Die Glaubwürdigkeit deutscher Medien

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Anschläge in Paris, Anschläge in Mali.

Diese schrecklichen Gräueltaten in kürzester Zeit werfen Fragen auf. Die Menschen dürsten nach Informationen doch ist es überhaupt möglich an objektive Informationen zu gelangen?

Man steht ständig unter dem Einfluss der medialen Umwelt (Nachrichtensendungen, Facebook und Co.), kann man sich da noch eine eigene Meinung bilden oder bleibt einem nichts anderes übrig als eine weit verbreitete Meinung einfach nur anzunehmen?

Gerade die Berichterstattung in der Politik ist diesen Zweifeln ausgesetzt, doch sind diese überhaupt begründet?

Im vergangenen Juni wurde in der ZEIT ein Artikel veröffentlicht, der sich mit einer Umfrage von infratetst dimap auseinandergesetzt hat. Der Artikel trägt den Titel „Deutsche haben wenig Vertrauen in die Medien“. Darin wird erläutert, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben manipuliert oder nicht ausreichend informiert zu werden. Trotzdem beziehen die meisten Menschen ihr Wissen über Politik aus Nachrichtensendungen, dabei werden die ARD und das ZDF bevorzugt (Vgl. o.g. Artikel aus der ZEIT). Dass ARD und ZDF was Seriosität angeht hoch im Kurs stehen, belegt auch der ARD Trend, der sich zusätzlich mit der Glaubwürdigkeit der einzelnen Sender beschäftigt hat.

Doch können Journalisten überhaupt objektiv berichten?

„Objektivität ist die Wahnvorstellung, Beobachtungen könnten ohne Beobachter gemacht werden.“, schrieb Heinz von Foerster im Jahre 1998.

Jeder Journalist hat einen bestimmten Wertekatalog und diesen völlig außer Acht zu lassen ist nur schwer machbar. So hat eine Studie des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes (DFJV), im Jahre 2010, durch eine Befragung von Politikjournalisten gezeigt, dass die Mehrheit angegeben hat keine Partei zu bevorzugen doch darauf dicht gefolgt Bündnis 90/ Die Grünen viel Zuspruch erhalten.

So kann es doch sein, dass sich diese Politikjournalisten eher Themen widmen, die nach ihrem Ermessen von hoher Bedeutung sind z.B. Umweltschutz, Verbraucherschutz oder soziale Gerechtigkeit. Umweltskandale werden künstlich aufgeputscht, um eine große Reichweite in der Gesellschaft zu erlangen. So etwas könnten böse Zungen behaupten, doch steckt dahinter nicht einfach nur die Sorge sich auf die Informationen anderer verlassen zu müssen? Sich ein eigenes Bild von einer Situation machen zu können, ist kaum möglich. Dies wäre mit zu viel Aufwand verbunden, da ist es doch bequemer die Journalisten ihre Arbeit machen zu lassen und diese dann später zu hinterfragen.

Das einzige was man effektiv machen könnte, wäre es sich die Informationen über bestimmte Themen aus vielen verschiedenen Quellen zu ziehen und dann zu entscheiden, welcher Version man denn Glauben schenken möchte oder ob es nicht ein Mix aus allem ist.

Der Trick dabei ist es, möglicherweise nicht nur inländische Quellen zu berücksichtigen. Einfach über den Tellerrand hinaus blicken und schauen, wie andere Länder über diese bestimmten Themen berichten, denn in dem Fernsehrat von zum Beispiel ZDF sitzen viele verschiedene Vertreter der BRD, doch Vertreter anderer Länder sucht man vergebens. Die Interessen des eigenen Landes stehen im Vordergrund und können somit den Blick auf bestimmte politische Situationen oder Ereignisse verschleiern.

So kamen auch Zweifel bezüglich der Berichterstattung über die Krim-Krise auf. Die westlichen Medien würden zu pro westlich argumentieren, meinen Experten und auch Journalisten. Da lohnt es sich doch auch die Berichterstattung der betroffenen Länder anzuschauen.

Also kann man sagen, dass es durchaus möglich ist sich eine eigene Meinung bilden zu können. Gerade im Zeitalter des Internets, wo so ziemlich alles frei zugänglich ist, ist es einfacher an Informationen zu gelangen. Wenn es um Politik geht, sollte man am besten selbst ein wenig recherchieren und sich nicht ausschließlich auf journalistische Artikel verlassen.

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Dokumentation „The Thread“ – Eine Online-Community auf der Jagd nach den Attentätern des Boston Marathon

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Als am 15. April 2013 auf der Zielgeraden des Boston-Marathons zwei Sprengsätze explodierten, kamen dabei drei Menschen ums Leben und 264 weitere wurden verletzt.

Is this the Boston Bomber?Die Dokumentation von Greg Barker („Manhunt“) rekonstruiert die Suche nach den Attentätern des Boston Marathon innerhalb der Online-Plattform „Reddit“ und thematisiert dabei auch den Konflikt zwischen traditionellen und neuen Medien. Stellt „Crowdsourcing“ eine Gefahr für den investigativen Journalismus dar?

Das Interesse an diesem Event war groß. Neben zahlreichen Reportern, die live berichteten, fotografierten und filmten vor allem tausende Zuschauer und Teilnehmer mit ihren Smartphones das Geschehen rund um den Boston Marathon. Damit gehört das Attentat zu den, am besten dokumentierten Terroranschlägen unserer Zeit.

Die Suche nach den Bombenlegern hielt die gesamten USA in Atem und entfachte natürlich einen erbitterten Kampf der Medien um die Nachrichtenhoheit. Ob Kabelsender, Online-Dienste oder Networks- alle versuchten sich als beste Informationsquelle zu profilieren. Überraschenderweise sorgte vor allem die Social-News-Plattform „Reddit“ für Furore. Deren Community teilte direkt nach dem Attentat zahlreiche Bild-und Videoaufnahmen miteinander und kommunizierte in unzähligen „Subreddits“ (Unterforen) über das Ereignis.

Reddit AnalyseIm Thread „FindBostonBombers“ kam es in den darauffolgenden Tagen zu einer perfiden Suche nach den möglichen Attentätern. Bild- und Videomaterial wurde gesichtet, analysiert und diskutiert. Wilde Spekulationen und Anschuldigungen führten schlussendlich dazu, dass mehrere Unschuldige in den Fokus der Medien und der Polizei gerieten.

Am 19. April 2013 schaffte es die Polizei schlussendlich die offiziellen Täter Tamerlan und Dschochar Zarnajew zu stellen. Im heftigen Schusswechsel wurde  Tamerlan Z. dabei tödlich verwundet. Sein Bruder Dschochar Z. konnte flüchten, wurde aber noch am selben Tag von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Die Amateuraufnahmen seiner spektakulären Verhaftung, die mitten in der Gemeinde Watertown, vor den Augen zahlreicher Anwohner stattfand, verbreiteten sich ebenfalls rasant in den sozialen Medien. –>DRAMATIC VIDEO: Intense Gunfight Between Police and Bombing Suspect

„The Thread“ zeigt, wie sich die Medienlandschaft durch Fortschritte in der Technologie und der weit verbreiteten Nutzung von Social Media verwandelt hat. Berichte aus erster Hand und Nachrichten mit einer beispiellosen Geschwindigkeit zu sammeln und zu publizieren ist schon lange nicht mehr, ein Privileg das nur professionellen Journalisten zuteilwird. Die klassischen Rollen des Produzenten und des Konsumenten verschwimmen immer mehr. Wie der Fall „Reddit“ und sein „FindBostonBombers“-Thread zeigt, ist die Eigendynamik solcher Dialoge im Web 2.0 kaum zu steuern. Durch die schneeballartige Verbreitung in Communities und dem Verlinken in Foren oder Blogs wird die Verbreitung von Gerüchten im Netz erleichtert. Weblogs dienen dem Meinungsaustausch und verhelfen durch die Anonymität des Internets zu einer neuen Qualität des Gerüchtestreuens. Aufgrund der Tatsache, dass jeder User zugleich Rezipient und Autor sein kann und Aussagen sowohl wahr als auch falsch sein können, kann der Inhalt ungeprüft auf Relevanz und Wahrhaftigkeit im Netz veröffentlicht werden.

Die 60-minütige Dokumentation glänzt besonders durch die zahlreichen Interviews mit Journalisten und Bossen der globalen Mediengiganten, wie auch den Social Media-Nutzern, die sich auf die Jagd nach den Boston-Marathon-Bombern gemacht haben.

Die Dokumentation ist u.A. auf Netflix & iTunes verfügbar.


Quellen:

„The Thread“, Courtesy of Greg Barker and Content Television

http://insider.foxnews.com/2013/04/20/dramatic-video-neighbor-captures-intense-police-gunfight-bombing-suspect-dzhokhar

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3035378/It-beast-Moderator-Reddit-s-Boston-Bombers-thread-tells-millions-users-descended-subreddit-days-attack-identified-wrong-suspect.html

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Flüchtlinge funken frei dank Freifunk

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Flüchtlingsunterkünfte werden von Freiwilligen mit freiem Internet ausgestattet

Wo befinden sich derzeit meine Verwandten? Haben Sie den Bombenangriff überlebt? Wo wurden sie in Deutschland untergebracht?

Das Smartphone mit dem dazugehörigen Internetzugang bietet dank Facebook, Skype und WhatsApp den Asylsuchenden oftmals die einzige Möglichkeit Kontakt mit Familienangehörigen zu halten. Doch selbst die mittlerweile geringen Kosten für Datenpakete sind vielmals eine große Hürde. Deshalb haben ehrenamtliche HelferInnen der privaten Initiative „Freifunk e.V.“  damit angefangen Flüchtlingsunterkünfte mit freiem WLAN auszustatten.

Unter anderem durch eine großzügige Spende der Firma TP-Link, welche Router herstellt, konnten bis zum 04. November in mehr als hundert Unterkünften deutschlandweit so freie WLAN-Netze installiert werden; Tendenz steigend.

Doch der Zugang zum Internet dient den Flüchtlingen nicht nur als Kommunikationsweg für Verwandte und Bekannte, viel mehr nimmt es Hürden.

Dank zahlreicher moderner Apps können kinderleicht Fremdwörter übersetzt werden, Verbindungen für öffentliche Verkehrsmittel rausgesucht werden und bürokratische Fragen gegoogelt werden. Bei der stetigen Anzahl von Asylsuchenden sind auch die Freifunker weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Selbst wenn die Unterkunft keinen eigenen Internetzugang hat, kann durch die sogenannten Mesh-Netze auch über mehrere hundert Meter eine funktionierende Verbindung hergestellt werden.

Die Anbieter von solchen freien Netzen haben im übrigen keine rechtlichen Haftungen zu befürchten. Mittlerweile ist „Freifunk e.V.“ als Provider in Deutschland eingetragen, womit das Problem der Störerhaltung entfällt.

Raus aus den Zwängen

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Der Bundestag beschließt diese Woche das Gesetz gegen den Routerzwang

Irgendwo in der Wohnung blinkt es immer, meistens grün im Arbeitszimmer oder im Keller. Unser Zugang zum Internet ist derzeit durch einen vom Anbieter vorgeschriebenen Router gesichert.

Wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, soll sich dies nun am heutigen Tage ändern. Die schwarz-rot geführte Koalition setzt hiermit eine weitere Vereinbarung aus ihrem Koalitionsvertrag um: „Nutzerinnen und Nutzern müssen die freie Auswahl an Routern behalten. Daher lehnen wir den Routenzwang ab“.

Gesetz zur Auswahl und zum Anschluss von Telekommunikationsendgeräten“ , so lautet der sperrige Name des Gesetzes, welches den Internetnutzern in Zukunft mehr Freiheit bieten soll. Besonders Verbraucherschützer erhoffen sich hierdurch einen größeren Wettbewerb, wovon die Nutzer profitieren sollen. Sie werfen den Internetanbieter ebenfalls vor, dass die Provider oftmals billige und unsichere Geräte liefern. Ebenfalls könnte auf „freien“ Routern Software installiert werden, wie zum Beispiel um „Freifunk“   anzubieten.

Doch wieso ist das bisher nicht der Fall?

Nach jetziger Rechtssprechung ist der Netzabschlusspunkt als Endgerät definiert. Das bedeutet, dass der Anbieter auch für den Router zuständig ist und Teil seines Netzes darstellt.

Mit der Änderung des Gesetztes wird die Anschlussdose in der Wand als neuer Netzabschlusspunkt definiert. Der Router gehört dann nicht mehr dazu.

Federführend für dieses Gesetz war das Bundeswirtschaftsministerium. Bereits Februar 2015 arbeitete dieses einen entsprechenden Entwurf aus. In der heutigen zweiten und dritten Lesung im Bundestag werden keine Änderungsanträge erwartet. Somit kann das Gesetz spätestens Ende Februar 2016 in Kraft treten. (Quelle: http://www.heise.de/netze/meldung/Routerzwang-So-geht-es-weiter-mit-dem-Gesetz-zur-freien-Routerwahl-2834230.html)

Die Guten, die Bösen und die Dummen – Wie deutsche Medien plötzlich die Nazis in der Ukraine entdeckt haben

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Eine sehr schockierende Entdeckung kursiert in diversen deutschen Medien seit einer Woche – organisierte paramilitärische Formierungen von schwerbewaffneten Faschisten und Neonazis kämpfen in der Ukraine, aber nicht im Osten sondern im Westen. Die andere große Überraschung – die Kämpfe sind nicht gegen die so genannten Separatisten sondern gegen die Regierungstruppen. Die Gewalteskalation im Westen der Ukraine soll unterschiedliche Gründe haben – Zigarettenschmuggel, korrupte Politiker und Behörden oder einfache neue Machtverteilung an der Grenze von der EU. Die Kämpfe sind aber im eigenen Lager – von den von Europa und USA unterstützten pro-westlichen Mächten. Diese Gruppen, die der pro-russische Ex-Staatsoberhaupt Janukovich gestürzt haben.

Irgendwie ist die ganze Situation ziemlich verwirrend geworden und nicht nur für den einfachen Beobachter aber auch für die Medien in Deutschland. Die damals furchtlose und brave Freiheitskämpfer gegen der Diktatur und unterstützt vom ganzen Westen, befinden sich in der gleichen Situation wie vor einem Jahr, nur jetzt sind sie ein Teil von der legitimen pro-westlichen Regierung – die gleiche gegen sie auch gleichzeitig kämpfen. Aber die Situation wird noch verwirrender – vor einem Jahr war in den deutschen Medien die Rede von nationalistische Gruppierungen, die um Freiheit und westlichen Werten gekämpft haben, jetzt von rechtsextreme Paramilitäre die gegen die legitime pro-westliche Regierung kämpfen. Wie genau haben sich Teil von der pro-westliche Oposition in bösen Faschisten umgewandelt? Es kann nicht sein, dass diese Leute plötzlich so bösartig geworden sind, denn vor einem Jahr die westlichen Maßmedien waren alle überzeugt – die pro-russische Regierung war der Teufel und alle andere die gegen die Regierung protestiert haben waren Helden. Faschisten und Nazis sollte nur ein Teil von den russischen Propaganda sein. Laut Claus Kleber von ZDF in der „Heute-Journal“ von 21.07.2014 sind keine Faschisten zu finden – „Wir und viele Medien sind Hinweisen nachgegangen, ob das stimmt, aber wir haben festgestellt, es gibt diese Faschisten nicht.“.

ein Jahr später aber die Faschisten in der Ukraine sind mehr als real, wieder eine Feststellung bei „Heute Journal“ vor wenigen Tagen.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2450834/ZDF-heute-Sendung-vom-18.-Juli-2015?setTime=467#/beitrag/video/2450834/ZDF-heute-Sendung-vom-18.-Juli-2015

Der Rechte Sektor (Pervii Sektor) war die Spitze des Schwertes von der pro-westlichen Opposition bei der Meidan letztes Jahr. Noch mehr – nach dem Putsch sind sie und Dmitri Jarosch als Anführer, Teil von den Regierenden in der Ukraine. Dennoch haben andere Medien versucht die unangenehme Situation noch zu retten und das was gerade geschieht klein zu spielen. In dem Onlineangebot von „Die Zeit“ am 12.07.2014 wurde der folgende Artikel veröffentlicht – „Drei Tote nach Schusswechsel in der Westukraine”.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/gefechte-westukraine-drei-tote

Wegen 4 Tote wurde teilweise eine ganze Stadt von ca..100.000 Einwohner evakuiert. Es ist auch keine Spur von der „Nationalgarde“, wovon das Rechte Sektor eigentlich ein Teil ist – es geht angeblich nur um eine paramilitärische Nationalorganisation. Zwar wurden Fakten erwähnt, wie Berichte von Amnesty International für begangene Kriegsverbrechen an der Ostfront aber es gebe keinerlei Verbindungen zwischen Pervii Sektor und die, nach der Maidan entstandene Regierung, in dem Artikel. Dennoch ist Pervii Sektor als Teil von der „Nationalgarde“ dem Innenministerium unterstellt.

Es ist äußerst störend wie manche Medien in Deutschland absichtlich die Realität verzerrt haben – schwerbewaffnete Faschisten und Rechtsradikale können und dürfen nicht die Guten spielen und schön gemalt werden, egal in welches Szenario und unter welche Konjunktur sie sich in einem bestimmten Moment befinden. War die Verleugnung deutscher Medien ein Teil von der Kriegspropaganda oder reine Dummheit und Naivität – beiden Optionen sind mehr als gefährlich.

Da wo #merkelstreichelt, ist man gern

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Am 15. Juli 2015 fand der Bürgerdialog mit dem Kampagnentitel „Gut leben in Deutschland“ in Rostock statt. Zu Gast war eine Rostocker Schulklasse, die Merkel Fragen zur aktuellen Flüchtlingspolitik stellte. Dort kam es zu einem Zwischenfall als ein Mädchen namens Reem Sahwil, das mit ihrer Familie vor vier Jahren aus Palästina in den Libanon geflohen war und von da aus nach Deutschland, Frau Merkel ihre persönliche Geschichte erzählte. Dabei ging sie auf ihre Angst vor einer Abschiebung ein, da ihre Familie lediglich eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung bekommen hatte. Merkel zeigte Verständnis für die Situation des Mädchens, betonte aber auch dass Deutschland nicht alle Menschen aufnehmen könne. Als das Mädchen daraufhin zu weinen begann, streichelte Merkel es und versuchte es mit den Worten „Och, komm. Du hast das doch prima gemacht“ zu trösten. Diese Aussage und das Handeln der Kanzlerin sorgten unter dem Hashtag #merkelstreichelt online für einen Shitstorm im Internet, in dem vor allem auf Merkels herzloses Verhalten hingewiesen wurde. Zugleich wurde aber auch eine neue Flüchtlingsdebatte ausgelöst.

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Ist eine solche Reaktion gerechtfertigt?

Zunächst muss gesagt werden, dass das Video, das vom NDR ausgestrahlt wurde und auf YouTube zu sehen ist, eine Länge von 5:30 Minuten hatte. Es zeigte folglich nicht das ganze Gespräch, das bei dem Bürgerdialog stattfand, sondern nur einen Ausschnitt. Durch diese „Manipulation“ wirkte es so, als sei Merkel gefühlskalt und als wäre ihr das Schicksal des Mädchens gleichgültig. In dem langen Video dagegen (90 Minuten) ging es darüber hinaus darum, dass das Asylbewerberverfahren eine lange Zeit in Anspruch nimmt und Frau Merkel bemühte sich zu erklären, warum dies so sei und ging darauf ein, dass dieses Verfahren in Zukunft beschleunigt werden soll.

Durch die Kurzversion wurde im Vergleich zu der Langversion des Videos der Eindruck der Situation verschärft und zugespitzt. Es muss jedoch auch gesagt werden, dass die Formulierung Merkels als etwas ungünstig gewählt beurteilt werden kann. Merkel hat, wenn auch etwas ungeschickt, richtig gehandelt, indem sie dem Mädchen keine Versprechungen gemacht hat, die sie möglicherweise nicht einhalten kann. Hätte sie das getan, hätte sie sich über alle rechtstaatlichen Prinzipien hinweggesetzt, wozu sie überhaupt nicht in der Lage ist. Sie wählte deshalb einen Mittelweg und versuchte, die Problematik der Flüchtlingsdebatte so gut es geht zu erläutern.

Hierbei sind also vor allem diejenigen Medien zu kritisieren, die die Geschichte unnötig aufgebauscht haben und lediglich auf die Kurzversion des Videos verwiesen haben anstatt eine umfassende Recherche vorzunehmen.

Medien- Ablöse der Atombombe?

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Die Mächtigen regieren die Welt. Macht basiert auf Fortschritt. Seit die Menschheit Kriege führt, werden diese meist durch den Faktor Geld entschieden und dadurch, welche Seite die fortschrittlichsten Waffen hat. Seit der Erfindung der Atombombe, durch deren Besitz man Einfluss üben kann, deren Verwendung aber aufgrund ihrer Zerstörungskraft in einem tatsächlichen Krieg unwahrscheinlich ist, sind die Machthaber der Welt auf der Suche nach einem neuen Mittel der politischen Lenkung der Welt und dass es gefunden wurde ist der Öffentlichkeit vor nicht allzu langer Zeit (hoffentlich) eingeleuchtet.

Der Flug MH17 ist abgestürzt. Eine Unaufhaltsame Flut an Medienberichten aller Art beginnt sich in diesem Moment über die Welt zu stürzen. Bald schon ist Allen klar, der Flug wurde abgeschossen… von den Russen? Oder, nein, den Pro-Russischen Separatisten? Waren es nicht doch die Ukrainer selbst? Oder deren Rebellen? Jeder Medienbericht behauptet etwas anderes, je nachdem in welchem Land sie erscheinen sind in den Schlagzeilen andere Schuldige, im Internet sind sogar manche der Ansicht, es wäre Alles ein Komplott der USA. Die Bösen sind überall, schlussendlich verbündet man sich gegen Russland, wegen der Sache mit der Krim- wurde die eigentlich Annektiert? Oder ist sie durch rechtmäßige Wahlen Russisch?

Die traurige Wahrheit: Alles, was seit dem (verwenden wir das neutrale, nichtssagenden Wort) Absturz der MH17 ereignet hat beruht auf dem Druck der die Medien auf die Politik ausüben. Medien konstruieren unsere Wirklichkeit, aber wer mag in einem Gewusel dieses Ausmaßes noch klar zu sehen? Niemand. Oder vielleicht doch?

Ein Brief des Vertreter Hollands beim Sicherheitsrat der UNO macht klar: bisher kann man bezüglich des Flugzeugabsturzes keine klaren Festlegungen treffen. Die Leichen konnten größtenteils geborgen werden, aber zuviel Flugzeugteile fehlen, als dass man auf einen eindeutigen Schuldigen schließen könnte. Ausserhalb der Medienrealität wies die Bürokratie also zumindest, dass sie nichts weiß.

Was das ganze mit Kriegsführung zu tun hat? Während die freien Medien Europäischen Bürgern ein konfuses Bild der Situation liefern, sind die Russischen Medien sich einig: Der Flugzeugabsturz ist ein Versuch der Ukraine, Russland schlecht dastehen zu lassen, um die Beziehungen von Russland zum Rest der Welt zu schwächen. Jeder Russe UND Alle Menschen ausserhalb Russlands, die ihre Informationen auf Russischen Nachrichten beziehen wissen dasselbe. Selbst Jahre nach dem Zusammenbruch der UdSSR sprechen viele Menschen in den ehemaligen Gebieten bevorzugt Russisch und durch den kontrollierten, stetigen Informationsfluss, den sie bekommen ist es auch möglich, dass die Krim an Russland annektiert wurde.

Mediale Kriegsführung gibt es schon lange (Propaganda ist uns Allen ein Begriff), doch die Russische Regierung hat sie neu erfunden, wie ein 25-Seitiger Bericht der NATO ausführlich darlegt. Niemand weiß warum das Flugzeug MH17 abgestürzt ist. Niemand wird es je wissen, ausser denen, die es waren. Pressefreiheit ist ein Privileg, dass nicht überall zu finden ist und genau das macht sie gefährlich. Kriege werden nicht mehr mit Waffen gewonnen. Sie werden mit Einfluss gewonnen. Was hat heutzutage noch mehr Einfluss als Medien?

 

Quellen:

NATO COE Report „Analysis Of Russia’s Information Campaign Agains Ukraine“

letter dated 16 Dezember 2014 from the Permanent Representative of the Netherlands to the United Nations addressed to the President of the Security Council.

Daily Review Of Ukrainian Media, Subject: Main headlines in Ukraine on 22 July 2015; Prepared by the Political and Trade and Economic Sections

European Union, Delegation to the Russian Federation; Daily Review Of Russian Press, Subject: Main headlines  in Russia on 22 July 2014

Night Will Fall- Gegen das Vergessen

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Kürzlich strahlte die ARD zum siebzigsten Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz einen noch nie veröffentlichten Dokumentarfilm aus. Dieser trägt den Titel „Night Will Fall“ und ist ein Werk des Filmproduzenten André Singer.
Singers Film basiert auf dem 1945 produzierten „Tatsachenbericht über die deutschen Konzentrationslager“, einer Dokumentation des britischen Filmproduzenten Sidney Bernstein über die Befreiung der Lager Bergen-Belsen, Majdanek, Auschwitz, Buchenwald und Dachau, zu der später auch Alfred Hitchcock hinzustieß, da Bernstein Hilfe bei der Zusammenstellung des Materials brauchte. Zudem ist Hitchcock dafür bekannt, Filme so zu konzipieren, dass sie einem regelrecht unter die Haut gehen. Und genau das sollte mit der Dokumentation erreicht werden. Bernstein produzierte den Film, um allen beweisen zu können, dass die barbarischen Gräueltaten, die an den unvorstellbar vielen jüdischen Menschen verübt wurden, tatsächlich passiert sind. Das Material sollte den Deutschen gezeigt werden, da viele den Holocaust, obwohl doch nachweislich alle davon gehört hatten, verleugneten. Dennoch bekamen nur vergleichsweise wenig deutsche Bürger den Film zu Gesicht, da man zu Beginn des kalten Krieges die Deutschen nicht demütigen, sondern vielmehr als zukünftige Verbündete gegen die Sowjetunion gewinnen wollte.
In den Aufnahmen der sowjetischen, britischen und amerikanischen Armeen, und auch in denen von SS-Leuten, sind stapelweise (diese Beschreibung klingt roh, aber sie ist treffend) tote, vollkommen ausgezehrte Menschen, ohne ein einziges Gramm Fett am Körper zu sehen; tote Gesichter, mit eingefallenen Wangen, aufgerissenen Augen und Mündern; Gesichter, denen der halbe Kiefer fehlt oder die von Schusswaffen durchlöchert sind; Menschen, die Tote auf ihrem Rücken zu Massengräbern schleppen und hineinwerfen, so als ob die Toten Müll wären. Zwischen diesen schrecklichen Aufnahmen aus den Lagern blendet Singer immer wieder Interviews mit Zeitzeugen ein, sowohl britische, sowjetische und amerikanische Soldaten, die die KZ’s befreiten, als auch mit jüdischen Opfern, die dieses Grauen überlebten. Bernsteins Dokumentation gepaart mit den Erzählungen dieser Menschen macht es einem schwer, die Fassung zu wahren und macht es einem gleichzeitig leicht, wirklich zu verstehen, welches Verbrechen während des zweiten Weltkrieges an den Juden verübt wurde. Es ist wahrscheinlich, dass jeder Deutsche schon einmal eine Dokumentation über die unmenschlichen Morde an den Juden in den Konzentrationslagern gesehen hat, und auch dass das alles in der Schule thematisiert wird. Aber ich persönlich habe so furchtbare Bilder wie in „Night Will Fall“ noch nie zu Gesicht bekommen, vermutlich weil sie zu „brutal für den Alltag“ sind, doch sie zeigen genau, was die Soldaten der Befreiungsmächte damals vorfanden, als sie die Lager stürmten. Es zeigt, welche Verbrechen die Nationalsozialisten an der Menschheit verübten, wie entmenschlicht die jüdischen Gefangenen damals wurden.
Der KZ-Überlebende Max Mannheimer äußerte sich kürzlich in einem SPIEGEL-Interview im Zusammenhang mit dem Jubiläum der Befreiung der Menschen aus Auschwitz. Er ist der Auffassung, dass die Menschen nichts aus Auschwitz gelernt haben und sagt, mit Hinblick auf die PEGIDA-Bewegung, dass die Täter von einst auch brave Steuerzahler waren. Es ist schade, dass nicht jeder einzelne der deutschen Bevölkerung direkt nach dem Krieg dazu gezwungen wurde, Bernsteins „Tatsachenbericht über die deutschen Konzentrationslager“ zu sehen. Denn es stellt sich mir die Frage, ob es dann heutzutage weniger Neo-Nazis oder generell weniger Leute gäbe, die stumpf und taub gegen Ausländer und Asylanten wettern- ohne fundierte Gründe, einfach nur aus Hass und eingebildeter Angst- wenn schon ihre Eltern oder Großeltern direkt mit dem Grauen, dass sie nicht verhindern oder überhaupt erst wahrnehmen wollten, konfrontiert gewesen wären.
Die Bilder, die Bernstein zusammentrug und Singer jetzt in seine Dokumentation einbaute, sind das grausamste, was ich jemals gesehen habe, auch wenn mir klar war, was in den Konzentrationslagern geschehen ist, aber solche Bilder habe ich dennoch nie zu Gesicht bekommen. Niemand sollte die Unmenschlichkeit vergessen, die den Tod von 6 Millionen Juden bedeutete, auch wenn manche Stimmen auf einen „Schlussstrich“ plädieren. Aber den kann und darf es nie geben, denn auch wenn man anführen könnte, dass wir jungen Leute mittlerweile schon in der dritten Generation nach dem 2. Weltkrieg leben, so sind wir doch Deutsche und vor allem Menschen, und die Erinnerung an diese unbeschreiblichen Taten kann uns daran hindern, so etwas jemals wieder passieren zu lassen. Wenn wir es denn verstanden haben.

In der ARD-Mediathek ist „Night Will Fall“ täglich von 20-6 Uhr einsehbar.

 

Trailer zu „Night Will Fall“

„Night Will Fall“ in der ARD-Mediathek

SPIEGEL-Interview mit Max Mannheimer

 

 

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„Ich habe mich geschämt“

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Am Montagabend strahlte das Erste anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz drei Dokumentationen über  Diese und den Holocaust aus. Die Dokumentation „Night Will Fall“  zeigte tragische Aufnahmen, die alliierte Kamerateams 1945 in den befreiten KZs gedreht hatten.

Am darauffolgenden Abend äußerte sich die NDR-Moderatorin Anja Reschke während der ARD-„Tagesthemen“ zum Thema. Sie habe die genannte Dokumentation gesehen und habe sich „geschämt“ für das, was sie zu sehen bekam. Dafür, dass es zu ihrer Identität als Deutsche gehöre. Ob sie wolle oder nicht. Sie nennt Zahlen aus einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung, die aussagen, dass 58% der Deutschen einen Schlussstrich ziehen und die Geschichte des Holocausts „hinter sich lassen“wollen. Sie betont, dass die Männer, die dort waren und die Aufnahmen gemacht haben heute noch lebten und keiner von ihnen einen Schlussstrich ziehen könne. Wir stattdessen schmettern ihnen entgegen: „Es muss doch mal Schluss sein.“  „Ausgerechnet wir?“ fragt sie „Es gibt keinen Schlussstrich in der Geschichte“. Sie beendet ihren Kommentar mit einem Vergleich zu den Pegida Demonstrationen in Dresden: „Nach diesem Film konnte ich nicht schlafen, also habe ich umgeschaltet. Und was sehe ich? Pegida-Demonstranten in Dresden, die sich aufregen über die vielen Ausländer in Deutschland. Ganz ehrlich: Da ist mir dann wirklich schlecht geworden.“

Unbenannt

Im Internet wird seit der Ausstrahlung und Veröffentlichung des Videos heftig diskutiert. Auf Facebook besitzt das Video inzwischen fast 2,5 Millionen Aufrufe, wurde über 32.000 Mal geteilt und bekam über 54.000 „Likes“. Auf Twitter wurde das Video im Vergleich auch sehr viel öfter retweeted und favorisiert als andere Tweeds der ARD. Doch nicht alle können sich mit den von Frau Reschke getätigten Aussagen identifizieren. Änhänger der Pegida-Bewegung verurteilen sie  und reagieren mit: „Frau Reschke, Ihnen wird schlecht wenn Sie Menschen bei der Pegida sehen?! MIR wird schlecht wenn ich im TV solch dämliche Aussagen und Berichte wie Ihre sehe!!!“ Andere sind beeindruckt und unterstützen Sie: „Jeder, der hier schreibt, dass er es nicht mehr hören kann, hat es noch nicht so oft gehört, dass er es verstanden hat!“ oder „Sie spricht mir aus der Seele. Da wo wir Auschwitz vergessen, öffnen wir die Tür für neue KZ-Bauer…“

Selten gibt es Momente mit solch klaren Worten im deutschen Fernsehen. Es lässt sich auch darüber debattieren ob der Vergleich zu Pegida gerechtfertigt oder einfach überspitzt war. Eines steht jedoch fest. Frau Reschke hat mit ihrem Kommentar im Abendprogramm Mut bewiesen und eindrucksvoll veranschaulicht, warum der Holocaust immer ein Teil der Deutschen Geschichte ist und auch bleiben sollte. Alleine dafür gebührt ihr Respekt.

 

Der Link zum Video :

Kommentar von Anja Reschke zum Thema Auschwitz und Holocaust

 

 

Quellen:

http://meedia.de/2015/01/28/kein-schlussstrich-in-der-geschichte-eindrucksvoller-tagesthemen-kommentar-zum-thema-ausschwitz/

http://www.stern.de/politik/deutschland/auschwitz-kommentar-von-anja-reschke-loest-internet-debatte-aus-2169549.html

http://www.tagesspiegel.de/medien/gedenk-tv-und-wenig-publikum-wenig-zuschauerinteresse-an-auschwitz-gedenken-in-ard-und-zdf/11293598.html

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-58033.html

https://www.facebook.com/video.php?v=10152546666441389&set=vb.48219766388&type=2&theater

https://twitter.com/tagesthemen/media?lang=en

 

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Wer dachte die Artikel einer Zeitung werden debattiert, hat die Werbung unterschätzt

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Der Andrang an Meinungen um die Redaktionsleiterin von Christ & Welt Christiane Florin ist groß seit der ersten Ausgabe der Wochenzeitung in diesem Jahr. Doch seit der dritten ist er gewaltig.

