Medienkonflikt beim NSU-Prozess

geschrieben von in Allgemeines, NachrichtenKeine Kommentare »

Am 06.05.13 startet der Prozess gegen Beate Zschäpe, das einzige noch lebende Mitglied der rechtsradikalen Terror-Organisation „Zwickauer Terrorzelle“.

Abseits vom eigentlichen Prozess kam es bei der Presseplatzvergabe zu einigen Problemen:  Zunächst vergab das Oberlandesgericht München die Plätze nach der zeitlichen Reihenfolge des Eingangs. So kam es einerseits dazu, dass freie Journalisten einen Platz hatten, renommierte Nachrichtenagenturen wie AP und AFP jedoch nur auf der Nachrückerliste standen, andererseits bekam keines der acht türkischen Medien einen Platz, obwohl der Zusammenhang zwischen ihnen und den Opfern des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ offensichtlich ist.

Folglich kam es zu Beschwerden und das Oberlandesgericht entschied sich die Plätze durch ein Losverfahren komplett neu zu verteilen und somit alles dem Zufall zu überlassen. Das Ergebnis: Zwar hatten zwei türkische Medien Glück, die Zeitung „Hürriyet“ und „Evrensel“ konnten einen Platz ergattern, andere deutsche Medien, wie zum Beispiel die „taz“ oder „FAZ“ aber auch internationale Medien gingen leer aus.

Ein Los sorgte bei der Veröffentlichung für Schmunzeln; die Frauenzeitschrift „Brigitte“ erhielt einen Platz. An dieser Stelle stellt sich natürlich die Frage ob die „Brigitte“, dessen thematischer Schwerpunkt aus Ernährung, Celebrity News und Mode besteht, nicht unnötigerweise den Presseplatz für andere, diesem Thema näher liegende Medien blockiert?

Trotz einiger Proteste gegen dieses durch das Oberlandesgericht bezeichnete „angemessen[e] und gerecht[e]“¹ Verfahren, hat die „taz“ eine Lösung gefunden: Sie kooperiert mit dem Radiosender „Radio Lora München“ und der türkischen Zeitung „Evrensel“. Die beiden Medien, die im Gegensatz zur „taz“ über einen festen Presseplatz im Gerichtssaal verfügen, werden diesen Platz in regelmäßigen Abständen der „taz“ überlassen. Im Gegenzug bietet die „taz“ journalistische Leistungen, wie zum Beispiel das zur Verfügung stellen von Texten an.

Es bleibt also abzuwarten ob die Platzvergabe für den durchschnittlichen Medienkonsumenten einen Unterschied macht, schließlich verbreitet sich Information schlagartig über das Internet, Zeitungen ohne festen Platz übernehmen Information von Nachrichtenagenturen oder anderen Medien. Interessant zu sehen wird es jedoch sein, wie die verschiedenen Medien den Prozess deuten und wo es bei den Interpretationen des Geschehens im Gerichtssaal Unterschiede und Gemeinsamkeiten geben wird.

 

Quellen

¹http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-prozess-in-muenchen-presseplaetze-sind-neu-verteilt-a-897137.html (letzter Aufruf 06.05.13)

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-prozess-vor-oberlandesgericht-muenchen-hat-begonnen-a-898272.html (letzter Aufruf 06.05.13)

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-prozess-tuerkische-medien-ohne-feste-plaetze-a-890891.html (letzter Aufruf 06.05.13)

http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/121159-presseplaetze-im-nsu-prozess-die-taz-verbuendet-sich-mit-zwei-medien.html (letzter Aufruf 06.05.13)

Heute keine Nachrichten

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, NachrichtenKeine Kommentare »

Keine Tagesschau im Fernsehen- eigentlich undenkbar. Doch so geschehen am heutigen Freitag, den 26.04.2013. Zum ersten Mal in der Geschichte der ARD Tagesschau wurde eine Sendung nicht wie geplant im Fernsehen ausgestrahlt.

Am 26.12.1952 ging die “Mutter aller Nachrichtensendungen” zum ersten Mal auf Sendung. Seitdem liefen alle Sendungen wie geplant ab, von kleineren Pannen abgesehen. In den jüngeren Jahren  wurde die Sendung einmal am Tag ausgestrahlt. Mittlerweile sind es bis zu sieben Sendungen, die sich über den Tag verteilen und die Zuschauer mit den Nachrichten aus aller Welt versorgen.

Bereits zwei Mal war es aufgrund von Komplikationen fraglich, ob die Tagesschau ausgestrahlt werden konnte. Im Jahre 1962 stand die Sendung wegen einer Sturmflut in Hamburg auf der Kippe, 1988 gefährdeten die Warnstreiks der NDR-Techniker die Ausstrahlung der Sendung, doch in beiden Fällen konnte ein kurzfristiger Ausfall vermieden werden.Die Nachrichtenzentrale der ARD Tagesschau befindet sich zur Zeit in Hamburg. Dort recherchieren und produzieren bis zu 240 Mitarbeiter täglich. Besonders die 20 Uhr Ausgabe ist mit bis zu 10 Millionen Zuschauern täglich ein Quotenbringer der ARD, sie bringt einen Marktanteil von bis zu 33 Prozent. Eine Rundumversorgung der Zuschauer mit Nachrichten ist allen Anschein nach Routine geworden, deshalb stellt sich die Frage, wieso gerade heute, an einem zugegeben ereignislosen Freitag, die Sendung um 7.30 nicht ausgestrahlt wurde. Die Pressestelle der Sendung bestätigte Probleme, wollte bisher jedoch keine genaueren Angaben zu dem Ausfall der Sendung machen.

Die ARD Tagesschau trotzte bislang Sturmfluten und Streiks, wie ein Uhrwerk lief die Sendung zuverlässig über die deutschen Fernsehbildschirme. Es bleibt abzuwarten, welche Hintergründe den Sender bzw. die Nachrichtenredaktion dazu zwangen, zum ersten Mal in der Geschichte die Tagesschau nicht auszustrahlen.

 

Quellen:

http://intern.tagesschau.de/flash/index.php

http://www.focus.de/kultur/medien/7-30-uhr-sendung-in-der-ard-tagesschau-faellt-aus-zum-ersten-mal-in-60-jahren_aid_972545.html

http://www.bild.de/unterhaltung/tv/ard-tagesschau/ausgefallen-30162046.bild.html

Schlagwörter:

Kampfansage gegen die Zensur

geschrieben von in Nachrichten1 Kommentar »

Am 03.01.2013, der Anfang des neuen Jahres, gab es ein „Erdbeben“ in dem Pressewesen in der Volksrepublik China. Die Wochenzeitung „Southern Weekly“ spielt die Hauptrolle in diesem Ereignis. Die Wochenzeitung „Southern Weekly“ ist sehr bekannt in China wegen der speziellen Ansicht ihrer Nachrichten und ihres relativ liberalen Inhalt. Ihre Auflageziffer liegt bei über 1,7 Millionen Exemplaren und hat weitreichenden Einfluss, sie wird als eine der größten Wochenzeitungen im Festlandchina bezeichnet.
Die original Neujahrsansprache „Chinesischer Traum, Konstitutioneller Traum“ der Wochenzeitung, die von dem Redaktor Zhiyong Dai in der Kommentarabteilung der Wochenzeitung geschrieben wurde, wurde von dem Propagandachef der Guangdong Provins geändert, bevor sie veröffentlichen wurde, weil der Inhalt „sensitiv“ ist. Der Inhalt der Neujahrsansprache hat sehr viel mit dem Konstitutionalismus zu tun, welcher nicht mit dem Interesse der Regierung übereinstimmt, deswegen wird der Bericht größtenteils gelöscht und geändert. Viele Arbeiter der Wochenzeitung „Southern Weekly“ haben dafür gestreikt, um die Pressefreiheit zu verteidigen.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Wochenzeitung „South Weekly“ von dem Problem betroffen ist. Früher wurden einige Journalisten und Hauptkommentatoren abgesetzt. Die Propagabda-Abteilung der Kommunistischen Partei Chinas führt strengere Aufsicht über die ganzen Medien durch. Die Medien existieren als Propagandamittel der Kommunistischen Partei und haben sich von dem freien Markt getrennt, sie können nicht frei funktionieren. Die Zensur der Medien verletzt den redefreien und pressfreien Trend, bei dem alle unterschiedlichen Stimmen existieren dürfen. Die Freiheit der Presse ist die beste Selbstreinigungsmethode für einen Staat, sie macht die Gesellschaft transparent. Die Medien stehen in der Verantwortung, die Regierung zu überwachen, die dunkle Seite der Gesellschaft aufzeigen. Die Medien sollten das Interesse der Menschen schützen, statt einer beliebigen Partei, Gruppe oder Organisation.
Ohne Freiheit sind die Zeitungen wie Abfallpapier. Das heißt, dass wir immer die Lügen akzeptieren müssen, mit der Zeit werden die Menschen die Fähigkeit verlieren, zwischen Recht und Unrecht zu entscheiden, und können nicht mehr eigenständig denken. Die Freiheit der Medien ist der einzige Weg des Fortschrittes.

