„Game of Thrones“ wieder mal auf dem Siegertreppchen

geschrieben von in Fernsehen1 Kommentar »

Ein Epos, das die Welt in Atem hält

Einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde; 12 Emmy Auszeichnungen – so viele wie noch keine andere Serie in einem Jahr; Zuschauerzahlen, die in schwindelerregende Höhen steigen – die Serie Game of Thrones hat sich in den letzten Jahren zur erfolgreichsten Produktion des HBO und zu einer der populärsten Fantasyreihen der ganzen Welt entwickelt.

Doch mit großer Beliebtheit kommen natürlich auch die Schattenseiten. Die auf der von George R..R. Martin geschriebende Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ basierende Serie konnte 2015 einen weiteren Rekord brechen und erneut einen ersten Platz erringen:

Spitzenreiter der am meisten illegal gedownloadeten Serien weltweit.

 

Bildschirmfoto 2016-01-01 um 21

Bildquelle

 

Der niederländische Urheberrechtsblog TorrentFreak berichtet, dass Game of Thrones 2015 mehr als 14,4 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Bereits zum vierten Mal in Folge räumt das Fantasyepos damit diesen zweifelhaften Titel ab, jedoch ist die Anzahl der illegalen Downloader drastisch gestiegen. Im Vorjahr betrug der Wert noch knapp 8, 1 Millionen.

Eigentlich aber keine große Überraschung, denn bereits im Frühjahr 2015 schaffte es die HBO Serie mit 258 131 gleichzeitigen Fileshares einen All-Time Web-Piraterie Rekord aufzustellen.

Und wer hat bitte noch nicht von Daenerys Targaryen, Jon Snow, Tyrion Lannister und dem Kampf um den eisernen Thron von Westeros gehört?

Trotzdem beschreiben die 14, 4 Millionen Downloads einen imposanten Wert, wenn man bedenkt dass Game of Thrones „nur“ 8, 11 Millionen reguläre Fernseh-Zuschauer in den USA hat.

Die meisten illegalen Downloads fanden 2015 regelmäßig in der Woche nach Erscheinen der aktuellsten Folge der fünften Staffel statt, die Zahlen schossen nur so in die Höhe. Wenn man sich vor Augen führt, dass HBO ein Pay TV Sender ist, der monatlich 15 Dollar einkassiert, eigentlich kein großes Wunder. Da kommt man doch mit ein paar Klicks viel schneller zum Ziel…dass man mit dem Download des gerade erst in den Portalen erschienenen Video Materials Copyrights verletzt, erscheint nebensächlich.

Die Methode, durch TV Streaming Dienste (Netflix) oder TV-Apps der Anbieter (HBO Now) den Trend des illegalen Downloads zu stoppen, zeigt leider auch keinen wirklichen Erfolg.

Im Gegenteil. Denn auch die zweit – und drittplatzierten Serien, The Walking Dead und Big Bang Theory können im Vergleich zu 2014 einen Anstieg in den Zahlen der Downloads verzeichnen. The Walking Dead erreichte hierbei 2015 6,9 Millionen, im Vorjahr nur 4,8 Millionen heruntergeladene TV-Episoden. Bei the Big Bang Theory belaufen sich die Zahlen auf 4,4 Millionen (2015) und 3,9 Millionen (2014).

Die tatsächliche Zahl der Copyrightsverletzungen liegen angeblich jedoch sogar noch viel höher als im diesjährigen Ranking dargestellt, da Online Streaming sowie Downloads von Episoden die über Hosting Services dargeboten werden nicht zu messen sind. Deshalb ist davon auszugehen, dass die aufgeführte Statistik in Wirklichkeit noch viel höhere Zahlen verzeichnen könnte.

 

Quelle: TorrentFreak

 

 

 

 

 

Schlagwörter: ,

Wie der journalistische Berufsstand durch seichte Nachmittagsunterhaltung demontiert werden kann

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medienkritik1 Kommentar »

Mit dem Ansehen von Journalisten ist es in Deutschland nicht weit her, das belegen verschiedenste Studien immer und immer wieder. Die Reader’s Digest Studie Trusted Brands von 2015 ergab, dass lediglich 26% der über 6000 Befragten Journalisten für vertrauenswürdig halten. Das Online-Magazin Telepolis der Nachrichten-Website des Heise-Verlages wagt in einem Artikel vom September 2015 eine tiefer gehende These: gerade das öffentlich-rechtliche Fernsehen trage dazu bei, dass der Berufsstand so unbeliebt sei. Die Art, wie Journalisten in der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“ bei der Arbeit gezeigt werden, kann diese Aussage nur unterstützen.

Die Telenovela läuft seit 2005 täglich im Ersten. Journalisten und ihre Tätigkeit spielen im Handlungsablauf immer wieder eine Rolle. So auch wieder in den Folgen vom 28. Und 29. Dezember 2015. Das Geschehen: um ihren Gegenspielern zu schaden, gibt die Intrigantin Beatrice Hofer Halbwahrheiten und Fehlinformationen an die Presse weiter, die sie aus einem belauschten Gespräch entnimmt. Am nächsten Tag ist ein Artikel mit reißerischer Schlagzeile in der fiktiven „Rosenheimer Allgemeine Zeitung“ zu finden, der die Geschädigte in Misskredit und Verruf bringt.

In der fiktiven Serie genügt ein anonymer Anruf bei der Presse für solche Artikel. Quelle: http://www.daserste.de/unterhaltung/soaps-telenovelas/sturm-der-liebe/videos/folge-2370-das-darts-turnier-100.html

In der fiktiven Serie genügt ein anonymer Anruf bei der Presse für solche Artikel. Quelle: http://www.daserste.de/unterhaltung/soaps-telenovelas/sturm-der-liebe/videos/folge-2370-das-darts-turnier-100.html

Von der Sendung, die auch ansonsten gerne mal mehr als haarscharf an der Realität vorbei spielt, wird ein fragwürdiges Bild von journalistischer Arbeit vermittelt. Im genannten Beispiel reicht ein einfacher Anruf an die Presse aus, um einen großangelegten Artikel zu lancieren, der einer Einzelperson schadet. Von Sorgfalt bei der Recherche ist keine Spur: statt die Vorwürfe eingehend zu prüfen, bezieht sich der Journalist auf eine einzelne Quelle.

Journalismus funktioniert bei "Sturm der Liebe" vor allem durch Bestechung und andere unlautere Mittel. Quelle: http://www.daserste.de/unterhaltung/soaps-telenovelas/sturm-der-liebe/sendung/folge-2353-102.html

Journalismus funktioniert bei „Sturm der Liebe“ vor allem durch Bestechung und andere unlautere Mittel. Quelle: http://www.daserste.de/unterhaltung/soaps-telenovelas/sturm-der-liebe/sendung/folge-2353-102.html

Bereits Anfang Dezember wurde bei „Sturm der Liebe“ eine Geschichte gezeigt, bei der eine Journalistin abwartete, bis eine junge Frau betrunken war, um ihr Hintergrundinfomationen zu entlocken und später einen reißerischen Artikel darüber zu schreiben, der ein falsches Bild von der jungen Frau zeichnete.

So wird in der Sendung regelmäßig die Tätigkeit von Journalisten in ein unseriöses, schlechtes Licht gerückt. Auf Dauer betrachtet bleibt bei den rund 2 Millionen Zuschauern sicherlich eine Menge hängen, wodurch sich eine negative Meinung festigt, vor allem dann, wenn man sich ansonsten nicht viel mit Journalismus auseinandersetzt. Auf jeden Fall wird jedoch die Darstellung der eigentlichen journalistischen Grundaufgabe, der Wahrung der Demokratie, nicht gerecht, im Gegenteil: man muss sich kaum mehr wundern, warum Journalisten in Umfragen und Statistiken so schlecht wegkommen.

Weitere Quellen:

http://www.deutschlandfunk.de/politischer-journalismus-in-deutschland-zweifelhafte-macht.1310.de.html?dram:article_id=324655

http://meedia.de/2014/10/01/nur-werber-versicherer-und-politiker-schlechter-journalisten-in-der-vertrauens-krise/

Schlagwörter: , , , ,

Der Mythos „Weihnachtsmann“

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen1 Kommentar »

Gegen Ende jedes Jahres begegnen wir ihm nahezu überall, dem alten Herrn mit rotem Mantel und weißem Bart.
Ob groß, ob klein, alle kennen die Erscheinungsform des Santa Claus‘. Doch woher stammt diese Figur, die wir als Sinnbild des heiligsten Fest der Christen, ansehen?

Oft wird behauptet, dass der Weihnachtsmann, so wie wir ihn heute kennen, lediglich eine Erfindung von Coca Cola sei. Im Folgenden soll dieser Behauptung nachgegangen und der Mythos des Weihnachtsmanns geklärt werden.

weihnachten_nikolaus

„Weihnachtsmann“ als Bischof

Das heutige Bild des Weihnachtsmanns wurde nicht nur durch die christliche Weltanschauung verbreitet, sondern auch durch Literatur, Kunst oder Werbespots- also letztendlich auch durch die Medien.

Der Legende nach wurden damals Kinder und Arme von einem Bischof namens Nikolaus von Myra (*270 – † 343) beschenkt. Im Laufe der Zeit veränderte sich die Darstellung dieses Bischofs immer mehr. Die Figur erhielt Stiefel, einen Sack und eine Rute. Er trug einen Mantel und seinen Bischofshut, der sich ebenfalls zunehmend veränderte.

Seit des 19. Jahrhunderts findet man in Liedern und Gedichten erste Beschreibungen des späteren Weihnachtsmanns. Zum Beispiel wurde 1835 die Figur in dem bekannten Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben verbreitet.

 

Thomas Nast entwirft heutiges Erscheinungsbild

1863 wurde Santa Claus von dem Karikaturisten Thomas Nast für das Wochenmagazin
Harper’s Weekly portraitiert: Ein molliger, bärtiger Mann, in rot- weißem Gewand und Rentierschlitten, der am Nordpol wohnt und Kinder mit Spielzeug beschenkt.

Aus der niederländischen Bezeichnung „Sinterklaas“ entwickelte sich in den USA der Name „Santa Claus“. Dort wurde auch seine Kleidung entsprechend an den Winter angepasst.

Großer Durchbruch durch Werbekampagne

1931 erhielt der Schwedische Grafiker und Cartoonisten Haddon Sundblom von der Coca-Cola Company den Auftrag den Weihnachtsmann für eine Werbekampagne zu zeichnen. Nach den Vorstellungen von Thomas Nast zeichnete er den rot gekleideten Mann mit langem weißem Bart 35 Jahre lang jedes Weihnachtsfest aufs Neue.

coca-cola-weihnachtsmann2

Coca-Cola Weihnachtsmann nach Haddon Sundblom

 

Durch die sehr große Reichweite und den langanhalten Erfolg der Coca-Cola Werbung, wurde diese Vorstellung des bärtigen Geschenkeüberbringers mithilfe der Medien in der ganzen Welt verbreitet.
Coca-Cola hat somit nachhaltig dazu beigetragen den Weihnachtsmann mit der Marke in Verbindung zu bringen, doch hat mit seiner Erfindung nichts zu tun.

 

 

 

Schlagwörter: , ,

Der Club der roten Bänder

geschrieben von in Fernsehen, Weblogs1 Kommentar »

Im November 2015 startete auf VOX eine Serieneigenproduktion, die sich  Der Club der roten Bänder nennt. Im Gegensatz zu verschiedenen anderen Krankenhausserien, wie zum Beispiel Greys Atanomy, dreht sich in dieser Serie alles um die Gefühlswelt der Kranken und die Patienten selbst.
Inspiriert wurden die Produzenten von Albert Espinosa, der mit 14 Jahren an Krebs erkrankt und seine Erlebnisse in dem Buch Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt festgehalten hat.

Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass sich die Serie ebenfalls, um krebskranke Jugendliche dreht. Aber nicht nur das. Die Produzenten erschaffen ein einzigartiges Meisterwerk, das viele, in unserer Gesellschaft tabuisierte Krankheiten, vereint. So gibt es neben Leo und Jonas, die an Krebs erkrankt sind, die magersüchtige Emma, den geistig behinderten Toni, den an einem Herzfehler leidenden Alex und den seit zwei Jahren im Koma liegenden Hugo.
Führen alle sechs zu Beginn der Serie ein isoliertes, abgeschottetes Leben, in dem sich ihre komplette Gedanken- und Gefühlswelt, um ihre Krankheit dreht, so finden die Jugendlichen im Laufe der Geschichte immer näher zueinander.