Es ist nicht immer leicht als Journalist – und als einer, der über Glaubensfragen debattiert, schon gar nicht. Darüber können die Mitarbeiter der Zeit-Beilage wohl ein Lied singen.
Vor wenigen Wochen bekam die Redaktion eine Anzeigenbuchung von „Kirche in Not“, ein katholisches Hilfswerk, das international gegen die Verfolgung von Christen vorgeht. In ihrer ersten Ausgabe diesen Jahres thematisierte Frau Florin nun die Anzeigen der Zeitung und erklärte den Lesern, warum sie sich gegen das Abdrucken dieser einen entschieden hatten. Ausschlaggebend war insbesondere, dass die Organisation sich „[g]egen den Strom von Meinungsdiktatur und Political Correctness“ aussprach. Bei näherer Betrachtung des Kongressprogramms wurde offensichtlich: gemeint war nicht die Diktatur im herkömmlichen Sinne. Gegenstand des Aspektes sollte wahrhaftig die im Staat verankerte Demokratie sein, wie sie z.B. in der deutschen Verfassung steht, unter der du und ich leben.
Dass sich am rechten Rand der Kirche einiges tut, damit sind Christiane Florin und ihre Kollegen vertraut, sowie die Begabung einiger Gläubiger „Demokratien mit ihren Kompromissen und Mehrheitsentscheidungen mal eben zu einer „Diktatur des Relativismus“ umzudeuten“, nachvollziehen können und – vor allen Dingen – so eine Meinung zu publizieren und repräsentieren, müssen sie deswegen aber nicht.

Ich verwende an dieser Stelle bewusst den Ausdruck „repräsentieren“, da dies für viele Leser – oder sollte man lieber sagen Nicht-Leser? – nichts anderes darstellt. Man könnte meinen, dass eine Zeitung und ihr Team nicht verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen, die sie abdrucken, gemacht werden, da diese für sie bloße Finanzierungsmittel darstellen. Und doch treffen immer mehr Leserbriefe ein, die Bezug darauf nehmen und sich bei der Redaktion beschweren.
So gab es sogar zum Nicht-Veröffentlichen besagter Anzeige geradezu einen „Shitstorm“, der die völlig überrumpelte Frau Florin erreichte. Schuld waren verschiedene Homepages und Blogs, welche negativ über das Ablehnen berichteten und somit die eigenen Leser und eigentliche Nicht-Leser der Zeit auf die Redaktion und ganz im Besonderen auf die Redaktionsleiterin hetzten.
Die Folge war eine Flut aus persönlichen und unprofessionellen Beleidigungen.
Doch die Redaktion war der Meinung, dass „sich [auch] Journalisten nicht alles gefallen lassen müssen“ und beschloss kurzerhand die Zuschriften, die sie erhalten hatten, unzensiert und unter Angabe des Verfassers zu veröffentlichen. Da sie diese auf dem Weg der Leserbriefe erhalten hatten und mit einem Großteil der Urheber auch noch einmal Rücksprache hielten, welche zum Teil mehr als stolz darauf waren, wie sie ihre Einstellung kundgetan hatten, verletzten sie damit keine Persönlichkeitsrechte und das einzige Ergebnis lag in bereits erwähnter noch größerer Aufmerksamkeit.
Doch im Gegensatz zu den anfänglichen ausschließlich negativen Reaktionen, durfte Christiane Florin sich diesmal besonders über eine riesige Fülle an zustimmenden, mitfühlenden und Beifall-klatschenden Antworten erfreuen, diesmal von den Originallesern der Zeitung signiert.

Und wer zuvor noch an der verwerflichen Verwendung und Auslegung des Begriffs „Meinungsdiktatur“ zweifelte, soll sich einmal die Reaktionen der Fürsprecher durchlesen. Wie Christiane Florin ganz richtig feststellt: „Ein Wort, das solche Verteidiger hat, lehnen wir ab.“

 

 

 

 

Quellen

Christ & Welt – „Wir Meinungsdiktatoren“

Christ & Welt – „Wir Meinungsdiktatoren 2“

Christ & Welt – „Sie kotzen mich an“

Sueddeutsche.de

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Aus der Mitte der Gesellschaft?

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Seit dem 20. Oktober 2014 demonstrieren jeden Montag in Dresden Anhänger der sogenannten Pegida – Bewegung (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Die Demonstrationen begannen mit 350 Teilnehmern und wuchsen seitdem stetig, zuletzt mit bis zu 20.000 Demonstranten. Allein auf Grund ihrer Zahl und der Ausweitung auf andere Großstädte sind die Politiker sowie alle anderen Bürger Deutschlands gezwungen, sich mit diesem Thema zu befassen. Doch worum geht es eigentlich und wer macht da mit!? Medien, Experten und Politiker versuchen, diese Fragen zu beantworten und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Panorama, das Fernsehmagazin, das vom Norddeutschen Rundfunk produziert und im „Ersten“ ausgestrahlt wird, führte am 15.Dezember 2014 Interviews mit einigen Demonstranten der Pegida, um deren Sicht der Dinge zu hören. Anhand einiger Zitate aus dem Blickwinkel der Mitte der Gesellschaft, wie sich die Anhänger selber nennen, soll nun die grundsätzliche Stimmung vermittelt werden. Auf die Frage „Was glauben sie denn zu bewirken, heute?“ antwortete ein älterer Herr: „Na, was will ich denn bewegen? Dass ich gegen die Ausländer bin, dass so viele hier reinkommen. Das ist mein Grund, warum ich hier bin und die kriegen einen Haufen Geld. Ich bin Rentner, ich krieg eine kleine Rente und geh noch arbeiten, dass ich einigermaßen gut über die Runden komm.“
Okay ein durchaus plausibler Grund, wer mag denn schon Ausländer, mittlerweile sind die doch überall, oder? Ein weiterer Pegida-Demonstrant behauptet „Sie sich doch einer die westlichen Großstädte an: 70 Prozent, kann man…, 80 Prozent kann man sagen, sind doch keine Deutschen mehr! Ist das normaler Trend?“  Es sprechen viele Fakten dagegen, ein Ausländeranteil von 80% in Deutschland ist bis heute aus der Luft gegriffen, die Zahl beläuft sich eher auf 10%. Nicht wirklich ein Geheimnis, doch wieso wissen das die Demonstranten nicht? Oder sind es doch, wie von vielen behauptet, Nazis, die sich für solche Fakten gar nicht interessieren? Die Moslems, um die es den Pegida – Anhängern geht, sind mit 0,2 % Anteil in einer Minderheit in Sachsen. Manche sehen hier jedoch schon die Gefahr, so ein weiterer Demonstrant: „Ach. Das ist mir egal, wie viele das sind, aber das sind schon 0,2 zu viel.“  Ob das nun rassistische Aussagen sind? Nur weil man sich negativ gegenüber einer Minderheit aufgrund ihrer Herkunft oder ihrem Glauben äußert? Da sollte sich wohl jeder selber ein Bild machen.
„Ja, wir sehen insgesamt, dass zu viele Ausländer hier nach Deutschland kommen, es ist bei Dresden jetzt nicht unbedingt so das Problem, hier in Dresden sind noch relativ wenig. Sie hören aber, ich komme aus Süddeutschland und bei uns sind die Städte voll, Stuttgart, wirklich ganze Viertel voll mit Ausländern, die zum Großteil auch keiner Arbeit nachgehen, die klauen, die einbrechen usw. …“
Ausländer sind also die Kriminellen in Deutschland, nicht außer Acht sollte man vielleicht lassen, dass viele Pegida- Anhänger, die sich ja so fürchten vor den bösen Ausländern, auch nicht alle ganz unschuldig sind. Bestes Beispiel dafür ist wohl der „Pegida-Wortführer Bachmann, er ist vorbestraft und saß laut eigener Aussage im Gefängnis. Zuvor hatte er sich ins Ausland abgesetzt, um der Haft zu entgehen.“ Ins Ausland also? Zum Glück denken nicht alle so wie er, sonst hätte es da sicherlich Probleme gegeben. Aktuell und im Zusammenhang mit Pegida hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Bachmann eingeleitet. Auf Grund dieses Verfahrens und einem Bild, das Bachmann mit „Hitler-Bärtchen“ zeigt, trat Lutz Bachmann heute als Pegida – Chef zurück.
Dies waren nur einige Aussagen verängstigter Pegida-Demonstranten, mit Sicherheit denken nicht alle so, doch ignorieren sollte man solche Gefühle und Meinungen dennoch nicht, dafür ist die Bewegung einfach zu groß. Eine gute Möglichkeit aber, sich gegen die Pegida zu stellen, sind die Gegendemonstrationen, die deutlich mehr Anhänger finden und soziale Netzwerke, die auf ihre Weise gegen solch eine Bewegung vorgehen.

 

Quellen:
-Pegida-Facebookseite:https://www.facebook.com/pages/PEGIDA/790669100971515
– Interview (Panorama): https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/panorama5360.pdf
-Artikel über Bachmann: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-die-thesen-im-faktencheck-a-1008098.html
-Ermittlungen gegen Bachmann: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/pegida-lutz-bachmann-foto-postings-ermittelungen-streit
– Nopegida auf Facebook: https://www.facebook.com/nopegida
– Rücktritt Bachmann: http://www.heute.de/pegida-chef-lutz-bachmann-tritt-nach-aufnahme-von-ermittlungen-zurueck-36831540.html

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#YouGeHa

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Seit gestern läuft die Aktion „Youtuber gegen Hass“ (kurz: YouGeHa). Eine Woche lang werden täglich um 15 Uhr Videos gegen rassistische Strömungen im Internet hochgeladen.
Bekannte Youtuber nehmen freiwillig an der unabhängigen Kampagne teil, alle entsprechenden Videos werden in einer speziellen Playlist gesammelt.
Durch das Mitwirken bekannter Blogger auf Youtube wie zum Beispiel LeFloid kommt die Kampagne auf eine Reichweite von mehreren Millionen Abonnenten. Außerdem ist Pegida ein aktueller Anlass dafür.
Die ursprüngliche Idee stammt Mirco Drotschmann, der Betreiber des Youtube-Kanals „Mr Wissen To Go“. Er selbst hat keine vergleichbar hohe Zahl an Abonnenten wie andere Blogger, deshalb war sein erster Schritt, sich im Dezember mit anderen Wissenskanal-Youtubern auf Facebook zu vernetzen. Laut Drotschmann überwiegen auf der Videoplattform deutlich Katzen- oder Schminkvideos, gefolgt von „Let’s plays“. Ihm ist es wichtig, die Abonnenten mit politisch aktuellen Themen zu versorgen und Wissenskanälen auf Youtube zu einer höheren Prominenz zu verhelfen, bisher reagieren die Fans interessiert und sind auf weitere Videos gespannt.
„“Wissen2go“ will seinen Zuschauern mit einem Faktencheck in wenigen Minuten erklären, wo „Pegida“ falsch liegt. Andere beschäftigen sich mit Alltagsrassismus, Homophobie, steuern eine Reportage aus einem Flüchtlingsheim bei oder befragen Nicht-Muslime, was sie von Muslimen halten – und wie die diese Meinung auffassen.“
Ziel der Kampagne ist es, die Zuschauer aufzuklären. Sie sollen über die Problematik in Kenntnis gesetzt, sowie  zum Nachdenken und Diskutieren angeregt werden. Die Aufklärungskampagne will vor allem um Toleranz werben, um so Vorurteile abzubauen. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sollen reduziert werden, denn Youtube will zeigen, dass es zu mehr als Unterhaltung dient.
Alle Zuschauer werden dazu aufgefordert, eventuelle Erfahrungen in diesem Themengebiet in sozialen Netzwerken zu teilen.
Dabei sind die Herangehensweisen ganz unterschiedlich: Manche Videokünstler behandeln das Thema satirisch, andere argumentieren oder berichten sachlich.
Die Videos einzelner Youtube-Blogger werden untereinander verlinkt und mit dem Hashtag #YouGeHa versehen, um sie leichter auffindbar zu machen und so der Aktion größere Sichtbarkeit zu verschaffen.

Bei der gesamten Kampagne geht es also nicht darum, sich gegen etwas zu stellen, sondern um Aufklärung. Es soll kein Hass geschürt, sondern vermindert werden.
Ob sich dabei mehr Menschen angesprochen fühlen als durch die klassischen Medien, wird sich im Verlauf der Aktion zeigen.

Quellen:

http://www.deutschlandradiokultur.de/yougeha-youtuber-machen-mobil-gegen-fremdenhass-und-pegida.2156.de.html?dram:article_id=309101

https://www.tagesschau.de/inland/youtuber-gegen-hass-pegida-101.html

http://yougeha.tumblr.com

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/yougeha-gruppe-von-youtube-bloggern-kritisieren-pegida-13378879.html

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/yougeha-youtuber-starten-aktion-gegen-fremdenhass-a-1013805.html

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Terror im Schatten des Terrors

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Gerade in einer Zeit der zunehmenden Digitalisierung und der damit einhergehenden Individualisierung des Medien- und Informationskonsums, entsteht leicht das Gefühl, man wüsste über alles bescheid. Dass einem jede nennenswerte Information vorliegt, alles, was man wissen muss, einem auf irgendwelchen Wegen zugetragen wird. Doch dabei entsteht ein informationeller Tunnelblick und die in der Medienforschung „Gatekeeping“ genannte Funktion des Journalismus verselbstständigt sich, da nur gelesen und rezipiert wird, was dem Konsumenten nahegelegt wird, und nur über das berichtet wird, was den Leser/Zuschauer/Hörer augenscheinlich interessiert. Das Medium schafft erst den Bedarf, nach dem es sich richten möchte. Während die linearen Medien – wie das Fernsehen oder der Rundfunk – dieses Problem weniger betrifft, so sorgt gerade der non-lineare, modulare Aufbau des Internets und der vertretenen Nachrichtenmedien für eine starke Aufmerksamkeitslenkung der Rezipienten.

Während einem dies normalerweise weniger auffällt, da selten mehrere wichtige Ereignisse zeitlich so beieinander liegen, dass sie sich selbst überlagern, so konnte man in dieser Woche dieses Phänomen besonders gut beobachten. Während die Anschläge auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ noch über das Wochenende hinaus starke mediale Resonanz erzeugt, die sich – da die Hauptereignisse längst ausführlich dokumentiert wurden – nunmehr mit den Trauerkundgebungen und – märschen, Hintergründen und gesamtgesellschaftlichen Prognosen auseinandersetzen, noch unterstützt von der Brandstiftung im Verlagsgebäude der Hamburger Morgenpost; so gehen die Anschläge der islamistischen „Boko Haram„-Gruppierung im Norden Nigerias beinahe unter.

Für den flüchtigen Leser unsichtbar

Auf keiner Startseite der großen Zeitungen – von der Süddeutschen bis zur BILD – findet sich heute ein Hinweis darauf, erst durch gezielte Suche oder Stöbern in den einzelnen Ressorts trifft man auf diese Meldungen – einen Aufwand, den sich sicher nur wenige Rezipienten aus purem Interesse machen. Auf der Startseite der Huffington Post finden sich noch am Sonntag Abend über 25 (!) Artikel, die einen direkten oder indirekten Bezug zu dem Attentat auf Charlie Hebdo vorweisen; seien es Mitteilungen unmittelbar aus Frankreich oder Beschreibungen, Reaktionen, Kolumnen, Kommentare zum Attentat selbst und zu seiner Rezeption in sämtlichen politischen Strömungen, Ländern und Gesellschaftsschichten. Wer sich hingegen für Afrika interessieren mag, bekommt einen Reisebericht nach Botswana präsentiert. Nur vom Betrachten der Startseite – und gerade wenn diese derart umfangreich gestaltet ist, bleibt sie auch das Einzige, was der Rezipient sich zur Themenauswahl zu Gemüte führt – bleibt der Leser im Unklaren darüber, dass eben erwähnte Terrormiliz diesen Donnerstag die nigerische Stadt Baga quasi dem Erdboden gleichgemacht hat; bis zu 2000 Tote werden befürchtet. Dass sich gestern am Nachmittag wohl ein 10-jähriges Mädchen im Auftrag der Terroristen auf einem Marktplatz in die Luft sprengte und zwanzig Menschen in den Tod riss. Dass der Terror also – in letzter Konsequenz – auch in Afrika immer mehr Fuß fasst.

Wer die entsprechenden Suchbegriffe bei Google und Konsorten eingibt, kriegt schnell eine Reihe von Artikeln angeboten, von den meisten Tageszeitungen, die aber keinerlei Hinweise auf ihrer Startseite haben. Obwohl also der Nachrichtenwert bewiesen ist, obwohl hier Recherchen durchgeführt und Texte geschrieben wurden, trotz alledem bleibt der gemeine Leser im Unklaren. ZEIT online beispielsweise dokumentiert die Vorfälle; aber um darauf zu stoßen muss unten auf der Startseite vom Politikressort aus die Rubrik Außenpolitik gewählt und viel gescrollt werden.

Ein deutsches Phänomen? Und warum?

Jetzt mag man sich sicher fragen, warum die deutschen Medien (internationale Informationsportale scheinen hier insgesamt mehr Informationen zu geben: siehe hier oder hier) ein derartiges Thema so zurückstellen. Liegt es daran, dass der gemeine Leser kaum Identifikationspotential mit einem der ärmsten Länder dieser Erde hat? Dass man „ja schon weiß“, dass die Menschen in Afrika „arm dran“ sind? Liegt es an der räumlichen Distanz? Oder sind die Anschläge auf ein französisches Magazin einfach so viel wichtiger für den deutschen Leser?

Man kann sicher darüber debattieren und wird vielleicht irgendwann zu dem Fazit kommen, das der Anschlag in Frankreich durch seine Symbolwirkung mehr Aufmerksamkeit verdient, den Terror nach Europa trägt und eine fundamentale Freiheit der westlichen Welt bedroht. Vielleicht kommt man aber auch zu dem Fazit, dass der Terror in Nigeria, getragen von einer antiaufklärerischen, extremistischen Gruppierung, die sich dort gerade erst entwickelnden Freiheiten um ein vielfaches mehr bedroht als er es in einer derartig gefestigten Wertegemeinschaft wie Frankreich könnte.

Um im langen Bogen zum Anfang zurückzukommen: die meistgelesenen Themen auf der Zeit Online Seite betreffen – sicherlich nicht Nigeria. Und wo kein Interesse der Leser, da auch kein Interesse an verstärkter Berichterstattung, oder Aufmerksamkeitsgenerierung. Es gibt kein Interesse seitens der Leser – und deswegen keine Berichterstattung, die dieses Interesse erst wecken könnte.

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C’est l’encre qui doit couler, pas le sang.

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Maskierte Männer, verwackelte Bilder, dann Schüsse.

Solidarische Karikaturen aus der ganzen Welt

Seit gestern Morgen macht ein grausiges Video die Runde: Von einem Privatgerät aus gefilmt, zeigt es die regelrechte Hinrichtung eines Polizisten auf offener Straße in Paris. Wer die Nachrichten mitverfolgt hat, weiß um was es geht. Gegen 11.30 Uhr am Mittwoch riss ein schreckliches Ereignis die französische Hauptstadt aus dem alltäglichen „traintrain“: Drei Unbekannte stürmten das Redaktionsgebäude der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und eröffneten das Feuer auf die Mitarbeiter. Einige der potenziellen Opfer fanden auf dem Dach des Pariser Gebäudes Schutz, doch für Direktor Stéphane Charbonnier und weitere elf Menschen war jegliche Flucht unmöglich. Der Zeichner, bekannt unter dem Namen „Charb“, sowie weitere Künstler und Polizisten fielen den Kalaschnikows der Täter zum Opfer und überlebten das fünf-minütige Blutbad nicht.

Es war die blutigste Attacke seit dem Zugattentat im Jahr 1961, die Frankreich gestern zerüttete. Die Bilder, die per Handy von Augenzeugen aus dem elften Arrondissement im Zentrum der Stadt aufgenommen wurden, erinnern nicht zu Unrecht an die Hinrichtungsvideos der Terrororganisation IS: Immer wieder erklingen Ausrufe wie „On a vengé le prophète!“ („Wir haben den Propheten gerächt!“) und „Allah Akbar“ („Allah ist der Größte“) seitens der Schützen. Viele Experten sind sich sicher: Es muss einen islamistischen Hintergrund für diese genauestens geplante Attacke gegeben haben. Nicht zum ersten Mal hatte das linksgerichtete Magazin den Zorn von Muslimen und Gläubigen auf sich gezogen: Immer wieder hatte die Redaktion des „Charlie Hebdo“ islamkritische Artikel und Karikaturen veröffentlicht, am Tag des Attentats selbst zierte eine Zeichnung zum thematisch passenden Roman von Skandalautor Michel Houellebecq das Cover der Zeitschrift. Makaber: Als hätte der Verfasser es geahnt, so steht auf Seite 7 des Heftes auf die Frage nach ausgebliebenen Attentaten in Frankreich die islamistische Antwort „Warten Sie es ab! Wir haben ja bis Ende Januar, um die Feiertagsgrüße zu überbringen“. Es sollte wohl früher schon zur Bestätigung dieser Aussage kommen…

Bereits seit 1969 reizt das Magazin mit dem Untertitel „Journal irresponsable“, also verantwortungslose bzw. unverpflichtete Zeitung, Vertreter jeglichen Standpunktes: Egal ob Politiker, Rechtsradikale oder eben Muslime, niemand blieb bisher vom Spott verschont. Höhepunkt der Provokation waren aber sicherlich die weltweit bekannt gewordenen Mohammed-Karikaturen, welche die Seiten der Zeitschrift mit Sprüchen wie „Es ist hart, von Idioten geliebt zu werden“ zierten. Zur Folge hatten diese nicht nur Morddrohungen an die einzelnen Redakteure, sondern ebenfalls eine Brandattacke auf das damalige „Charlie Hebdo“-Gebäude im November 2011.

Die Annahme, dass der Angriff eine Reaktion auf die satirischen Darstellungen des Magazins war, bestätigen wohl am besten die schockierenden Szenen in den aufgenommenen Videos. Vermutlich seien die Täter Rückkehrer aus den Syrien- und Irak-Kämpfen, so Experten, denn ihr geschulter Umgang mit den Schusswaffen zeuge von Erfahrung mit Militär- oder Guerillaoperationen. Es gibt jedoch auch jene, die alternative Theorien im Netz vertreten: So unter anderem die für ihre politisch-kritischen Aussagen bekannte Aktivistengruppe Anonymous, welche die Gräueltat online als eine angezettelte „False-Flag-Operation“ bezeichnet, mit dem Hintergedanken Europa innenpolitisch zu destabilisieren. Wer die Auftraggeber sind und welchem Ziel diese Attacke dienen soll, wird sich hoffentlich bald herauskristalisieren. Momentan läuft die Suche nach den  Schuldigen auf Hochturen, neben über 3000 Polizisten fahndet ebenfalls die Anti-Terror Spezialeinheit Raid nach den flüchtigen Verdächtigen Cherif und Said Kouachi. Neben den beiden Brüdern, welche durch einen im Fluchtwagen gefundenen Personalausweis identifiziert werden konnten, soll ebenfalls der 18-jährige Hamid M. an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein. Dieser hielt sich  zur Tatzeit jedoch in seiner Schule auf und stellte sich nach mehrfacher namentlicher Erwähnung in sozialen Netzwerken der Polizei.

Auch wenn vieles an den Geschehnissen des 7. Januars zwielichtig erscheint, eine Sache müsse jedoch verdeutlicht werden, so die Rede von Präsident François Hollande am Ort des Verbrechens:

„Une attaque contre un journal, c’est une attaque contre la liberté d’expression. (…) Nous devons réagir avec fermeté, mais avec le souci de l’unité nationale (…). Nous sommes dans un moment difficile (…), nous savions que nous étions menacés, car nous sommes un pays de liberté.“

Kurz: Ein Angriff auf eine Zeitung sei einem Angriff auf die Redefreiheit gleichzusetzen und diese Tat werde nicht unbestraft bleiben. Frankreich sei ein freies Land, das besonders in solchen Krisenzeiten auf Zusammenhalt setzen müsse, so Hollande. Als Maßnahme wurde die Terror-Alarmstufe („plan vigipirate“) heraufgesetzt und weitere französische Medien, unter anderem die Redaktion der France 2, unter Polizeischutz gestellt.

Nicht nur internationale Politiker drückten den Opfern und Betroffenen ihr Mitgefühl aus, auch im Internet verbreitet sich die Empathie-Welle rasant: Soziale Netzwerke wie Instagram und Tumblr werden seit gestern dominiert von Posts mit den Schlagwörtern #JeSuisCharlie und #CharlieHebdo, und auch bei Facebook zeigen die Menschen ihre Anteilnahme durch Sharen und Posten von „Je suis Charlie“ Beiträgen und Bildern. Besonders Aufgerüttete drücken ihre Unterstützung der Rede- und Pressefreiheit durch Veröffentlichen von den im Magazin gedruckten Mohammed-Karikaturen aus und sammeln sich am heutigen Gedenktag in vielen europäischen Städten. Was der satirischen Presse wohl einen zerschmetternden Schlag versetzen sollte, ermutigt nun Journalisten, Künstler und Laien weltweit genau zum Gegenteil: Die Ausrufe nach dem Recht sich frei auszudrücken, auch in Medien, erhallen trotz allgemeiner Angst vor ähnlichen Anschlägen rund um den Globus und verstärken den Respekt vor jenen, die sich getraut haben, die kritischen Worte ebenfalls öffentlich zu machen.

„Ils voulaient mettre la France à genoux, ils l’ont mise debout!“, so die Devise eines Frankreichs, das jetzt in diesen traurigen Tagen mehr denn je  als vereinte Nation aufsteht und sich dieser Form von Unterdrückung widersetzen will.

"Je suis Charlie"

„Je suis Charlie“: Fassungslosigkeit am Gedenktag in Paris

 

Quellen:

http://www.rtl.lu/international/597084.html

http://www.spiegel.de/

https://www.facebook.com/Anonymous.Kollektiv/posts/835560656490396:0

http://www.charliehebdo.fr/index.html

http://www.zeit.de/kultur/2015-01/charlie-hebdo-charb-geschichte

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„Der Postillon“ trollt PEGIDA

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medien und Politik1 Kommentar »

Es war der 05. Januar, 12:51 Uhr.

Das Satiremagazin „Der Postillon“ veröffentlichte einen Artikel, in welchem behauptet wurde, die PEGIDA-Demonstration in Dresden am Abend des selbigen Tages wäre abgesagt.

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Kurz darauf meldete sich PEGIDA auf deren Facebookseite zu Wort und stellte richtig, dass der „Abendspaziergang“ wie geplant stattfinden würde.

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„Der Postillon“ selbst postete in verschiedenen sozialen Netzwerken allerdings eine PEGIDA-Nachricht, in welcher die Absage der Veranstaltung bestätigt wurde.

Wie? Wer? Was? Wo? Viele Menschen schienen verwirrt, vor allem nachdem „Der Postillon“ einen, wie sich später herausstellte, gefälschten „Spiegel Online“-Artikel verbreitete. Auch war von einem vermeintlichen PEGIDA-Mitorganisator namens Lars Kressmann die Rede. Sowohl der „Spiegel Online“-Artikel als auch eine Lars Kressmann-Gedächtnisseite (das Facebookprofil wurde kurze Zeit später gelöscht) stammen nach Aussage von „Postillon“-Chef Stefan Sichermann jedoch nicht von ihnen. „Das Thema wurde offenbar zum Selbstläufer, da lassen viele ihrer Kreativität freien Lauf.“ Einer der Gründe, weshalb die Meldung so hohe Wellen geschlagen hat, ist wahrscheinlich, dass der Artikel eine Reihe von angeblichen Quellen zitierte und auch die sonst übliche offensichtliche Komik fehlte.

Die Kommentare unter dem Post auf der „Postillon“-Facebookseite sind zwiegespalten. Auf der einen Seite die PEGIDA-Anhänger, auf der anderen die PEGIDA-Gegner…und irgendwo dazwischen die Satireliebhaber, welche die gefälschte Nachricht und deren Verbreitung einfach nur großartig finden und z.B. auch auf den Twitter-Trend „#schneegida“ verweisen.

Doch wie genau kam es eigentlich zu der gefälschten „Spiegel Online“-Meldung? Auf der Internetseite tinyur1.co kann man eine beliebige Website eingeben, welche dann geöffnet wird. Der User hat nun die Möglichkeit, diese Seite beliebig zu verändern und dabei das Layout der Originalseite beizubehalten. Nach dem Abspeichern kann man den Link versenden. Die Seite bleibt dann so lange online, bis sie 3 Tage lang nicht mehr aufgerufen wurde. Ein schöner Gag, um Freunde und Familie einmal hinters Licht zu führen, aber darf und sollte man so etwas in solch großem Stile tun? Daran scheiden sich die Geister und wahrscheinlich haben sowohl Befürworter als auch Gegner gute Argumente vorzuweisen.

Eines jedoch haben die Macher des „Postillon“ definitiv geschafft: „Sie haben den Pegida-Anhängern auf sehr unterhaltsame Weise demonstriert, was passieren kann, wenn man sich des Wahrheitsgehalts einer Meldung wirklich nicht mehr sicher sein kann – Stichwort „Lügenpresse“.“

 

Quellen:

https://www.facebook.com/DerPostillon?ref=ts&fref=ts (07.01.15)

http://www.der-postillon.com/2015/01/nach-internen-querelen-pegida-demo-in.html (07.01.15)

https://www.facebook.com/spiegelonline/posts/10152959249039869 (07.01.15)

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angebliche-demo-absage-satire-seite-postillon-foppt-pegida-macher-a-1011335.html (07.01.15)

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-und-postillon-verwirrung-um-satire-a-1011386.html (07.01.15)

http://web.de/magazine/panorama/pegida-absage-postillon-spiegel-30340158 (07.01.15)

http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/postillon-vs-pegida-so-geht-luegenpresse/11187408.html (07.01.15)

http://www.sueddeutsche.de/politik/realsatire-im-internet-der-postillon-sagt-pegida-ab-1.2291856 (07.01.15)

http://tinyur1.co/ (07.01.15)

http://www.sueddeutsche.de/news/panorama/wetter-twitter-trend-mit-schneegida-ueber-pegida-spotten-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-141229-99-05655 (07.01.15)

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Lesen, Schreiben, Rechnen und Programmieren

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Bereits in der Grundschule sollen Kinder Programmierkenntnisse erlernen. 

Dies fordert die die Berliner Designforscherin Gesche Joost, die als Internetbotschafterin die Bundesregierung in digitalen Fragen berät. Mit ihrer Forderung stößt sie aber nicht bei allen auf Verständnis, denn viele zeigen sich zurückhaltend und sind skeptisch ihrer Idee gegenüber.

Sie warnt davor, dass die deutschen Schüler in Zukunft nicht international mithalten können. Vom Konzept zur Umsetzung kann es noch Jahre dauern, daher sieht sie nun dringenden Handlungsbedarf. Mit dieser Idee ist sie nicht die Erste.

So ist es bereits in Großbritannien seit diesem Schuljahr Programmieren ein Muss für die Schüler und ist damit ein gutes Beispiel wie die Schule der Zukunft aussehen kann. Gute Computerkenntnisse ist heutzutage nahezu in jedem Beruf eine Voraussetzung. Da das Erlernen neuer Kenntnisse in Kinderjahren noch leicht fällt, plädiert Gesche Joost dafür, dass Kindern schon früh gezeigt wird, dass sie die Medien nicht nur konsumieren können, sondern auch die Möglichkeit haben diese aktiv mitzugestalten.

Außerdem könnte man so vor allem auch Mädchen motivieren und ihnen eine bessere Chance für den „digitalen Arbeitsmarkt“ ermöglichen. Doch Joost steht nicht alleine da. Laut einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom befürworten drei Viertel der Lehrer in Deutschland den Informatik-Unterricht als Pflichtfach einzuführen.  

Die Lehrergewerkschaft GEW hingegen sieht Joosts Ideen skeptisch: es sei wichtiger zunächst die „sichere Beherrschung der Kulturtechniken – Lesen, Schreiben und Rechnen – sowie das soziale Lernen“ zu erlernen , so Ilka Hoffmann von der GEW.  Des Weiteren weist Hoffmann darauf hin, dass viele Schulen nicht den technischen Standart für eine solche Forderung erbringen können.

Laut der ICILS-2013-Studie war Deutschland das Schlusslicht im Bereich Computernutzung im Unterricht. Eine Umfrage von Bitkom bestätigt die schlechte Situation an den Schulen. Mehr als 50% der Schüler an weiterführenden Schulen in Deutschland bewerten die Computerausstattung ihrer Schule als mittelmäßig bis schlecht. Dies ist Joosts Meinung nach unvorteilhaft, da selbst die „Generation der Digital Natives“ zwar sicher mit dem Umgang mit der Technik ist, aber weiteres Fachwissen nur selten vorhanden ist. 

 

 

 

Quellen:

http://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/534510/regierung-grundschuler-sollen-programmieren-lernen#gallery&0&0&534510

http://www.onlinewelten.com/games/netzweltgeschehen/news/internet-in-schule-neue-medien-programmieren-grundschueler-127937/

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Internetbotschafterin-der-Bundesregierung-fordert-Programmier-Unterricht-an-Grundschulen-2507521.html

 

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Verhaftung regierungskritischer Journalisten

geschrieben von in Medien und Politik1 Kommentar »

Für das derzeitige Jahrhundert eher untypische Nachrichten sind die der verbotenen Meinungsfreiheit und der Teilung dieser. Leider finden derzeitig jedoch Festnahmen von Journalisten in der Türkei statt, die sich gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan äußern, gar seine Regierung kritisieren und eine „Ein-Mann-Politik“ anprangern.

Die Festnahmen der Erdogan kritisierenden Journalisten erfolgten aufgrund der Anweisung des Premiers, der in den Äußerungen der festgenommenen Redakteure staatsfeindliche Aussagen vernahm, die der Souveränität des Staates schaden würden. Überdies bezichtigte Erdogan die journalistischen Kritiker der Vereinigung zu einer Gruppierung, die die Macht des Staates ergreifen wolle. Unter den gegenwärtig rund 32 Festgenommenen handelt es sich um einen Manager, Direktoren und Produzenten eines Fernsehsenders und weiteren Journalisten. Vor allem die Durchsuchung der Redaktion der größten türkischen Zeitung „Zaman“ und die anschließende Verhaftung des Chefredakteurs Ekrem Dumanl? sorgten für Furore.

Zustände wie diese erinnern eher an ein totalitäres Regime wie Nordkorea: dass keine Kritik oder keine Unstimmigkeit gegenüber der Regierung seitens der Bürger erfolgt liegt nicht daran, dass der Status quo optimal ist und er am besten das ganze Leben andauern soll. Eher vernimmt man, dass jegliche negativen politischen Äußerungen erst gar nicht in den Umlauf kommen und Nordkorea ein bearbeitetes Bild nach außen abgibt. Es erfolgt der Eindruck, dass die Meinung der Bürger ebenso wenig Bedeutung trägt wie das „demokratische“ in der Benennung der Volksrepublik Nordkoreas.

Die Hoffnung hierbei sind die derzeitigen Demonstrationen für den Bestand der Meinungsfreiheit in der Türkei und das Recht, diese zu äußern. Ein Aspekt, der aus deutscher Sicht beim Raub dieser ein Rechtsverstoß wäre, der aber genauso wenig in der Türkei gebilligt werden sollte.

Bereits aus der frühen Kindheit lernte man, dass ein „ich hör‘ dich nicht, ich hör‘ nur das, was ich sag'“ keinerlei positive Resonanz bei Mitmenschen auslöste und ebenso wenig eine gute Werbekampagne für die guten Charaktereigenschaften war. Jedoch scheint sich Erdogan dieser allzu bekannten Technik zu bedienen und bis jetzt noch durch Einschüchterung und den Einsatz von Festnahmen anderer Meinungen zu entledigen.

Rückblickend auf die Geschehnisse um den März 2014, als auf dem Videoportal Youtube ein Mitschnitt veröffentlicht wurde, auf welchem scheinbar der Außenminister Ahmet Davutoglu, der Geheimdienstchef Hakan Fidan, der Unterstaatssekretär Feridun Hadi Sinirlioglu und der Vize-Armeechef Yasar Güler zu hören sind, die in ihrem Gespräch nach einem Grund für einen Krieg mit Syrien suchen,und daraufhin der Zugang zu Youtube und Twitter für türkische Bürger für einen kurzen Zeitraum nicht mehr zugänglich war, lässt sich die Bereitschaft der Staatsführung zu erkennen, die den Medieninput ihrer Bürger massiv einschränkt. Ob jener Gesprächsmitschnitt tatsächlich existierte, ist nicht mit Gewissheit zu sagen, jedoch ist allein die Tatsache, solch drastische Maßnahmen zu ergreifen, erschreckend, zumal es eine defensive und autarke Haltung der Türkei aufweist, die den Informationsfluss von außen somit absondert.

Auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini kritisierte die aktuellen Zustände in der Türkei, die mit europäischen Werten nichts gemein hätten. Vor allem die Durchsuchung der Redaktion sei nicht annehmbar. Die Türkei, die seit 1999 Kandidat für einen EU-Beitritt ist, erschwert sich dadurch deutlich die Möglichkeit. Dass ein Wandel in der Wertvorstellung Erdogans stattfinden wird, bezweifle ich sehr, insbesondere dadurch, dass seine konservative Art viel Zuspruch erlangt. Lediglich der Erhalt der Meinungsfreiheit selbst und der Zuwachs einer Opposition, die tatsächlich als diese ihre Funktionen uneingeschränkt ausführen kann, könnten die Unruhen und Demonstrationen beenden.

Auffällig ist jedoch, dass das Verwenden von physischen Schweigemethoden nicht nur in der Türkei bemerkbar wurde, sondern ebenfalls in den sonst sehr offenen und liberalen USA.

Bereits vermehrt auftauchend sind Berichte von willkürlicher Polizeigewalt oder maßloser Festnahmen, wie auch im Fall zweier deutscher Journalisten, die inhaftiert wurden, da sie sich während des Fotografierens nicht an den Befehl des Polizisten hielten, der ihnen besagte, nicht zu lange an einer Stelle zu stehen. Laut den beiden Journalisten seien in der Stadt Ferguson zwar teils gefährliche Demonstrationen in diesem Zeitraum gewesen, jedoch hielten sie sich am besagten Tag nachmittags in einem menschenleeren Gebiet auf.

War es tatsächlich notwendig, den Journalisten daraufhin Handschellen anzulegen und sie abzuführen? Vielmehr sei zu vermuten, dass das Unwissen des Polizisten, angemessen mit der Situation umzugehen, ihn dazu gebracht zu habe, seine Machtposition auszunutzen und die Journalisten zu inhaftieren. Ähnlich wie Erdogan werden hier Instrumente genutzt, denen sich ein Bürger, der keinen nennenswerten gesetzlichen Status besitzt, nicht widersetzen kann. Ein Machtmissbrauch, der aufgrund dessen von anderen, niveaugleichen Institutionen eingeschränkt werden muss. Eine Erzürnung oder eine tiefste Enttäuschung über derzeitige Machtmissbräuche seitens der EU lassen sich zwar schön in Zeitungen abdrucken, doch viel impressiver wären Taten, über die ein türkischer Journalist  für seine Zeitung schreiben und publizieren kann. Hoffentlich bald, ohne festgenommen zu werden.

 

Quellen:

http://www.welt.de/politik/ausland/article131363772/Der-Tag-an-dem-die-US-Polizei-mein-Feind-wurde.html

http://www.hna.de/kassel/stadt-kassel/ferguson-unruhen-hna-reporter-frank-herrmann-ueber-seine-festnahme-3791255.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-journalisten-und-opposition-beklagen-ende-der-meinungsfreiheit-a-1008500.html#ref=veeseoartikel

http://www.spiegel.de/politik/ausland/razzia-tuerkische-polizei-geht-gegen-guelen-anhaenger-vor-a-1008384.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-recep-tayyip-erdogan-weist-eu-kritik-zurueck-a-1008621.html#ref=veeseoartikel

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Frauen in Medienberufen

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Vor wenigen Stunden war sich die große Koalition dann endlich einig.

Es geht um das Thema Frauenquote in Führungspositionen. Die Partei- und Fraktionschefs sind nun einer Meinung, dass 30 Prozent der Aufsichtsräte in großen und börsennotierten Unternehmen in Deutschland weiblich sein sollen. Wenn sich die Quoten in den Unternehmen nicht erreichen lassen, da zum Beispiel keine passenden Kandidatinnen zur Verfügung stehen, so müssen die Posten frei bleiben – eine Sanktion zur Durchsetzung der Frauenquote.

Somit ist ein weiterer Schritt in Richtung Gleichberechtigung der Geschlechter getan.

Auch in Bezug auf die Medien war die Frauenquote dringend notwendig, da die Frauen hier gleichermaßen unterbesetzt sind und sich der Aufstieg in die Chefetage als sehr schwierig gestaltet – obwohl der Anteil der Chefredakteurinnen und Ressortleiterinnen generell gestiegen ist. Von 1993 bis 2005 hat sich der weibliche Anteil in Medienberufen um 6 Prozent auf 37 Prozent vergrößert und dieser Trend wird sicherlich noch weiter gehen; je jünger z.B. die Journalisten sind, desto mehr Frauen lassen sich in diesem Beruf wiederfinden.

Der wachsende Frauenanteil hat einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft und die Medien: zum einen fördert er die Gleichberechtigung und ermöglicht so ein harmonisches Zusammenleben und Arbeiten in der Medienbranche; zum anderen kann er sich positiv auf die Verkaufszahlen eines Produkts oder einer Zeitung auswirken, da die Frauen eher wissen, was ihre Käuferinnen oder Leserinnen interessiert oder anspricht.

Doch die Etablierung der Frauenquote ist kein Garant für Chancengleichheit und ein wünschenswertes Arbeitsklima. Die weiblichen Akteure in der Medienbranche dürfen sich nicht auf der Quote ausruhen, sondern müssen aktiv von ihren Leistungen und Qualifikationen überzeugen, ansonsten werden sie von ihren Kollegen nicht als gleichberechtigtes Mitglied akzeptiert.

Die Frauenquote bildet eine gute Basis für die Anwerbung weiterer weiblicher Angestellter im Mediensektor. Die Frauen in Führungspositionen sollten nichtsdestotrotz einen fördernden Beitrag dazu leisten, indem sie andere Frauen dazu animieren, ebenfalls einen leitenden Posten anzustreben.

 

Quellen:

 

http://www.zeit.de/2013/28/frauen-medien-chefetagen

 

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/frauenquote-in-aufsichtsraeten-koalition-einigt-sich-auf-30-prozent-a-1005033.html

 

Meier, Klaus (2013): Journalistik. 3. Auflage Konstanz 2013.

#MeStuTa #Paderborn #Medienstudierendenverein

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik1 Kommentar »

Am 20.11.2014 um 18 Uhr begann die Medienstudierendentagung dieses Semesters, kurz MeStuTa, in Paderborn. Die MeStuTa soll Studierenden der Fachrichtung „Medien…“ helfen, sich untereinander über die Forschung am jeweiligen Institut sowie die Fachschaftsarbeit auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Repräsentanten der Universität Trier bestanden aus zwei Fachschaftsmitgliedern (Jan & Nina), Philipp aus dem fünften Semester und meiner Wenigkeit. Unsere Anreise gestaltete sich relativ schwierig, da wir nach dem obligatorischen Tankstellenbesuch in Luxemburg in mehrere Staus gerieten, insbesondere im Bereich um Trier. Die Fahrt von 350 km mit dem Auto dauerte so statt den ursprünglich veranschlagten vier mehr als sechseinhalb „angenehme“ Stunden, sodass wir um 19:30 Uhr (anderthalb Stunden zu spät) ausgehungert und gestresst endlich in Paderborn ankamen.

Auf das Einrichten in der Jugendherberge folgte ein gemütliches Essen zum Kennenlernen mit allen rund vierzig MeStuTa Teilnehmern im Restaurant „Feuerstein“, von wo aus die Gemeinschaft weiter in die Cocktailbar „Bambi“ zog.

Am Folgetag, Freitag den 21.11.2014, begann um 09:30 Uhr das offizielle Programm der MeStuTa Paderborn mit einer Begrüßung durch die Fachschaft MeWi. Diese bestand aus einem kurzen Vortrag und der Vorstellung der Fachschaft mit anschließendem Speeddating der Teilnehmer. Aufgelockert wurde die Stimmung insbesondere mit einem kurzen „Trashfilm“, welcher im Rahmen eines vorangegangenen Seminares von Paderborner MeWi Studierenden entstanden war. Um 10:30 Uhr folgte die offizielle Begrüßung am Institut mit einem überaus motivierenden Vortrag von Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow zum Thema „Irgendwas mit Medien“, welcher von allen Zuhörern mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde und Mut machte, sich mit einer Unternehmensgründung zu befassen.

Im Anschluss informierte Hendrik Hänel als ehemaliger Student der Universität Paderborn auf interessante und aus meiner Sicht überaus authentische Art und Weise über seine Person, seinen Werdegang sowie seine Beschäftigung als freier Mitarbeiter beim WDR. Hierbei machte er neben den Vorzügen, die eine solche Arbeit mit sich bringt, auch auf die negativen Seiten und Schwierigkeiten einer medienorientierten Berufswahl aufmerksam.

Nachdem der Gastgeber, die Fachschaft MeWi Paderborn, freundlicherweise 5-Euro Scheine verteilt hatte, um unser Mittagessen zu finanzieren, konnten wir gemeinsam in die Mensa aufbrechen. Gestärkt und motiviert wurden so dann um 14:30 Uhr die geplanten Workshops angegangen. Zur Auswahl standen die Bereiche „Radio“ bei Benedikt Blazowsk und Jonas Kühle, „Gameslab“, bei Volker Spaarmann sowie „Journalistisches Schreiben und Fotografieren bei Heiko Appelbaum. Wir Trierer belegten hierbei, bedingt durch einstimmiges Interesse, den Workshop „Gameslab“, welcher uns allen viel Spaß bereitete und nachhaltig beeindruckte. Als eine der wenigen Universitäten in Deutschland kann sich die in Paderborn stolzer Besitzer eines sogenannten „Spielelabors“ nennen, und ist mit High-Tech Gamer PCs sowie einer scheinbar unendlichen Auswahl an Spielen für verschiedenste Plattformen wie Xbox, Playstation, PC, Wii u.v.m. ausgestattet, wodurch optimale Umgebung und Ambiente für einen entsprechenden Workshop gegeben waren. Im Regelfall werden hier unterschiedliche Spiele erforscht und analysiert, vor allem widmet sich die Arbeitsgruppe innerhalb der Seminare jedoch aber auch der Entwicklung und Produktion eigener Games. Durch den Workshop war es uns, die wir weitestgehend unbedarft hinsichtlich dieses Themenkomplexes waren, möglich, in die vielfältigen und interessanten Aufgaben im Zusammenhang mit der Spielentwicklung hinein zu schnuppern. So demonstrierte uns Nick Münstermann nach einem Vortrag von Volker Spaarmann über den Fortschritt der Spieleentwicklung seit 1949 beispielsweise, wie man Spielobjekte, in diesem Fall eine Schatzkiste, designed und diese anschließend in ein Spiel integriert. Unterbrochen wurde der Workshop lediglich von einer halbstündigen Kaffeepause (mit Keksen!).

Der Tag an der Uni endete mit einem kurzen Feedback im Plenum bei Pizza und kühlen Getränken, von wo aus wir müde, aber zufrieden mit dem Bus zur Jugendherberge fuhren. Dort blieb uns eine knappe Stunde für ein kurzes Powernapping, duschen und die Vorbereitung auf die im Anschluss geplante Kneipentour. Diese begann mit einem „Sektempfang“ am Neptunbrunnen vor dem Dom in der Innenstadt und führte uns anschließend in kleineren Gruppen durch die angesagten Kneipen des Partyborner Nachtlebens. Wie bereits zu erwarten war, konnte keine der Gruppen ihren Zeit- bzw. Kneipenplan einhalten, was für die meisten der Teilnehmer jedoch kein Problem darstellte. Im „Königskeller“ einer älteren, aber dennoch gemütlichen Stammkneipe, trafen sich dann alle wieder. Nach einem erholsamen Schläfchen von fünf oder auch weniger Stunden, ging es dann am Samstag den 22.11.2014 mit dem Programm, genauer mit der Gründungs- bzw. Neugründungsversammlung des Vereins Medienstudierende e.V., weiter. Wer an seine Bewerbungszeit zurückdenkt, der wird sich erinnern, wie schwierig es sein kann, sich letztlich für die richtige und am besten zu den eigenen Vorstellungen und Interessen passende Universität zu entscheiden, weil sich alle medienorientierte Studiengänge von Institut zu Institut teilweise erheblich unterscheiden, da die Schwerpunktsetzung von Medienwissenschaften, über Kommunikationswissenschaften und Journalismus bis hin zu Publizistik, teils mit klassischen Anleihen oder modern angelegt, stets anders gewählt wird. Hierdurch ergeben sich also große Unterschiede hinsichtlich Inhalt, Aufbau und Umsetzung des jeweiligen Studiengangs. Aufgrund dessen hat es sich der Verein „Medienstudierende e.V.“ zum Ziel gesetzt, diese Unterschiede transparent offen zu legen und somit Studieninteressierte bei der Entscheidungsfindung unterstützend und beratend zur Seite zu stehen. Mehr über den Verein „Medienstudierende e.V.“ könnt ihr entweder auf Facebook oder hier erfahren.

Nachdem die Satzung nach nervenaufreibenden sieben Stunden verlesen, bearbeitet und mehrheitlich durch Abstimmung angenommen wurde, kam der nächste Schritt: Die Wahl des Vorstandes. Hierzu wurden, Gott sei’s gedankt, Kaffee und Kuchen gereicht, wodurch diese Aufgabe schnell erledigt werden konnte, sodass wir erst kurz nach 18 Uhr, mehr als acht geschlagene Stunden nach Beginn, stolz Vollzug vermelden und uns als Gründungsmitglieder des „Medienstudierende e.V.“ bezeichnen konnten. Das Programm, was sich ohnehin schon deutlich nach hinten verschoben hatte, konnte im Anschluss also mit dem nächsten wichtigen und spannenden Punkt auf der Liste fortgesetzt werden: die Workshops zur Fachschaftsarbeit. Hierzu wurden Gruppen von 6-8 Leuten gebildet und den Themenbereichen Party, Freizeit, Finanzierung, Konfliktbewältigung, Organisation und allgemeine Aufgaben sowie Verwaltung zugeteilt. Die Ergebnisse wurden erneut im Plenum dargestellt und es konnten interessante Erfahrungen darüber gesammelt werden, wie unterschiedlich die Fachschaften teilweise arbeiten, beispielsweise bei der Begrüßung der Erstis in der O-Woche. Gravierende Unterschiede ließen sich vor allem im Hinblick auf die interne Organisation sowie Geldbeschaffung bzw. –verwaltung feststellen.

Das Rahmenprogramm war erneut sehr ansprechend und begann mit dem gemütlichen MeWi-Herbstfest in der Uni. Bei Live-Musik, leckerem Essen und Getränken stand das networking zwischen den Teilnehmern erneut an erster Stelle und es konnten viele interessante Gespräche geführt sowie Kontakte geknüpft werden. Gleiches galt auch für den anschließenden Besuch des bereits vom Vorabend bekannten Königskeller, in welchem erneut ein gelungener Tag sein Ende fand.

Der letzte Tag, Sonntag der 23.11.2014, stand im Zeichen einer Rückschau auf die vergangenen Tage, im Zuge welcher alle Beteiligten ein persönliches Resümee zogen und dies in einer Feedbackrunde den Veranstaltern und anderen Teilnehmern darstellten. Alle zeigten sich rundum zufrieden mit dem Verlauf der MeStuTa und konnten zum Abschluss die am Vortag hart erarbeitete Satzung guten Gewissens unterschreiben. Nach einer letzten Verabschiedung begaben sich alle Beteiligten in Vorfreude auf die nächste, im Mai des Jahres 2015 in Mannheim stattfindende MeStuTa, auf den Heimweg. Dieser gestaltete sich für uns Trierer mit einer Fahrtzeit von knapp vier Stunden auch wesentlich angenehmer, als dies auf dem Hinweg noch der Fall gewesen war und rundete somit ein gänzliches gelungenes Wochenende ab.

 

Quellen:

– Fachschaft Medienwissenschaft Paderborn: http://www.mewiupb.de/

Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow: https://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/mewi/arbeitsschwerpunkte/prof-dr-joerg-mueller-lietzkow/teamkontakt/

– Gameslab der Universität Paderborn: https://gameslab.uni-paderborn.de/

– Medienstudierende e.V. auf Facebook: https://www.facebook.com/Medienstudierende?fref=ts

– Medienstudierende e.V. website: http://irgendwasmitmedien.eu/

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Informiert oder propagandiert?

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Seit November gibt es das Internetmedium RT Deutsch. Bei RT Deutsch handelt es sich um einen Ableger von dem russischem  Fernsehsender RT . Der Sender möchte  „eine Gegenöffentlichkeit herstellen sowie Medienmanipulationen aufzeigen“. RT Deutsch sieht sich selbst als Gegenpart zu westlichen Medien und handelt nach seinem Leitbild „Wir zeigen den fehlenden Teil zum Gesamtbild“.

Westliche Medien unter anderem die Zeit, die Süddeutsche oder das Handelsblatt beziehen Stellung zu RT Deutsch und sind sich einig. Der Sender wird klar als Propagandasender klassifiziert. RT Deutsch sei aggressiv, laut und manipulativ. Fakten werden aus den Zusammenhängen gerissen. Selektion bestimmt die Berichte und Einzelbeispiele für die Korruption der westlichen Medien, werden hochgepuscht.

Es ist nicht zu verleugnen: In der Geschichte der Berichterstattung der westlichen Medien gab es Darstellungen, wo Ausschnitte von Bildern nicht gezeigt wurden oder Bilder nicht als bearbeitet gekennzeichnet wurden. Die Pressefreiheit ist im Grundgesetz festgehalten und somit soll und darf sich RT Deutsch zu Fehlern in den westlichen Medien äußern und provokativ erörtern.

Allerdings sollte RT Deutsch vorsichtig sein, denn wie Zeit-Redakteur Luther in seinem Bericht „Das hat uns gerade noch gefehlt“ beweist, kann auch RT Deutsch die Wahrheit verbiegen. Die Problematik liegt darin, dass RT Deutsch an Einzelfällen eine weitgreifende Wahrheit gegen den Westen inszeniert und für den Kreml propagandiert. Luther sagt: „Nicht alles ist gelogen und verbogen, manch kritischer Beitrag hat seine Berechtigung, das sei vorweg gesagt. Echte Nachrichten und Analysen neben irrelevant Buntem und purem Unsinn – das macht diese Art der Propaganda aus. Insgesamt ist es haarsträubend, was dort als Journalismus verkauft wird, nun auch auf Deutsch“.

Zudem sind die Artikel auf der Website  ohne Autorennamen angegeben. Wer ganz genau hinter den Artikeln steckt, weiß also niemand. In den Videos treten junge, perfekt gestylte Leute auf. Doch gut verpackt heißt noch lange nicht überzeugend. Stockende Moderationen, die komplett abgelesen werden, erwecken den Eindruck, dass die Moderatorin Jasmin Kosubek gar nicht in der Materie steckt. Ganz genau weiß man nicht wer bei RT Deutsch den Takt angibt, doch es lässt sich mutmaßen, dass wie bei dem Muttersender RT es im Sinne Putins geschieht. Vielleicht ist Kusubek nur eine Marionette, berichtet sozusagen blind und lässt sich dirigieren. Sie interagiert  mit vielen Suggestivfragen und hier lässt sich klar festhalten, dass so objektiver Journalismus nicht aussieht. Der Journalist Wehrschütz stellte dies in einem Live-Interview mit Kusubek fest. Mihr, Geschäftsführer der deutschen Fraktion bei „Reporter ohne Grenzen“ geht soweit und sagt, dass jeder Studiogast automatisch zum Bestandteil der Kreml-Propaganda wird.

Außerdem rückt sich RT Deutsch nicht gerade in das richtige Licht, wenn Anfragen auf Interviews oder Besichtigungen der Redaktion  tagelang nicht beantwortet werden, um dann abgesagt zu werden. Auf eine direkte Gegenüberstellung mit den prowestlichen Medien lässt sich RT Deutsch nicht ein.

Der Vorwurf, dass über die russische Seite in den deutschen Medien nicht umfassend und ehrlich genug berichtet wurde war groß. Es stimmt, dass auch unsere Medien geprägt sind durch die politische Ausrichtung Westeuropas. Allerdings äußerten sich die Medien dazu und nicht wie bei RT Deutsch wurde die Gegenposition komplett verschwiegen.

Es ist also festzuhalten, dass RT Deutsch durchaus berechtigt ist Kritik am Westen auszuüben, aber nach genauerer Betrachtung zeigt sich, dass RT Deutsch nicht objektiv arbeitet. Renommierte Journalisten belegen dies. Es kommt nicht zur Abwägung. Gegenpositionen kommen nicht zum Zug oder werden vollkommen verdreht. In ihren Methoden lassen sich klar propagandistische Absichten erkennen. Selektion ist nicht zu vermeiden in Medien, auch die westlichen Medien selektieren, aber bei RT Deutsch scheint dies aus subjektiver Sicht des Kremls zu geschehen. Letzendlich bleibt es bei der Öffentlichkeit, welches Medium zur Information konsumiert wird, natürlich ist es wichtig sich die prorussische Seite zu verdeutlichen, die auch Argumente vorzubringen hat. Allerdings sollten die Nutzer von RT Deutsch sich im klaren sein, dass der Sender ganz genau weiß wie Propaganda funktioniert und wie man sie einsetzt.

 

Quellenangaben:

1) Zeit online: Luther : „Das hat uns gerade noch gefehlt“

2) Handelsblatt (online): Macho: „Der Propaganda-Sender des Kremls in Deutschland“

3) Süddeutsch.de: Beitzer & Hans: „Das neue Wettrüsten“

4) Frankfurter Allgemeine Feuilleton: Hanfeld: „Mit dem kunterbunten Holzhammer“

5) Internetseite: RT Deutsch

6) Contra Magazin: Maier: Deutsche Medien: Alle gegen „RT Deutsch“

7) Youtube Karnal: RT Deutsch mit der Sendung : „Der fehlende Part“

 

 

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