 

 

 

 

Quellen:
1) BBC 04.01.2013: http://www.bbc.co.uk/zhongwen/simp/chinese_news/2013/01/130104_china_yanhuangchunqiu.shtml (10.01.2013)

2) He, Qinglian 05.01.2013: http://www.bbc.co.uk/zhongwen/simp/comments_on_china/2013/01/130106_comment_nanfang_incident_he.shtml (10.01.2013)

3) BBC 04.01.2013: http://www.bbc.co.uk/zhongwen/simp/chinese_news/2013/01/130104_nanfangzhoumo_newyear.shtml (10.01.2013)

4) Sina News 07.01.2013: http://news.sina.com.cn/pl/2013-01-07/072125971853.shtml (10.01.2013)

5) Wikipedia: http://zh.wikipedia.org/zh-cn/2013%E5%B9%B4%E3%80%8A%E5%8D%97%E6%96%B9%E5%91%A8%E6%9C%AB%E3%80%8B%E6%96%B0%E5%B9%B4%E7%8C%AE%E8%AF%8D%E8%A2%AB%E5%88%A0%E6%94%B9%E4%BA%8B%E4%BB%B6 (10.01.2013)

6) Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Southern_Weekly (10.01.2013)

7) Wikipedia: http://zh.wikipedia.org/wiki/%E5%8D%97%E6%96%B9%E5%91%A8%E6%9C%AB (10.01.2013)

Zweite Amtseinführung von Obama

geschrieben von in Allgemeines, Nachrichten1 Kommentar »

Ortszeit am 21. Januar hat US-Präsident Barack Obama am Capitol Hill seine Inaugurationsrede für die zweite Amtszeit stattgefunden. Er ist einer von nur 16 Präsidenten in Amerika, der eine zweite Amtszeit bekommt. Seine Präsentation griff auf die amerikanische demokratische Tradition und den Geist der Verfassung zurück, und wurde mit den folgenden sozialen Gegenständen in Verbindung gebracht: Erwerbstätigkeit, Krankenversicherung, Immigration, Finanz, Gleichstellung der Homosexuellen, Waffenrechte. Er hat betont, dass die Gestaltung Amerikas von jedem Amerikaner sowie der Bedeutung der nationalen Einheit abhängt.
Die Finanzdefizite, die Kontrolle der Waffen, die Erholung der Ökonomie, solche innenpolitische Probleme bedeuten für den Präsident Obama einen angespannten politischen Kampf. Aus Sicht der Außenpolitik wird die Krise andauern. Das Nuklearprogramm vom Iran, Nordkorea, die Wirtschaftkrise Europas und der Besuch des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai haben den Plan des Präsident Obamas, den Krieg in Afghanistan bis 2014 zu beenden, gefährdet.
Obwohl der Präsident Obama viele Lektionen von der ehemaligen zweiten Amtszeit lernen kann, gibt es in einigen Fällen immer unberechenbare Angelegenheiten.

 

Quellen:
1) Christoph von Marschall, 21.01.2013: Obama, zum Zweiten Sein Platz in der Geschichte. http://www.tagesspiegel.de/meinung/obama-zum-zweiten-sein-platz-in-der-geschichte/7671600.html (22.01.2013)

2) M. Klingst, Washington, 21.01.2013: Obama verspricht ein gerechtes Amerika. http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-01/obama-amtseinfuehrung-usa-antrittsrede (22.01.2013)

3) Clemens Wergin, 22.01.2013: Obama könnte die Geschichte falsch interpretieren.http://www.welt.de/debatte/kommentare/article113061335/Obama-koennte-die-Geschichte-falsch-interpretieren.html (22.01.2013)

4) Sina News 22.01.2013: http://news.sina.com.cn/z/obama2012/ (22.01.2013)

Von Sportlern in Strumpfhosen und anderen Strapazen

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, NachrichtenKommentare deaktiviert

Schon Natalie Portman hatte es nicht leicht, als sie im Ballettthriller Black Swan besagte Hauptrolle übernahm und darüber prompt ihren Verstand verlieren durfte.1
Der Vorwurf seitens der Tanzwelt über die fehlende Authentizität des oscarprämierten Films2 verlief noch relativ unbemerkt. Schlimmer war jedoch, dass Sarah Lane, Tanzdouble von Natalie Portman und Solistin des American Ballet Theatre, völlig übergangen worden ist. Wo in Filminterviews nämlich der Eindruck entstand, dass es sich bei den Tanzszenen um Portmans Eigenleistung handelte, war in fast allen Fällen der Körper ihrer Doppelgängerin zu sehen (Stichwort: Face Exchange Technologie).3

Wem die Darbietung von Natalie Portman zu übertrieben oder gar unglaubwürdig erschien, darf sich nun wieder daran erinnert fühlen, dass sich die wahren Tragödien außerhalb der Filmwelt ereignen. So geschehen z.B. 1994, als Eiskunstläuferin Nancy Kerrigan einem Angriff mit einer Eisenstange zum Opfer fiel und sich ihre damalige Kontrahentin, Tonya Harding, als Drahtzieherin des Attentats entpuppen sollte.4
Und so geschehen auch letzte Woche, in der Sergej Filin, Ballettchef des Bolschoi-Theaters in Moskau, nach einem Säureangriff schwere Verletzungen davongetragen hat.Die Motive aus Neid und Intrige, Ansehen und Macht in der Welt des Tanzes könnten klassischer nicht sein.
Wir befinden uns in einer Welt, wo Erfolg stark vom persönlichen Wohlwollen einiger einflussreicher Gönner abhängig ist und wo man für das öffentliche Renomee über Leichen zu gehen bereit ist. Einer Welt, wo die Eintrittskarten selbst auf dem Schwarzmarkt Beträge im Hunderterbereich erzielen.6
Bei Konflikten im Tanz, so lernen wir aus alledem, geht es immer gleich an die Substanz.

An die Substanz, oder eher um die Substanz, ging es vergangene Woche auch im Radsport, wo Lance Armstrong ganz nach amerikanischem Geschmack (Stichwort: Tränendrüse) seine Schuld bezüglich der Dopingvorwürfe einräumte. Die wirklich interessanten Fragen, etwa dass ein ganzes Netzwerk zur Vertuschung einbezogen werden musste und an welcher Stelle Korruption betrieben worden ist, blieben dabei jedoch unbeantwortet.7

Vielleicht kann man aus all diesen Geschichten auch nur eine Lehre ziehen. Nämlich welche offenkundigen Vorzüge es hat, Oprah Winfrey zu sein.
Die sah im Interview mit Armstrong wieder einmal umwerfend aus.

 Quellen (letzter Abruf: 20.1.2013)

1. http://www.zeit.de/kultur/film/2011-01/black-swan-film/seite-1
2. http://www.zeit.de/kultur/2011-01/john-neumeier-black-swan
3. http://faz-community.faz.net/blogs/tanz/archive/2011/05/09/der-skandal-um-den-falschen-schwarzen-schwan.aspx
4. http://www.spiegel.de/sport/sonst/eiskunstlauf-die-eishexe-kehrt-zurueck-a-44084.html
5. http://www.heute.de/Bolschoi-Ballettchef-mit-Säure-attackiert-26219850.html
6. ebd.
7. http://www.zdfsport.de/Armstrongs-Geständnis-wirft-neue-Fragen-auf-26216148.html

Schafft sie ab, bitte!

geschrieben von in Nachrichten1 Kommentar »

Erneut eine Schreckensmeldung aus den USA. Schon wieder geht es um eine Waffe in einer Schule, wie kann es anders sein. Nun war der Täter jedoch erst sieben und hatte vielleicht gar keine Ahnung, was er da mit in den Klassenraum geschleppt hatte. In New York kam der kleine Junge jetzt mit Schusswaffe, gefülltem Magazin und weiterer Munition zur Schule. Versteckt war alles in seinem Rucksack. Die Mutter des Jungen erfuhr, durch welche Umstände auch immer, von der gefährlichen Fracht ihres Jungen und wollte ihn direkt von der Schule abholen. Trotzdem kam heraus, was der Junge da tatsächlich mit sich trug. Zusätzlich zu der Waffe, die der Junge selbst transportierte, fand die Polizei bei einem Klassenkameraden eine weitere, auch wenn dies nur eine Leuchtpistole war, die vermutlich auch von dem 7-Jährigen stammte.

Vermutet wird, dass die Brüder des Jungen ihm den Rucksack gefüllt hatten, oder er sie selbst einsteckte, weil er es nicht besser wusste. Mit sieben weiß man noch nicht, was gut ist und was böse. Deswegen sind es Kinder – es liegt in der Verantwortung der Eltern, sie großzuziehen. Und das sicherlich nicht in unmittelbarer Nähe und in Kontakt mit Schusswaffen aller Art.