Trailer zur Serie

Grund dafür ist, dass sich die Jugendlichen entscheiden eine Bande zu gründen in der jeder einen festen Platz einnimmt. So übernimmt Leo die Rolle des Anführers, Jonas wird der zweite Anführer. Toni nimmt die Rolle des Schlauen ein, während Alex die Rolle des Hübschen bekommt. Emma bekommt, wer hätte es gedacht, die Rolle des Mädchens zugewiesen. Aber jede Bande braucht auch einen guten Geist, sodass sich alle schnell einig sind, dass Hugo der gute Geist in ihrer Gruppe sein soll.

 

Screenshot_2015-12-15-20-52-46-1                                          Screenshot_2015-12-15-20-54-05-1

 

Um gleich als Gruppe erkannt zu werden, verteilt Leo, der von allen am längsten im Krankenhaus ist, seine roten Armbänder, die er für jede seiner Operationen bekommen hat, an alle Mitglieder. So wird schnell klar, dass sie den Club der roten Bänder bilden.

Zusammen machen die Jugendlichen das Krankenhaus unsicher und haben jede Menge Spaß zusammen. So entdecken sie zum Beispiel, dass der seit Monaten still gelegte 5. Stock einem nicht nur viele schaurige Gruselmomente beschert, sondern auch, dass einige ältere Herrschaften dort heimlich und verboten Poker spielen.
Natürlich steht auch die Gefühlswelt der Jugendlichen Kopf, als Leo und Jonas Gefühle für das einzige Mädchen in ihrer Bande entwickeln.

Auch wenn die Charaktere alltägliche Probleme haben, wie sie jeder von uns kennt, so müssen sie trotzdem jeden einzelnen Tag gegen ihre Krankheit ankämpfen. Und manchmal verliert man diesen Kampf eben auch…

 

Screenshot_2015-12-15-20-49-25-1

„Club der roten Bänder“ nimmt den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit: Lacht man in der einen Minute noch, so läuft einem in der nächsten Minute eine Gänsehaut über den Rücken. Am Ende einer Folge bleibt man weinend und in ein Taschentuch schniefend zurück und kann die Zeit bis zur nächsten Austrahlung kaum noch aushalten.

Die Serie zeigt dem Zuschauer auf humorvolle, aber auch einfühlsame Art und Weise verschiedene Krankheiten auf, die in unserer Gesellschaft tabuisiert sind, über die niemand spricht, die zu intim sind, die niemanden etwas angehen… die man einfach tot schweigt.

Die Produzenten haben eine Serie erschaffen, die Grenzen überschreitet, die aber trotz der Thematik nicht nur traurig ist, sondern dem Zuschauer zeigt, dass auch kranke Menschen einfach nur Menschen sind, die neben ihrer Krankheit die gleichen alltäglichen Probleme haben wie sie jeder von uns kennt. Und vor allem, dass man auch trotz seiner Krankheit Spaß haben kann!

Man selbst beginnt die kleinen Momente des Lebens zu schätzen und zu würdigen. Man erkennt, dass das Leben zu wertvoll ist und manchmal auch viel zu kurz sein kann, um in Trübsal oder Selbstmitleid zu versinken.

Die ersten zehn Folgen der ersten Staffel sind bereits ausgestrahlt, im Herbst 2016 können sich Fans auf die zweite Staffel der Erfolgsserie freuen. Sicherlich werden die Zuschauer auch dann wieder lachen, mit den Charakteren mitfühlen und weinen.
Bereits jetzt hat die Serie viele Menschen mit einem anderen Blick auf die Welt wieder in die Realität zurückgelassen und sicherlich werden es noch einige mehr.

Für alle Fans oder die, die es noch werden wollen, gibt es in der Zwischenzeit ab Januar 2016  die erste Staffel auf DVD .Wer bis dahin nicht warten will, kann sich die Wartezeit mit dem Buch zur Serie von Albert Espinosa versüßen.

 

 

Schlagwörter: , , ,

Raabs (vor-)letzter Streich

geschrieben von in Fernsehen1 Kommentar »

 

Am vergangenen Mittwochabend, dem 16. Dezember 2015, endete für Millionen Pro7- Zuschauer eine Ära: Allroundtalent Stefan Raab beendete nach 2243 Folgen seine Latenightshow „TV total“, welche mit ihrer 16 – jährigen Laufzeit die langlebigste Sendung im deutschen Fernsehen war. Mit einer Einschaltquote von 21,8% bei den 14- bis 49-Jährigen holte der Entertainer zum Abschied den besten Marktanteil für TV total seit mehr als sieben Jahren.

 

 

Im Juni diesen Jahres gab der gelernte Metzger seinen Rücktritt bekannt – die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer:

 „Ich habe mich entschlossen zum Ende dieses Jahres meine Fernsehschuhe an den Nagel zu hängen. ProSieben hat mir eine mehrjährige Vertragsverlängerung angeboten. Das hat mich sehr geehrt. Dennoch habe ich meine Entscheidung nach reiflicher Überlegung und mit Überzeugung getroffen“ (DWDL.de, 17.06.2015)

In der deutschen Fernsehbranche und insbesondere bei Raabs „Heimsender“ Pro7 löst diese Pressemitteilung ein buchstäbliches Erdbeben aus, füllte der Entertainer wöchentlich doch mehrere Stunden des Programms des Privatsenders. Einen Ersatz für Raab finden? Schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Der 49- jährige war schon mehrere Jahre als Moderator beim Musiksender VIVA tätig (1993-1998), bevor TV total im Jahr 1999 mehrmals wöchentlich auf Sendung ging. Die Latenightshow richtete sich vor allem an jüngere Zielgruppen und definierte eine ganze Generation: mit Stand – Up Comedy über aktuellste Geschehnisse, der Begrüßung, die stets von ausgewählten Studiogästen vorgetragen wird, einem Moderator, der schelmisch über seine eigenen Witze lacht, den heavytonesder treuen Band, die stets die „Pausen gefüllt“ hat, das legendäre Nippelboard, das beim Drücken der Buttons die lustigsten Kurzvideos der vergangenen Tage abspielt, und zu guter Letzt das hochkarätige Prominentenaufgebot, welches von Raab in die Sendung gelockt wurde. Egal ob Eminem, Rihanna oder die Wildecker Herzbuben, wer von Raab eingeladen wird, nimmt auf dem Sofa neben Stefans fahrbarem Schreibtisch Platz.

„TV total war ein guter Ort, um Künstler zu promoten, die er unterstützt; Comedians eine Bühne zu geben, die irgendwie mit der Produktionsfirma Brainpool assoziiert sind; neue Eventshows wie Wok-WM, Prominenten-Turmspringen, Autoball oder Stock-Car-Rennen zu bewerben. TV total, das durch die ständigen Bezüge aufs eigene Medium von Anfang an selbstbezüglich war, wurde dadurch auch in einem engeren Sinn zu einem selbstreferenziellen Format: Raab setzte im eigenen Produkt andere eigene Produkte ins Bild.“ (Die Zeit, 19.12.2015)

Begleitet wurde der „Raabinator“ seit 2001 von dem ehemaligen Showpraktikanten Elton, der mittlerweile, woran Raab nicht gänzlich unschuldig ist, selbst mit beiden Beinen im Showgeschäft steht. Neben der Kinderquizshow 1,2, oder 3 im ZDF ist der 44 – jährige auch in sämtlichen TV- Formaten von Raab vertreten (gewesen) und hatte bis zuletzt mit Blamieren oder Kassieren seine eigene Spielkategorie bei Schlag den Raab.

Und so liegt auf der Hand, dass Elton in der letzten Folge von TV total nicht fehlen darf – dass er allerdings als einziger Gast der Sendung auftrat, überraschte die Kritiker. So war die Show eher eine Hommage an Raabs „Ziehsohn“ als ein schillernder Abschied mit Pauken und Trompeten für den eigentlichen Star. Als dieser zum Abschluss einen Kölner „Heimatsong“ trällerte, konnte er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Der letzte Moment seiner Sendung war also auch zugleich sein privatester, macht Raab doch stets ein großes Geheimnis um sein Leben abseits der Fernsehkameras.

Stefan Raab ist und bleibt ein unangefochtener Pionier der Medienbranche, der eine beispiellose Karriere hinter sich hat und das Fernsehen geprägt hat wie kein anderer. Fernsehdeutschland wartet gespannt auf heute Abend, wenn Raab zur Primetime ein letztes Mal in Schlag den Raab auf unseren Bildschirmen zu sehen ist.

 


sonstige Quellen:

 

Schlagwörter: , , , , ,

#heimkommen: Ein Werbeclip der zu Tränen rührt?!

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Internet, Kommunikationsformen, Medienkritik1 Kommentar »

Es ist Ende November in Deutschland, Weihnachtsmärkte haben eröffnet, Lichterketten werden aufgehängt, Adventskränze stehen bereit und auch in unseren Supermärkten finden wir wieder die beliebten Weihnachtsspezialitäten wie Lebkuchen, Spekulatius, Kinderpunsch, Gänsebraten und Co.

Aber gute Produkte müssen natürlich auch gut vermarktet werden. Am 28. November 2015 veröffentlicht die Supermarktkette „Edeka“ einen neuen Werbeclip unter dem Namen #heimkommen, der bereits nach nur einem Tag über 1 Millionen Clicks auf Youtube erzielt. Mittlerweile (Stand vom 1. Dezember) wurde dieser Werbespot schon über 7 Millionen Mal angesehen:

https://www.youtube.com/watch?v=V6-0kYhqoRo

Kurz zusammengefasst geht es in dem Werbespot um einen Opa, der jedes Weihnachten aufs Neue von seinen meilenweit entfernten Kindern versetzt wird. Verzweifelt schmiedet er einen Plan.  Um an Heilig Abend nicht wieder alleine essen zu müssen schickt er seinen Kindern seine eigene Todesanzeige. Diese reisen natürlich sofort trauernd nach Hause, um dort ihren quicklebendigen Vater zu finden. Neben einem festlich gedeckten Tisch ladet er mit dem Satz „Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen? Mmh?“ zur Feier ein.

Konsumenten, Social Media Kommentare sowie Kritiker sind gespaltener Meinung, was die Aussage des Spots angeht.

Antje Hildebrandt schreibt für „Die Welt“:

    „Mit #heimkommen hat Edeka den Bogen überspannt“ 

„Eins steht fest: Das Video ist abgrundtief geschmacklos.“

Hildebrandt frägt sich in ihrem Artikel, ob die Einsamkeit und der Tod in diesem Zusammenhang, in einer Weihnachtswerbung überhaupt genutzt werden dürfen. Die mediale Aufmerksamkeit, die die Hamburger Agentur Jung von Matt mit ihrem Werbespot für Edeka schafft, ist ihr ein Dorn im Auge. Ihrer Meinung nach ist der Spot ein direkter Angriff auf diejenigen, die Weihnachten wirklich alleine verbringen müssen.

Im „Tagesspiegel“ bestätigt Ute Burbach- Tasso, Sprecherin der Diakonie Deutschland, ebenfalls die Kenntnisnahme des Videos. Sie äußert sich zu dem Clip mit diesen Sätzen:

„Das trifft die Einsamkeit von vielen alten Menschen ziemlich gut“

„Ich hoffe, dass ganz viele Deutsche zu Weihnachten ihre Eltern besuchen.“

Feedback in den Sozialen Medien, sowie die Kommentare unter dem von Edeka veröffentlichten Youtube- Video vertritt die verschiedensten Standpunkte. „herzzerreißend“ „rührend“, „traurig“ und „makaber“ liest man am häufigsten. Allerdings trifft der Werbespot überwiegend auf Empathie, Verständnis sowie aber auch einem schlechten Gewissen gegenüber der eigenen Familie.

Ein Videobeitrag von RTL spricht auf weitere wichtige Punkte an. Laut einer von RTL hinzugezogenen Expertin wir der Tod als ungewöhnlich ernstes und trauriges Thema in dem Clip gezielt eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei geht es nicht nur um Aufmerksamkeit  für ein bestimmtes Produkt sondern vielmehr um Aufmerksamkeit für ein spezielles Image das Edeka sich aufbauen will. Eine von Emotionen bestimmte Werbung um aus der Masse herauszustechen.

Kritik hin oder her: Der Werbeclip hat seine Aufgabe mehr als erwartet erfüllt. Edeka ist vorerst im Gespräch. Das angesprochene Thema verdient Aufmerksamkeit, auch wenn es auf den ersten Blick nichts mit Edeka zu tun hat. der Zusammenhang von Tod Einsamkeit im Alter mit Weihnachten kann zwar als makaber angesehen werden, aber trotzdem sollten wir uns die „Moral der Geschicht“ merken.

