Opfer der Mediengesellschaft oder 17,98 für die Luft

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Für allen soll es schon klar sein, dass hier geht es um den Rundfunkbeitrag. Und das Gesetzt, das von Anfang an als Entlastung dienen sollte, ist für einige Leute eine große Belastung.  Alle müssen den Beitrag zahlen egal wo sie wohnen und welche Rundfunkgeräte (egal ob überhaupt irgendwelche) sie haben. Ja, eine super Idee des Beitragsservices um Zeit für die Überprüfung zu sparen und mehr Geld kassieren: „Aus Düsseldorf wird eine Erhöhung von 20.000 auf 150.000 oder 200.000 Euro pro Jahr gemeldet, aus Stuttgart eine von 67.000 auf 150.000, aus München ein Anstieg von 60.000 auf 350.000 Euro.“(das ist nur von Kommunen) 1

Vorher musste man den Beitrag pro ein Rundfunkgerät zahlen, und für einige große Familien das war richtige Belastung.  (Aber wenn eine Familie 3 Fernsehen, 2 Laptops und 3 Radios erledigen kann, muss auch in Zustand sein einen Beitrag zahlen!) Jetzt ist es egal wieviel Rundfunkgeräte man hat.  Was hier besonders einfällt– das Computer, Laptop und sogar Smartphone sind auch Rundfunkgeräte. Ja, klar, man kann auch mithilfe eines Smartphones Radio hören usw. aber man muss das nicht unbedingt tun, es wird nicht mit diesem Ziel gekauft. In eine Mediengesellschaft muss man jetzt zahlen nicht nur für Dienstleistungen und Waren, aber auch für die MÖGLICHKEIT etwas benutzen, sehen oder hören. Und was ist mit den Leuten die gar keine Fernsehens, Radios, Laptops oder kein Internetzugang und Smartphones haben?! Ja, solche existieren auch, aber leider nicht für ARD, ZDF Beitragsservice. Die Losung lautet: „Einfach für alle“. So einfach ist es leider nicht. Beitragsservice fordert den Beitrag von Bürgern, deren Einkommen unter dem Existenzminimum liegt (mehr darüber 2 ).

Jetzt kommt die Frage wofür wir eigentlich zahlen müssen. ARD, ZDF Beitragsservice gibt keine richtige Erklärung. Jetzt kassiert das Beitragsservice viel mehr Geld als GEZ früher, und was passiert mit dem Geld? Das ist auch eine interessante Frage. Ich hätte nichts dagegen wenn die Gesetzänderung zu einer besseren Qualität des Fernsehens und Radios führte. Wenn es wenige Werbung  und mehr erkenntnisreiche Sendungen gäbe, das würde ich gerne bezahlen.  Hat aber jemand die Veränderungen bemerkt?  Die einzige Veränderung ist nur das: einige,  die schon haben,  bekommen noch mehr und andere müssen das Letzte abgeben. So ist die moderne Mediengesellschaft—viele Möglichkeiten und sehr wenig Menschlichkeit.

 

1.Hanfeld, Michael: Rundfunkbeitrag. Elfmal mehr für die Kitas. FAZ.net.  31.01.2013. http://www.faz.net/aktuell/rundfunkbeitrag-elfmal-mehr-fuer-die-kitas-12046235.html (abgerufen 13.05.2013)

2. Hanfeld, Michael: Rundfunkbeitrag. Alle müssen zahlen. Ganz einfach. FAZ.net.   12.04.2013 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rundfunkbeitrag-alle-muessen-zahlen-ganz-einfach-12147046.html (abgerufen 13.05.2013)

 

 

16vor bis Jahresende vor dem aus?

geschrieben von in Internet, Kommunikationsformen, Medienkritik, Medienwandel, Online-Magazine, Zukunft des InternetKeine Kommentare »

Da ich wegen meines Cloud Working Jobs in Berlin lebe, gehört der Berliner Tagesspiegel für mich zur täglichen Lektüre. Auf dessen Medienseite fand ich letzt Woche einen Artikel zum Thema “Hyperlokale Medien”.  Neben der „Tegernseer Stimme” dem , „Heddesheim Blog“ oder den „Prenzlauer Berg Nachrichten“ ging der Artikel auch auf 16vor aus Trier ein.

16vor-Macher Marcus Stölb äußerte sich in dem Artikel recht pessimistisch zu den Zukunftschancen von 16vor. Sollte es bis Ende des Jahres nicht möglich sein, mehr Einnahmen mit 16vor zu generieren steht das Projekt vor dem aus.  Das 16vor nun seit sechs Jahren dem Nachrichtenmonopol des Volksfreund etwas auf lokaler Ebene entgegensetzt finde ich sehr wichtig für Trier. Aber es ist auch verständlich, dass ein Journalist nicht langfristig von 1000 Euro im Monat (so viel verdient man als 16vor Vollzeitredakteur) leben kann und möchte. Es ist schade, dass trotz 150.000 Besuchern im Monat noch keine funktionierende Monetarisierungsstrategie für ein solch ambitioniertes Projekt gefunden werden konnte. Aber hier gibt Stölb sich selbstkritisch. Das Marketing habe man zu lange vernachlässigt.

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Mister “Lens Flare” wagt sich an Star Wars VII

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Ach, wie schön es war als ich als Kind zum ersten, zweiten, dritten oder zum vierten Mal Star Wars Episode IV-VI sah. Dann wurde angekündigt, dass die Episoden I bis III erscheinen sollen und ich wurde ganz hibbelig. Doch was bekam man serviert?
Eine Trilogie mit vielen Konferenzsälen, politische Debatten, Jar Jar Binks, einer peinlich erzählten Liebesgeschichte, viel zu viel Pathos und noch vielen andere Dingen, die man sich hätte sparen können.
Nach all den Jahren und nach all den zusätzlichen Schandtaten, die dem Franchise noch angetan wurden, kann ich nun endlich sagen: „Star Wars“ ist nicht mehr meins.
Die ersten drei Episoden waren mies und wenn man mal ganz ehrlich ist, ist nur Episode 5 überdurchschnittlich gut. Auch als die Nachricht durch das Internet wanderte, dass Disney sich Lucasfilm samt „Star Wars“-Lizenz geschnappt hat, war ich nur latent begeistert.

Nun wurde jedoch bekanntgegeben, dass J.J. Abrams die Regie in der kommenden Episode VII übernehmen wird. Jener Mann, der unter anderem die Regie für „Lost“ übernommen hatte, die Serie, die mehr Fragen aufgeworfen hat, als sie beantworten konnte. Damals habe ich sie geliebt, auch wenn man zum Ende hin gemerkt, hat, dass die Autoren auch keine Idee mehr hatten, das irgendwie schlüssig zum Ende zu führen.
Außerdem saß er beispielsweise in dem Regiestuhl von „Super 8“ – ein Film, der sich angefühlt hat wie „E.T.“ und wie eine Liebesbotschaft an die Kunstform Film per se. Mit dem Reboot von Star Trek hat Abrams zudem deutlich gemacht, dass er auch eingestaubten Marken einen neuen Wind geben kann und im Science-Fiction Genre nicht unerfahren ist.

Mit der zusätzlichen Meldung, dass Michael Arndt, der Drehbuchautor von „Toy Story 3“, für die Handlung von Episode VII verantwortlich sein soll, sollte eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Immerhin wurde dieser schon für einen Oscar nominiert und der Abschluss der „Lebendigen Spielzeug“-Trilogie war einfach ein schöner Moment der Filmgeschichte.

Mit den beiden im Schlepptau, bin ich mir sicher, dass etwas Gutes dabei herumkommen kann.
Ich erwarte kein Meisterwerk, aber doch zumindest einen Film, bei dem man sich nicht nach dem Kinobesuch ärgert, Geld dafür hinausgeschmissen zu haben.

2015 soll es soweit sein, denn dann wird nicht nur die „Merchandise-Kuh“ namens Star Wars gemolken bis der Arzt kommt, sondern auch die neue Episode ins Kino kommen.

 

Quellen:

Filmstarts (2012): „Toy Story 3“-Verfasser Michael Arndt nun als Drehbuchautor für „Star Wars 7“ bestätigt. URL: http://www.filmstarts.de/nachrichten/18475881.html (abgerufen: 28.01.2013)

 

taz.de (2013): „J.J. Abrams übernimmt „Star Wars 7“. URL: http://www.taz.de/!109830/ (abgerufen: 28.01.2013)

Unterschichtenfernsehen: Wieso schauen wir es?

geschrieben von in Fernsehen, Medienkritik, Qualität5 Kommentare »

Alle Jahre wieder schafft es RTL mit dem Dschungelcamp etliche Millionen Deutsche vor den Fernseher zu versammeln. Sie ergötzen sich an den Spannungen in der Gruppe, die Gespräche über Gott und die Welt und natürlich über die Prüfungen, die ohne Ekel in der Regel nicht auskommen können.

Im Prinzip handelt sich bei „Ich bin ein Star holt mich hier raus!“ nur um ein weiteres Format der umgangsprachlich genannten Kategorie „Unterschichtenfernsehen“, nur aufwendiger, professioneller, größer und mit mehr oder weniger bekannterer Besetzung und reiht sich perfekt in das restliche Programm von RTL ein, das diese Art der Unterhaltung schon fast inflationär ausstrahlt. So sollte man zumindest denken, aber in der Realität sieht es ganz anders aus. Deutschland liebt seine Promis im Dschungel. RTL lacht sich ins Fäustchen, denn satte 4,32 Mio. der 14- 19-Jährigen schauten sich die Show am 15.1.2013 an, was einen Marktanteil von 46,7 % entspricht.

