Zum 60. Geburtstag macht die BILD-Zeitung der ARD ein ganz besonderes Geschenk: Eine Schmähartikel-Reihe über Gebührenverschwendung und Qualitätsverlust. Zwar heißt es ja “Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen”, doch wenn jemand dieses Motto konsequent ignorieren kann, dann ist es das Blatt mit den vier großen Buchstaben. Auch dieses Mal wirft die BILD mit Steinen nur so um sich, ohne zu erkennen, dass sie selbst in einem riesigen Scherbenhaufen sitzt.
Die Einstiegszeile in den Artikel liest sich gewohnt reißerisch: “60 Jahre ARD! Im letzten Teil des BILD-Reports lesen Sie, wie Europas größter Sender mit Lustreisen und Luxusgagen Gebührengelder verprasst”. Es folgt die Berichterstattung über die Reise der ARD-Programmchefs zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Nach dem Zitat der offiziellen Begründung (“Die Verantwortlichen des Senders hätten sich vor Ort ein Bild über die Arbeitsbedingungen und -belastungen gemacht”) greift die BILD dann mal richtig in die investigative Schublade und stellt fest: “Es ist nicht bekannt, dass sich ein ARD-Chef jemals ein Bild von den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter bei Erdbeben, Tsunami oder anderen Weltereignissen gemacht hat.”
Es folgt eine Schlammschlacht um die mysteriöse Verwicklung der öffentlich-rechtlichen Sender in die Finanzierung von Sportveranstaltungen und das Sponsoring von Interviewpartnern: “Auch ansonsten legt die ARD-Firma ein seltsames Geschäftsgebaren an den Tag. Acht Jahre lang wurde von ihr der des Dopings verdächtige Radsportler Jan Ullrich mit maximal 195 000 Euro pro Jahr alimentiert. Dafür sollte er vor allem Interviews nach seinen Rennen geben. Gleichzeitig war die ARD auch noch Sponsor von Ullrichs Arbeitgeber Team Telekom.”
Nach diesem Seitenhieb kommt der Redakteur schließlich zum medien-kritischen Rundumschlag – und zitiert natürlich Bundestagspräsident Norbert Lammert, der wohl nie müde werden wird, den öffentlich-rechtlichen Sendern seinen ganz persönlichen Spiegel vorzuhalten und ihnen vorzuwerfen, ihrem Bildungs- und Informationsauftrag nicht nachzukommen. Bei der BILD lässt man es sich natürlich nicht nehmen, noch einmal in die Kerbe zu schlagen, die eigentlich schon längst ausgeglättet wurde: “Als sich der Bundestag im letzten Oktober zur konstituierenden Sitzung traf, übertrug der selbst ernannte Informationssender ARD die historische Sitzung nicht.” Dass diese Sitzung aber sehr wohl übertragen wurde, nämlich beim ARD/ZDF-Spartenkanal Phoenix, lässt auch die BILD in Lammert-Manier gekonnt unter den Tisch fallen.
Zum Schluss maßt man sich bei Deutschlands Qualitätsmedium Nummer 1 noch die Beurteilung der ARD-Programmierung an: “Die Politmagazine der ARD („Panorama“, „Monitor“, „Kontraste“) waren einst die öffentlich-rechtliche Bastion neben „Tagesschau“ und „Tagesthemen“. Heute sind die Magazine journalistisch fast in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, immer weniger schalten ein. [...] Die ARD kürzte die Sendezeit ihrer einstigen Aushängeschilder von 45 auf 30 Minuten.” Zwar mag die Kritik in einigen Punkten durchaus der Realität entsprechen, dennoch zeigt dieses Beispiel wieder einmal, wie gekonnt man das Handwerk der einseitigen Berichterstattung bei der BILD beherrscht.
Den größten Stein wirft man mit dem Verweis auf das Ergebnis einer Studie der Otto-Brenner-Stiftung: Diese “untersuchte [...] die Berichterstattung von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ über die Finanzkrise, fand sie „journalistisch sensationell schlecht“. Das Institut wertete 141 Beiträge aus. Die Redaktionen von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ geben sich laut der Studie wenig Mühe, Sachverhalte und Begriffe zu erläutern und anschaulich zu vermitteln.” Wenn es darum geht, Sachverhalte und Begriffe zu erläutern und anschaulich zu vermitteln, ist die BILD-Zeitung der ARD natürlich weit voraus. Das mag in gewisser Weise sogar stimmen – nur fällt dabei leider allzu oft ein Großteil wichtiger Informationen unter den Tisch, wird verfälscht oder viel zu reduziert dargestellt. Dann nebelt man lieber die Titelseite ein und versieht das Ganze mit dem plakativen Schriftzug “Das Asche-Monster” – so begreift auch der letzte Leser, wie ernst die Lage wirklich ist.
Mit diesem Artikel beweist die BILD wieder einmal, wie unersetzlich sie für unsere Republik ist. Hier wird der kleine Mann noch aufgeklärt über die bösen Rundfunkanstalten, die ihre Gebühren verschleudern und noch dazu an ihrem Publikum vorbei senden. Dann doch lieber eine frisch gedruckte BILD-Zeitung – journalistisch sensationell schlecht, aber dafür verständlich. Was will man mehr?
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