Die Liebe und Einzigartigkeit der eigenen Familie sollten immer im Vordergrund stehen und geschätzt werden. Familie ist etwas ganz besonderes und nicht als selbstverständlich anzusehen. Diese Botschaft bleibt uns hoffentlich im Hinterkopf, wenn wir unseren diesjährigen Weihnachtsablauf planen.

Schlagwörter: , ,

Verlängerter Ausnahmezustand in Frankreich – das Volk zwischen Sicherheit und Kontrolle

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik, Nachrichten1 Kommentar »

Nach den terroristischen Attacken in Paris, die von der Terror-Miliz Islamischer Staat verübt wurden, in der Nacht des 14.11.2015, rief der französische Präsident Hollande unmittelbar nach diesem Massaker den Ausnahmezustand für Frankreich aus und mobilisierte alle französischen Streitkräfte. Hätte jemand gedacht, dieser Zustand hält nur wenige Tage oder Wochen an, so irrt er sich. Hollande gab bekannt, dass Frankreich bis zum 26. Februar 2016 in dieser „speziellen“ Situation beharren wird.

Was genau passiert während diesem Ausnahmezustand nach Gesetz Nummer 55-385?

Dieser Ausnahmezustand bewirkt, dass dem Staat- genauer gesagt den Präfekten der Departements, dem Innenminister, der Justizministerin, de Verteidigungsminister und  den ausführenden Behörden zusätzliche Rechte und Handlungsfreiheiten ermöglicht werden und schränkt dabei in diesem Zusammenhang die Grundgerechte ein. Zusätzliche Rechte sind die Verhängung von Ausgangssperren, Schließung von so mancher Geschäfte und Locations, Hausdurchsuchungen zu jeder Tages- und Nachtzeit, die nun ohne richterlichen Beschluss ausgeführt werden dürfen, Demonstrations- und Versammlungsverbote und die Kontrolle und Bewachung der Presse und anderen Veröffentlichungsorgane.

Eher umstritten ist die Tatsache, dass Personen, bei denen ein Verdacht zu terroristischen Beziehungen besteht, abgeschoben werden dürfen, obwohl dies nicht gesetzlich fixiert ist.

Das erste Mal wurde dieser Ausnahmezustand während dem Algerien-Krieg vor 50 Jahren verhängt und seitdem schließlich nur zweimal: 1985 während Unruhen auf der zu Frankreich gehörenden Inselgruppe Neukaledonien und 2005 bei ausgearteten Demonstrationen in französischen Vorstädten.

Aktuelle staatliche Handlungen unter diesem Ausnahmezustand

Seit den terroristischen Anschlägen der IS in Paris wurden mehr als 150 Durchsuchungen (Zahl steigt an) in verdächtigen Bezirken durchgeführt, unter anderem in Lyon, Toulouse und Grenoble. Es gab darüber hinaus mehrere Verhaftungen und es kam zur Schließung mehrerer Moscheen und Vereinen, „die die Werte der Republik angreifen“.

Man einigte sich bei der national verhängten Ausgangssperre auf 12 Stunden, die ab 20:00 Uhr beginnen soll. Zwar ist die französische Regierung momentan dazu in der Lage die Presse- und Meinungsfreiheit einzuschränken, doch Frankreich hält sich von einer derartigen Maßnahme fern.

„Französisches Guantánamo“?

Guantánamo ist eines der berühmt berüchtigsten Gefängnislagern Amerikas und dessen Errichtung wurde nach dem Terrorakt am 11.09.2001 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush angeordnet. Den Gefangenen dort, denen terroristische Handlungen angehängt werden, entzog man die Rechte, die nach den Bestimmungen der Genfer Konvention von 1949 beschlossen wurden. Diese Rechte gelten für (Kriegs-)Gefangene, George W. Bush allerdings stufte die Guantánamo- Häftlinge als „illegale Kämpfer“ ein. Auch entzog man ihnen das Verfassungsrecht zum Schutz vor staatlicher Willkür („habeas corpus“), welches besagt, dass niemand ohne richterlichen Befehl verhaftet und länger als zwei Tage verhört werden darf. Schon ewig diskutiert man über dieses Häftlingslager und die Menschen unwürdigen Behandlungen, die dort stattfinden und die Häftlinge auch nach einer (selten vorkommenden) Entlassung schwer schädigen. Auch der Oberste Gerichtshof der USA befasste sich schon einige Male mit der Rechtslage Guantánamos und Obama hat seit Beginn seiner Amtszeit für ihre Schließung plädiert, doch Veränderungen gibt es auch nach all diesen Jahren nicht.

Nun befürchten viele ein „französisches Guantánamo“, was darauf zurückzuführen ist, dass das französische Justizministerium islamistische Terroristen in Sonderhaftanstalten unterbringen will. Die Angst, Islamisten würden in gewöhnlichen Gefängnissen nach neuem Nachwuchs suchen, die schließlich an deren Seite kämpfen könnten, ist groß. Bestes Beispiel dafür sind Chérif Kouchi und Amedy Coulibaly, die in den Terrorakten auf „Charlie Hebdo“ im Januar verwickelt waren. Um also den Einflussbereichen dieser Islamisten zu schwächen, will man sie nicht in die Nähe wütender und leicht beeindruckender Kleinkrimineller lassen. In Paris, wo gegenwärtig 152 als gewalttätig eingestufte Fanatiker inhaftiert sind, sollen vier isolierte Trakte/ Gefängnisse errichtet werden.

Als eine Art Probe existiert seit Oktober des vergangenen Jahres schon eine derartige Einrichtung für Islamisten, in der sich zurzeit 23 Inhaftierte befinden. Die Meinungen über die Errichtung einer Sonderanstalt gehen auseinander. So hat Frankreichs liberale Justizministerin Christiane Taubira Bedenken und Mitglieder des Ministeriums reden abfällig über ein mögliches „französisches Guantánamo“.

 

Weblog eintrag #2 bild

Häftlinge blicken durch die Gitter des Marseiller Gefängnisses Les Baumettes.  Foto: REUTERS

Schlagwörter: , ,

Pixelinfo: Was macht eigentlich der Teletext?

geschrieben von in Fernsehen, Medienwandel1 Kommentar »

videotext-ard

Die Optik ist blockig und nach heutigen Maßstäben eher unattraktiv. Dennoch hat der Teletext die digitale Revolution überstanden und ist auch heute noch fester Bestandteil des deutschen Informationsangebotes und ein nicht zu unterschätzendes Massenmedium. Vor genau 35 Jahren, am 1. Juni 1980, starteten in Deutschland ARD und ZDF einen zehn Jahre währenden Teletext-Testbetrieb mit zunächst rund 70.000 Rundfunkteilnehmern. Während der Service in Großbritannien, dem Land, in dem der Teletext erfunden wurde, bereits seit fünf Jahren vollständig verschwunden ist, erfreut sich der Dienst sowohl bei den Fernsehzuschauern als auch bei den „Machern“ nach wie vor großer Beliebtheit.

Heute ist jeder Fernsehbesitzer in der Lage, Videotext zu empfangen. Geschah die Übertragung zu analogen Zeiten durch die Ausnutzung einer sogenannten „Austastlücke“ (Was ist das?) des Fernsehsignals, so wird der Service im digitalen Zeitalter ganz profan mit dem Audio- und Videostream mitgeliefert. An der optischen Aufbereitung hat sich dabei kaum etwas verändert; allein daran gemessen hätte der Teletext bereits eingestellt werden müssen.

Hohe Zugriffszahlen bei ARD und ZDF

SevenOne_TagesreichweiteEine von der GfK durchgeführte Studie ergab, dass im Jahr 2013 rund 44 Millionen verschiedene Besucher den ARD-Teletext in Anspruch genommen haben, 2014 nutzten täglich rund vier Millionen Zuschauer den Dienst.  An Spitzentagen, beispielsweise bei besonderen Ereignissen wie der Fußball-
Weltmeisterschaft, werden Zugriffszahlen jenseits der acht Millionen Grenze erreicht. Unter den Top-Drei Bereichen rangieren dabei die Nachrichten, Sportinformationen sowie das Fernsehprogramm. Insgesamt 18 zumeist freie Redakteure liefern den benötigten Content, aktuelle Themen stammen in der Regel von der Redaktion von tageschau.de. Die Kosten hierfür sind vergleichsweise gering: Nach Angaben des Senders müssen für das Angebot pro Jahr lediglich 1,7 Millionen Euro aufgewendet werden. Werbung ist bei den öffentlich-rechtlichen Teletexten jedoch tabu; private Sender hingegen
dürfen das redaktionelle Angebot querfinanzieren, was sie mit Angeboten beispielsweise aus dem Esoterik- oder Erotikbereich auch tun.

Teletwittern

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) hat für die Sender der SevenOne-Mediagruppe kontinuierlich sinkende Nutzerzahlen ermittelt. So sank bei Sat1 der Wert von über drei Millionen im Januar 2014 auf knapp zwei Millionen im September 2015. Offenbar sind die Öffentlich-Rechtlichen eher in der Lage, Fernsehzuschauer zur Nutzung des Teletext-Angebotes zu bewegen als die privaten Sendeanstalten. Das mag damit zusammenhängen, dass ARD und ZDF zum einen via Teletext Untertitel anbieten und neue interkative Kommunikationskanäle wie „Teletwitter“ (Was ist das?) vital in seinem Programm einsetzen. Ein großer Vorteil ist zudem die Aufbereitung im Sinne eines Kurznachrichtendienstes. Auf den Startseiten (einheitlich Tafel 100) werden bei allen Anbietern aktuelle Nachrichten mit Angabe der entsprechenden Tafeln sowie aktuell laufende sowie bald beginnende Sendungen angezeigt.

Pixelkunst

ZombieMitunter kann der Teletext zweckentfremdet werden, wenn die Pixel – richtig kombiniert – Kunst ergeben. So zum Beispiel bei einem Projekt der ARD „Der Reiz der Reduktion“. User können auf der Projektseite eigene Bilder hochladen, diese „verteletexten“ lassen und anschließend in den sozialen Medien teilen.

 

 

Auch wenn die Entwicklung auf tendenziell weiter abnehmende Nutzerzahlen zumindest für den kommerziellen Sektor hindeutet – bedingt vermutlich auch durch die Verbreitung von Smart-TV-Geräten, wird der Teletext in Deutschland in absehbarer Zeit nicht vom Bildschirm verschwinden. Er erfreut sich vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern großer Beliebtheit, er dient neben dem Smartphone oder Tablet der schnellen Informationsbeschaffung „on the fly“.

 

Bildquellen:
Pixelkunst: www.daserste.de/specials/ueber-uns/ard-text-teletext-art-festival-2013-120.html
Videotext-Logo: photos.techfieber.de/wp-content/uploads/2010/05/videotext-ard.jpg

Sonstige Quellen:
www.daserste.de/specials/service/ard-text-35-geburtstag-infos-100.html
www.daserste.de/specials/ueber-uns/ard-text-110.html
www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/kultige-tv-funktion-warum-der-videotext-nicht-totzukriegen-ist/10358120-all.html
http://www.daserste.de/specials/service/ard-text-35-geburtstag-zahlen-100.html
https://www.sevenonemedia.de/c/document_library/get_file?uuid=a44cf50f-d110-48d6-a6be-4688bc8316a7&groupId=10143

Aktualität über Relevanz?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Internet, Internet und Politik, Nachrichten, Printmedien1 Kommentar »

Wer kennt das nicht? Gestern war uns noch wichtig, dass das Freihandelsabkommen nicht durchkommt, heute ziehen sich von Einem auf den anderen Moment Berichte über ein Attentat in Paris durch die Schlagzeilen. Was Gestern wichtig war, scheint nun vergessen und weicht einem Thema, das eine explosionsartige Verbreitung erfährt. Nicht automatisch handelt es sich dabei um etwas nebensächliches, ganz im Gegenteil! Es sind in der Regel Themen, aus denen die Presse ein hohes Maß an Dramaturgie zieht und diese verkauft.

Diverse Faktoren bestimmen, wann es ein Ereignis in die Schlagzeilen schafft: persönlicher Bezug, Involvierung prominenter Personen, oder großer Staaten, die Negativität eines Ereignisses, die Kontinuität in der über das Thema berichtet wird und einige weitere, nicht zuletzt aber ist entscheidend, ob das Ereignis aktuell ist. Gerade ein Vorfall wie Paris erfüllt mehrere der genannten Faktoren. So ist es also nicht verwunderlich, dass Dinge wie TTIP, oder der Gaza-Konflikt schnell in den Hintergrund rücken. In einem Spiegel-Artikel  ist beispielsweise die rede von 1000 Toten in Gaza. In Gegenüberstellung zu den Ereignissen in Paris, ist dies eine Zahl, die die Messlatte sprengt. Hinzu kommt, dass die Meldung über eine Waffenruhe in Gaza, welche laut Spiegel aus den hohen Opferzahlen resultiert, keinen Boden findet, da es sich hierbei um ein positives und in fortlaufende Entwicklungen eingebettetes Ereignis handelt.
TTIP, auch als Transatlantisches Freihandelsabkommen bekannt, ist weder aus der Welt, noch hat es Minderung erfahren. Laut Wikipedia wird 2016 entschieden, ob es in bekannter Form in Kraft tritt, oder nicht. Aktuelle Ereignisse, die wie man sieht, geringere Ausmaße als Gaza annehmen, verdrängen Themen wie TTIP aus den Medien und ermöglichen es den Verantwortlichen eine Durchsetzung mit wesentlich weniger Hindernissen durch zubringen. Für uns Verbraucher könnte das neben diversen anderen Dinge auch erheblich schlechtere Qualität bei Konsumgütern aus der Lebensmittelbranche, Aufweichung und Umgehung von Arbeitnehmerrechten und Gefährdung des Tierschutzes bedeuten (siehe Wikipedia-Artikel).

Ein klassisches Beispiel, welches den Fokus auf aktuelle Geschehnisse herausstellt, ist hierfür die Themenverteilung in den Nachrichten für den vergangenen Oktober:

Unbenannt

Wie also kann ich mich nun als Nachrichtenkonsument richtig orientieren?

In erster Linie ist es wichtig, für sich selbst zu wissen, was einen betrifft, oder wo das persönliche Interesse liegt. Weiterhin bedarf es einiger Recherche um in den entsprechenden Themenbereichen auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Das wäre schon alles.

Wer also seinen Fokus in der leichten Vermarktbarkeit von Negativmeldungen und Aktualität nicht verlieren will, muss sich selbst ein wenig mehr betätigen, was das Nachrichten lesen und schauen angeht.
Nichts desto trotz wird die Aufmerksamkeit der Rezipienten weiterhin in erster Linie auf eben diesen Kriterien liegen. Uns selbst ist es überlassen, was wir daraus machen und wie wir darauf reagieren.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ueber-1000-tote-in-gaza-israel-erwaegt-laengere-feuerpause-a-983044.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Transatlantisches_Freihandelsabkommen
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/39456/umfrage/top-10-themen-in-den-tv-nachrichten/

Schlagwörter: , , , ,

Wut statt Vertrauen

geschrieben von in Fernsehen, Medien und Politik, Medienkritik1 Kommentar »

Deutsche Medien sehen sich immer mehr der Kritik ausgesetzt, dass sie nicht unabhängig und unglaubwürdig seien. Diese Begebenheit scheint keine kurzfristig Verdrossenheit von Einzelnen darzustellen, sondern macht einen großen Teil der Bevölkerung aus.

Der Begriff der ,,Lügenpresse“, welcher in der deutschen Geschichte des öfteren aufgetreten ist und wohl am stärksten bei Joseph Goebbels Nazi-Propaganda zum Vorschein trat, begibt sich wieder in den Sprachgebrauch vieler. Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass der Begriff nicht nur auf Pegida-Demonstrationen skandiert wird, sondern ein Fünftel der wahlberechtigten Bevölkerung in Deutschland ihn verwenden würde, wenn es um deutsche Medien geht.  Somit ist das Unwort des Jahres 2014, welches sonst vermehrt in rechten Kreisen verwendet wurde, wieder im Munde eines nicht zu vernachlässigenden Teils der Deutschen.

Das Vertrauen gegenüber den Medien ist in weiten Teilen der Bevölkerung tief erschüttert. Nur etwa die Hälfte der Bürger hält die deutschen Medien für glaubwürdig. Dies resultierte gerade aus Ereignissen, bei denen die Berichterstattung selbst starker Kritik ausgesetzt wurde. Im Falle des Ukraine-Konfliktes wurde die Glaubwürdigkeit und damit auch das Vertrauen in die Medien nachhaltig geschädigtFür 37% der Deutschen ist das Vertrauen in die Medien in den letzten Jahren gesunken.

Für ein konkretes, wenn auch extremes, Beispiel für Misstrauen sorgt der Bericht des ZDF morgenmagazins, welcher den Kontakt der Teilnehmer, der mittwöchlichen AfD-Kundgebung in Erfurt, mit der Moderatorin Dunja Hayali zeigt. Der gekürzte Bericht wurde aufgrund zahlreicher Zensur- und Manipulations-Vorwürfe nochmals in voller Länge auf Facebook und in der ZDF-Mediathek hochgeladen.

Sicherlich wird bei einer solchen Kundgebung kein objektiver Schnitt durch die deutsche Gesellschaft gezogen, jedoch ist bedenklich, dass Teile des Publikums einen verzweifelten Eindruck machen. Sie fühlen sich nicht verstanden und betonen, nicht etwa Nazis oder AfD-Anhänger zu sein, sondern dass ihnen ein Medium fehlt, das ihre Gedanken und Ängste vertritt.

Höchstwahrscheinlich ist das Gros der Teilnehmer einer solchen Veranstaltung nicht mehr belehrbar, jedoch sollte jeder aufschrecken, wenn das voranschreitende Misstrauen in Medien zum präferieren extremer Ansichten führt.

 

 

EinsPlus mit Sternchen – Das Ende eines Digitalsenders

geschrieben von in Fernsehen, Internet, Medienkritik1 Kommentar »

Auch in den schnelllebigen, sensationsaffinen Tagen des digitalen Zeitalters sollte hin und wieder Zeit gefunden werden, um kurz innezuhalten und „Danke“ zu sagen. Gerade dann, wenn es gilt die Dynamik des urgermanischen Lieblingsmediums Fernsehen – wenn auch im Kleinen – in voller Arbeit zu erleben und den in diesem unaufhaltsamen Fortgang am Straßenrand Sitzengebliebenen wehmütig hinterher zu winken. Die Rede ist hier vom Abschied vom ARD-Digitalsender EinsPlus, welcher voraussichtlich zum Beginn des sich mit großen Schritten nähernden Jahres 2016 gemeinsam mit der intellektuellen ZDF-Tochter ZDFkultur den Weg in die ewigen Jagdgründe der Television antritt (die SZ berichtete). Und so darf im folgenden wohl in zumindest annähernd berechtigt zu nennenden Maße – und selbstverständlich mit allem Respekt vor zuletzt genannter Theater- und Kulturplattform des Lerchenbergs – eine bescheidene Frage geäußert werden: Warum eigentlich ausgerechnet EinsPlus?

szQfY2PZ

Das EinsPlus-Logo seit dem Frühjahr 2012 im Graffiti-Style trägt nun Trauerflor. (Quelle: https://twitter.com/einsplus)

Der Anfang vom Ende

Die Entscheidung fiel bereits vor über einem Jahr, das heißt, um näher zu den öffentlichen und offiziellen Beweggründen der öffentlich-rechtlichen Programmdirektion zu gelangen, muss der Blick zurück in den vergangenen Oktober gehen. Dort entschloss sich die Ministerpräsidentenkonferenz zur Einstellung des 1997 als „einsMuXx“ ins Leben gerufenen und seitdem mit fast schon regelmäßig zu nennenden Facelifts, Konzeptumstellungen und sonstigen mehr oder weniger weitreichenden Veränderungen bedachten Digitalsenders; doch nicht etwa aus Gründen fehlender positiver Resonanz oder ähnlichen pragmatischen Anliegen, wie sie bei der in den letzten Jahren stark erfolgsverwöhnten und was die Programmgestaltung im Hauptprogramm angeht durchaus innovativ arbeitenden Agentur der Rundfunkanstalten zu vermuten wären.

Der eigentliche Grund von ARD und ZDF ist der bereits seit nunmehr fast einer Handvoll Jahren gehegte und in der Frage um seine mediale und vor allem konzeptionelle Beschaffenheit quasi über die gesamte Länge der zeit umstrittene öffentlich-rechtliche Jugendkanal. Die Zielgruppe der 14-30-Jährigen anzusprechen offenbart sich als Anliegen, wenn nicht sogar als Wunsch der ARD, genau wie zugleich auch des ZDF.

Letztgenannte Sendeanstalt sucht ihren Zugang zu dieser zugegebenermaßen , der extrem großen Dynamik in puncto Sehgewohnheiten und -vorlieben geschuldet und somit so oder so stark im Privatfernsehen verwurzelten, schwierig zu erreichenden peer group verstärkt im crossmedialen Ausbau von Unterhaltungs-, bzw. Comedy-Formaten. Bestes Beispiel dürfte hier die seit 2014 auffällig ausgedehnt und entsprechend präsent in Sozialen Netzwerken wie Facebook agierende „heute-Show“. Das Vorgehen des Ersten wiederum zeigt sich indes beinahe ironisch.

Analoge Frischzellenkur

Ironisch deshalb, weil man im Frühsommer 2012 ausgerechnet EinsPlus mit einer breit angelegten und mit einer breit angelegten und mit in der jungen deutschen Medienmacherszene durchaus namhaften Gesichtern ausgestatteten Programmoffensive zu verjüngen suchte – auf der einen Seite mit teilweise auch in 2015 mit beachtlichem Erfolg fortlaufenden Eigenproduktionen (etwa „Ausflug mit Kuttner“, dessen deren dritte Staffel 2016 wohl im ARD-Hauptprogramm ihren Platz finden wird, wie Kuttner selbst auf ihrer Facebook-Page bekannt gab), auf der anderen Seite mit der Förderung von aufstrebenden Formaten und dahinterstehenden Talenten wie dem inzwischen Grimme Preis-gekrönten Philipp Walulis („Walulis sieht fern“ nahm 2011 seinen Anfang im privaten Spartenfernsehen auf Tele5). Dazu kamen jährliche Konzertübertragen bzw. -zusammenschnitte von dem vom für EinsPlus federführenden SWR veranstalteten „New Pop Festival“ in Baden-Baden und den in den Zuständigkeitsbereich der Südwestfunk-Tochter DasDing fallenden Auftritten bei „Rock am Ring“.

Doch diese Art von medialer Frischzellenkur genügte allem Anschein nach noch nicht. Ein aufwendig ausgebautes Web-Angebot, programmbegleitende Korrespondenz auf Facebook und Twitter, sogar ein neues – leider im zweiten Jahrzehnt nach Ende der 1990er-Jahre leicht hölzern wirkendes – Senderlogo im Graffiti-Style konnten die im besagten Oktober 2014 entschiedene Entscheidung nicht aufhalten: Nein zum mediathekgestützten linearen Digitalprogramm, Ja zu einem öffentlich-rechtlichen Online-Jugendkanal.Wie ebendieser sich letztlich präsentieren und von etwaigen anderen, sich in Richtung der selben Zielgruppe neigenden Webangeboten unterscheiden wird, steht bis dato noch in den Sternen.

Jedoch wurde vor kurzem Staffel 2 der von Kritik und Publikum gleichermaßen überraschend positiv aufgenommenen, simultan auf Youtube und linear auf EinsPlus veröffentlichten Show „1080 NerdScope“ vom SWR in Auftrag gegeben; allein schon das Vertrauen der Öffentlich-Rechtlichen in drei der erfolgreichsten deutschen Youtuber (unter anderem den durch sein Merkel-Interview im Juli 2015 einer breiteren Masse bekannt gewordenen ‚LeFloid‘ alias Florian Mundt) lässt darauf schließen, dass ARD und ZDF ihre Chancen hier darin sehen, die inhaltliche und pragmatische Affinität der anzusprechenden Altersgruppe in Richtung Internet zu nutzen; sprich, dem Trend hin zum non-linearen Fernsehen  über Plattformen wie allen voran Youtube folgen werden.

Doch niemals geht man so ganz

Doch zurück zu EinsPlus. Da nun das Feststehende geklärt ist und der Lauf der Dinge nachvollziehbar oder zumindest offensichtlich wird, sollte dem Sender an sich dennoch eine gewisse Ehrung und das versprochene Dankeschön zu Teil werden. Nicht nur, weil es durchaus eine Leistung ist, in der schnelllebigen TV-Landschaft Deutschlands fast zwei Jahrzehnte allen Experimenten und Umstrukturierungen durch die Sendermutter ARD zu trotzen und in der Nische zu überleben – schließlich gilt dies in genau demselben Maße für EinsFestival und zumindest ähnlich für ZDFneo.

Auch nicht wegen sonderlich breit angelegter oder kreativer Programmplanung, welche sich leider zumeist in einem sehr hohen Maße an Wiederholungen und entsprechend wenig Aktualität niederschlägt; ein Umstand, den wiederum fast alle öffentlich-rechtlichen Digitalprogramme teilen und der wohl letztlich auch ZDFkultur um seinen fortwährenden Platz in der deutschen Fernsehlandschaft brachte.

Viel mehr ist es letztlich einzig und allein der Umstand, dass EinsPlus eine kleine aber feine Plattform für frisches (und nicht mehr ganz so frisches), junges deutsches Fernsehen war, beziehungsweise ist. Formate wie Klub Konkret (seit 2012), das Videospiel-Magazin Reload 2012-2014) oder die Infotainment-Show „Es geht um mein Leben“ (2012-2014) mit Pierre M. Krause sind ein guter und stichhaltiger Beweis dafür, dass lineares Fernsehen auch in den 2010er-Jahren entgegen aller Behauptungen nicht tot ist. Ein Umstand, der den Dank aller Liebhaber des gepflegten, klassischen Fernsehens verdient hat.

Deshalb im Namen aller jungen Menschen, deren Abwesenheit offenbar zum Ende von EinsPlus geführt haben: Es tut uns Leid, EinsPlus, und es liegt nicht an dir – das Internet ist schlichtweg attraktiver und wir können dich nicht richtig schätzen. Du hast getan was in deiner Macht stand; und das war wohl leider zu wenig für die modernen Tage, in denen wir leben.

Schlagwörter: , , , , , ,

Lady Liberty und Hitlergruß: Ist Deutschland bereit für eine solche Werbung?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medien und PolitikKommentare deaktiviert für Lady Liberty und Hitlergruß: Ist Deutschland bereit für eine solche Werbung?

2085482066-the-high-castle-Mo7p0qC10a6

Die Freiheitsstatue, das Symbol für die traditionellen Werte der USA, wie Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung, mit Nazi-Schärpe und den Hitlergruß ausführend.
Solche Plakate zeigt Amazon zur Zeit in den den Straßen New Yorks und bewirbt damit die neue, für den eigenen Streamingdienst „Prime“ produzierte Serie „ The man in the high castle“.

Jene Serie, basierend auf dem im Original gleichnamigem Roman (im deutschen: „Das Orakel vom Berge“) von Philip K. Dick aus dem Jahre 1962, spielt in einer fiktiven Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, welchen Nazi-Deutschland und die Achsenmächte gewonnen haben und im Folgenden die USA unter sich aufgeteilt haben.

Auch hierzulande bietet Amazon die Serie als Stream an. Beworben wird sie hier jedoch nicht mit oben genanntem Plakat. Die deutsche Version zeigt schlicht das mit Kugeln beschossene Konterfei George Washingtons, dem ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Aber warum? Warum wurde das deutsche Plakat zensiert? Sind wir Deutsche denn 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges immer noch so ängstlich gegenüber der Darstellung von Nazi Symbolen?

Zuerst muss gesagt werden, dass das Verwenden von verfassungsfeindlichen Symbolen, zu denen auch das Hakenkreuz, sowie die Hakenkreuzfahne zählen, in §86a des Strafgesetzbuches, verboten ist.

Jedoch ist es in allen Lebensbereichen omnipräsent. Seien es Abbildungen in Schul- oder Geschichtsbüchern, Filme welche sich um Nazis oder den zweiten Weltkrieg drehen usw.
Zu solchen Zwecken ist seine Darstellung auch erlaubt.

Warum aber diese Angst vor dem Hakenkreuz?

Zum einen ist da die moralische und historische Verantwortlichkeit der Deutschen gegenüber den Opfern der Nationalsozialisten. Eine Verwendung deren Symbole zu rein unterhaltenden oder provokativen Zwecken vermittelt eine gewisse Gleichgültigkeit den Opfern gegenüber.
Zudem fühlen sich viele Deutsche durch die Darstellung eines Hakenkreuzes angegriffen. Sie befürchten, dass der Eindruck entstünde, wir Deutschen würden uns noch immer mit seiner Symbolik identifizieren und somit an den Rest der Welt vermitteln, immer noch Nazis zu sein.

Nüchtern betrachtet ist das Hakenkreuz jedoch nichts weiter als ein Symbol. Seine eigentliche Bedeutung erhält es erst durch den Kontext, in welchem es verwendet wird: So gilt es beispielsweiße in östlichen Religionen, wie etwa dem Buddhismus oder Hinduismus, als Glückssymbol.
Und selbst wenn es im Bezug zum Dritten Reich steht und in der heutigen Bundesrepublik auf einem Werbeplakat zu sehen ist, lässt sich dadurch noch nicht verallgemeinernd ableiten, dass die Deutschen immer noch nationalsozialistisches Gedankengut gutheißen und fördern.

Deshalb wird es 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in einem Deutschland, das sich zu Demokratie und Menschenrechte bekennt, im europäischen Einigungsprozess eine aktive Rolle innehatte und den Frieden in der Welt fördert, Zeit, die Angst vor den Zeichen der Vergangenheit abzulegen.

 

Abschließen und entgegen aller Kontroversen, dieses sensible Thema hervorbringt, sollte jedoch die Absicht dieser Werbeplakate seitens Amazons hervorgehoben werden: Provokation!

Denn durch sie wird eine Diskussion über die moralische Verwerflichkeit einer solchen Werbeaktion in der Öffentlichkeit erregt, welche vor allem eines bewirkt: Aufmerksamkeit für Amazons neue Serie!

Bildquelle: dpa

 

Schlagwörter: , , ,

Ausstieg aus dem Showgeschäft – Raab hört auf

geschrieben von in Fernsehen1 Kommentar »

Es war der Paukenschlag im TV-Sommer, als Stefan Raab Mitte Juni verkündete, seine Fernsehkarriere Ende des Jahres an den Nagel zu hängen. Niemand hat auch in keinster Weise etwas davon geahnt. Dennoch wird ein ganz großer die Bühne verlassen.

Es war am 17. Juni diesen Jahres, als spät abends nach 22 Uhr die Nachricht verkündet wurde. Anfangs noch gerüchteweise, später dann offiziell von ProSieben bestätigt. Der „Raabinator“ beendet seine glorreiche TV-Karriere. Viele Leute wunderten sich über den Augenblick der Verkündung, doch dies geschah aus einem ganz einfachen Grund. Raab wollte seinen Rücktritt seinen Mitarbeitern selbst erzählen, ehe sie es von der Presse erfahren. Da an dem Tag eine Folge „Schlag den Star“ aufgezeichnet worden ist, und diese sich bis 21 Uhr hinzog, ist es vollkommen verständlich. Spitze Zungen behaupten, Raab hätte seinen Abschied extra spät verkündet,um der schon lange auf Kriegsfuß stehenden BILD-Zeitung eins auszuwischen. Denn diese hatte zu dem Zeitpunkt schon Redaktionsschluss, und musste somit alles über den Haufen werfen.

Stefan Raab bei TV Total

Stefan Raab ist ein Mann mit geschärftem Blick und mit konkreten Vorgehen. Ganz nach dem Motto:“ Was er sich vornimmt, das schafft er.“ Es ist logisch, dass sich beim Entertainer auch viele Geister scheiden, da er in seiner Sendung „TV Total“ Leute aus Fernsehbeiträgen verspottet. Die Einen finden diese Art von Humor lustig, andere wiederum können mit diesem abwertenden Humor nichts anfangen. Diesbezüglich musste Raab auch schon einige Schmerzensgeldklagen einstecken und zahlen.
Er selbst schirmt dagegen seine Familie komplett aus der Öffentlichkeit ab. Das Einzige was man über seine Familie weiß, ist die Tatsache, dass er eine Frau und 2 Töchter besitzt. Viele sehen darin auch ein Zwiespalt und fragen sich, wie kann man sich über medienunerfahrene Personen lustig machen, und selbst hält man seine Familie aus der Öffentlichkeit. Raab kontert, dass die Leute sich ja freiwillig in der Öffentlichkeit präsentieren und somit für Jeden zugänglich ist. Seit 2004 gibt Raab der Bild-Zeitung, und seit mehreren Jahren RTL keine Interviews, provoziert aber in seinen Shows immer mal wieder mit der Intelligenzschwäche der RTL-Zuschauer.

 

Raabs Karriere – ein Aufstieg nach Maß

 

Mit der Produktion von Werbejingles begann seine Karriere Anfang der 90er Jahre, bis 1993 der Musiksender VIVA auf ihn aufmerksam wurde, und ihm die Show „Vivasion“ anbot. Diese moderierte er bis 1998. Während der Zeit blitzte immer wieder Raabs Genie auf. Er produzierte Lieder, unter anderem für den damaligen Bundestrainer Berti Vogts. 1998 begann dann auch Raabs Karriere beim Eurovision Song Contest, als er zusammen mit Guildo Horn „Guildo hat euch Lieb“ aufführte. Zwei Jahre später war Raab alleine beim ESC, und holte mit seinem etwas verrückten Lied „Wadde hadde dudde da“ den 5. Platz. 1999 kam es dann zum Beginn des großen Durchbruchs, als die erste Folge TV Total gedreht wurde. Damals noch einmal pro Woche strahlt ProSieben seit 2001 die Sendung viermal wöchentlich aus. Der Ablauf der Sendung ist mittlerweile ähnlich. Zu Beginn fängt er mit Stand-Up Comedy an und berichtet über lustige TV-Ausschnitte. Anschließend kommt ein Prominenter, der in eigener Sache etwas promoten will, sei es ein Film, ein Buch oder ein selbstentwickeltes Produkt.
Jedoch ist TV-Total nicht Raabs einziger Baustein zum hohen Ross, denn durch viele verrückte Sondersendungen, schaffte er es von nun an zum Publikumsliebling. Angefangen mit der Wok-WM, über die StockCar-Crash-Challenge, der Autoball-WM, dem TV Total Turmspringen bis hin zum Bundesvision Song Contest ist jede seiner besonderen Sendungen ein Erfolg, was nicht nur Raab selbst, sondern auch dem Sender ProSieben gefiel. Als er sich dann auch in der Sendung „Schlag den Raab“ einem Bewerber im Kampf um 500.000€ stellt, war der Durchbruch gelungen. Diese Show wird natürlich zur Primetime am Samstagabend live ausgestrahlt und ist der Quotenbringer für ProSieben.

Diese Sendelücken, die Raab im kommenden Jahr hinterlässt, sind für den Sender schwer aufzufangen, allerdings trennt man sich „im besten Verhältnis“.
Am 11. Dezember wird es eine Sondersendung geben, wo das Beste aus TV-Total gezeigt wird, am 16.12. wird es dann die letzte TV-Total Folge geben, ehe sich Raab am 19.12. nach der letzten „Schlag den Raab“ Sendung komplett aus dem Showgeschäft zurückzieht.

Quellen: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/stefan-raab-beendet-seine-tv-karriere-13653419.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Raab                 http://www.morgenpost.de/kultur/tv/article142735226/Warum-Stefan-Raabs-Rueckzug-erst-am-Abend-bekannt-wurde.html

Schlagwörter: , ,

Schleichwerbung auf YouTube – Ist jetzt Schluss damit?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Internet, Medienwandel, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Knapp 60% Marktanteil unter den Videoplattformen, knapp 70% der Jugendliche im Alter von 14-29 Jahre nutzen die Plattform regelmäßig, die beliebteste Social-Media-Plattform deutlich vor Facebook, 300 Stunden neues Videomaterial pro Minute und über 4 Milliarden Videoaufrufe pro Tag weltweit. Das alles ist YouTube. Die Videoplattform Nummer 1, die mittlerweile in der jugendlichen Zielgruppe (12-19 Jahre) dem klassischen Fernsehen den Rang abgelaufen hat. So nannten bei einer Studie nur noch 84% Fernsehen als Zeitvertreib, wobei YouTube von 93% der Befragten Jugendlichen eine Freizeitbeschäftigung ist.

YouTube-Kinder-1024x576-4c9559c793ee409a

Mittlerweile nutzen knapp 50% der User die Angebote von Youtube mobil.

Klar, dass das Phänomen YouTube und seine Reichweite bei Unternehmen und vor allen Dingen bei Werbetreibenden nicht unbemerkt bleibt und das riesige Potenzial erkannt wird und genutzt werden will. Was YouTube über die Marktmacht und Reichweite hinaus überaus interessant für Werbung macht, ist die persönliche, gar freundschaftliche Bindung, die viele Fans zu ihren Idolen spüren und die auch so von den YouTubern nach außen hin vermittelt wird. Dadurch wurden Produktplatzierung immer wieder als eine ungekennzeichnete, persönliche Empfehlung von den YouTubern an ihre Fans dargestellt. Dadurch ist es vor allen Dingen für die leichtgläubigen, jungen Fans extrem schwierig nachzuvollziehen, was man davon ernst nehmen kann und was in Wirklichkeit nur bezahlte Werbung ist.

ytitty-samsung-galaxy-s4-active-schleichwerbung-rcm992x0

Phil und TC von Y-Titty halten das damals neue Galaxy S4 in die Kamera, ohne irgendeine Kennzeichnung. Schleichwerbung?

