einer breit angelegten und mit einer breit angelegten und mit in der jungen deutschen Medienmacherszene durchaus namhaften Gesichtern ausgestatteten Programmoffensive zu verjüngen suchte – auf der einen Seite mit teilweise auch in 2015 mit beachtlichem Erfolg fortlaufenden Eigenproduktionen (etwa „Ausflug mit Kuttner“, dessen deren dritte Staffel 2016 wohl im ARD-Hauptprogramm ihren Platz finden wird, wie Kuttner selbst auf ihrer Facebook-Page bekannt gab), auf der anderen Seite mit der Förderung von aufstrebenden Formaten und dahinterstehenden Talenten wie dem inzwischen Grimme Preis-gekrönten Philipp Walulis („Walulis sieht fern“ nahm 2011 seinen Anfang im privaten Spartenfernsehen auf Tele5). Dazu kamen jährliche Konzertübertragen bzw. -zusammenschnitte von dem vom für EinsPlus federführenden SWR veranstalteten „New Pop Festival“ in Baden-Baden und den in den Zuständigkeitsbereich der Südwestfunk-Tochter DasDing fallenden Auftritten bei „Rock am Ring“.

Doch diese Art von medialer Frischzellenkur genügte allem Anschein nach noch nicht. Ein aufwendig ausgebautes Web-Angebot, programmbegleitende Korrespondenz auf Facebook und Twitter, sogar ein neues – leider im zweiten Jahrzehnt nach Ende der 1990er-Jahre leicht hölzern wirkendes – Senderlogo im Graffiti-Style konnten die im besagten Oktober 2014 entschiedene Entscheidung nicht aufhalten: Nein zum mediathekgestützten linearen Digitalprogramm, Ja zu einem öffentlich-rechtlichen Online-Jugendkanal.Wie ebendieser sich letztlich präsentieren und von etwaigen anderen, sich in Richtung der selben Zielgruppe neigenden Webangeboten unterscheiden wird, steht bis dato noch in den Sternen.

Jedoch wurde vor kurzem Staffel 2 der von Kritik und Publikum gleichermaßen überraschend positiv aufgenommenen, simultan auf Youtube und linear auf EinsPlus veröffentlichten Show „1080 NerdScope“ vom SWR in Auftrag gegeben; allein schon das Vertrauen der Öffentlich-Rechtlichen in drei der erfolgreichsten deutschen Youtuber (unter anderem den durch sein Merkel-Interview im Juli 2015 einer breiteren Masse bekannt gewordenen ‚LeFloid‘ alias Florian Mundt) lässt darauf schließen, dass ARD und ZDF ihre Chancen hier darin sehen, die inhaltliche und pragmatische Affinität der anzusprechenden Altersgruppe in Richtung Internet zu nutzen; sprich, dem Trend hin zum non-linearen Fernsehen  über Plattformen wie allen voran Youtube folgen werden.

Doch niemals geht man so ganz

Doch zurück zu EinsPlus. Da nun das Feststehende geklärt ist und der Lauf der Dinge nachvollziehbar oder zumindest offensichtlich wird, sollte dem Sender an sich dennoch eine gewisse Ehrung und das versprochene Dankeschön zu Teil werden. Nicht nur, weil es durchaus eine Leistung ist, in der schnelllebigen TV-Landschaft Deutschlands fast zwei Jahrzehnte allen Experimenten und Umstrukturierungen durch die Sendermutter ARD zu trotzen und in der Nische zu überleben – schließlich gilt dies in genau demselben Maße für EinsFestival und zumindest ähnlich für ZDFneo.

Auch nicht wegen sonderlich breit angelegter oder kreativer Programmplanung, welche sich leider zumeist in einem sehr hohen Maße an Wiederholungen und entsprechend wenig Aktualität niederschlägt; ein Umstand, den wiederum fast alle öffentlich-rechtlichen Digitalprogramme teilen und der wohl letztlich auch ZDFkultur um seinen fortwährenden Platz in der deutschen Fernsehlandschaft brachte.

Viel mehr ist es letztlich einzig und allein der Umstand, dass EinsPlus eine kleine aber feine Plattform für frisches (und nicht mehr ganz so frisches), junges deutsches Fernsehen war, beziehungsweise ist. Formate wie Klub Konkret (seit 2012), das Videospiel-Magazin Reload 2012-2014) oder die Infotainment-Show „Es geht um mein Leben“ (2012-2014) mit Pierre M. Krause sind ein guter und stichhaltiger Beweis dafür, dass lineares Fernsehen auch in den 2010er-Jahren entgegen aller Behauptungen nicht tot ist. Ein Umstand, der den Dank aller Liebhaber des gepflegten, klassischen Fernsehens verdient hat.

Deshalb im Namen aller jungen Menschen, deren Abwesenheit offenbar zum Ende von EinsPlus geführt haben: Es tut uns Leid, EinsPlus, und es liegt nicht an dir – das Internet ist schlichtweg attraktiver und wir können dich nicht richtig schätzen. Du hast getan was in deiner Macht stand; und das war wohl leider zu wenig für die modernen Tage, in denen wir leben.

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Attentate – Gerüchte, voreilige Schlüsse und ihr Einfluss auf die Menschen

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Seit geraumer Zeit, insbesondere seit den rezenten Ereignissen in Paris, sind wir beinahe täglich mit neuen Berichten von Attentaten, Verdächtigen, verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und, sieht man sich auf sozialen Netzwerken um, einer scheinbar wachsenden Angst konfrontiert.

Durch die eigentliche Wahrheitspflicht der Medien werden diese Meldungen von der Bevölkerung oft nicht hinterfragt – doch inwiefern kann man sich auf die Richtigkeit jener Meldungen verlassen? Wie oft handelt es sich um tatächliche Fakten und wann fangen Gerüchte und voreilige Schlüsse an in den Vordergrund zu treten?

Der folgende Artikel listet einige Beispiele auf, die die Wichtigkeit seriöser Recherche verdeutlichen.

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Die Tribute von Panem – Wie viel Realität steckt im Film?

geschrieben von in Fernsehen, Medienkritik1 Kommentar »

„Wenn dieser Film wirklich ein Überraschungserfolg aufgrund der guten Nachfrage bei den jungen Menschen unseres Planeten ist, dann ist nichts verloren, die Jugend ist ganz in Ordnung trotz IPhones und Twitter.“

So lautet eines von vielen Kommentaren zum derzeitigen Kinohit „Die Tribute von Panem“.

Der aus vier Teilen bestehende US-amerikanische Science-Fiction Film basiert auf der gleichnamigen Romantrilogie von Suzanne Collins und legte mit dem dritten Teil „Mockingjay 1“ den erfolgreichsten Kinostart 2014 hin. Schon der erste Teil „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ kam im Jahre 2012 auf ca. 2.125.312  Besucher in Deutschland, während der zweite Teil „Catching Fire“ es auf stolze 3.741.820 Besucher schaffte.
Allein in den USA spielte der erste Teil des dritten Films der „Tribute-von-Panem“-Reihe an seinem ersten Wochenende satte 123 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: Die nächsten 35 Filme zusammengenommen spielten nur die Hälfte davon ein.

Worum geht es?

Die Handlung des Films spielt im von Naturkatastrophen und Kriegen zerstörten Nordamerika in naher Zukunft. Das aus den Trümmern entstandene neue Land „Panem“ besteht aus einem Regierungssitz, dem Kapitol,  und den zwölf Randgebieten, den Distrikten. Seitdem sich die Distrikte in einem blutig niedergeschlagenen Aufstand gegen das Kapitol erhoben haben, verlangt der siegreiche Präsident Snow als Wiedergutmachung und Mahnung einen Tribut: Jedes Jahr werden aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren ausgewählt, die dann im Rahmen der als Medienspektakel inszenierten Hungerspiele gegeneinander antreten. Unter freiem Himmel, in der sogenannten „Arena“, müssen sich die jugendlichen Tribute solange bekämpfen, bis nur noch einer von ihnen lebt, der dann als ruhmreicher Sieger in seinen Distrikt zurückkehren darf.
Begleitet wird das ganze Spektakel von Kameras und einer TV Show, um den wohlhabenden Bewohner des Kapitols Unterhaltung darzubieten.

Bloß Sciencefiction oder Anlehnung an die Realität?