Wie kann es so weit kommen, dass jetzt schon Kinder, die personifizierte Unschuld, mit Waffen in Berührung kommen? In den USA fehlen eindeutig strikte Gesetze im Umgang mit Waffen – Selbstverteidigung hin oder her. Es kann nicht sein, dass andere Menschen, in diesem Fall Mitschüler und Lehrer, aufgrund der Nachlässigkeit der Eltern, durch einen kleinen Jungen in Gefahr gebracht werden.

Wie viele solcher Vorfälle es noch geben muss, damit klar wird, dass Waffen einen nicht immer beschützen, sondern in den meisten Fällen erheblich bedrohen, ist unklar. Obama weiß, wie eng die Amerikaner es mit dem Second Amendment der Bill of Rights sehen. Aber der mächtigste Mann der Welt muss jetzt seine Konsequenzen ziehen. Und das tut er auch, indem er versuchen wird, das Sturmgewehr zu verbieten. Ein kleiner Trost, wenn man bedenkt, was erst mitte Dezember in Connecticut passiert ist. Ich hoffe, dass der Anfang bald gemacht ist und kein 7-Jähriger mehr zum potenziellen Massenmörder wird, weil er es einfach nicht besser wusste.

 

www.focus.de, Vorfall an New Yorker Grundschule: 7-Jähriger kommt mit Pistole zum Unterricht, http://www.focus.de/panorama/welt/vorfall-an-new-yorker-grundschule-7-jaehriger-kommt-mit-pistole-zum-unterricht_aid_900596.html (abgerufen am 18.01.13)

Nachrichten in lustig.

geschrieben von in Allgemeines, Fernsehen, Medien und Politik, Nachrichten1 Kommentar »

„Wir sind [ja] wie eine echte Nachrichtenredation, nur in lustig. Wenn du uns ohne Ton gucken würdest, könntest du glauben, wir sind Nachrichten. Leute, die uns mit Ton gucken und immer noch glauben, wir sind Nachrichten, die brauchen Hilfe.“ [1]

So beschrieb Oliver Welke, Moderator der heute-show, am 03.11.2012 bei „Wetten, dass“ das Konzept seiner Sendung.

Die heute-show ist, ähnlich wie die Sendung „Neues aus der Anstalt“, eine politische Satiresendung und stilistisch einer Nachrichtensendung nachempfunden, was schon an ihrem Namen deutlich wird. Ein Team von Schauspielern und Kabarettisten, die zum Teil unter Künstlernamen auftreten, unterstützt Oliver Welke als Außenreporter, Korrespondenten, Kommentatoren oder Experten.

Woche für Woche nimmt die heute-show Politiker und andere prominente Persönlichkeiten auf’s Korn und so erfährt der Zuschauer ganz nebenbei auch von aktuellen politischen Ereignissen. Auf Parodien wird dabei verzichtet, denn, so Welke bei „Wetten, dass“, „die Politiker sind ja für sich genommen schon lustig genug.“ 1

Auch unter Politikern hat sich die Sendung schon einen Namen gemacht, der keinesfalls nur negativ ist. Anlässlich der Verleihung der „Spitzen Feder“ an Oliver Welke drehte Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen und die Preisträgerin des letzten Jahres, ein Video, in dem sie zunächst verschiedene Politiker zu ihrer Meinung über die heute-show befragte und schließlich eine Parodie der Kultfigur Gernot Hassknecht zum Besten gab. [2]

Angela Merkel zitierte die heute-show in ihrer Rede auf dem Bundesparteitag („Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen.“)[3] und einige Politiker, wie Rainer Brüderle oder Wolfgang Kubicki, haben sich auch schon als Gast in die Sendung gewagt.

Das Konzept der Sendung scheint aufzugehen. Vor allem der Anteil jüngerer Zuschauer ist hoch: Die Ausgabe am 08.12.2012, mit der die Show aus eigener Kraft die 3 Millionen-Marke knackte und 3,03 Millionen Zuschauer für sich verbuchen konnte, sahen auch 9,7 % der 14- bis 49-Jährigen. [4]

Gerade für Jugendliche, die herkömmliche Nachrichtensendungen wohl nicht so häufig anschauen, ist die heute-show interessant, weil sie hier auf leicht verständliche und vor allem äußerst lustige Weise informiert werden, darunter z.B. auch mein 14-jähriger Bruder.

Doch nicht nur unter den Zuschauern ist die Sendung beliebt. Neben der bereits erwähnten „Spitzen Feder“ wurde die heute-show bereits mit dem Grimme-Preis (2010)[5], dem Hanns-Joachim-Friedrich-Preis für Fernsehjournalismus (2012)[6] sowie mehrfach mit dem Deutschen Comedy-Preis[7] ausgezeichnet.

Natürlich zeigte auch die heute-show, wie sich das für jede gute Fernsehsendung gehört, am 14. Dezember bereits einen Jahresrückblick, in dem die prominentesten Ereignisse des vergangenen Jahres, wie die Euro-Krise, der Rücktritt von Christian Wulff als Bundespräsident, das Betreuungsgeld oder ganz aktuell die Wahlen der Kanzlerkandidaten von CDU und SPD noch einmal Revue passiert wurden und der goldene Vollpfosten „als Preis für die größten Idioten der vergangenen zwölf Monate“[8] verliehen wurde. Eine gelungene Zusammenfassung des politischen Jahres 2012 und wohltuend anders als die übrigen Jahresrückblicke.

Für mich ist diese Sendung ein Muss und ich kann nur jedem, der sie noch nicht kennt, empfehlen, einmal reinzuschauen. Es lohnt sich!


[1] „Wetten, Dass Auftritt von Oliver Welke (Heute Show) bei Markus Lanz.“ YouTube. 05.11.2012. Web. 16.12.2012 (https://www.youtube.com/watch?v=Tmeqa6v7bAQ)

[2] „Kraft veralbert ‚heute-show’. Gestatten, Gernotina Hassmagd.“ Stern. Stern, 04.12.2012. Web. 16.12.2012 (http://www.stern.de/politik/deutschland/kraft-veralbert-heute-show-gestatten-gernotina-hassmagd-1936182.html)

[3] „Merkel angeblich großer Fan der ‚heute-show’.“ Stern. Stern, 09.12.2012. Web. 16.12.2012. (http://www.stern.de/news2/aktuell/merkel-angeblich-grosser-fan-der-heute-show-1939216.html)

[4] Mantel, Uwe. „Rekord-Niveau: ‚heute-show’ läuft immer besser.“ DWDL. DWDL, 08.12.2012. Web. 16.12.2012 (http://www.dwdl.de/zahlenzentrale/38719/rekordniveau_heuteshow_laeuft_immer_besser/)

[5] „Preisträger 2010.“ Grimme-Preis. Grimme-Institut, Web. 17.12.2012 (www.grimme-institut.de/html/index.php?id=1012)

[6] Link, Roman. „’Sind wird eigentlich ab jetzt Journalisten?’“ heute-show-Fanblog. 08.10.2012. Web. 16.12.2012 (http://heute-show-fanblog.de/2012/10/sind-wir-eigentlich-ab-jetzt-journalisten/)

[7] Elsbeck, Gregor. „’Wer lacht, gewinnt!’ – Wie ‚heute-show’ & Co. beim Comedypreis absahnten.“ heute-show-Fanblog. 29.10.2012. Web. 16.12.2012 (http://heute-show-fanblog.de/2012/10/wer-lacht-gewinnt-wie-heute-show-co-beim-comedypreis-absahnten/)

[8] Elsbeck, Gregor. „’heute-show’ – Der Jahresrückblick: Besser als letztes Jahr.“ heute-show-Fanblog. 15.12.2012. Web. 16.12.2012 (http://heute-show-fanblog.de/2012/12/heute-show-der-jahresruckblick-besser-als-letztes-jahr/#more-3065)

Ein Lehrbeispiel: So schnell kann man das Vertrauen in eine Institution wie die BBC zerstören.

geschrieben von in Fernsehen, Nachrichten, QualitätKommentare deaktiviert

Die BBC steckt mitten in einer ihrer größten Krisen und wird aus dieser vermutlich so schnell auch nicht mehr herauskommen. Der Grund: Reportagen in der bekannten Nachrichtensendung „Newsnight“, Geheimhaltung der Kindesmissbräuche eines Moderatoren und falsche Missbrauchsvorwürfe gegen einen Politiker.

Bereits vor einigen Wochen war herausgekommen, dass die BBC jahrelang von den Machenschaften ihres beliebten Moderators Jimmy Savile gewusst und diese bewusst verschwiegen und verschleiert hatte. Es wird sogar angenommen, dass eine Reportage, die für die große BBC-Nachrichtensendung „Newsnight“ geplant war und in der die Wahrheit über Savile ans Licht kommen sollte, von oberster Stelle gestoppt wurde. Stattdessen wurde der Entertainer weiter in den höchsten Tönen gelobt, nachdem er im vergangenen Jahr gestorben war.

Savile, der unter anderem auch Kindersendungen moderierte, soll über Jahre hinweg 300 junge Menschen missbraucht haben, zum Teil sogar in BBC-Studios.

Nun gab es einen zweiten Skandal. Am zweiten November wurde in der „Newsnight“ ein Bericht über Misshandlungen von Kindern in walisischen Waisenheimen in den 70-er und 80-er Jahren ausgestrahlt. Ein Opfer dieser Misshandlungen, Steve Messham gab an, unter den Tätern sei auch ein hochrangiger Tory-Politiker gewesen. Obwohl in der Sendung keine Namen genannt wurden, tauchten unmittelbar danach im Internet Vorwürfe gegen Lord Alistair McAlpine auf, Schatzmeister unter Margaret Thatcher, die sich später als falsch herausstellten.

In der Folge dieser Ereignisse verkündete der Generaldirektor und Chefredakteur der BBC, George Entwistle, am vergangenen Samstag seinen Rücktritt. Drei weitere namhafte Journalisten, Nachrichtenchefin Helen Boaden, ihr Stellvertreter Steve Mitchell sowie der Chef der Investigativ-Abteilung, Iain Overton, legten am Montag ihre Ämter nieder.

Man fragt sich, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Die BBC ist ja schließlich kein Niemand. Die British Broadcasting Corporation wurde bereits 1922 gegründet und ist die weltweit größte öffentliche Sendeanstalt. Anders als beispielsweise in Deutschland haben die privaten Sender in Großbritannien deutlich weniger Einfluss; die BBC dominiert den Markt mit je 10 nationalen (englischen) Fernseh- und Radiosendern, nationalen Fernseh-und Radiodiensten für Wales, Schottland und Nord-Irland, 40 lokalen Radiostationen und einem großen Online-Angebot.

Die BBC, von den Briten liebevoll auch „Tantchen“ genannt, ist in Großbritannien also quasi das Nonplusultra.

Ein solcher Skandal passt da natürlich gar nicht zu dem Bild, das die Öffentlichkeit von der Sendeanstalt hat, und erschüttert umso mehr, als die BBC sonst für für ehrlichen, wahrheitsgetreuen Journalismus steht.

Generaldirektor Entwistle sagte jedoch aus, er habe weder von dem Inhalt der unterbundenen Reportage über Savile, noch von den Enthüllungen in der „Newsnight“-Ausgabe des 2. November gewusst  – und das ist untragbar für einen jeden Chefredakteur.  Entwistle ist maßgeblich dafür verantwortlich zu machen, dass das Vertrauen der Briten in die BBC stark zerstört ist. Der Rücktritt von „incurious George“, wie er bereits genannt wird, war die einzig logische Konsequenz.

Dieses Vertrauen zurückzugewinnen, hat jetzt oberste Priorität. Gelingen kann dies nur mit viel Ehrlichkeit und einer umfassenden Aufarbeitung der Vorfälle. Entwistles Nachfolger muss jetzt dafür Sorge tragen, den Ruf der BBC wiederherzustellen – eine schwierige Aufgabe.

 

Quellen:

At a glance. http://www.bbc.co.uk/aboutthebbc/insidethebbc/whoweare/ataglance/ (16.11.2012)

Kielinger, Thomas (2012): BBC steht für Blamage. http://www.morgenpost.de/printarchiv/panorama/article110911455/BBC-steht-fuer-Blamage.html (16.11.2012)

Thomas, Gina (2012): Die Tante des Clowns hat nichts mehr zu lachen. http://www.faz.net/aktuell/ruecktritt-des-bbc-generaldirektors-die-tante-des-clowns-hat-nichts-mehr-zu-lachen-11957522.html (16.11.2012)

Spiegel Online (2012): BBC-Nachrichtenchefin gibt auf. http://www.rp-online.de/panorama/ausland/bbc-generaldirektor-entwistle-tritt-zurueck-1.3064131 (16.11.2012)

 

Das Image Obamas – ein konstruiertes Weltbild?

geschrieben von in Allgemeines, Internet und Politik, Medien und Politik, Medienkritik, NachrichtenKommentare deaktiviert

Die Präsidentschaftswahl in den USA hat in diesem Jahr ein beispielloses mediales Interesse ausgelöst. Die beiden Kandidaten Mitt Romney (Republikaner) und Barack Obama (Demokraten) lieferten sich einen ungemeinen Schlagabtausch, der in der ganzen Welt mit großem Interesse wahrgenommen wurde. In der Wahlnacht am 06.11.2012 lud Markus Lanz mehrere Experten (Botschafter Philip D. Murphy, die Journalisten Michael Spreng und Georgia Tornow, Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel und Autor Eric T. Hansen)1 zu einer Spezialausgabe seiner gleichnamigen Talkshow ein und diskutierte unter anderem mit Ihnen über die vermeintliche Annahme, dass der amtierende Präsident Obama in Deutschland zweifellos besser dastehe als sein Herausforderer Mitt Romney.

Seltsamerweise blieb der Kampf ums Weiße Haus bis zur Wahlnacht unglaublich spannend, hatte sich Mitt Romney doch eigentlich schon vor Monaten selbst demontiert und damit Barack Obama einen Stimmenanteil von 85% verschafft – allerdings in Deutschland.1 Wie kann es sein, dass wir in Deutschland derart von Präsident Obama überzeugt sind, wohingegen sich in Amerika das wohl spannendste Duell aller Zeiten abgespielt hat? Bekommen wir in Europa nicht alles mit, erreichen uns die Nachrichten in verzerrter Weise oder sehen wir Obamas Qualitäten durch eine “rosarote Brille”?

Das erste TV-Duell, das dem Amtsinhaber fast zum Verhängnis geworden wäre, das nahmen auch wir als Niederlage wahr. Doch unvorstellbar für uns, dass dies allein ausschlaggebend für den Ausgang des Wahlkampfes sein sollte. Doch es scheint noch mehr Gründe dafür gegeben zu haben, dass es derart eng werden würde. Haben wir ein anderes Bild von Obama als die Amerikaner? Wurden unsere Nachrichten zu Gunsten des jetzigen Präsidenten manipuliert und ein fast ausschließlich positives Weltbild von ihm konstruiert?

So sind uns sämtliche Patzer von Mitt Romney präsent, ob das seine verbale Entgleisung war, in der er Wähler Obamas als “Opfer” bezeichnetet oder als er den Irak mit dem Iran verwechselte.1 Romney´s Fehltritte fanden größeren Anklang in unserer Berichterstattung und wurden hierzulande als eine Art des in den USA sehr verbreiteten “negative campaigning”1 gegen ihn gebraucht. So lautete beispielsweise eine Schlagzeile der Financial Times Deutschland vom 17.10.2012 “Obamas Kampfgeist und Romneys Patzer”.2 Herr Eric T. Hansen erklärte passend dazu, dass in Deutschland Obamas Fehltritte oder verbale Entgleisungen meist beschönigt und weitreichend erklärt werden, wohingegen gegenüber Romney keinerlei Gnade gezeigt wird.

Herr Hansen nahm den Herausforderer in Schutz, und wies auf die übertriebene Negativität in der Berichterstattung über den Republikaner hin.1 Lanz stellte gar die These in den Raum, dass in Deutschland “tendenziell Demokraten eher gut und Republikaner eher böse sind”.1 Wir bekommen, so scheint es und bejahen es die Experten in der Talkrunde, ein verzerrtes Bild der Parteien und ihrer Kandidaten vermittelt und nach Herrn Hansen sind es “die Mehrzahl der deutschen Zeitschriften, die das kolportieren”.1

Wir bekommen also, natürlich oberflächlich betrachtet und auf den Otto Normalverbraucher zugeschnitten, ein Bild übermittelt, das verzerrt und manipuliert ist. Dies erklärt auch die Diskrepanz zwischen dem engen Wahlkampfendspurt in den USA und dem eindeutigen, jedoch fiktiven Ergebnis in Deutschland. In diesem Fall stehen sich ein überzogen, kritisches Bild des Republikaners Romney und die euphemistische Darstellung des Demokraten Obamas gegenüber. Wir hier in Deutschland, wir sehen es so, weil die Medien es uns durch ihre Brille vermitteln. Und es kam so, wie es kommen musste: das Gute konnte das Böse, in diesem Fall Mitt Romney, der es auf der Zielgeraden noch einmal spannend machte, besiegen. Happy End.

1 Lanz, Markus (2012): Markus Lanz, Video vom 6. November 2012, http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/1539970#/beitrag/video/1769028/Markus-Lanz-vom-6-November-2012 (abgerufen am 10.11.2012)

2 Zöttl, Ines (2012): Obamas Kampfgeist und Romneys Patzer, 17.10.2012, http://www.ftd.de/politik/international/:us-wahl-2012-obamas-kampfgeist-und-romneys-patzer/70105319.html (abgerufen am 10.11.2012).

Schlagwörter: , , ,

Wachstum des digitalen Nachrichtenkonsums

geschrieben von in Allgemeines, Kommunikationsformen, Medienwandel, Nachrichten1 Kommentar »

Das in Washington ansässige ‘Pew Research Center for the People and the Press’ hat im März diesen Jahres die aktuellste ‘State of the News Media 2012′ - Studie veröffentlicht. Diese alljährliche Marktuntersuchung versucht, den Zustand des Nachrichten-Journalismus in den USA zu analysieren.  Als Grundlage werden sowohl eigene als auch fremde Statistiken aus verschiedenen Medienbereichen ausgewertet.

Digitale Plattformen, neue Medien, Online-Newsangebote, Smartphones und die damit verbundenen neuen Nachrichten- und Kommunikationskanäle würden zu einer erhöhten Nachrichtennachfrage führen und hätte sogar positive Auswirkungen auf die Bereitschaft, längere Artikel zu lesen. Zu u.A. diesen Ergebnissen gelang die diesjährige Bestandsaufnahme des ‘Pew Research Center for the People and the Press’. Der Report betont darüber hinaus, dass die Lücke zwischen klassischen Medienunternehmen und Technologie-Giganten wie Google, Facebook, Amazon und Co. immer größer werden würde.

Die Studie erstreckt sich zunächst nur auf den US-Nachrichten-Journalismus. Derartige Auswertungen, attestierte Entwicklungen und Trends lassen sich also nicht ohne Weiteres auf den europäischen oder deutschen Raum übertragen. Klar ist jedoch, dass auch im europäischen Raum technische Innovationen, neue Medien und digitale Plattformen zunehmend an Bedeutung gewinnen, wenn man von Nachrichtenkonsum spricht. Der Bericht macht ebenso klar, dass mit den digitalen Veränderungen auch neue ökonomische Veränderungen entstehen: Unternehmen wie Apple, Google und andere haben nicht nur maßgeblichen Einfluss auf die technischen Aspekte, sondern verlangen gleichzeitig auch ihren Teil der Einnahmen. Die klassischen US-Nachrichtenmedien wie Zeitungen, Magazine, Radio und Fernsehen würden nach wie vor über Umsatzverluste klagen und sähen sich ‘mittellos’ gegen die wachsende Onlinekonkurrenz.

Das Fernsehen stelle eine Art positive Ausnahmeerscheinung in der Nachrichtenlandschaft dar. Sowohl Zuschauer- als auch Umsatzzahlen blieben weitestgehend konstant. Trotzdem haben US-Nachrichtensendungen seit 1980 mehr als die Hälfte ihrer Zuschauer verloren. Die Werbeeinnahmen gingen 2011 um 6,7% zurück. Vor der Finanzkrise im Jahr 2007 lagen die Werbeeinnahmen im Fernsehen noch bei 21,5%.

2011, als sechstes Jahr in Folge, sind die Anzeigenerlöse von US-Zeitungen weiterhin gesunken. Die US-Zeitungsindustrie konnte 2011 Umsätze von 34 Milliarden US-Dollar erzielen. Im Jahre 2000 waren es noch 59,2 Milliarden. Diese Differenz würde sich vor allem auch in den kleiner werdenden Redaktionen widerspiegeln. Medienkonzerne und Verlagshäuser mussten zunehmend Mitarbeiter entlassen, um Profitabilität zu bewahren. Das Pew Research Center prognostiziert für 2012, dass viele Zeitungen nur noch sonntags in gedruckter Form erscheinen, da immer mehr Menschen auf das Online-Angebot zurückgreifen würden.

Die major trends lassen sich wie folgt skizzieren:

Eine Mehrheit von 36% aller befragten Amerikaner würde sich direkt auf der Website oder durch Apps ihres Nachrichtenlieferanten informieren. 9% würden den Empfehlungen in sozialen Netzwerken folgen und somit ihre Nachrichten erhalten.Diese Gruppe würde jedoch rapide zunehmen. Laut Studie verbuchen US-Nachrichtenportale einen Besucherzuwachs von 17%. Printausgaben hingegen verbuchten einen Verlust von mehr als 4%. Der Werbemarkt in Fernseh- und Print-Angeboten musste an Anteilen einbüßen, wohingegen der Online-Werbemarkt mit 23% deutlich zulegte. Mehr als 3/4 aller ‘U.S. adults‘ sind im Besitz eines Laptops oder Computers. Zu dieser weitestgehend stabil bleibenden Zahl kommt hinzu, dass 44% aller adults ein Smartphone besitzen und 18% der Über-18-Jährigen besitzen mittlerweile ein Tablet. Diese Tablet-Besitzer haben sich im Vergleich zum vergangenen Sommer um 50% erhöht.

Demzufolge wird ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung als eine Art ‘multiplatform digital news consumer’ bezeichnet. Durch derartige digitale Gewohnheiten werden Nachrichten zunehmend mittels ”multidigital devices” konsumiert. Damit wird ein Bild gezeichnet, bei dessen Betrachtung man nicht das Ausmaß übersehen darf, indem Technologien als Zwischenhändler fungieren, um die Zukunft der Nachrichten zu kontrollieren.

In den letzten Jahren sind es vor allem zwei Trends, die deutlich machen, inwiefern die Lücke zwischen der Nachrichten- und Technologiebranche immer größer wird. Zum einen stellt die wachsende Nutzung mobiler, digitaler Anwendungen und die Nutzung von Social-Media-Kanälen wie Facebook eine wichtige Ebene der Technologie dar, auf die sich die klassische Nachrichten-Organisation anpassen muss. Zum anderen sind in den letzten Jahren Technologie-Giganten wie Google, Apple, Facebook usw. zu einer omnipräsenten Instanz geworden, wenn wir von Nachrichten, Sozialen Beziehungen und unserem digitalen Leben sprechen. Im gleichen Atemzug trachten diese makers of everything danach, die Hardware zu produzieren, die Menschen benutzen, Systeme zu entwickeln, wodurch bestimmte Anwendungen zu steuern sind, die Browser zu “verbessern”, worüber Menschen surfen, die E-Mail-Provider zu entwickeln, über die Menschen kommunizieren und natürlich, die sozialen Netzwerke und Webplattformen zu konstruieren, über die Menschen interagieren, shoppen und spielen. Derartiges Einmischen der Technologiebranche, nicht nur in das Nachrichtensystem, könnte zufolge haben, dass Unternehmen detaillierte und personalisierte Daten über jeden Benutzer haben werden.

 

Quellen:

(1) http://stateofthemedia.org/

(2) http://stateofthemedia.org/2012/mobile-devices-and-news-consumption-some-good-signs-for-journalism/

(3) http://pewresearch.org/pubs/2222/news-media-network-television-cable-audioo-radio-digital-platforms-local-mobile-devices-tablets-smartphones-native-american-community-newspapers?src=prc-headline

(4) http://www.mediadb.eu/news/aktuelle-meldungen/newsdetail/article/state-of-the-news-media-studie-us-nachrichtenmedien-stagnieren.html

(5) http://www.spiegel.de/netzwelt/web/infografik-mobile-nutzung-von-nachrichten-angeboten-in-europa-a-823293.html

(6) http://www.heise.de/newsticker/meldung/Digitale-Medien-verstaerken-Nachrichtenkonsum-1474719.html

 

Die Bühne zur Selbstinszenierung

geschrieben von in Medienkritik, Nachrichten1 Kommentar »

Seit Montag, den 16.04.2012 läuft nun das Verfahren gegen den Massenmörder Anders Behring Breivik, das von der Osloer Bevölkerung zynisch das „Breivik-Festival“ genannt wird.

Mittlerweile sind 18 Prozesstage vergangen, an denen Breivik keine Möglichkeit ausließ, seine Ideologie zu erläutern. Statt der geplanten 30 Minuten, die ihm zur Verfügung stehen sollten, um seine Taten zu erklären, verlas der 33-Jährige ganze 75 Minuten auf 13 Seiten gekürzte Ausschnitte des ursprünglich 1500 Seiten starken Manifests. Nur selten wurde er in seinen Ausführungen unterbrochen, sodass schon während der Verhandlung eine Journalistin aus dem Gerichtssaal twitterte, dass sie nicht fassen könne, dass das Gericht all diese Aussagen zuließe.

Apropos Journalisten – in Oslo werden zur Zeit über 1000 akkreditierte Journalisten untergebracht und versorgt. Um diesem ‘Öffentlichkeitsanspruch’ gerecht zu werden wurde das Gerichtsgebäude für circa 4 Millionen Euro umgebaut, die Kosten des gesamten Richterspruchs werden nach Prozessbeendigung wohl auf 13 Millionen hinauslaufen.

Die Aussagen Breiviks treten dank der fleißigen Berichterstattung wortwörtlich ans Tageslicht und veranlassen viele Außenstehende zur Kritik. Dieses Maß an Aufmerksamkeit sei genau das, was der Attentäter erreichen wolle. Ein zentrales Motiv für die Tat ist der Wunsch nach Berühmtheit und offene Ohren für das zu finden, was Breivik selbst als notwendig darstellt, die Bekämpfung des Multikulturalismus und vor allem des Islam.
Zusätzlich ist der mögliche Nachahmungseffekt zu bedenken. All dem könnte ein Ende gesetzt werden, würde nicht so offen darüber berichtet werden. Doch die Bevölkerung hat ein Recht auf Aufklärung.