Aber was ist es, was die Deutschen an Shows wie besonders „IBES“ so toll finden? Wieso erstreckt sich dieser Virus des „Unterschichtenfernsehen“ durch fast die vollständige Deutsche Fernsehlandschaft und nimmt dabei den Platz für eventuell interessantere Formate weg? Und wann werden wir davon endlich überdrüssig?

Ab und zu denke ich mir, was ein Tourist, der in Deutschland Urlaub macht, wohl über uns denkt, wenn er ein wenig Fernsehen schaut. Das bereitet mir fast ein wenig Sorge.

Gerne würde ich wieder einen vernünftigen Grund haben, um auf meiner Fernbedienung die Tasten für die privaten Sender zu drücken, um dort „gute“ & selbstproduzierte Serien zu sehen, aber davon sind wir gerade weit entfernt. Stattdessen gibt es etliche schnell und günstig produzierte Formate. Schade.

 

Quellen:

Meedia.de (2013): „Ich bin ein Star“ ist auf Rekordkurs URL: http://meedia.de/fernsehen/ich-bin-ein-star-auf-rekordkurs/2013/01/16.html (abgerufen: 20.01.2013)

Und jährlich grüßt das Weihnachtslied

geschrieben von in Internetradio, Medienkritik2 Kommentare »

Es ist ein schöner Wintermorgen. Du fährst mit deinem Auto durch die weiße Landschaft Deutschlands auf dem Weg zur Arbeit. Du fühlst sich pudelwohl, doch dann trifft dich nichtsahnend der „Last Christmas“-Weihnachtshammer. Der Running-Gag der weihnachtlichen Hörfunkwelt zerstört den wohltuenden Morgen: „Last Christmas I gave you my heart…“

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact AG wollen 28 % der Befragten Autofahrer diesen Song nicht mehr hören.

Dieses Lied verdeutlicht die Einfallslosigkeit der deutschen Radiolandschaft. Es spielt einfach keine Rolle welchen Sender man einschaltet, ob ich nun Radio Hamburg höre, Antenne Bayern, RPR 1 oder Radio Berlin: das Programm ist fast immer identisch und redundant. Zur Weihnachtszeit wird das ganz besonders deutlich durch eben diesen Klassiker von Wham.

Wie kann es sein, dass ich innerhalb einer Stunde gefühlte zehn mal ein Lied von Rihanna, One Republic oder sonstigen Göttern des Mainstreamhimmels höre?

Wieso ist dieses Musikprogramm so unfassbar klein, wenn doch die Musikwelt eine so gigantische Auswahl bereithält? Mir ist klar, dass das Programm durch Marktforschungen erstellt bzw. angepasst wird, um somit ein möglichst breites Publikum glücklich zu machen und die für die Werbekunden relevante Zielgruppe zu treffen. Aber wird ein Radiosender dadurch nicht unfassbar belanglos? Wird er nicht einer von vielen?

Laut einer aktuellen Langzeitstudie der Universität Leipzig „Klangraum Internet“ nutzen nur noch 18 % der Jugendlichen in Deutschland das klassische Radiogerät regelmäßig und setzen fast ausschließlich auf die Angebote im Netz. 93 % derjenigen, die Youtube aufrufen, nutzen diese Plattform um Musik zu hören. 36 % der Musikhörenden im Netz surfen bestimmte Webradios an.

Aus meiner Sicht völlig verständlich, denn das Internet bietet verschiedene Möglichkeiten Musik zu genießen. Es ist dynamisch, steuerbar und bietet im Gegensatz zum Radio auch unbekannten Bands eine erhöhte Chance gehört zu werden.

Das klassische Radio wäre für mich eigentlich schon erledigt, hätte ich nicht Ego.fm, mit einem für mich interessanten Konzept, entdeckt. Die Redaktion hört auf die Wünsche der Hörer und ist selbst daran interessiert Musik zu senden, die gut und noch nicht durchgehört ist. Fritz Radio beispielsweise in Berlin/Brandenburg bietet ebenfalls eine interessante Musikauswahl. Ich hoffe, dass sich noch mehr Sender wie diese etablieren können: für mehr Vielfalt, für bessere Musik, für bessere Chancen unabhängige Musiker zu entdecken & für eine bessere deutsche Radiolandschaft.

 

Quellen:

Musikmarkt (2012): Studie: Klassisches Radio ist out, Youtube in, URL: http://www.musikmarkt.de/Aktuell/News/Studie-Klassisches-Radio-ist-out-YouTube-in (abgerufen: 23.12.2012)

Focus Online (2012): Bloß nicht Wham und keine roten Nasen, URL: http://www.focus.de/auto/news/weihnachtslieder-im-auto-bloss-nicht-wham-und-keine-roten-nasen_aid_876394.html (abgerufen am: 23.12.2012)

egoFM (2012), URL: http://www.egofm.de/ (abgerufen am: 23.12.2012)

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In Gedenken an Jacintha Saldanha

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik1 Kommentar »

Erinnerungen werden wach. 31. August 1997: Prinzessin Diana stirbt nach einem Autounfall in einem Pariser Krankenhaus. Die Meldungen überschlagen sich: wurde die Exfrau von Prinz Charles von den Medien bis in den Tod gehetzt? 15 Jahre später dreht sich erneut alles um das britische Königshaus. Diesmal wird eine erfreuliche Nachricht von einer Tragödie überschattet: der potenzielle Thronfolger und Sohn der verstorbenen Diana verkündet die frohe Botschaft über die Schwangerschaft seiner Frau Catherine, auch genannt Kate. Die Hysterie ist groß, überall auf der Welt. Die Nachricht reicht so weit, dass gar ein australischer Radiosender damit versucht sein Morgenprogramm auf eine fragwürdige Art zu schmücken. Wenige Tage nachdem die Mitteilung über den royalen Nachwuchs weltweit bekannt war, drückt das Königshaus seine “Tiefe Trauer”2 aus – in Gedenken an eine von Kates Krankenschwestern, Jacintha  Saldanha. Sie wurde Opfer eines üblen Radio-Scherzes des australischen Senders “2Day FM”, dessen zwei Moderatoren sich als die Queen und Prinz Charles am Telefon ausgaben, um über den Gesundheitszustand von Kate informiert zu werden.1 Jacintha war diejenige, die den Anruf entgegennahm und auch weiterleitete. Die beiden Moderatoren hatten es also geschafft an sehr intime Informationen heranzukommen. Danach folgte eine “öffentliche Erniedrigung”2 und Demütigung des Krankenhauses und seiner Beschäftigten, ganz besonders Jacinthas, die sich daraufhin das Leben nahm.

Warum musste es soweit kommen? Sind erneut die Medien schuld aufgrund ihrer Erbarmungslosigkeit? Oder sind die beiden Radiomoderatoren zur Rechenschaft zu ziehen?

Dieser geglückte Anruf war natürlich ein Erfolg für den Radiosender und gefundenes Fressen für die Boulevardpressen. Eine “weltweite Berichterstattung über den Vorfall”1 erfolgte und die Beteiligten wurden mit Hohn und Spott überhäuft, ohne Rücksicht auf persönliche Schicksale. Vielleicht wäre es mit einer weniger ausführlichen und weniger personalisierten Berichterstattung nicht zu einer solchen Tragödie gekommen, doch der “zügellose[n] Hunger der Medien nach Invasion der Privatsphäre”2 kannte keine Grenzen, sodass diese Frau im “internationale[m] News-Sumpf”2 untergegangen ist. Ein Geschehnis, dass an Tragik kaum zu überbieten ist, sollte es doch ursprünglich ein Radio-Gag der beiden australischen Moderatoren sein. Diese werden momentan für ihre “Tat” an den Pranger gestellt und in sozialen Netzwerken gar für den Tod der Krankenschwester verantwortlich gemacht.2 Auch hier wird wieder die Macht der Medien deutlich, wie weite Kreise so etwas ziehen kann. Doch es bringt nichts, soziale Netzwerke zu missbrauchen, um die beiden unter einen ähnlichen öffentlichen Druck zu stellen, wie Jacintha es erleben musste. Wir sollten aus diesem Vorfall lernen. In Gedenken an Jacintha Saldanha.

Quellen:

1 Kielinger, Thomas (2012): Die seelische Verstörung der beliebten Krankenschwester, welt.de, 09.12.2012, http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article111909716/Die-seelische-Verstoerung-der-beliebten-Krankenschwester.html (aufgerufen am 09.12.2012)

2 Kielinger, Thomas (2012): Kates Krankenschwester und die Scham vor dem Spott, welt.de, 08.12.2012, http://www.welt.de/vermischtes/article111895055/Kates-Krankenschwester-und-die-Scham-vor-dem-Spott.html (aufgerufen am 09.12.2012)

Stefan Raab: “Absolute Mehrheit” bei Pro7?