„Die Handlung, leider so wie in der realen Welt, erklärt: Die Reichen können für Geld alles kaufen. Es ist traurig mit ansehen zu müssen, dass es der alleinigen Unterhaltung dient, wenn „Menschen sich gegenseitig abschlachten müssen“ damit irgendwelche Reichen ein Unterhaltungsprogramm zu sehen bekommen.“

Die Vorstellung, dass Jugendliche brutal gegeneinander kämpfen, morden und  ihr Überleben sichern müssen, und es Menschen gibt, die dem aus Zwecken der Unterhaltung in Form einer Reality Show zusehen, klingt unvorstellbar grausam und irreal.
Auf den ersten Blick sind also keinerlei Parallelen zur heutigen Gesellschaft zu ziehen. Doch denkt man einmal tiefer darüber nach, wird schnell klar: So unwahrscheinlich ist dies gar nicht.
Schon von etwa 200 vor Christus bis Anfang des fünften Jahrhunderts nach Christus konnten Schaulustige während der Gladiatorenkämpfe im römischen Reich zusehen, wie Sklaven und Gladiatoren solange gegeneinander kämpften, bis einer von beiden starb. Und auch heute noch sind Schadenfreude und der Wille nach Unterhaltung fester Bestandteil des Fernsehpublikums. Zu sehen ist dies zum Beispiel an der Sendung „Big Brother“, in der Z-Promis sich rund um die Uhr von Kameras beobachten lassen, Challanges bewältigen müssen und versuchen,  ihren Platz im Big Brother Haus durch Zuschaueranrufe zu sichern.  Ähnlich läuft es in der umstrittenen RTL Serie „Das Dschungelcamp“. Auch hier werden nicht  ganz so prominente Promis von Kameras begleitet, während sie unter grenzwertigen Bedingungen im Dschungel mit dem Hunger kämpfen und ekelerregende Prüfungen ablegen müssen, in denen sie zum Beispiel jegliches Dschungelgeziefer oder andere tierische Körperanhänge verzehren müssen. Alles zur Unterhaltung der Zuschauer, die dann am Ende der Show für ihren Liebling anrufen, um seinen Verbleib im Camp zu sichern. Auch  im Film „Die Tribute von Panem“ haben die Tribute die Möglichkeit vor den Hungerspielen, auch in Form einer TV Show, Sponsoren für sich zu gewinnen.
Der Film soll jedoch nicht nur auf Unterhaltungsmedien aufmerksam machen, sondern auch auf gesellschaftliche Verhältnisse hinweisen.
„Was soll man von der Tatsache halten, dass einige Menschen ihre nächste Mahlzeit für selbstverständlich nehmen, während so viele andere Menschen in der Welt hungern müssen?“ äußerte Suzanne Collins in einem Interview gegenüber der New York Times. Präsident Snow lässt die Menschen in den Distrikten harte körperliche Arbeit leisten, um dem Kapitol so Bodenschätze und andere Ressourcen zukommen zu lassen. Im Gegenzug hierfür erhalten die Bewohner der zwölf Distrikte die angebliche Sicherheit und den angeblichen Frieden. Leistet jemand Widerstand, wird er erschossen. Auch Hauptdarsteller Jennifer Lawrence und Josh Hutcherson erkennen Parallelen zwischen Film und Gesellschaft: „Ich komme mir vor wie in der heutigen Welt. Es gibt die 99 Prozent und das eine Prozent und zwischen beiden klafft solch ein Graben. Darum geht es in den Tributen von Panem. Du hast diese Leute, die darum kämpfen, Essen auf den Tisch zu bekommen und dann hast du das Kapitol, das diese Welt absolut nicht wahrnimmt.“

Deutlich wird also, dass es sehr wohl Parallelen zwischen Film und Realität gibt, wenn auch in milderer und abgeschwächter Form. Man kann die Verfilmung der Buchreihe mögen oder auch nicht, doch klar ist: Der als Sciencefiction bezeichnete Film beinhaltet vielleicht gar nicht so viel Sciencefiction und Fantasy, wie auf den ersten Blick angenommen.

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Die Glaubwürdigkeit deutscher Medien

geschrieben von in Fernsehen, Medien und Politik, Medienkritik, Nachrichten1 Kommentar »

Anschläge in Paris, Anschläge in Mali.

Diese schrecklichen Gräueltaten in kürzester Zeit werfen Fragen auf. Die Menschen dürsten nach Informationen doch ist es überhaupt möglich an objektive Informationen zu gelangen?

Man steht ständig unter dem Einfluss der medialen Umwelt (Nachrichtensendungen, Facebook und Co.), kann man sich da noch eine eigene Meinung bilden oder bleibt einem nichts anderes übrig als eine weit verbreitete Meinung einfach nur anzunehmen?

Gerade die Berichterstattung in der Politik ist diesen Zweifeln ausgesetzt, doch sind diese überhaupt begründet?

Im vergangenen Juni wurde in der ZEIT ein Artikel veröffentlicht, der sich mit einer Umfrage von infratetst dimap auseinandergesetzt hat. Der Artikel trägt den Titel „Deutsche haben wenig Vertrauen in die Medien“. Darin wird erläutert, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben manipuliert oder nicht ausreichend informiert zu werden. Trotzdem beziehen die meisten Menschen ihr Wissen über Politik aus Nachrichtensendungen, dabei werden die ARD und das ZDF bevorzugt (Vgl. o.g. Artikel aus der ZEIT). Dass ARD und ZDF was Seriosität angeht hoch im Kurs stehen, belegt auch der ARD Trend, der sich zusätzlich mit der Glaubwürdigkeit der einzelnen Sender beschäftigt hat.

Doch können Journalisten überhaupt objektiv berichten?

„Objektivität ist die Wahnvorstellung, Beobachtungen könnten ohne Beobachter gemacht werden.“, schrieb Heinz von Foerster im Jahre 1998.

Jeder Journalist hat einen bestimmten Wertekatalog und diesen völlig außer Acht zu lassen ist nur schwer machbar. So hat eine Studie des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes (DFJV), im Jahre 2010, durch eine Befragung von Politikjournalisten gezeigt, dass die Mehrheit angegeben hat keine Partei zu bevorzugen doch darauf dicht gefolgt Bündnis 90/ Die Grünen viel Zuspruch erhalten.

So kann es doch sein, dass sich diese Politikjournalisten eher Themen widmen, die nach ihrem Ermessen von hoher Bedeutung sind z.B. Umweltschutz, Verbraucherschutz oder soziale Gerechtigkeit. Umweltskandale werden künstlich aufgeputscht, um eine große Reichweite in der Gesellschaft zu erlangen. So etwas könnten böse Zungen behaupten, doch steckt dahinter nicht einfach nur die Sorge sich auf die Informationen anderer verlassen zu müssen? Sich ein eigenes Bild von einer Situation machen zu können, ist kaum möglich. Dies wäre mit zu viel Aufwand verbunden, da ist es doch bequemer die Journalisten ihre Arbeit machen zu lassen und diese dann später zu hinterfragen.

Das einzige was man effektiv machen könnte, wäre es sich die Informationen über bestimmte Themen aus vielen verschiedenen Quellen zu ziehen und dann zu entscheiden, welcher Version man denn Glauben schenken möchte oder ob es nicht ein Mix aus allem ist.

Der Trick dabei ist es, möglicherweise nicht nur inländische Quellen zu berücksichtigen. Einfach über den Tellerrand hinaus blicken und schauen, wie andere Länder über diese bestimmten Themen berichten, denn in dem Fernsehrat von zum Beispiel ZDF sitzen viele verschiedene Vertreter der BRD, doch Vertreter anderer Länder sucht man vergebens. Die Interessen des eigenen Landes stehen im Vordergrund und können somit den Blick auf bestimmte politische Situationen oder Ereignisse verschleiern.

So kamen auch Zweifel bezüglich der Berichterstattung über die Krim-Krise auf. Die westlichen Medien würden zu pro westlich argumentieren, meinen Experten und auch Journalisten. Da lohnt es sich doch auch die Berichterstattung der betroffenen Länder anzuschauen.

Also kann man sagen, dass es durchaus möglich ist sich eine eigene Meinung bilden zu können. Gerade im Zeitalter des Internets, wo so ziemlich alles frei zugänglich ist, ist es einfacher an Informationen zu gelangen. Wenn es um Politik geht, sollte man am besten selbst ein wenig recherchieren und sich nicht ausschließlich auf journalistische Artikel verlassen.

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Von Mann und Frau… in Film & TV

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik1 Kommentar »

Jahrzehntelang musste Mann sich im Bereich der Popcorn-Unterhaltung an Schießereien, Prügeleien und Verfolgungsjagden ergötzen, während Frau stets überfordert daneben saß und nur in Form von kleinen Seufzern ihr Missfallen zu kommunizieren wusste. Die Wahl des Abendprogrammes stellte über Jahre hinweg viele gesunde Beziehungen vor die Zerreißprobe und die tatsächliche Zahl der daraus resultierten, irreparablen Zerwürfnisse hat sich bis heute ins Unmessbare gesteigert. Doch nun scheint es, als habe die Unterhaltungsindustrie – allen voran die amerikanische – eine Lösung gefunden, von der beide Parteien profitieren könnten.

Ein Trend namens Frau

Der neueste Trend zur Bekämpfung des Beziehungssterbens durch Film und Fernsehen heißt Actionheldin. Zwar gab es in der Vergangenheit immer wieder vereinzelte Versuche dieses höchst experimentelle Storyelement zu etablieren, doch mangelte es allzu oft an Umsetzung oder Überzeugung. Zumindest letzteres hat sich im erfolgreichen Angesichte des „Hunger Games“-Franchise nun erneut intensiviert. So darf bereits seit Anfang des Jahres Agent Carter, einst Captain Americas Love Interest, ihre weiblichen Vorzüge im Serienformat präsentieren. Gleiches gilt seit letztem Monat für Supergirl, Supermans Cousine. Und noch diese Woche schickt Netflix Jessica Jones ins Rennen, die allerdings keine Verbindung zu einem starken Mann vorzuweisen hat – schade. Und vor allem unnötig riskant!

Denn dass es auch ohne jegliches Risiko geht, zeigt der amerikanische Fernsehsender Syfy, der vor kurzem grünes Licht für die Serienproduktion eines weiblichen Van Helsing gegeben hat. Anstatt also einer unbekannten Frau das gendertypische Minimum an Persönlichkeit herbeischreiben zu müssen, können die Produzenten hier auf vorhandene Beliebtheitswerte aus Film und Literatur vertrauen. Ein Erfolgsrezept, mit dem Hollywood fast ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht hat, so dass die Verlautbarungen bezüglich weiblicher Remakes von Ocean’s Eleven sowie Ghostbusters wenig Verwunderung auslösten, nichtsdestotrotz aber auch unbändige Vorfreude – speziell im Internet, versteht sich.

Win-Win-Win-Situation

Und Freude ist in der Tat allerseitens angebracht, bietet der derzeitige Trend zum Rollentausch schließlich nichts als Vorteile. Mann erfährt durch die geschmackvolle Darstellung makelloser Körper endlich eine Abwechslung zur ewig muskelbepackten Action-Tristesse und ist nicht mehr allein auf visuelle Stimulation durch Gewalt sowie Spezialeffekte angewiesen. Frau hingegen bekommt eine gleichgeschlechtliche Identifikationsfigur, die die Grenze des weiblichen Verstandes nicht sprengt und die Flucht in feministisches Gedankengut verhindert. Das Fortbestehen der häuslichen Harmonie ist damit sichergestellt, so dass es am Ende des Abends nur Gewinner gibt, zu denen auch die Produzenten selbst gehören. Schließlich sorgen sie durch das Anheuern arbeitswilliger Schauspielerinnen dafür, dass die Gehaltskosten im Vergleich zu einer männlichen Besetzung niedriger ausfallen, womit wiederum weitere Produktionen finanziert werden können. Die Zukunft der Unterhaltungsmaschinerie sieht also rosiger denn je aus und steht ganz im Zeichen der Liebe. Der Liebe zur Frau, der Liebe zum Zuschauer, der Liebe zum Geld.

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Die zauberhafte Amelie und ihr treuer Weggefährte Rüssel in der Toilettenanlage von Sanifair

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Ein süßes Mädchen, mit langem braunen Haar und blauen Augen, hüpft fröhlich mit ihrem Stofftier Rüssel durch eine Toilettenanlage von Sanifair, im Hintergrund läuft leise, sanfte Klaviermusik. Bei der Musik und dem Namen des Mädchen, nämlich Amelie, muss man sofort an die 2001 erschienene Komödie „Die fabelhafte Welt der Amélie“ denken, wobei der Originaltitel des Films wörtlich übersetzt „Das märchenhafte Schicksal der Amélie Poulain“ bedeuten würde und das märchenhafte sich in diesem Imagefilm wunderbar widerspiegelt.
Sie spricht so kindlich und beeindruckt, dass man meint eine 8-jährige entdeckt gerade eine neue Welt voller Zauber und Magie. Aussehen tut sie jedoch älter, sie müsste etwa 12 Jahre alt sein. Mit Rüssel in der Hand erkundet Sie die Toiletten. Zum Glück kann die kleine Amelie am Eingang mit Papas Kreditkarte bezahlen! „Und was jetzt passiert, ist reine Magie“, sagt Amelie und betätigt die Toilettenspülung.
Die nächsten zweieinhalb Minuten sieht man nun dieses eigentlich niedliche Mädchen ganz begeistert die Autobahnraststättentoilette erkunden und wartet darauf, dass vielleicht noch ein paar Regenbögen, Feenstaub oder Einhörner auftauchen.
Auch wenn die Sanifair-Toilettenanlagen meist geputzt und recht sauber sind, einen märchenhaften Ort stellt man sich dennoch anders vor.

 

Seit Sanifair im Juli diesen Imagefilm veröffentlicht hat ist dieser in der Werbewelt in aller Munde. Eine Parodie jagt die Nächste.
Die wohl am weitesten verbreitete Parodie nennt sich „Speechless Sanifair“, hier wurde Amelies zauberhaft kindliche Stimme durch toiletten-typischere Geräusche ausgetauscht:

Selbst Sat.1 veröffentlichte eine Parodie des Spots, bei der der Reporter ganz begeistert ein einladendes „Rastplatzklo“ entdeckt:

 

Der Spot der Kölner Agentur Pie Five hat einen richtigen Shitstorm losgetreten. Ein Sprecher der Agentur sagte stolz: „Die Anforderungen für den Sanifair-Imagefilm waren extrem hoch. Gott sei Dank half uns hier eine ganz bezaubernde 10-jährige Darstellerin aus der Patsche“ Dazu ergänzen die Werbetexter noch: „Amelie transportiert unsere Inhalte so charmant, dass man in Zukunft die Marke Sanifair mit ganz anderen Augen sieht.“
Ihr Job: „Die Marke emotional aufladen, das System erklären und Businesspartner gewinnen.“ – Natürlich ist es keine leichte Aufgabe einen ansprechenden Werbespot für eine Autobahnraststättentoilette zu produzieren, der zugleich noch emotional und unterhaltsam sein soll, doch nun sagt selbst eine Sprecherin von Sanifair, dass sie bei der Emotionalisierung vielleicht „etwas über das Ziel hinaus geschossen sind“. Stimmt, auch wenn Emotionen bei Markenbildung wichtig sind, sollte man sich wohl vorher genauer überlegen, wie viel Emotionen die Menschen mit Toiletten verbinden möchten.

„Wozu also ein Scheißhaus-Werbefilm? Will Sanifair damit vielleicht ein Tabu brechen? Falls ja, ist dieser Versuch grandios gescheitert“, wird auf taz.de über den Sanifair-Imagefilm geurteiltn-tv bezeichnet ihn als „Realsatire“ mit dem Kommentar „Bitte bepinkeln Sie sich nicht vor Lachen.“ Und auch die Bild schreibt über den misslungenen Spot.

Dennoch ist der Werbespot unterhaltsam und amüsant, wodurch er sich schnell in der Werbewelt verbreitet hat und in Erinnerung bleiben wird. Gänzlich falsch ist es also nicht gelaufen, auch wenn er nicht die breite Öffentlichkeit erreicht hat und nicht unbedingt die gewollte Reaktion hervorgerufen hat.

Mit Sanifair ist das „Toilettenerlebnis“ voller Emotionen – ein wenig viral ist der Spot trotzdem geworden, jedoch wohl eher auf ungewollte Weise.

 

 

weitere Quellen:

http://meedia.de/2015/07/20/peinlicher-imagefilm-sanifair-inszeniert-autobahnklos-als-kinderwunderland/ – Die Aussagen und Statements der Agentur zum Imagefilm sind leider nicht mehr auf der Seite der Agentur selbst zu finden.

http://www.haz.de/Nachrichten/Medien/Netzwelt/Fuer-einen-Werbespot-fuer-seinen-Toiletten-erntet-Sanifair-Spott-im-Netz

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Für die Aussteiger der Always-on-Gesellschaft

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Für die Aussteiger der Always-on-Gesellschaft

 

Mit 46% besitzt fast jeder zweite Deutsche heutzutage ein Smartphone. 81 Minuten verbringen wir laut der Mobile Monitor Studie 2014 täglich am Handy. E-Mails checken, mit Freunden chatten, schnell eine Runde Clash of Clans oder Quizduell zocken, nach dem Blick auf den mobilen Wetterbericht schon mal das Outfit für morgen per App planen – viele Bereiche unseres Lebens hat die ständige Verbindung zum Internet, unabhängig von Ort und Zeit, vereinfacht und (nicht nur) zum Positiven verändert.

Diesem Trend tritt die schweizerische Firma Punkt. entgegen: mit der Entwicklung des „MP01 Mobile Phone“ will Entwickler Jasper Morrison zurück zu den Wurzeln des Mobiltelefons. Die Features der „Innovation“ wirken im heutigen Alltag wie aus einer anderen Zeit: mit SMS versenden und telefonieren hat man sich bei der Entwicklung wirklich auf die nötigsten Funktionen beschränkt. Das Mobiltelefon besitzt kein Internet, kein Farbdisplay und auch keinen Touchscreen. Schwarz und schlicht verzichtet man auf jeden Schnickschnack, der ablenken könnte.

Kaum zu glauben, dass es sich bei diesem Mobiltelefon um eine 295 Euro teure Neuentwicklung handeln soll. (Quelle: t-online.de)

Kaum zu glauben, dass es sich bei diesem Mobiltelefon um eine 295 Euro teure Neuentwicklung handeln soll. (Quelle: t-online.de)

 

Das Handy soll wegführen von der gegenwärtigen Mentalität, 24 Stunden am Tag vernetzt zu sein, eine Entwicklung, die auch Probleme mit sich bringt. Vor allem Konzentrationsschwierigkeiten werden in Verbindung mit andauernder Nutzung von Smartphones hervorgerufen. Immer stärker kritisiert wird jedoch auch, dass soziale Kontakte vernachlässigt werden, weil vor allem Jugendliche sich lieber online aufhalten als sich abseits von der virtuellen Welt mit Freunden zu treffen.

Diese negativen Seiten der Handynutzung haben Schüler eines Ulmer Gymnasiums zu einer App inspiriert, die dem ständigen online-Sein entgegentreten soll. Bei „Sloffline“ soll es sich um eine Art Wettkampf handeln, bei dem der gewinnt, der am wenigsten das Handy nutzt. Die Entwicklung ist jedoch noch nicht abgeschlossen, und zurzeit werden noch Sponsoren gesucht. Die App ist also noch nicht verfügbar.

Das von verschiedenen Medien als „Anti-Smartphone“ betitelte Mobiltelefon von Punkt. dagegen soll pünktlich zum Weihnachtsgeschäft versendet werden. Wer jedoch gewillt sein soll, für ein technisch minimal ausgestattetes Gerät 295 Euro auszugeben, ist fraglich, da der Markt auch deutlich günstigere Alternativen zu bieten hat. Ebenso fraglich ist, ob ein solches Handy sich in der heutigen Gesellschaft durchsetzen kann, der das Internet und seine Vorteile so wichtig sind wie noch nie. Aber vielleicht ist es auch die Chance, einen neuen Trend zu setzen und darauf aufmerksam zu machen, sich vom World Wide Web abzukoppeln.

 

Quellen:

http://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Die-Anti-Smartphone-App-aus-Schwaben/-/id=47428/did=3578694/14f2uav/index.html

http://www.t-online.de/handy/smartphone/id_75772250/ohne-internet-und-apps-anti-smartphone-mp-01-kommt-aus-der-schweiz.html

https://www.punkt.ch/en/products/mp01-mobile-phone/

http://www.izmf.de/de/wann-wird-die-handynutzung-zum-problem

http://bam-interactive.de/die-mobile-zahl-der-woche-112014/

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Wenn das Verlangen nach Anerkennung in sozialen Medien zur Sucht wird

geschrieben von in Medienkritik1 Kommentar »

Facebook, Twitter, YouTube, Instagram. Für viele Jugendliche sind diese Plattformen aus ihrer Freizeit nicht mehr wegzudenken. Eigentlich sind diese Plattformen eine gute Möglichkeit sich auszutauschen, um soziale Kontakte zu knüpfen oder zu stärken. Doch soziale Netzwerke sind mehr als das. Inzwischen gibt es zahlreiche „YouTuber“, Menschen, oft junge Erwachsene, die Videos produzieren, um eine bestimmte Zielgruppe zu unterhalten. Dazu posten sie Fotos auf Instagram, Statusmeldungen auf Facebook und Twitter, um Ihre Zuschauer auf dem Laufenden zu halten. Doch dort beginnt das Problem. Diejenigen, die Videos produzieren und hochladen, wollen möglichst viele Aufrufe, nette Kommentare und viele „Gefällt mir“ – Angaben. Wenn sie Fotos auf Instagram posten, wollen sie Aufmerksamkeit, sie wollen „Likes“. Aber was passiert, wenn dies zur Sucht wird und krank macht? Was ist, wenn diese Personen nicht sie selbst sind, weil sie sich verstellen, um möglichst perfekt zu wirken?

Anfang November sorgte das Video der 19-jährigen Essena O´Neill aus Australien für Furore. Sie ist eine von vielen „YouTubern“, die ihre Zuschauer auf Plattformen wie Instagram auf dem Laufenden hält. Sie ist schlank, hübsch und hat zahlreiche Follower auf YouTube und Instagram. Glücklich ist sie damit nicht. Auf ihren Fotos auf Instagram lächelt sie stets in die Kamera, post wie ein Model und hat den Traumkörper vieler junger Mädchen. Doch das, was die Welt auf Instagram zu Gesicht bekommt, ist nicht real. Es ist eine inszenierte Welt. Einige Klamotten, die sie trägt, würde sie nicht in der Öffentlichkeit tragen. Sie verdient Geld, indem sie die Kleidung präsentiert. Durch ihre große Reichweite ist dies für Firmen ein optimaler Weg, um Werbung zu machen. Und wer meint, dass Essena sich ein Outfit anzieht und mal eben ein Foto macht und hochlädt, irrt sich. Das Foto, was letztendlich auf Instagram zu sehen ist, ist womöglich der 50. Versuch. Alles nur, um Anerkennung, Aufmerksamkeit und Bestätigung zu bekommen. Das wurde ihr jetzt alles zu viel. Sie möchte sich in Zukunft aus den sozialen Netzwerken zurückziehen und löschte rund 2000 Fotos von ihrem Instagram-Account. http://www.n-tv.de/leute/Ihr-Leben-war-ein-einziger-Fake-article16279486.html

Sie gab zu, süchtig nach Anerkennung für ihren Körper gewesen zu sein. Viele „Likes“ befriedigten sie. Dieses Beispiel zeigt, dass die sozialen Netzwerke für viele junge Erwachsene eine große Bedeutung haben. Auch deren Alltag wird durch die Netzwerke beeinflusst. Vieles, was im realen Leben der Jugendlichen passiert, wird auf Instagram und ähnlichen Plattformen dokumentiert. So können Momente, in denen man eigentlich in Ruhe gelassen werden möchte, gar nicht genossen werden, wenn erst ein perfektes Foto her muss.

Aus ihren Erfahrungen hat Essena gelernt und sie appelliert an Gleichaltrige, eine Woche auf alle sozialen Netzwerke zu verzichten. http://www.welt.de/icon/article148386653/Die-Wahrheiten-ueber-das-falsche-Instagram-Leben.html

Ob sich letztendlich aufgrund dieses Beispiels etwas an dem Verhalten vieler Jugendlicher ändert, ist fraglich. Dennoch regt es den ein oder anderen vielleicht zum Nachdenken an. Und selbst das ist doch ein guter Ansatz.

Soziale Medien – Diskrepanz zwischen Realität und Schein

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Tag ein, Tag aus, werden Bilder oder Videos aus dem Leben verschiedener „Social Media Stars“ gepostet, sei es auf Instagram, Youtube oder ähnlichem. Millionen Follower verfolgen neugierig das „Daily Life“ ihrer Favoriten. Doch wie natürlich ist diese Darstellung wirklich?

Das 19-Jährige australische Instagram Model Essena O’Neill macht nun Schluss mit ihrer Karriere auf verschiedenen Kanälen. In ihrem Video „Why I think social media sucks“ auf Vimeo erklärt sie, warum sie wirklich ihre Karriere beendet.

Sie hat es satt, sich medial zu perfektionieren, um mehr virtuelle Aufmerksamkeit zu bekommen. Es sei lediglich eine Simulation Ihres Alltages für Likes. Die Kleider werden ihr gesponsert, selbst die Reisen werden ihr durch die Werbung gezahlt. Sie bezeichnet Instagram als Business.

Nun stellt sich die Frage – Wie weit gehe ich für gesponserte Luxus – Reisen, Kleidung oder Werbung?

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Essena O’Neill schildert in einem weiteren Vimeo Video Love Gets Likes ein weiteres ausschlaggebendes Ereignis für ihren Schlussstrich mit den sozialen Netzwerken. Der Grund: Ein männliches Instagram Model, der sie um eine Fake-Internet Beziehung gebeten hat. Den Zweck hierfür begründete er mit Luxus – Reisen und Millionen Umsatz, durch Selbstvermarktung mit Pärchenfotos.

Die Zielgruppe sind die 12-15 jährigen Mädchen, die beneidenswert auf diese Fotos schauen und sich vielleicht denken: Ja, das will ich auch.

Ein weiteres kritisches Beispiel diese Woche ist die Youtuberin von Bibis Beauty Palace.

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In ihrem Video „Endlich kann ich euch mein Geheimnis verraten…“ stellt Bibi Minuten lang ihre eigene Marke Bilou bzw. ihren neuen Duschschaum vor.

Daraufhin veröffentlicht der Facebook Star Udo Bönstrup seine Kritik auf Facebook und veranschaulicht noch einmal die große Vorbildfunktion für die Jugendlichen, aber auch den Verdienst der Stars und erntet hierfür viel Zustimmung.

Er schreibt: „Ihre Fans sind zwischen 11 und 15 Jahre alt. Sie sehen in Bibi ein großes Vorbild und schauen zu ihr hoch. Egal was sie sagt oder macht. Die Kinder wollen es auch. Was bedeutet, dass die Fans auch genau das kaufen was Bibi sagt und die Eltern haben darauf keinerlei Einfluss. Diese bei vielen Youtubern etablierten Vermarktungsprinzipien werden von einigen Kritikern als schamlos und verantwortungslos angeprangert. Gerade sehr junges Publikum, das noch nicht über ausgeprägte Medienkompetenz verfügt, kann ein solches Format häufig kaum als Werbung erkennen.“

Zwischen geschätzt 70.000 und 80.000 Euro verdient Bibi monatlich, dazu kommen Live Auftritte, Autogrammstunden, etc.

Fraglich bleibt, wie wichtig ist den Stars ihre weit reichende Rolle selbst oder bleibt es bei dem Spruch „Geld regiert die Welt?“ In wie weit nutzen sie ihre Vorbildfunktion bzw. ihr Publikum aus?

Als Schlussfolgerung bleibt nur zu sagen, dass die Social Networks ein täglicher Bestandteil der heutigen Jugend ist, aber einem bewusst sein sollte, dass nicht alles, was schön aussieht Wirklichkeit ist. Wichtig dabei ist, Distanz zu bewahren und auch der Neid ist völlig überflüssig. Denn kann ich wirklich in Thailand entspannen, wenn ich nur Fotos für meine Follower machen muss oder für das Hotel? – Wahrscheinlich nicht. Realität und Natürlichkeit bleibt bei den beliebten Bloggern zu hinterfragen, oft ist es mehr Publicity als alles andere. Oftmals ist nämlich die Welt der Idole auch nicht perfekt.

http://www.teenvogue.com/story/essena-oneill-youre-my-inspiration-video

 

Das CHE Hochschulranking und die Verantwortung der Medien

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Das CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) ist eine von der Bertelsmanns Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz hervorgegangene Einrichtung. Das Ziel dieser Einrichtung ist die Modernisierung und Liberalisierung des Hochschulsystems. Mit diesem Ziel werden seit Mitte der 90.er Hochschulrankings in Deutschland durchgeführt. Doch ist das Anfangs in Amerika ausgebrochene Ranking-Phänomen das sich seit 1998 in Deutschland durchgesetzt hat längst nicht mehr nur in Munde der Befürworter zu finden. Nachteile der Vermessung und des Vergleichs von Bildungseinrichtungen haben in letzter Zeit immer mehr Fachbereiche zur einer Ablehnung und zum Ausstieg von Rankings geführt. Gründe dafür sind unter anderem die methodischen Mängel und die vereinfachte Runterstufung der Ergebnisse, dabei sind die Schwerpunkte der Fächer nicht abbildbar. Zudem ist die Beteiligung der Studenten auch nicht repräsentativ wenn nur 10% der Befragten teilnehmen. Für „klare“ Ergebnisse soll dies jedoch genügen. Nachdem 2007 bereits die Schweiz und Österreich aufgrund von methodischen Mängeln aus dem Ranking ausgestiegen waren, forderte die Deutsche Gesellschaft für Soziologie (DGS) im Sommer 2012 alle Institute und Hochschulen dazu auf, aus dem CHE-Ranking auszusteigen (http://www.soziologie.de/index.php?id =che).

Die Medienmacher scheint dies kaum zu interessieren. Rankings sind nämlich trotz Kritik hoch beliebt und kommen gut an bei den Lesern. Beispielsweise hat „Die Zeit“ die seit Jahren damit prompt das CHE Hochschulranking, „dem umfassendsten und detailliertesten Ranking im deutschsprachigen Raum“ zu veröffentlichen sich dadurch eine fest etablierte Einnahmequelle garantiert. Der „Zeit Studienführer“ der die Ergebnisse des CHE Rankings präsentiert und mit knapp 300 Seiten die wichtigsten Fragen rund um Studiumauswahl und Einstieg beantwortet, scheint sich dabei weniger mit der Erhebungsmethode der Daten und deren Auswirkung für Studieninteressierte auseinander zu setzten. Die Zeitschrift die im Handel für 7,95€ erhältlich ist, gibt ihren Lesern sämtliche Informationen die ihr spätere Studien Auswahl und somit das ganze Leben beeinflussen könnten.

Wäre wohl doch nutzreich wenn auch der Diskurs im Wissenschaftlichen Milieu thematisiert werden würde oder gar auf den Ausstieg von immer mehreren Fachbereichen angedeutet würde, die nach und nach aus den Rankings verschwinden. Stellt dies nicht auch eine verzehrte Abbildung der Realität dar? Müssten die Leser nicht auch über die vielleicht gar nicht repräsentative Erhebungsmethode aufgeklärt werden? Und auch wenn Hochschulrankings noch lange in unserem Mediensystem ihren Platz finden werden, so sollten doch die Leser dieser Angebote eins im Kopf behalten: Nicht nur die erhobene Daten sondern auch die Tauglichkeit und Methode dieser Erhebung werden viel zu selten hinterfragt, solange die Medienmacher von ihnen profitieren.

https://premium.zeit.de/studienfuehrer

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Die bösen Festivals – Thüringer „Ver“ Allgemeinernde

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Seit 15 Jahren findet nun schon das Stoner Rock – Festival „Stoned from the Underground“ am Alperstedter See bei Stotternheim in der Nähe von Erfurt statt. Im Detail handelt es sich bei „Stoner Rock“ um eine langsame, aber kraftvolle Mischung aus Rock und Heavy Metal mit tiefen basslastigen Riffs und einer vergleichsweise kleinen aber sehr treuen Fangemeinde. Anfang Juli diesen Jahres spielten rund zwei Dutzend Bands aus Europa und den USA bei dem Festival. Ähnlich international wie die Bands ist auch das Publikum. Aus ganz Europa schwärmten Rock-Fans herbei, um die kultige Atmosphäre dieses Festivals zu erleben und brachten dabei viel Stimmung und Feierlaune mit.

Als begeisterter Festivalbesucher musste ich mich im Anschluss an den Besuch über folgenden Artikel der Thüringer Allgemeinen Zeitung doch sehr wundern:

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Genauer heißt es in dem Bericht:

„Mehrere Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz hat die Polizei am vergangenen Wochenende beim Rockfestival in Alperstedt registriert.“

„Die Beamten, die seit Freitag Kontrollen vornahmen, fertigten aus diesem Grund insgesamt 65 Anzeigen.“

„Außerdem erwischten sie 14 Frauen und Männer, die entweder unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol ein Fahrzeug führten. Außerdem wurden drei Spring- und Klappmesser gefunden.“

Unbenannt

Unter dem Festivalbild (unvorteilhaft!) des Artikels steht noch die Bemerkung:

„Das Rockfestival am Alperstedter See findet bereits seit mehreren Jahren statt – und wie jedes Jahr nehmen die Aufräumarbeiten einige Zeit in Anspruch.“

Aha. Auch hier eine negative Beurteilung. Das Festival verursacht also nur Dreck und Aufräumarbeiten. Ohne die Verstöße verharmlosen zu wollen, die Formulierungen sind doch sehr drastisch gewählt, es klingt ja fast nach einer Razzia in einem Drogenkartell.

Durch diesen Artikel wird das ruhige Stonerrock Festival meines Erachtens in ein völlig falsches Licht gestellt. Bei der sehr einseitigen und verurteilenden Berichterstattung wird scheinbar nur die Schattenseite des Festivals betrachtet. Bei knapp 3.000 Festivalbesuchern bleiben kleinere Verstöße (bei denen niemand zu Schaden gekommen ist) nicht aus. Immerhin findet das Festival nun schon seit 15 Jahren ohne erhebliche Vorkommnisse in dieser Richtung statt.

Aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass es nie irgendwelche Vorfälle der Gewalt oder Ähnliches gab. Das Festival wird in diesem Artikel dargestellt, als würde man ständig von bewaffneten, drogenkonsumierenden Irren bedroht werden. Auch wenn es nur ein kleiner Artikel ist, so hätte ich mir doch ein wenig mehr Objektivität bei der Berichterstattung gewünscht. Die Enttäuschung über die öffentliche Darstellung des Festivals machte anschließend auch in der Fangemeinde die Runde. Letztlich schadet dieser Bericht dem Ruf des Festivals und kommuniziert dabei nicht die Begeisterung der Fans und die tolle Leistung des Veranstalters. Bleibt nur zu hoffen, dass der günstige Standort des Festivals weiterhin besteht und die Anwohner der Veranstaltung vorurteilsfrei entgegenblicken.

Quelle:

http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/erfurt/startseite/detail/-/specific/Drogen-Alkohol-Klappmesser-65-Anzeigen-beim-Rockfestival-Alperstedt-1304867592

 

 

Die wichtigste Werbung des Tages

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Seit dem 16.07.2015 hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine neue App auf den Markt gebracht. Die F.A.Z.- App „Der Tag“ verspricht ihren Lesern von nun an „Das Konzentrat des Tages“, eine App mit der man angeblich den Überblick behält und die wesentlichen Nachrichten aus dem Nachrichtenstrom filtern kann.

01     Es gibt diese Tage, da erscheint das Nachrichtenangebot unüberschaubar. Das kann nun kaum noch passieren. Mit der neuen App der Frankfurter Allgemeinen Zeitung behalten Sie stets den Überblick. „Der Tag“, so heißt das Angebot, filtert das wirklich wesentliche aus dem Nachrichtenstrom für Sie heraus.

 bewegt.„Der Tag“ bietet Ihnen das Konzentrat der vergangenen 24 Stunden, opulent bebildert mit bildschirmfüllenden Fotos. Es sind die wichtigsten Berichte, Analysen und Kommentare aus der F.A.Z.-Redaktion. Ein Blick, ein paar Fingergesten, und Sie wissen Bescheid, was die Welt aktuell bewegt.

 

Bis dahin klingt diese App sehr vielversprechend. Sie soll endlich Orientierung bringen und eine sonst so lange Suche nach wichtigen Tagesnachrichten auf Fingerdruck überflüssig machen. Auf den ersten Blick scheint dies auch gelungen. Die App liefert in regelmäßigen Abständen topaktuelle Nachrichten. Themen sind unter anderem solche zur Griechenland-Abstimmung, Aussagen des EU-Ratspräsidenten und zum Verhalten der Kanzlerin im Umgang mit einem weinenden Flüchtlingsmädchen. Nach kurzem durchblättern gelangt man dann schließlich zur folgenden Nachricht des Tages.

Der neue Fiat 500

„Der 500 wird immer das Herz der Marke bleiben“

Fiat hat seinen 500 behutsam verändert und will mit neuen Modellen zurück zum Erfolg.nach-acht-jahren-haben-sich

Bis zu diesem Punkt ist gegen diese Nachricht nichts einzuwenden. Nachrichten aus der Rubrik „Technik und Motor“ werden zwar nicht von jeder Person als wichtig empfunden, können aber durchaus informativ für die Allgemeinheit und besonders interessant für Autoliebhaber sein. Fraglich gestalten sich jedoch die daraufhin folgenden Sätze zum Fiat 500.

Der kleine Kerl ist einfach ein Phänomen. Schon seit Ende 2007 ist er auf dem Markt, und er verkauft sich immer noch wie geschnitten Brot. Vom neuen Fiat 500 sind seither rund 1,5 Millionen Einheiten gebaut worden, der Marktanteil im sogenannten A-Segment war dabei noch nie höher als 2014: 15,6 Prozent

 Jetzt haben sich die Designer nach acht Jahren getraut, etwas am Design zu verändern. Die Schnauze trägt nun zwei Chromspangen, die Scheinwerfer sind größer und ovaler, der Lufteinlass unten prägnanter. Am Heck fallen vor allem die neuen Leuchten auf, sie sind jetzt ringförmig und geben in der Mitte den Blick aufs Blech frei, eine originelle Idee. Außerdem rutschte das schmückende Stoßstängchen weiter nach unten. Immerhin 40 Prozent aller Bauteile seien neu, sagt Fiat.

Abgesehen vom schicken Design dieses kleinen Flitzers werden hier noch einige weitere Eigenschaften angepriesen, die das Auto auf einmal sehr begehrenswert machen. Jedenfalls sagen diese beiden Abschnitte im Großen und Ganzen nicht nur aus, dass sich das Auto sehr gut verkauft und ein wichtiges Produkt für Fiat darstellt. Stattdessen wird hier ein klassisches Automobil vorgestellt, mit dem man bestimmt nichts falsch machen kann. Und nun wurde er nach so langer Zeit auch noch verbessert. So schafft die FAZ in ihrer neuen App zu den wichtigsten Nachrichten des Tages plötzlich Kaufmotivation für den Fiat 500.

Neben FDH, Paleo oder Low Carb jetzt auch „SDS“ – Schlank durch Schokolade?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medienkritik, QualitätKommentare deaktiviert für Neben FDH, Paleo oder Low Carb jetzt auch „SDS“ – Schlank durch Schokolade?

Laut dieser neuen Wunderdiät soll uns Schokolade beim Abnehmen helfen. Das klingt ja zu schön um wahr zu sein. Ist das denn überhaupt möglich? Eine berechtigte Frage, die jedem von uns direkt durch den Kopf gehen sollte. Aber wieso groß darüber nachdenken, schließlich resultiert das Ergebnis aus einer wissenschaftlichen Studie, also muss es ja stimmen. Diesen Gedankengang verfolgten auch die Journalisten einiger Boulevardblätter, Diäten sind außerdem Topseller. So zum Beispiel die Bild auf der Titelseite:

BILD SDS

Und auch Focus Online zog mit diesen Worten und einem eigenen Videobeitrag nach:

FOCUS SDS

Natürlich bissen auch Frauenzeitschriften, wie zum Beispiel die Brigitte an – ein gefundenes Fressen sozusagen. Sogar in Großbritannien, Australien, USA, Indien, Russland und Nigeria erschien die Meldung in den Medien.

Dumm nur, dass die Studie ein Fake ist. Alles Blödsinn, alles Inszenierung. Dahinter stecken zwei Journalisten, Diana Löbl und Peter Onneken, mit folgender Motivation: Kann man einfach eine Diät erfinden, eine wissenschaftliche Studie dazu durchführen, die Ergebnisse manipulieren und wissenschaftlich publizieren? Und schaffen es die Ergebnisse dann auch in die klassischen Medien?

Hat augenscheinlich geklappt und sogar gar nicht so viel Aufwand gekostet. Alle Fragen sind mit „ja“ zu beantworten. Mit einem völlig sinnfreien Design und 15 Probanden haben die beiden Journalisten ihre „Studie“ durchgeführt. Die Entwicklung und den Verlauf haben die beiden in der Arte-Doku „Schlank durch Schokolade. Eine Wissenschaftslüge geht um die Welt“ festgehalten. Die Doku wurde Anfang Juni bei Arte ausgestrahlt.

Zum einen wird in der Doku die Wissenschaft an sich kritisiert und zum anderen natürlich die Sorgfalt und Gründlichkeit der Journalisten. Neben einer fragwürdigen Wissenschaft spielen Journalisten eine entscheidende Rolle. Peter Onneken bescheinigt seinen Kollegen: „Das Business stinkt, und wir Journalisten machen mit.“ Außerdem beschwert er sich, dass niemand die Echtheit des Instituts oder die dünne Auswahl an Probanden geprüft habe. Die Pressemitteilung, in der sie quasi ein Märchen erzählt haben, sei einfach blind übernommen worden.

Woran liegt es? Haben Journalisten und Rezipienten einfach ein grundlegendes Vertrauen in die Wissenschaft? Sind gekürzte Redaktionsetats für schlampige Recherche und mangelnde Gegenkontrolle von Informationen verantwortlich? Oder wird einfach nur nach dem Motto „wenn die Geschichte zu gut ist, dann bloß nicht recherchieren“ gehandelt? Die Glaubwürdigkeit und die Qualität des Journalismus ist ein Dauerbrenner. Nach dieser etwas unangenehmen Geschichte kann man dennoch auch ein wenig Entwarnung geben, denn neben Bild, Focus Online und anderen Boulevardblättchen veröffentlichte wenigstens keiner der sogenannten Qualitätsmedien die Schokolüge. Ganz so düster sieht es also im heutigen Journalismus nicht aus.

Im Fokus der Doku steht natürlich ebenso das Geschäft mit dem Abnehmen. Und weil die Verbraucher der Wissenschaft grundlegend erstmal Vertrauen und Glauben schenken, werben Abnehm-Programme, wie zum Beispiel „Weight Watchers“ mit immer neuen Studien um ihre Kunden. Die Doku legt allerdings offen, dass die Studien eher selten und nur unter ganz bestimmten Bedingungen aussagekräftig sind. Sie messen oftmals nur Korrelationen und keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen, sind sehr einfach zu manipulieren und zu publizieren, wie der Zuschauer am Beispiel der Schokolüge selbst erfährt. Eine veröffentlichte Studie in Wissenschaftsenglisch steigert die Glaubwürdigkeit und Seriosität. Jedoch muss das nicht der Realität entsprechen.

Ein weiterer erstaunlicher Aspekt der Doku, neben der nichtdurchdachten Verbreitung der Boulevardmedien sowie der Einfachheit der Manipulation von wissenschaftlichen Studien, ist die Entwicklung der S3-Leitlinien (zur Vorbeugung und Therapie von Fettleibigkeit) der DAG, der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, die sich laut Doku der bestverfügbaren wissenschaftlichen Beweislage verpflichten sollten. Die Ersteller sollten unabhängig sein, was allerdings meistens nicht der Fall ist. Sie sind oftmals genau in diesem Tätigkeitsfeld aktiv und propagieren demnach ihre eigenen Methoden. Vier der sechs Wissenschaftler, die diese „Leitlinien“ entworfen haben, stehen laut Doku in direktem oder indirektem Kontakt zu den einzelnen Programmen. Wissenschaftler und Professor Hans Hauner gibt unverblümt zu: „Eine Art Geschmäckle ist schon dabei“. Solange man es aber offenlege und die Möglichkeiten aufzeige, sei es vertretbar, laut Hauner. Der Leser könne dann ja selbst entscheiden, ob er es akzeptiert oder nicht. Na dann!

Blind vertrauen sollte man einigen wissenschaftlichen Studien also erstmal nicht. Vor allem dann nicht, wenn man Journalist ist und über eine Veröffentlichung nachdenkt. Da lohnt es sich einen genaueren Blick drauf zu werfen und zumindest mal die Echtheit bzw. die Existenz des durchführenden Instituts zu überprüfen.

Ansonsten eine interessante, auf modern gemachte Doku, die entscheidende Fakten in Sachen wissenschaftlicher Studien enthält und einige überraschende Wahrheiten aufzeigt. Mit etwas mehr als 50 Minuten vielleicht ein bisschen zu lang für das Thema, aber dennoch eine gute Idee und Strategie zu zeigen, wie einfach eine Manipulation von Wissenschaft und Medien stattfinden kann.

Die Doku gibt’s hier zum Anschauen: http://www.arte.tv/guide/de/052711-000/schlank-durch-schokolade

TV-Kommerz-Wahnsinn im Fußball!

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Die Medialisierung hat den Sport und insbesondere den Fußball in Deutschland fest im Griff. Jedes Spiel der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga wird seit mehreren Jahren im Pay-TV Sender Sky, ehemals Premiere und Arena, übertragen. Ein riesiger Berichterstattungs-Apparat hängt daran, jedes Spiel wird mit Vor- und Nachberichterstattung gefüttert und inszeniert. Die Kosten für die TV-Vermarktung haben sich in den letzten Jahren ins Unermessliche gesteigert. Dabei gelten die Fernsehübertragungsrechte als Haupteinnahmequelle für Verbände und Vereine. In der neuen Saison 2015/2016 fließen rund 850 Millionen Euro an TV-Geldern in die Kassen der 36 Profiklubs im deutschen Fußball. In der letzten Spielzeit lag die Verteilung noch bei rund 580 Millionen. Dazu kommen Einnahmen aus Trikot- und Bandenwerbung sowie aus anderen Sponsoringverträgen. Diese können als indirekte mediale Ressourcen aufgefasst werden: Denn die Sponsorensuche und das Finden von Sponsoren ist abhängig von der öffentlichen Resonanz, die durch die medialen Übertragungen garantiert wird.

tabelle560-1434022187Jahr für Jahr steigen die Summen stetig und kein Ende ist in Sicht. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat angekündigt für 2017 die Milliardengrenze zu knacken. Die Medialisierung und hier vor allem das Fernsehen kommerzialisiert den Fußball immer mehr. Man kann die stetige Erhöhung der TV-Gelder wie eine Art Wettrüsten erklären. Denn wenn man sich die TV-Einnahmen von Manchester United, Chelsea, Arsenal und Co. aus der englischen Premier League anschaut, könnte man die Summen der Bundesliga noch als human betrachten. Denn dort herrscht der absolute Geld-Irrsinn. In der letzten Runde kassierten die englischen Premier-League-Klubs mehr als das Vierfache aus dem Fernseh-Geldpool als die deutschen – der helle Wahnsinn. Sogar der Letztplatzierte der vergangenen Saison aus England, die Queens Park Rangers nahmen mehr TV-Gelder ein als der Ligakrösus aus Deutschland.

Aufgrund der gesteigerten Einnahmen, insbesondere aus den TV-Geldern erhöhen sich natürlich auch die Ausgaben für Spielertransfers. Die Vereine geben teilweise unglaubliche Beträge aus oder bieten irrsinnige Summen für Akteure, die sie verpflichten wollen.

Durch das immer stärker gewordene Gewicht der Medien in der Finanzierung kann auch die Dominanz einzelner Klubs erklärt werden. Größere Vereine erhalten höhere Erlöse aus dem Verkauf der Fernsehrechte als kleinere. Das heißt Reichere werden immer reicher. Darüber hinaus können bestimmte Ligen höhere Gesamtbeträge erhalten oder Spitzenvereine, wie z.B. der FC Barcelona oder Real Madrid können die Rechte selbst vermarkten. Allerdings wurde in letzterem Fall bereits ein Umdenken angestoßen. Wann es dort jedoch zu einer Veränderung kommt, ist mehr als fragwürdig.

Es stellt sich hier die Frage: Wo führt die Medialisierung noch hin? Der Sport und vor allem der Fußball wird durch eine zunehmend durch die Medien bedingte Kommerzialisierung kaputt gemacht. Wer das nötige Kleingeld hat, regiert den Fußball. Die Kleineren haben es aufgrund immer größerer Diskrepanz in der Verteilung von Geldern, sei es TV-, Sponsor-, oder Wettbewerbseinnahmen immer schwerer, wieder den Anschluss zu finden. Utopische TV-Einnahmen bedingen unrealistische Spielergehälter und noch unverständlichere Transferausgaben. Die Medien haben den Fußball zu einer unglaublichen kommerziellen Unterhaltungsmaschinerie gemacht, die an Hollywood-Verhältnisse rankommt.

Quellen:

http://www.realtotal.de/spanien-beschliest-abkehr-von-selbstvermarktung-der-tv-rechte/

http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/628833/artikel_tv-einnahmen_sogar-englands-letzter-vor-den-bayern.html

http://www.focus.de/sport/fussball/bundesliga1/fussball-diskussion-ueber-tv-gelder-heldt-luecke-schliessen_id_4472645.html

http://www.t-online.de/sport/fussball/bundesliga/id_74653186/dfl-will-milliarden-grenze-bei-tv-einnahmen-knacken.html

Die Guten, die Bösen und die Dummen – Wie deutsche Medien plötzlich die Nazis in der Ukraine entdeckt haben

geschrieben von in Fernsehen, Medien und Politik, Medienkritik, Nachrichten1 Kommentar »

Eine sehr schockierende Entdeckung kursiert in diversen deutschen Medien seit einer Woche – organisierte paramilitärische Formierungen von schwerbewaffneten Faschisten und Neonazis kämpfen in der Ukraine, aber nicht im Osten sondern im Westen. Die andere große Überraschung – die Kämpfe sind nicht gegen die so genannten Separatisten sondern gegen die Regierungstruppen. Die Gewalteskalation im Westen der Ukraine soll unterschiedliche Gründe haben – Zigarettenschmuggel, korrupte Politiker und Behörden oder einfache neue Machtverteilung an der Grenze von der EU. Die Kämpfe sind aber im eigenen Lager – von den von Europa und USA unterstützten pro-westlichen Mächten. Diese Gruppen, die der pro-russische Ex-Staatsoberhaupt Janukovich gestürzt haben.

Irgendwie ist die ganze Situation ziemlich verwirrend geworden und nicht nur für den einfachen Beobachter aber auch für die Medien in Deutschland. Die damals furchtlose und brave Freiheitskämpfer gegen der Diktatur und unterstützt vom ganzen Westen, befinden sich in der gleichen Situation wie vor einem Jahr, nur jetzt sind sie ein Teil von der legitimen pro-westlichen Regierung – die gleiche gegen sie auch gleichzeitig kämpfen. Aber die Situation wird noch verwirrender – vor einem Jahr war in den deutschen Medien die Rede von nationalistische Gruppierungen, die um Freiheit und westlichen Werten gekämpft haben, jetzt von rechtsextreme Paramilitäre die gegen die legitime pro-westliche Regierung kämpfen. Wie genau haben sich Teil von der pro-westliche Oposition in bösen Faschisten umgewandelt? Es kann nicht sein, dass diese Leute plötzlich so bösartig geworden sind, denn vor einem Jahr die westlichen Maßmedien waren alle überzeugt – die pro-russische Regierung war der Teufel und alle andere die gegen die Regierung protestiert haben waren Helden. Faschisten und Nazis sollte nur ein Teil von den russischen Propaganda sein. Laut Claus Kleber von ZDF in der „Heute-Journal“ von 21.07.2014 sind keine Faschisten zu finden – „Wir und viele Medien sind Hinweisen nachgegangen, ob das stimmt, aber wir haben festgestellt, es gibt diese Faschisten nicht.“.

ein Jahr später aber die Faschisten in der Ukraine sind mehr als real, wieder eine Feststellung bei „Heute Journal“ vor wenigen Tagen.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2450834/ZDF-heute-Sendung-vom-18.-Juli-2015?setTime=467#/beitrag/video/2450834/ZDF-heute-Sendung-vom-18.-Juli-2015

Der Rechte Sektor (Pervii Sektor) war die Spitze des Schwertes von der pro-westlichen Opposition bei der Meidan letztes Jahr. Noch mehr – nach dem Putsch sind sie und Dmitri Jarosch als Anführer, Teil von den Regierenden in der Ukraine. Dennoch haben andere Medien versucht die unangenehme Situation noch zu retten und das was gerade geschieht klein zu spielen. In dem Onlineangebot von „Die Zeit“ am 12.07.2014 wurde der folgende Artikel veröffentlicht – „Drei Tote nach Schusswechsel in der Westukraine”.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/gefechte-westukraine-drei-tote

Wegen 4 Tote wurde teilweise eine ganze Stadt von ca..100.000 Einwohner evakuiert. Es ist auch keine Spur von der „Nationalgarde“, wovon das Rechte Sektor eigentlich ein Teil ist – es geht angeblich nur um eine paramilitärische Nationalorganisation. Zwar wurden Fakten erwähnt, wie Berichte von Amnesty International für begangene Kriegsverbrechen an der Ostfront aber es gebe keinerlei Verbindungen zwischen Pervii Sektor und die, nach der Maidan entstandene Regierung, in dem Artikel. Dennoch ist Pervii Sektor als Teil von der „Nationalgarde“ dem Innenministerium unterstellt.

Es ist äußerst störend wie manche Medien in Deutschland absichtlich die Realität verzerrt haben – schwerbewaffnete Faschisten und Rechtsradikale können und dürfen nicht die Guten spielen und schön gemalt werden, egal in welches Szenario und unter welche Konjunktur sie sich in einem bestimmten Moment befinden. War die Verleugnung deutscher Medien ein Teil von der Kriegspropaganda oder reine Dummheit und Naivität – beiden Optionen sind mehr als gefährlich.

Da wo #merkelstreichelt, ist man gern

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Am 15. Juli 2015 fand der Bürgerdialog mit dem Kampagnentitel „Gut leben in Deutschland“ in Rostock statt. Zu Gast war eine Rostocker Schulklasse, die Merkel Fragen zur aktuellen Flüchtlingspolitik stellte. Dort kam es zu einem Zwischenfall als ein Mädchen namens Reem Sahwil, das mit ihrer Familie vor vier Jahren aus Palästina in den Libanon geflohen war und von da aus nach Deutschland, Frau Merkel ihre persönliche Geschichte erzählte. Dabei ging sie auf ihre Angst vor einer Abschiebung ein, da ihre Familie lediglich eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung bekommen hatte. Merkel zeigte Verständnis für die Situation des Mädchens, betonte aber auch dass Deutschland nicht alle Menschen aufnehmen könne. Als das Mädchen daraufhin zu weinen begann, streichelte Merkel es und versuchte es mit den Worten „Och, komm. Du hast das doch prima gemacht“ zu trösten. Diese Aussage und das Handeln der Kanzlerin sorgten unter dem Hashtag #merkelstreichelt online für einen Shitstorm im Internet, in dem vor allem auf Merkels herzloses Verhalten hingewiesen wurde. Zugleich wurde aber auch eine neue Flüchtlingsdebatte ausgelöst.

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Ist eine solche Reaktion gerechtfertigt?

Zunächst muss gesagt werden, dass das Video, das vom NDR ausgestrahlt wurde und auf YouTube zu sehen ist, eine Länge von 5:30 Minuten hatte. Es zeigte folglich nicht das ganze Gespräch, das bei dem Bürgerdialog stattfand, sondern nur einen Ausschnitt. Durch diese „Manipulation“ wirkte es so, als sei Merkel gefühlskalt und als wäre ihr das Schicksal des Mädchens gleichgültig. In dem langen Video dagegen (90 Minuten) ging es darüber hinaus darum, dass das Asylbewerberverfahren eine lange Zeit in Anspruch nimmt und Frau Merkel bemühte sich zu erklären, warum dies so sei und ging darauf ein, dass dieses Verfahren in Zukunft beschleunigt werden soll.

Durch die Kurzversion wurde im Vergleich zu der Langversion des Videos der Eindruck der Situation verschärft und zugespitzt. Es muss jedoch auch gesagt werden, dass die Formulierung Merkels als etwas ungünstig gewählt beurteilt werden kann. Merkel hat, wenn auch etwas ungeschickt, richtig gehandelt, indem sie dem Mädchen keine Versprechungen gemacht hat, die sie möglicherweise nicht einhalten kann. Hätte sie das getan, hätte sie sich über alle rechtstaatlichen Prinzipien hinweggesetzt, wozu sie überhaupt nicht in der Lage ist. Sie wählte deshalb einen Mittelweg und versuchte, die Problematik der Flüchtlingsdebatte so gut es geht zu erläutern.

Hierbei sind also vor allem diejenigen Medien zu kritisieren, die die Geschichte unnötig aufgebauscht haben und lediglich auf die Kurzversion des Videos verwiesen haben anstatt eine umfassende Recherche vorzunehmen.

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