Dieses Recht wird aber davon getrübt, dass die norwegische Bevölkerung den Fall gerne hinter sich lassen würde. Auf diesen Wunsch reagierte die Boulevardzeitung ‘Dagbladet’ mit einem sogenannten „Terrorknopf“ auf ihrer Website, der alle Artikel zum Prozess ausblendet.

Ist es richtig, ein Thema die Nachrichten eines Landes so dominieren zu lassen, wenn die Einwohner dies schon fast als Qual empfinden? Sollte die Berichterstattung im Falle Anders Behring Breivik gekürzt werden?

Zur Zeit spielt die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit des Täters die Hauptrolle, der sich wiederum selbst profiliert, als einer, der weiß, was er getan hat, dazu steht, nichts bereut und dies auch der ganzen Welt verkünden möchte.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/attentaeter-anders-breivik-prahlt-mit-seinen-taten-a-827966.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/aussage-von-attentaeter-anders-breivik-spaltet-prozessparteien-a-828044.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/attentaeter-anders-breivik-lobt-al-qaida-vor-gericht-a-828140.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/in-oslo-beginnt-der-prozess-gegen-attentaeter-anders-breivik-a-827702.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oslo-norwegen-ruestet-sich-fuer-den-prozess-gegen-anders-breivik-a-827678.html

Bloggingfieber erfasst Tagesschau

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik, Nachrichten, WeblogsKommentare deaktiviert

Die Internetpräsenz der Tagesschau will attraktiv sein und geht daher mit dem Trend, indem sie auf den Zug der Internetblogs aufgesprungen ist. Schons seit einiger Zeit können wir daher auf der Website einen Reiter mit der Aufschrift „Blog“ bewundern.

Wer die Tagesschau kennt, der wundert sich angesichts dessen vielleicht etwas. Bei dem Titel der Nachrichtensendung klingelt höchstens der allbekannte Eröffnungsjingle im Ohr, nicht aber die Assoziation mit Blogs.
Die Tagesschau ist die älteste Nachrichtensendung Deutschlands und wurde gestern von immerhin 3,55 Mio. Deutschen verfolgt. Sie gilt als seriös und wird im Vergleich zu den Nachrichten der Privatsender als etwas steif beschrieben.
Vielleicht ist es genau dieses etwas konservative Image, dem durch den Interblog entgegengewirkt werden soll. Aber genug der Spekulation über die Martketingstrategie der ARD.
Die Blogeinträge werden von den Auslandskorrespondenten der Tagesschau geschrieben. Es gibt auch eine Vlogversion, die im Vergleich zu vielen im Internet zur Verfügung stehenden Vlogs nicht nur eine Person vor krisseligem Hintergrund zeigt, sondern professionell gedreht und geschnitten ist. Man merkt also, dass das Projekt der Tagesschauredaktion durchaus wichtig ist und an finanziellen Mitteln nicht gespart wird.
Was die Themenauswahl angeht, so findet man diverse Bereiche wieder.
Hier einen Bericht über Deutsche Fahrzeuge in Afghanistan, dort über einen Gitarrenhersteller in Polen. Die Sprache der Korrespondenten passt sich sowohl in den Vlogs als auch in der schriftlichen Ausgabe dem jeweiligen Thema an.
Im Blog „Paris, c’est la vie“ beschreibt Michael Strempel klar und nüchtern die Wahl des französischen Präsidenten, während sein Kollege aus New Delhi seine Geschichte vom gebrochenen Arm locker zum Besten gibt:

„Am nächsten Tag ins Krankenhaus. Moderner als in Deutschland. Die Notaufnahme bestand aus vielen Betten, durch Vorhänge getrennt. Vielleicht fünf Ärtze bestaunten meine Hand, bis der Orthopäde kam. Ein Gips, dann nochmal röntgen. Den bereitstehenden Rollstuhl lehnte ich ab. Was niemand verstehen konnte.“

Deutlich wird an diesem Beispiel: so subjektiv geschrieben der Text auch ist, er schafft es die Distanz zwischen New Delhi und Trier kleiner wirken zu lassen.
Durch das lockere Geschreibsel des Korrespondenten über sein (nach Nachrichtenfaktoren als unbedeutend einzustufendes) persönliches Indienereignis erfährt man ein Stück vom Alltag des Landes, was zum besseren Kulturverständnis nie schaden kann.
Klar dabei sollte aber eben sein, dass ein Blog keine ausschließlich auf Information ausgerichtete Nachrichtensendung ist und daher die Perspektive des Autor beim oft lustigen Geplauder noch mehr zum Tragen kommt als bei der herkömmlichen Fernsehtagesschau.

Für mich sind die Korrespondentenblogs ein schönes, gut aufgemachtes Extra, das zwar etwas aus dem Rahmen der Internetpräsenz der Tagesschau fällt, aber nicht minder interessant ist.
Wer einmal hereinschauen will, der sollte also im Klaren sein, dass es sich speziell bei den Vlogs eher um Entertainment als Nachrichten handelt.

___________________________

Strempel, Michael: Wenn aus Merkozy Merkollande würde … (18.04.2012): http://www.tagesschau.de/videoblog/paris_cest_la_vie/videoblogparis168.html (abgerufen am 20.04.2012)

Halász, Gábor: Unfall, Gips und was ich über Indien lernte (11.01.2012): http://blog.tagesschau.de/author/halasz/ (abgerufen am 20.04.2012)

Quoten der ARD: http://www.daserste.de/programm/quoten.asp (abgerufen am 20.04.2012)

Schlagwörter: , ,

Die Tagesschau vor 20 Jahren

geschrieben von in Fernsehen, Medienwandel, Nachrichten1 Kommentar »

Wir alle kennen die Tagesschau. Schließlich ist sie die älteste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen und feiert im April ihr 60-jähriges Bestehen. Wie aber sah die Tagesschau vor 20 Jahren aus?

Auf einem Tochterprogramm der ARD, genannt EinsExtra werden täglich die  Nachrichtensendungen der ARD und Hintergründe dazu ausgestrahlt. EinsExtra verfügt über eine eigene Nachrichtensendung, EinsExtra Aktuell die viertelstündlich läuft und sendet dazwischen die aktuellen Ausgaben des Morgenmagazins, der Tagesschau und Tagesthemen sowie des Nachtmagazins.
Daher wird EinsExtra auch als “Das digitale Informationsprogramm der ARD” bezeichnet .

EinsExtra strahlt zudem täglich um 22:45 Uhr die Sendung der Tagesschau aus, die am gleichen Abend vor 20 Jahren gesendet wurde, allerdings in 15 Minuten zusammengefasst und meist ohne Wetter.
Dieser Einblick in die deutsche Geschichte ist sehr interessant, da man anhand der Sendungen gut die wichtigsten Themen zu dieser Zeit nachvollzeihen kann. Man kann beobachten, wo zu dieser Zeit der Schwerpunkt in der Berichterstattung lag und die damaligen Entwicklungen direkt verfolgen. Außerdem lässt sich die technische Verbesserung und die Veränderung in der Moderationsform, der Aufmachung und der Präsentation in den letzten zwanzig Jahren anhand der “tagesschau vor 20 Jahren” beobachten.

Wer also an Politik oder an den Entwicklungen in der Berichterstattung der letzten zwanzig Jahre interessiert ist, sollte die Gelegenheit wahrnehmen sich diese Sendung einmal anzusehen.

Neben der täglichen Ausstrahlung auf  EinsExtra kann man die “tagesschau vor 20 Jahren” auch online auf der Seite der ARD/tagesschau.de anschauen.

 

http://www.tagesschau.de/inland/tsvorzwanzigjahren100.html

programm.ard.de/TV/einsextra/2012/02/29/tagesschau-vor-20-jahren/eid_287217499471245?list=main#top

http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=55123&p3=

www.eins-extra.de/EinsExtra/Sendungen-A-bis-Z/Sendungen-auf-Eins-Extra

Werther-Effekt und soziale Bewährtheit

geschrieben von in Allgemeines, Medienkritik, Nachrichten3 Kommentare »

Vor etwa einem Jahr wurde der deutsche Film “Goethe!” veröffentlicht. Er war unter den Top 10 der erfolgreichsten deutschen Filme im Jahr 2010 und erzählt die Geschichte von Johann Wolfgang von Goethe, der sich in Charlotte Buff verliebt. Charlotte erwidert seine Liebe zwar, muss jedoch einen anderen, Johann Christian Kestner, heiraten. Den Schmerz darüber verarbeitet Goethe in seinem Werk “Die Leiden des jungen Werthers”, welches er dann an Charlotte schickt. Diese veröffentlicht das Werk ohne sein Wissen. Kurz darauf ist sein Roman bereits zum Bestseller geworden.
Den Roman “Die Leiden des jungen Werthers” hat Goethe nicht nur im Film, sondern auch im realen Leben geschrieben. Inhalt ist die Lebensgeschichte Werthers, der sich in die damals bereits verlobte Charlotte Buff verliebt. Charlotte empfindet das Gleiche, heiratet jedoch ihren Verlobten und möchte Werther schliesslich nicht mehr wiedersehen. Aus Verzweiflung und Trauer erschiesst sich Werther kurz darauf.