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Stefan Raab ist allgegenwärtig beim Privatsender Pro 7.“ Zappt“ man durch das Fernsehprogramm, bestenfalls abends oder am Wochenende, begegnet man mit hoher Wahrscheinlichkeit Stefan Raab, wenn man bei Pro7 angelangt ist. Der TV-Allrounder nimmt mit seinen verrückten Showideen nicht selten einen Platz im Programm des Privatsenders ein. Unzählig sind seine Shows, sodass bei Versuch einer Aufzählung bestimmt einige seiner Shows vergessen werden. Er moderiert TV Total, veranstaltet unterschiedliche Pokernächte, Turmspringen, Stockcarrennen, Wok-WMs, Schlag den Raab, Unser Star für Oslo, diverse Castingshows mit langen Abkürzungen, die bei einer Nennung ohnehin nicht rekonstruierbar wären und vieles mehr. Und offensichtlich wollen deutsche Fernsehzuschauer genau solche Formate sehen. Egal wie viele unterschiedliche Ideen Stefan Raab schon umgesetzt hat, er hat immer neue verrückte Einfälle.
Kürzlich wurde seine erste Politikshow in Kooperation mit Peter Limbourg,  Sat1, ausgestrahlt und lieferte dem Privatsender hohe Einschaltquoten. Doch stimmt das wirklich? Ist Stefan Raab ein „Alleskönner“ und „Geldmacher“ oder gibt es auch irgendwann eine Grenze? Kann der Entertainer irgendwann auch Reizüberflutung auslösen? Wie lange ertragen wir seine ständigen Auftritte?
Vermutlich hätten sich Produzenten und auch Stefan Raab bei der neuen Show „Absolute Mehrheit“ am Sonntagabend über prominenteres Publikum gefreut. Geladene Gäste, wie beispielsweise Umweltminister Peter Altmaier, sagten aber kurzfristig ab. Der Clou der Show: 100 000 Euro für den Diskussionsteilnehmer, der die „absolute Mehrheit“ der kostenpflichtigen Zuschaueranrufe für sich gewinnen kann. Also Politik für Geld? Ein fragwürdiges Konzept. und wer eine niveauvolle und gedankenöffnende Diskussion an diesem Sonntagabend erwartet hatte wurde sichtlich enttäuscht. Allgemeine Äußerungen der Gäste, die weder konkret umsetzbar, noch sinnvoll nachgedacht erschienen und ein Stefan Raab, der irgendwie verkleidet und fehl am Platz in seinem Outfit wirkte, das sahen Zuschauer am Sonntagabend.

Nicht nur Stefan Raab, auch die Gäste Thomas Oppermann,SPD Bundestagspolitiker, Wolfgang Kubicki, FDP-Chef im Kieler Landtag, Jan van Aken, Linken Politiker und Unternehmerin Verena Delius, Geschäftsführerin der Bildungssoftware-Firma Goodbeans, wirkten allesamt gezwungen gut gelaunt und buhlten mit Beiträgen über die Energiewende, soziale Netzwerke und Steuergerechtigkeit um das Preisgeld. Also wahrhaftig Politik mit Preisgeld: Ein erfolgreiches Konzept. Rund 1,8 Millionen Zuschauer interessierte die neue Show von Stefan Raab. Nicht unerwartet dauerte es aber an dem Abend auch nicht lang bis Moderator Stefan Raab einen abschätzigen Kommentar über Phillip Rösler einbrachte. Wie schon oft in seiner Abendsendung verschmähte der Moderator, völlig aus dem Kontext heraus, „Fipsi“.Waren seine Witz über den FDP-Politiker in der Late-Night-Show „TV Total“ anfangs für manche noch lustig, waren sie in der Politshow eher unangebracht. Auch die Einspieler zu den Themen der Politshow erinnerten ein wenig an Erklärungen der Kindernachrichtensendung „Logo“ und so bot diese Show am Abend wieder einmal Stefan Raab eine Plattform zur Selbstdarstellung.

Wer wirklich einen niveauvollen und interessanten Politiktalk sehen möchte, sollte lieber auf andere Formate der öffentlich-rechtlichen Sender zurückgreifen. Für mich war diese Idee von Stefan Raab ernüchternd. Sie ist richtig für Fans von Stefan Raab.  Es bleibt außer Frage, dass der gelernte Metzger aus Köln ein  kluger Kopf ist, sonst wäre er nicht so erfolgreich mit seiner Selbstvermarktung. Doch ist er meiner Meinung nach für Unterhaltung gemacht und sollte sich nicht zu oft präsentieren und somit den Bogen überspanen. Auch Publikumslieblinge haben ein Verfallsdatum. Zwar leben Politiktalkshows von Unterhaltung, jedoch enthielt die von Stefan Raab zu viel Unterhaltung und zu wenig brauchbaren Inhalt. Die Gewinnprämie von 100 000 Euro landet am Ende im Jackpot. Wolfgang Kubicki gewann zwar die Mehrheit der Zuschauerstimmen für sich, jedoch erreicht er nicht die „absolute Mehrheit“.
Zum Glück hat Stefan Raab noch nicht die „absolute Mehrheit“ der Ausstrahlungszeit des Privatsenders für sich ergattern können, es gibt ja Werbung.

Quellen:
Spiegel (2012):Raab macht Quote für Pro7, URL: http://www.spiegel.de/kultur/tv/raab-polit-show-die-absolute-mehrheit-erreicht-ordentliche-quote-a-866658.html, [19.November]

Focus (2012):„Absolute Mehrheit“: Statt Altmaier kommt jetzt Michael Fuchs, URL:  http://www.focus.de/kultur/kino_tv/stefan-raabs-neue-polit-show-auf-prosieben-absolute-mehrheit-statt-altmaier-kommt-jetzt-michael-fuchs_aid_857277.html, [18.November]

Kuzmany, Stefan: Maximal breitbeinig (2012), in: Spiegel Online, URL: http://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-kritik-stefan-raab-und-seine-polit-show-die-absolute-mehrheit-a-866591.html, [18.November]

Das Image Obamas – ein konstruiertes Weltbild?

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Die Präsidentschaftswahl in den USA hat in diesem Jahr ein beispielloses mediales Interesse ausgelöst. Die beiden Kandidaten Mitt Romney (Republikaner) und Barack Obama (Demokraten) lieferten sich einen ungemeinen Schlagabtausch, der in der ganzen Welt mit großem Interesse wahrgenommen wurde. In der Wahlnacht am 06.11.2012 lud Markus Lanz mehrere Experten (Botschafter Philip D. Murphy, die Journalisten Michael Spreng und Georgia Tornow, Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel und Autor Eric T. Hansen)1 zu einer Spezialausgabe seiner gleichnamigen Talkshow ein und diskutierte unter anderem mit Ihnen über die vermeintliche Annahme, dass der amtierende Präsident Obama in Deutschland zweifellos besser dastehe als sein Herausforderer Mitt Romney.

Seltsamerweise blieb der Kampf ums Weiße Haus bis zur Wahlnacht unglaublich spannend, hatte sich Mitt Romney doch eigentlich schon vor Monaten selbst demontiert und damit Barack Obama einen Stimmenanteil von 85% verschafft – allerdings in Deutschland.1 Wie kann es sein, dass wir in Deutschland derart von Präsident Obama überzeugt sind, wohingegen sich in Amerika das wohl spannendste Duell aller Zeiten abgespielt hat? Bekommen wir in Europa nicht alles mit, erreichen uns die Nachrichten in verzerrter Weise oder sehen wir Obamas Qualitäten durch eine “rosarote Brille”?

Das erste TV-Duell, das dem Amtsinhaber fast zum Verhängnis geworden wäre, das nahmen auch wir als Niederlage wahr. Doch unvorstellbar für uns, dass dies allein ausschlaggebend für den Ausgang des Wahlkampfes sein sollte. Doch es scheint noch mehr Gründe dafür gegeben zu haben, dass es derart eng werden würde. Haben wir ein anderes Bild von Obama als die Amerikaner? Wurden unsere Nachrichten zu Gunsten des jetzigen Präsidenten manipuliert und ein fast ausschließlich positives Weltbild von ihm konstruiert?

So sind uns sämtliche Patzer von Mitt Romney präsent, ob das seine verbale Entgleisung war, in der er Wähler Obamas als “Opfer” bezeichnetet oder als er den Irak mit dem Iran verwechselte.1 Romney´s Fehltritte fanden größeren Anklang in unserer Berichterstattung und wurden hierzulande als eine Art des in den USA sehr verbreiteten “negative campaigning”1 gegen ihn gebraucht. So lautete beispielsweise eine Schlagzeile der Financial Times Deutschland vom 17.10.2012 “Obamas Kampfgeist und Romneys Patzer”.2 Herr Eric T. Hansen erklärte passend dazu, dass in Deutschland Obamas Fehltritte oder verbale Entgleisungen meist beschönigt und weitreichend erklärt werden, wohingegen gegenüber Romney keinerlei Gnade gezeigt wird.

Herr Hansen nahm den Herausforderer in Schutz, und wies auf die übertriebene Negativität in der Berichterstattung über den Republikaner hin.1 Lanz stellte gar die These in den Raum, dass in Deutschland “tendenziell Demokraten eher gut und Republikaner eher böse sind”.1 Wir bekommen, so scheint es und bejahen es die Experten in der Talkrunde, ein verzerrtes Bild der Parteien und ihrer Kandidaten vermittelt und nach Herrn Hansen sind es “die Mehrzahl der deutschen Zeitschriften, die das kolportieren”.1

Wir bekommen also, natürlich oberflächlich betrachtet und auf den Otto Normalverbraucher zugeschnitten, ein Bild übermittelt, das verzerrt und manipuliert ist. Dies erklärt auch die Diskrepanz zwischen dem engen Wahlkampfendspurt in den USA und dem eindeutigen, jedoch fiktiven Ergebnis in Deutschland. In diesem Fall stehen sich ein überzogen, kritisches Bild des Republikaners Romney und die euphemistische Darstellung des Demokraten Obamas gegenüber. Wir hier in Deutschland, wir sehen es so, weil die Medien es uns durch ihre Brille vermitteln. Und es kam so, wie es kommen musste: das Gute konnte das Böse, in diesem Fall Mitt Romney, der es auf der Zielgeraden noch einmal spannend machte, besiegen. Happy End.

1 Lanz, Markus (2012): Markus Lanz, Video vom 6. November 2012, http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/1539970#/beitrag/video/1769028/Markus-Lanz-vom-6-November-2012 (abgerufen am 10.11.2012)

2 Zöttl, Ines (2012): Obamas Kampfgeist und Romneys Patzer, 17.10.2012, http://www.ftd.de/politik/international/:us-wahl-2012-obamas-kampfgeist-und-romneys-patzer/70105319.html (abgerufen am 10.11.2012).

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Sprachliche Unvollkommenheit in den Medien: “I look not back, I look in front!”

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Eigentlich lässt sich bereits an der Wortwahl erahnen, von wem dieser „bedeutende“ Satz stammt.

Und eigentlich könnte man annehmen, dass Personen mit derartigen Englisch Kenntnissen keine herausragende Stellung in der Gesellschaft genießen. Doch sein Können hat ihn zu einem der angesehensten Größen im Profifußball gemacht. Er ist ein Rekordnationalspieler, war Europas Nationalspieler des Jahres und sogar Weltfußballer des Jahres. Seit seiner Entlassung 2011 möchte ihn jedoch kein Verein mehr als Trainer haben. Und so versucht er anderweitig die mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Seien es Frauengeschichten, oder seine zahlreichen Englisch-Fauxpas in der Öffentlichkeit, Lothar Mattäus scheint zu wissen, wie er vorgehen muss, um von den Medien beachtet zu werden. Allerdings ist fraglich, ob er weiß, wie er auf die Allgemeinheit wirkt.

Der bayrische Comedian Christian Böttcher hat Lothars sprachliche Fähigkeiten längst für sich entdeckt und imitiert den Fußballprofi regelmäßig in seinem Programm. Auch der Radiosender Bayern3 weiß den hohen Unterhaltungswert der Imitation zu schätzen und stellt Böttchers „Fränglisch mit Loddar“ seit Jahren einen Sendeplatz zur Verfügung. 2010 wurde das zugehörige Buch veröffentlicht, in dem der Fußballstar mit gewohnt lustigen Englisch-Kenntnissen, Lebensweisheiten und Tipps für die Zukunft verrät.

Der Erfolg des Fränglischen ist aus Böttchers Sicht leicht zu erklären:

„Die Faszination des Fränglischen kommt natürlich daher, dass wir alle Englisch gequält sind [...] und man muss dieser Qual auch etwas Positives abgewinnen. Zum Glück gibt es leuchtende Vorbilder, wie unseren Ex-Bundespräsidenten Lübke, dem ja angedichtet wird, dass er „equal goes it loose“ gesagt haben soll. Und [...] Günther Oettinger ist natürlich ein gefundenes Fressen, wenn solche Menschen tatsächlich beweisen, dass sie auch in höheren Positionen das Englische nie kapiert haben. Das ist tröstlich für den Großteil der Bevölkerung.“

 

FOCUS Online (04.05.2011): Wutanfall als Klickhit. Lothar Mattäus giftet vor laufenden Kameras. URL: http://www.focus.de/digital/videos/wutanfall-als-klickhit-lothar-matthaeus-giftet-vor-laufenden-kameras_vid_24695.html (Stand: 17.07.2012)

 

Man könnte meinen, die Programmleitung des Fernsehsenders VOX dachte anfangs ähnlich und wolle von Lothars sozialen sowie sprachlichen Unkenntnissen profitieren, um möglichst viele Zuschauer bei Laune zu halten. Da die produzierte Doku-Soap „Lothar-Immer am Ball“ wohl nicht die gewünschte Reichweite erzielte, wurde die Sendung in das Nachtprogramm verlegt.

Auch wenn Lothar Mattäus’ sprachliche Unwissenheit einen hohen Spaßfaktor hat, ist es schwierig, über dessen allgemein fehlende Kompetenz hinweg zu schauen. Schließlich sieht man nicht gerne dauerhaft dabei zu, wenn mit jeder Folge das Niveau abnimmt. Eine gute Sache muss der Doku-Soap jedoch zugesprochen werden. Dem Comedian Christian Böttcher wird außerordentlich viel Nährboden für sein Programm geboten. Und darüber lässt sich wiederum gut lachen.

 

Quellen:

Spiegel Online:  http://www.spiegel.de/kultur/tv/lothar-matthaeus-doku-soap-klug-wie-ein-kuehlschrank-a-840206.html

FOKUS Online: http://www.focus.de/digital/videos/wutanfall-als-klickhit-lothar-matthaeus-giftet-vor-laufenden-kameras_vid_24695.html

Podcast.de. Fränglisch mit Loddar:  http://www.podcast.de/podcast/16362/

Youtube.de. Loddar and his perfect english – incl. subtitle: http://www.youtube.com/watch?v=uKHPcwMHGVw&feature=fvwrel&NR=1

 

 

 

Papst angepisst. Urin oder Limonnade?

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Papst Benedikt XVI. ist verärgert: Durch das Titelblatt der Juli-Ausgabe des frankfurter Satiremagazins TITANIC fühlte der Papst sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und klagt nun gegen die Verbreitung des Bildes.

Mit dem Titel „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!“ zeigt die Titelseite des Magazins den Papst mit einem gelben Fleck auf seiner Soutane in Schritthöhe. Damit spielt TITANIC auf den “Vatileaks”-Skandal an, bei dem geheime Dokumente puplik geworden sind. Doch damit nicht genug: Auch die Rückseite zeigt den Papst – diesmal von hinten und mit braunem Fleck an selbiger Stelle.

Die heutige Erwirkung einer einstweiligen Verfügung führte dazu, dass TITANIC das Titelbild online bereits geschwärzt hat. Die Unterlassungserklärung unterschrieb die TITANIC jedoch nicht und so ist eine Einigung zwischen TITANIC und der Katholischen Kirche noch nicht abzusehen.

Überschreitet die TITANIC jedes Maß an Zumutbarem oder handelt es sich wie laut Chefredakteur Leo Fischer versichert um ein Missverständnis? Jedenfalls sind die Printausgaben mit Bild bereits in Umlauf und Fischer sagte: „Wir sind bereit, durch alle Instanzen zu gehen – bis hin zum Jüngsten Gericht.”

 

 

http://www.tagesspiegel.de/medien/einstweilige-verfuegung-der-rechtsstreit-ist-wohl-noch-nicht-beendet/6861908-2.html

http://www.titanic-magazin.de/newsticker.html

http://www.stern.de/kultur/einstweilige-verfuegung-papst-stoppt-titanic-cover-1855116.html

 

Spaß und Tränen vor dem Spiel

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Wer hat sie nicht gesehen, diese zwei prägnanten Szenen während der Live-Übertragungen des Vorrundenspiels Niederlande:Deutschland (13.6.; ZDF) und des Halbfinales Deutschland:Italien (28.6.; ARD)?

Zur Erinnerung:

Im Vorrundenspiel Niederlande:Deutschland am Mittwoch, den 13. Juni 2012, wird in der 22. Minute auf einmal eine Szene vom Spielfeldrand gezeigt, in der Bundestrainer Joachim Löw von hinten auf einen Balljungen zuschlendert, diesem spielerisch den Ball aus dem Arm stupst, dem Balljungen daraufhin mit einem Lächeln auf die Schulter klopft und ihm anschließend den Ball per Hacke zurück kickt [1, 2]. Dieses kurze Intermezzo sorgte wohl vor zahlreichen Leinwänden und Bildschirmen für allgemeine Belustigung, zeigten diese Bilder doch gänzlich unerwartet einen überaus entspannten Bundestrainer, der seine Scherze treibt, während seine Mannschaft auf dem Platz um wichtige Punkte kämpft. Der Überraschungseffekt der Szene war pointiert.

Im Halbfinale Deutschland:Italien am Donnerstag, den 28. Juni 2012, schießt Mario Balotelli das für deutsche Fans erschütternde 2:0 für Italien. Es folgt eine Großaufnahme ins Publikum, genauer auf eine Frau – unverkennbar in den Farben Deutschlands -, der bei unbewegter Miene eine einzelne Träne aus dem Augenwinkel über die Wange kullert [3]. Dieses emotional stark aufgeladene Bild spricht vielen Fans aus der Seele und ruft Mitgefühl hervor – und passte in diesem Moment perfekt.

Zu perfekt vielleicht? Ja, laut der Berichterstattung von FOCUS Online vom 15., 16. und 30. Juni 2012 [1, 2, 3]. In drei Artikeln wird von den Hintergründen dieser zwei Szenen berichtet, die beide jeweils vor den entsprechenden Spielen stattgefunden haben und von der UEFA möglichst wirkungsvoll an den genannten Stellen in die Bilder der Live-Übertragung montiert worden sein sollen [2, 3]. ARD und ZDF echauffieren sich über diese, wenn auch nur kurzweilige, Aussetzung gesetzter journalistischer Standards, und fordern: “Wo live drauf steht, muss auch live drin sein.” [2]

Ein klassischer Fall der Konstruktion einer Medienrealität, scheinbar frei nach dem Motto “Was nicht passt, wird passend gemacht.”. Doch wenn solche Methoden lediglich aufgrund einer effektiveren Dramaturgie in die Medien Einzug erhalten, was soll uns zukünftig dann noch erwarten? Darf man der Bildschirmnotiz “live” fortan wirklich noch Glauben schenken? Muss man nun jede ausgestrahlte Sekunde TV-Programm bzgl. ihres Wahrheitsgehaltes hinterfragen?

Die Verantwortung für die Montage während der zwei EM-Spiele scheint bisher noch nicht geklärt [2]. Doch ob es nun der Regisseur allein, die Produktionsfirma oder gar die UEFA an sich gewesen sei – von welchem Interesse mag das am Ende noch sein, wenn eine derartige Verzerrung der Realität gang und gäbe würde?

