Verkehrte Welt: Angebot und Nachfrage

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Seit in Tunesien der erste Impuls gezündet wurde, hat der arabische und afrikanische Raum viel Aufmerksamkeit in den Medien bekommen – und vor allem eine andere Art von Aufmerksamkeit als sonst, durch den Golfkrieg, Piraten vor Somalia oder wieder einmal gestiegene Ölpreise.

Aber auch etwas anderes ist, nunja, anders als sonst. Die Medien können mit großartiger Informiertheit prahlen, was vermutlich vor allem an der starken Vernetzung liegt. Eine Konsequenz dieser Ultravernetzung ist, dass eine Organisation, die sonst die Quelle zu Nachrichten vieler Auslandsgeschehnisse sein müsste, nun selbst Fernsehen schaut, um sich zu informieren.

Diese Organisation ist kein Wirtschaftsgigant wie beispielsweise Microsoft. Denn mal ehrlich – wer außer den großen, globalisierten Konzernen und der Medienwelt hat ein derart starkes Interesse an der Welt als Gesamtes? Die Antwort: Geheimdienste zum Beispiel.

So erscheint es nun, dass die CIA, unter den Geheimdiensten der Welt sicher einer der Bekanntesten, sich folgendes Geständnis zum Thema Mubaraks (damals gerüchteweise vermuteten) Rücktritt in Ägypten hat abringen müssen:

[E]in CIA-Sprecher stellte gleich klar, Panetta beziehe sich lediglich auf die aktuellen Nachrichten in den Medien und nicht auf eigenständige Erkenntnisse seines Dienstes. Wohl darum äußerte Panetta sich auch nicht zur naheliegenden Frage, ob Suleiman oder das Militär Mubarak zunächst beerben würde.

Moment, halt mal – die CIA bewertet das Weltgeschehen anhand der Fernsehnachrichten? Vertrauenswürdige Quelle hin oder her, wo sind wir denn da hingekommen?

Nun mutmaßt die Welt (die Zeitung, nicht der Globus) natürlich nur, dass Panetta (der Direktor der CIA) nicht weiß, was in Ägypten vor sich geht. Es mag durchaus sein, dass er das ganz genau weiß und seinen Wissensstand nur nicht preisgeben will. Dennoch wirkt es etwas seltsam, dass die CIA sich ausgerechnet für die Berichterstattung in Ägypten, in der Nachfolgefrage zu Mubarak (der ja ein alliierter der USA war) so gibt, als wissen sie nur, was gerade in den Nachrichten so passiert.

Sollte dem so sein, dann wird mit Spannung zu beobachten sein, wie die neuen Geheimdienste (ergo Nachrichtenagenturen und Medienkonzerne) mit der Weltsicherheit umgehen.

Ladies and Gentlemen – The Onion

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Es ist tatsächlich so weit. Die längste Zeit nach der Gründung von “The Onion” im Jahre 1988 war es ein kostenloses Spaßblättchen, das man – allem voran in Chicago, später aber auch in diversen US-Amerikanischen Universitätsstädten- aufheben konnte, sich daran ein wenig belustigte, und es dann beiseite legte. War ja keine große Sache.

Das änderte sich 1996 mit der Veröffentlichung des Internetauftritts auf www.theonion.com. Die in den Printausgaben veröffentlichten Artikel landeten im Netz und somit nach und nach in der nationalen Wahrnehmung. Wie das mit dem Internet allerdings so ist (und mit all dem, was Nachrichten ein wenig durch den Kakao zieht), kann es dabei natürlich nicht bleiben.International wurde man auf “The Onion” aufmerksam, und 2005 begann der Promotion-Feldzug für “The Onion News Network” (namenstechnisch sicherlich eine Anspielung auf CNN), einen täglichen Web-Video-Beitrag im Stile einer Nachrichtensendung – natürlich auch hier Satire vom allerfeinsten (oder allerbösesten, je nachdem, welchen Standpunkt man genau bezieht).

Immer schon waren die Produktionswerte auffällig. Anders als Jon Stewart’s Daily Show bedient sich The Onion nämlich herzlich wenig an echtem Material (wobei gelegentliche Fotos schon dabei waren), und anders als NBC’s Saturday Night Live, die ebenfalls alles selber produzieren, wird nicht mit Puppen oder (mitunter schlechten) Nachahmungen berühmter Personen gearbeitet. The Onion dreht alles selbst, findet dafür Laienschauspieler und hat offenbar eine derart gut ausgestattete Post-Production-Truppe, dass es am Ende doch ziemlich professionell aussieht – so sehr, dass manch eine echte Nachrichtenquelle darauf hereinfällt.

Schon seit einiger Zeit gibt es auf Comedy Central in den USA den Onion Sports Dome, wo humoristisch die Sportereignisse der USA aufgearbeitet werden. Nun ist der nächste große Wurf gelungen. The Onion News Network springt vom Internet auf das Fernsehen über. Auf dem Sender IFC (Independent Film Channel, der dem achtgrößten Kabelanbieter in den USA, Cablevision, gehört) läuft nun ein Mal die Woche ein in gewohnt hoher Qualität fabriziertes Nachrichtensatireprogramm. Dabei gilt wie immer, dass aktuelle Themen auf die absurdeste Art und Weise ausgeschlachtet werden. So sagen die “Analysts” in der Pilotfolge, die “Enter the Fact-Zone” genannt wurde, folgendes über Nordkorea:

We need to eliminate North Korea as a nuclear threat, yes, but it’s not worth meddling with something as beloved as the Batman franchise.

Onion News Network, 21.01.2011

Wer die Beiträge der Fernsehsendung sehen will (die mit denen auf der Webseite nicht identisch sind), kann dies hier tun.

Grundsätzlich bin ich skeptisch, wenn erfolgreiche Formate das “next Level” erreichen. Wenn gutes Material, das für kurze Webcasts geschrieben wird, plötzlich ins Fernsehen soll, gelten eben andere Bedingungen. Ich habe für meinen Teil nämlich nicht ständig gelacht, als ich The Onion News Network geschaut habe. Der Humor funktioniert wie immer – sehr kurzweilig. Vielleicht sind da 20 Minuten einfach ein wenig zu lang. Vielleicht bin ich da auch einfach zu wandelresistent, aber mir gefallen die kurzen, isolierten “Nachrichtenbeiträge“, wie es sie auf der Webseite nach wie vor gibt, doch wesentlich besser.

PR vs. Journalismus – es geht doch!

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Ich hatte mich kürzlich sehr darüber aufgeregt, dass Spiegel Online einfach eine Pressemeldung abgedruckt hat. Nun hat meine Lieblingsnachrichtenquelle ein wenig Wiedergutmachung geleistet. In einem Artikel tut Spiegel Online nämlich genau das, was eine der wichtigen Aufgaben der Presse ist: Eine Pressemeldung nehmen, sie kondensieren, vereinfachen und dann – ganz wichtig – kritisch aus einander nehmen. Es ist nämlich vor allem dies hier, was bei der Pressemeldung unfassbar klingt:

The 918 Spyder prototype combines high-tech racing features and electro-mobility to offer a fascinating range of qualities: An emission level of just 70 grams CO2 per kilometre on fuel consumption of three litres/100 kilometres, truly outstanding even for an ultra-compact city car, on the one hand, combined with the performance of a super sports car and acceleration from a standstill to 100 km/h in just under 3.2 seconds, and a top speed of 320 km/h plus, on the other.

(Hervorhebungen von mir)

3 Liter auf 100 km und, zusätzlich, 320 km/h? Klingt unfassbar.

Ist es auch. Und Spiegel bringt es auf den Punkt:

Es wird dieses Auto geben, in etwa drei Jahren; es wird die Modellbezeichnung 918 Spyder tragen; und es wird die genannten Spezifikationen erfüllen.

Allerdings nicht beide gleichzeitig.

Tatsächlich ist es nämlich so, dass 3 Liter für den Porsche bei Vollgas laut Spiegel.de für etwa 5 Kilometer reichen, nicht 100 – wenn der Elektromotor nicht läuft, sondern der bombastische Verbrennungsmotor.

Ein hervorragendes Beispiel dafür, dass PR einen aufmerksamen Journalisten fordert, weil PR eben doch sehr gerne Augenwischerei betreibt. Denn ganz ehrlich, welcher Verbraucher wuchtet sich schon durch eine derart lange Pressemeldung und sucht dann noch nach den Fehlern darin?

Eigenrecherche? Fehlanzeige.

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Als Fan von Spiegel Online bin ich gerade etwas desillusioniert. Heute wurde dort ein Artikel veröffentlich, in dem die Deutsche Bahn ihr Vorhaben präsentiert, ein Fernbusangebot zu erstellen.

Sehr informativ, vor allem für mich als Bahnfahrer, der recht häufig unterwegs ist. Leider sind die angebotenen Beispielstrecken auch Teil der Strecken, die ich recht häufig fahre. Eine kleine Ungereimtheit fällt auf, und der Artikel zerfällt fast völlig.

Die siebeneinhalbstündige Fahrt von Köln nach Hamburg solle laut Antrag an die Hamburger Verkehrsgewerbeaufsicht, der dem Magazin vorliegt, 35 Euro kosten und damit 20 Prozent weniger als ein ICE-Ticket mit Bahncard 50.

Das ist großartig, aber ganz einfach falsch. Gut möglich, dass die Fahrt dann 35 Euro kosten soll, aber wo kommt die Rechnung danach her? Entweder hat ein Spiegel-Redakteur diese selber durchgeführt (was auf Faulheit oder gravierenden Kenntnismangel in der Prozentrechnung bzw. der Recherche schließen lässt), oder aber die Quelle (nämlich die Mitarbeiterzeitschrift der Deutschen Bahn, was einen Recherchemangel garantieren würde).

Die Fakten sind nämlich diese: Mit dem ICE kann man im Idealfall ohne Umstieg von Hamburg nach Köln (oder andersrum) in knapp 4 Stunden fahren, kostet dann 81 Euro, mit BahnCard 50 40,50 Euro. Mit 20 Prozent Abzug davon landet man aber bei 32,40 Euro, nicht 35. Die tatsächliche Ersparnis läge bei weniger als 14 Prozent.

Dazu kommt die Tatsache, dass die ICE-Verbindung meist gar nicht direkt von Hamburg nach Köln (oder andersrum) fährt, sondern ein Umstieg in Hannover notwendig ist. Die IC-Verbindung von Hamburg nach Köln (oder andersrum) braucht auch 4 Stunden und fährt fast immer direkt nach Köln und wäre somit ein viel besserer Referenzrahmen. Der Grundpreis von 80 Euro jedoch (40 Euro mit BahnCard 50) würde die Ersparnis aber auf 12,5 Prozent drücken, und je tiefer diese Ersparnis sinkt, desto weniger attraktiv klingt das ganze – vor allem dann, wenn die Fahrzeit um 87,5 Prozent länger ist als bei der Bahn.

Unterm Strich kommt dabei für mich heraus, dass Spiegel Online hier Werbung für die Bahn gemacht hat. Keine Eigenrecherche, keine kritische Herangehensweise. Und das von meiner Hauptnachrichtenquelle.

Heute-Show vom 12.11.2010

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Es ist schon auffällig (wenn auch nicht sonderlich verwunderlich), dass ein Sendungskonzept wie die heute-show im ZDF dann abhebt, wenn eine konservative Regierung an der Macht ist. Ganz ähnlich lief es ja damals auch beim Vorbild, der Daily Show, die ihre wahre Größe (sprich, Beliebtheit) allem voran George W. Bush zu verdanken hat – bis hin zu dem Punkt, an dem man herausfand, dass die “fake news show” gehaltvollen Journalismus macht.

Insofern ist für heute-show-Moderator Oliver Welke und sein Team die Messlatte recht hoch (wenn man die Daily Show kennt), auch mit ähnlich Gehaltvollem nachzuziehen. Immerhin sind es hier die öffentlichen Gelder, die dem Volke den Informationsanspruch erfüllen sollen – da reicht es nicht, irgendeinen Unsinn zu senden. Es sei denn, man wandelt den Grat mit Vorsicht und Bedacht.

Deutsche Comedy wird von ein paar Krankheiten geplagt, denen sich auch die heute-show nicht entziehen kann. Allem voran ist das die Übertreibung (im Sinne von “zu oft, zu viel, zu ähnlich”). So auch heute. Wenn in mehreren “Korrespondentenberichten” das Best Of der dummen Antworten aus dem Volke kommt, wenn Claudia Roth locker doppelt so lange beim “tanzen” gezeigt wird, wie notwendig oder wenn der Kommentar von Gernot Hassknecht (ein Fan-Favorit) mal wieder mit einem “Störbild” abgebrochen wird, verliert die Sendung gewaltig an Fahrt. Und das ist bitter, denn es steckt so viel mehr drin.

Mit Integration, Atomkraft und Castortransport, Wolfgang Schäuble, dem G20-Gipfel und dem Gebuhle um das Amt des Berliner Oberbürgermeisters behandelte die heute-show von dieser Woche nämlich tatsächlich wichtige Themen, wenn auch manchmal auf etwas klamaukige Art. Auch kann man nicht mal behaupten, die Sendung sei völlig einseitig (auch, wenn ein grundsätzlich liberaler Trend ganz klar festzustellen ist). So proklamiert Welke einerseits, dass die Bild gerne “live aus ihrem Paralleluniversum” berichtet, nur um dann kurze Zeit später den Grünen vorzuwerfen, dass es ja so schön einfach ist, aus der Opposition zu motzen, wenn man sich nicht verantwortlich zeigen muss.

Auch generelle Medienkritik findet sich in der heute-show. Im Gespräch mit “Korrespondent” Christian Ehring (der natürlich nicht wirklich in Seoul ist) will Welke alles über Wolfgang Schäuble erfahren, der zum G20-Gipfel “geflohen” ist. Als Ehring dann anbietet, zu erzählen, was in Seoul so beschlossen wurde, winkt Welke ab und macht anderswo weiter – denn der Zirkus um die Person Schäuble ist natürlich viel interessanter als tatsächliches politisches Tagesgeschehen. Ebenso bietet Welke sowohl den Atomkraftgegnern als auch den Befürwortern von Kernenergie kurz die Möglichkeit, ihre Meinungen kundzutun, wobei der Befürworter binnen Sekunden abgeschnitten und grundsätzlich unfair behandelt wird. Natürlich alles im Sinne des Humors – oder eben der Kritik an den Medien, die sich nach Meinung der heute-show offenbar ihre Position bereits ausgesucht haben.

Die heute-show klärt sicherlich nicht darüber auf, wie genau politische Sachverhalte aussehen. Dennoch erfährt man, was im Verlauf der Woche so die wichtigen Themen im Land waren, und das ist schonmal ein guter Anfang. Wenn nun der völlig alberne Klamauk ein wenig zurückgeschraubt werden könnte und bei den Themen ein wenig öfter Inhalte zur Sprache kämen, stellen sich dann vielleicht auch die richtigen Quoten ein.

Besonders schade ist, dass Oliver Welke so selten Gäste im Studio hat. Das eine Interview, das ich bisher mitbekommen habe, war nämlich großartig. Welke hat das sehr gut gemacht, darum sollte es in der Hinsicht meiner Meinung nach öfter geben. Immerhin hat er diese Woche angekündigt, nächste Woche einen Studiogast zu haben. Ich winke mal mit dem Zaunpfahl und behaupte, dass die kommende Folge eine gute Gelegenheit bietet, zur heute-show zu finden. Und wer sie im Fernsehen verpasst und zeitsouverän handeln will, der kann das hier tun. Vielleicht kann das Team von der heute-show ja auch mal über 200.000 Leute mobilisieren – wofür auch immer.

Holtzbrink übernimmt Holtzbrink von Holtzbrink – aber nur teilweise

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Es ist noch gar nicht so lange her – 2006 – da verabschiedete sich Dieter von Holtzbrink aus dem Familienverlag Holtzbrink, um anderen Dingen nachzugehen. Mitunter wollte er die Süddeutsche Zeitung übernehmen – zusammen mit einigen anderen Investoren – aber daraus wurde nichts.

Er verkaufte die Geschäfte an seinen Halbbruder Stefan, der aber offenbar lieber mit dem Online-Markt arbeiten möchte als im Printgeschäft, so Spiegel Online.

Nun ist Dieter zurück und kauft Stefan das Printgeschäft ab, ist also wieder Mitglied im Familienkonzern.

Der Verlag Georg von Holtzbrink ist inzwischen an vielerlei Projekten beteiligt – mitunter bei StudiVZ, was viele wissen, aber auch bei kleineren Firmen wie allesklar.com, stylight oder erento. Die Fühler werden wohl quasi überall hin ausgestreckt, was angesichts der unsicheren Marktlage im Printbereich vermutlich auch eine gute Idee ist.

Holtzbrinck nutzt also die sich bietenden Gelegenheiten, um sich mit vielen kleinen Stützpfeilern abzusichern.

(Verzeiht bitte die fehlenden Verlinkungen, aber die Blogsoftware bildet sich gerade ein, dass das nur gelegentlich funktioniert, darum hier nachgestellt:

http://www.suchmaschinentricks.de/aktuelles/news/405.php

http://www.heise.de/newsticker/Holtzbrinck-steigt-beim-Internet-Mietportal-erento-ein–/meldung/83738

http://www.gruenderszene.de/allgemein/holtzbrinck-steigt-als-investor-bei-stylight-ein/ )

Die Preisfrage

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Auf lifepr, dem “Lifestyle Presseservice”, hat Vocatus, ein Marktforschungs- und Beratungsunternehmen eine Pressemitteilung herausgegeben, das für alle Zeitschriften interessant sein soll – wie nämlich Erlöse zu steigern wären. Die Lösung ist offenbar eine Frage des Preises.

Die Mitteilung liest sich schon ein bisschen wie Eigenwerbung, wenn man darin z.b. liest: “Medien, für die Vocatus bereits Preisoptimierungsprojekte durchführte, konnten ihre Vertriebserlöse stark steigern und die Kosten der Analyse bereits nach wenigen Monaten amortisieren.” Aber gut, ist ja auch eine Pressemitteilung eines Unternehmens.

Demnach unterschätzen viele Zeitschriftenverlage, wie wichtig eine clevere Preisgestaltung für die Kaufentscheidung bei Kunden ist. Dass die Verlage nicht willkürlich irgendwelche Preise festlegen, sollte klar sein, aber es liest sich so, als gäbe es da massiven Handlungsspielraum, was ich mir irgendwie nicht so recht vorstellen kann.

Wie genau nun eine solche Preiskalkulation auszusehen hat, wird natürlich nicht verraten. Faktoren wir “Preiswissen” und “Preisinteresse” werden zwar genannt, aber nicht erklärt – was sie heißen, ist vielleicht erahnbar, aber nicht offensichtlich. Es wird also eine vermeintliche Lösung wie eine Karotte herumgebaumelt. Ob die allerdings reif ist (oder überhaupt eine Karotte), muss dann jeder Verlag wohl für sich selbst herausfinden.

Also besser direkt zu Vocatus, damit sie die Zeitschriftenlandschaft retten. Vielleicht hätte das ja der Vanity Fair geholfen.

Zwei weitere Opfer

geschrieben von in Printmedien, Zeitschriften, Zeitungskrise1 Kommentar »

Die Krise auf dem Printmedien-Markt zieht weiter ihre Konsequenzen nach sich. Dieses Mal ist es das Verlagshaus Burda, das sich von zweien seiner Produkte trennt: Sprich, sie einstellt. Laut Deutschlandradio Kultur wird die “Tomorrow” das letzte Mal im März, die “Young” das letzte Mal im April das Licht der Welt erblicken.

“Tomorrow” hat sein Webangebot bereits eingestellt, “Young” ist da offensichtlich noch nicht ganz so weit. Insgesamt sind deutschlandweit 50 Mitarbeiter von der Schließung betroffen.

Auf der Webseite von Burda selbst gibt es zum Ende der Zeitschriften keine Aussage, wobei sich Burda durchaus Deutschlandradio Kultur gegenüber geäußert hatte, wo ein Sprecher sagt, dass Produkte, die in Friedenszeiten schon nicht funktionierten, in Kriegszeiten dies erst Recht nicht tun. Ob allerdings ein Kriegszustand etwas mit dem Erfolg z.B. einer Zeitschrift für junge Frauen zu tun hat, halte ich eher für zweifelhaft.

Formen der Beichte

geschrieben von in Fernsehen, Internet, Internet und Politik2 Kommentare »

Der US-Präsidentschaftswahlkampf wird immer mehr zum orchestrierten Zirkus. Dinge, die die Kandidaten jetzt schon wissen und jetzt schon preisgeben könnten, werden in der Hinterhand gehalten – für den richtigen Moment oder für möglicherweise immer, je nachdem, worum es da geht.

Barack Obama hat in einem Fernsehinterview in einer so genannten Mega-Kirche (Kirchen, die ihre Gottesdienste mit mitunter zehntausenden von Gästen abhalten) zusammen mit John McCain sich diversen Fragen des Pastors gestellt, so mitunter auch den üblichen Fragen – Abtreibung, Irak-Krieg, Energiekrise und ähnliches. Auch kamen allerdings andere, nicht streng politische Fragen zur Sprache.

So fragte dann Pastor Rick Warren nach den “schwersten moralischen Verfehlungen” und Obama antwortete, er habe in seiner Jugend mit Drogen experimentiert. ZDF.de ist diese Neuigkeit eine Zwischenüberschrift und ein paar Zeilen wert. Wie hätte das wohl ausgesehen, wenn die Presse das herausbekommen hätte, bevor Obama es selber zur Sprache hätte bringen können?

Wenn man an den Skandal um Elliot Spitzer zurückdenkt, sieht man vielleicht, dass das auch anders ausgehen kann. Dessen politische Karriere ist nämlich vorbei. Natürlich kann man nicht behaupten, dass Spitzer mit einem Geständnis vor der Offenbarung problemlos davongekommen wäre, aber die Medien haben sich Tage, gar Wochen damit vergnügt, das Thema nach allen auch nur erdenklichen Gesichtspunkten zu präsentieren.

Obama war da vielleicht cleverer. Gut, die Drogen liegen nun viele Jahre zurück und Spitzers Prostitutionsaffaire nicht so sehr, aber ganz grundlegend hat Obama aus einer potenziellen Medienkatastrophe Gold gemacht, indem er die christlichen Wähler anspricht: mit einer offenen Beichte vor einem geistlichen und 2000 Mann.

Wortwahl

geschrieben von in Allgemeines7 Kommentare »

Der US-Amerikanische Wahlkampf ist hierzulande ein Thema. Ein so großes, dass es Teil der Tagesschau ist wie auch Teil aller anderen Medien. So war Barack Obama in Berlin zu Gast und zog 200.000 Menschen zum zuhören an, als er vor der Siegessäule sprach.

Zu diesem Auftritt gibt es, selbstverständlich, diverse Reaktionen aus diversen Lagern. John McCains Reaktion ist dabei wohl die, auf die die meisten warteten, weil er an diesem Auftritt kein gutes Haar lassen kann, um im Wahlkampf den Aufwind zu bekommen.

Entsprechend wurde über McCains Reaktion berichtet, zum Beispiel bei Spiegel Online. Das tatsächlich interessante an diesem Artikel ist aber der Kommentar von McCains Sprecher Tucker Bounds – so sind wir Deutschen laut Bounds “fawning”. Spiegel Online übersetzt das mit “schmeichlerisch, umwerbend, anhimmelnd, anbiedernd, kriecherisch oder unterwürfig”, was sehr treffend übersetzt ist.

Da stellt man sich die Frage, was für einen Sprecher sich McCain da angeheuert hat. Ob McCain weiß, was der Mensch da redet. Wenn ja: Was sind wir anbiedernden Deutschen ihm denn wert, so als Alliierte in Afghanistan? Wenn nein: Warum weiß jemand nicht, was sein Sprecher so spricht? Und: Kann sich jemand in McCains Position leisten, nicht zu wissen, was seine Sprecher von sich geben?

Reality TV nicht zu stoppen

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In Australien hat man offensichtlich mit BB nicht mehr genug Geld generieren können, um das Projekt nach acht Jahren ein weiteres am Leben zu halten.

Wie der Daily Telegraph berichtet, ist die aktuelle Staffel nun die letzte. In den australischen Medien wurde das ganze dann auch direkt besprochen, wie bei Youtube zu sehen ist.

So sind laut der Morning Show (der Youtube-Link) nun von ursprünglich 2,8 Millionen Zuschauern noch etwa eine Million übrig. Davon abgesehen sei Big Brother die “most boring show in the universe”.

Das Resultat sind nun viele verlorene Jobs, da die Produktion mit rund 25 Millionen Dollar (so der Sydney Morning Herald) doch einige Mitarbeiter noch hat und bald hatte. Dennoch, so im Kommentar der Morning Show, sei dies “a good thing for the viewers”. Sehe ich ähnlich.

Leider, wenn man das denn sagen darf, wird die Webseite Behind Big Brother von der australischen Zeitung The Age wie folgt zitiert: “We have also been informed the Big Brother concept will return to Channel 10. However, this won’t be seen until at least 2010. No word on whether this project is part of the Endemol Big Brother franchise.”

So wird also ein Sender, der nach den einzigen Zahlen, die wirklich zählen, nämlich Einschaltquoten, entschieden hat, diese Sendung abzusetzen, das Konzept komplett neu aufziehen. Na super.

Wii Fit

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In Zeiten von Schulattentaten und ähnlichen tragischen Ereignissen sind die so genannten Killerspiele vielerorts Gesprächsthema gewesen. Verbieten müsse man sie, denn sie sind die Wurzel allen Übels. Funktioniert so natürlich nicht ganz, ist aber hier auch nicht das Thema – auch andere, gänzlich ungewalttätige Spiele finden ihre Kritik. Hier: Wii Fit.

Auf einer Seite namens Gamespot fand ich einen Artikel mit dem Titel: “Wii Fit tells 10-year-old she’s fat”. Ich musste darüber erstmal herzlich lachen, aber das scheint durchaus ernst gemeint zu sein. Die Daily Mail berichtete, dass die Nintendo Wii eine junge Nutzerin des Spieles “Wii Fit” mit dem Ergebnis “fat” konfrontierte. Bei Wii Fit werden auf einer art elektronischen Waage sportliche Übungen vollzogen und mitunter der BMI (Body-Mass-Index) berechnet.

Wenn man nun davon absieht, dass der BMI ohnehin nicht das zuverlässigste Analyseinstrument für Übergewicht und dergleichen ist, verwendet Wii Fit den Begriff “fat” nicht. Tatsächlich gibt es “overweight” und “obese”, was natürlich beides kaum schmeichelhaft ist.

Nun findet der Vater der Zehnjährigen (die laut Daily Mail etwa 1,44m groß ist und 38 Kilo wiegt) es besorgniserregend, dass derartige Dinge aus der Nutzung von Wii Fit resultieren können und ein Sprecher des britischen “National Obesity Forum” sagte gegenüber der Daily Mail, das Spiel müsse eine Warnung für Eltern enthalten und sollte überhaupt für Kinder verboten sein.

Ich finde für meinen Teil ja viel eher, dass Eltern ein Auge darauf haben sollten, welche Spiele ihre Kinder spielen. Allem voran kostet Wii Fit (zumindest in Deutschland) um die 90 Euro, was für mich heißt, dass die Eltern es ihr gekauft haben und nicht sagen können, sie hätten keine Ahnung gehabt, was da gespielt wird.

Auch ist krass, wie die Reaktion darauf ist. So kann sich Wii Fit zu Counter Strike und Doom gesellen, die ja in den Medien schon für diverse Missstände verantwortlich gemacht worden sind. Was aber für mich am wenigsten in Ordnung ist, ist die Tatsache, dass die Daily Mail explizit behauptet, es gebe eine Kategorie bei Wii Fit namens “fat”, was ja nun schlicht und ergreifend nicht stimmt, auch, wenn die tatsächlichen Begriffe davon nicht weit entfernt sind.

Vom Netz ins Fernsehen 2

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Wie bereits auf dem Medienblog erwähnt, ist mit Sanctuary bereits eine Serie erfolgreich im Internet gestartet und hat sich seinen Weg auf einen Fernsehsender gebahnt. Sanctuary ist zum download erhältlich, aber nicht umsonst – Produktionskosten lösen sich nicht in wohlgefallen auf.

Nun hat sich mit IQ-145 eine weitere Serie angekündigt, die nur über das Internet vertrieben wird, wobei das Ziel sicherlich das Fernsehen ist (weil dort am meisten Geld zu holen ist). IQ-145 ist völlig kostenlos im Netz verfügbar, was sich auf die Lebenszeit der Serie auswirken könnte, aber nicht muss.

Brandneue Inhalte, die ins Fernsehen wollen, völlig kostenlos und, wie ich es bisher verstehe, ohne Werbespots dazwischen (was natürlich Schleichwerbung nicht ausschließt). Da stellen sich mir zwei Fragen: Taugt das was? und Was kommt als nächstes?

Skandale der Kandidaten

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Die Medien bringen derzeit viele ältere Inhalte an die Öffentlichkeit, die an die Kandidaten für das Weiße Haus gekoppelt sind. So wurden zuletzt Barack Obamas Pastor Jeremiah Wright und John McCains Pastor John Hagee ins Gespräch gebracht, mit diversen Kommentaren der unterschiedlichen Berichterstatter (die obigen Verlinkungen sind lediglich Beispiele).

Wright sei unpatriotisch – das Zitat “God damn America, that’s in the Bible, for killing innocent people” führte dazu, dass Obama sich gegen konservative Meinungsführer behaupten musste, da auch er damit unpatriotisch sei. Obama distanzierte sich als Konsequenz von Pastor Wright.

Hagee sagte, die Vereinigten Staaten hätten die Terroristen selbst durch ihre “ridiculous immigration policy” in das Land gelassen, und diese Terroristen würden ein Blutbad veranstalten, wenn man Israel weiter dazu dränge, Land an Palästina abzutreten. McCain sagte, er begrüße die Unterstützung von Hagee.

Die einzige der drei verbleibenden Kandidaten, die noch keinen Medienzirkus um eine Person aus ihrem Umfeld hatte, ist somit Hillary Clinton. Wie es dieses Video bisher noch nicht in die Mainstream-Medien hat schaffen können, ist mir ein Rätsel. Clintons Berater Mickey Kantor sagte, es sei egal, ob man in Indiana gewinne oder nicht: “Those people are shit.” Und obwohl der nächste Satz verhältnismäßig ambivalent ist in Bezug darauf, wen er damit meint, fragt er danach: “How would you like to be a worthless white Nigger?”

Es stellt sich die Frage, warum die US-Amerikanischen Nachrichtensender noch nicht versucht haben, Hillary mit diesem Video das politische Genick zu brechen, so wie sie es mit Obama und McCain versuchten, zumal viele eben jener Nachrichtensender sich sowieso einig zu sein scheinen, dass Obama gesetzt ist.

Sky entfernt analoge Anschlüsse von seiner HD-Box

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Sky, einer der in Großbritannien besser vertetenen Anbieter digitalen (und inzwischen auch hochaufgelösten) Fernsehinhalten, sicherte seinen Zuschauern 2005 zu, dass auch Nutzer analoger Endgeräte HDTV-Inhalte empfangen dürften. Soweit hat das auch seine Gültigkeit, da alle diejenigen, die bereits Sky-Kunden mit analogen Fernsehern sind, das auch nach wie vor können.

Neukunden sind zwar nicht dazu gezwungen, digitales Fernsehen einzukaufen, aber wer HDTV will, muss ebendies nun doch tun. Neue HD-Boxen von Sky sind nun nur noch mit einem HDMI-Anschluss versehen (klick); dies nicht aber bloß, weil digitales Fernsehen das Fernsehen der Zukunft ist, sondern allem voran wegen der illegalen Weiterverbreitung der HD-Inhalte. An der Sky-HD-Box sind es nur die HDMI-Anschlüsse, die HDCP (High Bandwidth Digital Content Protection) unterstützen, und diese Technologie ist offenbar wichtiger als die Lieferung von HDTV an analog-Neukunden.

In Deutschland ist mit dem so genannten Überallfernsehen der analoge Empfang per Antenne auch auf dem absteigenden Ast, und auch Kabel Deutschland bemüht sich seit 2007 offen, möglichst viele Nutzer auf die digitale Fernsehspur zu bekommen. Diese Umstellungen gehen mit dem Bedürfnis, HDTV zu senden, natürlich Hand in Hand einher. Digitales Fernsehen ist auch vielerorts schon angekommen, aber HDTV lässt im Free-TV größtenteils noch auf sich warten.

“Erweiterte” Wiederholungen

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Es gab einmal eine recht innovative Idee des Senders VH-1, bei Musikvideos weitere Informationen anzuzeigen. Man nannte das dann “Pop-Up Videos” und machte eine Sendung daraus. In einer halben Stunde liefen fünf Videos, die mit Pop-Ups ausgestattet waren, die den Zuschauer dann darüber informierten, wie hier der Dreh genau von statten ging, warum das Kleid jetzt einen blauen Fleck hat und jetzt nicht mehr oder warum dem Sänger ab jetzt der Ring am Finger fehlt.

Nun ist die amerikanische Fernsehlandschaft ob des Streiks sowieso durcheinander gerüttelt worden, was ohnehin schon viele Zuschauer stört, aber einige Sender scheinen sich auf ein Experiment einlassen zu wollen: Die Pop-Up Videos sollen nun auch außerhalb von Musikvideos zu sehen sein. Ist so auch schon passiert.

Als “Lost” nach mehr als einem halben Jahr Pause zurückkehrte, zeigte man am Abend vor der Premiere der neuen Staffel das Finale der alten Staffel – mit Pop-Up-Inhalten. Ich habe diese Folge nun nicht gesehen und kann deshalb nichts dazu sagen, wie diese Inhalte aufgemacht sind und wie viel Platz sie eingenommen haben, aber allein der Gedanke ist – in meinen Augen – abstoßend. Aber gut, ich finde ja schon Untertitel unfassbar nervig, wenn ich die Audiospur verstehe.

Das Resultat ist, dass nun diverse andere Sender das Konzept auch aufgreifen wollen. CBS will Wiederholungen zweier seiner Sendungen, “Ghost Whisperer” und “CSI: Miami”, nun auch mit diesen Extra-Inhalten ins Gefecht schicken, wobei diese “Love Notes” (nach der Hauptdarstellerin Jennifer Love Hewitt) bei “Ghost Whisperer” und “Bullet Points” bei “CSI: Miami” heißen sollen.

Wenn das jetzt zum neuen Trend wird (was ich nicht hoffe), ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis nicht nur Wiederholungen, sondern auch brandneue Inhalte mit “weiteren Informationen” versehen werden. Mir würde das das Fernseherlebnis erheblich beschneiden, und ich kann mir gut vorstellen, das ich dann noch weniger vor dem Fernseher sitze.

Quelle: tv.com: “More ‘enhanced’ reruns coming

Heath Ledger ist tot

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Wenn die “alten” Stars sterben, weil sie tatsächlich alt werden, wird in der entsprechenden Szene zwar getrauert, aber wenn es einen der jüngeren erwischt, schwingt auch Schock mit. So ging es mir vor etwa fünf Minuten, als ich auf tv.com las, dass Heath Ledger tot sei.

Was die Glaubwürdigkeit diverser Details angeht (so z.B. dass Ledger inmitten von Pillen gefunden wurde), bin ich noch skeptisch, aber festzustehen scheint anhand diverser googlebarer Quellen, dass Ledger ein Drogenproblem hatte. Und an der Stelle verabschiedet sich der Schock irgendwie wieder, denn Drogen sind ein häufiges Problem im Showbusiness. Krass ist es dennoch; auch im Showbusiness sterben Leute jung, und das nicht nur bei CSI.

Youtube, oder “Das nervt!”

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Ich bin ja stark für den so genannten nutzergenerierten Inhalt im Internet, den Blogs, Podcasts und Youtube uns so zu bieten haben. Ich finde fantastisch, was damit gemacht werden kann. Mir gefällt von allen Internetslogans kaum einer so sehr wie Youtubes “Broadcast Yourself”. Aber. Großes Aber.

Man kann nur so viel Zeug auf ein Mal konsumieren. Wenn ein Youtube-Video acht Minuten lang ist, die Qualität (gelinde gesagt) beschissen und man das in Frieden sehen will, dann gibt es nichts furchtbareres als einen Freund oder eine Freundin, die sich schnell mal im Instant Messenger zu Wort melden und einem ein weiteres Youtube-Video zeigen. Das sei ja das beste, witzigste, unfassbarste oder schockierendste Video ALLER ZEITEN.

Das Video, das man eigentlich sehen wollte, hat eine Laufzeit von acht Minuten. Das ist viel für ein Youtube-Video, denn nur zehn sind erlaubt. Man sieht also sein Video in Frieden zu Ende, schaut dann das vom Freund oder der Freundin, und das ist auch über fünf Minuten lang. Dann sagt man vielleicht, nach dem Konsum: “Hmja, ganz cool” oder dergleichen, und das Resultat ist, dass man zugebombt wird. “Dann schau dir doch noch das an.” Man fängt an. Das Video läuft zehn Sekunden, und Freund oder Freundin (der/die GENAU weiß, wie lang das Video ist!) schickt einem direkt noch einen Link zu einem weiteren Video. Und noch einem. Und noch einem. Am besten direkt eine Linksammlung, damit man sich die alle mal ansieht, die tollen Videos.

Wenn davon jedes “nur” fünf Minuten hat, summieren sich fünf Links auf 25 Minuten. Das ist zu bewältigen, wenn die Videos denn auch interessant sind. Das wort “interessant” wird von einigen Leuten leider sehr weit gedehnt, aber da das sowieso subjektiv ist…

Worauf ich hinauswill, ist aber nichtmal der Zeitaufwand, den ich beim schauen von mir empfohlenen Youtube-Videos habe, sondern dass der Linkgeber oder die Linkgeberin absolut entgleist, weil alle dreieinhalb Sekunden die Frage kommt: “Und, wie findste das?” “Wie war denn das dritte? Nein, das DRITTE, mit John Wayne drin!” “Biste IMMERNOCH nicht fertig?”

Nein, bin ich nicht. Bei fünf Videos und insgesamt… anderthalb Minuten vergangener Zeit kann ich das auch gar nicht sein.

Das Fazit ist nun, dass ich mir Links zu Youtube fast gar nicht mehr ansehe. Wenn, dann den ersten. Einen zweiten quasi niemals. Bei Youtube gibt es ja sicherlich viel interessantes, aber noch viel, viel mehr Schrott, und ich will Youtube wirklich nicht komplett sichten.

Promis im US-Wahlkampf

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Auf dem Weg zur Präsidentschaft der Vereinigten Staaten ist mit der Streiksituation und somit der TV-Debatte ein mächtiges Werkzeug verlorengegangen (siehe auch hier). Nun zählt Vitamin B noch stärker, und Barack Obama, neben Hillary Clinton einer der großen Hoffnungsträger für die Demokraten, hat eine der populärsten Fernsehpersönlichkeiten der USA auf seiner Seite: Oprah Winfrey.

 Oprah hat ob ihrer Position und Popularität (laut einer auf www.oprah.com zitierten Angabe der Nielsen Media Research hat sie geschätzte regelmäßige Einschaltquoten [auf der Seite am besten den Begriff "ratings" suchen] um 46 Mio.) nun die Chance, eine Masse an Leuten zu den Wahlurnen zu treiben und für “ihren” Kandidaten stimmen zu lassen. Laut dem New York Times Politik-Blog “The Caucus” hat Oprah sich noch nie öffentlich einem Kandidaten verschrieben. Was die Obama-Kampagne an Vorteilen aus dieser Unterstützung erntet, bleibt abzuwarten.

Quelle: Hamburger Abendblatt

US-Drehbuchautorenstreik trifft die Politik

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tvguide.com, das Online-Portal des in den USA allseits bekannten TV Guide (das Fernsehprogramm für die Woche – sie haben sogar ihren eigenen Kanal im TV), berichtete, dass der Drehbuchautorenstreik in den Vereinigten Staaten nun eine Fernsehdebatte in die Knie gezwungen hat, bevor sie überhaupt anfangen konnte.

Die TV-Debatten, die in den letzten zwei Bundestagswahlkämpfen in Deutschland auch genutzt wurden, sind in den USA noch parteiintern, d.h. die Demokraten und Republikaner streiten um die Frontposition – um den Platz als Präsidentschaftskandidat.

Die Politik, die der Tarifverhandlung bisher fern blieb, mischt sich nicht nur nicht ein, sondern zieht sich sogar zurück – eine Debatte wurde komplett und ersatzlos abgesagt. Das mag einerseits sein, weil die Kandidaten keine potentiellen Wähler verärgern wollen, andererseits jedoch könnte es auch zu einem Fiasko kommen, wenn die bei CBS – dem übertragenden Sender – von der Autorengewerkschaft repräsentierten Mitarbeiter während der Debatte einfach verschwunden.

Da diese Debatten schon seit Monaten laufen, wird ein Ausfall einer solchen Debatte allerdings wohl niemandem das Herz brechen.

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