Kurz nachdem “Die Leiden des jungen Werthers” 1774 veröffentlicht wurde, kam es plötzlich zu zahlreichen Nachahmungen: viele unglücklich verliebte Männer entschieden sich für den Freitod, genauso wie Werther in Goethes Roman. Heute wird dieses Phänomen deshalb als Werther-Effekt bezeichnet.
Doch Goethes Roman ist nicht das einzige Beispiel für Suizide, die mehrere weitere Suizide nach sich zogen. Als sich Robert Enke im November 2009 vor einen Zug warf, stieg die Zahl der Suizide in den darauf folgenden Monaten stark an. Auch nach dem Selbstmord von Marylin Monroe kam es zu zahlreichen Nachahmungen.
Prominente haben eine wichtige Vorbildfunktion und viele, vor allem Jugendliche, orientieren sich an deren Verhalten. Begehen die Prominenten Suizid, glauben die Jugendlichen, dass dieses Verhalten auf irgendeine Weise “richtig” sein muss und imitieren es. Robert Cialdini zufolge wird dieses Prinzip der sozialen Bewährtheit umso stärker aktiviert, wenn die Personen sich mit dem Suizidenten sehr gut identifizieren können, ihm also ähnlich sind.

Über den Werther-Effekt wird in der Medienwirkungsforschung stark diskutiert. In den Medien wird immer sehr viel über Suizide, besonders von Prominenten, berichtet. Das lenkt die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf die “Möglichkeit” einen Suizid zu begehen.  Tatsächlich nimmt die Medienwirkungsforschung an, dass es zwischen der Medienberichterstattung über einen Selbstmord und der Erhöhung der Suizidrate einen Zusammenhang gibt.
Dies verdeutlicht, dass die Medien darauf achten sollten, wie sie über einen Suizid berichten. Oft neigen die Medien dazu, die Suizide als besonders tragisch und/oder spektakulär zu beschreiben. Das ist einerseits verständlich, denn die Rezipienten bevorzugen “Sensations-Nachrichten” und so verkaufen sich die Medien besser. Doch andererseits verstärken diese Arten von Berichterstattungen den Nachahmungseffekt, weil die Suizidenten so zum Teil als “Helden” dargestellt werden und Anerkennung für ihre Tat bekommen. Die Berichterstattung sollte also eher neutral bleiben, auch wenn das für die Medien bedeutet, dass ihre Nachrichten nicht ganz so “spannend” sind und sie deshalb vielleicht nicht ganz soviele Rezipienten erreichen. Zumindest könnte so aber verhindert werden, dass es wieder zu einer Suizidwelle wie den oben beschriebenen kommt.

Quellen:
Robert Cialdini: “Die Psychologie des Überzeugens”

http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/die_leiden_des_jungen_werther.htm

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/werther.html

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/32718

http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0923/003_pubertaet.jsp

Schlagwörter: , , , , ,

Jetzt doch!

geschrieben von in Nachrichten3 Kommentare »

Gestern wurde bekannt, dass die Olympischen Spiele 2014 und 2016 doch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu sehen sein werden. Zwischenzeitlich war es nicht sicher ob ZDF und ARD sich die Rechte für die Übertragung leisten konnten, der IOC hatte nämlich horrende Summen für die Übertragungsrechte gefordert.

Außerdem hatte der IOC auch damit gedroht die Rechte an das Pay-TV zu verkaufen. Erstmals hatte dieses Mal die ARD und ZDF direkt mit der IOC verhandelt, zuvor wurde über die European Broadcasting Union (EBU) verhandelt. Jedoch kündigte der IOC die Partnerschaft mit der EBU.

Noch müssen die zuständigen Gremien der Rundfunkanstalten über den Abschluss der Verträge abstimmen. Die ARD- Vorsitzende Monika Piel sagte gestern „Ich bin sehr froh darüber, dass die Olympischen Spiele auch weiterhin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein werden.“ Sie versprach zusätzlich den Zuschauern, dass sie Berichterstattung auf hohem technischen und inhaltlichen Niveau erwarten könnten.

Über die Kosten der Fernsehübertragung der Olympischen Spiele machten ZDF und ARD jedoch keine Angaben.

 

Quellen: http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,772295,00.html

 

Panik-Macher Medien

geschrieben von in Medienkritik, Nachrichten2 Kommentare »

Wenn beispielsweise ein neuer Virus Todesopfer fordert, sind die Medien nicht weit und berichten schnell. Und wenn es nach ihren Anschauungen geht, dann tun sie dies objektiv. Oft werden die wichtigen Fragen aber ausgeblendet und der Tod erweckt das Interesse des Reporters. Oft begegnen uns emotional überladene Meldungen, die kaum Informationen übermitteln, sondern die eher einen Hinweis auf den bevorstehenden Untergang der Menschheit sind. Ob diese Panikmache nun gute oder schlechte Folgen hat, darüber lässt sich wohl streiten. Natürlich ist es gut, wenn wir vorsichtig handeln und uns vor der möglichen Gefahr schützen, doch die negative Folgen, die die regelrechte Ausschlachtung bestimmter  Schlagzeilen mit sich ziehen, sind nicht zu unterschätzen. Im Jahre 2000 war es nicht ,, EHEC‘‘ sondern die BSE-Krise. Durch die Ausschlachtung des Themas in den Medien, sind nicht nur die Menschen in Panik versetzt worden, sondern es kam ebenfalls zu wirtschaftlichen Verlusten durch den Zusammenbruch des Fleischmarktes. Solche Medienereignisse haben auch Politische folgen- mehr oder weniger. Die Medien kritisieren z.B. die Hygiene beim Lebensmitteltransport. Daraufhin werden  in der Politik Diskussionen zur möglichen Verbesserung gesetzlicher Vorschriften beginnen, um die aufgebrachte Bevölkerung zu beruhigen. Die Akten zu diesem Thema werden dann irgendwann dort landen, wo einst der überflüssig gewordene Impfstoff gegen das Schweinegrippevirus entsorgt wurde.

Doch nicht nur die Medien zwängen uns emotional überladene Beiträge auf.  Im Jahre 2000 in Bezug auf die Schweinegrippe kann man nicht alleine den Medien die Schuld an der Panikmache geben. Auch Behörden und Verwaltungseinrichtungen machen sich immer mehr Krisensituationen zunutze, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Was lernen wir also hieraus? Sicherlich ist immer ein Stückchen Wahrheit an dem, was uns die Medien berichten, doch gerade in Krisensituation neigen sie dazu, eine gewisse Dramaturgie zu erzeugen. Doch auch, wenn wir uns dessen bewusst sind, werden wir uns auf langer Hinsicht den Unmengen von Medien und ihrem unbegrenzten Zugang zur Welt nicht entziehen können. Es sei also jedem selbst überlassen, was er aus dieser Situation macht…

Quellen:

http://www.stern.de/gesundheit/darmkeim-ehec-die-lage-ist-ausgesprochen-ernst-1689964.html

http://www.tagesschau.de/inland/durchfall104.html

http://www.rki.de/

 

Ist Schwarz-Gelb das neue Grün?

geschrieben von in Medien und Politik, Medienkritik, NachrichtenKommentare deaktiviert

Dem Heute-Journal war es die Hälfte seiner Sendezeit wert und wer einen Blick auf die großen deutschen Nachrichtenportale geworfen hat, wird nicht umhin gekommen sein zu bemerken, dass der neu verkündete Regierungsbeschluss über den baldigen Atomausstieg das Thema Nummer Eins war. Bemerkenswert war aber auch, wie einstimmig der Beschluss der Regierung zur Atompolitik aufgenommen wurde. Auch wenn die Titel in verschiedene Richtungen weisen, haben sie doch einen Konsens: die Bedrängnis, in der sich die ewige Oppositionspartei “Die Grünen” befindet.

Das Thema Atomwende wird, nach kurzem Behandeln der wichtigsten Fakten, nur behandelt um darüber zu spekulieren, ob und wie sich die Grünen nun, da ihre Hauptforderung mit einem Mal erfüllt wurde, thematisch neu orientieren müssen. So wird der neue gesellschaftliche Konsens in Bezug auf Energiepolitik dazu genutzt, in dem Bild, das der Durchschnittsbürger von der Parteilandschaft Deutschlands hat, Verwirrung zu stiften. Wo vormals klare Rollenverteilung herrschte, wollen die Medien jetzt eine neue sehen, Spiegel Online bezeichnet die Auswirkungen des Beschlusses sogar als “schwarz-gelbe Ökorevolution”.

All das lässt die Ergebnisse der letzten Wahlen als relativ erscheinen, die Regierungspartei übernimmt plötzlich die Änderungen, die die Grünen gerne auf ihrem Konto gesehen hätten. Und die Medien lassen uns dabei zuschauen, kommentieren poinitert und beeinflussen so sicherlich die nächsten Umfragewerte entscheidend.

 

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,765729,00.html (30.05.2011)

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-05/atom-ausstieg-opposition/seite-1 (30.05.2011)

http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/rheinlandpfalz/rheinlandpfalz/Heute-im-TV-Atom-Ausstieg-Bundesregierung-bekommt-von-zwei-Seiten-Aerger;art806,2801192 (30.05.2011)

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1349328/ZDF-heute-journal-vom-30-Mai-2011 (30.05.2011)

„Die witzigsten Nachrichten der Welt“ kehren zurück auf den Bildschirm

geschrieben von in Fernsehen, Medienkritik, NachrichtenKommentare deaktiviert

Sie war einst die erfolgreichste Comedy Sendung im deutschen Fernsehen und brachte mit Formaten wie „Ricky’s Popsofa“ oder Brisko Schneiders „SexTV“ das Publikum jede Woche aufs neue zum lachen. Seit dem 20. April 1996 wurden sechs Jahre lang 220 Folgen produziert, in denen aktuelle Themen und Personen des Sports, der Politik, Wirtschaft oder der Promiwelt als Inhalt für verrückte Parodien, clevere Stand-ups und komische Sketche dienten. Bekannte Komiker wie Anke Engelke, Bastian Pastewka oder Markus-Maria Profitlich sind mit ihr im wahrsten Sinne des Wortes erst „groß“ geworden.

„Hallo, liebe Liebenden“ die Wochenshow geht wieder auf Sendung.

Ab dem 20. Mai 2011 wagt Sat1 einen neuen Versuch und zeigt acht neue Folgen des Kultformats.

Wieder dabei ist Ingolf Lück, der Vater der Wochenshow, der seinem Job als Anchorman treu bleibt und ein neues Ensemble von Comedians anführt. Unter anderem werden Carolin Kebekus, Friederike Kempter, Axel Stein, Matze Knop, Dave Davis und Matthias Matschke für erfrischende Unterhaltung sorgen und den Zuschauern einen amüsanten Wochenrückblick liefern.

Es bleibt abzuwarten, ob die Wochenschau in dieser Konstellation an frühere Erfolge anknüpfen kann. Allerdings bin ich sicher, dass viele Zuschauer einschalten werden, wenn es ab dem 20. Mai um 22.20 Uhr wieder heißt: „Zurück zu Lück!“

 

Quellen:

http://www.sat1.de/comedy_show/wochenshow/

http://www.brainpool.de/bpo/de/programme/shows/wochenshow/

Fernsehstudios im Wandel

geschrieben von in Fernsehen, NachrichtenKommentare deaktiviert

Seit Juli 2009, also gut seit anderthalb Jahren, haben die heute-Sendungen des ZDF ein neues Gesicht. Dezentere Farben wurden ausgewählt –  das Ultramarin wurde durch Blau-Grau ersetzt, die Akzentfarbe Orange zu einem warmen Gelbton abgeschwächt.

Doch nicht nur farblich wurden neue Akzente gesetzt: Das alte “Real”-Studio mit Fernsehbildschirmen im Hintergrund wurde von einem virtuellen Nachrichtenstudio mit Weltkarte abgelöst. Zeitgemäßer sollte es wohl werden und sich den wandelnden Sehgewohnheiten des modernen Zuschauers anpassen. Schräg einfliegende Schlagzeilen und dynamisch hervorsschwingende Hintergrundbilder, die sich in Videos verwandeln, gehörten mit dem virtuellen “Erklärstudio” zu den Neuerungen. Neben Lob erntete das Redesign allerdings auch viel Kritik.  Manche Zuschauer empfanden es als unpersönlich, steril oder sogar irritierend.

Vor kurzem wurde nachgebessert. Nach Angaben des Kölner Stadtanzeigers wurden für das vorwiegend ältere Publikum die Einblendungen verlangsamt. Außerdem sei die Schrift verbessert und das Opening überarbeitet worden.

Ich muss gestehen, dass  mir das neue Design anfangs auch nicht besonders gut gefiel. Es erschien mir langweilig und farblos. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, teile jedoch die Meinung des ZDF-Chefredakteurs Peter Frey, dass die  Moderatoren nicht wirklich gut in Szene gesetzt werden

Seit knapp einem Monat hat das heute-journal diese Optik verbessert. Anstelle der Weltkarte sind nun in der Eingangssequenz fünf Globen getreten.  In der Halbnahen erscheint der Anchor-Mann oder die Anchor-Frau wesentlich präsenter vor einer dunkleren, sich leicht rotierenden Weltkugel. Somit rückt das heute-journal mit neuer Dynamik weiter ein Stück näher an die Nachrichtenformate der privaten Sender heran. Eine neue Ausleuchtung sorgt für einen besseren Kontrast, was ich für gelungen halte. Die Moderatoren wirken so selbstbewusster und glaubwürdiger. Das Rotieren der Weltkugel gefällt mir hingegen nicht. Meiner Meinung nach brauche ich keine Bewegtelemente im Hintergrund, die mich von den eigentlichen Nachrichten ablenken können.

Über viele Veränderungen lässt sich also streiten, wie zum Beispiel über die Anzahl der Weltkugeln, die in der Eingangssequenz etwas bedrohlich wirken oder über den sinnvollen Einsatz des virtuellen Erklärstudios. Dennoch, ich stimme dem Autor des Blogs designtagebuch.de, Achim Schaffrina, zu, dass sich das ZDF zumindest der Kritik stellt und sich offen für Veränderungen zeigt. Das allein verdient schon ein kleines Lob.

Die ARD arbeitet übrigens ebenfalls an einem neuen Studio, das Ende 2012 auf Sendung gehen soll. Wie focus.de und der KStA berichten, will die ARD an einem “realen” Studio festhalten. Wesentliche Neuerungen werden multimediale Anwendungen sein, die über einen Touch-Screen und eine große Videowand Einzug ins Studio finden werden.

Links:

http://www.designtagebuch.de/neues-on-air-design-fuers-heute-journal/

http://www.designtagebuch.de/zdf-nachrichtenstudio-im-neuen-design/

http://www.focus.de/digital/computer/medien-und132tagesschauund147-als-app-neues-studio-2012_aid_464944.html

Printquelle:

“Der Moderator bleibt im Mittelpunkt.” Von Wilfried Urbe, Kölner Stadt-Anzeiger vom 1.03.2011, Seite 22.

Das Publikum sind Kinder…

geschrieben von in Fernsehen, NachrichtenKommentare deaktiviert

Ziemlich deutlich merkt man es teilweise, dass die logo-Redaktion mit der heute-Redaktion des ZDF zusammenarbeitet. Da lassen sich zum einen die gleichen Themen herauskristallisieren, da werden zum anderen dieselben Bilder verwendet.

Die Tatsache, dass logo Themen aus der Erwachsenenwelt aufgreift und für Kinder verständlich darzustellen versucht, sehe natürlich auch ich als sinnvolle Investition in die (politische, soziale und kognitive) Bildung der Kinder. Hinterfragt werden sollte dabei allerdings, wie das geschieht.

Über die Strategie und die Methoden bei den Erklärstücken mag man treiten können, als besonders problematisch empfinde ich allerdings einen ganz anderen Aspekt: Beiträge, die an die Psyche der Kinder gehen, wie Demonstrationen, brutale Revolutionen und kriegsähnliche Zustände, wie sie momentan etwa in (Nord-)Afrika herrschen, und die ohne Einordnung und Hilfestellung für die Kinder einfach „dazugeklatscht“ werden. Das Videomaterial unterschied sich in dieser Woche nur unwesentlich von dem der „großen“ Nachrichten: Auch bei logo bekam der Zuschauer raufende Menschenmassen, Waffen und Verletzte gezeigt, sowie auch Kinder, die Opfer oder gar Ausübende von Gewalt waren.

Darüber hinaus wurden die gezeigten Bilder, viele stark verwackelt und hastig wechselnd, danach kaum kindgerecht erläutert. So wird das Kind allein gelassen mit der Feststellung, dass der 10-jährige Zaroc sich um seine Familie in Libyen sorgt, dass er täglich anderthalb Stunden libysche Kriegsnachrichten schaut und dass er dann nachts Alpträume davon bekommt. Es gibt zwar noch die Anmerkung von Moderatorin Jule, dass sie das verstehen könne und dass es natürlich schwierig sei, wenn man nicht wisse, wie es der Familie ginge. Aber danach wird das Kind mit einem harten und abrupten Wechsel weitergereicht zur Internationalen Raumstation, dem nächsten Thema im Nachrichtenprogramm.

Kein kurzer einordnender Satz, kein Hinweis auf mögliche Stellen, die Hilfe anbieten für den Fall, dass die kleinen Zuschauer mit dem Gesehenen nicht zurecht kommen. Lediglich den Verweis auf die Seite der Sendung, logo.de, auf der es noch mehr Informationen zu Libyen geben soll. Wo ist hier der pädagogisch-psychologische Ansatz geblieben, liebe logo-Macher?

Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO