Urlaub machen in Nordkorea – „Darf er das?“

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Medienkritik, Nachrichten, Weblogs, Zukunft des InternetKeine Kommentare »

Sonnen auf Mallorca, Tauchen in Thailand, Surfurlaub in…Nordkorea?

Was sich für viele von uns wahrscheinlich nach einem Anflug von Größenwahnsinn anhört, ist genau das was YouTuber und Creator Louis Cole aka „Fun for Louis“ im August vergangenen Jahres getan hat.

Louis Cole ist ein 33 jähriger britischer Filmemacher und Videoblogger aus Surrey, England, der mit seinen Videos rund um und während seiner Reisen sein Motto und Marke „Live the Adventure“ („Lebe das Abenteuer“) geprägt hat. Mit seinen 1,8 Millionen Abonnenten auf YouTube spricht Cole eine erwähnenswerte Menge an Jugendlicher und junger Erwachsener an und kann somit durchaus von seinem Hobby leben.

                                                                                           

Was macht man nun mit seinem hart erarbeiteten Geld? Richtig. Ausgeben. Und wo? Wie wäre es mit einem entspannten Kurztrip nach Nordkorea um beim Surfen einfach mal die Seele baumeln zu lassen? Kim Jong-Und ab in den Urlaub!

Im August 2016 begann Louis seine 10-tägige Vlogserie in Nordkorea mit einigen Freunden die mit einer Surf-Organisation in Verbindung getreten sind und diese Reise möglich gemacht haben. Der Veranstalter der Reise bot nun schon zum dritten mal diese Surfschule an, reist aber privat schon seit 17 Jahren nach Nordkorea um ehrenamtlich dort zu arbeiten. Obwohl er nicht von der Regierung engagiert ist, arbeitet er wohl mit ihr zusammen beziehungsweise findet eine positive Kommunikation statt.

Louis unternimmt in seinen Vlogs wie immer zahlreiche Ausflüge unter anderem ein Besuch in einem Wasserpark, Surfen mit „Local surfer chicks“ sowie diverse Tours für Touristen.

Was nun folgt war wohl eher weniger Fun für Louis:

YouTube Stars Are Now Being Used for North Korean Propaganda“ – Vanity Fair

(„YouTube Stars werden jetzt für nordkoreanische Propaganda benutzt“)

„Louis Cole’s Merry North Korea Adventure“ – Human Rights Watch

(„Louis Cole’s fröhliches Nordkorea Abenteuer“)

„You can’t vlog in North Korea and call it apolitical“ – The Verge

(„Man kann nicht in Nordkorea vloggen und behaupten es sei unpolitisch.“)

 

Der einzige Begriff der hier angebracht zu sein scheint ist „shit storm“, netter ausgedrückt eine gewaltige Empörungswelle. Nachrichten und Medien rissen Cole in Stücke, warfen im dubiose Machenschaften mit der nordkoreanischen Regierung vor, behaupteten sogar er wäre für die angeblichen Propagandavideos bezahlt worden.

Warum nun also all das auf sich nehmen? Louis sagt, er möchte die „wunderschönen und positiven Dinge suchen, mit Einwohnern Kontakt knüpfen und über die Kultur und das Land lernen“. Er betont außerdem, dass er davon ausging, dass seine Zuschauer über ein Basiswissen über Nordkorea verfügen und somit nicht vollständig vom positiven Schein seiner Videos geprägt werden.Jedoch gab es leise Stimmen im Hintergrund die das Ereignis mit etwas mehr Offenheit betrachtet haben. Was ist, wenn Louis nur zeigen wollte, dass die Menschen die in Nordkorea leben nette freundliche und herzensgute Menschen sind? Dass nicht alle Nordkoreaner die Mentalität ihres Regimes haben? Dass das Land mit seinen Traditionen und wunderschöner Landschaft es nicht verdient hat nur von dem Größenwahnsinn seines Anführers beschattet zu werden?

Diese Stimmen wurden immer lauter und endeten in einem BONCA („British Online Creator Award“) für „Travel Video of the year“, den Louis nur zu gerne entgegennahm.

Die Frage, die sich auch schon deutscher Comedy-Nachwuchs Chris Tall gestellt hat, lautet : Darf er das? Als jemand der tagtäglich die Medien als Plattform nutzt um Ideen und Erlebnisse zu teilen, sogar davon leben kann und mindestens 1,8 Millionen Menschen damit erreicht, darf man in eins der meist unterdrückten Länder mit einer der höchsten Raten an Menschenrechtsverletzungen reisen, dort Urlaub machen ohne die Missstände und offensichtlichen Probleme anzusprechen? Oder sollte man das Land, was viel älter ist als seine aktuellen Probleme, nicht dafür bestrafen, dass ein psychisch labiler Mensch es wahrscheinlich zu der meist gefürchtetsten Nation weltweit gemacht hat? Sollte man nicht versuchen, die Schönheit, Traditionen und Menschen in den Vordergrund zu stellen und die Angst und Scheu zu nehmen?

Meiner Meinung nach, darf man nicht ignorieren, dass Louis Cole in seinen Vlogs nur das gezeigt hat und zeigen konnte, was die Regierung preis geben wollte. Aber das weiß er auch. In seinem Statement-Video „MY RESPONSE…“ erklärt der Brite, dass er ganz und gar nicht mit den nordkoreanischen Ideologien übereinstimmt und dass er weiß, dass es diskutabel ist was von dem was er gesehen hat eine wahre realistische Wiedergabe des Landes ist.

Als Person mit so viel Einfluss online, ein Ort, und das ist für mich indiskutabel, in unserer heutigen Welt und in dieser Generation der größte Informationsaustausch und dadurch auch die größte Meinungsbildung stattfindet, hat man vorsichtig zu sein mit dem was man zeigt. Das Internet vergisst nicht und vergeben tut es schon mal gar nicht! Auch wenn Louis sagt, er verfolge keine politische Aufklärung in seiner Arbeit und wer das suche, für den gäbe es bessere Portale im Internet um dies zu finden, darf man dies doch belächeln und wie The Verge sagen: man kann keine Videos in einem Land wie Nordkorea drehen und dann behaupten es hätte nichts mit Politik zu tun.

Schlussendlich soll der liebe Louis machen was er will. Was wirklich zählt? Nordkorea zu dem Land zu machen was es sein kann, und die Leute zu dem zu machen was sie verdient haben: frei!

libertyinnorthkorea.org/ ist eine von vielen Organisationen die sich den Flüchtlingen und der generellen Befreiung dieses kontroversen Landes widmen. Also an alle Menschen die sich die Zeit genommen haben anonym Louis Cole verbal in den Hintern zu treten: wenigstens hat er etwas gemacht, wenigstens hat er etwas bewegt, wenigstens hat er eine Unterhaltung gestartet. Also weg von der Kommentarfunktion auf YouTube und nutzt das Internet für das was es kann: etwas bewegen!

 

 

 

Textquellen:

https://www.youtube.com/channel/UCVrvnobbNGGMsS5n2mJwfOg

www.youtube.com/watch?v=VmCpTzA6SKc&list=PLKdBO8TXUFBgaqcNCd8xyokjUFEdUu9LU

https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Cole

https://www.youtube.com/watch?v=8U1ZGMDlASA

http://www.vanityfair.com/culture/2016/08/louis-cole-vlogger-north-korea

http://www.theverge.com/2016/8/19/12543958/louis-cole-north-korea-vlogger-youtube

www.funforlouismap.com/2017/01/02/i-won-award-for-north-korea-videos/

https://www.hrw.org/news/2016/09/20/louis-coles-merry-north-korea-adventure

http://www.libertyinnorthkorea.org/

http://www.boncasawards.com/

https://www.youtube.com/watch?v=nwAL06N3XX4

https://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea

Bildquellen:

https://pbs.twimg.com/media/CzVnzoqWQAAnsMW.jpg

http://img.koreatimes.co.kr/upload/newsV2/images/450water.jpg

http://www.funforlouismap.com/wp-content/uploads/2016/08/breaking-barriers-north-korea-da-1260×600.jpg

https://i.ytimg.com/vi/efqRUmazxBU/maxresdefault.jpg

 

Schlagwörter: , , ,

Bildmanipulation in den Medien

geschrieben von in Allgemeines, Internet und Politik, Medien und Politik, WeblogsKommentare deaktiviert für Bildmanipulation in den Medien

Der Begriff Bildmanipulation beschreibt eine Veränderung oder eine Manipulation eines Bildes oder Fotos um den Sachverhalt der sich darauf bezieht zu verändern, wodurch diese Bilder eine Wirklichkeit an die Rezipienten vermitteln, die so nie geschehen ist.

Ein Beispiel eines solchen Falles zeigen die beiden folgenden Bilder des Massakers von Luxor. Hier wurde das Originalbild so manipuliert, dass die Wasserpfütze aussieht, wie eine Blutspur um den eigentlichen Sachverhalt zu dramatisieren:

massaker-von-luxor

Man kann darin unterscheiden, ob ein Foto schon vor der Aufnahme (durch Inszenierung), während der Aufnahme (Bsp.: durch Mehrfachbelichtung) oder nach der Aufnahme (Bsp.: durch Bildbearbeitung) manipuliert wird.

Grundsätzlich ist es schon seit dem 19. Jahrhundert durch technische oder kompositorische Tricks, wie beispielsweise die Fotomontage oder Komposografie möglich Fotos zu verändern, doch Techniken wie diese verlangten ein gewisses Knowhow von den Fotografen. Dank der fortgeschrittenen Entwicklung im Bereich elektronische Bildverarbeitung ist heute jeder in der Lage mit ein wenig Übung Bilder so zu bearbeiten, dass diese Manipulationen für ein ungeschultes Auge kaum zu ergreifen sind. Wie einfach es ist Bilder mithilfe digitaler Bildbearbeitungsprogramme zu verändern zeigt folgendes Video:

Dieses Video bezieht sich auf den ästhetischen Aspekt, welcher oft in der Werbung eine Rolle spielt um Schönheitsfehler zu retuschieren. Viel drastischer ist es jedoch wenn manipulierte Bilder Einfluss auf politische Angelegenheiten ausüben, indem sie in einen falschen Kontext gestellt werden (Bsp.: Massaker von Luxor), Personen herausgeschnitten werden (Bsp.: Stalin ließ ungarischen Revolutionär aus Bildern schneiden) oder bestimmte Szenen inszeniert werden (Bsp.: Treffen zwischen Viktor Orban und Helmut Kohl) um Tatsachen anders darzustellen, als sie eigentlich sind. Die Tatsache, dass Bilder manipuliert werden um breite Massen zu beeinflussen resultiert daraus, dass der Durchschnittsbürger dazu neigt Bilder als Beweis der Realität anzuerkennen ohne daran zu denken, dass fast alle Bilder die heute durch die Medien suggeriert werden in irgendeiner Form bearbeitet sind.

Die Frage die hieraus resultiert ist inwieweit Bilder heutzutage überhaupt noch glaubwürdig sind, wenn es doch für jeden möglich ist, sie in fast unvorstellbarem Ausmaß zu bearbeiten?

In diesem Zusammenhang muss beachtet werden, dass es im Journalismus erlaubte Veränderungen gibt wie beispielweise Zoomen, Änderung des Winkels, Graustufen etc. und nicht erlaubte Veränderungen wie Fotomontage und Inszenierungen. Im letzteren Falle müssten Fotos an denen diese Methoden angewendet wurde bei der Veröffentlichung mit einem [M] gekennzeichnet werden, doch problematischer Weise wird dies in vielen Fällen nicht getan. Außerdem gibt es keine gesetzliche Regelung die über solche Fälle entscheidet, denn ob eine Bildbearbeitung legitim ist hängt immer vom jeweiligen Einzelfall ab. Trotz der Versuche den Beweischarakter der durch die Medien suggerierten Bilder durch Methoden wie digitale Negative, digitale Wasserzeichen oder digitale Bildforensik zu gewährleisten, muss jeder Rezipient sich darüber im klaren sein, dass man sich in den meisten Fällen nicht sicher sein kann in wie weit eine Fotografie die Wahrheit widerspiegelt.

 

Quellen:

http://www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/Bildmanipulation.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Fotomanipulation

http://www.rhetorik.ch/Bildmanipulation/Bildmanipulation.html

http://www.spiegel.de/einestages/manipulierte-bilder-a-947326.html

Bildmanipulation in den Medien

 

 

 

 

 

ALLES sehen, ALLES teilen, ALLES wissen – das nun auch in Echtzeit

geschrieben von in Internet, Internet und PolitikKommentare deaktiviert für ALLES sehen, ALLES teilen, ALLES wissen – das nun auch in Echtzeit

“Facebook Live”, dass wird neuen Schwung und noch mehr Leben auf die blau-weißen, virtuellen Seiten bringen, verspricht sich Gründer Mark Zuckerberg von seiner neuen App. Mit dieser können Mitglieder der Onlinecommunity mit ihrem Smartphone einen Livestream teilen und auch für die Nachwelt festhalten.
facebook-live-logo2-1920
Facebook ist nicht nur ein Konzerngigant der Neuzeit, nein das Netzwerk hat sich mittlerweile auch stark in das soziale Gefüge unserer Gesellschaft eingewebt. Dies zeigt sich unter Anderem in sofern, dass 1.788 Millionen Menschen täglich die Seite weltweit aufsuchen und davon sind 21 Millionen Deutsche. Je mehr treue “User” existieren, desto stärker muss sich der Betreiber der Website Regularien überlegen, damit die Sicherheit für den Nutzer weiterhin gewährleistet werden kann (sofern man den momentanen Zustand auf den Seiten als sicher bezeichnen darf).

Stillstand darf sich jedoch niemand erlauben.Den kontinuierlich wachsenden Markt könnte man schon fast mit Darwins “Survival of the Fittest“ beschreiben, denn nur die Starken und die die sich stets neu erfinden, können im “Socialmediajungle” überleben.

Doch was es für Konsequenzen nach sich ziehen kann, wenn die 1,04Milliarden täglichen Nutzer 24/7 die Möglichkeit haben, ungefiltert aus ihrem Leben in Echtzeit in das World Wide Web zu streamen, zeigte sich nicht zuletzt durch den Vorfall am 13.06.2016. Dort wurden die, die zur rechten Zeit, den rechten Klick getätigt hatten, Teil eines absurden Szenarios, welches sich im Pariser Vorort Magnanville abspielte.

Der Täter namens Abballa filmte sich mit seinem Handy, nachdem er in die Wohnung eines Polizisten eingedrungen war und den Polizisten sowie seine Frau ermordet hatte. Die Frage, was er nur jetzt mit dem Sohn anstellen solle, fragte er sein Publikum, welches dank live Übertragung Teil des schrecklichen Geschehens wurde.

06-facebook-live-2-w600-h315-2x
Natürlich wurde das Video mittlerweile gelöscht und noch mehr Mitarbeiter darauf angesetzt die Lifestreams zu kontrollieren. Dennoch bleibt es weiterhin unmöglich jedes Foto, jeden Kommentar und nun auch noch jeden Stream so zu filtern, dass es nicht noch einmal zu so einem Vorfall kommen kann.

Facebook promotet die neue Applikation der Website stets weiter und investiert in Werbepartner, die die Erweiterung des Mediums der breiten Massen schmackhaft machen sollen.

Ob wir bald dem alten Klassenkameraden live bei seinem Dinner am Strand von Brisbane, der Cousine dritten Grades bei ihrem Bootsausflug in der Karibik oder dem alten Chef bei seinem Familien Picknick im Harz zugucken dürfen, wird sich wohl mit der Zeit zeigen.Ob man das wirklich braucht und möchte, ist eine andere Frage.

Zu hoffen ist nur, dass Attentäter wie Abballa durch “Facebook Live” keine neue Bühne für ihre kriminellen und brutalen Machenschaften gefunden haben.

 

Diona Bathily

 

Quellen

Die ersten offiziellen Facebook-Nutzerzahlen für das Jahr 2016

Offizielle Facebook Nutzerzahlen für Deutschland (Stand: Februar 2016)

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-livevideo-von-anschlag-in-frankreich-machtlos-gegen-gewalt-a-1097727.html

http://www.rp-online.de/digitales/smartphones/streaming-funktion-facebook-live-fuer-alle-user-freigeschaltet-aid-1.5883980

http://pixel.nymag.com/imgs/daily/following/2016/04/06/06-facebook-live-2.w600.h315.2x.jpg

http://behindthelenscap.nl/wp-content/uploads/2016/06/facebook-live-logo2-1920.jpg

Schlagwörter: , , , , ,

Trump und die Suche nach Musik

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Für einen populistischen Wahlkamp, wie ihn Donald Trump in den USA führt, bräuchte es eigentlich auch die passende, fesselnde und „populäre“ Musik. Jedoch sträuben sich bekannte Musiker, dessen Songs ungefragt bei Wahlkampfveranstaltungen benutzt wurden, dies zuzulassen. Merkwürdig, dabei würden sie doch einen, so auf dem Boden gebliebenen, rechtspopulistischen Rassisten unterstützen, wer will das denn nicht? Viele.

Den Anfang machte Neil Young, welcher die große Ehre hatte mit seinem Song „Rockin’ in the free world“ Donald Trumps Kandidatur einzuleiten. Jedoch ohne Erlaubnis, teilte Youngs-Managment mit. Zu diesem Zeitpunkt konnte man noch denken/hoffen, dass die Kandidatur nur ein schlechter Scherz ist, aber es ging weiter auch musikalisch. Der bekennende Republikaner Steven Tyler von Aerosmith will nicht mit dem Wahlkampf in Verbindung gebracht werden und wehrt sich gegen die Nutzung seines Songs ,,Dream on“. So auch R.E.M., AdeleElton John und die Rolling Stones.

Das Gute für Trump ist wohl, dass es genug Hits gibt, die wenigstens einmal bei seinen Veranstaltungen gespielt werden können. Zudem mediales Aufsehen, durch unerlaubtes Benutzen von bekannten Lieder, ist trotzdem mediales Aufsehen! Aber vielleicht dürfen wir uns auch weiterhin auf Auftritt von den USA Freedom Kids freuen, welche Songs extra für Donald Trump singen und bei gleichbleibender Qualität wohl eine „Viral-Garantie“ haben.

In diesem Sinne: USA, USA, USA

 

YouTuber wegen Volksverhetzung verurteilt

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Medien und Politik1 Kommentar »

Julien ist ein bekannter YouTuber aus Deutschland mit knapp 1,3 Millionen Abonnenten auf YouTube (JuliensBlog).
Auf seinem Kanal setzt sich der 27-Jährige unter anderem mit der Gesellschaft und den Massenmedien auseinander. Seine Äußerungen zu bestimmten Themen sind des Öfteren beleidigend und eher unprofessionell formuliert. Seine Art in den Videos aufzutreten wird von Kritikern als hetzend und desinformierend beschrieben.

Aufgrund eines im Mai des vergangenen Jahres veröffentlichten Videos musste der YouTuber nun wegen Volksverhetzung vor Gericht. In seinem Video „JuliensBlog #21 – GDL (Bahnstreik)“ äußert sich Julien sehr negativ und beleidigend zu diesem Thema. In dem knapp 5 minütigen Video beleidigt er die Lokführer und ärgert sich über dessen Forderungen an den Arbeitgeber. Eine bestimmte Aussage jedoch, führte am vergangenen Mittwoch nun zu einem Urteil des Gerichts, indem beschlossen wurde, dass der 27-Jährige für 8 Monate auf Bewährung und 15.000€ Geldstrafe verurteilt wird. Im oben genannten Video sagt der YouTuber folgendes:

„Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst ihr noch, wie die Juden mit Zügen nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dahin bringen. Ich fahre den Zug, und zwar umsonst.“

Scheinbar sollte diese Aussage mehr Klicks und damit verbunden auch mehr Einnahmen auf YouTube generieren. Doch sie führte dazu, dass das Video, nachdem es knapp 800.000 Klicks erhalten hatte, von YouTube gesperrt wurde. Vor Gericht versucht Julien mit Hilfe seines Anwalts zu erklären, dass es nur ein Witz war. Jedoch sah das Gericht dies ganz anders. Die Verharmlosung von NS-Verbrechen als Volksverhetzung steht nämlich im Paragraf 130, Absatz 3 des Strafgesetzbuchs unter Strafe.

§ 130 Absatz 3 StGB:

„Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.“

Ob diese Strafe nun gerecht ist oder nicht, darüber wird sich momentan auf Twitter und auf anderen sozialen Netzwerken gestritten. Der Hashtag #juliensblog ist bereits seit 17 Stunden in den Twitter-Trends. (Stand: 12.02.2016, 17:10 Uhr)

 

Quellen:
• http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Steinfurt/Westerkappeln/2271016-Youtube-Star-Julien-verurteilt-Volksverhetzung-statt-Videokunst
• https://de.wikipedia.org/wiki/Julien_Sewering

Schlagwörter: , , , , , ,

Eine Tücke sozialer Medien

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Der Fall schlug in den letzten Tagen hohe Wellen: ein junger Flüchtling soll angeblich einen Herzstillstand erlitten haben, nachdem er sich durch die Kälte und das lange Warten vor dem Landesamt für Soziales und Gesundheit (LaGeSo) in Berlin eine Mandelentzündung zugezogen habe. Ein ehrenamtlicher Helfer verbreitete diese Nachricht auf seinem Facebook-Profil.

Laut SWR3 soll er auch einer befreundeten Kollegin von diesem Vorfall geschrieben haben, die daraufhin unwissend die Nachricht auf verschiedenen Plattformen weiterverbreitete und eine Kettenreaktion in Gang setzte. Die Lage spitzte sich so weit zu, dass Menschen am LaGeSo Kerzen anzündeten und Trauernachrichten hinterließen.

Selbst auf kritisches Nachfragen des rbb antwortet die Sprecherin der Organisation „Moabit hilft“, Diana Henniges, überzeugt: „Es handelt sich um einen jungen Mann, einen 24-jährigen Syrer.“ „Sie sind sich sicher, dass diese Informationen ihres Helfers auch stimmen?“ „Ich vertraue Dirk Voltz (…). Das sind Leute, die mit uns lange Monate zusammenarbeiten und er wird sich das nicht ausgedacht haben.“

Auch "Moabit-Hilft"-Sprecherin Diana Hennings war von der Richtigkeit des Facebook-Beitrags überzeugt (Quelle: rbb-online.de)

Auch „Moabit-Hilft“-Sprecherin Diana Henniges war von der Richtigkeit des Facebook-Beitrags überzeugt (Quelle: rbb-online.de)

Doch wie sich später herausstellt, ist genau das der Fall. In alkoholisiertem Zustand hatte sich der Helfer die Geschichte ausgedacht und veröffentlicht. Es gibt keinen toten Flüchtling. Womöglich waren ihm die Auswirkungen seines Handelns dabei nicht bewusst, denn der Facebook-Beitrag wurde gelöscht und der Helfer tauchte unter. Nachdem er von der Polizei befragt worden war und sich die Meldung als Fehlinformation herausstellte, schloss sich der Kreis: er entschuldigte sich für sein Handeln via Facebook.

Der Fall zeigt, wie vorsichtig nach wie vor mit ungefilterten Meldungen umgegangen werden muss, die auf sozialen Netzwerken kursieren und für die es keine offiziellen Bestätigungen gibt. Viele Nutzer gehen leichtgläubig mit den dort gebotenen Informationen um. So können sich Fehlinformationen in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit verbreiten. Besonders schwerwiegend sind solche Fälle dann, wenn die Fehlinformationen auch noch von offizieller Seite (z.B. von der Sprecherin Diana Henniges) ohne ausreichende Prüfung bestätigt werden.

Quellen:

SWR3-Hörfunk-Nachrichten (28. Januar 2016)

https://twitter.com/rbbonline?lang=de

http://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/berlin/2016/01/Reaktionen-erfundener-toter-Fluechtling.html

http://www.bild.de/regional/berlin/fluechtling/mit-diesem-post-redet-sich-der-helfer-raus-44338760.bild.html

http://www.focus.de/politik/deutschland/lageso-bericht-ueber-toten-fluechtling-in-berlin-nicht-bestaetigt_id_5243907.html

Schlagwörter: , , ,

Facebook- Gründer Mark Zuckerberg kommt nach Berlin

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Kommunikationsformen1 Kommentar »

Mark Zuckerberg der Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender von Facebook Inc. will nach Berlin kommen.

 

In einem Post auf seiner eigenen Facebook- Seite verkündete er am 24. Januar 2016:

Zuckerbergs Facebook- Post

 

„I’m traveling to Europe again next month!
I’ll start my trip in Barcelona for Mobile World Congress, where I’ll be talking with Jessi Hempel about Internet.org and our plans to use solar-powered planes, satellites and lasers to connect the world.

After that I’ll travel to Berlin for a Townhall Q&A in one of my favorite cities in the world. More than 27 million people use Facebook in Germany, and it’s inspiring to serve a country that in my lifetime showed the power of community to tear down walls.“

 

Mit Zuckerbergs angekündigten Besuch in Berlin können wir Ende Februar bis Anfang März rechnen. Das genaue Datum und weitere Details sind bislang noch unklar, sollen aber mit dem Näherrücken des Termins bekannt gegeben werden. Zuckerbergs letzter öffentlicher Besuch in Berlin war 2013.

Es wird ein sogenanntes „Townhall- Meeting“ stattfinden. Interessenten können sich hier registrieren und werden dann ausgewählt, um dem Gründer persönlich ihre Fragen zu stellen. Laut Bild war es bei vorherigen Fragerunden außerdem möglich, Fragen auf Facebook zu posten und die Veranstaltung live im Netz mitzuverfolgen.  Das letzte sogenannte „Townhall- Meeting“ fand im Oktober 2015 in Indien, Neu- Delhi statt.

Kritische Fragen und Beiträge werden in dieser öffentlichen Fragerunde nicht ausbleiben, denn nicht zuletzt hatte das Unternehmen in Deutschland mit viel Kritik zu kämpfen. Laut dem Spiegel- Online Artikel  vom 07. September 2015 gab es mehrere Debatten in denen von Facebook Inc verlangt wurde, dass gegen Hasskommentare sowie eindeutig rassistische Beiträge strenger vorgegangen werden muss. Die sich verschärfende Flüchtlingssituation hat diese Forderungen weiter verstärkt. Justizminister Heiko Maas, sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel sprachen sich bereits für ein konsequenteres Vorgehen gegen solche Hassbotschaften aus.

Am 15. Januar diesen Jahres berichtete Spiegel- Online in einem weiteren Beitrag, dass Facebook endlich auf die Forderungen der Kritiker eingegangen ist. Zukünftig sollen Facebook– Inhalte von Mitarbeitern der Bertelsmann-Tochter Arvato direkt in Berlin überprüft werden.

Ob dieses Mitarbeiterteam in Höhe einer dreistelligen Zahl allerdings den Inhalten von über 27 Millionen Nutzern in Deutschland gerecht werden kann, bleibt offen.

Das Onlinemagazin gründerszene vermutet, dass hinter der geplanten Reise eine weitere Strategie der Imagepflege in Europa steckt. Erst vorherige Woche schrieb meedia.de von Cheryl Sandbergs (COO von Facebook) Besuch in Berlin, bei dem sie das neue Projekt Initiative für Online-Zivilcourage vorstellte. Eine Initiative gegen den vermehrten Online- Hass. 

Imagepflege hin oder her, der anstehende Besuch von Mark Zuckerberg wird sicherlich für viel mediale Aufmerksamkeit sorgen. Ob diese ein positives oder negatives Licht auf Facebook wirft, wird sich beim „Townhall- Meeting“ zeigen.

Schlagwörter: , ,

Aktualität über Relevanz?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Internet, Internet und Politik, Nachrichten, Printmedien1 Kommentar »

Wer kennt das nicht? Gestern war uns noch wichtig, dass das Freihandelsabkommen nicht durchkommt, heute ziehen sich von Einem auf den anderen Moment Berichte über ein Attentat in Paris durch die Schlagzeilen. Was Gestern wichtig war, scheint nun vergessen und weicht einem Thema, das eine explosionsartige Verbreitung erfährt. Nicht automatisch handelt es sich dabei um etwas nebensächliches, ganz im Gegenteil! Es sind in der Regel Themen, aus denen die Presse ein hohes Maß an Dramaturgie zieht und diese verkauft.

Diverse Faktoren bestimmen, wann es ein Ereignis in die Schlagzeilen schafft: persönlicher Bezug, Involvierung prominenter Personen, oder großer Staaten, die Negativität eines Ereignisses, die Kontinuität in der über das Thema berichtet wird und einige weitere, nicht zuletzt aber ist entscheidend, ob das Ereignis aktuell ist. Gerade ein Vorfall wie Paris erfüllt mehrere der genannten Faktoren. So ist es also nicht verwunderlich, dass Dinge wie TTIP, oder der Gaza-Konflikt schnell in den Hintergrund rücken. In einem Spiegel-Artikel  ist beispielsweise die rede von 1000 Toten in Gaza. In Gegenüberstellung zu den Ereignissen in Paris, ist dies eine Zahl, die die Messlatte sprengt. Hinzu kommt, dass die Meldung über eine Waffenruhe in Gaza, welche laut Spiegel aus den hohen Opferzahlen resultiert, keinen Boden findet, da es sich hierbei um ein positives und in fortlaufende Entwicklungen eingebettetes Ereignis handelt.
TTIP, auch als Transatlantisches Freihandelsabkommen bekannt, ist weder aus der Welt, noch hat es Minderung erfahren. Laut Wikipedia wird 2016 entschieden, ob es in bekannter Form in Kraft tritt, oder nicht. Aktuelle Ereignisse, die wie man sieht, geringere Ausmaße als Gaza annehmen, verdrängen Themen wie TTIP aus den Medien und ermöglichen es den Verantwortlichen eine Durchsetzung mit wesentlich weniger Hindernissen durch zubringen. Für uns Verbraucher könnte das neben diversen anderen Dinge auch erheblich schlechtere Qualität bei Konsumgütern aus der Lebensmittelbranche, Aufweichung und Umgehung von Arbeitnehmerrechten und Gefährdung des Tierschutzes bedeuten (siehe Wikipedia-Artikel).

Ein klassisches Beispiel, welches den Fokus auf aktuelle Geschehnisse herausstellt, ist hierfür die Themenverteilung in den Nachrichten für den vergangenen Oktober:

Unbenannt

Wie also kann ich mich nun als Nachrichtenkonsument richtig orientieren?

In erster Linie ist es wichtig, für sich selbst zu wissen, was einen betrifft, oder wo das persönliche Interesse liegt. Weiterhin bedarf es einiger Recherche um in den entsprechenden Themenbereichen auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Das wäre schon alles.

Wer also seinen Fokus in der leichten Vermarktbarkeit von Negativmeldungen und Aktualität nicht verlieren will, muss sich selbst ein wenig mehr betätigen, was das Nachrichten lesen und schauen angeht.
Nichts desto trotz wird die Aufmerksamkeit der Rezipienten weiterhin in erster Linie auf eben diesen Kriterien liegen. Uns selbst ist es überlassen, was wir daraus machen und wie wir darauf reagieren.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ueber-1000-tote-in-gaza-israel-erwaegt-laengere-feuerpause-a-983044.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Transatlantisches_Freihandelsabkommen
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/39456/umfrage/top-10-themen-in-den-tv-nachrichten/

Schlagwörter: , , , ,

Verlust der Selbstbestimmung in digitaler Gegenwart?

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Ein Status – Upgrade in Facebook ist schnell geschrieben, inklusive der Einstellung, für welche dieser Eintrag sichtbar sein darf: nur für Freunde in der Kontaktliste oder für jeden innerhalb bzw außerhalb von Facebook. So glaubt man, mit all den Privatsphären Vorkehrungen seine Daten sicher und geschützt der Außenwelt vorzuenthalten und eben wirklich nur die Personen in seiner Freundschaftsliste all die angegeben Information über einen selbst mitzuteilen.

Dieser Statuspost wird unmittelbar in das große Facebook – Datenzentrum im schwedischen Lulea gesendet. Dort gilt natürlich der europäische Datenschutz. Doch Facebook umgeht diesen Datenschutz und spielt zudem die Nutzerdaten an einen anderen Server außerhalb der EU zu. Somit sind keine Grenzen über die Nutzung unsere Daten gegeben. Bereits längst gelöschte Fotos oder Chatverläufe können weiterhin auf irgendwelchen Servern gespeichert sein und möglicherweise an Dritte weitergegeben werden.

Der Politiker Jan Philipp Albrecht der Grünen – Fraktion kämpft mit seinem Team in Brüssel als Abgeordneter im Europäischen Parlaments um das wichtigste Gesetz im 21. Jahrhundert – dem Schutz unserer Daten. Dazu erschien nun am 12. November die Dokumentation „Democracy – Im Rausch der Daten“ in den Kinos.

In der aktuellen Neon Ausgabe # 12  spricht er über seine Mission und erklärt seine Ziele im Datenschutz. Bereits seit vier Jahren arbeitet er mit einem Team an der Neuordnung des europäischen Datenschutzrechtes in Brüssel und verlangt darin beispielsweise höhere Bußgelder bzw. härtere Sanktionen bei Verstößen. Unter anderem setzt er sich für stärkere Verbraucherrechte und eine Datenschutzverbindlichkeit für ganz Europa ein.

Des Weiteren wünscht er sich die allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie Datenschutzerklärungen einfacher formuliert für den privat Nutzer. Beispielsweise mit Symbolen, was wirklich mit den Nutzerdaten passiert und in welches Land diese weitergeleitet werden. Denn niemand, selbst wenn er diesen kleinen Hacken betätigt, liest wirklich die langen, verwirrenden und komplizierten Datenschutzerklärungen.

Screenshot (1)

 

Es ist allgegenwärtig und wir sollten nicht blind darüber hinweg sehen, wie wenig Schutz unseren Daten im Internet geboten wird. Natürlich kann man sagen, dass wer Überwachung der Daten befürchtet, das Internet vermeiden solle,  so wie es einige Politiker nach der Snowden – Enthüllung geäußert haben. Doch die Präsenz des Internets ist in unserer heutigen Zeit zu stark. Folglich darf die Politik dieses Problem nicht einfach ignorieren.  Zumal unseren Daten einem ähnlichen Wert wie Öl zugesprochen werden und dieser Wert starke Gesetze zum Schutz benötigt.

Ist es nicht unser gutes Recht zu erfahren, was mit unseren Daten, mit unserem Eigentum, passiert? In wessen Hände es gerät und wer es wie weiterverwendet? Die Unternehmen entziehen sich der Pflicht zur Beantwortung dieser Fragen ganz klar und lassen uns im Ungewissen.

Dittmann-vpk-Datenschutz

http://www.w-t-w.org/de/switzerland-postfinance-will-kundendaten-verkaufen/dittmann-vpk-datenschutz/

Würden wir einen bereits geöffneten Brief von der Post erhalten, wäre unser Ärger groß. Wieso also bleibt gerade dieser Ärger so klein und still gegenüber dem Internet, in welchem alles trotz eigener Datensparsamkeit einem offenem Tagebuch gleicht? Die Ignoranz darüber fällt uns leicht, schließlich spüren wir die Kontrolle und Beobachtung nicht direkt. Gleichzeitig reden wir uns eventuell ein, alles würde zu unserem Schutz vor Terror passieren. Doch es ist ein Eingriff in unsere Grundrechte, es werden immerhin nicht nur Verdächtige überwacht, sondern ebenso auch normale Menschen wie du und ich, ohne besonderen Sicherheitsgrund. Die Selbstbestimmung, was mit unserem Eigentum passiert, ist im Netz nicht vorhanden.

 

Welch Ironie, dass in einer Welt, in welcher Sicherheit einen enorm hohen Stellenwert hat und sich fast alles darum dreht, wir die Sicherheit unserer digitalen Privatsphäre selbst schützen müssen.
Hoffentlich gewinnt  Jan Philipp Albrecht den Kampf um den Schutz unserer digitalen Daten.

Schlagwörter: , ,

Dokumentation „The Thread“ – Eine Online-Community auf der Jagd nach den Attentätern des Boston Marathon

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Kommunikationsformen, Medien und Politik, Medienwandel, Nachrichten, Qualität, Weblogs, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Als am 15. April 2013 auf der Zielgeraden des Boston-Marathons zwei Sprengsätze explodierten, kamen dabei drei Menschen ums Leben und 264 weitere wurden verletzt.

Is this the Boston Bomber?Die Dokumentation von Greg Barker („Manhunt“) rekonstruiert die Suche nach den Attentätern des Boston Marathon innerhalb der Online-Plattform „Reddit“ und thematisiert dabei auch den Konflikt zwischen traditionellen und neuen Medien. Stellt „Crowdsourcing“ eine Gefahr für den investigativen Journalismus dar?

Das Interesse an diesem Event war groß. Neben zahlreichen Reportern, die live berichteten, fotografierten und filmten vor allem tausende Zuschauer und Teilnehmer mit ihren Smartphones das Geschehen rund um den Boston Marathon. Damit gehört das Attentat zu den, am besten dokumentierten Terroranschlägen unserer Zeit.

Die Suche nach den Bombenlegern hielt die gesamten USA in Atem und entfachte natürlich einen erbitterten Kampf der Medien um die Nachrichtenhoheit. Ob Kabelsender, Online-Dienste oder Networks- alle versuchten sich als beste Informationsquelle zu profilieren. Überraschenderweise sorgte vor allem die Social-News-Plattform „Reddit“ für Furore. Deren Community teilte direkt nach dem Attentat zahlreiche Bild-und Videoaufnahmen miteinander und kommunizierte in unzähligen „Subreddits“ (Unterforen) über das Ereignis.

Reddit AnalyseIm Thread „FindBostonBombers“ kam es in den darauffolgenden Tagen zu einer perfiden Suche nach den möglichen Attentätern. Bild- und Videomaterial wurde gesichtet, analysiert und diskutiert. Wilde Spekulationen und Anschuldigungen führten schlussendlich dazu, dass mehrere Unschuldige in den Fokus der Medien und der Polizei gerieten.

Am 19. April 2013 schaffte es die Polizei schlussendlich die offiziellen Täter Tamerlan und Dschochar Zarnajew zu stellen. Im heftigen Schusswechsel wurde  Tamerlan Z. dabei tödlich verwundet. Sein Bruder Dschochar Z. konnte flüchten, wurde aber noch am selben Tag von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Die Amateuraufnahmen seiner spektakulären Verhaftung, die mitten in der Gemeinde Watertown, vor den Augen zahlreicher Anwohner stattfand, verbreiteten sich ebenfalls rasant in den sozialen Medien. –>DRAMATIC VIDEO: Intense Gunfight Between Police and Bombing Suspect

„The Thread“ zeigt, wie sich die Medienlandschaft durch Fortschritte in der Technologie und der weit verbreiteten Nutzung von Social Media verwandelt hat. Berichte aus erster Hand und Nachrichten mit einer beispiellosen Geschwindigkeit zu sammeln und zu publizieren ist schon lange nicht mehr, ein Privileg das nur professionellen Journalisten zuteilwird. Die klassischen Rollen des Produzenten und des Konsumenten verschwimmen immer mehr. Wie der Fall „Reddit“ und sein „FindBostonBombers“-Thread zeigt, ist die Eigendynamik solcher Dialoge im Web 2.0 kaum zu steuern. Durch die schneeballartige Verbreitung in Communities und dem Verlinken in Foren oder Blogs wird die Verbreitung von Gerüchten im Netz erleichtert. Weblogs dienen dem Meinungsaustausch und verhelfen durch die Anonymität des Internets zu einer neuen Qualität des Gerüchtestreuens. Aufgrund der Tatsache, dass jeder User zugleich Rezipient und Autor sein kann und Aussagen sowohl wahr als auch falsch sein können, kann der Inhalt ungeprüft auf Relevanz und Wahrhaftigkeit im Netz veröffentlicht werden.

Die 60-minütige Dokumentation glänzt besonders durch die zahlreichen Interviews mit Journalisten und Bossen der globalen Mediengiganten, wie auch den Social Media-Nutzern, die sich auf die Jagd nach den Boston-Marathon-Bombern gemacht haben.

Die Dokumentation ist u.A. auf Netflix & iTunes verfügbar.


Quellen:

„The Thread“, Courtesy of Greg Barker and Content Television

http://insider.foxnews.com/2013/04/20/dramatic-video-neighbor-captures-intense-police-gunfight-bombing-suspect-dzhokhar

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3035378/It-beast-Moderator-Reddit-s-Boston-Bombers-thread-tells-millions-users-descended-subreddit-days-attack-identified-wrong-suspect.html

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

Flüchtlinge funken frei dank Freifunk

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medien und Politik1 Kommentar »

Flüchtlingsunterkünfte werden von Freiwilligen mit freiem Internet ausgestattet

Wo befinden sich derzeit meine Verwandten? Haben Sie den Bombenangriff überlebt? Wo wurden sie in Deutschland untergebracht?

Das Smartphone mit dem dazugehörigen Internetzugang bietet dank Facebook, Skype und WhatsApp den Asylsuchenden oftmals die einzige Möglichkeit Kontakt mit Familienangehörigen zu halten. Doch selbst die mittlerweile geringen Kosten für Datenpakete sind vielmals eine große Hürde. Deshalb haben ehrenamtliche HelferInnen der privaten Initiative „Freifunk e.V.“  damit angefangen Flüchtlingsunterkünfte mit freiem WLAN auszustatten.

Unter anderem durch eine großzügige Spende der Firma TP-Link, welche Router herstellt, konnten bis zum 04. November in mehr als hundert Unterkünften deutschlandweit so freie WLAN-Netze installiert werden; Tendenz steigend.

Doch der Zugang zum Internet dient den Flüchtlingen nicht nur als Kommunikationsweg für Verwandte und Bekannte, viel mehr nimmt es Hürden.

Dank zahlreicher moderner Apps können kinderleicht Fremdwörter übersetzt werden, Verbindungen für öffentliche Verkehrsmittel rausgesucht werden und bürokratische Fragen gegoogelt werden. Bei der stetigen Anzahl von Asylsuchenden sind auch die Freifunker weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Selbst wenn die Unterkunft keinen eigenen Internetzugang hat, kann durch die sogenannten Mesh-Netze auch über mehrere hundert Meter eine funktionierende Verbindung hergestellt werden.

Die Anbieter von solchen freien Netzen haben im übrigen keine rechtlichen Haftungen zu befürchten. Mittlerweile ist „Freifunk e.V.“ als Provider in Deutschland eingetragen, womit das Problem der Störerhaltung entfällt.

Keine Gebühren ab 2017 – zu spät

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und PolitikKommentare deaktiviert für Keine Gebühren ab 2017 – zu spät

EU-Staaten und Europarlament haben Abschaffung der Roaming-Gebühren beschlossen

Der Plan war anders. Eigentlich sollten Roaming-Gebühren bereits bis zum Juli 2016 entfallen. So plante es einst die damalige EU-Kommissarin für Digitale Agenda, Neelie Kroes im Jahr 2013.

Nun haben wir 2015 und die EU-Staaten und das Europarlament haben kürzlich die Abschaffung der Gebühren auf den 15. Juni 2017 terminiert.

Der Prozess der Gebührensenkung für das telefonieren und simsen im EU-Ausland begann bereits  2007. Im Mai 2012 hat das EU-Parlament eine Roaming-Verordnung  verabschiedet. Diese legte damals schon fest, dass die Gebühren für getätigte Anrufe maximal 19 Cent pro Minuten betragen dürfen, ab 30. April 2016 dürfen die Anbieter einen Aufschlag von maximal fünf Cent zum Heimtarif berechnen. Selbiges gilt für Datentarife, ausgehende SMS dürfen höchstens mit zwei Cent Aufschlag abgerechnet werden.

„Durchbruch. Ende der Roaming-Gebühren ab 2017. Garantie für freies Internet für alle“,  so die frohlockende Nachricht aus Brüssel von EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger.

Doch so einfach ist es leider doch nicht. Dies gilt nur für „gelegentliche Reisen“. Wer häufiger im EU-Ausland telefoniert, simst und surft, könnte dennoch eine Rechnung vom Anbieter bekommen. Unternehmen können die entstandenen höheren Kosten dann weiterhin abrechnen.

Raus aus den Zwängen

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Zukunft des InternetKommentare deaktiviert für Raus aus den Zwängen

Der Bundestag beschließt diese Woche das Gesetz gegen den Routerzwang

Irgendwo in der Wohnung blinkt es immer, meistens grün im Arbeitszimmer oder im Keller. Unser Zugang zum Internet ist derzeit durch einen vom Anbieter vorgeschriebenen Router gesichert.

Wenn es nach dem Willen der Bundesregierung geht, soll sich dies nun am heutigen Tage ändern. Die schwarz-rot geführte Koalition setzt hiermit eine weitere Vereinbarung aus ihrem Koalitionsvertrag um: „Nutzerinnen und Nutzern müssen die freie Auswahl an Routern behalten. Daher lehnen wir den Routenzwang ab“.

Gesetz zur Auswahl und zum Anschluss von Telekommunikationsendgeräten“ , so lautet der sperrige Name des Gesetzes, welches den Internetnutzern in Zukunft mehr Freiheit bieten soll. Besonders Verbraucherschützer erhoffen sich hierdurch einen größeren Wettbewerb, wovon die Nutzer profitieren sollen. Sie werfen den Internetanbieter ebenfalls vor, dass die Provider oftmals billige und unsichere Geräte liefern. Ebenfalls könnte auf „freien“ Routern Software installiert werden, wie zum Beispiel um „Freifunk“   anzubieten.

Doch wieso ist das bisher nicht der Fall?

Nach jetziger Rechtssprechung ist der Netzabschlusspunkt als Endgerät definiert. Das bedeutet, dass der Anbieter auch für den Router zuständig ist und Teil seines Netzes darstellt.

Mit der Änderung des Gesetztes wird die Anschlussdose in der Wand als neuer Netzabschlusspunkt definiert. Der Router gehört dann nicht mehr dazu.

Federführend für dieses Gesetz war das Bundeswirtschaftsministerium. Bereits Februar 2015 arbeitete dieses einen entsprechenden Entwurf aus. In der heutigen zweiten und dritten Lesung im Bundestag werden keine Änderungsanträge erwartet. Somit kann das Gesetz spätestens Ende Februar 2016 in Kraft treten. (Quelle: http://www.heise.de/netze/meldung/Routerzwang-So-geht-es-weiter-mit-dem-Gesetz-zur-freien-Routerwahl-2834230.html)

Hitlers Werwölfe im Multimedia-Format

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Medienkritik, Medienwandel, Online-Magazine, Qualität1 Kommentar »

„mir ist klargeworden, dass ich von zwei unrühmlichen Bastarden groß gezogen worden bin.“

– Cordt Schnibben

Mit „Mein Vater ein Werwolf“ aus dem Jahr 2014 liefert der Spiegel eine Multimedia-Reportage im Scrollytelling-Stil. Der Journalist Cordt Schnibben arbeitet darin seine Familiengeschichte während des Nationalsozialismus auf. Sein Vater war damals Oberleutnant und arbeitete mit den sogenannten Werwölfen zusammen, einer Untergrundbewegung, die ab 1944 in feindlich besetzten Regionen zahlreiche Attentate auf deutsche Kollaborateure verübte.

Der Leser scrollt durch eine Melange aus animierten Comicausschnitten, Fotos, Videos sowie Textteilen und findet sich in einem dichten Geflecht an Ereignissen wieder, die in Zusammenhang mit der Ermordung des Bauerns Willi Rogge stehen, an der auch Schnibbens Vater beteiligt war. Rogge war kein Nazi-Sympathisant. Er machte sich durch eine kritische Haltung gegenüber des Regimes als Volksverräter strafbar und wurde spontan verurteilt. Die Werwölfe dienten als Vollstrecker. Auf dem Leichnam klebte ein Zettel: „Wer sein Volk verrät, stirbt!“

Nach dem Krieg mussten sich die Werwölfe für die Tat vor Gericht verantworten. Der eigentliche Erzählstrang rund um die Ermordung wird daher immer wieder durch Berichte aus dem Prozess unterbrochen. Cordt Schnibben will dadurch deutlich machen, „ wie schwer sich deutsche Gerichte damit taten, kleine Nazis gerecht zu bestrafen.“ Außerdem erreicht er eine multiperspektivische Darstellung rund um den Fall.

Durch einen vorgeschobenen Trailers ist von Anfang an ist klar, welchen Ausgang die Geschichte nehmen wird. Auf der einen Seite bietet dies dem Leser die Möglichkeit, die wenig chronologische Erzählung besser zu erfassen. Auf der anderen Seite wir der Spannungsaufbau dadurch eher flach gehalten. Tatsächlich ist es angesichts der Detailfülle, die über verschiedene multimodale Elemente transportiert wird, schwer, den dramaturgischen Verlauf nachvollziehen zu können. Die Zeitsprünge zwischen Prozess und Ermordung sind nicht immer leicht zu verfolgen. Die Intention scheint klar: die Verworrenheit des gesamten Falls wird unterstützt und nur langsam Licht ins Dunkle gebracht. Für bestimmte Lesergruppen kann dies jedoch zum Abbruchkriterium werden. Wer abends auf seinem Sofa hängt und nette Unterhaltung sucht, kann sich schnell erschlagen fühlen. Wirklich leichte Kost geht anders.

Etwas auflockernd wirkt der Comic-Stil, der in manchen Abschnitten tragendes Handlungselement ist. Technisch durch Parallax Scrolling realisiert, kann so visualisiert werden, wozu es keine Zeitdokumente gibt. In Graustufen bewegen sich die Werwölfe durchs Bild und geben dem Terror eine Gestalt. Mit dem Scrollen erscheinen Sprechblasen. Gelegentlich sind auch Audioeffekte eingebunden. Die gesamte Zeit über dudelt das „Radio Werwolf“ vor sich hin. Düstere Klangschwaden ergießen sich so durch die Lautsprecher eines jeden Users. Die Atmosphäre, die kreiert wird, verheißt Unheil, kann durch ihre Monotonie aber auch nerven.

Sprachlich wirkt „Mein Vater ein Werwolf“ sehr ausgewogen. Cordt Schnibben schreckt nicht vor einer Personalisierung zurück und macht seine persönliche Betroffenheit immer wieder deutlich, wenn er von „mein Vater“ spricht. Der gesamte Inhalt gewinnt dadurch an Nähe. Eine Verbindung zum Leben 70 Jahre nach dem dritten Reich wird geschaffen. Und letztendlich bleibt die immer gleiche Frage: Wie soll man mit dem Erbe dieser Zeit umgehen?

„Mein Vater ein Werwolf“ ist technisch gut gemacht und verdeutlicht, was Online-Journalismus kann. Das Stück ist gerade wegen seiner Länge und Komplexität aber nichts für die Mittagspause. Wer sich für den Nachrichtenfaktor Nationalsozialismus dennoch ein Stündchen nehmen will, dem sei die Reportage wärmstens empfohlen.


Lust bekommen? Die Multimedia-Reportage gibt’s hier:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nazi-werwolf-spiegel-reporter-schnibben-ueber-seinen-vater-moerder-a-963465.html

Schlagwörter: , , , , , , ,

YouTube asks Obama!

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik1 Kommentar »

Ein Interview mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama – diese Ehre kommt normalerweise nur namhaften Journalisten zu Teil. Doch am 22. Januar waren es YouTuber, die Obama ihre Fragen stellen durften.
Die Abonnenten bzw. Follower derer Kanäle und Twitter-Accounts, konnten zuvor unter dem Hashtag #YouTubeAsksObama ihre Fragen für das kommende Interview vorschlagen.
Unter den YouTube Stars war Hank Green, der Nerd unter den Gästen. Er betreibt u.A. den Wissenskanal ecogeek und erreicht damit eine Menge junger Amerikaner.
Als nächstes war die afro-americanische GloZell an der Reihe, sie ist mit 5 Millionen Followern die unangefochtenen Queen innerhalb der YouTuber Community. An Bekanntheit gewann die Comedian vor Allem mit ihren Parodien bekannter Popsongs. Sie befragte Obama zur Sony Hacking Affäre und zur politischen Beziehung zur Kuba.
Die Dritte im Bunde war die 19 jährige, nach eigenen Angaben politisch uninteressierte („Why should the younger generation be interested in politics?“) Bethany Mota, die einfach alles „awesome“ fand, was Mr. Präsident von sich gab. Sie wurde vor allem durch „Hauls“ im Netz bekannt. Darin werden schlicht und einfach gerade erworbene Produkte besprochen. Einen Grund zum Schmunzeln hatte man dann, als Obama auf die Frage, welche Superkraft er sich wünsche, zunächst mit „the flying thing seems pretty cool!“ antwortete und dann sinngemäß hinzufügte: „Ne, unsichterbar sein wäre zu hinterhätig, was würde man dann machen? Gespräche anderer Leute mithören?“
Mh…klingelt da was? Fragen zur NSA- Affäre verkniffen sich zumindest alle der anwesenden „Creators“.
Zum krönenden Abschluss gab es dann das obligatorische „Selfie“ mit allen Beteiligten und Obama würdigte alle 3 als ein Teil des politsch relevanten Mitmach-Netzes.

http://www.swr3.de/-/id%3D3075270/property%3Dthumbnail/width%3D260/height%3D156/pubVersion%3D1/xfy24p/index.jpgAbb.1: Das Präsidenten-Selfie.
Diese Aktion, die wohl zur Verjüngung des Präsidenten Images dienen sollte, war auf jeden Fall innovativ und interessant. Nicht jeder Politker (vorallem nicht in Deutschland) wäre wohl so locker und entspannt im Umgang mit jungen Leuten und deren Anliegen. Auch wenn die Fragen der YouTuber nicht sehr kritisch waren, konnte evtl. doch das politische Interesse einiger Teenager in Amerika geweckt werden.

Quellen:

http://www.netzpiloten.de/besuch-im-weissen-haus-youtube-stars-interviewen-obama/ 26.01.2015, 23:45 Uhr

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&x-yt-cl=84503534&v=GbR6iQ62v9k&x-yt-ts=1421914688

26.01.2015, 23:55 Uhr

Abb1. :

http://www.swr3.de/-/id%3D3075270/property%3Dthumbnail/width%3D260/height%3D156/pubVersion%3D1/xfy24p/index.jpg 26.01.2015, 23:55 Uhr

Schlagwörter: ,

Aus der Mitte der Gesellschaft?

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Nachrichten1 Kommentar »

Seit dem 20. Oktober 2014 demonstrieren jeden Montag in Dresden Anhänger der sogenannten Pegida – Bewegung (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Die Demonstrationen begannen mit 350 Teilnehmern und wuchsen seitdem stetig, zuletzt mit bis zu 20.000 Demonstranten. Allein auf Grund ihrer Zahl und der Ausweitung auf andere Großstädte sind die Politiker sowie alle anderen Bürger Deutschlands gezwungen, sich mit diesem Thema zu befassen. Doch worum geht es eigentlich und wer macht da mit!? Medien, Experten und Politiker versuchen, diese Fragen zu beantworten und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Panorama, das Fernsehmagazin, das vom Norddeutschen Rundfunk produziert und im „Ersten“ ausgestrahlt wird, führte am 15.Dezember 2014 Interviews mit einigen Demonstranten der Pegida, um deren Sicht der Dinge zu hören. Anhand einiger Zitate aus dem Blickwinkel der Mitte der Gesellschaft, wie sich die Anhänger selber nennen, soll nun die grundsätzliche Stimmung vermittelt werden. Auf die Frage „Was glauben sie denn zu bewirken, heute?“ antwortete ein älterer Herr: „Na, was will ich denn bewegen? Dass ich gegen die Ausländer bin, dass so viele hier reinkommen. Das ist mein Grund, warum ich hier bin und die kriegen einen Haufen Geld. Ich bin Rentner, ich krieg eine kleine Rente und geh noch arbeiten, dass ich einigermaßen gut über die Runden komm.“
Okay ein durchaus plausibler Grund, wer mag denn schon Ausländer, mittlerweile sind die doch überall, oder? Ein weiterer Pegida-Demonstrant behauptet „Sie sich doch einer die westlichen Großstädte an: 70 Prozent, kann man…, 80 Prozent kann man sagen, sind doch keine Deutschen mehr! Ist das normaler Trend?“  Es sprechen viele Fakten dagegen, ein Ausländeranteil von 80% in Deutschland ist bis heute aus der Luft gegriffen, die Zahl beläuft sich eher auf 10%. Nicht wirklich ein Geheimnis, doch wieso wissen das die Demonstranten nicht? Oder sind es doch, wie von vielen behauptet, Nazis, die sich für solche Fakten gar nicht interessieren? Die Moslems, um die es den Pegida – Anhängern geht, sind mit 0,2 % Anteil in einer Minderheit in Sachsen. Manche sehen hier jedoch schon die Gefahr, so ein weiterer Demonstrant: „Ach. Das ist mir egal, wie viele das sind, aber das sind schon 0,2 zu viel.“  Ob das nun rassistische Aussagen sind? Nur weil man sich negativ gegenüber einer Minderheit aufgrund ihrer Herkunft oder ihrem Glauben äußert? Da sollte sich wohl jeder selber ein Bild machen.
„Ja, wir sehen insgesamt, dass zu viele Ausländer hier nach Deutschland kommen, es ist bei Dresden jetzt nicht unbedingt so das Problem, hier in Dresden sind noch relativ wenig. Sie hören aber, ich komme aus Süddeutschland und bei uns sind die Städte voll, Stuttgart, wirklich ganze Viertel voll mit Ausländern, die zum Großteil auch keiner Arbeit nachgehen, die klauen, die einbrechen usw. …“
Ausländer sind also die Kriminellen in Deutschland, nicht außer Acht sollte man vielleicht lassen, dass viele Pegida- Anhänger, die sich ja so fürchten vor den bösen Ausländern, auch nicht alle ganz unschuldig sind. Bestes Beispiel dafür ist wohl der „Pegida-Wortführer Bachmann, er ist vorbestraft und saß laut eigener Aussage im Gefängnis. Zuvor hatte er sich ins Ausland abgesetzt, um der Haft zu entgehen.“ Ins Ausland also? Zum Glück denken nicht alle so wie er, sonst hätte es da sicherlich Probleme gegeben. Aktuell und im Zusammenhang mit Pegida hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Bachmann eingeleitet. Auf Grund dieses Verfahrens und einem Bild, das Bachmann mit „Hitler-Bärtchen“ zeigt, trat Lutz Bachmann heute als Pegida – Chef zurück.
Dies waren nur einige Aussagen verängstigter Pegida-Demonstranten, mit Sicherheit denken nicht alle so, doch ignorieren sollte man solche Gefühle und Meinungen dennoch nicht, dafür ist die Bewegung einfach zu groß. Eine gute Möglichkeit aber, sich gegen die Pegida zu stellen, sind die Gegendemonstrationen, die deutlich mehr Anhänger finden und soziale Netzwerke, die auf ihre Weise gegen solch eine Bewegung vorgehen.

 

Quellen:
-Pegida-Facebookseite:https://www.facebook.com/pages/PEGIDA/790669100971515
– Interview (Panorama): https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/panorama5360.pdf
-Artikel über Bachmann: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-die-thesen-im-faktencheck-a-1008098.html
-Ermittlungen gegen Bachmann: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-01/pegida-lutz-bachmann-foto-postings-ermittelungen-streit
– Nopegida auf Facebook: https://www.facebook.com/nopegida
– Rücktritt Bachmann: http://www.heute.de/pegida-chef-lutz-bachmann-tritt-nach-aufnahme-von-ermittlungen-zurueck-36831540.html

Schlagwörter: , , , , ,

Terror im Schatten des Terrors

geschrieben von in Internet und Politik, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Gerade in einer Zeit der zunehmenden Digitalisierung und der damit einhergehenden Individualisierung des Medien- und Informationskonsums, entsteht leicht das Gefühl, man wüsste über alles bescheid. Dass einem jede nennenswerte Information vorliegt, alles, was man wissen muss, einem auf irgendwelchen Wegen zugetragen wird. Doch dabei entsteht ein informationeller Tunnelblick und die in der Medienforschung „Gatekeeping“ genannte Funktion des Journalismus verselbstständigt sich, da nur gelesen und rezipiert wird, was dem Konsumenten nahegelegt wird, und nur über das berichtet wird, was den Leser/Zuschauer/Hörer augenscheinlich interessiert. Das Medium schafft erst den Bedarf, nach dem es sich richten möchte. Während die linearen Medien – wie das Fernsehen oder der Rundfunk – dieses Problem weniger betrifft, so sorgt gerade der non-lineare, modulare Aufbau des Internets und der vertretenen Nachrichtenmedien für eine starke Aufmerksamkeitslenkung der Rezipienten.

Während einem dies normalerweise weniger auffällt, da selten mehrere wichtige Ereignisse zeitlich so beieinander liegen, dass sie sich selbst überlagern, so konnte man in dieser Woche dieses Phänomen besonders gut beobachten. Während die Anschläge auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ noch über das Wochenende hinaus starke mediale Resonanz erzeugt, die sich – da die Hauptereignisse längst ausführlich dokumentiert wurden – nunmehr mit den Trauerkundgebungen und – märschen, Hintergründen und gesamtgesellschaftlichen Prognosen auseinandersetzen, noch unterstützt von der Brandstiftung im Verlagsgebäude der Hamburger Morgenpost; so gehen die Anschläge der islamistischen „Boko Haram„-Gruppierung im Norden Nigerias beinahe unter.

Für den flüchtigen Leser unsichtbar

Auf keiner Startseite der großen Zeitungen – von der Süddeutschen bis zur BILD – findet sich heute ein Hinweis darauf, erst durch gezielte Suche oder Stöbern in den einzelnen Ressorts trifft man auf diese Meldungen – einen Aufwand, den sich sicher nur wenige Rezipienten aus purem Interesse machen. Auf der Startseite der Huffington Post finden sich noch am Sonntag Abend über 25 (!) Artikel, die einen direkten oder indirekten Bezug zu dem Attentat auf Charlie Hebdo vorweisen; seien es Mitteilungen unmittelbar aus Frankreich oder Beschreibungen, Reaktionen, Kolumnen, Kommentare zum Attentat selbst und zu seiner Rezeption in sämtlichen politischen Strömungen, Ländern und Gesellschaftsschichten. Wer sich hingegen für Afrika interessieren mag, bekommt einen Reisebericht nach Botswana präsentiert. Nur vom Betrachten der Startseite – und gerade wenn diese derart umfangreich gestaltet ist, bleibt sie auch das Einzige, was der Rezipient sich zur Themenauswahl zu Gemüte führt – bleibt der Leser im Unklaren darüber, dass eben erwähnte Terrormiliz diesen Donnerstag die nigerische Stadt Baga quasi dem Erdboden gleichgemacht hat; bis zu 2000 Tote werden befürchtet. Dass sich gestern am Nachmittag wohl ein 10-jähriges Mädchen im Auftrag der Terroristen auf einem Marktplatz in die Luft sprengte und zwanzig Menschen in den Tod riss. Dass der Terror also – in letzter Konsequenz – auch in Afrika immer mehr Fuß fasst.

Wer die entsprechenden Suchbegriffe bei Google und Konsorten eingibt, kriegt schnell eine Reihe von Artikeln angeboten, von den meisten Tageszeitungen, die aber keinerlei Hinweise auf ihrer Startseite haben. Obwohl also der Nachrichtenwert bewiesen ist, obwohl hier Recherchen durchgeführt und Texte geschrieben wurden, trotz alledem bleibt der gemeine Leser im Unklaren. ZEIT online beispielsweise dokumentiert die Vorfälle; aber um darauf zu stoßen muss unten auf der Startseite vom Politikressort aus die Rubrik Außenpolitik gewählt und viel gescrollt werden.

Ein deutsches Phänomen? Und warum?

Jetzt mag man sich sicher fragen, warum die deutschen Medien (internationale Informationsportale scheinen hier insgesamt mehr Informationen zu geben: siehe hier oder hier) ein derartiges Thema so zurückstellen. Liegt es daran, dass der gemeine Leser kaum Identifikationspotential mit einem der ärmsten Länder dieser Erde hat? Dass man „ja schon weiß“, dass die Menschen in Afrika „arm dran“ sind? Liegt es an der räumlichen Distanz? Oder sind die Anschläge auf ein französisches Magazin einfach so viel wichtiger für den deutschen Leser?

Man kann sicher darüber debattieren und wird vielleicht irgendwann zu dem Fazit kommen, das der Anschlag in Frankreich durch seine Symbolwirkung mehr Aufmerksamkeit verdient, den Terror nach Europa trägt und eine fundamentale Freiheit der westlichen Welt bedroht. Vielleicht kommt man aber auch zu dem Fazit, dass der Terror in Nigeria, getragen von einer antiaufklärerischen, extremistischen Gruppierung, die sich dort gerade erst entwickelnden Freiheiten um ein vielfaches mehr bedroht als er es in einer derartig gefestigten Wertegemeinschaft wie Frankreich könnte.

Um im langen Bogen zum Anfang zurückzukommen: die meistgelesenen Themen auf der Zeit Online Seite betreffen – sicherlich nicht Nigeria. Und wo kein Interesse der Leser, da auch kein Interesse an verstärkter Berichterstattung, oder Aufmerksamkeitsgenerierung. Es gibt kein Interesse seitens der Leser – und deswegen keine Berichterstattung, die dieses Interesse erst wecken könnte.

Schlagwörter: , , , ,

C’est l’encre qui doit couler, pas le sang.

geschrieben von in Allgemeines, Internet und Politik, Medien und Politik, Nachrichten, Zeitschriften1 Kommentar »

Maskierte Männer, verwackelte Bilder, dann Schüsse.

Solidarische Karikaturen aus der ganzen Welt

Seit gestern Morgen macht ein grausiges Video die Runde: Von einem Privatgerät aus gefilmt, zeigt es die regelrechte Hinrichtung eines Polizisten auf offener Straße in Paris. Wer die Nachrichten mitverfolgt hat, weiß um was es geht. Gegen 11.30 Uhr am Mittwoch riss ein schreckliches Ereignis die französische Hauptstadt aus dem alltäglichen „traintrain“: Drei Unbekannte stürmten das Redaktionsgebäude der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und eröffneten das Feuer auf die Mitarbeiter. Einige der potenziellen Opfer fanden auf dem Dach des Pariser Gebäudes Schutz, doch für Direktor Stéphane Charbonnier und weitere elf Menschen war jegliche Flucht unmöglich. Der Zeichner, bekannt unter dem Namen „Charb“, sowie weitere Künstler und Polizisten fielen den Kalaschnikows der Täter zum Opfer und überlebten das fünf-minütige Blutbad nicht.

Es war die blutigste Attacke seit dem Zugattentat im Jahr 1961, die Frankreich gestern zerüttete. Die Bilder, die per Handy von Augenzeugen aus dem elften Arrondissement im Zentrum der Stadt aufgenommen wurden, erinnern nicht zu Unrecht an die Hinrichtungsvideos der Terrororganisation IS: Immer wieder erklingen Ausrufe wie „On a vengé le prophète!“ („Wir haben den Propheten gerächt!“) und „Allah Akbar“ („Allah ist der Größte“) seitens der Schützen. Viele Experten sind sich sicher: Es muss einen islamistischen Hintergrund für diese genauestens geplante Attacke gegeben haben. Nicht zum ersten Mal hatte das linksgerichtete Magazin den Zorn von Muslimen und Gläubigen auf sich gezogen: Immer wieder hatte die Redaktion des „Charlie Hebdo“ islamkritische Artikel und Karikaturen veröffentlicht, am Tag des Attentats selbst zierte eine Zeichnung zum thematisch passenden Roman von Skandalautor Michel Houellebecq das Cover der Zeitschrift. Makaber: Als hätte der Verfasser es geahnt, so steht auf Seite 7 des Heftes auf die Frage nach ausgebliebenen Attentaten in Frankreich die islamistische Antwort „Warten Sie es ab! Wir haben ja bis Ende Januar, um die Feiertagsgrüße zu überbringen“. Es sollte wohl früher schon zur Bestätigung dieser Aussage kommen…

Bereits seit 1969 reizt das Magazin mit dem Untertitel „Journal irresponsable“, also verantwortungslose bzw. unverpflichtete Zeitung, Vertreter jeglichen Standpunktes: Egal ob Politiker, Rechtsradikale oder eben Muslime, niemand blieb bisher vom Spott verschont. Höhepunkt der Provokation waren aber sicherlich die weltweit bekannt gewordenen Mohammed-Karikaturen, welche die Seiten der Zeitschrift mit Sprüchen wie „Es ist hart, von Idioten geliebt zu werden“ zierten. Zur Folge hatten diese nicht nur Morddrohungen an die einzelnen Redakteure, sondern ebenfalls eine Brandattacke auf das damalige „Charlie Hebdo“-Gebäude im November 2011.

Die Annahme, dass der Angriff eine Reaktion auf die satirischen Darstellungen des Magazins war, bestätigen wohl am besten die schockierenden Szenen in den aufgenommenen Videos. Vermutlich seien die Täter Rückkehrer aus den Syrien- und Irak-Kämpfen, so Experten, denn ihr geschulter Umgang mit den Schusswaffen zeuge von Erfahrung mit Militär- oder Guerillaoperationen. Es gibt jedoch auch jene, die alternative Theorien im Netz vertreten: So unter anderem die für ihre politisch-kritischen Aussagen bekannte Aktivistengruppe Anonymous, welche die Gräueltat online als eine angezettelte „False-Flag-Operation“ bezeichnet, mit dem Hintergedanken Europa innenpolitisch zu destabilisieren. Wer die Auftraggeber sind und welchem Ziel diese Attacke dienen soll, wird sich hoffentlich bald herauskristalisieren. Momentan läuft die Suche nach den  Schuldigen auf Hochturen, neben über 3000 Polizisten fahndet ebenfalls die Anti-Terror Spezialeinheit Raid nach den flüchtigen Verdächtigen Cherif und Said Kouachi. Neben den beiden Brüdern, welche durch einen im Fluchtwagen gefundenen Personalausweis identifiziert werden konnten, soll ebenfalls der 18-jährige Hamid M. an dem Verbrechen beteiligt gewesen sein. Dieser hielt sich  zur Tatzeit jedoch in seiner Schule auf und stellte sich nach mehrfacher namentlicher Erwähnung in sozialen Netzwerken der Polizei.

Auch wenn vieles an den Geschehnissen des 7. Januars zwielichtig erscheint, eine Sache müsse jedoch verdeutlicht werden, so die Rede von Präsident François Hollande am Ort des Verbrechens:

„Une attaque contre un journal, c’est une attaque contre la liberté d’expression. (…) Nous devons réagir avec fermeté, mais avec le souci de l’unité nationale (…). Nous sommes dans un moment difficile (…), nous savions que nous étions menacés, car nous sommes un pays de liberté.“

Kurz: Ein Angriff auf eine Zeitung sei einem Angriff auf die Redefreiheit gleichzusetzen und diese Tat werde nicht unbestraft bleiben. Frankreich sei ein freies Land, das besonders in solchen Krisenzeiten auf Zusammenhalt setzen müsse, so Hollande. Als Maßnahme wurde die Terror-Alarmstufe („plan vigipirate“) heraufgesetzt und weitere französische Medien, unter anderem die Redaktion der France 2, unter Polizeischutz gestellt.

Nicht nur internationale Politiker drückten den Opfern und Betroffenen ihr Mitgefühl aus, auch im Internet verbreitet sich die Empathie-Welle rasant: Soziale Netzwerke wie Instagram und Tumblr werden seit gestern dominiert von Posts mit den Schlagwörtern #JeSuisCharlie und #CharlieHebdo, und auch bei Facebook zeigen die Menschen ihre Anteilnahme durch Sharen und Posten von „Je suis Charlie“ Beiträgen und Bildern. Besonders Aufgerüttete drücken ihre Unterstützung der Rede- und Pressefreiheit durch Veröffentlichen von den im Magazin gedruckten Mohammed-Karikaturen aus und sammeln sich am heutigen Gedenktag in vielen europäischen Städten. Was der satirischen Presse wohl einen zerschmetternden Schlag versetzen sollte, ermutigt nun Journalisten, Künstler und Laien weltweit genau zum Gegenteil: Die Ausrufe nach dem Recht sich frei auszudrücken, auch in Medien, erhallen trotz allgemeiner Angst vor ähnlichen Anschlägen rund um den Globus und verstärken den Respekt vor jenen, die sich getraut haben, die kritischen Worte ebenfalls öffentlich zu machen.

„Ils voulaient mettre la France à genoux, ils l’ont mise debout!“, so die Devise eines Frankreichs, das jetzt in diesen traurigen Tagen mehr denn je  als vereinte Nation aufsteht und sich dieser Form von Unterdrückung widersetzen will.

"Je suis Charlie"

„Je suis Charlie“: Fassungslosigkeit am Gedenktag in Paris

 

Quellen:

http://www.rtl.lu/international/597084.html

http://www.spiegel.de/

https://www.facebook.com/Anonymous.Kollektiv/posts/835560656490396:0

http://www.charliehebdo.fr/index.html

http://www.zeit.de/kultur/2015-01/charlie-hebdo-charb-geschichte

Schlagwörter: , , , , ,

„Der Postillon“ trollt PEGIDA

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medien und Politik1 Kommentar »

Es war der 05. Januar, 12:51 Uhr.

Das Satiremagazin „Der Postillon“ veröffentlichte einen Artikel, in welchem behauptet wurde, die PEGIDA-Demonstration in Dresden am Abend des selbigen Tages wäre abgesagt.

07-01-_2015_19-35-07

 

Kurz darauf meldete sich PEGIDA auf deren Facebookseite zu Wort und stellte richtig, dass der „Abendspaziergang“ wie geplant stattfinden würde.

07-01-_2015_19-50-11

 

„Der Postillon“ selbst postete in verschiedenen sozialen Netzwerken allerdings eine PEGIDA-Nachricht, in welcher die Absage der Veranstaltung bestätigt wurde.

Wie? Wer? Was? Wo? Viele Menschen schienen verwirrt, vor allem nachdem „Der Postillon“ einen, wie sich später herausstellte, gefälschten „Spiegel Online“-Artikel verbreitete. Auch war von einem vermeintlichen PEGIDA-Mitorganisator namens Lars Kressmann die Rede. Sowohl der „Spiegel Online“-Artikel als auch eine Lars Kressmann-Gedächtnisseite (das Facebookprofil wurde kurze Zeit später gelöscht) stammen nach Aussage von „Postillon“-Chef Stefan Sichermann jedoch nicht von ihnen. „Das Thema wurde offenbar zum Selbstläufer, da lassen viele ihrer Kreativität freien Lauf.“ Einer der Gründe, weshalb die Meldung so hohe Wellen geschlagen hat, ist wahrscheinlich, dass der Artikel eine Reihe von angeblichen Quellen zitierte und auch die sonst übliche offensichtliche Komik fehlte.

Die Kommentare unter dem Post auf der „Postillon“-Facebookseite sind zwiegespalten. Auf der einen Seite die PEGIDA-Anhänger, auf der anderen die PEGIDA-Gegner…und irgendwo dazwischen die Satireliebhaber, welche die gefälschte Nachricht und deren Verbreitung einfach nur großartig finden und z.B. auch auf den Twitter-Trend „#schneegida“ verweisen.

Doch wie genau kam es eigentlich zu der gefälschten „Spiegel Online“-Meldung? Auf der Internetseite tinyur1.co kann man eine beliebige Website eingeben, welche dann geöffnet wird. Der User hat nun die Möglichkeit, diese Seite beliebig zu verändern und dabei das Layout der Originalseite beizubehalten. Nach dem Abspeichern kann man den Link versenden. Die Seite bleibt dann so lange online, bis sie 3 Tage lang nicht mehr aufgerufen wurde. Ein schöner Gag, um Freunde und Familie einmal hinters Licht zu führen, aber darf und sollte man so etwas in solch großem Stile tun? Daran scheiden sich die Geister und wahrscheinlich haben sowohl Befürworter als auch Gegner gute Argumente vorzuweisen.

Eines jedoch haben die Macher des „Postillon“ definitiv geschafft: „Sie haben den Pegida-Anhängern auf sehr unterhaltsame Weise demonstriert, was passieren kann, wenn man sich des Wahrheitsgehalts einer Meldung wirklich nicht mehr sicher sein kann – Stichwort „Lügenpresse“.“

 

Quellen:

https://www.facebook.com/DerPostillon?ref=ts&fref=ts (07.01.15)

http://www.der-postillon.com/2015/01/nach-internen-querelen-pegida-demo-in.html (07.01.15)

https://www.facebook.com/spiegelonline/posts/10152959249039869 (07.01.15)

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angebliche-demo-absage-satire-seite-postillon-foppt-pegida-macher-a-1011335.html (07.01.15)

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/pegida-und-postillon-verwirrung-um-satire-a-1011386.html (07.01.15)

http://web.de/magazine/panorama/pegida-absage-postillon-spiegel-30340158 (07.01.15)

http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/postillon-vs-pegida-so-geht-luegenpresse/11187408.html (07.01.15)

http://www.sueddeutsche.de/politik/realsatire-im-internet-der-postillon-sagt-pegida-ab-1.2291856 (07.01.15)

http://tinyur1.co/ (07.01.15)

http://www.sueddeutsche.de/news/panorama/wetter-twitter-trend-mit-schneegida-ueber-pegida-spotten-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-141229-99-05655 (07.01.15)

Schlagwörter: , , , , ,

EU Parlament Vs. Suchmachinenmonopole

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Das EU Parlament hat in einer nicht bindenden Resolution dafür gestimmt, dass Großkonzerne sich künftig in der EU gewissen Spielregeln unterwerfen sollen. Gemeint sind Unternehmen wie Google, die eine unglaublich facettenreiche Palette an Angeboten haben: von emails über youtube, android und maps ist alles miteinander verbunden. Was ja eigentlich kein Problem ist. Problematisch wird es dann, wenn alle Bereiche des Unternehmens Daten sammeln und diese für das Erstellen von Suchergebnissen mit einfliessen lassen, sodass die Angebote der eigenen Firma vorne stehen, denn das verstösst gegen die Europäische Vorstellung von Kompetitivität.

Fairnesshalber muss man sagen, dass der Europäische Markt den Anschluss an die Innovation der Suchmaschinen weitgehend verpasst hat. Das benutzt die Amerikanische Regierung jetzt, um zu Argumentieren dass Europa einen Sündenbock dafür sucht, dass weitgehend Amerikanische Unternehmen den Großteil dieses Marktsektors in Europa kontrollieren. Die Entscheidung, Suchmachinenmonople wie Google an die Eurpäischen Marktverhältnisse anzupassen könnte somit zu Problemen in den Handelsbeziehungen mit den USA zur Folge haben.

Die USA jedoch, als Sitz dieser Unternehmen, sind viel weniger sensibel im Umgang mit persönlichen Daten im Internet wie Europa, weshalb die meisten Nutzer hierzulande auch kein Vertrauen in eine Kontrollfunktion der Unternehmen durch die USA haben. Eine Aufspaltung der Verschiedenen Funktionen ist also der bisher beste Lösungsvorschlag, denn das würde für Mediennutzer bedeuten, dass sie sich keine Gedanken mehr machen müssen, wieviele Daten denn jetzt welcher Account wozu speichert: Um einen Youtube Account zu eröffnen, bracht man eine Google-mail Adresse, diese ist mit Google+ verlinkt, wer ein Android Smartphone hat braucht die email Adresse also in vielen Fällen auch, um das Telefon überhaupt in Betrieb zu nehmen. Also benutzt man entweder für jeden einzelne Funktion eine andere email Adresse oder man stellt seinen ganzen Alltag Google zur Verfügung.

Nur wie will das Europäische Parlament und die Kommission dagegen vorgehen?

Das Unternehmen ist Amerikanisch, schon allein rechtlich stellt sich also die Frage ob überhaupt etwas gemacht werden kann, und wenn ja was? wie? und vor allem: wer ist dann zuständig? Transparenz in den Medien zu fordern ist schön und gut, aber viele von uns würden sich sicher auch wünschen, in der Politik einen besseren Durchblick zu haben.

 

Quellen:

http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Netzwelt/d/5777194/eu-parlament-stimmt-fuer-aufspaltung-von-suchmaschinengiganten.html

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/maechtige-internetriesen/vorschlaege-des-eu-parlaments-washington-warnt-vor-zerschlagung-von-google-13287188.html

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/ipsos-umfrage-bezahlbares-internet-ist-ein-menschenrecht-13284964.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/eu-verfahren-gegen-google-eine-aufspaltung-koennte-die-beste-loesung-sein-13285316-p2.html

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/maechtige-internetriesen/europaeisches-parlament-fordert-aufspaltung-von-google-13289643.html

http://www.zeit.de/digital/internet/2014-11/google-eu-parlament-zerschlagung-suchmaschinen

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/google-europaparlament-fuer-aufspaltung-von-suchmaschinen-a-1005317.html

Schlagwörter: , , , , ,
Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO