Putin und Trump als Tandem der Zukunft. Was berichten die Medien darüber?

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Die Wahlen in den USA, die am 08. November 2016 stattgefunden haben, haben bestimmt die Furore gemacht. Es war eines der bedeutenden politischen und kulturellen Ereignisse auf der weltweiten Arena.

Jetzt steht die Frage, ob es sich wirklich lohnt, die langersehnte Temperatursteigerung der russisch-amerikanischen Beziehungen zu erwarten? Was haben die Medien der beiden Länder darüber berichtet?

Als Quelle für die Analyse wurden die Nachrichten der wichtigsten politischen Massenmedien Deutschlands („Die Zeit“, „Der Spiegel“, „Focus“) und Russlands („Iswestija“, „Komsomolskaja Prawda“) im Zeitraum vom Anfang November 2016 bis dem Anfang Januar 2017 betrachtet.

Als die gemeinsame Position der beiden Länder kann man folgende Artikel bezeichnen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin und der US-Wahlsieger Donald Trump mehrmals einander lobten. Die beiden hoffen, die russisch-amerikanischen Beziehungen aus der Krise zu holen, was in Interessen der Weltgemeinschaft würde.

In diesem Zeitraum wurde man viel über Kontakte zwischen Russland und dem Wahlkampfteam von Donald Trump geredet. Was deutsche Presse angeht, haben die Massenmedien darüber berichtet, dass Kreml-Regierung versucht hat, die USA-Wahl zu beeinflussen, weil es vorteilhaft für Russland wäre. Dagegen haben russische Medien die Aufmerksamkeit darin fokussiert, dass Obama Trump «die russische Aggression» ins Erbe abgibt. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow behauptete, dass ein Russenhass und große Ausmaß der antirussischen Äußerungen während der Wahlkampagne stattgefunden hat. Dabei hat er «die Sensation» davon, dass Trump — ein Putins Mensch ist, als voller Unsinn genannt.

Man soll die Situation mit 35 russischen Diplomaten, die als russische Geheimagenten und „unerwünschte Personen“ berühmt wurden, nicht vergessen. Wenn deutsche Massenmedien, das alles als Vergeltung für Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf kennzeichneten, hat die Position der russischen Medien darin bestanden, dass Kreml zu diesem Niveau der „Küchendiplomatie“ nicht herabfallen und die Probleme für die amerikanischen Diplomaten nicht schaffen wird.

Natürlich, sei es ergänzt, dass die Politik kein solches Thema ist, wo man in irgendetwas völlig sicher sein kann. Aber die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede sind in dieser Situation besonders auffallend. Wir sollen einfach darauf warten, wenn Donald Trump am 20. Januar 2017 die Amtsgeschäfte vom Demokraten Barack Obama übernimmt und dann wird es klar sein, ob die Versprechungen sowohl von Wladimir Putin als auch von Donald Trump wirklich in Erfüllung gehen werden.

Quellen:

http://www.spiegel.de/

http://www.focus.de/

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-11/wladimir-putin-donald-trump-telefonat-normalisierung-beziehungen-zusammenarbeit

http://www.zeit.de/index

http://izvestia.ru/

http://www.kp.ru/

Urlaub machen in Nordkorea – „Darf er das?“

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Sonnen auf Mallorca, Tauchen in Thailand, Surfurlaub in…Nordkorea?

Was sich für viele von uns wahrscheinlich nach einem Anflug von Größenwahnsinn anhört, ist genau das was YouTuber und Creator Louis Cole aka „Fun for Louis“ im August vergangenen Jahres getan hat.

Louis Cole ist ein 33 jähriger britischer Filmemacher und Videoblogger aus Surrey, England, der mit seinen Videos rund um und während seiner Reisen sein Motto und Marke „Live the Adventure“ („Lebe das Abenteuer“) geprägt hat. Mit seinen 1,8 Millionen Abonnenten auf YouTube spricht Cole eine erwähnenswerte Menge an Jugendlicher und junger Erwachsener an und kann somit durchaus von seinem Hobby leben.

                                                                                           

Was macht man nun mit seinem hart erarbeiteten Geld? Richtig. Ausgeben. Und wo? Wie wäre es mit einem entspannten Kurztrip nach Nordkorea um beim Surfen einfach mal die Seele baumeln zu lassen? Kim Jong-Und ab in den Urlaub!

Im August 2016 begann Louis seine 10-tägige Vlogserie in Nordkorea mit einigen Freunden die mit einer Surf-Organisation in Verbindung getreten sind und diese Reise möglich gemacht haben. Der Veranstalter der Reise bot nun schon zum dritten mal diese Surfschule an, reist aber privat schon seit 17 Jahren nach Nordkorea um ehrenamtlich dort zu arbeiten. Obwohl er nicht von der Regierung engagiert ist, arbeitet er wohl mit ihr zusammen beziehungsweise findet eine positive Kommunikation statt.

Louis unternimmt in seinen Vlogs wie immer zahlreiche Ausflüge unter anderem ein Besuch in einem Wasserpark, Surfen mit „Local surfer chicks“ sowie diverse Tours für Touristen.

Was nun folgt war wohl eher weniger Fun für Louis:

YouTube Stars Are Now Being Used for North Korean Propaganda“ – Vanity Fair

(„YouTube Stars werden jetzt für nordkoreanische Propaganda benutzt“)

„Louis Cole’s Merry North Korea Adventure“ – Human Rights Watch

(„Louis Cole’s fröhliches Nordkorea Abenteuer“)

„You can’t vlog in North Korea and call it apolitical“ – The Verge

(„Man kann nicht in Nordkorea vloggen und behaupten es sei unpolitisch.“)

 

Der einzige Begriff der hier angebracht zu sein scheint ist „shit storm“, netter ausgedrückt eine gewaltige Empörungswelle. Nachrichten und Medien rissen Cole in Stücke, warfen im dubiose Machenschaften mit der nordkoreanischen Regierung vor, behaupteten sogar er wäre für die angeblichen Propagandavideos bezahlt worden.

Warum nun also all das auf sich nehmen? Louis sagt, er möchte die „wunderschönen und positiven Dinge suchen, mit Einwohnern Kontakt knüpfen und über die Kultur und das Land lernen“. Er betont außerdem, dass er davon ausging, dass seine Zuschauer über ein Basiswissen über Nordkorea verfügen und somit nicht vollständig vom positiven Schein seiner Videos geprägt werden.Jedoch gab es leise Stimmen im Hintergrund die das Ereignis mit etwas mehr Offenheit betrachtet haben. Was ist, wenn Louis nur zeigen wollte, dass die Menschen die in Nordkorea leben nette freundliche und herzensgute Menschen sind? Dass nicht alle Nordkoreaner die Mentalität ihres Regimes haben? Dass das Land mit seinen Traditionen und wunderschöner Landschaft es nicht verdient hat nur von dem Größenwahnsinn seines Anführers beschattet zu werden?

Diese Stimmen wurden immer lauter und endeten in einem BONCA („British Online Creator Award“) für „Travel Video of the year“, den Louis nur zu gerne entgegennahm.

Die Frage, die sich auch schon deutscher Comedy-Nachwuchs Chris Tall gestellt hat, lautet : Darf er das? Als jemand der tagtäglich die Medien als Plattform nutzt um Ideen und Erlebnisse zu teilen, sogar davon leben kann und mindestens 1,8 Millionen Menschen damit erreicht, darf man in eins der meist unterdrückten Länder mit einer der höchsten Raten an Menschenrechtsverletzungen reisen, dort Urlaub machen ohne die Missstände und offensichtlichen Probleme anzusprechen? Oder sollte man das Land, was viel älter ist als seine aktuellen Probleme, nicht dafür bestrafen, dass ein psychisch labiler Mensch es wahrscheinlich zu der meist gefürchtetsten Nation weltweit gemacht hat? Sollte man nicht versuchen, die Schönheit, Traditionen und Menschen in den Vordergrund zu stellen und die Angst und Scheu zu nehmen?

Meiner Meinung nach, darf man nicht ignorieren, dass Louis Cole in seinen Vlogs nur das gezeigt hat und zeigen konnte, was die Regierung preis geben wollte. Aber das weiß er auch. In seinem Statement-Video „MY RESPONSE…“ erklärt der Brite, dass er ganz und gar nicht mit den nordkoreanischen Ideologien übereinstimmt und dass er weiß, dass es diskutabel ist was von dem was er gesehen hat eine wahre realistische Wiedergabe des Landes ist.

Als Person mit so viel Einfluss online, ein Ort, und das ist für mich indiskutabel, in unserer heutigen Welt und in dieser Generation der größte Informationsaustausch und dadurch auch die größte Meinungsbildung stattfindet, hat man vorsichtig zu sein mit dem was man zeigt. Das Internet vergisst nicht und vergeben tut es schon mal gar nicht! Auch wenn Louis sagt, er verfolge keine politische Aufklärung in seiner Arbeit und wer das suche, für den gäbe es bessere Portale im Internet um dies zu finden, darf man dies doch belächeln und wie The Verge sagen: man kann keine Videos in einem Land wie Nordkorea drehen und dann behaupten es hätte nichts mit Politik zu tun.

Schlussendlich soll der liebe Louis machen was er will. Was wirklich zählt? Nordkorea zu dem Land zu machen was es sein kann, und die Leute zu dem zu machen was sie verdient haben: frei!

libertyinnorthkorea.org/ ist eine von vielen Organisationen die sich den Flüchtlingen und der generellen Befreiung dieses kontroversen Landes widmen. Also an alle Menschen die sich die Zeit genommen haben anonym Louis Cole verbal in den Hintern zu treten: wenigstens hat er etwas gemacht, wenigstens hat er etwas bewegt, wenigstens hat er eine Unterhaltung gestartet. Also weg von der Kommentarfunktion auf YouTube und nutzt das Internet für das was es kann: etwas bewegen!

 

 

 

Textquellen:

https://www.youtube.com/channel/UCVrvnobbNGGMsS5n2mJwfOg

www.youtube.com/watch?v=VmCpTzA6SKc&list=PLKdBO8TXUFBgaqcNCd8xyokjUFEdUu9LU

https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Cole

https://www.youtube.com/watch?v=8U1ZGMDlASA

http://www.vanityfair.com/culture/2016/08/louis-cole-vlogger-north-korea

http://www.theverge.com/2016/8/19/12543958/louis-cole-north-korea-vlogger-youtube

www.funforlouismap.com/2017/01/02/i-won-award-for-north-korea-videos/

https://www.hrw.org/news/2016/09/20/louis-coles-merry-north-korea-adventure

http://www.libertyinnorthkorea.org/

http://www.boncasawards.com/

https://www.youtube.com/watch?v=nwAL06N3XX4

https://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea

Bildquellen:

https://pbs.twimg.com/media/CzVnzoqWQAAnsMW.jpg

http://img.koreatimes.co.kr/upload/newsV2/images/450water.jpg

http://www.funforlouismap.com/wp-content/uploads/2016/08/breaking-barriers-north-korea-da-1260×600.jpg

https://i.ytimg.com/vi/efqRUmazxBU/maxresdefault.jpg

 

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Postfaktisch – das Wort des Jahres

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Das neue Wort des Jahres ist inzwischen in aller Munde angekommen: postfaktisch. Entlehnt aus dem Englischen von posttruth verweist das Kunstwort auf einen tiefgreifenden Wandel in Politik und Gesellschaft, so die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS), die die Wörter des Jahres 2016 am 09. Dezember bekannt gab. In politischen und gesellschaftlichen Diskussionen geht es heute mehr um Emotionen als um Fakten, weite Teile der Bevölkerungsschichten lassen sich von Gefühlen oder gefühlten Wahrheiten leiten und sperren sich gegen Tatsachen und Fakten. Ob aus Angst vor der Wahrheit oder aus Wut und Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen – hat sich ein Gefühl est einmal eingeprägt, so lässt es sich durch Fakten nicht mehr so leicht beseitigen. “Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten“, sagte kürzlich die Bundeskanzlerin. „Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.

Aber was hat sich im Vergleich zu früher verändert? Die Antwort liegt auf der Hand: es sind Internet und soziale Medien, die maßgeblich zu einer interessensgeleiteten, nicht-faktischen Wirklichkeitskonstruktion beitragen. „Immer mehr Menschen informieren sich im Internet. Dort stehen Meinung, Gerücht und wissenschaftliches Ergebnis ununterscheidbar nebeneinander. Es fehlt an Orientierung und Qualitätskriterien. Die Aufmerksamkeit wird eher dem zuteil, der am schrillsten auftritt“, so Mojib Latif, Klimaforscher an der Universität Kiel. Durch die sozialen Netzwerke würden persönliche Erfahrungen des Einzelnen immer wichtiger, die gefühlte Wahrheit spiele eine immer größere Rolle  und die Fakten gerieten in den Hintergrund, schildert der ehemalige österreichische Politiker Stefan Petzner im Interview mit Zapp aus eigener Erfahrung. Hierdurch kommt es schnell zu Konstruktion einer (meist falschen) Wirklichkeit. Soziale Medien eignen sich besonders gut, um ungeprüfte Behauptungen zu verbreiten, lässt zudem auch die Bereitschaft und die Fähigkeit nach, sich intensiv mit Fakten auseinander zu setzen. Oft findet man angebliche Tatsachen bereits mundfertig im Internet und diese werden, wenn sie halbwegs glaubwürdig erscheinen und mit der eigenen Auffassung und Gefühlslage übereinstimmen, weiterverbreitet. Früher war das nicht so. Jeder konsumierte eine begrenzte Anzahl derselben Medien, Meinungen konnten sich auf diese Weise annähern oder zumindest überschaubar blieben. Es dauerte deutlich länger, bis Meinungsäußerungen durch bspw. Leserbriefe publiziert werden konnten.

Vor allem den Journalisten kommen in postfaktischen Zeiten eine immer wichtigere Rolle zu. Sie dürfen sich eben nicht von Stimmungen und Emotionen der aufgebrachten Bevölkerung leiten lassen. Bei ihnen geht es um Recherche, Gewichtung und Einordnung – das Erfolgsrezept guten Journalismus langfristig gesehen, denn dieser ist den Fakten verpflichtet. Und wir als Medienkonsumierende sollten Meldungen und vermeintliche Wahrheiten stärker hinterfragen, reelle Fakten und Statistiken zu unserer eigenen Meinungsbildung hinzu ziehen und uns ebenso wie Journalisten nicht übermäßig von Emotionen anderer leiten lassen.

 

 

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Ist objektiver Journalismus noch möglich?

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Von geplatzten Blasen

9. November 2016, gegen vier Uhr morgens ist sämtliche Wahlkampfeuphorie der Moderatoren erloschen. Sowohl bei ARD und ZDF als auch bei den großen amerikanischen Networks, überall breitet sich Unverständnis aus im Angesicht des sich abzeichnenden Sieges von Donald Trump. Selbst bei dem sonst so pro-republikanisch eingestellten Sender FOX News ist man überrascht, hatte man doch ein äußerst knappes Endergebnis vorhergesagt. Wie konnte es sein, dass sich derart viele etablierte Medien, Meinungsforschungsinstitute und Prognosen irrten?

Darauf angesprochen hat der Journalist und Moderator Georg Restle eine klare Antwort:

„Ich behaupte, das lag daran, dass Trump als Feindbild in den Köpfen vieler Redakteure und Kollegen so verankert war, dass man sich insgeheim eine Präsidentin Hillary Clinton herbeigesehnt hat und dass das den journalistischen Blick vernebelt hat.“

Sind die Nachrichten also von den Meinungen ihrer Macher abhängig?

Restles Ausführungen scheinen auf jeden Fall nicht haltlos zu sein. So zeigt beispielsweise eine Umfrage zur Parteineigung von Journalisten mögliche Gründe auf. Nach dieser Umfrage fühlen sich 36,1% der befragten Journalisten zwar keiner Partei inhaltlich zugehörig, jedoch gab eine klare Mehrheit von 46,6% eine Neigung zu einer Partei links der politischen Mitte an. Es scheint also nicht überraschend, dass viele Journalisten einen Politiker, der sich ablehnend über Frauen und Ausländer äußert, argwöhnisch, wenn nicht sogar als Feindbild, sehen. Clinton, die zwar nicht als linke Politikerin bezeichnet werden kann, jedoch um einiges liberalere Ansichten vertritt als Trump und ein gutes Verhältnis zu den Medien pflegt, wirkt schon eher, wie die Kandidatin der Journalisten.

Genauso wenig erstaunt es, dass viele Journalisten Informationen, die nicht in ihr Weltbild passen, weniger Beachtung schenken als denen, die ihren Ansichten entsprechen oder diese angreifen. Betrachtet man rückblickend die Berichterstattung des US-Wahlkampfes, ist es bezeichnend, wie intensiv die Medien sich mit den unangemessenen und teilweise skandalösen Äußerungen Trumps beschäftigten. Im Vergleich dazu fiel die Aufarbeitung der politischen Positionen beider Kandidaten meistens im besten Fall oberflächlich aus.

Gefangen in der Echokammer

In sozialen Netzwerken gibt es das Phänomen der sogenannten Echokammern. Durch Algorithmen, die darauf angelegt sind, Dinge zu finden, die dem Nutzer gefallen, kommt es häufig dazu, dass jener hauptsächlich in seinen Ansichten bestätigt wird. Negatives Feedback, zuwiderlaufende Ansichten werden ausgeblendet.

Sieht man sich nun Erhebungen über (politische) Journalisten an, wird deutlich, dass viele aus ähnlichen sozialen Milieus stammen und mehrheitlich ähnliche politische Ansichten haben. Hohe Bildung, etwas links der Mitte, liberal. Sind die Redaktionen von Online-Magazinen, Fernsehsendern und Zeitungen also auch Echokammern? Tatsächlich zeigt auch hier das Beispiel des US Wahlkampfes 2016, dass gerade die Journalisten,  die sich näher mit der Unterstützerbewegung rund um Trump beschäftigt haben, einen Sieg des Republikaners als wahrscheinlicher eingestuft haben, als ihre Kollegen, die das Phänomen Trump zunächst für einen Scherz gehalten haben.

Und nun?

Das Ideal des „objektiven“ Journalismus steht nun alles andere als gut da. Man könnte noch andere Beispiele nennen: die immer wieder als einseitig kritisierte Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt oder der von vielen als tendenziös bezeichnete Umgang der Medien mit der Flüchtlingskrise sind nur zwei aktuelle Beispiele. Diejenigen die mit den jeweils vertretenen Meinungen übereinstimmen, fühlen sich bestätigt, die anderen rufen Lügenpresse. Dass Journalisten auch nur Menschen mit Meinungen sind und dass sich diese zwangsläufig in den Reportagen, Artikeln und Berichten niederschlägt, scheinen auch gerade die Medienschaffenden selbst nicht wahr haben zu wollen. Zu sehr klammert man sich an die Rolle des neutralen Berichterstatters.

Was wäre eine Lösung? Offen damit umzugehen, dass man einen Standpunkt hat. Sich nicht an die vermeintliche Objektivität klammern, sondern lieber verschiedene Standpunkte gegenüberstellen und den Leser selbst eine eigene Meinung ermitteln lassen. Das würde den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen und verhindern, dass sich andere Leser in Filterblasen und Echokammern zurückziehen.

Weierführende Informationen:

http://www.ipg-journal.de/aus-dem-netz/artikel/der-herbeigeschriebene-sieg-1632/

https://psmag.com/how-our-media-bubble-protects-our-ideologies-cdd2ed5202eb#.2omjbtbhb

https://aufwachen-podcast.de

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Wie war das nochmal mit dem Papst und Trump?

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Jeder kennt sie, jeder ist ihnen schon einmal im Netz begegnet, den Fake-news. Sie lungern auf Facebook und Co. und einmal geteilt verbreiten sie sich wie ein Lauffeuer. Am Beispiel der vergangenen US Wahlen wurde deutlich welchen Einfluss sie auf die gesellschaftliche Meinung haben können und wie gefährlich sie tatsächlich sind.

„Papst befürwortet Trump als Presidenten der Vereinigten Staaten“

Dies war eine der der meist geteilten Fake-Schlagzeilen auf Facebook während der US Wahlen diesen Jahres und hat für großes Aufsehen, Empörung aber auch Zustimmung unter Trumpwählern geführt. Einige Tage befand sich diese Meldung auf Facebook bis sie letztendlich von der Plattform gelöscht wurde. Zu spät, wie viele behaupten und Mark Zuckerberg für die Wahlergebnisse mit verwantwortlich machen. Dieser bestritt, dass Facebook unter Problemen der Fake-news-Verbreitung leide, teilte aber kurz daraufhin mit, dass bestimmte Maßnahmen gegen Fake-news auf der Social Media Plattform eingeführt werden sollen um diese von echten Schlagzeilen unterscheiden zu können. Dieses Pilotprojekt soll in den USA starten und bei Erfolg auch weltweit durchgeführt werden. Aber ob es sich letztendlich Bewährt ist abzuwarten.

Wie kann man sich gegen Falschmeldungen schützen?

Diese Frage stellen sich nun viele Facebook-Nutzer nachdem dieses Thema stark in die Kontroverse geraten ist. Vorallem die jüngere Generation verwendet Facebook als Informationsquelle zu aktuellen Themen. Da sollte man doch meinen, dass gerade diese jüngeren Menschen nun besonders vorsichtig mit Schock-news umgehen.  Allerdings ist dies nicht der Fall, sondern ganz im Gegenteil, „sie zeigen eine unglaublich hohe Naivität auf, Medlungen aus dem Netz einfach zu glauben“ wie Professor Bucher der Universität Trier dem Trierischen Volksfreund mitteilte. Dabei ist es umso wichtiger sich nicht auf alles zu verlassen, was sich im Netz befindet. Dieser Meinung sind vorallem Websites die sich mit Fake-News beschäftigen und diese aufzudecken versuchen. Hoaxsearch ist eine Internetseite auf der Mediennutzer überprüfen können ob ein gelesener Artikel bereits als Falschmeldung identifiziert wurde. Sie wird von Mimikama betrieben und steh unter dem Slogan „zuerst Denken-dann Klicken“ (ZDDK). Dieser Verein ist eine Anlaufstelle für Internet-User die sich über aktuelle Fake-news informieren möchten oder auffällige Meldungen überprüfen lassen möchten. Natürlich gibt es weitere Websites die sich mit diesem Thema auseinandersetzten und Mimikama ist nur eine von vielen Vereinen die sich für dem Kampf gegen Falschmeldungen einsetzten.

Fakt ist, dass sich jeder Internetnutzer Bewusst machen muss welche Mengen an Falschmeldungen tagtäglich im Netz kursieren. Man sollte sich genauer über die Hintergründe vieler Posts informieren ehe man diese glaubt oder mit der Öffentlichkeit teilt. Fake-news sind einflussreicher als viele Internetnutzer glauben und sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen!

Bildmanipulation in den Medien

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Der Begriff Bildmanipulation beschreibt eine Veränderung oder eine Manipulation eines Bildes oder Fotos um den Sachverhalt der sich darauf bezieht zu verändern, wodurch diese Bilder eine Wirklichkeit an die Rezipienten vermitteln, die so nie geschehen ist.

Ein Beispiel eines solchen Falles zeigen die beiden folgenden Bilder des Massakers von Luxor. Hier wurde das Originalbild so manipuliert, dass die Wasserpfütze aussieht, wie eine Blutspur um den eigentlichen Sachverhalt zu dramatisieren:

massaker-von-luxor

Man kann darin unterscheiden, ob ein Foto schon vor der Aufnahme (durch Inszenierung), während der Aufnahme (Bsp.: durch Mehrfachbelichtung) oder nach der Aufnahme (Bsp.: durch Bildbearbeitung) manipuliert wird.

Grundsätzlich ist es schon seit dem 19. Jahrhundert durch technische oder kompositorische Tricks, wie beispielsweise die Fotomontage oder Komposografie möglich Fotos zu verändern, doch Techniken wie diese verlangten ein gewisses Knowhow von den Fotografen. Dank der fortgeschrittenen Entwicklung im Bereich elektronische Bildverarbeitung ist heute jeder in der Lage mit ein wenig Übung Bilder so zu bearbeiten, dass diese Manipulationen für ein ungeschultes Auge kaum zu ergreifen sind. Wie einfach es ist Bilder mithilfe digitaler Bildbearbeitungsprogramme zu verändern zeigt folgendes Video:

Dieses Video bezieht sich auf den ästhetischen Aspekt, welcher oft in der Werbung eine Rolle spielt um Schönheitsfehler zu retuschieren. Viel drastischer ist es jedoch wenn manipulierte Bilder Einfluss auf politische Angelegenheiten ausüben, indem sie in einen falschen Kontext gestellt werden (Bsp.: Massaker von Luxor), Personen herausgeschnitten werden (Bsp.: Stalin ließ ungarischen Revolutionär aus Bildern schneiden) oder bestimmte Szenen inszeniert werden (Bsp.: Treffen zwischen Viktor Orban und Helmut Kohl) um Tatsachen anders darzustellen, als sie eigentlich sind. Die Tatsache, dass Bilder manipuliert werden um breite Massen zu beeinflussen resultiert daraus, dass der Durchschnittsbürger dazu neigt Bilder als Beweis der Realität anzuerkennen ohne daran zu denken, dass fast alle Bilder die heute durch die Medien suggeriert werden in irgendeiner Form bearbeitet sind.

Die Frage die hieraus resultiert ist inwieweit Bilder heutzutage überhaupt noch glaubwürdig sind, wenn es doch für jeden möglich ist, sie in fast unvorstellbarem Ausmaß zu bearbeiten?

In diesem Zusammenhang muss beachtet werden, dass es im Journalismus erlaubte Veränderungen gibt wie beispielweise Zoomen, Änderung des Winkels, Graustufen etc. und nicht erlaubte Veränderungen wie Fotomontage und Inszenierungen. Im letzteren Falle müssten Fotos an denen diese Methoden angewendet wurde bei der Veröffentlichung mit einem [M] gekennzeichnet werden, doch problematischer Weise wird dies in vielen Fällen nicht getan. Außerdem gibt es keine gesetzliche Regelung die über solche Fälle entscheidet, denn ob eine Bildbearbeitung legitim ist hängt immer vom jeweiligen Einzelfall ab. Trotz der Versuche den Beweischarakter der durch die Medien suggerierten Bilder durch Methoden wie digitale Negative, digitale Wasserzeichen oder digitale Bildforensik zu gewährleisten, muss jeder Rezipient sich darüber im klaren sein, dass man sich in den meisten Fällen nicht sicher sein kann in wie weit eine Fotografie die Wahrheit widerspiegelt.

 

Quellen:

http://www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/Bildmanipulation.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Fotomanipulation

http://www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/Bildmanipulation.html

http://www.spiegel.de/einestages/manipulierte-bilder-a-947326.html

Bildmanipulation in den Medien

 

 

 

 

 

Propaganda- noch ein heutiges Phänomen?

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Ein Jeder von uns sollte in seinem bisherigen Leben schon einmal mit dem Begriff „Propaganda“ konfrontiert worden sein. Sei es im Geschichts- oder Politikunterricht oder in den Nachrichten.  Es ist besonders für die Einwohner Deutschlands ein Wort, welches einen wichtigen Abschnitt deutscher Geschichte geprägt hat.

Propaganda im historischen Kontext

Das Wort „Propaganda“ stammt von dem lateinischen ‚propagare‘ und lässt sich übersetzen mit „verbreiten, ausdehnen“. Nach heutigem Verständnis begreift man Propaganda als einen bewussten Versuch, Rezipienten zu einer Tat zu bewegen, sie zu einer Denkweise zu lenken und/oder sie zu manipulieren. Meistens wird der Begriff durch die Geschehnisse des Dritten Reiches mit einer negativen Konnotation zusammengebracht. Durch Einsatz früherer medialen Mittel, wie Flugblättern oder Plakaten, und Goebbels Aufbau eines immensen Führerkults um Hitler etablierte die NSDAP eine Kontroll- und Regierungsfunktion und gewann die Unterstützung und Loyalität des Volkes.

propaganda-bild Propagandaplakat aus der Nazi-Zeit

Heutiges Bestehen von Propaganda

Vor dem Hintergrund des Missbrauchs der Medien im Dritten Reich ist vielen Menschen heutzutage nicht bewusst, dass auch sie tagtäglich mit Propaganda konfrontiert werden- ob es negative Auswirkungen mit sich bringt, ist hier nebensächlich. Der intendierte Versuch zur Verbreitung einer Meinung oder einer Ideologie manifestiert sich sowohl in alltäglichen und milden Situationen, als auch in Situationen, die eine ganze Nation betreffen und großen Einfluss auf die Politik besitzen. Auch in der trivialen TV-Werbung erfahren wir den Versuch, uns zu dem Kauf eines bestimmten Produktes zu verleiten bzw. uns zu einer Handlung zu bewegen. Es besteht hier eine schmale Linie zwischen Werbung und Propaganda, da beide Konzepte theoretisch die gleichen Ziele verfolgen.

Mit dem Blick auf die deutsche Politik fällt die mediale Nutzung einer Partei besonders auf: die der AfD (Alternative für Deutschland). Anhänger der AfD sind meist bekannt für ihre fragwürdigen Aussagen und ihre ebenso „fremdbeschämenden“ Auftritte. Während der Landtagswahlen diesen Jahres ließ sich wieder beobachten, auf welche Weise die politische Partei die Medien nutzt, um Wähler für sich einzunehmen. Es sind Wahlplakate, die oft nur einen Spruch abbilden- was erstmal eher harmlos klingt, scheint für viele andere Hetze zu sein.

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Die AfD ist nicht für ihre Toleranz Muslimen gegenüber bekannt und zeigt dies auch. Hier kristallisiert sich eine entscheidende Parallele zur NSDAP und deren Propaganda heraus: Die Hetze gegen eine bestimme Gruppe von Menschen, die für etwas schuldig gemacht werden soll und dies wird in einem großen Programm graphisch klar gemacht und dem Volk oft vor Augen geführt. Zwar propagiert die AfD nicht in dem Ausmaß, in dem es die NSDAP damals tat, jedoch lässt sich eine (schwache) Verbindung beider politischer Parteien nicht leugnen. Dass Propaganda eine Erfindung des Dritten Reiches ist und es dies heute nicht mehr gibt, ist leicht zu widerlegen.

 

 

Bildquellen:

https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/98003226 (Propagandaplakat der Nazis)

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/kommentar-die-afd-spielt-schwule-und-muslime-gegeneinander-aus-24438548 (Wahlplakat der AfD)

 

 

 

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In und gesund – Wie Medien das Geschäft mit den „grünen“ Lebensmitteln boomen lassen

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Medien und Politik, PrintmedienKommentare deaktiviert für In und gesund – Wie Medien das Geschäft mit den „grünen“ Lebensmitteln boomen lassen

Sätze wie „Ich hätte gerne einen Soja Latte“ oder „Welche vegetarische Alternative bieten Sie an?“ sind keine Seltenheit mehr. Neuerdings scheint das Supermarkt-Regal fast schon tapeziert mit den Hinweisen „vegan“ oder „vegetarisch“, in einigen Haushalten sieht es im Kühlschrank ähnlich aus.

Eine Hochkonjunktur dieser Produkte zeichnet sich deutlich ab. Plötzlich bietet jeder Supermarkt, jedes Restaurant und jedes Café solche Alternativen an – wer da nicht gleich umdenkt und das Konzept umstrukturiert, verliert leicht Kunden.
Auch in allen möglichen Medien, ob regionales Nachrichtenblatt, Tageszeitung, Fernseh-Talkshows oder beispielsweise Instagram: Das Thema ist allgegenwärtig und jeder will darüber berichten. Dies macht die ganze Sache sehr interessant für den Forschungsbereich der Medienwirkung.

Ist der ganze Trubel um den Veganismus und Vegetarismus tatsächlich lediglich einer allgemeinen Lebensumstellung geschuldet? Wie gehen eigentlich die Medien mit diesem Hype um und welche Rolle spielen sie dabei?

Es ist nicht zu übersehen, dass der Trend ohne Fleisch bzw. gar ohne tierische Produkte zu leben, immer und immer mehr zunimmt. Der Vegetarierbund (VEBU) beziffert die Zahl der ohne Fleisch lebenden Menschen in Deutschland auf rund 7,8 Millionen, also 10% der Bevölkerung, ca. 900.000, das heißt 1,1%, sind vegan – weltweit wird diese Gruppierung auf 1 Milliarde geschätzt.
Dementsprechend stieg der Umsatz mit Fleischersatzprodukten und pflanzlichen Brotaufstrichen laut statista von 155,6 Millionen Euro im Jahre 2012 auf 310,7 Millionen Euro im letzten Jahr.

“Der Trend ins Vegetarische ist unaufhaltsam. Vielleicht isst in 100 Jahren kein Mensch mehr Fleisch” | Helmut Maucher, ehemaliger Generaldirektor von Nestlé

Sieht man sich die Zahlen der Berichterstattung im deutschen Printbereich zu dieser alternativen Ernährung an, so ist ein deutlicher Anstieg innerhalb der letzten zehn Jahre zu vermerken. Obwohl die Anzahl der Veganer deutlich geringer ist, halten sie in Sachen Presse gut mit den Vegetariern mit, stellenweise gibt es über sie sogar mehr Artikel.

Aber auch vor der Buchhandlung macht der Trend nicht Halt. Die Zahl der neuveröffentlichten deutschsprachigen Kochbüchern in beiden Bereichen hat sich innerhalb von fünf Jahren verzehnfacht: Gab es 2012 lediglich 21 Neuveröffentlichungen, sind es 2016 ganze 211 Bücher.

fullsizerenderEine Trendentwicklung ist auch in sozialen Netzwerken zu bemerken. Überall gibt es „Foodpics“ von Sportlern, Models und Foodbloggern mit den Hashtags #vegan (rund 33.600.000 Treffer) und #vegetarian (rund 10.900.000 Beiträge), oftmals in Verbindung mit #healthy. Diesbezüglich hat sich schon so etwas wie eine eigene Community gebildet, viele wollen einfach nur „dazugehören“, egal ob man von der Ernährungsweise im ethischen oder ökologischen Sinne überzeugt ist.

 

Führen wir nun also die Fakten zur klar zu erkennenden Wende in unserer Gesellschaft und die zunehmende Aufmerksamkeitsentwicklung in allen möglichen Medien zusammen: Es ist eindeutig ein Hype entstanden. Hierbei lässt sich eine Hebelwirkung durch die mediale Darstellung vermuten, die die Entwicklung immens begünstigt. Dies liegt daran, dass das Thema Vegetarismus und Veganismus nahezu unumgänglich geworden ist und es durch die Allgegenwärtgkeit in den Medien der breiten Masse ins Bewusstsein gerufen wird. Außerdem vermitteln vor allem die Online-Medien wie Instagram dem Verbraucher: Wenn da „vegetarisch“ oder sogar „vegan“ draufsteht, dann MUSS es ja gesund sein. Oder?


Bildquelle: www.instagram.com

 

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AfD – womit nervt sie heute wieder?

geschrieben von in Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Na, womit kommen sie wohl heute wieder in die Nachrichten?
Geht es nur um den 20. Aufguss von „wir wollen stärkere Grenzkontrollen“ oder lieber doch mal was ungewöhnlicheres, wie „Waffengewalt gegen Flüchtlinge“?

Klar, wieso nicht einfach mal vorschlagen? Ist doch völlig legitim, Menschen die sich vor Krieg und Zerstörung flüchten wollen, mit Waffengewalt niederzustrecken. Oder?
Drei Sachen kann man damit jedenfalls mit ziemlicher Gewissheit provozieren:
– Mobilisierung der Bevölkerungsteile, die diese Vorschläge befürworten
– Mobilisierung jener, die diese Ideen strikt ablehnen
– Und in jedem Fall: Mobilisierung der Medien.

Fast könnte man meinen die gute Frau Petry hätte einen kleinen „Wie schaff ich´s in die Medien“-Crash-Kurs bei Donald Trump besucht. Denn ebenso wie bei dem Präsidentschaftskandidaten, geht das Konzept der AfD wohl auf und es folg eine schier endlose Abfolge detaillierter Berichterstattungen über die gerade aktuellen Ziele, Wünsche und Ideologien der AfD.

Im Sinne der Anhänger? – Bestimmt
Im Sinne der allgemeinen Bevölkerung? – Sicherlich nicht!

Denn wie eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa, im Auftrag der „Frankfurter Neuen Presse“, zeigt, sind 40 Prozent der Befragten der Meinung, über die AfD würde zu viel berichtet werden. Im Gegensatz dazu vertreten nur 17 Prozent der Befragten, darunter hauptsächlich AfD-Anhänger, die Meinung, es bedürfe einer noch stärkere Präsenz der AfD in den Medien.

Mit klarer Mehrheit wünschten sich die 1009 Befragten dann alternative Themen, wie beispielsweise stärkere Beachtung der steigenden Zahl von Nicht-Wählern (76 Prozent) und einen stärkeren Fokus auf die Schul- und Bildungspolitik (77 Prozent).

 

Quellen

http://www.morgenpost.de/politik/article207063307/Viele-Deutsche-sind-von-AfD-Berichterstattung-genervt.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/forsa-umfrage-medien-berichten-zu-viel-ueber-die-afd-a-1078193.html

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Trump und die Suche nach Musik

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Für einen populistischen Wahlkamp, wie ihn Donald Trump in den USA führt, bräuchte es eigentlich auch die passende, fesselnde und „populäre“ Musik. Jedoch sträuben sich bekannte Musiker, dessen Songs ungefragt bei Wahlkampfveranstaltungen benutzt wurden, dies zuzulassen. Merkwürdig, dabei würden sie doch einen, so auf dem Boden gebliebenen, rechtspopulistischen Rassisten unterstützen, wer will das denn nicht? Viele.

Den Anfang machte Neil Young, welcher die große Ehre hatte mit seinem Song „Rockin’ in the free world“ Donald Trumps Kandidatur einzuleiten. Jedoch ohne Erlaubnis, teilte Youngs-Managment mit. Zu diesem Zeitpunkt konnte man noch denken/hoffen, dass die Kandidatur nur ein schlechter Scherz ist, aber es ging weiter auch musikalisch. Der bekennende Republikaner Steven Tyler von Aerosmith will nicht mit dem Wahlkampf in Verbindung gebracht werden und wehrt sich gegen die Nutzung seines Songs ,,Dream on“. So auch R.E.M., AdeleElton John und die Rolling Stones.

Das Gute für Trump ist wohl, dass es genug Hits gibt, die wenigstens einmal bei seinen Veranstaltungen gespielt werden können. Zudem mediales Aufsehen, durch unerlaubtes Benutzen von bekannten Lieder, ist trotzdem mediales Aufsehen! Aber vielleicht dürfen wir uns auch weiterhin auf Auftritt von den USA Freedom Kids freuen, welche Songs extra für Donald Trump singen und bei gleichbleibender Qualität wohl eine „Viral-Garantie“ haben.

In diesem Sinne: USA, USA, USA

 

YouTuber wegen Volksverhetzung verurteilt

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Julien ist ein bekannter YouTuber aus Deutschland mit knapp 1,3 Millionen Abonnenten auf YouTube (JuliensBlog).
Auf seinem Kanal setzt sich der 27-Jährige unter anderem mit der Gesellschaft und den Massenmedien auseinander. Seine Äußerungen zu bestimmten Themen sind des Öfteren beleidigend und eher unprofessionell formuliert. Seine Art in den Videos aufzutreten wird von Kritikern als hetzend und desinformierend beschrieben.

Aufgrund eines im Mai des vergangenen Jahres veröffentlichten Videos musste der YouTuber nun wegen Volksverhetzung vor Gericht. In seinem Video „JuliensBlog #21 – GDL (Bahnstreik)“ äußert sich Julien sehr negativ und beleidigend zu diesem Thema. In dem knapp 5 minütigen Video beleidigt er die Lokführer und ärgert sich über dessen Forderungen an den Arbeitgeber. Eine bestimmte Aussage jedoch, führte am vergangenen Mittwoch nun zu einem Urteil des Gerichts, indem beschlossen wurde, dass der 27-Jährige für 8 Monate auf Bewährung und 15.000€ Geldstrafe verurteilt wird. Im oben genannten Video sagt der YouTuber folgendes:

„Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst ihr noch, wie die Juden mit Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahin bringen. Ich fahre den Zug, und zwar umsonst.“

Scheinbar sollte diese Aussage mehr Klicks und damit verbunden auch mehr Einnahmen auf YouTube generieren. Doch sie führte dazu, dass das Video, nachdem es knapp 800.000 Klicks erhalten hatte, von YouTube gesperrt wurde. Vor Gericht versucht Julien mit Hilfe seines Anwalts zu erklären, dass es nur ein Witz war. Jedoch sah das Gericht dies ganz anders. Die Verharmlosung von NS-Verbrechen als Volksverhetzung steht nämlich im Paragraf 130, Absatz 3 des Strafgesetzbuchs unter Strafe.

§ 130 Absatz 3 StGB:

„Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.“

Ob diese Strafe nun gerecht ist oder nicht, darüber wird sich momentan auf Twitter und auf anderen sozialen Netzwerken gestritten. Der Hashtag #juliensblog ist bereits seit 17 Stunden in den Twitter-Trends. (Stand: 12.02.2016, 17:10 Uhr)

 

Quellen:
• http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Steinfurt/Westerkappeln/2271016-Youtube-Star-Julien-verurteilt-Volksverhetzung-statt-Videokunst
• https://de.wikipedia.org/wiki/Julien_Sewering

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Colonia Dignidad – Was ist das überhaupt?

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Wenige haben heutzutage von ihr gehört: der Colonia Dignidad.
Fragt man Menschen der heutigen Generation, so zucken die meisten gelangweilt mit den Schultern, haben noch nichts davon gehört, wollen es auch eigentlich gar nicht wissen.

Dabei ist die Colonia Dignidad ein weiterer und auch wichtiger Teil der dunklen Geschichte Deutschlands, denn wieder einmal unterdrückte ein Mann Menschen, die sich nicht wehren konnten, Minderheiten, die sich resigniert unterordnen mussten… auch wenn sich das Ganze nicht in Deutschland selbst abspielte.

Was ist die Colonia Dignidad überhaupt?

Die Colonia Dignidad ( zu deutsch: Kolonie der Würde) wurde von einem deutsch evangelischen Jugendpfleger namens Paul Schäfer im Jahre 1961 in Chile gegründet und von einer Sekte bewohnt.
Diese Sekte baute in Chile, abgeschottet von der Außenwelt, eine Kolonie auf, in der Folter und Missbrauch, vor allem von minderjährigen Jungen, auf der Tagesordnung stand.
Entführungen von Kindern waren nicht selten. So sind einige Berichte von Eltern bekannt, die ihre Kinder zur als Chorfreizeit getarnten Sekte nach Chile schickten und diese danach nie mehr wieder sahen.
Während der Militärdiktatur in Chile diente die Colonia dem Regime aber auch als geheime Außenstelle.
Nach dem Putsch des chilenischen Militärs am 11.09.1973 wurde die Colonia als Basis des Pinochet- Geheimdienstes verwendet, der durch den Putsch die Macht in Chile übernommen hatte und mehrere Jahre lang als Präsident agierte, obwohl er niemals demokratisch gewählt worden war.

„ […] [ Paul Schäfer] konnte über fast 40 Jahre hinweg vollkommen ungestraft und ungezügelt allen Regungen nachgehen. Ich glaube auch, dass Machtausübung für ihn ein ganz entscheidender Faktor war und er hat diese Leute ja vollkommen hörig gemacht und nach seinem Geschmack ein fantastisches Leben da geführt […]“ ( Florian Gallenberger, Regisseur des gleichnamigen Films, im Interview mit Bayern 2, 10.03.2015)

Erst nachdem ein Mitbegründer der Sekte 1984 aus der Colonia flüchtete, geriet Paul Schäfer in das Visier der Justiz.
Doch bis zum 10.03.2005 konnte Paul Schäfer nicht gefasst werden. Gründe dafür gibt es viele. Nachvollziehbar sind sie jedoch nicht.
Paul Schäfer wurde in 25 Fällen des Missbrauchs für schuldig befunden und bekam eine Haftstrafe von 20 Jahren, von denen er nur 5 absitzen konnte. Er verstarb am 24.04.2010 im Alter von 88 Jahren im Gefängnishospital an einem Herzleiden.

Lange wurde über die Grausamkeiten, die Paul Schäfer an seinen Mitmenschen begangen hat, nicht geredet, doch im Jahre 2014 entscheidet sich ein deutscher Regisseur das Schweigen zu brechen.

Der Oscar- prämierte Regisseur Florian Gallenberger sagt über seinen Entschluss, die Geschichte auf Leinwand zu bringen: „ […] Es ist auch an der Zeit endlich über dieses Kapitel jüngerer deutscher Geschichte mal was zu machen und da etwas Licht ins Dunkel zu bringen. […]“ ( im Interview mit Bayern 2, 10.03.2015)

Sein Thriller „ Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ vereint Fakten und Fiktion miteinander, indem eine fiktive Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der realen Colonia Dignidad erzählt wird.

Dazu holte er sich internationale und hochkarätige Schauspieler ins Boot: Schauspieler wie Emma Watson ( Harry Potter, Bling Ring, …), Michael Nyqvist ( Der Chinese, Atemlos – Gefährliche Wahrheit, …) und Daniel Brühl ( Good Bye, Lenin!, A Most Wanted Man) kommen in Luxemburg zusammen, um die ersten Szenen abzudrehen. Danach geht es weiter nach Berlin, München und Argentinien.

Und worum genau geht es in dem Film?

„Chile, 11. September 1973. Hunderttausende protestieren auf den Straßen Santiagos gegen General Pinochet, der sich gegen den Präsidenten Salvador Allende an die Macht putscht. Unter den Demonstranten sind auch Lena (Emma Watson), die als Stewardess am Tag zuvor in Chile gelandet ist, und ihr Freund Daniel (Daniel Brühl), der als Fotograf in Santiago lebt. Unzählige werden in den Wirren des Aufruhrs vom Geheimdienst verhaftet, so auch Daniel und Lena. Daniel wird noch in der Nacht an einen unbekannten Ort verschleppt.

Nach dem ersten Schock versucht Lena herauszufinden, was mit Daniel passiert ist. Doch die Mitstreiter seiner Studentengruppe tauchen unter und auch die Deutsche Botschaft verweigert ihr jede Hilfe. Bei Amnesty International hört sie das erste Mal von der berüchtigten Colonia Dignidad, einer abgeschotteten deutschen Sekte im Süden Chiles, die enge Verbindungen zum Geheimdienst unterhält: es geht das Gerücht um, dass auf dem Gelände der Colonia Gefangene gefoltert werden – und Daniel vermutlich dort gefangen gehalten wird.

Völlig auf sich allein gestellt, entschließt sich Lena, der mysteriösen Sekte beizutreten und so Daniel wiederzufinden. Doch schon bald erkennt sie, in welch aussichtslose Situation sie geraten ist, denn noch nie ist jemandem die Flucht aus der Colonia gelungen…“ ( Kurzinhalt aus dem Presseheft des Majestic Filmverleih)

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Michael Nyqvist ( als Paul Schäfer) und Emma Watson ( als Lena) Quelle: Majestic Filmverleih

Der Film kommt am 18.02.2016 in die deutschen Kinos, auch wenn „das, was in der Colonia wirklich passiert ist […] man natürlich so 1:1 auch in einem Film nicht zeigen [kann] und das ist glaube ich auch nicht notwendig. Ich denke schon, dass in dem Film, den wir machen, rauskommen wird was für eine Art von Ort das war, auch ohne dass man jetzt explizit die Gräultaten ins Bild setzt.“ ( Florian Gallenberger, Regisseur des gleichnamigen Films, im Interview mit Bayern 2, 10.03.2015)

Für all diejenigen, die jetzt neugierig geworden sind und mehr über die Colonia erfahren wollen, seien es Berichte von Zeitzeugen( wie zum Beispiel das Buch von Ulla Fröhling:“ Unser geraubtes Leben. Die wahre Geschichte von Liebe und Hoffnung in einer grausamen Sekte oder Reportagen über die Colonia Dignidad ( zum Beispiel:  Colonia Dignidad: Ein Reporter auf den Spuren eines deutschen Skandals von Gero Gemballa) für die gibt es jede Menge Literatur, die es sich lohnt zu erkunden und zu lesen.

Was ist aus der Colonia Dignidad geworden?

Die Colonia gibt es heute immer noch, jedoch unter einem anderen Namen und mit neuen Zielen. Die „ Villa Baveria“ will unter der Leitung von Michael Müller die rund 115 Mitglieder für die Außenwelt öffnen, weswegen Journalisten die Kolonie besuchen können, ein Hotel für Besucher zur Verfügung steht und in einem deutschen Restaurant in der Nähe Bilder von Polizeimaßnahmen gegen die Sekte dargestellt werden. Die neuen Errungenschaften sollen dazu beitragen, den schlechten Ruf der Kolonie aufzubessern.

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Wenn es nicht mehr genügt milliardenschwerer Facebookgründer zu sein

geschrieben von in Kommunikationsformen, Medien und Politik, Medienwandel, Printmedien, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Neues Jahr, neue Vorsätze. Das denkt sich so mancher. Was letztendlich aus diesen Vorsätzen wird bleibt einem selbst überlassen.

Das hat sich auch Facebook founder Mark Zuckerberg gedacht als er der Facebook-Community seine Jahresvorsätze mitteilte. Nach Vorsätzen wie mehr zu lesen kommt nun ein Vorsatz der erst einmal ungewöhnlich klingt:

Zuckerbergpost 1 möchte einen Roboter erschaffen der ihm im Haushalt hilft. Man könnt meinen, dass der Mann der vermeintlich alles hat, jetzt über das Ziel hinausgeschossen sei. Kann man diesen Post denn ernst nehmen? Wie ein Scherz klingt er nicht. Der Plan von diesem Roboter, den man sich übrigens wie „Jarvis“ aus „Iron-Man“ vorstellen kann, hat bereits Form angenommen.

 

 

 

Dass Zuckerberg auch wirklich an seinen Vorsätzen festhält hat er bewiesen indem er seinen Vorsatz, aus dem Jahre 2010, Mandarin zu lernen an der chinesischen Universität Tsinghua, Peking, in einer zwanzig-minütigen Rede unter Beweis gestellt hat, so berichtet auch „The Guardian“ . Also womit werden wir zu rechnen haben? Dass wir Facebook Technologie auch irgendwann in unseren Häusern haben können? So weit entfernt ist das smarte wohnen nämlich gar nicht mehr. Samsung legt bereits mit der Gerätereihe „smart home“ vor in Sachen zukunftsorientiertem Wohnen. Das Smartphone mit allen kompatiblen Geräten verbinden und dann auf alles zugreifen können ist schon Realität, da spielt es keine Rolle mehr ob man zu Hause ist oder nicht. Das einzige was man braucht ist einen Internetzugang, um alle Geräte steuern zu können.

Nicht nur das Wohnen ist betroffen vom technischen Fortschritt, im letzten Jahr kam auch immer wieder das Wort Industrie 4.0 zum Vorschein. Was kann man sich darunter bloß vorstellen? Alles kommuniziert miteinander, alles ist vernetzt. Das scheint so der Kern der Industrierevolution zu sein. Diesen Fortschritt will auch die Universität Stuttgart nutzen und zeigen wie es ablaufen kann. Auf deren Website kann man sich individuell Joghurt zusammenstellen. Der Clou an der Sache ist, dass Maschinen mit programmierten Chips die Bestellung aufnehmen und weiterverarbeiten können. Die Roboter kommunizieren miteinander und produzieren die individuellen Joghurts. Die Technologie schreitet voran doch was heißt das konkret für den „Otto – Normalverbraucher“? Roboter in der Industrie erreichen nicht die breiten Massen doch das smarte Wohnen könnte von hoher Bedeutung für den einzelnen in der Zukunft sein.

Inwiefern wirkt sich diese technologische Entwicklung auf die Mediennutzung aus?

Dem Menschen wird so einiges erleichtert, jedoch gewinnen Smartphone und Co. an Bedeutung im Alltag. Alles wird digitalisiert, ein neues Zeitalter von Fortschritt bricht an. Doch bedeutet dies, dass Printmedien auf dem absteigenden Ast stehen? Dass die Auflagen der Zeitungen von Jahr zu Jahr sinken ist kein Geheimnis mehr, doch die Umgestaltung des Heimes könnte möglicherweise massiv dazu beitragen, dass sich der Umgang mit Medien radikal verändert. Die Sonntagszeitung wird nicht mehr beim Bäcker um die Ecke gekauft, sondern wird digitalisiert an die Wand projiziert oder erstrahlt möglicherweise als Hologramm. Jedoch wird eines feststehen, Medien egal in welcher Form werden bestehen bleiben, denn sie haben einen sehr wichtigen Platz in unserem Leben eingenommen. Was wären Politiker ohne legendäre Fernseh-Interviews oder Promis ohne Boulevardpresse. Um es nach Luhmann zu sagen, die Teilsysteme sind aufeinander angewiesen. Die Politik braucht die Medien und die Medien die Politik. Diese wechselseitige Abhängigkeit kann nicht verhindert werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Fortschritt unaufhaltsam ist, jedoch bestimmte Systeme wie die Medien bestehen bleiben. Auch wenn äußerliche Veränderungen vorgenommen werden, die nicht unbedingt kontraproduktiv sein müssen, bleibt der Kern der Kommunikation, Unterhaltung etc. in den Medien bestehen.

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Polen verabschiedet umstrittenes Mediengesetz

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medien und Politik, Medienkritik, Medienwandel, Nachrichten1 Kommentar »

Ein Kampf um die Meinungsvielfalt in den öffentlich-rechtlichen Medien und die Zukunft der kommerziellen Medien

Seit der Parlamentswahl im Oktober 2015 verfügt die  nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (“PiS”) über die absolute Mehrheit im Warschauer Parlament und verabschiedet seitdem im Eiltempo eine Reihe umstrittener Gesetze, die den polnischen Staat reformieren sollen.

Die neue nationalkonservative Regierung Polens: Ministerpräsidentin Beata Szydlo,  PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski und sein Vize Ryszard Terlecki    © dpa

Mitte Dezember wurde zunächst das alte Verfassungsgericht als Hüterin der Demokratie entmachtet. Die Arbeit der Verfassungshüter wird damit neu geregelt und erheblich erschwert. Die Regierung bestimmte bereits fünf neue Verfassungsrichter und löste damit eine Welle der Kritik von Opposition,  Medien und ausländischen Politikern aus.

Zum Jahreswechsel wurde im Eilverfahren ein neues Mediengesetz verabschiedet, dass die Säuberung der öffentlich-rechtlichen Medien und des Beamtenapparats erleichtern soll. So wird es der rechtskonservativen Regierung nun möglich sein, Direktoren der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosender zu berufen, die Zahl der Kontrollratsmitglieder der Stationen zu begrenzen und die Mandate der derzeitigen Amtsträger zu beenden.

Außenminister Waszczykowski: „Wir wollen lediglich unseren Staat von einigen Krankheiten heilen, damit er wieder genesen kann.” © REUTERS

„Wir wollen lediglich unseren Staat von einigen Krankheiten heilen, damit er wieder genesen kann“,  sagte Polens Außenminister Witold Waszczykowski der “Bild“-Zeitung. Bei den Medien sei unter der Vorgänger-Regierung ein bestimmtes linkes Politik-Konzept verfolgt worden. „Als müsse sich die Welt nach marxistischem Vorbild automatisch in nur eine Richtung bewegen – zu einem neuen Mix von Kulturen und Rassen, eine Welt aus Radfahrern und Vegetariern, die nur noch auf erneuerbare Energie setzen und gegen jede Form der Religion kämpfen.” Das habe mit traditionellen polnischen Werten nichts zu tun, so Waszcykowski.

Kurz nach Verabschiedung des Gesetzes folgte eine Rücktrittswelle im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Direktoren von vier Programmen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVP reichten ihren Rücktritt ein. Damit wollten sie offenbar ihrer Entlassung zuvorkommen, die sie durch das neue Mediengesetz befürchteten.

Nicht nur internationale Journalisten- und Medienorganisationen hatten das Gesetz scharf kritisiert. Auch EU-Kommissar Günther Oettinger sieht in Polens neuem Mediengesetz Gefahren für die Pressefreiheit.

Günther Oettinger: „Ein Intendant darf nicht ohne Angabe von Gründen entlassen werden. Das wäre Willkür.“ © dpa

Eine EU-Kommission beschäftigt sich am 13.Januar bei ihrer 1. Sitzung im neuen Jahr über die Lage in Polen. Sie sieht durch die Eingriffsmöglichkeiten der Regierung die Unabhängigkeit der Medien bedroht. Die geplante Beratung ist die Vorstufe zu einem  Prüfverfahren, das die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit durch die Mitgliedstaaten überwachen soll.

„Es spricht viel dafür, dass wir jetzt den Rechtsstaatsmechanismus aktivieren und Warschau unter Aufsicht stellen“, sagte der für Medienpolitik zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Der Rechtsstaatsmechanismus der EU wurde 2014 eingeführt und sieht einen verstärkten Dialog mit einem Mitgliedsland vor, wenn die EU-Kommission Verletzungen der Rechtsstaatlichkeit befürchtet. Wenn das Mitglied nicht auf Änderungswünsche der Kommission reagiert, droht ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen europäische Grundwerte. Bei „schwerwiegender und anhaltender Verletzung“ der im EU-Vertrag verankerten Werte kann in letzter Konsequenz das Stimmrecht des Landes bei Ministerräten und EU-Gipfeln entzogen werden. Weil diese Sanktion so hart ist, kam sie bislang nicht zum Einsatz. Diplomaten sprechen von einer „Atombombe“.

Tagesschau vom 03.01.2016 20:15 Uhr: EU Kommission droht Polen wegen Mediengesetz mit Aufsicht

 

Quellen:

http://www.tagesschau.de/thema/mediengesetz/

http://www.welt.de/politik/article150505395/Parlament-verabschiedet-umstrittenes-Mediengesetz.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/polen-das-mediengesetz-und-die-eu-polens-aussenminister-gegen-welt-aus-radfahrern-und-vegetariern/12784944.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/protest-gegen-mediengesetz-ruecktrittswelle-im-polnischen-rundfunk/12783122.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article150570603/Ist-Polen-fuer-euch-nur-Lieferant-billiger-Arbeiter.html

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„Niemand verschließt den Polen den Mund“ – Wie die polnischen Medien gegen das neue Mediengesetz protestieren

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Seit Ende Oktober bildet die konservative Partei PiS die Regierung in Polen. Nun wurde am 31.12.2015 ein neues Mediengesetz verabschiedet, nach dem sie Posten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk besetzen darf. Die polnische Medienwelt protestiert.

„In den letzten Wochen verhalten sich die Medien, als ob sie dem polnischen Staat den Krieg erklärt hätten“, sagt Prof. Andrzej Zybertowicz, Berater des polnischen Präsidenten, in der Talkshow „Puenta“. Damit reagiert er darauf, dass der Radiosender PR1 zum Protest gegen das neue Mediengesetz seit Beginn des neuen Jahres regelmäßig die polnische und die europäische Hymne sendet.

Proteste in Radio und Fernsehen

Außerdem sind vier bedeutende Figuren des polnischen Fernsehens zurückgetreten.
Eine von ihnen ist Katarzyna Janowska, die den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender „TVP Kultura“ leitete. Sie verabschiedete sich auf Facebook von katarzynajanowskafbihren Zuschauern und postete dazu ein Bild, auf dem zu lesen ist: „Nie lekajcie sie!“, zu Deutsch: „Habt keine Angst!“.

Tomasz Lis, ein polnischer Journalist, der eine bedeutende Talkshow leitete, trat ebenfalls zurück. Er verabschiedete sich mit einem offenen Brief auf der Internetseite naTemat.pl vom öffentlich-rechtlichen Fernsehsender „TVP“ und wendete sich an den künftigen Senderchef, Europaabgeordneten Jacek Kurski, und bat ihn, die Mitarbeit am neuen Staatsfernsehen zu überdenken. Der Brief endet mit den Worten: „Niemand verschließt den Polen den Mund. Niemand verschließt mir den Mund. Auf Wiedersehen.“

Oettinger will Aufsicht für Warschau

Günther Oettinger, der für Medienpolitik zuständige EU-Kommissar, sprach sich dafür aus, den Rechtsstaatsmechanismus zu aktivieren und Warschau zu beaufsichtigen. In Deutschland ist die Verstaatlichung des Rundfunks mit dem 1. Rundfunkurteil von 1961 verboten worden. Viele polnische Bürger sehen die junge Demokratie in ihrem Land durch die Entscheidungen der neuen Regierung bedroht und demonstrieren. Mit der Verstaatlichung der Medien stehen die Werte der EU und damit Grundpfeiler der Demokratie auf dem Spiel, die es zu schützen gilt.

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Verlängerter Ausnahmezustand in Frankreich – das Volk zwischen Sicherheit und Kontrolle

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Nach den terroristischen Attacken in Paris, die von der Terror-Miliz Islamischer Staat verübt wurden, in der Nacht des 14.11.2015, rief der französische Präsident Hollande unmittelbar nach diesem Massaker den Ausnahmezustand für Frankreich aus und mobilisierte alle französischen Streitkräfte. Hätte jemand gedacht, dieser Zustand hält nur wenige Tage oder Wochen an, so irrt er sich. Hollande gab bekannt, dass Frankreich bis zum 26. Februar 2016 in dieser „speziellen“ Situation beharren wird.

Was genau passiert während diesem Ausnahmezustand nach Gesetz Nummer 55-385?

Dieser Ausnahmezustand bewirkt, dass dem Staat- genauer gesagt den Präfekten der Departements, dem Innenminister, der Justizministerin, de Verteidigungsminister und  den ausführenden Behörden zusätzliche Rechte und Handlungsfreiheiten ermöglicht werden und schränkt dabei in diesem Zusammenhang die Grundgerechte ein. Zusätzliche Rechte sind die Verhängung von Ausgangssperren, Schließung von so mancher Geschäfte und Locations, Hausdurchsuchungen zu jeder Tages- und Nachtzeit, die nun ohne richterlichen Beschluss ausgeführt werden dürfen, Demonstrations- und Versammlungsverbote und die Kontrolle und Bewachung der Presse und anderen Veröffentlichungsorgane.

Eher umstritten ist die Tatsache, dass Personen, bei denen ein Verdacht zu terroristischen Beziehungen besteht, abgeschoben werden dürfen, obwohl dies nicht gesetzlich fixiert ist.

Das erste Mal wurde dieser Ausnahmezustand während dem Algerien-Krieg vor 50 Jahren verhängt und seitdem schließlich nur zweimal: 1985 während Unruhen auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe Neukaledonien und 2005 bei ausgearteten Demonstrationen in französischen Vorstädten.

Aktuelle staatliche Handlungen unter diesem Ausnahmezustand

Seit den terroristischen Anschlägen der IS in Paris wurden mehr als 150 Durchsuchungen (Zahl steigt an) in verdächtigen Bezirken durchgeführt, unter anderem in Lyon, Toulouse und Grenoble. Es gab darüber hinaus mehrere Verhaftungen und es kam zur Schließung mehrerer Moscheen und Vereinen, „die die Werte der Republik angreifen“.

Man einigte sich bei der national verhängten Ausgangssperre auf 12 Stunden, die ab 20:00 Uhr beginnen soll. Zwar ist die französische Regierung momentan dazu in der Lage die Presse- und Meinungsfreiheit einzuschränken, doch Frankreich hält sich von einer derartigen Maßnahme fern.

„Französisches Guantánamo“?

Guantánamo ist eines der berühmt berüchtigsten Gefängnislagern Amerikas und dessen Errichtung wurde nach dem Terrorakt am 11.09.2001 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush angeordnet. Den Gefangenen dort, denen terroristische Handlungen angehängt werden, entzog man die Rechte, die nach den Bestimmungen der Genfer Konvention von 1949 beschlossen wurden. Diese Rechte gelten für (Kriegs-)Gefangene, George W. Bush allerdings stufte die Guantánamo- Häftlinge als „illegale Kämpfer“ ein. Auch entzog man ihnen das Verfassungsrecht zum Schutz vor staatlicher Willkür („habeas corpus“), welches besagt, dass niemand ohne richterlichen Befehl verhaftet und länger als zwei Tage verhört werden darf. Schon ewig diskutiert man über dieses Häftlingslager und die Menschen unwürdigen Behandlungen, die dort stattfinden und die Häftlinge auch nach einer (selten vorkommenden) Entlassung schwer schädigen. Auch der Oberste Gerichtshof der USA befasste sich schon einige Male mit der Rechtslage Guantánamos und Obama hat seit Beginn seiner Amtszeit für ihre Schließung plädiert, doch Veränderungen gibt es auch nach all diesen Jahren nicht.

Nun befürchten viele ein „französisches Guantánamo“, was darauf zurückzuführen ist, dass das französische Justizministerium islamistische Terroristen in Sonderhaftanstalten unterbringen will. Die Angst, Islamisten würden in gewöhnlichen Gefängnissen nach neuem Nachwuchs suchen, die schließlich an deren Seite kämpfen könnten, ist groß. Bestes Beispiel dafür sind Chérif Kouchi und Amedy Coulibaly, die in den Terrorakten auf „Charlie Hebdo“ im Januar verwickelt waren. Um also den Einflussbereichen dieser Islamisten zu schwächen, will man sie nicht in die Nähe wütender und leicht beeindruckender Kleinkrimineller lassen. In Paris, wo gegenwärtig 152 als gewalttätig eingestufte Fanatiker inhaftiert sind, sollen vier isolierte Trakte/ Gefängnisse errichtet werden.

Als eine Art Probe existiert seit Oktober des vergangenen Jahres schon eine derartige Einrichtung für Islamisten, in der sich zurzeit 23 Inhaftierte befinden. Die Meinungen über die Errichtung einer Sonderanstalt gehen auseinander. So hat Frankreichs liberale Justizministerin Christiane Taubira Bedenken und Mitglieder des Ministeriums reden abfällig über ein mögliches „französisches Guantánamo“.

 

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Häftlinge blicken durch die Gitter des Marseiller Gefängnisses Les Baumettes.  Foto: REUTERS

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Gestreut – Gelesen – Geglaubt

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik1 Kommentar »

Vor Allem in den letzten Wochen stolpert man immer häufiger über den Vorwurf, die hiesigen Flüchtlinge stünden in engem Kontakt zu kriminellen Taten, wie Diebstahl, Vandalismus, sexuellen Übergriffen und Gewalttaten. Kunden klagen über Lebensmittelknappheit in den Supermärkten, Sozial- und Frauenverbände melden vermehrte sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen, und Passanten berichten über Angriffe auf offener Straße.
Klar ist auf jeden Fall: Die Gerüchteküche brodelt. Was allerdings weniger klar ist, ist, was von den Berichten tatsächlich der Wahrheit entspricht.

 

Bei Prüfung eben jener Gerüchte wird schnell klar, dass die meisten keinerlei Bezug zur Realität haben und nur zu einem Bestimmten Zweck verbreitet werden. Wie dieser Zweck genau aussieht lässt sich mit Sicherheit zwar nicht sagen, doch gibt es einige schlüssige Theorien, wie beispielsweise die des Kommunikationswissenschaftlers Matthias Kohring:

            „Gerüchte tauchen dann auf, wenn die Menschen Situationen besonders bedrohlich
empfinden, das heißt Situationen, in denen sie nach Orientierung verlangen“

Demnach wären die Gerüchtestreuer bloß unsicher und verängstigt, angesichts der gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen und suchten dabei letztendlich nach Solidarität und Unterstützung aus den eigenen Reihen. Besonders großes Angstpotential gehe laut Kohring von Vergewaltigungsgerüchten aus:

            „Sie haben etwas mit der Integrität der Familie zu tun, mit dem letzten Zufluchtsort
der Menschen. Sie haben aber auch etwas damit zu tun, dass eine Kultur bedroht ist
und deswegen sind das die Gerüchte, die Ängste auslösen können.

 

Demnach müsste man den Gerüchtestreuern letztendlich die Angst vor den Auswirkungen des Flüchtlingsstroms nehmen, was durch zahlreiche Gegendarstellungen und Statistiken – welche belegen, dass Flüchtlinge keine erhöhte Kriminalitätsrate verursachen – bereits versucht wird. Die Medien stoßen an diesem Punkt allerdings an ihre Grenzen, denn während sich durch vermeintlich glaubhafte Zeugenaussagen Ängste in der Gesellschaft ausbreiten, kann den Medien schnell unterstellt werden, mit Gegendarstellungen nur eine aufkommende Hysterie ausbremsen zu wollen. Dadurch und besonders unter den Vorwürfen einer „Lügenpresse“ leidet die Glaubwürdigkeit der Medien massiv. Und dies vielleicht mit ernsten Folgen für die deutsche Gesellschaft.

 

Quellen:

Medien: Machtlos gegen Flüchtlingsgerüchte? in:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Medien-Machtlos-gegen-Fluechtlingsgeruechte,geruechte108.html  (Stand 25.11.2015)

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Wut statt Vertrauen

geschrieben von in Fernsehen, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Deutsche Medien sehen sich immer mehr der Kritik ausgesetzt, dass sie nicht unabhängig und unglaubwürdig seien. Diese Begebenheit scheint keine kurzfristig Verdrossenheit von Einzelnen darzustellen, sondern macht einen großen Teil der Bevölkerung aus.

Der Begriff der ,,Lügenpresse“, welcher in der deutschen Geschichte des öfteren aufgetreten ist und wohl am stärksten bei Joseph Goebbels Nazi-Propaganda zum Vorschein trat, begibt sich wieder in den Sprachgebrauch vieler. Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass der Begriff nicht nur auf Pegida-Demonstrationen skandiert wird, sondern ein Fünftel der wahlberechtigten Bevölkerung in Deutschland ihn verwenden würde, wenn es um deutsche Medien geht.  Somit ist das Unwort des Jahres 2014, welches sonst vermehrt in rechten Kreisen verwendet wurde, wieder im Munde eines nicht zu vernachlässigenden Teils der Deutschen.

Das Vertrauen gegenüber den Medien ist in weiten Teilen der Bevölkerung tief erschüttert. Nur etwa die Hälfte der Bürger hält die deutschen Medien für glaubwürdig. Dies resultierte gerade aus Ereignissen, bei denen die Berichterstattung selbst starker Kritik ausgesetzt wurde. Im Falle des Ukraine-Konfliktes wurde die Glaubwürdigkeit und damit auch das Vertrauen in die Medien nachhaltig geschädigtFür 37% der Deutschen ist das Vertrauen in die Medien in den letzten Jahren gesunken.

Für ein konkretes, wenn auch extremes, Beispiel für Misstrauen sorgt der Bericht des ZDF morgenmagazins, welcher den Kontakt der Teilnehmer, der mittwöchlichen AfD-Kundgebung in Erfurt, mit der Moderatorin Dunja Hayali zeigt. Der gekürzte Bericht wurde aufgrund zahlreicher Zensur- und Manipulations-Vorwürfe nochmals in voller Länge auf Facebook und in der ZDF-Mediathek hochgeladen.

Sicherlich wird bei einer solchen Kundgebung kein objektiver Schnitt durch die deutsche Gesellschaft gezogen, jedoch ist bedenklich, dass Teile des Publikums einen verzweifelten Eindruck machen. Sie fühlen sich nicht verstanden und betonen, nicht etwa Nazis oder AfD-Anhänger zu sein, sondern dass ihnen ein Medium fehlt, das ihre Gedanken und Ängste vertritt.

Höchstwahrscheinlich ist das Gros der Teilnehmer einer solchen Veranstaltung nicht mehr belehrbar, jedoch sollte jeder aufschrecken, wenn das voranschreitende Misstrauen in Medien zum präferieren extremer Ansichten führt.

 

 

Attentate – Gerüchte, voreilige Schlüsse und ihr Einfluss auf die Menschen

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Seit geraumer Zeit, insbesondere seit den rezenten Ereignissen in Paris, sind wir beinahe täglich mit neuen Berichten von Attentaten, Verdächtigen, verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und, sieht man sich auf sozialen Netzwerken um, einer scheinbar wachsenden Angst konfrontiert.

Durch die eigentliche Wahrheitspflicht der Medien werden diese Meldungen von der Bevölkerung oft nicht hinterfragt – doch inwiefern kann man sich auf die Richtigkeit jener Meldungen verlassen? Wie oft handelt es sich um tatächliche Fakten und wann fangen Gerüchte und voreilige Schlüsse an in den Vordergrund zu treten?

Der folgende Artikel listet einige Beispiele auf, die die Wichtigkeit seriöser Recherche verdeutlichen.

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Lady Liberty und Hitlergruß: Ist Deutschland bereit für eine solche Werbung?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medien und PolitikKommentare deaktiviert für Lady Liberty und Hitlergruß: Ist Deutschland bereit für eine solche Werbung?

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Die Freiheitsstatue, das Symbol für die traditionellen Werte der USA, wie Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung, mit Nazi-Schärpe und den Hitlergruß ausführend.
Solche Plakate zeigt Amazon zur Zeit in den den Straßen New Yorks und bewirbt damit die neue, für den eigenen Streamingdienst „Prime“ produzierte Serie „ The man in the high castle“.

Jene Serie, basierend auf dem im Original gleichnamigem Roman (im deutschen: „Das Orakel vom Berge“) von Philip K. Dick aus dem Jahre 1962, spielt in einer fiktiven Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, welchen Nazi-Deutschland und die Achsenmächte gewonnen haben und im Folgenden die USA unter sich aufgeteilt haben.

Auch hierzulande bietet Amazon die Serie als Stream an. Beworben wird sie hier jedoch nicht mit oben genanntem Plakat. Die deutsche Version zeigt schlicht das mit Kugeln beschossene Konterfei George Washingtons, dem ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Aber warum? Warum wurde das deutsche Plakat zensiert? Sind wir Deutsche denn 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges immer noch so ängstlich gegenüber der Darstellung von Nazi Symbolen?

Zuerst muss gesagt werden, dass das Verwenden von verfassungsfeindlichen Symbolen, zu denen auch das Hakenkreuz, sowie die Hakenkreuzfahne zählen, in §86a des Strafgesetzbuches, verboten ist.

Jedoch ist es in allen Lebensbereichen omnipräsent. Seien es Abbildungen in Schul- oder Geschichtsbüchern, Filme welche sich um Nazis oder den zweiten Weltkrieg drehen usw.
Zu solchen Zwecken ist seine Darstellung auch erlaubt.

Warum aber diese Angst vor dem Hakenkreuz?

Zum einen ist da die moralische und historische Verantwortlichkeit der Deutschen gegenüber den Opfern der Nationalsozialisten. Eine Verwendung deren Symbole zu rein unterhaltenden oder provokativen Zwecken vermittelt eine gewisse Gleichgültigkeit den Opfern gegenüber.
Zudem fühlen sich viele Deutsche durch die Darstellung eines Hakenkreuzes angegriffen. Sie befürchten, dass der Eindruck entstünde, wir Deutschen würden uns noch immer mit seiner Symbolik identifizieren und somit an den Rest der Welt vermitteln, immer noch Nazis zu sein.

Nüchtern betrachtet ist das Hakenkreuz jedoch nichts weiter als ein Symbol. Seine eigentliche Bedeutung erhält es erst durch den Kontext, in welchem es verwendet wird: So gilt es beispielsweiße in östlichen Religionen, wie etwa dem Buddhismus oder Hinduismus, als Glückssymbol.
Und selbst wenn es im Bezug zum Dritten Reich steht und in der heutigen Bundesrepublik auf einem Werbeplakat zu sehen ist, lässt sich dadurch noch nicht verallgemeinernd ableiten, dass die Deutschen immer noch nationalsozialistisches Gedankengut gutheißen und fördern.

Deshalb wird es 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in einem Deutschland, das sich zu Demokratie und Menschenrechte bekennt, im europäischen Einigungsprozess eine aktive Rolle innehatte und den Frieden in der Welt fördert, Zeit, die Angst vor den Zeichen der Vergangenheit abzulegen.

 

Abschließen und entgegen aller Kontroversen, dieses sensible Thema hervorbringt, sollte jedoch die Absicht dieser Werbeplakate seitens Amazons hervorgehoben werden: Provokation!

Denn durch sie wird eine Diskussion über die moralische Verwerflichkeit einer solchen Werbeaktion in der Öffentlichkeit erregt, welche vor allem eines bewirkt: Aufmerksamkeit für Amazons neue Serie!

Bildquelle: dpa

 

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