Steffen Seibert verlässt das ZDF

geschrieben von Tristan Tarpani in Allgemeines, Fernsehen, Medien und Politik1 Kommentar »

Steffen Seibert. Quelle: bundesregierung.de

Offenbar steht die Pressestelle des Bundeskanzler(innen)amtes in regem Austausch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern. Nicht nur was Nachrichten angeht, sondern auch bezogen auf das Personal. Kürzlich verließ Ulrich Wilhelm sein Amt als Regierungssprecher und führt nun die Intendanz des Bayrischen Rundfunks. Jetzt hat er einen würdigen Nachfolger gefunden: Fortan wird die PR-Abteilung der Kanzlerin von keinem geringeren als dem ZDF-Nachrichtensprecher Steffen Seibert angeführt.
 
Seibert hat bereits seit 1989 für das ZDF gearbeitet, für seine Moderation der ZDF-Sondersendung zum Anschlag auf das World Trade Center erhielt er die Goldene Kamera. Seit 2007 war er der Anchorman des Nachrichtenmagazins “heute”. Er hat seine gesamte berufliche Laufbahn bei dem Sender verbracht, doch jetzt fühlt er sich offenbar zu größeren Aufgaben berufen.
 
Damit kehrt einer der wohl kompetentesten Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dem Journalismus den Rücken. Seibert war dafür bekannt, die Inhalte seiner Sendung auf einfache Weise zu vermitteln und auch komplizierte Zusammenhänge der Bevölkerung anschaulich darzustellen.
 
Eine Fähigkeit, die ihn in seinem neuen Job sicher nützlich sein kann.

Medien und Politik: Kann politischer Diskurs im Internet gelingen?

geschrieben von s2mawoll in Internet und Politik, Medien und Politik1 Kommentar »

Unter den PR-Strategen steht spätestens seit Barack Obamas Wahlkampf im Jahr 2008 fest, dass im Internet die Zukunft der politischen Kommunikation liegt.  Die Wunschvorstellung: Mobilisierung der Wählermassen per Mausklick und Erlangung der politischen Deutungshoheit über die Blogosphere. Ein Blick auf Deutschland fällt in dieser Hinsicht jedoch ernüchternd aus: Parteien und Politiker lassen bestenfalls Profile in sozialen Netzwerken von Praktikanten betreuen und haben auch im vergangenen Wahlkampf kaum auf die Möglichkeiten des World Wide Web zur Wählermobilisierung gesetzt. Ein Grund dafür ist die Angst der Parteien vor einem inhaltlichen Kontrollverlust, wie ein Zitat von SPD-Mann Kajo Wasserhövel aus dem Jahr 2009 zeigt: “Es ist nicht entscheidend, wie viel Buntes die Parteien ins Netz stellen, sondern der entscheidende Punkt ist, dass Obamas Wahlkampf zentral geplant und dezentral durchgeführt wurde. Das bedeutet natürlich in gewissem Maße einen Kontrollverlust, auf den sich die Parteien einlassen müssen.” Außerdem stellt der Politiker fest, dass “wir im Unterschied zur USA hier in Deutschland nicht den Zustand haben, dass wesentliche Meinungsbildner in der Bloggerszene zu Hause sind. Vielleicht ist das eher was für 2013.”

Nichts Neues also in der politischen Kommunikation der Berliner Republik? Einzelne junge Politiker wagen zumindest seit Kurzem den aktiven Schritt ins Netz. Familienministerin Kristina Schröder beispielsweise “zwitschert” regelmäßig und erlebte dabei kürzlich eine PR-Schlappe. Als sie es im vergangenen Monat wagte, die Sparpläne der Bundesregierung vehement zu verteidigen und als Rechenbeispiel das Einkommen einer vierköpfigen Familie in Hartz IV vorzuführen, prasselte ein wahres Kreuzfeuer (in Fachkreisen auch “Twitter-Shitstorm” genannt) auf die Ministerin ein. Die Mehrheit der Retweets enthielt Beleidigungen und Spott, echte Alternativen zum Sparpaket wurden von der Community jedoch nicht aufgezeigt. Dies zeigt: Eine Plattform wie Twitter ist von Natur aus eher am politischen Kabarett als am Diskurs interessiert und daher für Politiker mit Vorsicht zu genießen.

Doch wie könnte ein konstruktiver Austausch zwischen Politik und Gesellschaft im Netz aussehen? Ein positives Beispiel findet sich bereits heute auf kommunaler Ebene in Form der “Bürgerhaushalte”. Internet-User können hierbei aktiv an der Haushaltsplanung ihrer Kommune teilnehmen, indem sie auf einer entsprechenden Plattform Vorschläge einreichen, kommentieren und bewerten. Die “besten” Vorschläge werden daraufhin von der Verwaltung geprüft und eventuell sogar in den Haushaltsentwurf aufgenommen.

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699935,00.html

http://www.medienhandbuch.de/news/wahlkampf-2009-internet-soll-menschen-wieder-an-die-politik-heranfuehren-23237.html

http://www.buergerhaushalt-trier.de/

Was genau ist demokratische Verpflichtung?

geschrieben von s2marglin in Allgemeines, Medien und Politik1 Kommentar »

Am 30. Juni fand die Wahl des neuen Bundespräsidenten statt. Christian Wulff gegen Joachim Gauck gegen Lukrezia Jochimsen. Wulff gewann im dritten Wahlgang mit 625 Stimmen, also sogar der absoluten Mehrheit.

Luc Jochimsen, die Kandidatin der Linken Partei, trat beim dritten Wahlgang nicht mehr an. Die Linken Wahlmänner und -frauen enthielten sich dann aber größtenteils ihrer Stimmen, statt sie einem der anderen Kandidaten zu geben. Laut Gregor Gysi seien “beide konservative Kandidaten für die Linkspartei nicht wählbar gewesen”. An sich kein vollkommen unverständliches Statement. Allerdings erinnere ich mich an Appelle so ziemlich jeder Wahl, die ich mitbekommen habe, zuletzt bei der Bundestagswahl 2009, bei der es allgemein ungefähr hieß:

Geht Wählen. Bevor ihr nicht wählt, weil ihr euch nicht entscheiden könnt oder es euch nicht interessiert, wählt das kleinere Übel.

Nun finde ich, hat die Linke Partei genau diese lethargische Position eingenommen, sich der Verantwortung zu entziehen und andere entscheiden zu lassen. Der Partei war die ganze Angelegenheit egal, ihre Kandidatin nur aufgestellt, um zu schauen, wie es so läuft. Ein ernsthaftes politisches Interesse war nicht vorhanden. Pauschal wurde gesagt, beide Kandidaten sind nicht wählbar. Wenn ein Bürger bei der Bundestagswahl sagte, er würde nicht wählen gehen, weil er sowohl CDU/FDP als auch SPD/Grüne nicht unterstützen möchte, wurde er für sein mangelndes politisches Interesse gescholten.

Die Grünen hatten die Wahlentscheidung womöglich in ihrer Hand. Sie hätten Joachim Gauck zum Bundespräsidenten machen können. Sie hätten Christian Wulffs Position verstärken können. Tatsächlich war ihnen Politik egal. Es ging nur um gelangweilte Neugierde und Profilierung.

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Quelle: http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E46D94B2EE40C47A4B0A36749CC277B5A~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

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Es tut sich was auf der 88,4

geschrieben von s2chhorn in Allgemeines, Medien und Politik1 Kommentar »

Nach Radio 22, Radio in Trier, Antenne West und Antenne 88,4 dürfen sich Radiohörer der Trierer UKW-Frequenz 88,4 MHz auf einen neuen Namen einstellen. Das City Radio Trier wird voraussichtlich im September seinen Betrieb aufnehmen. Dahinter steckt, wie auch schon im derzeitigen Übergangsprogramm Antenne 88,4 die Radio Group GmbH (Quelle 1). Produziert in Trier gegenüber der Porta Nigra sollen mindestens 12 Stunden live gesendet werden. Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation in Rheinland-Pfalz (LMK) begründet ihre Entscheidung für die Ableger der Radio Group damit, dass diese als einziger „ernsthafter“ Bewerber für die Frequenz UKW 88,4 MHz zu bewerten sei (vgl.Quelle 2). Zudem ergab eine von der LMK in Auftrag gegebene Studie, dass die Lokalradios in Rheinland-Pfalz, unter anderem in Kaiserslautern, Idar-Oberstein und Neustadt an der Weinstraße unter der Bevölkerung eine große Beliebtheit genießen (der Trierer Medienblog berichtete). Manfred Helmes, Direktor der LMK, bewertete die Entscheidung zu Gunsten des Bewerbers damit, die Radio Group habe mit ihren Lokalradios in Rheinland-Pfalz bisher nicht nur mehr als 100 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Rheinland-Pfalz neu geschaffen, sondern auch attraktive und wirtschaftliche Hörfunkprogramme angeboten (vgl. ebd.). Bereits jetzt ist die Radiogroup auf dem Trierer und Eifeler Werbemarkt auf Kundenakquise. Beispielsweise im Rahmen der am letzten Juniwochenende ausgetragenen Bitburg Airshow trat die Radio Group als Werbepartner auf (vgl. Quelle 3). Neben dem Hörfunkprogramm aus und für Trier sollen auch Sender für Daun und Wittlich entstehen. Ob sich ein wirtschaftlicher Sendebetrieb in einem ohnehin dünn besiedelten Sendegebiet, wie der Eifel langfristig aufrecht erhalten lässt, bleibt abzuwarten. Antenne West war mit seinen Programmprojekten „92,2 Antenne West Daun – Radio Eifel“ genau ein Jahr zuvor gescheitert (vgl Quelle 4).

Quelle 1: http://www.radiogroup.de

Quelle 2:

http://www.lmk-online.de/wirueberuns/presseseite/ansicht/article/neue-radiosender-fuer-trier-und-eifel-nr-13-2/243/?tx_ttnews[pS]=1277198366&cHash=f06bb9dc62

Quelle 3: Programmheft Bitburg Airshow

Quelle 4: http://www.infosat.de/Meldungen/?msgID=54033

Europa auf dem Weg in die digitale Zukunft (medienforum.nrw 2)

geschrieben von jbnickschas in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Medienwandel, Zukunft des InternetKeine Kommentare »

Das 22. medienforum.nrw stand diesmal unter dem Motto „Was uns lieb und teuer ist“. Eine Sache, die uns allen lieb und teuer sein sollte, ist unsere Zukunft. Auch die Zukunft der Medien in Europa und der Umgang mit dem digitalen Zeitalter standen auf der Tagesordnung und wurden kontrovers diskutiert. Die Ergebnisse sprechen für sich.

Die Europäische Union bildet viele Kommissionen. Eine davon befasst sich mit der „Digital Agenda“, einem zukunftsorientierten Projekt zum Umgang mit digitalen Medien und deren Rolle in unserem Alltag. Unter anderem soll die Frage geklärt werden, wie man digitale Medien bestmöglich nutzen kann und wo die Schwierigkeiten und Probleme liegen, die damit verbunden sind.

Eine der Keynote-ReferentInnen, die Beraterin Annet Aris, beschäftigte sich beispielsweise auch mit dem Bezahlverhalten der Menschen im Internet. Zurzeit herrscht dort eine Mentalität vor, die das Bezahlen für Inhalte im Netz als nicht notwendig erachtet. Daraus aber resultiert letztlich ein verhängnisvoller Kreislauf:

Sind die User nicht bereit, für Inhalte im Internet zu bezahlen, müssen die Anbieter mehr Einnahmen durch Werbung finanzieren. Dadurch verschlechtert sich jedoch auch das inhaltliche Angebot und seine Attraktivität nimmt ab. Dies hat wiederum zur Folge, dass die User noch weniger bereit sind, für diese Angebot zu bezahlen – und ein verhängnisvoller Kreislauf ist geschlossen.

Die Rolle der digitalen Medien in unserem geschäftlichen und privaten Alltag nimmt stetig zu und wird dies auch in Zukunft tun. Nur müssen die Anbieter überlegen, auf welche Weise sich das für sie rentieren kann, ohne dass sie dabei die Qualität ihrer Angebote vernachlässigen. Eine endgültige Lösung in dieser Frage ist noch nicht abzusehen, doch bereits jetzt kursieren im Netz verschiedene Dienste wie z.B. flattr, mit denen man Inhalte honorieren kann.

Die Digital Agenda der EU ist ein wichtiges Papier. Auch Themen wie Internetsperren und die Weiterentwicklung von Breitbandnetzen sind darin festgehalten. Doch wie so oft reicht eine Richtlinie nicht aus, um wirklich etwas verändern zu können. Die Agenda muss in den nächsten Jahren auch umgesetzt werden und dazu müssen immerwieder große Hürden überwunden werden, z.B. auch beim Datenschutz.

Dennoch ist es positiv zu bemerken, dass Europa die Zeichen der Zeit erkannt und ihre Pläne für den Umgang mit denselben dezidiert festgehalten hat. Auf die Umsetzung dürfen wir alle gespannt sein, denn so weit weg wie die meisten Menschen glauben, ist die EU-Politik gar nicht. Sie beginnt am Ende bei jedem einzelnen von uns und sie endet dort, wo wir alle hin wollen: In der Zukunft.

Weg mit GEZ-Gebühren! Bringt nur wenig!

geschrieben von s2marglin in Medien und Politik, Medienwandel1 Kommentar »

“Super!”, denkt man auf den ersten Blick. Die Ministerpräsidenten wollen am Mittwoch über eine Neuordnung der Rundfunkabgabe beraten. Ab 2013 gibt es dann also die Rundfunkgebühr  nicht mehr in der momentanen Form, wenn es nach den Herren geht. Stattdessen soll die Finanzierung der staatlichen Programme über eine Pauschale laufen.

Der Haken an der Sache? Ab dann zahlt jeder Haushalt, ungeachtet, ob Empfangsgeräte überhaupt vorhanden sind.  Bis auf die bereits momentan akzeptierten Ausnahmen (zB. Studenten, Hartz IV-Empfänger) darf dann jeder Haushalt die derzeitig für einen Fernseher beanschlagten 17,98€ berappen. Für Firmen wird die Gebühr gestaffelt berechnet. Uns steht also womöglich eine neue Steuer ins Haus.

Der einzige Lichtblick an der Sache ist: es besteht kein Bedarf mehr an den semi-legal agierenden Raubritter-”Kommissaren” der GEZ, die mit Drückerkolonnen-Methoden von Haus zu Haus stiefeln und versuchen, mit Drohungen horrende Summen an Nachbezahlungen aus den Leuten herauszupressen. Die gewohnt qualitätsfreien Werbespots würden dann ebenfalls der Vergangenheit angehören.

Wie ARD, ZDF und Deutschlandradio erwarten, das jährliche Gebührenaufkommen demnach bei rund 7,5 Milliarden Euro beizubehalten, bleibt fraglich. Man habe aber wohl nicht vor, freiwillig auf die Werbe- und Sponsoring-Einnahmen (neben den Gebühren meiner Meinung nach die kleineren Übel) zu verzichten.

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Quellen:

http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/pauschale-fuer-alle/

http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/Kein-Mogeln-mehr-bei-der-Rundfunkgebuehr_aid_866610.html

Der Oberbürgermeister und seine tägliche Erfahrung mit den Medien

geschrieben von s2tisaur in Allgemeines, Internet und Politik, Medien und Politik, Medienkritik, Medienwandel, PrintmedienKeine Kommentare »

Normalerweise sitzt Klaus Jensen an einem Dienstagvormittag in seinem Büro im Rathaus oder nimmt politische Außentermine wahr. Normalerweise. Doch heute war alles anders. Der Trierer Oberbürgermeister besuchte erstmals den Fachbereich Medien, Kommunikation und Gesellschaft an der Universität der Moselstadt. Allerdings schlüpfte der 58- jährige nicht in die Rolle eines Studierenden, sondern referierte über „Medien in der kommunalen Politik“.

„Politik und Medien seien grundverschieden, aber sie sind voneinander abhängig“, war einer der ersten Sätze, die der OB im Hörsaal 2 der Trierer Hochschule über seine Lippen brachte. Das Stadtoberhaupt findet, dass Fernsehen, Print und Radio vor allem wegen ihrer Kontrollfunktion wichtig sind.

Die Medienlandschaft in Trier bezeichnet Jensen als überschaubar. Als ein Student fragt, ob er eine Rangfolge der lokalen Medien geben kann, bleibt Jensen zunächst diplomatisch. Grundsätzlich seien alle Medien wichtig, aber die Tageszeitung (Anmerkung des Autors: Trierischer Volksfreund) stehe natürlich im Vordergrund.

In der kommunalen Berichterstattung sind dem Trierer Oberbürgermeister in den letzten Jahren einige Entwicklungen aufgefallen. Ein Trend ist laut Jensen, dass die Vorabberichterstattung zugenommen hat. Die Themen einer Stadtratssitzung werden oft schon vorher abgearbeitet. Jensen hat zudem eine rasante Zunahme von journalistischen Anfragen in der Rathaus- Pressestelle beobachtet. Der OB rechnet vor: Fast 1000 Fragen von Journalisten kommen ihm und seinen Mitarbeitern monatlich auf den Tisch. Das sei einerseits erfreulich, andererseits können oft nur oberflächliche Antworten gegeben werden.

Dennoch würdigte Triers Stadtoberhaupt im Fazit seines Vortrags die Arbeit der Lokal- Journalisten. „Sie haben sicher keinen leichten Job“.

Erstaunlich fit ist Klaus Jensen auch in Sachen Internet. Er outet sich als Fan von Onlinemedien. „Ich schaue oft in Blogs, die können sehr anregend sein“. Nur mit Twitter und Facebook hat der 58- jährige noch seine Probleme. „Wenn Susanne schreibt, dass sie gerade zuhause angekommen ist, naja, was soll ich davon halten?“  Die Medien- Studenten schmunzeln- wir verstehen ihn.

Den Vortrag von Klaus Jensen wird übrigens zeitnah ins Internet gestellt. Unter Studip/ Veranstaltungen/ Medienentwicklung- Medientransformation/ Aufzeichnungen ist er abrufbar.

“Köhler von Blogger zu Fall gebracht?”

geschrieben von s2kagrue in Allgemeines, Medien und Politik, MedienkritikKeine Kommentare »

Seit gut einer Woche beherrschen der Rücktritt unseres Bundespräsidenten und die Wahl seines Nachfolgers das öffentliche Interesse. Es wird wild analysiert, kontrovers diskutiert und in alle Richtungen spekuliert. Was steckt hinter dem plötzlichen Entschluss des sonst so soliden und gefestigten Köhlers?

Nicht nur der Rücktritt selbst ist äußerst brisant, auch der Weg dorthin schreibt seine eigene Geschichte. Die weitgefächerte Beachtung dessen setzte ungewöhnlich zeitversetzt ein. Erst die Leserbriefe aufmerksamer Deutschlandradiohörer führten dazu, dass die Redaktion entschloß, das Interview noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch Spiegel Online reagierte erst nach zahlreichen Leserbriefen auf das Interview und entschloß, eine Geschichte daraus zu machen. Ab da begannen sich die medialen Mühlen zu drehen. Was das „heute journal“ sich jedoch am vergangen Mittwoch erlaubte, war fast schon anmaßend. In der Sendung wurde der Frage nachgegangen, wer oder was den Präsidenten zu Fall gebracht hätte und der Bezug richtete sich in dem Beitrag dann direkt an den 20 jährigen Jonas Schaible: “Köhler von Blogger zu Fall gebracht?”

Diesem war die fragwürdige Aussage im Interview auch aufgefallen und er stellte dies auf seinem Blog beim-wort-genommen.de kritisch in Frage. Ausserdem richtete er sich via twitter an diverse Redaktionen und forderte sie zu einer Auseinandersetzung mit Köhlers Kommentar auf, nachdem diese noch nicht nicht reagiert hatten.

Der Beitrag des “heute journals” vermittelte seinen Zuschauern jedoch den Eindruck, als hätte der Politik- und Medienwissenschaftsstudent den Präsidenten gestürzt und reduziert den Skandal massenwirksam auf ein Gesicht. Es geht um die Macht des Web 2.0, schon klar. Doch weder die Medien, noch die Opposition haben diesen Rücktritt gefordert. Das versucht Jonas Schaible auf seinem Blog klar zu stellen:

“Einige Worte zum Rücktritt von Horst Köhler – weil mein Name ja jetzt in diesem Zusammenhang kursiert. Weil ich in eine Rolle gedrängt werde, die nicht der Realität entspricht. Weil ich immer noch Interviewanfragen bekomme. Ich hatte gedacht, das Interesse würde nach einem Tag erlahmen. Da dem nicht so zu sein scheint, möchte ich einiges klarstellen. Um das gleich eingangs zu betonen: Nein, ich habe Horst Köhler nicht gestürzt. Natürlich nicht. Ich glaube nicht, dass ich relevanten Einfluss auf das Geschehen genommen habe – zumal nicht in meiner „Funktion“ als Blogger.

[...] Ich habe unterschätzt, dass viele Medien auf jede Geschichte anspringen, die gute Klickraten und Zuschauerzahlen verspricht. Dabei hätte mir klar sein müssen, dass die Kombination aus Köhler, dem vielen immer noch fremden Internet und aufmüpfigen Bloggern, personalisiert durch einen 20-jährigen Studenten, genau eine solche gute (und schnelle) Geschichte ist. Ob sie nun relevant ist oder richtig, ist da nur Nebensache.[...]“

Jonas Schaible war einer von vielen aufmerksamen Zuhörern. Den Blogger mit in die Verantwortung für den Rücktritt zu ziehen halte auch ich für fragwürdig, denn der Einfluss der Blogsphere auf die Politik ist umstritten, wurde die öffentliche Kritik schließlich erst durch die Leitmedien wie z.B. spiegel.de laut. Primär ging es die Forderung einer Auseinandersetzung mit der von Köhler getroffenen Aussage. Für den Rücktritt entschied er sich ganz allein.

weitere Quellen:

http://www.heutejournal.zdf.de/ZDFde/inhalt/0/0,1872,1021120_idDispatch:9656092,00.html

http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E4221A6EC514842CA96A7C39645451AC4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Image-Politur für China

geschrieben von Friederike in Fernsehen, Medien und Politik, Nachrichten, QualitätKeine Kommentare »

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua wird am 1.Juli mit englischsprachigen Nachrichten auf Sendung gehen. Der Kanal CNC (China Xinhua News Network Corp) wird dann in einer Reihe neben CNN und Al-Jazeera stehen. Einzelne Sendungen sollen sogar in weiteren Sprachen produziert werden.
Schon seit dem 1.Januar dieses Jahres wird CNC ausgestrahlt, allerdings in der Landessprache und nur in Südostasien und dem Pazifikraum.
Die mediale Präsenz Chinas soll weiter ausgebaut werden, die chinesische Regierung hat umgerechnet circa 4,5 Millionen Euro in ihre Medienabteilung investiert.
Es geht natürlich um die Kontrolle und Steuerung des Bildes, das wir im Westen von China haben. China kommt bei uns nämlich fast nur mit negativen Themen in die Schlagzeilen, so der Eindruck des chinesischen Staatsoberhauptes Hu Jintao. Dem soll entgegen gewirkt werden, mit Reportagen über das kulturelle China, mit Koch- und Informationssendungen.

Aber liegt es am bösen Westen, dass China hauptsächlich mit nachteiligen Bildern in die Presse kommt? Man denke nur an die Aufstände in Tibet, an die zurückgehaltenen und bis heute nicht preisgegeben Hintergrundinformationen darüber oder an das gestellte Schauspiel der Olympischen Spiele 2008, zu denen ausländische Journalisten nur unter strengsten Auflagen zugelassen wurden. Außerdem hört man von chinesischen Berichterstattern, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, weil sie versucht hatten, die Realität abzubilden. Die im Gefängnis saßen. Und die nun hier darauf aufmerksam machen und sich nun in China nicht mehr blicken lassen dürfen. Was in unseren Kreisen ein journalistisches Qualitätskriterium ist, ist in China ein Grund für den Haftbefehl.
Ein Land wie Russland, ebenfalls eine Großmacht, versucht erst gar nicht, den anderen etwas vorzugaukeln…doch China strebt nach internationaler Anerkennung.
An seinem Image kann dieses Land doch sowieso nichts mehr polieren. Es müsste von Grund auf erneuert werden. Und das geht nicht durch mehr Propaganda, sondern durch eine vollständige Umkehr. Mit politischer Neustrukturierung, Demokratie und Sicherung der Menschenrechte, um nur wenige zu nennen. Klingt utopisch. Ist es auch.

http://www.heise.de/tp/blogs/8/147311

http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=50739

Merkels Pressesprecher wird BR-Intendant

geschrieben von Tristan Tarpani in Medien und Politik1 Kommentar »

Der neue Intendant des BR, Ulrich Wilhelm (Quelle: REGIERUNGonline)

Es ist noch garnicht nicht lange her, dass die Einflussnahme der Politik auf das Mediensystem unter dem Schlagwort “Causa Brender” in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Laut diversen Medienberichten habe die CDU-nahe Mehrheit des Rundfunkrates den Vertrag des damaligen Chefredakteurs Nikolaus Brender aus politischen Gründen nicht verlängert. Es folgte eine kontroverse Debatte, angeführt von SPD-Ministerpräsident Kurt Beck und dem Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher. Dieser sprach von einer “Entmündigung der Öffentlichkeit“. Nach der Wahl des neuen BR-Intendanten bleibt es bisher vergleichsweise ruhig im Mediencircus. Und das, obwohl die dortige Personalbesetzung nicht minder kontrovers anmutet als die Abwahl von Brender.

Denn man kann die politische Neutralität des neuen Amtsinhabers Ulrich Wilhelm durchaus in Frage stellen. Da genügt ein Blick auf seine Biographie: Erst Pressesprecher von Edmund Stoiber. Dann Pressesprecher der Bundesregierung. Jetzt also verantwortlich für die Inhalte eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders, der per Gesetz zu politischer Neutralität verpflichtet ist. Kann jemand, dessen Job es jahrelang war, das Image mehrerer Politiker und damit einer Partei zu pflegen, diesem Anspruch überhaupt gerecht werden?

Sein Konkurrent in der Wahl hatte es schwer. Rudolf Erhard, 58, ist schon seit Jahren beim Bayrischen Rundfunk. 2005 bekam er den bayrischen Verdienstorden “als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk“. Er kennt den Sender und die Bedingungen der Angestellten dort, doch erhielt er lediglich 4 von 47 Stimmen und war damit quasi chancenlos. Nach ideologischen Gesichtspunkten wäre er wohl der bessere Kandidat für diesen Posten gewesen, denn er ist vor Allem dem Sender und somit dem öffentlich-rechtlichen Ideal verschrieben. Dem Rundfunkrat reichte das offenbar nicht. Zusammengesetzt aus Vertretern aller gesellschaftlichen Schichten dominieren dort eindeutig die Vertreter der CSU, wie das folgende Schaubild zeigt.

Zusammensetzung des BR-Rundfunkrates (Quelle: Eigene Darstellung)

Auch das letzte Opfer der politisch-motivierten Personalbesetzung, Nikolaus Brender, sieht die Sache kritisch. Im Gespräch mit der SZ sagte er, es sei “verwunderlich, dass sich die Empörung nur so gezügelt zeigt”. Und weiter: “Vom Regierungssessel auf den Intendantensessel ohne irgendein Zwischending, ohne ein Zeit der Erholung, der Keuschheit, das ist für mich schon hoch erstaunlich”.

Die Frage, die hinter all dem steckt: Ist die politische Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überhaupt irgendwie zu gewährleisten? Kurt Beck schlug damals vor, die zur Wahl notwendigen Stimmen auf eine drei-fünftel-Mehrheit zu ändern, um den Parteienproporz in den Rundfunkräten abzuschwächen und die dort dominierenden Parteien ein Wenig zu entmachten. Klingt nach einer guten Alternative, die für den Anfang schonmal für mehr Neutralität sorgen könnte.

Wichtig ist zumindest, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät und weiterhin Bestandteil der öffentlichen Diskussion bleibt, sonst könnte im Bestfall das Bild der öffentlich-rechtlichen Sender in der Bevölkerung ernsthaften Schaden nehmen, im Schlimmstfall könnte die politische Berichterstattung italienische Züge annehmen, ohne dass es überhaupt jemand bemerkt.

Immerhin dürfte Wilhelm aufgrund seines Jura-Studiums ja wissen, an welche Gesetze er sich zu halten hat. Im Interview nach der Wahl gab er bekannt: “Ich habe deutlich gemacht, dass die Aufgaben ganz klar unterschiedlich sind – als Regierungssprecher habe ich die Aufgabe für die Regierung zu sprechen in der Öffentlichkeit, als Intendant aber die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu schützen und nach außen zu verkörpern. Ich glaube, dass das ohne weiteres gut gelingen wird.” Ob das wirklich so “ohne weiteres” gelingt, bleibt angesichts seiner Professionalisierung zum einseitigen Darstellen von Informationen nach reinem Nutzen-Kalkül wohl fraglich.

Fünf Fragen an Jean-Louis Schiltz

geschrieben von s2piweim in Medien und PolitikKeine Kommentare »

Kurze Vita: Jean-Louis Schiltz ist ein luxemburgischer Politiker. 2000 wurde er Generalsekretär der CSV. 2003 wurde er in diesem Amt bestätigt. Von 2004 bis 2009 fungierte Schiltz als luxemburgischer Kooperations- und Entwicklungsminister sowie als Minister für Kommunikation; von 2006 an wurde er außerdem Verteidigungsminister. Seit den vergangenen Kammerwahlen ist Jean-Louis Schiltz nun, seit September 2009, Fraktionsvorsitzender der CSV (Premier Jean-Claude Juncker, der wohl bekannteste luxemburgische Politiker, ist ebenfalls Mitglied der eben genannten Partei) Jean-Louis Schiltz übt auch seit 2009 den Beruf des Rechtsanwaltes aus, nach dem er diesen Beruf schon zwischen 1989 und 2004 ausgeübt hat.

In einem Gespräch mit dem Politiker wollte ich wissen, welche Rolle die Medien im Leben des Politikers einnehmen.

Herr Schiltz, welche Rolle spielen Medien für Sie als Politiker?

Natürlich geht in der Politik nichts ohne die Medien. Umgekehrt sei allerdings auch die Frage erlaubt was die Medien ohne Politik wären. Die Medien berichten über die Arbeiten und Entscheidungen der Politik.  Dementsprechend sind die Medien – sowohl die geschriebene Presse als auch die Radio- und Fernsehwelt – wichtige Informationsüberbringer. Doch ihre Rolle geht weit darüber hinaus. Die Medien begleiten nicht nur die Politik, es ist ihre Rolle Entscheidungen und Prozesse kritisch zu hinterfragen, in den Kontext zu setzen, und Zusammenhänge zu erklären und erlaütern. Sie sind, meines Erachtens nach, ein integraler Bestandteil des politischen Meinungsbildungsprozeßes, und ohne Medien kann Ich mir politische Abläufe in einer Demokratie eigentlich nicht vorstellen.

Zwischen 2004 und 2009 waren Sie luxemburgischer Minister für Kommunikation. Welche Erfahrungen haben Sie in den vergangenen Jahren mit den Medien gemacht?

Als Minister für Kommunikation habe ich meinen Erfahrungshorizont gegenüber den Medien natürlich, wie soll ich sagen, erweitert. Der Minister, der für Medien zuständig ist, muss die Medien kennen, jedoch noch mehr als jeder andere Politiker muss er Distanz wahren, im dem Sinne, dass er gegenüber dem Rest der politischen Welt  als Garant der Nicht-Einmischung seitens der Politik in die Medienwelt zu gelten hat. Ich glaube sagen zu können, dass ich diesem Anspruch während meinen fünf Jahren als Medienminister gerecht geworden bin.

Politiker müssen sich mit Medien befassen. Wie groß ist eigentlich Ihr Medienkonsum?

Ja, das ist richtig. Politiker müssen sich mit Medien befassen, in dem von ihnen angesprochenen Sinn des Medienkonsums. Mein Medienkonsum lässt sich schwierig quantifizieren. Ich würde ihn als hoch bezeichnen. Es gibt Phasen je nach politischer Aktualität, wo er in diesem „hohen“ Bereich noch höher ist als normalerweise. Das tagespolitische Geschehen, die Kommentare und Leitartikel stehen bei der Lektüre in der Regel im Mittelpunkt. Radio und Fernsehen sowie die neuen Medien  gehören auch zur Pflichtübung. Aber das alles macht mir eigentlich Spaß. Ich habe mich auch schon bevor ich in der Politik war, im Detail über den Weg der Medien über alles Mögliche informiert.

Soziale Netzwerke wie Facebook verzeichnen immer mehr an Beliebtheit. Welche Rolle spielen die „neuen Medien“ in ihrem Leben?

Soziale Netzwerke wie eben Facebook spielen für mich selbst eine eher untergeordnete Rolle. Ich trenne nämlich mein öffentliches Leben von meiner Privatsphäre, und wenn sie auf Facebook sind, ist das kaum noch möglich. Ich bin jedoch großer Konsument von „News“ und dergleichen via Internet, in dem Sinne nutze ich die neuen Medien sehr wohl.

Noch eine letzte Frage. Wie entwickelt sich ihrer Meinung nach die Medienlandschaft in den kommenden Jahren? Wird die gedruckte Zeitung beispielsweise aussterben?

Es ist eine Tatsache, dass sich die Medienlandschaft in den vergangenen Jahren sehr wohl verändert hat. Dieser Prozess wird nicht zu stoppen sein. Internet, Facebook oder Twitter sind hinzugekommen. Ich glaube jedoch nicht, dass die Zeitung aussterben wird. Darin bin ich dann vielleicht ein bisschen altmodisch.

Ich bedanke mich für das Gespräch Herr Schiltz.

GEZ vor einer Reform?

geschrieben von jbnickschas in Allgemeines, Fernsehen, Medien und PolitikKeine Kommentare »

Der ewige Kampf um die Rundfunkgebühren geht weiter. Nachdem am Donnerstag der Verfassungsrechtler Paul Kirchhof ein Gutachten über die Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen vorstellte, kam Bewegung in die gesamte Branche. Man verspricht sich viel von diesem neuen Anstoß, hofft auf eine Reformierung der bisherigen Regelung, die ungerecht und undurchsichtig erscheint. Nun könnte also alles anders werden – “besser” ist schließlich immer noch relativ zu sehen. Künftig könnte es nämlich jedem an den Geldbeutel gehen – auch wenn gar kein Fernsehgerät im Haus ist.

Auf insgesamt 85 Seiten analysiert Kirchhof im Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio die große Frage der Gebührenfinanzierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und plädiert für eine Ablösung der bisher geräteabhängigen Abgabe durch einen Beitrag pro Haushalt. Die Begründung: “Eine Finanzierung der allgemein zuga?nglichen Quelle belastet grundsa?tzlich jedermann im Einwirkungsbereich des o?ffentlich-rechtlichen Rundfunks, weil er den Vorteil hat, nach individuellem Belieben auf diese Quelle seiner Information, Meinungsbildung, Unterhaltung und kulturellen Anregung zuru?ckzugreifen.”

Auch wer nicht direkt von ARD/ZDF profitiert, tut es in gewisser Weise also doch und muss dementsprechend auch dafür zahlen. Nicht die Nutzung des Angebots ist die Grundlage der Gebühr sondern das Erstellen der Angebote selbst. Damit wäre die geräteabhängige Gebührenzahlung hinfällig geworden. Vorteil bei Kirchhofs Modell wäre z.B. eine einfache Realisierbarkeit und die Schonung der Privatssphäre, weil nicht länger überprüft würde, welche Geräte genutzt werden. Bei sozial schwachen Bürgern spricht sich Kirchhof für eine Erhöhung des Wohngelds um den Rundfunkbeitrag von 18 Euro aus, so könnten in Zukunft auch aus sozial schwachen Schichten Beiträge an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gehen.

Ob diese Regelung der große Wurf ist, bleibt abzuwarten. Eine Umverteilung der Gebührenzahlung klingt zunächst verheißungsvoll, doch was am Ende dabei herauskommt und wer später was zahlen muss, das steht noch auf einem anderen Papier. Fest steht nur: Die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender durch Gebühren ist ein wichtiger Sockel für das System, doch ob eine Pauschalzahlung mit der Begründung sinnvoll ist, dass die Sender “irgendwie auch etwas” für den einzelnen Gebührenzahler tun, er also direkt davon profitiert, obwohl er die Programme evt. gar nicht konsumiert (z.B. weil sie ihm persönlich keinen Mehrwert bieten oder ihren Auftrag nach seiner Auffassung nicht erfüllen), ist doch immer noch fraglich.

Das jetzt vorgestellte Gutachten wird auch ein Thema der Ministerpräsidentenkonferenz der Länder am 9. Juni sein. Dort wird sich dann zeigen, ob es tatsächlich mehr als ein Gedankenanstoß ist. Eine neues Gebührenmodell für ARD, ZDF und Co. könnte ab 2013 in Kraft treten.

Quelle: dwdl.de

Kriegspropaganda bei FOX-News

geschrieben von s2jurose in Allgemeines, Fernsehen, Medien und Politik, Medienkritik, Nachrichten3 Kommentare »

Soeben bin ich bei Youtube auf ein Video gestoßen, das zwar schon etwas älter ist (20.11.2007), seltsamer Weise aber nur sehr selten angeschaut wurde (712 Mal). Es handelt sich hierbei um einen kurzen Vergleich der Berichterstattung von FOX-News zu dem Kriegen im Irak 2003 und dem im Iran, der sich 2007 anbahnte.

Verdeutlicht wird in diesem Video die aktive Propaganda des Nachrichtensenders für die Kriegshandlungen der USA in beiden Ländern. Es wird an Hand von nebeneinander gestellten Zusammenschnitten zu der Lage in dem jeweiligen Land gezeigt, dass in beiden Fällen eine ähnliche Strategie verfolgt wird: Verbindung zu terroristischen Kreisen (Al Kaida), Besitz/Entwicklung von Atomwaffen. Mit der Schaffung eines solchen Feindbildes wurde im Fall vom Irak ein Angriffkrieg der USA legitimiert, auch wenn letztendlich keine Beweise für die behaupteten Kriegsursachen gefunden werden konnten.

Mit diesem Video versucht der Macher nun darauf hinzuweisen, dass Fernsehnachrichten eine große Reichweite und Glaubwürdigkeit und damit auch einen enormen Einfluss auf das Wissen und die Meinung der Bevölkerung haben. Selbst Journalistenkollegen lassen sich von dem meistgesehenen amerikanischen Nachrichtensender beeinflussen, wie die Aussage der CNN-Reporterin am Ende des Beitrags beweist: “My station was intimidated by the administration and its footsoldiers on FOX-News.” (Christiane Amanpour)

Zum Abschluss werden die Nachrichtensender dazu aufgerufen, nicht die gleichen Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Es bleibt zu hoffen… Aber wie realistisch ist das tatsächlich in diesem Fall?

Fake-Meldungen in TV-Nachrichten

geschrieben von s2jurose in Fernsehen, Medien und Politik, Medienwandel, NachrichtenKeine Kommentare »

Vorkommnisse wie das in Georgien sind nicht einmalig in der Geschichte. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Radio-Live-Sendung der Hörspielinszenierung von H.G. Wells’ „Krieg der Welten“, die 1938 von dem amerikanischen Sender CBS ausgestrahlt wurde. Dies jedoch war von Anfang an als Unterhaltung für die Zuhörer, nicht jedoch zu deren politischer Mobilisierung geplant gewesen. Zudem hatte es während der Sendung immer wieder Hinweise darauf gegeben, dass es sich um ein fiktives Ereignis handelte. Es zeigen sich also deutliche Unterschiede im Vergleich zu der Fake-Nachricht des georgischen Senders Imedi TV.

Ein vergleichbareres und sogar aktuelleres Beispiel lässt sich dafür in einem unserer direkten Nachbarländer finden: am 13.Dezember 2006 unterbrach der belgische Sender RTBF sein laufendes Programm für eine Sondersendung, in der er darüber informierte, dass die Region Flandern ihre Unabhängigkeit erklärt habe. Belgien existiere nicht mehr und der König sei bereits ins Exil geflohen. Auch hier wurden die Zuschauer erst am Ende der Sendung ausreichend darüber aufgeklärt, dass es sich um eine Inszenierung handelte, auch hier war die Bereitschaft der Bevölkerung, der Nachricht Glauben zu schenken, durch Spannungen im Vorfeld gewährleistet. Und auch hier gab es wütende Proteste gegen eine solche Berichterstattung, die nach Angaben des Senders die Bevölkerung aufrütteln und ihr Bewusstsein für die gegenwärtige prekäre Lage schärfen sollte.

Es stellt sich die Frage, wie weit Nachrichtensendungen gehen dürfen, um solche „ehrenwerten Ziele“ zu erreichen. Im Falle Georgiens, bei dem in Folge dieser Nachricht schließlich sogar Menschen gestorben sind, fällt es nicht schwer, zu sagen, dass die Grenzen des Erlaubten überschritten wurden. Aber: Wer legt die fest? Und wie trennscharf sind sie? Es bleibt abzuwarten, ob bzw. welchem Umfang sich nach den jüngsten Ereignissen solche Falschmeldungen in scheinbar seriösen Nachrichtensendungen häufen werden.

http://www.tagesschau.de/ausland/meldung75060.html

Russischer Einmarsch in Georgien

geschrieben von s2jurose in Allgemeines, Fernsehen, Medien und Politik, NachrichtenKeine Kommentare »

Am Abend des 13. März 2010 zeigte der georgische Sender Imedi TV Bilder von russischen Truppen, die nach Georgien einmarschierten. Es wurde vermeldet, die Opposition habe sich mit der russischen Regierung zusammengetan und demonstriere gegen die amtierende georgische Regierung. In der Hauptstadt Tiflis gebe es bewaffnete Auseinandersetzungen, es habe bereits Tote und Verletzte gegeben, Georgien befände sich im Krieg, Präsident Saakaschwili sei getötet worden.

Lediglich zu Beginn dieser halbstündigen Sondersendung, die zur Zeit und anstelle der gewohnten abendlichen Nachrichten ausgestrahlt wurde, erwähnte der Moderator, dass es sich lediglich um ein Szenario handelte, wie es sich nach den für Mai angesetzten Wahlen abspielen könnte. Viele Zuschauer aber, die die Sendung nicht von Beginn an verfolgt hatten, gerieten in Panik: es kam nicht nur zu besorgten Anrufen bei Freunden und Bekannten, die zu einer schlagartigen Überlastung des Telefonnetzes führten, sondern auch zu Hamsterkäufen in Supermärkten und Tankstellen, ja sogar zu Herzinfarkten und Ohnmachtsanfällen.

Im Anschluss an die Sendung, brachte Imedi TV, einer von drei vom Staat kontrollierten Sendern, dann eine Aufklärung über die Ereignisse, in der deren Fiktion eingestanden wurde. Es folgte eine Diskussionsrunde zum Thema „Wie gefährlich ist Russland?“.

Diese Sendung aber wurde von weit aus weniger Zuschauern verfolgt, da viele bereits entweder in Panik das Haus verlassen hatten, oder sich den wütenden Demonstranten gegen den Fernsehsender und die Regierung angeschlossen hatten.

Literatur- und Videohinweise:

o.V. (2010): Fingierter TV-Bericht über Russlands Einmarsch in Georgien löst Panik aus – Zusammenfassung. In: RIA Novosti, 14.03.2010, http://de.rian.ru/postsowjetischen/20100314/125469680.html [Stand: 20.03.10].

Silvia Stöber (2010): “Krieg der Welten” 2010. In: Tagesschau Blog, 14.03.2010, http://blog.tagesschau.de/?p=7636 [Stand: 20.03.2010].

Empörung nach Scheinangriff in Georgien. In: ARD Mediathek, http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=3991248 [Stand: 20.03.2010].

Fake war. In: Youtube, http://www.youtube.com/watch?v=bdeMfUe-4pI [Stand: 20.03.10].

HOAX NEWS: Russia attacks Georgia, Saakashvili killed. In: Youtube, http://www.youtube.com/watch?v=eWkCTMBACo0&feature=fvw [Stand: 20.03.10].

Hillary Clintons Sternenhimmel

geschrieben von faus3301 in Internet, Medien und PolitikKeine Kommentare »

Klimawandel, Entwicklungshilfe und die Beziehungen zu China und der EU. Das sind die Sterne die am hellsten leuchten. Das sind die Themen die am häufigsten Anklang finden und diskutiert werden auf der neuen Seite von Hillary Clinton. ?Opinion Space? heißt sie und sie soll eine Plattform darstellen für Meinungen aus der Bevölkerung, für Austausch mit anderen und für den direkten Kontakt mit dem Außenministerium.

Die Handhabung ist einfach, soviel steht fest und der graphische Aufbau sehr ansprechend. Ich bezweifle jedoch den Nutzen dieser Seite. Ebenso wie bei abgeordnetenwatch.de ist nicht sicher, von wem die Meinungen und Statements letztlich geprüft und beantwortet werden. Ob die Positionen zu einzelnen Themen wirklich die wichtigen Personen erreichen ist fraglich.

Quelle: http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EEECF43ECE8D94952AA5B672B95A8EA2F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.state.gov/opinionspace/

Medien und Politik – Wahlwerbung im Wandel der Zeit

geschrieben von s2mawoll in Allgemeines, Medien und Politik, Medienwandel1 Kommentar »

Der Wahlkampf gilt als der Höhepunkt der politischen Kommunikation. Über die Massenmedien wollen die Parteien ihre Themen und Kandidaten bestmöglich platzieren und stecken daher Millionen in Plakate, Wahlwerbespots und Kampagnen. Mit dem Wandel der Medien hat sich dabei auch die Wahlwerbung immer wieder erneuert: Mit dem Aufstieg des Fernsehens zum “Leitmedium” wurden Wahlwerbespots immer wichtiger, mit der Jahrtausendwende liegt ein neuer Schwerpunkt auf dem Internet als Medium zur Mobilisierung von Wählern. Auch inhaltlich hat sich die Wahlwerbung in 60 Jahren BRD deutlich verändert. Standen in der Nachkriegszeit noch die großen ideologischen Weichenstellungen für das Land im Vordergrund des Wahlkampfes, geht der Trend heutzutage stärker in Richtung der Personalisierung und Entertainisierung.

Eine sehr gelungene und spannende Übersicht über den Wahlkampf im Wandel der Zeit bieten folgende Quellen:

http://www1.bpb.de/methodik/31P06X,0,Wahlplakate_im_Spiegel_der_Zeit.html

“Wahlplakate im Spiegel der Zeit” der Bundeszentrale für Politische Bildung

http://www.youtube.com/view_play_list?p=8225B50D01F7268F&search_query=qual+der+wahl

“Qual der Wahl”: ZDF Online und 3sat-Kulturzeit blicken zurück auf TV-Wahlwerbespots

Marcel Wollscheid

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Angela Merkel – eine “Medienkanzlerin”?

geschrieben von s2mawoll in Allgemeines, Medien und Politik3 Kommentare »

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde in Baden-Baden mit dem Deutschen Medienpreis der “Media Control” ausgezeichnet. Der Preis ist eine Auszeichnung für Persönlichkeiten, “die die Gesellschaft oder die Politik prägend beeinflusst haben” und wird nach Befragung der Chefredakteure der “reichweitenstärksten und einflussreichsten Medien in Deutschland” verliehen. Merkel reiht sich damit in die Reihe von Preisträgern wie Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Kofi Annan und dem Dalai Lama ein. Medienunternehmer Karlheinz Kögel nannte Merkel bei der Preisverleihung eine “zentrale Orientierungsfigur der Politik”.

Die Kanzlerin erhält also einen Medienpreis, ich würde im Zuge dieser Nachricht nun gerne eine Diskussion darüber anregen, ob man Angela Merkel ähnlich wie ihren Vorgänger auch als “Medienkanzlerin” bezeichnen kann. Wie nutzt die Kanzlerin die Medien für ihre Zwecke, wie inszeniert sie sich in der Öffentlichkeit? Reicht ihr zum Regieren das Schröder’sche Motto “Bild, BamS und Glotze”?

http://www.welt.de/die-welt/politik/article6327407/Deutscher-Medienpreis-fuer-die-Kanzlerin.html

http://www.deutscher-medienpreis.de/index.php?id=2003|content|medienpreis

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Medien und Politik – Die Medienrealität des Wahlkampfs

geschrieben von s2mawoll in Allgemeines, Medien und Politik, MedienwandelKeine Kommentare »

Medien und Politik stehen in vielerlei Hinsicht in einem spannungsgeladenen Verhältnis. Einerseits streben Politiker über die Medien nach Legitimation und Zustimmung für ihre Politik und bemühen sich um ein positives Bild in der Öffentlichkeit, andererseits sind Journalisten auf der Suche nach exklusiven Informationen und betonen vor allem den Konflikt im politischen Tagesgeschäft. Gerade mit dem Aufstieg des Fernsehens zum “Leitmedium” hat sich die politische Kommunikation dabei fundamental verändert: Politik wird heutzutage überwiegend als medienvermitteltes Ereignis wahrgenommen, weshalb sowohl politische Akteure als auch Journalisten einen Schwerpunkt auf die Medienwirksamkeit ihres Handelns legen.

Besonders deutlich wird dies im Bundestagswahlkampf, in dem Medien und Politik nach amerikanischen Vorbild eine Medienrealität der “Kanzlerwahl” erzeugen. Bei der Bundestagswahl wählen die Bürgerinnen und Bürger Vertreter in ihrem Wahlkreis und Parteien, eine Direktwahl des Kanzlers ist in der Verfassung nicht vorgesehen. Nichtsdestotrotz wird der Wahlkampf zu einem “Duell” zwischen den medienwirksam auserkorenen Kanzlerkandidaten der Parteien hochstilisiert. Besonders deutlich wird dies in den TV-Duellen, in denen seit 2002 die Kandidaten der Volksparteien vor der Bundestagswahl aufeinandertreffen. Grund für diese Entwicklung: Sowohl die Medien als auch die Parteien streben nach Personalisierung und Polarisierung, wollen Politik ein Gesicht geben und Aufmerksamkeit im Wahlvolk erzeugen.

Für die Medienwissenschaft ergeben sich aus dieser Konstellation spannende Fragen: Wie inszenieren Journalisten politische Ereignisse? Wie hat sich die politische Kommunikation seit Gründung der BRD verändert? Inwiefern kann man von einer totalen Medialisierung und Verinnerlichung der Medienlogik durch die Politik sprechen?

Teil 2: Medien und Politik – Wahlwerbung im Wandel der Zeit

Marcel Wollscheid

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US-Justizministerium lehnt neue Vereinbarung von Google und Verlagen ab

geschrieben von s2lapeif in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medien und PolitikKeine Kommentare »

Das US-Justizministerium hat die neu ausgehandelte Vereinbarung zwischen Google und Verlegerverbänden zur Digitalisierung von Büchern erneut abgelehnt. Hierbei wird vor allem die mögliche Monopolstellung Googles befürchtet.

Hauptkritikpunkt ist auch bei dem erneut vorgelegten Kompromiss die Tatsache, dass Google mit seinem Bücherdienst Google Books exklusive Rechte an Millionen von Büchern gewinnen würde. Im Bericht des Justizministeriums heißt es hierzu: ?Das Kernproblem ist, dass aus dieser Vereinbarung für Google und keinen anderen Wettbewerber die Möglichkeit erwächst, in dem Markt aufzutreten, den die an der Vereinbarung beteiligten Parteien schaffen wollen.?

Seit Jahren veröffentlicht Google über den Onlinedienst Google Books digitalisierte Bücher – die Zustimmung zu dieser kostenlosen Veröffentlichung von Seiten der Verlage und Autoren fehlte Google zunächst. Um Autoren- und Publikationsrechte endgültig zu vergüten, plante Google in Vereinbarung mit Verlegerverbänden eine Zahlung von 125 Millionen Dollar.

Bereits die erste Vertragsvereinbarung wurde von der US-Regierung abgelehnt und nun sind trotz Änderungen an der Vereinbarung weitere Verbesserungen gefordert.

Quelle:

http://www.focus.de/digital/internet/google/buecherdienst-google-ist-us-regierung-zu-maechtig_aid_477412.html

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,676082,00.html

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