 

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[1] FOCUS Online (15. Jun 2012, 10:04 Uhr): Jogi Löw scherzt mit einem Balljungen. Uefa-Fake sorgt für Verwirrungen. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/kultur/medien/jogi-loew-scherzt-in-der-22-minute-mit-einem-balljungen-uefa-fake-sorgt-fuer-verwirrungen_aid_767595.html ; [30. Jun 2012, 3.57 pm].

[2] FOCUS Online (16. Jun 2012, 9:31 Uhr): Joachim Löw und der Balljunge. ZDF beschwert sich bei Uefa über falsche Bilder. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/sport/fussball/em-2012/joachim-loew-und-der-balljunge-zdf-beschwert-sich-bei-uefa-ueber-falsche-live-bilder_aid_767948.html ; [30. Jun 2012, 3.59 pm].

[3] FOCUS Online (30. Jun 2012, 12:35 Uhr): EM-Halbfinale Italien gegen Deutschland. Uefa montiert Tränen über Balotellis Treffer. in: Ebert/Steil (1996-2012): FOCUS Online. URL: http://www.focus.de/kultur/kino_tv/beim-halbfinale-italien-gegen-deutschland-uefa-montiert-traenen-ueber-ballotellis-tor_aid_775227.html ; [30. Juni 2012, 4.00 pm].

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Geschlechterdarstellung in den Medien

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik5 Kommentare »

Heute  um 15 Uhr haben die letzten 2.800 Schlecker-Filialen in Deutschland ihre Türen geschlossen. Damit verlieren rund 14.000 Mitarbeiter Ihren Job.

Doch wer sind diese Mitarbeiter?

In den Medien ist fast ausschließlich der Begriff “Schlecker-Frauen” zu finden. Doch ist dieser Begriff korrekt? Unterdrückt er nicht etwa die Minderheit der männlichen Mitarbeiter? Auch wenn ein Großteil der Schlecker-Mitarbeiter weiblich ist, sollten nicht auch die männlichen Mitarbeiter erwähnt werden?

Mit einer solchen Darstellung wird beispielsweise das Klischee des Einzelhandels als Frauendomäne nur verfestigt.

Hier die Fakten:

95 Prozent der Schlecker-Mitarbeiterschaft waren/sind Frauen.

Doch was ist mit den restlichen 5 Prozent? Diese bleiben in den Medien gänzlich unerwähnt.

Ich möchte diese Tatsache mit der Bundeswehr vergleichen:

Derzeit gibt es bei der Bundeswehr 197.272 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Zahl der Soldatinnen beläuft sich auf gerade einmal 18.064. Das sind 9%.

Spätestens seit dem Unfall auf der Gorch Fock ist das Thema Frauen bei der Bundeswehr trotz der zu vernachlässigenden 9% aktuell und es wird auf eine gleichberechtigte Darstellung gepocht. Frauen werden immer wieder im Zusammenhang mit der Bundeswehr erwähnt. Beim Besuch des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg in Afghanistan und dessen Interview mit Johannes B. Kerner waren überdurchschnittlich viele Soldatinnen im Studio. Eine Öffnung der Bundeswehr für Frauen sollte so suggeriert werden. Auch die Bundeswehr selbst setzt spätestens seit dem Aussetzen der Wehrpflicht auf eine gleichberechtigte Darstellung von Mann und Frau in den Medien. So wird auf dem Karriere-Portal der Bundeswehr für jeden Bereich je ein Mann und eine Frau dargestellt. Nach Jörg Keller werden Soldatinnen in dem Medien allerdings noch immer fast nur im Sanitätsdienst, fern von Kampfhandlungen und im Vergleich zu männlichen »Kameraden« in passiveren und untergebenen Rollen und Funktionen gezeigt.

Frau Dr. Marion Gierden-Jülich sagte 2010 auf dem internationalen Frauentag in Köln: “Medien tragen maßgeblich zur Meinungsbildung bei und bestimmen somit das Tempo der Gleichberechtigung in entscheiden­dem Maße mit”.

Durch die Darstellungsweisen von Soldatinnen in den Medien und dem begriff “Schlecker-Frauen” wird die Gleichberechtigung allerdings nicht wirklich vorangetrieben.

Die Medien sollten, meiner Meinung nach und im Hinblick auf die Gleichberechtigungsdebatte, etwas mehr Feingefühl bei der Wort-/Begriffswahl zeigen und den Begriff der “Schlecker-Frauen” korrigieren.

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Quellen:

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/schlecker360.html (Letzter Abruf: 27.06.2012)

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/schlecker-frauen-anschlussbeschaeftigt-als-opfer-a-840500.html (Letzter Abruf: 27.06.2012)

http://www.han-online.de/Harburg-Land/article91116/Eine-letzte-Wuerdigung-fuer-die-Schlecker-Frauen.html (Letzter Abruf: 27.06.2012)

http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/streitkraefte/grundlagen/staerke/ (Letzter Abruf: 27.06.2012)

http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=1718 (Letzter Abruf: 27.06.2012)

http://www.frauennrw.de/nachrichtenarchiv/j2010/m03/pm10-03-10B.php (Letzter Abruf: 27.06.2012)

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Hannah Wolf = Hannah K.? In der “Bild” ist das möglich

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik5 Kommentare »

Am Freitag dem 15. Juni 2012 tötete ein Mann in einer Wohngemeinschaft in Berlin-Wedding die 21-jährige Studentin Hannah K. und sprang aus dem Fenster.

In der „Bild“ -Zeitung (und auf „bild.de“) ist aber nicht das Opfer zu sehen, sondern ein Foto aus dem Internet, von Hannah Wolf, welche so durch „Bild“ zum Mordopfer wird. Das Foto wurde unverpixelt in der Berliner „Bild“ neben der Überschrift „Weddinger tötet Mitbewohner“ abgedruckt.

In dem Artikel heißt es zwar Hannah K., aber eigentlich wird von Hannah Wolf erzählt. Dabei lebt diese in Bremen, nicht in Berlin und ist deutlich älter als 21 Jahre, doch das hat „Bild“ wohl übersehen. Ihr Studienfach, welches die „Bild“ erwähnt, steht nur im Impressum ihres Blogs, so Hannah Wolf. „Dort steht allerdings auch mein richtiger Name, mein korrektes Alter und auch, dass ich nicht mehr in Berlin wohne. All das passt nicht zum Opfer“ (Hannah Wolf im Interview mit Spiegel Online).

Durch eine Nachricht einer Bekannten erfährt Hanna Wolf, dass sie ermordet wurde. Im Internet wird die „Panne“ auch schnell korrigiert, das gedruckte Foto aber bleibt. Die Reaktion der Verantwortlichen: man werde „prüfen, wie dieser Fehler passieren konnte“.

Das die „Bild“ nicht sehr zuverlässig ist, ist ja bekannt. Doch solch eine Panne zeigt einfach, dass es nur um Schnelligkeit und eine emotionale Story geht. Schnell her mit einem Foto des Opfers, wieso auch sich die Mühe machen, wenigsten kurz zu überprüfen ob es auch die ‚richtige’ Hannah ist? Ein solcher Fehler ist nicht zu verantworten und sollte Konsequenzen haben. Es wird wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, alles zu hinterfragen, was die Medien uns als „die Wahrheit“ servieren, besonders wenn es um die „Bild“ –Zeitung geht.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/krautwurst-bloggerin-bild-erklaert-studentin-hannah-fuer-tot-a-839926.html

http://www.wdr.de/tv/aks/sendungsbeitraege/2012/kw25/0622/falsche_studentin_bebildert.jsp

http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3090139

Kony 2012…. da war doch mal was?

geschrieben von in Allgemeines, Internet, MedienkritikKommentare deaktiviert

Am fünften März diesen Jahres wurde ein Video auf YouTube gepostet, das um die Welt ging.
Es stammt von der unabhängigen Organisation Invisible Children und heißt KONY 2012. Innerhalb weniger Tage wurde das Video über 50 Millionen Mal angesehen, bei Facebook und Twitter geteilt und verbreitete sich rasch über die ganze Welt.

Zurecht, denn Kony 2012 ist gut gemacht, es rührt die Zuschauer mit der Geschichte des jungen Jacob, der in Uganda um sein Leben rennt und rüttelt sie auf mit Berichten über die LRA die Lord’s Resistance Army von Joseph Kony, der zehntausende Kinder entführt, vergewaltigt und zu Soldaten gemacht hat. Der Regisseur Jason Russell versteht es den Zuschauer zu packen und betroffen zu machen. Er erzählt, wie er vor 10 Jahren in Uganda den ehemaligen Kindersoldaten Jacob kennengelernt hat und von seinem Versprechen ihm zu helfen und Joseph Kony zu stoppen. Es wird deutlich, wie berührt er damals selbst von Jacobs Geschichte war und, dass er sich für seinen Sohn eine bessere Welt wünscht.
Im Clip fordert er dazu auf, ihn und seine Organisation zu unterstützen und die Leute über diese Missstände in Zentralafrika aufzuklären. Ziel ist es, die Regierung dazu zu bringen Helfer zu entsenden und Joseph Kony bis Ende 2012 zu fassen.

Doch nach der ersten Erfolgswelle stieß das Video schnell auf harsche Kritik. Es wurde kritisiert, der Film zeige eine sehr einseitige Darstellung der Missstände und Uganda hab ganz andere Probleme als die LRA (Zeit Online). In der Kritik stand zudem die Darstellung falscher Tatsachen im Video, da die LRA seit Jahren nicht mehr in Uganda agiert, sondern längst in andere Gebiete Zentralafrikas weitergezogen ist; sowie die undurchsichtige Verwendung der Spendengelder durch die Organisation Invisible Children. Es wird eine Zusammenarbeit mit der Regierung gefordert, die sich aber nicht mehr für Kony interessiert und selbst nicht besonders demokratisch ist. Außerdem hat die Armee Ugandas, laut Zeit Online, kein Interesse daran, Kony zu finden, da sie wegen der Suche immer weiter mit Geldern und Waffen unterstützt werden. Also wie gut ist diese Kampagne wirklich?

Die Darstellung der Situation in Uganda ist tatsächlich relativ einseitig, doch um viele Menschen zu erreichen, kann man den Film nicht zu komplex machen. Auch die oft kritisierte Darstellung falscher Tatsachen lässt sich nicht ganz nachvollziehen, da im Film deutlich gesagt wird, die LRA sei weitergezogen, sei jetzt nicht mehr so stark aber mache jetzt in anderen Ländern weiter, es ist also nicht allein ein Problem in Uganda. Natürlich ist Kony deswegen auch nicht das Hauptproblem Ugandas, fehlende Bildung, der Mangel an Geld und anderen Ressourcen ist ein weitaus größeres Problem. Doch laut Invisible Children wird sich auch hier engagiert, es werden Schulen aufgebaut und den Menschen wird direkt geholfen. Daher richtet sich die Kampagne zwar in erster Linie gegen Kony, doch soll sie auch ein globales Bewusstsein für die Missstände erreichen und eine weltweite Bewegung auslösen. Das wurde auch teilweise erreicht. Auf Facebook hat die Seite von Invisible Children über 3 Millionen Anhänger und Jugendliche auf der ganzen Welt engagieren sich für die Organisation. Im Video fordern die Macher zum gewaltlosen Vorgehen auf, sie wollen, dass Helfer entsendet werden, die die Armee in Uganda unterstützen und beraten. Das wurde auch erreicht, da Barack Obama 100 Soldaten dorthin zu diesem Zweck entsandte. Ob das eine Wirkung hat wird sich auch noch zeigen.

Ich persönlich finde es gut, wenn eine weltweite Bewegung versucht, etwas zu verändern und Menschen zu helfen. Schade ist es jedoch, dass nach dem großen Hype im März heute kaum noch jemand darüber spricht. Bei Google wurde im März sehr oft das Schlagwort “Kony 2012″ gesucht, doch danach ist das Interesse schnell wieder abgeflaut, genau wie in den Medien, die nur noch ein paarmal über die Gegendarstellung zu den Kritiken “Kony 2012 II” und über den Zusammenbruch von Jason Russell berichteten, danach allerdings das Thema komplett fallen ließen. Es sollte eine globale Bewegung werden, laut Invisible Children sollten die jungen Leute ihre Regierungsvertreter auf die Situation aufmerksam machen. Doch die geplante Aktion “Cover the Night” am 20. April fand nur in wenigen Städten Helfer und floppte. Auf “like” drücken ist einfach, doch wirklich etwas machen oder sich beteiligen, das taten die Wenigsten.

Eigentlich schade, wie eine Sache die so groß anfing, so schnell wieder uninteressant wird.

 

hier nochmal die Videos:

 

Quellen:

http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-04/Kony2012-Tag

http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-03/kony-2012-invisible-children-kritik/seite-2

http://www.guardian.co.uk/world/2012/apr/21/kony-2012-campaign-uganda-warlord

http://blog.zeit.de/netzfilmblog/2012/03/08/joseph-kony-2012-social-media-uganda-film/

http://www.google.de/trends/?q=kony+2012&ctab=0&geo=all&date=2012&sort=0

We Love To Entertain You

geschrieben von in Medienkritik, Medienwandel, Qualität4 Kommentare »

Eine wichtige Quelle für Medienwissenschaftler, um sich über Veränderungen der Medienangebote auf dem laufenden zu halten, ist das Kölner Institut für empirische Medienforschung.
Eine Programmanalyse von 2011 offenbart nun, dass die Sendergruppe ProSiebenSat.1 an der Grenze dazu steht, ihre Lizenz als Vollprogramm halten zu können.

Ein Vollprogramm ist laut dem 2. Rundfunkstaatsvertrag „ein Rundfunkprogramm mit vielfältigen Inhalten, in welchem Informationen, Bildung, Beratung und Unterhaltung einen wesentlichen Teil des Gesamtprogramms bilden“, eine deutliche Unterscheidung zu den Spartenprogrammen.

Information und Bildung, damit scheinen sich sowohl ProSieben als auch Sat.1 schwer zu tun. Laut der Programmanalyse 2011 ging der Informationsanteil bei ersterem von 15,8 % (2009) auf 9,5 Prozent zurück. Sat.1 hat immerhin noch einen Anteil von 18,6% vorzuweisen.
Vergleicht man dies jedoch mit RTL (22%) oder dem ZDF (47%), so ist dieser Anteil keineswegs zufriedenstellend.
Besonders schockierend ist vor allem, dass ProSieben mehr als die Hälfte des Informationsangebotes mit der Sendung Galileo abdeckt. Auf Nachfrage, wie viele Journalisten überhaupt noch für den Bereich Nachrichten oder insgesamt den Sender arbeiten, wurden vom Konzern keine Angaben veröffentlicht.

Die ersten, die nun darauf reagieren, ist die Landesmedienanstalt Saarland, die in einem Prüfungsverfahren Sat.1 die Zustimmung für neue Lizenzen versagte, aufgrund der Defizite im Bereich eines Vollprogramms.

Die ganze Sache wird dadurch verkompliziert, dass durch heutige Formate nicht mehr eindeutig zwischen Information und Unterhaltung zu trennen ist. Wo ist die Sendung „Wer wird Millionär?“ einzuordnen? Besitzt „Teeniemütter in Not!“ wirklich einen Informationsanteil?
Einigen mag dies schon gar lächerlich vorkommen, doch die Sender selbst sehen hier deutlich einen informativen Charakter für die Bevölkerung vorliegen.
Die harte politische Berichterstattung wird somit gekonnt immer weiter aus dem Programm verdrängt und trotzdem werden fleißig weiter Lizenzen vergeben.

Hier kann man sich nur noch die Frage stellen, ob das Privatfernsehen, wie es aktuell existiert, überhaupt noch mit „klassischem Journalismus“ zusammenpasst und ob es nicht an der Zeit wäre, gegen das Verdrängen der Information juristische Maßnahmen zu ergreifen.

Quellen:

Lenders, Wolfgang (2012): Tutti Frutti. in: journalist. 6/2012. S. 8.

http://www.ifem.de/

 

Was bekommen wir mit?!

geschrieben von in Medienkritik2 Kommentare »

Ich bin geschockt. Vor ein paar Minuten hat ein Mädchen aus meinem Haus an meiner Wohnungstür geklingelt – sie sei wieder da. Die Lehramtsstudentin war nach ihrem Bachelor für ein Jahr nach Mali gegangen, um dort die Kinder einer Familie zu unterrichten.

Sie erzählt, wie toll es dort war in Mali, in der Familie und wie sehr sie sich dort wohlgefühlt hat in der anderen Kultur. Dann frage ich seit wann sie denn wieder hier wäre und da fängt die Geschichte an. Eigentlich sollte sie erst im Juli wiederkommen, aber sie ist jetzt schon seit Mitte Mai wieder in Trier, da in Mali Krieg ausgebrochen ist und sie mit ihrer Familie fliehen musste. Ich bin geschockt! Vor was für einem Krieg musste sie fliehen und warum hab ich davon noch nichts gehört?!

Sie erzählt die Geschichte, dass in Mali die Regierung sehr instabil war und seit einem Militär- Putsch nur noch blanke Anarchie in dem Staat herrsche. Die Tuareg, die im Norden Malis leben, kämpfen schon seit Jahrzehnten für ihre Unabhängigkeit und nun sind die Kämpfe eskaliert und die Bedrohung im Norden des Landes rückt immer weiter Richtung Süden. Zudem hat sich seit Jahren kontunierlich eine Ablegergruppe von “Al-Quaida”, die sogenannten”Aqmi” im Norden eingenistet und unterstützt die Tuareg-Rebellen. In dem Land herrscht Chaos und die Lage ist so riskant geworden, da die gefährlichen Gruppen immer näher an ihren Wohnort vorrückten, dass ihre Familie innerhalb eines Tages geflohen ist und sie im Flugzeug Richtung Paris saß.

Wenn ich das so höre und sie von Massakern und Vergewaltigungen spricht, bin ich so geschockt und wie gelähmt. Jetzt  nachdem ich ein bisschen über alles nachdenken konnte, was sie mir erzählt hat, frage ich mich, warum ich davon nichts mitbekommen habe. Ist es meiner eigenen Ignoranz geschuldet oder liegt es an den Medien – an den Nachrichten, Magazinen und Zeitungen, dass dieses Thema gar nicht publiziert wurde.

Ich habe jetzt etwas nachgeforscht und habe im Internet Zeitungsartikel gefunden, die aber auch schon älteren Datums sind. Warum  erreicht so ein wichtiges Thema ( vor allem ist in den Artikel die Rede, dass dieser Krieg eine Bedrohung für ganz Westafrika sein könnte) nicht die breite Öffentlichkeit?
Wir haben in unseren Seminaren und in den ersten beiden Vorlesung viel über Nachrichtenselektion gelernt, dass der Status der Ereignisnation, die deutsche Beteiligung, räumliche Nähe, Gewalt, Aktualität etc. eine Rolle spielen.
Dieses Ereignis hat jetzt keinen direkten Bezug zu Deutschland, aber es ist doch ein wichtiges internationales Thema, dass jeden betrifft, aber im Moment wird nur über Syrien gesprochen, die Bankenkrise in Spanien und die EM, was sonst noch in der Welt passiert ist zweitrangig bzw. findet keine Erwähung in den Nachrichten.
Was passiert auf der Welt, in Afrika, in Indien, in Südamerika oder sonst wo?! Wenn nicht gerade eine verheerende Hungersnot oder ein Monsum oder Menschen beim Bergbau verschüttet werden, hört man in den tagesaktuellen Nachrichten herzlich wening.
Natürlich ist jeder selbst dafür verantworlich wie viele Medien man konsumiert und wie informiert man durch die Welt geht, aber seien wir doch mal ehrlich. Die meisten lesen im Grunde eine Tageszeitung oder/und schaut die Nachrichten im Fernsehen. Was dort nicht erwähnt wird, erreicht uns nicht.
Ich denke, man würde die Welt mit anderen Augen sehen, wenn man mehr wüsste was in der Welt passiert.
Quellen und weitere Zeitungsartikel:
http://www.zeit.de/2012/14/Mali
http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-04/mali-putsch-fluechtlinge
http://www.taz.de/!90069/
http://infokrieg.tv/wordpress/2012/03/24/un-sicherheitsrat-und-eu-drangen-putschisten-in-mali-zum-einlenken/

Nach dem Gang an die Börse versucht Facebook den Gang in Kinderzimmer

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Kommunikationsformen, MedienkritikKommentare deaktiviert

Nachdem er es geschafft hat am weltweiten Börsenabenteuer teilzunehmen, entwickelt der soziale Onlinenetzwerk-Riese namens Facebook nun eine neue Technologie, damit auch endlich Kinder unter 13 Jahren unter Aufsicht ihrer Eltern an seiner Welt teilhaben können. Schon längst tummeln sich 10-, 11-Jährige auf Facebook, obwohl es erst ab 13 erlaubt ist. Das Unternehmen will das nun offiziell zulassen und Kinder-Accounts einführen. Bedenkt man die Dimensionen einer solch zielgruppenorientierten Strategie, könnte dieser Facebook-Riese somit einen noch größeren (Freizeit)Bestandteil des Kinderzimmers ausmachen. Gleichzeitig wird ein Prozess verstärkt, der die Entwicklung von sozialen und kommunikativen Kompetenzen im Kindesalter unter einen noch größeren medialen Einfluss stellt. 

Das ruft nicht nur die immer wieder aufschreienden Datenschützer auf den Plan, sondern sollte gleichermaßen aus bildungs-, erziehungs-, sprach- und sozialwissenschaftlicher Sicht thematisiert werden. Die auf Zielgruppe ‘Kind’ zugeschnittenen Unterhaltungskonzerne wie beispielsweise Walt Disney sind natürlich auch mit von der Partie. Und aus Kinderzimmern hat der Riese nun mal die beste Sicht auf den wachsenden Markt der Kinder(computer)spiele.

Mit Angeboten wie Farmville konnten rund 12% der Einnahmen in Höhe von 3,7 Milliarden US-Dollar erzielt werden. Folglich stehen große Konzerne der Unterhaltungsindustrie vorfreudig in den Startlöchern, wenn Facebook seine Dienste auch noch Kindern in voller Breite anbieten könnte – nicht zu vergessen: natürlich unter Aufsicht der Eltern. Ein 88-prozentiges Umsatzwachstum aus dem vorigen Jahr lässt sich auch nicht einfach so halten. Technische Innovationen, die damit verbundenen Online-Kulturen (Apps, Blogs, Instagram etc.) und eine weltweite Mobilisierung der Internetnutzung des Internets wird diesen Umsatzwachstum nicht erhalten können. Man versucht also Initiative zu ergreifen.

Die vermeintlich kinderfreundliche Initiative gleicht hier jedoch schlicht und ergreifend Lobbyarbeit seitens des Facebook-Riesen. Dieser sei überzeugt, dass “Kinder unter 13 Jahren Zugang zu Facebook bekommen sollten. Das wird ein Kampf, den wir irgendwann einmal aufnehmen werden.” (Zuckerberg, 2011). Dass hier von einem bevorstehenden Kampf, u.A. gegen die Childrens Online Privacy Protection Act (Coppa), die Rede ist, zeigt zum einen die Tragweite der Problematik einer solchen ‘kinderfreundlichen Initiative’ und zum anderen zeigt es die Frechheit, mit der man sich hier versucht Kindernzimmern zu nähern.

Nutzungsstudien aus dem Jahre 2011 haben gezeigt, dass 7,5 Millionen Kinder unter 13 Jahren das Online-Netzwerk nutzen. 5 Millionen davon seien sogar jünger als 10 Jahre. Auswirkungen wie Cyberbullying, -mobbing, Suchterscheinungen, Einschränkung der kommunikativen Kompetenzen (‘sprachliches Junkfood’) oder Datenmissbrauch verstärken die Bedenken gegen Nutzung seitens Kindern. James Styer, Geschäftsführer bei Common Sense Media betont den Schutz der Kinderrechte und macht auf die bereits erwähnte Frechheit und Dreistigkeit aufmerksam:

“Wir haben nicht die geeigneten wissenschaftlichen Methoden, um das Für und Wider von sozialen Netzwerken und ihre Auswirkungen auf Teenager zu erforschen. Die Idee, sich auf diese Zielgruppe zu konzentrieren, wenn es Bedenken über den Umgang mit den bisherigen Adressaten gibt, ist unglaublich.” 

Die hier angesprochenen, nicht ausreichend erforschten ‘Auswirkungen’ stellen einen Großteil der Bedrohlichkeit dar, die von einem Sozialen Netzwerk ausgehen kann. Der Annahme Glauben schenkend, ein vernünftiger Umgang mit einem solchen Medium sei entscheidend, um sich zu schützen, dann würden im Falle des ‘Kinder-Facebook’ Gruppen bedroht werden, die erst noch den Umgang mit sich selbst lernen müssen.

Zum einen sollten Medienwissenschaftler und zum anderen Bereiche wie Sprachwissenschaften, Bildungswissenschaften oder Sozialwissenschaften dem kritisch gegenüberstehen. Der Erwerb sowohl sozialer als auch kommunikativer Kompetenzen würde durch ‘Kinder-Accounts’ einem noch stärkeren medialen Einfluss unterliegen.

Auf der homepage, die ein Petition gegen diese Zielgruppe-’Kind’-Strategie eingerichtet hat, heißt es:

(http://www.change.org/petitions/facebook-stop-plans-to-allow-kids-under-13-on-your-site)

“There is absolutely no proof of any meaningful social or educational value of Facebook for children under 13. Indeed, there are very legitimate concerns about privacy, as well as its impact on children’s social, emotional, and cognitive development. By opening the site up to kids younger than 13, Facebook’s strategy appears to be: Hook children early, build the brand, and create customers for life, regardless of the consequences”

(1) http://www.zeit.de/digital/internet/2012-06/facebook-kinder

(2) http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424052702303918204577445742054401960.html

(3) http://www.commonsensemedia.org/

(4) http://www.change.org/petitions/facebook-stop-plans-to-allow-kids-under-13-on-your-site

Die Probleme der Internetentwicklung

geschrieben von in Internet, Medienkritik, Medienwandel, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Etwa 560 000 der 14- bis 64-Jährigen sind internetsüchtig.  (1)

In den letzten Jahren hat die Internetnutzung stark zugenommen. Allein von 2005 bis 2010 ist sie von 28 % auf 43 % gestiegen, wie die ARD/ZDF-Langzeitstudie zur Massenkommunikation ergeben hat. (2) Das ist nicht verwunderlich, denn man kann heutzutage fast alles über Internet machen: mit seinen Freunden bei Skype reden, bei Amazon einkaufen, im Internet Radiohören und Zeitung lesen,  seine Rechnungen über Online-Banking bezahlen, Spiele im Internet spielen, und vieles mehr. Auch wenn man studiert, geht es nicht ohne das Internet, wenn man sich zum Beispiel für Kurse und Klausuren anmelden oder seine Noten und  die Lehrmaterialien bekommen möchte.
Man sieht also, dass das Internet ein fester Bestandteil des Lebens geworden ist, sowohl beruflich wie auch privat. Das zeigt sich auch, wenn man betrachtet, wie hoch die tägliche Nutzungsdauer inzwischen geworden ist. Durchschnittlich sind Internetnutzer bereits 140 Minuten täglich online; bei den Nutzern unter 30 Jahren beträgt die Nutzungsdauer bei jedem Zweiten drei Stunden, bei jedem Zehnten sogar zwischen fünf und zehn Stunden täglich. (3)
Kann man unter diesen Bedingungen schon von Internetsucht sprechen? Christoph Möller, Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Kinderkrankenhaus in Hannover, sieht das nicht so. Ihm zufolge spricht man von Internetsucht nur dann, wenn die betroffene Person eine so hohe Internetnutzung aufweist, dass sie sich sozial isoliert, die Schule oder den Beruf und auch sich selber vernachlässigt. (4) Viele Internetsüchtige nehmen sich nicht mal mehr Zeit zum Essen – oder essen während beim Computer – und verwechseln Internet und Realität. Angeblich zeigen Internetsüchtige ähnliche Symptome wie Alkohol- oder Drogenabhängige, sie werden also nervös oder gereizt, wenn sie das Internet nicht nutzen können, schaffen es trotz mehrerer Versuche nicht, die Nutzung zu reduzieren, und das Sozialleben wird beeinträchtigt. (5) Häufig ist es so, dass die Internetsucht Menschen mit Angststörungen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen trifft. Diese Menschen flüchten in eine virtuelle Welt, in der ihnen alles besser und einfacher erscheint. (6)
Internetsucht ist also ein ernstzunehmendes Problem, das durch Smartphones und die zunehmende Mobilität und Flexibilität des Internets noch verstärkt wird. Denn durch Smartphones ist man ständig erreichbar und kann nie richtig abschalten; auch unterwegs liest man schnell mal seine Mails oder schaut, ob es bei Facebook was Neues gibt.

Von diesem Standpunkt aus sollte man der Entwicklung des Internets kritisch gegenüberstehen. Natürlich hat das Internet sehr viele Vorteile, und besonders das mobile Internet kann das Leben zum Teil viel leichter und unkomplizierter machen. Aber egal, wie viele Vorteile das Internet auch hat: man sollte immer darauf achten, sich nicht zu sehr davon abhängig zu machen. Ein interessantes Video dazu, wie das Online-Leben sich im realen Leben manifestieren könnte, findet man hier.
Es ist wichtig, dass man trotz der zunehmenden Relevanz des Internets, nicht den Bezug zur Realität verliert.

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Literatur:
(1) Lichtenberg, Arne (2012): Verschollen im Internet (02.06.2012), in: Deutsche Welle. URL: http://www.dw.de/dw/article/0,,15992111,00.html (Stand vom 03.06.2012).
(2) Ridder, Christa-Maria/Turecek, Irina (2011): Medienzeitbudgets und Tagesablaufverhalten; in: Media Perspektiven, 12/2011, S. 574.
(3) Völker, Oliver (2011): Internetnutzer im Schnitt 140 Minuten täglich online (20.06.2011), in: Big Screen. URL: http://www.big-screen.de/deutsch/pages/news/allgemeine-news/2011_06_20_6782_internetnutzer-im-schnitt-140-minuten-taeglich-online.php (Stand vom 03.06.2012).
(4) Möller, Christoph, zitiert in: Lichtenberg, Arne (2012): Verschollen im Internet (02.06.2012), in: Deutsche Welle. URL: http://www.dw.de/dw/article/0,,15992111,00.html (Stand vom 03.06.2012).
(5) Onmeda-Redaktion (2011): Internetsucht: Symptome. URL: http://www.onmeda.de/krankheiten/internetsucht-symptome-1529-4.html (Stand vom 03.06.2012).
(6) Goldmann, Ayala/AP (2007): Internetsucht. „Wie wandelnde Leichen“. (14.01.2007), in: Spiegel-Online. URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,459446,00.html (Stand vom 03.06.2012).

Achtung! Hier kommt ein Skandal! (Vielleicht.)

geschrieben von in Medienkritik, Printmedien, Qualität, ZeitschriftenKommentare deaktiviert

“Bild der Frau”, “Frau mit Herz”, “Frau ohne Herz”, “die aktuelle”, “7 Tage” – wer wissen will, was in der Welt der Promis, der Schönen (und oft Reichen) gerade abgeht, der wird sie kennen, die Zeitschriften mit dem großen Klatsch-Content. Ihre Daseinsberechtigung ziehen sie nicht unbedingt aus dem beiliegenden TV-Programm, sondern vielmehr aus der Enthüllung von skandalösen Vorfällen in europäischen Königshäusern, von denen sonst nie jemand etwas mitbekommen hätte. Und eigentlich auch niemand mitbekommen muss.

Der Autor Stefan Niggemeier führt auf seinem Blog eindrucksvoll vor, was hinter den oftmals so reißerischen Titelschlagzeilen dieser Klatschzeitschriften steckt – nichts als heiße Luft. Mit aufgeblasenen Titeln werben die Blätter am Zeitschriftenstand um Leserinnen, versprechen ihnen den skandalösesten Skandal aller Skandale und tun am Ende doch nichts anderes, als die Käufer in die Irre zu führen.

Niggemeier erklärt das System der Klatschblätter am Beispiel der “aktuellen” vom 28. April:

»Oh nein! Samuel Koch: Dramatischer Sturz aus dem Rollstuhl!« bedeutet, dass Koch in seiner gerade erschienenen Autobiographie unter anderem auch beschreibt, wie er einmal aus seinem Rollstuhl gefallen ist.

Und »Also doch! Nicolas Sarkozy & Carla Bruni: Steht ihre Ehe vor dem Aus« hat den faktischen Hintergrund, dass Sarkozy die erste Runde der Präsidentschaftswahlen verloren hat und die »aktuelle« sich nicht vorstellen kann, dass die Bruni mit einem Verlierer zusammen sein will.

Dieses Vorgehen ist nicht nur aus medienethischer Sicht ziemlich perfide, es birgt auch interessante Fragen zum Umgang der Medien mit Sprache. Die Sprache ist ein zentrales Element aller Medien, ohne sie sind Medien undenkbar. Gerade Journalisten sollten sich darüber im Klaren sein, was sie mit Worten bewegen können und wie viel Macht tatsächlich hinter einem Text, einer Schlagzeile steckt. Sie sollten Sprache nicht nur als reines Werkzeug einsetzen, sondern auch als ihr wichtigstes Gut betrachten, mit dem sie Öffentlichkeit herstellen und lenken können.

Besagte Klatschblätter wissen natürlich ganz genau, was sie tun, wenn sie wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten machen: Sie wollen verkaufen, sie müssen es sogar. Je reißerischer der Titel, je aufregender und vielversprechender die Schlagzeile, desto besser der Absatz. Aber sie übersehen dabei, welchen Effekt sie damit auf Dauer bei ihren Lesern auslösen könnten: Den Verlust ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit.

Dem Großteil der Käufer dürfte es vielleicht nicht auffallen, dass sich der im Titel angekündigte “Skandal” um Nicolas Sarkozy im Heft plötzlich in nichts auflöst. Dazu verpacken die “Journalisten” der Klatschblätter ihre Storys zu professionell. Doch irgendwann bleibt bei dem einen oder anderen vielleicht doch mal der Gedanke hängen, dass an den Titelstorys irgendwie nie wirklich was dran ist.

Ob sich die Macher von “Frau mit Herz” & Co darüber Gedanken machen, darf angesichts der konsequent durchgehaltenen Täuschung ihrer Kunden eher bezweifelt werden. In Verlagskreisen regiert die Kurzsichtigkeit mit eiserner Hand, wie es scheint. Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack bei jeder “Schlagzeile”. Und die Frage, wo echter Journalismus aufhört. Manche Redaktionen, so scheint es, haben die Grenze längst überschritten.

Und es nicht bemerkt.

 

Die Bühne zur Selbstinszenierung

geschrieben von in Medienkritik, Nachrichten1 Kommentar »

Seit Montag, den 16.04.2012 läuft nun das Verfahren gegen den Massenmörder Anders Behring Breivik, das von der Osloer Bevölkerung zynisch das „Breivik-Festival“ genannt wird.

Mittlerweile sind 18 Prozesstage vergangen, an denen Breivik keine Möglichkeit ausließ, seine Ideologie zu erläutern. Statt der geplanten 30 Minuten, die ihm zur Verfügung stehen sollten, um seine Taten zu erklären, verlas der 33-Jährige ganze 75 Minuten auf 13 Seiten gekürzte Ausschnitte des ursprünglich 1500 Seiten starken Manifests. Nur selten wurde er in seinen Ausführungen unterbrochen, sodass schon während der Verhandlung eine Journalistin aus dem Gerichtssaal twitterte, dass sie nicht fassen könne, dass das Gericht all diese Aussagen zuließe.

Apropos Journalisten – in Oslo werden zur Zeit über 1000 akkreditierte Journalisten untergebracht und versorgt. Um diesem ‘Öffentlichkeitsanspruch’ gerecht zu werden wurde das Gerichtsgebäude für circa 4 Millionen Euro umgebaut, die Kosten des gesamten Richterspruchs werden nach Prozessbeendigung wohl auf 13 Millionen hinauslaufen.

Die Aussagen Breiviks treten dank der fleißigen Berichterstattung wortwörtlich ans Tageslicht und veranlassen viele Außenstehende zur Kritik. Dieses Maß an Aufmerksamkeit sei genau das, was der Attentäter erreichen wolle. Ein zentrales Motiv für die Tat ist der Wunsch nach Berühmtheit und offene Ohren für das zu finden, was Breivik selbst als notwendig darstellt, die Bekämpfung des Multikulturalismus und vor allem des Islam.
Zusätzlich ist der mögliche Nachahmungseffekt zu bedenken. All dem könnte ein Ende gesetzt werden, würde nicht so offen darüber berichtet werden. Doch die Bevölkerung hat ein Recht auf Aufklärung.

Dieses Recht wird aber davon getrübt, dass die norwegische Bevölkerung den Fall gerne hinter sich lassen würde. Auf diesen Wunsch reagierte die Boulevardzeitung ‘Dagbladet’ mit einem sogenannten „Terrorknopf“ auf ihrer Website, der alle Artikel zum Prozess ausblendet.

Ist es richtig, ein Thema die Nachrichten eines Landes so dominieren zu lassen, wenn die Einwohner dies schon fast als Qual empfinden? Sollte die Berichterstattung im Falle Anders Behring Breivik gekürzt werden?

Zur Zeit spielt die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit des Täters die Hauptrolle, der sich wiederum selbst profiliert, als einer, der weiß, was er getan hat, dazu steht, nichts bereut und dies auch der ganzen Welt verkünden möchte.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/attentaeter-anders-breivik-prahlt-mit-seinen-taten-a-827966.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/aussage-von-attentaeter-anders-breivik-spaltet-prozessparteien-a-828044.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/attentaeter-anders-breivik-lobt-al-qaida-vor-gericht-a-828140.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/in-oslo-beginnt-der-prozess-gegen-attentaeter-anders-breivik-a-827702.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oslo-norwegen-ruestet-sich-fuer-den-prozess-gegen-anders-breivik-a-827678.html

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