Bekannt sind natürlich nur wenige Fälle von ungekennzeichneten Produktplatzierungen, man würde sich freilich ein Eigentor schießen, sollte man dies öffentlich zugeben. Verdachtsmomente gibt es aber zu genüge und auch heute auch noch immer wieder. So stehen die überaus beliebten „Haul-Videos„, in denen meistens weibliche YouTuber ihre neuesten Errungenschaften aus angesagten Geschäften, wie DM oder H&M, präsentieren und in die Kamera halten, unter Verdacht eigentlich nur Marketingmaßnahme zu sein. Darüber hinaus gibt es auch klassischere, versteckte Produktplatzierung wie man sie aus dem Fernsehen oder Kino kennt. So trank das Comedy-Trio Y-Titty in ihren Videos immer wieder Coca-Cola und präsentierte in ihren Musikvideos ein Samsung-Handy. Bei knapp 3,2 Millionen Abonnenten über die der Kanal verfügt, sicherlich kein Zufall.

maxresdefault

Ein klassischer DM-Haul der YouTuberin DagiBee. Darin präsensiert aktuelle Produkte der Firma DM, angeblich aus eigenem Antrieb.

So setzt auf YouTube eine zunehmende Kommerzialisierung des Contents ein, immer mehr der Videos sind gesponsert oder gar reine Werbevideos. Vom eigentlichen und ursprünglichen Kredo „Broadcast Yourself“ ist immer weniger zu sehen. Dass diese Werbevideos oftmals nicht als solche gekennzeichnet sind, beschäftigt die Medienanstalten schon länger. Bislang bewegten sich allerdings sowohl die Content-Producer, als auch die Werbetreibenden in einer Grauzone, da es noch keine eindeutigen Regelungen für den Bereich Social-Media, also auch nicht für YouTube, gab. Nun allerdings gaben die Medienanstalten in einem FAQ klare Rahmenbedingungen heraus, wie sie schon bei Film, Radio und Fernsehen längst existierten und gelten.

Darin werden alle wichtigen Fragen zur korrekten Kennzeichnung von verschiedenen Sachverhalten erklärt und vor allen Dingen auch die Konsequenz eines Imageschadens und Glaubwürdigkeitsverlusts für YouTuber bei Nichtbeachtung aufgezeigt. Wirklich neu sind die Regelungen allerdings nicht, denn auch auf YouTube gilt, wie überall: „Werbung muss als solche leicht erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote angemessen durch optische und akustische Mittel oder räumlich abgesetzt sein (§ 58 Absatz 3 in Verbindung mit § 7 Abs. 3 Rundfunkstaatsvertrag).“Unbenannt

Wer dies in der Vergangenheit nicht richtig getan hat, Stichwort Y-Titty, hatte allerdings keine Strafen oder Sanktionen zu fürchten. Inwiefern sich das jetzt ändern wird und überhaupt kann, in Anbetracht der riesigen Mengen an Content, die täglich hochgeladen werden, bleibt weiterhin völlig offen und spannend.

Schlagwörter: , , ,

Die Tribute von Panem – Wie viel Realität steckt im Film?

geschrieben von in Fernsehen, Medienkritik1 Kommentar »

„Wenn dieser Film wirklich ein Überraschungserfolg aufgrund der guten Nachfrage bei den jungen Menschen unseres Planeten ist, dann ist nichts verloren, die Jugend ist ganz in Ordnung trotz IPhones und Twitter.“

So lautet eines von vielen Kommentaren zum derzeitigen Kinohit „Die Tribute von Panem“.

Der aus vier Teilen bestehende US-amerikanische Science-Fiction Film basiert auf der gleichnamigen Romantrilogie von Suzanne Collins und legte mit dem dritten Teil „Mockingjay 1“ den erfolgreichsten Kinostart 2014 hin. Schon der erste Teil „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ kam im Jahre 2012 auf ca. 2.125.312  Besucher in Deutschland, während der zweite Teil „Catching Fire“ es auf stolze 3.741.820 Besucher schaffte.
Allein in den USA spielte der erste Teil des dritten Films der „Tribute-von-Panem“-Reihe an seinem ersten Wochenende satte 123 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: Die nächsten 35 Filme zusammengenommen spielten nur die Hälfte davon ein.

Worum geht es?

Die Handlung des Films spielt im von Naturkatastrophen und Kriegen zerstörten Nordamerika in naher Zukunft. Das aus den Trümmern entstandene neue Land „Panem“ besteht aus einem Regierungssitz, dem Kapitol,  und den zwölf Randgebieten, den Distrikten. Seitdem sich die Distrikte in einem blutig niedergeschlagenen Aufstand gegen das Kapitol erhoben haben, verlangt der siegreiche Präsident Snow als Wiedergutmachung und Mahnung einen Tribut: Jedes Jahr werden aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren ausgewählt, die dann im Rahmen der als Medienspektakel inszenierten Hungerspiele gegeneinander antreten. Unter freiem Himmel, in der sogenannten „Arena“, müssen sich die jugendlichen Tribute solange bekämpfen, bis nur noch einer von ihnen lebt, der dann als ruhmreicher Sieger in seinen Distrikt zurückkehren darf.
Begleitet wird das ganze Spektakel von Kameras und einer TV Show, um den wohlhabenden Bewohner des Kapitols Unterhaltung darzubieten.

Bloß Sciencefiction oder Anlehnung an die Realität?

„Die Handlung, leider so wie in der realen Welt, erklärt: Die Reichen können für Geld alles kaufen. Es ist traurig mit ansehen zu müssen, dass es der alleinigen Unterhaltung dient, wenn „Menschen sich gegenseitig abschlachten müssen“ damit irgendwelche Reichen ein Unterhaltungsprogramm zu sehen bekommen.“

Die Vorstellung, dass Jugendliche brutal gegeneinander kämpfen, morden und  ihr Überleben sichern müssen, und es Menschen gibt, die dem aus Zwecken der Unterhaltung in Form einer Reality Show zusehen, klingt unvorstellbar grausam und irreal.
Auf den ersten Blick sind also keinerlei Parallelen zur heutigen Gesellschaft zu ziehen. Doch denkt man einmal tiefer darüber nach, wird schnell klar: So unwahrscheinlich ist dies gar nicht.
Schon von etwa 200 vor Christus bis Anfang des fünften Jahrhunderts nach Christus konnten Schaulustige während der Gladiatorenkämpfe im römischen Reich zusehen, wie Sklaven und Gladiatoren solange gegeneinander kämpften, bis einer von beiden starb. Und auch heute noch sind Schadenfreude und der Wille nach Unterhaltung fester Bestandteil des Fernsehpublikums. Zu sehen ist dies zum Beispiel an der Sendung „Big Brother“, in der Z-Promis sich rund um die Uhr von Kameras beobachten lassen, Challanges bewältigen müssen und versuchen,  ihren Platz im Big Brother Haus durch Zuschaueranrufe zu sichern.  Ähnlich läuft es in der umstrittenen RTL Serie „Das Dschungelcamp“. Auch hier werden nicht  ganz so prominente Promis von Kameras begleitet, während sie unter grenzwertigen Bedingungen im Dschungel mit dem Hunger kämpfen und ekelerregende Prüfungen ablegen müssen, in denen sie zum Beispiel jegliches Dschungelgeziefer oder andere tierische Körperanhänge verzehren müssen. Alles zur Unterhaltung der Zuschauer, die dann am Ende der Show für ihren Liebling anrufen, um seinen Verbleib im Camp zu sichern. Auch  im Film „Die Tribute von Panem“ haben die Tribute die Möglichkeit vor den Hungerspielen, auch in Form einer TV Show, Sponsoren für sich zu gewinnen.
Der Film soll jedoch nicht nur auf Unterhaltungsmedien aufmerksam machen, sondern auch auf gesellschaftliche Verhältnisse hinweisen.
„Was soll man von der Tatsache halten, dass einige Menschen ihre nächste Mahlzeit für selbstverständlich nehmen, während so viele andere Menschen in der Welt hungern müssen?“ äußerte Suzanne Collins in einem Interview gegenüber der New York Times. Präsident Snow lässt die Menschen in den Distrikten harte körperliche Arbeit leisten, um dem Kapitol so Bodenschätze und andere Ressourcen zukommen zu lassen. Im Gegenzug hierfür erhalten die Bewohner der zwölf Distrikte die angebliche Sicherheit und den angeblichen Frieden. Leistet jemand Widerstand, wird er erschossen. Auch Hauptdarsteller Jennifer Lawrence und Josh Hutcherson erkennen Parallelen zwischen Film und Gesellschaft: „Ich komme mir vor wie in der heutigen Welt. Es gibt die 99 Prozent und das eine Prozent und zwischen beiden klafft solch ein Graben. Darum geht es in den Tributen von Panem. Du hast diese Leute, die darum kämpfen, Essen auf den Tisch zu bekommen und dann hast du das Kapitol, das diese Welt absolut nicht wahrnimmt.“

Deutlich wird also, dass es sehr wohl Parallelen zwischen Film und Realität gibt, wenn auch in milderer und abgeschwächter Form. Man kann die Verfilmung der Buchreihe mögen oder auch nicht, doch klar ist: Der als Sciencefiction bezeichnete Film beinhaltet vielleicht gar nicht so viel Sciencefiction und Fantasy, wie auf den ersten Blick angenommen.

Schlagwörter: , , ,

ESC – Dieser Weg war kein leichter

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Internet1 Kommentar »

Es steht fest: NDR hat die Teilnahme von Xavier Naidoo am ESC 2016 in Stockholm zurückgezogen.

Am Samstag, dem 21. November hat der Norddeutsche Rundfunk (NDR) bekannt gegeben, dass aufgrund der überraschenden Kritik an Xavier Naidoo, dieser am Eurovision Song Contest, kurz ESC 2016 nicht antreten wird.

Doch warum? Fühlte sich der NDR unter Druck gesetzt aufgrund der ansteigenden Kritik?

Der Eurovision Song Contest ist ein jährlicher, internationaler Musikwettbewerb, der 2016 nun zum 61. Mal veranstaltet wird. Ein bis sechs Songwriter und Musiker aus höchstens 46 Ländern, die Mitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU) sind, treten jährlich für ihr Land an. Anders als in den letzten Jahren ist für kommendes Jahr bisher kein „Unser Song für…“ als nationaler Vorentscheid geplant, bei dem der Sänger bzw. Musiker entschieden wird. Stattdessen hat der NDR den Vorschlag, Xavier Naidoo antreten zu lassen, eingereicht und es war geplant, im Februar kommenden Jahres durch die Show „Unser Song für Xavier“ als Zuschauer zu entscheiden, mit welchem Song Xavier Naidoo am ESC für Deutschland antreten wird.

Spätestens seit letztem Jahr mit dem Auftritt des österreichischen Sängers und Travestiekünstlers Conchita Wurst und dessen Sieg kann man klar sagen, dass der ESC für Toleranz und Menschenwürde steht. Die Botschaft von Conchita Wurst ist klar: Toleranz, Akzeptanz, Vielfalt.

Nun hieß es bis vorgestern, dass Xavier Naidoo antreten wird.

Vor einigen Monaten kam Thomas Schreiber, der ARD-Unterhaltungskoordinator auf Xavier Naidoo zu und bat ihn, im kommenden Jahr beim ESC in Stockholm für Deutschland anzutreten. Naidoo empfand es als eine reizvolle Herausforderung, war jedoch skeptisch, ob er der richtige sei und entschied sich letztendlich dafür, teilzunehmen.

In einem Interview der ARD erläutert Xavier Naidoo, er sei die beste Besetzung für Deutschland, da durch ihn die Weltoffenheit Deutschland sehr gut repräsentiert wird. Nicht nur, da er als erster dunkelhäutiger Mensch Deutschland vertritt. Es sei ein wunderschönes Zeichen, nicht nur für ihn, sondern für alle Deutschen mit Migrationshintergrund, so Naidoo. Bei der Frage, wofür Naidoo stände, wenn er für Deutschland antritt, war seine Antwort das weltoffene Deutschland, das demokratisch sowie freiheitlebend ist und bezeichnet die „bunte Republik“ als sein Zuhause.

Seine Botschaft: Liebe, Freiheit, Toleranz

Doch seine Botschaft kommt nicht beim Publikum an. Es hagelt Kritik von allen Seiten. Doch was ist dran an den Vorwürfen?

Xavier Naidoo wird als rassistischer, homophober Rechtspopulist dargestellt. Die Kritik kommt von allen Seiten, sei es Facebook, Twitter oder gar die Presse. So schreibt die Süddeutsche einen klaren abwertenden Artikel über Naidoo bezüglich des ESC, bei dem von Objektivität nicht die Rede sein kann. Auch die Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Eva Högl betont:

„Seine homophoben Äußerungen und seine Nähe zu den Reichsbürgern finde ich abstoßend. […] Hätte man die deutsche Bevölkerung gefragt, wäre die Entscheidung wohl nicht auf ihn gefallen.“

Auch in Twitter nehmen die Menschen kein Blatt vor den Mund.

Quelle: https://twitter.com/niggi

Quelle: https://twitter.com/niggi

Quelle: https://twitter.com/zwiesinn

Quelle: https://twitter.com/zwiesinn

Es dauerte nur zwei Tage und der NDR zog seine Nominierung zurück. Auf die Frage, wie es zu der Entscheidung kam, die Nominierung zurück zu ziehen, antwortet Schreiber laut dem Gespräch mit N-Joy:

„Wir wussten, dass Xavier Naidoo polarisiert. Wir sind aber überrascht worden von der Heftigkeit der Reaktionen und möchten ihn jetzt einerseits zum Schutz von Xavier Naidoo, anderseits zum Schutz des Eurovision Song Contest aus der Schusslinie ziehen. Die Diskussionen, die es jetzt hier in Deutschland gegeben hat, die teilweise schon ins Ausland übergeschwappt sind, die hätten im nächsten halben Jahr nicht aufgehört, die wären weitergegangen, und das hätte alles andere überlagert und überlastet. Deswegen haben wir an dieser Stelle gesagt, dass wir die Nominierung von Xavier Naidoo zurückziehen.“

Dabei betont Schreiber jedoch, dass er der festen Überzeugung ist, Naidoo sei weder ein Rassist noch homophob, gibt aber keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob der Druck von außen zu groß war.

Auch Xavier Naidoo reagiert öffentlich. So postete er vor zwei Tagen bei Facebook:

Quelle: https://www.facebook.com/XavierNaidoo/?ref=ts&fref=ts

Quelle: https://www.facebook.com/XavierNaidoo/?ref=ts&fref=ts

 

Viele Musiker und Freunde stellen sich öffentlich hinter Xavier Naidoo, so zum Beispiel Michael Mittermeier, Chima, oder Marek Lieberberg, welcher bei Facebook schrieb:

„Ich bin zutiefst erschüttert über die unglaubliche Hetze, die widerliche Heuchelei und den blinden Hass, für die es keinerlei Berechtigung gibt! Als Mensch und deutscher Jude, der den Vorzug hatte, mehr als 20 Jahre in seiner Nähe zu sein, habe ich noch nie das Gefühl gehabt, dass auch nur der Hauch eines antisemitischen, rassistischen, xenophobischen oder nationalistischen Sentiments existiert.“
Die Musikindustrie und die überwältigende Mehrzahl der Künstler stehe zu Xavier Naidoo und daran werde die giftige Propaganda einzelner gehässiger Agitatoren nichts ändern.
Marek Lieberberg

Naidoo selbst weist die Vorwürfe ebenfalls zurück.

In dem Interview der ARD meinte Naidoo zu der Frage, wieso er auf die sogenannten Reichsbürger zugegangen ist, die Deutschland als Staat ablehnen, dass er selbst Deutschland als Staat nicht ablehnt, aber den Austausch mit allen Menschen als wichtig empfindet und betont, dass er nicht die Meinung mit ihnen teile.

Nun stellt sich die Frage, wer im kommenden Jahr für Deutschland am ESC antreten wird.

Die Bochumer Punkband „Die Kassierer“ beschloss, per Fax dem NDR ihr Interesse, Deutschland zu vertreten, mitzuteilen und nach den Bewerbungsbedingungen zu bitten. Sogar eine Online-Petition wurde gestartet zur Unterstützung der Kassierer und hat mittlerweile mehr als 31.000 Unterschriften.

Es wird nicht lange dauern und das Chaos um den ESC wird weiter gehen.

Schlagwörter: , , , ,

Die Glaubwürdigkeit deutscher Medien

geschrieben von in Fernsehen, Medien und Politik, Medienkritik, Nachrichten1 Kommentar »

Anschläge in Paris, Anschläge in Mali.

Diese schrecklichen Gräueltaten in kürzester Zeit werfen Fragen auf. Die Menschen dürsten nach Informationen doch ist es überhaupt möglich an objektive Informationen zu gelangen?

Man steht ständig unter dem Einfluss der medialen Umwelt (Nachrichtensendungen, Facebook und Co.), kann man sich da noch eine eigene Meinung bilden oder bleibt einem nichts anderes übrig als eine weit verbreitete Meinung einfach nur anzunehmen?

Gerade die Berichterstattung in der Politik ist diesen Zweifeln ausgesetzt, doch sind diese überhaupt begründet?

Im vergangenen Juni wurde in der ZEIT ein Artikel veröffentlicht, der sich mit einer Umfrage von infratetst dimap auseinandergesetzt hat. Der Artikel trägt den Titel „Deutsche haben wenig Vertrauen in die Medien“. Darin wird erläutert, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben manipuliert oder nicht ausreichend informiert zu werden. Trotzdem beziehen die meisten Menschen ihr Wissen über Politik aus Nachrichtensendungen, dabei werden die ARD und das ZDF bevorzugt (Vgl. o.g. Artikel aus der ZEIT). Dass ARD und ZDF was Seriosität angeht hoch im Kurs stehen, belegt auch der ARD Trend, der sich zusätzlich mit der Glaubwürdigkeit der einzelnen Sender beschäftigt hat.

Doch können Journalisten überhaupt objektiv berichten?

„Objektivität ist die Wahnvorstellung, Beobachtungen könnten ohne Beobachter gemacht werden.“, schrieb Heinz von Foerster im Jahre 1998.

Jeder Journalist hat einen bestimmten Wertekatalog und diesen völlig außer Acht zu lassen ist nur schwer machbar. So hat eine Studie des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes (DFJV), im Jahre 2010, durch eine Befragung von Politikjournalisten gezeigt, dass die Mehrheit angegeben hat keine Partei zu bevorzugen doch darauf dicht gefolgt Bündnis 90/ Die Grünen viel Zuspruch erhalten.

So kann es doch sein, dass sich diese Politikjournalisten eher Themen widmen, die nach ihrem Ermessen von hoher Bedeutung sind z.B. Umweltschutz, Verbraucherschutz oder soziale Gerechtigkeit. Umweltskandale werden künstlich aufgeputscht, um eine große Reichweite in der Gesellschaft zu erlangen. So etwas könnten böse Zungen behaupten, doch steckt dahinter nicht einfach nur die Sorge sich auf die Informationen anderer verlassen zu müssen? Sich ein eigenes Bild von einer Situation machen zu können, ist kaum möglich. Dies wäre mit zu viel Aufwand verbunden, da ist es doch bequemer die Journalisten ihre Arbeit machen zu lassen und diese dann später zu hinterfragen.

Das einzige was man effektiv machen könnte, wäre es sich die Informationen über bestimmte Themen aus vielen verschiedenen Quellen zu ziehen und dann zu entscheiden, welcher Version man denn Glauben schenken möchte oder ob es nicht ein Mix aus allem ist.

Der Trick dabei ist es, möglicherweise nicht nur inländische Quellen zu berücksichtigen. Einfach über den Tellerrand hinaus blicken und schauen, wie andere Länder über diese bestimmten Themen berichten, denn in dem Fernsehrat von zum Beispiel ZDF sitzen viele verschiedene Vertreter der BRD, doch Vertreter anderer Länder sucht man vergebens. Die Interessen des eigenen Landes stehen im Vordergrund und können somit den Blick auf bestimmte politische Situationen oder Ereignisse verschleiern.

So kamen auch Zweifel bezüglich der Berichterstattung über die Krim-Krise auf. Die westlichen Medien würden zu pro westlich argumentieren, meinen Experten und auch Journalisten. Da lohnt es sich doch auch die Berichterstattung der betroffenen Länder anzuschauen.

Also kann man sagen, dass es durchaus möglich ist sich eine eigene Meinung bilden zu können. Gerade im Zeitalter des Internets, wo so ziemlich alles frei zugänglich ist, ist es einfacher an Informationen zu gelangen. Wenn es um Politik geht, sollte man am besten selbst ein wenig recherchieren und sich nicht ausschließlich auf journalistische Artikel verlassen.

Schlagwörter: , , ,

Dokumentation „The Thread“ – Eine Online-Community auf der Jagd nach den Attentätern des Boston Marathon

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Kommunikationsformen, Medien und Politik, Medienwandel, Nachrichten, Qualität, Weblogs, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Als am 15. April 2013 auf der Zielgeraden des Boston-Marathons zwei Sprengsätze explodierten, kamen dabei drei Menschen ums Leben und 264 weitere wurden verletzt.

Is this the Boston Bomber?Die Dokumentation von Greg Barker („Manhunt“) rekonstruiert die Suche nach den Attentätern des Boston Marathon innerhalb der Online-Plattform „Reddit“ und thematisiert dabei auch den Konflikt zwischen traditionellen und neuen Medien. Stellt „Crowdsourcing“ eine Gefahr für den investigativen Journalismus dar?

Das Interesse an diesem Event war groß. Neben zahlreichen Reportern, die live berichteten, fotografierten und filmten vor allem tausende Zuschauer und Teilnehmer mit ihren Smartphones das Geschehen rund um den Boston Marathon. Damit gehört das Attentat zu den, am besten dokumentierten Terroranschlägen unserer Zeit.

Die Suche nach den Bombenlegern hielt die gesamten USA in Atem und entfachte natürlich einen erbitterten Kampf der Medien um die Nachrichtenhoheit. Ob Kabelsender, Online-Dienste oder Networks- alle versuchten sich als beste Informationsquelle zu profilieren. Überraschenderweise sorgte vor allem die Social-News-Plattform „Reddit“ für Furore. Deren Community teilte direkt nach dem Attentat zahlreiche Bild-und Videoaufnahmen miteinander und kommunizierte in unzähligen „Subreddits“ (Unterforen) über das Ereignis.

Reddit AnalyseIm Thread „FindBostonBombers“ kam es in den darauffolgenden Tagen zu einer perfiden Suche nach den möglichen Attentätern. Bild- und Videomaterial wurde gesichtet, analysiert und diskutiert. Wilde Spekulationen und Anschuldigungen führten schlussendlich dazu, dass mehrere Unschuldige in den Fokus der Medien und der Polizei gerieten.

Am 19. April 2013 schaffte es die Polizei schlussendlich die offiziellen Täter Tamerlan und Dschochar Zarnajew zu stellen. Im heftigen Schusswechsel wurde  Tamerlan Z. dabei tödlich verwundet. Sein Bruder Dschochar Z. konnte flüchten, wurde aber noch am selben Tag von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Die Amateuraufnahmen seiner spektakulären Verhaftung, die mitten in der Gemeinde Watertown, vor den Augen zahlreicher Anwohner stattfand, verbreiteten sich ebenfalls rasant in den sozialen Medien. –>DRAMATIC VIDEO: Intense Gunfight Between Police and Bombing Suspect

„The Thread“ zeigt, wie sich die Medienlandschaft durch Fortschritte in der Technologie und der weit verbreiteten Nutzung von Social Media verwandelt hat. Berichte aus erster Hand und Nachrichten mit einer beispiellosen Geschwindigkeit zu sammeln und zu publizieren ist schon lange nicht mehr, ein Privileg das nur professionellen Journalisten zuteilwird. Die klassischen Rollen des Produzenten und des Konsumenten verschwimmen immer mehr. Wie der Fall „Reddit“ und sein „FindBostonBombers“-Thread zeigt, ist die Eigendynamik solcher Dialoge im Web 2.0 kaum zu steuern. Durch die schneeballartige Verbreitung in Communities und dem Verlinken in Foren oder Blogs wird die Verbreitung von Gerüchten im Netz erleichtert. Weblogs dienen dem Meinungsaustausch und verhelfen durch die Anonymität des Internets zu einer neuen Qualität des Gerüchtestreuens. Aufgrund der Tatsache, dass jeder User zugleich Rezipient und Autor sein kann und Aussagen sowohl wahr als auch falsch sein können, kann der Inhalt ungeprüft auf Relevanz und Wahrhaftigkeit im Netz veröffentlicht werden.

Die 60-minütige Dokumentation glänzt besonders durch die zahlreichen Interviews mit Journalisten und Bossen der globalen Mediengiganten, wie auch den Social Media-Nutzern, die sich auf die Jagd nach den Boston-Marathon-Bombern gemacht haben.

Die Dokumentation ist u.A. auf Netflix & iTunes verfügbar.


Quellen:

„The Thread“, Courtesy of Greg Barker and Content Television

http://insider.foxnews.com/2013/04/20/dramatic-video-neighbor-captures-intense-police-gunfight-bombing-suspect-dzhokhar

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3035378/It-beast-Moderator-Reddit-s-Boston-Bombers-thread-tells-millions-users-descended-subreddit-days-attack-identified-wrong-suspect.html

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , ,

TV-Wahnsinn Bundesliga

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen1 Kommentar »

Fußball in Deutschland ist in fester Hand der Medien. Woche für Woche, Tag für Tag dreht sich im deutschen Fernsehen vieles um das runde Leder. Ob am Wochenende die Spiele der ersten und zweiten Liga oder unter der Woche Champions League und Europa League – jedes Spiel wird im Pay-TV Sender Sky live übertragen. Dazu kommen die guten alten Formate, wie die ARD-Sportschau oder das ZDF-Sportstudio, die ebenfalls TV-Rechte an der Bundesliga besitzen. Vor- und Nachberichterstattung, Analysen und Interviews – die komplette Bandbreite ist ein ums andere Mal abgedeckt. Fußballfans geht das Herz auf, allerdings birgt die Mediatisierung auch gewisse Risiken.

Die Auswirkungen der Medien auf den Sport sind immens. Waren die Spiele der Bundesliga vor einigen Jahren noch gebündelt am Samstagnachmittag, gibt es heute an allen drei Wochenendtagen Live-Fußball. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Wegen des entzerrten Spielplans gibt es mehr Möglichkeiten für Live-Übertragungen. Durch den Verkauf der TV-Rechte lässt sich so ein deutlich höherer Profit herausschlagen.

Im April 2016 werden die TV-Rechte zur Fußball-Bundesliga neu vergeben, das milliardenschwere Wettbieten wird bereits in diesem Herbst beginnen. Nachdem die englische Premier League einen Mega-Deal abgeschlossen hat, der knapp sieben Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren einbringt, will bzw. muss die Bundesliga nun nachziehen und „notfalls unpopuläre Maßnahmen ergreifen„, wie DFL-Chef Christian Seifert sagte.

TV-Vermarktung und Werbung bilden die mit Abstand größten Einnahmequellen eines Bundesligavereins

TV-Vermarktung und Werbung bilden die mit Abstand größten Einnahmequellen eines Bundesligavereins

Der TV-Vertrag der höchsten englischen Liga stößt in neue Dimensionen vor: über zwei Milliarden Euro pro Saison spült der Mega-Deal in die Kassen der 20 Vereine. Geld, von dem die Bundesliga-Clubs nur träumen können. In Deutschland kommen die 36 Vereine der 1. und 2. Liga gerade mal auf 2,51 Milliarden Euro – in einem Zeitraum von vier Jahren wohlgemerkt. Um konkurrenzfähig zu bleiben, will die Deutsche Fußball Liga nun den Spielplan weiter entzerren und zwei neue Anstoßzeiten einführen. Der erste Vorschlag der milliardenschweren Medienrechte sieht fünf Montagsspiele (20.15 Uhr) und fünf zusätzliche Sonntagsspiele (13.30 Uhr) pro Saison vor. So erhoffen sich die DFL und insbesondere die Vereine eine Milliarde Euro pro Saison.  Neben der finanziellen Verbesserung sieht die Liga insbesondere Vorteile für die Europa-League-Teilnehmer. „Fragen Sie mal Schalke und Dortmund, die am Donnerstag in der Europa League ran müssen. Die sind alles andere als erfreut, wenn sie keine 48 Stunden später wieder in der Liga spielen müssen“, so Seifert. Durch die geänderten Anstoßzeiten gäbe es eine längere Regenerationszeit zwischen den europäischen Partien am Donnerstag und den Liga-Spielen am Sonntag bzw. Montag.

Konkurrenz für Sky?

Noch diesen Herbst will die DFL die endgültigen Paketangebote für alle Plattformen vorstellen. Nachdem die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele zuletzt für den gesamteuropäischen Markt exklusiv an das US-Unternehmen Discovery gegangen sind, erhofft sich nun auch die Bundesliga weitere Mitbieter aus Übersee. Wird es also bald mehr Konkurrenz für Sky geben, die sich zuletzt die Live-Rechte an den Bundesliga-Spielen sicherten?

Die Bundesliga hat in den letzten Jahren stetig an Attraktivität gewonnen. Nicht nur fußballerisch setzt der deutsche Fußball neue Maßstäbe, auch in Sachen Vermarktung bietet die deutsche Elite-Liga eine Plattform, die weltweit für Interesse sorgt. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Discovery nach dem Olympia-Coup nun auch in das Rennen um die Bundesliga einsteigt und versucht, die Rechte für ihr Tochterunternehmen Eurosport zu ergattern. Auch Unitymedia und die Telekom könnten sich in die Interessentenliste eintragen, selbst der Einstieg des Suchmaschinen-Primus Google wird für möglich gehalten.

Allerdings wird nicht damit gerechnet, dass sich ein Anbieter finden lässt, der alle Pakete kauft. Es geht schließlich um die Rechte von Free TV, Pay-TV, Erstverwertung, Zweitverwertung, Internet und mobiles Netz.

Konflikt Bundesliga – Amateurfußball wird größer

Die Mediatisierung und die damit verbundene TV-Vermarktung wirkt sich jedoch nicht nur finanziell aus. Auch wenn der Samstag Kernspieltag bleiben soll, würden die Verlegungen auf einen weiteren Sonntagstermin und auf Montag zu heißen Diskussionen und Problemen führen. Bereits 2010 waren die Fans mehrheitlich gegen die Einführung eines weiteren Sonntagsspiels (15.30 Uhr). Das Montagsspiel der zweiten Liga, das es bereits seit längerer Zeit gibt, ist bei Fans ebenfalls äußerst unbeliebt. Für Kinder und Berufstätige wird ein Besuch im Stadion durch die Verlegung weiterer Spiele immer schwieriger. Gerade bei Auswärtsfahrten müsse man mit leeren Gästeblöcken rechnen.

Auch den Konflikt zwischen Bundesliga und Amateurfußball darf man nicht außer Acht lassen. Egal ob im Jugend- oder Erwachsenenbereich – ein entzerrter Bundesliga-Spielplan führt automatisch zu Terminkollisionen mit den Spielen der darunterliegenden Ligen. War es vor einigen Jahren noch relativ einfach, Überschneidungen zu vermeiden, ist es inzwischen fast unmöglich. Die Konkurrenz zwischen Profi- und Amateur-Fußball wird somit immer größer. Spieler stehen vor der Wahl, Bundesliga zu schauen oder selbst zu spielen. Trainer leiden unter bundesligabedingten Absagen. Und die Vereine? Jeder Fußballverein in Deutschland zieht einen relativ großen Teil seiner Einnahmen aus dem Erlös der verkauften Tickets. Egal ob Kreis- oder Regionalliga – jeder Verein verlangt Eintritt, um laufende Kosten zu decken. Der Andrang auf die Kassen der kleinen Vereine ist jedoch während eines zeitgleichen Bundesligaspiels lange nicht so groß. Die finanzielle Diskrepanz zwischen Amateur- und Profi-Vereinen wird durch die schrumpfenden Zuschauerzahlen im Amateurbereich immer größer.

Man könnte dem DFB und der DFL vorwerfen, nicht ausreichend auf die Bedürfnisse derer einzugehen, die den Fußball zu dem machen, was er ist. Allerdings ist der Fußball schon längst nicht mehr in Händen der Fans, sondern fest im Griff der Medien und der Wirtschaft. Daher kann weder der DFB noch die DFL den mediatisierten und kommerzialisierten Weg verlassen. Deutschland will schließlich weiterhin konkurrenzfähigen Fußball sehen.

 

Quellen:

  • http://www.morgenpost.de/sport/article205441709/DFL-plant-neue-Bundesliga-Anstosszeiten-Sportschau-kuerzer.html
  • http://www.t-online.de/sport/fussball/bundesliga/id_74640492/eurosport-will-auch-die-bundesliga-rechte.html
  • http://www.rundschau-online.de/sport/fussball-fernsehrechte-tv-mega-deal-koennte–bundesliga-beeinflussen,15184898,29826216.html
  • http://www.augsburger-allgemeine.de/sport/DFL-Boss-Darum-brauchen-wir-Montagsspiele-id34729047.html
  • http://www.tagesspiegel.de/medien/tv-bundesliga-an-wen-gehen-die-tv-rechte-der-bundesliga/11997692.html
  • http://www.pflichtlektuere.com/08/07/2014/brasiliens-bester-rohstoff-fussballspieler/
Schlagwörter: , ,

„Smombie“ Jugendwort des Jahres oder kreative Neuerfindung zu Marketingzwecken?

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Internet1 Kommentar »

„Smombie“ ist das neue Jugendwort des Jahres 2015. Es beschreibt jemanden, der von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, weil er nur noch auf sein Smartphone starrt.

Doch wer von uns hat diesen Begriff schon jemals gehört? Ist dieses Kofferwort einfach nur eine Neuerfindung mit möglichst aktuellem Bezug oder wird es wirklich genutzt?

Nach der Bekanntgabe des Jugendwortes 2015 gab es viel Verwirrung und Unmut auf den sozialen Netzwerken. Der Youtuber Oguz Yilmaz (Teil der Gruppe YTitty) fragte auf Twitter seine über 200 Tausend Follower ob sie das Wort schon jemals benutzt hätten. Die Reaktionen sind eindeutig:

Mit über 4700 Votes (zur vermuten in der Zielgruppe) ist dies ein eindeutiges Zeichen das am tatsächlichem Gebrauch des Wortes zu zweifeln ist.

Auch die mediale Berichterstattung in Online-Artikeln und später Fernsehbeiträgen mit Strassenumfragen lässt andeuten dass vielen der Begriff fremd ist. Dies liegt jedoch nicht daran dass die Befragten zu alt sind sondern schlicht dass der Begriff unbekannt ist.

Nun stellt sich die Frage wer überhaupt hinter diesem Jugendwort steckt?

Der Langescheidt-Verlag sucht seit 2008 jährlich das „Jugendwort des Jahres“ in Zusammenarbeit mit Jugendzeitschriften (Bravo, Yair), Puls (dem Jugendsender des bayrischen Rundfunks), der Arche, taff und der Jugendpresse Deutschland.

Ihr offizielles Ziel ist es die Jugendsprache zu dokumentieren, jedoch wird dem kritischen Betrachter schnell klar, dass das ganze Teil einer Werbeaktion für das Langescheidt-Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“ ist. Allein deswegen ist die Legitimität dieser Wahl schon sehr anzuzweifeln.

Wie kommen sie jedoch auf das Jugendwort?

Auf ihrer Website können Vorschläge eingereicht werden, die Top 30 landen in einer Online-Umfrage bei der jeder anonym abstimmen kann. Aus diesen 30 werden 10 ausgewählt, die einer 20-köpfigen Jury aus Sprachwissenschaftlern, Jugendlichen, Pädagogen und Medienvertretern vorgelegt werden.

Die wichtigen Kriterien für ihre Wahl des Gewinners sollen sein: sprachliche Kreativität, Originalität, Verbeitungsgrad sowie gesellschaftliche oder kulturelle Ereignisse, die die Sprache der Jugendlichen beeinflussen

Warum sind dann die Ergebnisse so realitätsfern? Wird hier ein zu hoher Anspruch and die Jugendsprache gestellt oder geht es eher um das kreativste Wort mit der höchsten kulturellen Relevanz? Auch ist anzuzweifeln ob der Langenscheidt Verlag mit dieser Aktion nicht einfach nur Inhalt für sein Lexikon sucht und gleich noch die entsprechende Werbung dafür bekommt.

Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut sagt dazu: „Das hat wohl eher was mit Verlagsmarketing zu tun als mit Sozialforschung über das, was Jugendliche sprechen, über das, was Jugendliche denken. Mit solchen Spielereien Aufmerksamkeit für Verlagsprodukte zu erzielen und Leserschaften zu binden, ist ein geschickter Marketing-Gag. […] Wenn Spaßformulierungen herausgehoben werden, als ob sie das Sprach- und Denkniveau der Jugend heute wären, verzerrt dies das Bild über die Jugend von heute.“

Wie könnte man das ganze aber besser machen? Mein Vorschlag wäre die Jury wegzulassen und stattdessen den Fokus auf die eigentliche Zielgruppe zu legen und dementsprechend zu versuchen eine breite Masse über die Sozialen Medien dazu anzuregen abzustimmen und sich zu beteiligen. Nur so kann ein anmaßend repräsentatives Ergebnis erzeugt werden.

Schlagwörter: ,
Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO