Hitlers Werwölfe im Multimedia-Format

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„mir ist klargeworden, dass ich von zwei unrühmlichen Bastarden groß gezogen worden bin.“

– Cordt Schnibben

Mit „Mein Vater ein Werwolf“ aus dem Jahr 2014 liefert der Spiegel eine Multimedia-Reportage im Scrollytelling-Stil. Der Journalist Cordt Schnibben arbeitet darin seine Familiengeschichte während des Nationalsozialismus auf. Sein Vater war damals Oberleutnant und arbeitete mit den sogenannten Werwölfen zusammen, einer Untergrundbewegung, die ab 1944 in feindlich besetzten Regionen zahlreiche Attentate auf deutsche Kollaborateure verübte.

Der Leser scrollt durch eine Melange aus animierten Comicausschnitten, Fotos, Videos sowie Textteilen und findet sich in einem dichten Geflecht an Ereignissen wieder, die in Zusammenhang mit der Ermordung des Bauerns Willi Rogge stehen, an der auch Schnibbens Vater beteiligt war. Rogge war kein Nazi-Sympathisant. Er machte sich durch eine kritische Haltung gegenüber des Regimes als Volksverräter strafbar und wurde spontan verurteilt. Die Werwölfe dienten als Vollstrecker. Auf dem Leichnam klebte ein Zettel: „Wer sein Volk verrät, stirbt!“

Nach dem Krieg mussten sich die Werwölfe für die Tat vor Gericht verantworten. Der eigentliche Erzählstrang rund um die Ermordung wird daher immer wieder durch Berichte aus dem Prozess unterbrochen. Cordt Schnibben will dadurch deutlich machen, „ wie schwer sich deutsche Gerichte damit taten, kleine Nazis gerecht zu bestrafen.“ Außerdem erreicht er eine multiperspektivische Darstellung rund um den Fall.

Durch einen vorgeschobenen Trailers ist von Anfang an ist klar, welchen Ausgang die Geschichte nehmen wird. Auf der einen Seite bietet dies dem Leser die Möglichkeit, die wenig chronologische Erzählung besser zu erfassen. Auf der anderen Seite wir der Spannungsaufbau dadurch eher flach gehalten. Tatsächlich ist es angesichts der Detailfülle, die über verschiedene multimodale Elemente transportiert wird, schwer, den dramaturgischen Verlauf nachvollziehen zu können. Die Zeitsprünge zwischen Prozess und Ermordung sind nicht immer leicht zu verfolgen. Die Intention scheint klar: die Verworrenheit des gesamten Falls wird unterstützt und nur langsam Licht ins Dunkle gebracht. Für bestimmte Lesergruppen kann dies jedoch zum Abbruchkriterium werden. Wer abends auf seinem Sofa hängt und nette Unterhaltung sucht, kann sich schnell erschlagen fühlen. Wirklich leichte Kost geht anders.

Etwas auflockernd wirkt der Comic-Stil, der in manchen Abschnitten tragendes Handlungselement ist. Technisch durch Parallax Scrolling realisiert, kann so visualisiert werden, wozu es keine Zeitdokumente gibt. In Graustufen bewegen sich die Werwölfe durchs Bild und geben dem Terror eine Gestalt. Mit dem Scrollen erscheinen Sprechblasen. Gelegentlich sind auch Audioeffekte eingebunden. Die gesamte Zeit über dudelt das „Radio Werwolf“ vor sich hin. Düstere Klangschwaden ergießen sich so durch die Lautsprecher eines jeden Users. Die Atmosphäre, die kreiert wird, verheißt Unheil, kann durch ihre Monotonie aber auch nerven.

Sprachlich wirkt „Mein Vater ein Werwolf“ sehr ausgewogen. Cordt Schnibben schreckt nicht vor einer Personalisierung zurück und macht seine persönliche Betroffenheit immer wieder deutlich, wenn er von „mein Vater“ spricht. Der gesamte Inhalt gewinnt dadurch an Nähe. Eine Verbindung zum Leben 70 Jahre nach dem dritten Reich wird geschaffen. Und letztendlich bleibt die immer gleiche Frage: Wie soll man mit dem Erbe dieser Zeit umgehen?

„Mein Vater ein Werwolf“ ist technisch gut gemacht und verdeutlicht, was Online-Journalismus kann. Das Stück ist gerade wegen seiner Länge und Komplexität aber nichts für die Mittagspause. Wer sich für den Nachrichtenfaktor Nationalsozialismus dennoch ein Stündchen nehmen will, dem sei die Reportage wärmstens empfohlen.


Lust bekommen? Die Multimedia-Reportage gibt’s hier:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nazi-werwolf-spiegel-reporter-schnibben-ueber-seinen-vater-moerder-a-963465.html

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Noch nicht genug Geld GEMAcht?

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Höhere Abgaben für USB-Sticks

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte ist mal wieder in aller Munde. Nach der gerichtlichen Auseinandersetzung mit Youtube, in der es darum ging, dass die GEMA forderte alle Videos, in denen urheberrechtlich geschützte Musik verwendet wird, zu sperren, befindet sich das Unternehmen erneut in den Schlagzeilen.

Bei dem Verkauf von USB-sticks sollen nun um bis zu 1850 % mehr an die GEMA fließen als bisher. Als Grund wird der technische Fortschritt angegeben und die Tatsache, dass es möglich ist mehr Musik auf einem modernen USB-stick zu speichern. Konkret bedeutet das, dass die Abgabe von derzeit einheitlich 10 Cent pro Stick oder Karte künftig von der Speichergröße abhängig gemacht wird. Unterhalb der vier GB werden bei USB-Sticks bald 91 Cent, darüber 1,56 € fällig.

Eine solche Abgabe fällt nicht nur bei Speichermedien an, sondern beispielsweise auch bei Mobiltelefonen. Im Kaufpreis eines solchen Gerätes mit Touchscreen und 8 GB Speicherkapazität ist seit 2011 eine Pauschalabgabe von 36 Euro enthalten. Wer bisher dachte, dass sich das GEMA-Geschäft nur auf die Musik an sich beschränkt, der liegt also falsch. Auch leere CD-, DVD- und BluRay-Rohlinge enthalten beim Kauf bereits einen eingerechneten Betrag, der an die GEMA geht.

Ein wenig verwunderlich ist die neue Regelung für Speichermedien angesichts der Tatsache, dass die GEMA stetig mehr Gewinn macht schon. Allein in den letzten 10 Jahren konnte sie ihre Einnahmen um 60 Millionen € anheben. Von Seiten der Kritiker wird eingeworfen,dass ein Speichermedium von sich aus keine Musik abspielen kann und von vielen ohnehin mehr als virtuellen Aktenschrank genutzt wird. Auf den Eigentlich Abspielgeräten wie MP3-Playern oder Computern sind allerdings schon Gebühren.Ob Doppelte Einnahme oder wertvolle Existenzsicherung von Künstlern in einer finsteren Downloadwelt, bleibt wohl ungeklärt.Sicher ist jedenfalls, dass man sich schleunigst mit Speichermedien eindecken sollte, wenn man die 91 cent nicht zahlen möchte.

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Süddeutsche Zeitung: Gema erhöht Speicher-Gebühren um 1850 Prozent: http://www.sueddeutsche.de/digital/usb-sticks-und-speicherkarten-gema-erhoeht-speicher-gebuehren-um-prozent-1.1366645

Focus: BMG schließt europaweiten Vertrag mit Gema: http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/online-musik-bmg-schliesst-europaweiten-vertrag-mit-gema_aid_757360.html

Spiegel: Gema und Google gehen in Berufung: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/gema-legt-berufung-im-streit-mit-youtube-ein-a-834246.html

GEMA Tarife: https://www.gema.de/fileadmin/user_upload/Musiknutzer/Tarife/Tarife_sonstige/Tarif_Mobiltelefone_ab_2011.pdf

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Heilig Rock – Tageszeitung zur Wallfahrt

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Heiliger Rock ist Anlass Wochenzeitung „Paulinus“ während der Wallfahrt täglich herauszubringen

Wer den Versuch gestartet hat in den letzten Tagen sich den Weg durch die Trierer Innenstadtzu bahnen, der wurde mir ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit von diversen Schildern aufgefordert das zusammenzuführen, was zusammengehört. Und siehe da, schon führt mich das Schicksal mich mit einer Zeitung zusammen, die dieser Tage durch tausende Pilgerhände gleitet.

Das Bistum Trier gibt schon seit einigen Jahren seine eigene Wochenzeitung heraus,den Paulinus. Diese ist normalerweise kostenpflichtig zu erwerben. Zur Zeit ist das Blatt aber dank des Heilig Rock Events jeden Tag in einer neuen Gratisausgabe zu haben. Die Kirche versucht schon seit längerem durch Jugendprogramme, Konzerten mit modernerer christlicher Musik und dem Einzug in social media Portale wie Facebook den Staub der letzten Jahrhunderte von den heiligen Röcken zu kehren.

Dazu passend wirkt das Layout der Zeitung jung. Es finden sich Cartoons, viele Impressionen der Wallfahrt und die dazugehörigen Artikel. Jede Seite wird von dem T-Shirt-artig stilisierten Rock geziert und es gibt verschiedene Resorts wie „Menschen“, „Kunst und Kultur“ oder eine Serviceabteilung mit Auflistung der stattfindenden Veranstaltungen, einem Stadtplan und „Trierisch für Anfänger“. In den Artikeln wird ganz begeistert von dem Massenevent berichtet. „Ihr seid spitze, ihr seid da – die Kirche ist jung und lebt!“ steht gleich auf Seite 1 des Paulinus vom 30. April geschrieben. Zwei Seiten später dann das Kontrastprogramm: ein Bischof spricht mit jugendlichen über Kindesmissbrauch der katholischen Kirche. Die Kirche zeigt sich also modern, wozu auch ein Hauch Selbstkritik gehört.

In einem gelben, abgegrenzten Kästchen der Zeitung melden sich jeden Tag die Politikerpromis Kurt Beck und Annegret Kramp-Karrenbauer* zu Wort und grüßen die Pilger – leider täglich mit dem selben Text. Ebenfalls in jeder Ausgabe enthalten ist die Infographik „Ein Pilgertag“.

Was wäre eine Zeitung ohne Anzeigen? Auch diese gibt es selbstverständlich im Paulinus – mit dem Unterschied, dass hier weder Lebenspartner noch Jobs angeboten werden. Es handelt sich um kirchliche „Werbung“, beispielsweise für einen Klosteraufenthalt oder die Barmherzigen Brüder Trier.

Insgesamt ist der Paulinus eine nette Zeitung, die sicherlich den ein oder anderen Pilger erfreut. Da sie sich aber (logischerweise) fast ausschließlich mit kirchlichen Inhalten beschäftigt ist sie für die meisten unter uns nicht wirklich von Nachrichtenwert und eher ein kurzer Zeitertreib zum Durchblättern.

 

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 *für nicht Saarländer: Frau Kramp-Karrenbauer ist Ministerpräsidentin des Saarlandes

 

Bistum Trier auf Facebook: http://www.facebook.com/bistumtrier

Internetpräsenz des Paulinus: http://www.paulinus.de/

 

 

Bloggingfieber erfasst Tagesschau

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Die Internetpräsenz der Tagesschau will attraktiv sein und geht daher mit dem Trend, indem sie auf den Zug der Internetblogs aufgesprungen ist. Schons seit einiger Zeit können wir daher auf der Website einen Reiter mit der Aufschrift „Blog“ bewundern.

Wer die Tagesschau kennt, der wundert sich angesichts dessen vielleicht etwas. Bei dem Titel der Nachrichtensendung klingelt höchstens der allbekannte Eröffnungsjingle im Ohr, nicht aber die Assoziation mit Blogs.
Die Tagesschau ist die älteste Nachrichtensendung Deutschlands und wurde gestern von immerhin 3,55 Mio. Deutschen verfolgt. Sie gilt als seriös und wird im Vergleich zu den Nachrichten der Privatsender als etwas steif beschrieben.
Vielleicht ist es genau dieses etwas konservative Image, dem durch den Interblog entgegengewirkt werden soll. Aber genug der Spekulation über die Martketingstrategie der ARD.
Die Blogeinträge werden von den Auslandskorrespondenten der Tagesschau geschrieben. Es gibt auch eine Vlogversion, die im Vergleich zu vielen im Internet zur Verfügung stehenden Vlogs nicht nur eine Person vor krisseligem Hintergrund zeigt, sondern professionell gedreht und geschnitten ist. Man merkt also, dass das Projekt der Tagesschauredaktion durchaus wichtig ist und an finanziellen Mitteln nicht gespart wird.
Was die Themenauswahl angeht, so findet man diverse Bereiche wieder.
Hier einen Bericht über Deutsche Fahrzeuge in Afghanistan, dort über einen Gitarrenhersteller in Polen. Die Sprache der Korrespondenten passt sich sowohl in den Vlogs als auch in der schriftlichen Ausgabe dem jeweiligen Thema an.
Im Blog „Paris, c’est la vie“ beschreibt Michael Strempel klar und nüchtern die Wahl des französischen Präsidenten, während sein Kollege aus New Delhi seine Geschichte vom gebrochenen Arm locker zum Besten gibt:

„Am nächsten Tag ins Krankenhaus. Moderner als in Deutschland. Die Notaufnahme bestand aus vielen Betten, durch Vorhänge getrennt. Vielleicht fünf Ärtze bestaunten meine Hand, bis der Orthopäde kam. Ein Gips, dann nochmal röntgen. Den bereitstehenden Rollstuhl lehnte ich ab. Was niemand verstehen konnte.“

Deutlich wird an diesem Beispiel: so subjektiv geschrieben der Text auch ist, er schafft es die Distanz zwischen New Delhi und Trier kleiner wirken zu lassen.
Durch das lockere Geschreibsel des Korrespondenten über sein (nach Nachrichtenfaktoren als unbedeutend einzustufendes) persönliches Indienereignis erfährt man ein Stück vom Alltag des Landes, was zum besseren Kulturverständnis nie schaden kann.
Klar dabei sollte aber eben sein, dass ein Blog keine ausschließlich auf Information ausgerichtete Nachrichtensendung ist und daher die Perspektive des Autor beim oft lustigen Geplauder noch mehr zum Tragen kommt als bei der herkömmlichen Fernsehtagesschau.

Für mich sind die Korrespondentenblogs ein schönes, gut aufgemachtes Extra, das zwar etwas aus dem Rahmen der Internetpräsenz der Tagesschau fällt, aber nicht minder interessant ist.
Wer einmal hereinschauen will, der sollte also im Klaren sein, dass es sich speziell bei den Vlogs eher um Entertainment als Nachrichten handelt.

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Strempel, Michael: Wenn aus Merkozy Merkollande würde … (18.04.2012): http://www.tagesschau.de/videoblog/paris_cest_la_vie/videoblogparis168.html (abgerufen am 20.04.2012)

Halász, Gábor: Unfall, Gips und was ich über Indien lernte (11.01.2012): http://blog.tagesschau.de/author/halasz/ (abgerufen am 20.04.2012)

Quoten der ARD: http://www.daserste.de/programm/quoten.asp (abgerufen am 20.04.2012)

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Anonymous.

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Anonymous ist ein loser Zusammenschluss. Eine Gruppe, die in der Vergangenheit speziell durch ihr Hackerangriffe gegen Websites auf sich Aufmerksam gemacht hat. Bewaffnet mit Guy Fawkes Maske und Tastatur haben sie bereits rechtsextreme Seiten kurzzeitig lahmgelegt, den Menschen beim arabischen Frühling zu einer Internetverbindung verholfen und mehrfach gegen Scientology protestiert. Schnell wird klar, was ihr Ziel ist: eine freie Welt, in der Menschenrechte geachtet werden.

Trotzdem fällt es schwer die Ziele eindeutig zu formulieren, da Anonymous viele sind und nicht immer alle an den teils kriminellen Aktionen beteiligt sind. Ohne Zweifel haben sie aber einiges an Macht und nutzen diese vor allem durch „DDoS“-Angriffe (Distributed Denial of Service) auf andere Websites. Dabei wird die Seite so überlastet, dass von anderen Nutzern nicht mehr auf den Inhalt zugegriffen werden kann. Speziell bei wirtschaftlichen Unternehmen kann eine kurze Störung große monetäre Verluste einbringen.

Ein besonders interessantes Beispiel möchte ich an dieser Stelle herausgreifen und etwas näher beleuchten.

Wer hat es nicht schoneinmal erlebt? Man surft gemütlich auf youtube, klickt ein Video an und wird zu dem wohlbekannten, herzallerliebsten Schild weitergeleitet. Danke, GEMA! Die sogenannte Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte hat es dadurch nicht leicht. Das Öffentlichkeitsimage ist nach einer scheinbar endlosen Diskussion mit Yotube über Urheberrechte stark angekratzt und letztlich wurde die Hauptseite www.gema.de auch noch von Anonymus angegriffen. Dort konnten die Besucher nun folgenden parodisierenden Text lesen:

„Leider ist diese Seite (nicht nur) in Deutschland nicht verfügbar, da sie auf ein Unternehmen verweisen könnte, für das Anonymous die erforderlichen Freiheitsrechte nicht eingeräumt hat.“

Ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Die Message von Anonymous hingegen ist klar: Sie treten für die vermeintliche Grundidee des Internets ein: freier Content für alle und Kampf gegen eine zunehmende Kommerzialisierung. Außerdem sehen sie sich auf Seiten der Künstler stehend. Youtube sei, so in einer Stellungsnahme zur GEMA, eine kostenlose Promotionsplattform, die es Künstlern ermöglicht in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden und den Plattenfirmen so mehr hilft als schadet. Für die User haben Anonymous ein Programm zur Verfügung gestellt, das jedem ermöglicht auch gesperrte Videos anzusehen.

Anonymous sind also ein wichtiges Glied in der Kette, wenn man sich die Strukturen des Internets anschaut. Welche (kriminellen) Hackerangriffe Sie uns in Zukunft bescheren werden bleibt spannend.

 

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Taz: Vom Kollektiv lahmgelegt: http://www.taz.de/!70239/

Hamburger Abendblatt: Anoymoushacker legen erneut GEMA Seite lahm: http://www.abendblatt.de/kultur-live/tv-und-medien/article2000018/Anonymous-Hacker-legen-erneut-Gema-Seite-lahm.html

Anonymous: Stellungnahme zur GEMA: http://www.yo.utube.com/watch?v=g-qFLX26-O8

Chip: Youtube-Proxy: http://www.chip.de/webapps/YouTube-Proxy_40712525.html

Zdf_neo: Wild Germany zum Thema Hacker: http://www.yo.utube.com/watch?v=OLV1JMONOHg

www.du-bist-anonymous.de: Demonstration gegen Scientology: http://bilder.du-bist-anonymous.de/main.php?cmd=imageview&var1=pic_3.jpg

Blockiermeldung auf Youtube: http://computer.t-online.de/b/47/21/46/32/id_47214632/tid_da/bei-vielen-youtube-videos-erhalten-deutsche-nutzer-eine-blockiermeldung-screenshot-t-online-.jpg

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Internethumor: Soziopathische Lamas und depressive Einhörner

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Es gibt zahlreiche Phänomene, die sich in rasanter Geschwindigkeit im Netz ausbreiten. Ganz oben auf der Liste neben der Websprache stehen Kultvideos und Bilder, meist mit humoristischen Inhalten.

Man kann feststellen, dass Humorarten stark an Medien gebunden sind. Der klassische Humor, meist durch Witze mit Pointe vertreten, findet sich eher in Zeitungen und Magazinen, während neue Medien wie das Internet eine andere Art von Sinnloshumor zu Tage gefördert hat. Sinnfreier Humor, was soll das sein? Diese Frage beantwortet man am besten, wenn man ein paar der berühmtesten Beispiele für sich sprechen lässt.

Im deutsprachigen Raum ist die Künstlergruppe Hgicht derzeit mit ihren 500.000 Klicks relativ populär. In ihren Texten spiegelt sich teils eine wirre Gesellschaftskritik, teils schlichter Kulturverfall.

ein polizist mit laserschwert, ja
mit diesem laserschwert schreibt er was auf.. ahh
ein polizist mit laserschwert
mit diesem laserschwert schreibt er was auf..

ein lächeln kommt vom herzen hoch, ja! ja
ein lächen von tuenchamun, ja! ja
ick bin tuenchamun, ja! ja
tut tut tut tut, ja! ja

Die Sendung Kulturzeit auf 3sat bezeichnet das, was hier vor sich geht als „unsubventionierte Tiefe des Trash“ und dadaistische Ausdrucksform. Andere Stimmen können mit dem bunten Mix aus komischen Gestalten und dröhnender Musik wenig anfangen.

Charlie the Unicorn, ein englisches Format, bringt es sogar auf fast 35 Millionen Klicks. In diesem Trickfilm geht es um die Reisen eines depressiven Einhorns durch eine seltsame Welt. Vom selben Macher ist auch Lamas mit Hüten, das sogar in mehere Sprachen und Dialekte wie Bayrisch und Schwäbisch übersetzt wurde und von zwei Lamas handelt, die über einen toten Menschen reden, der in der Ecke liegt. Inzwischen kann sogar Merchandise der beiden Kultvideos erworben werden.

Die taz deckt das Erfolgsgeheimnis des vermeintlich sinnlosen Internethumors in dem Artikel „Vorsicht vor soziopathischen Lamas“ auf. Die Videos bieten die Möglichkeit als gemeinsame Zitierstelle zu dienen. Die Gags können scheinbar unendlich oft in Alltagssituationen integriert werden um sie so ein wenig lustiger und weniger ernst zu gestalten. Der Macher der Videos, Jason Steele, antwortet auf die Frage wie er auf solche abstrusen Ideen kommt: „Ich schlafe einfach an meinem Arbeitsplatz ein, wache auf und BÄM, Borreliose.

Insgesamt kann man sagen, dass der Internethumor vielleicht eine kleine Gegenbewegung zum konservativ-konventionellen Humor ist und speziell durch seine betonte Sinnentleerung dem Rezipienten die Möglichkeit bietet alles in dem oft straff durchorganisierten Alltag für einen Moment liegen zu lassen.

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Videos: (Punkt nach yout bitte zum Ansehen löschen)

http://www.yout.ube.com/watch?v=qnEjFvu-Rsw

http://www.yout.ube.com/watch?v=hweknZwUhTI

http://www.yout.ube.com/watch?v=QFCSXr6qnv4

Textquellen:

http://www.taz.de/!63253/

http://www.cafepress.com/filmcow/1457783

http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/tips/148933/index.html

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Gurus als Werbeträger

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Das Internet ist seit es in der breiten Masse populär geworden ist auch zu einem Schauplatz zahlreicher Phänome geworden. Es gibt Videos, die überall im Netz kursieren, bestimmte Verhaltensweisen, die nach und nach von mehr Usern aufgegriffen werden und sogar sprachliche Veränderungen^^ xD lol.

Besonders auffällig ist für mich in den letzten Jahr der Aufstieg sogenannter Gurus. Überall auf Youtube wimmelt es nur so von ihnen. Es sind meist junge Menschen, die Tipps für alle Lebenslagen geben. Wie öffne ich eine Flasche mit einem Papier oder welcher Nagellack ist in der neuen Saison angesagt? Besonders letztere Gruppe erlebt einen besonderen Ansturm, was sich an ihren Abonenntenzahlen ablesen lässt. Auch der deutsche Youtubesprecher Henning Dorsetwitz sagt: „Es ist definitiv ein Trend zu mehr Ratgeber-Videos auf YouTube erkennbar. Seien es Schminktipps, Produkttests oder ganz generell Lebensberatung“.

Für große Konzerne, speziell im Beautybereich sind diese Gurus inzwischen optimale Werbeträger geworden. Sie scheinen authentisch, wenn sie sich in ihren eigenen Wohnung mit teils unprofessioneller Technik ablichten. Alles ist spontan, es gibt kein richtiges Drehbuch. Und genau das gibt dem Rezipienten das Gefühl, dass er in heimischen Atmosphäre Tipps von einer guten Freundin bekommt. Die Distanz ist weit kleiner als vor dem Fernsehbildschirm. Durch das leichte Vertrauensverhältnis zu dem vermeintlichen Experten können Firmen ihre Waren so platzieren, dass es dem Konsumenten weniger über als Werbung aufstößt, aber wie machen sie das?

Ganz einfach. Sie schicken Proben an die Gurus, die diese dann testen. Ob die Objektivität, die sich ein Zuschauer speziell von so einem unabhängigen Guru verspricht damit noch gewahrt ist, bleibt ungewiss. Sicher ist aber, dass sich die Hersteller so ganz einfach in den Vordergrund rücken können. Es ist für sie eine relativ billige Angelegenheit und die Werbung kommt trotzdem an. Die Gurus profitieren ebenfalls davon, da auch sie Werbeeinnahmen bekommen, weil vor ihre Youtubevideos oftmals Werbespots geschalten sind. Des weiteren werden sie sogar von Firmen eingeladen um an Workshops teilzunehmen. Die Nivea Hair Academy by Sally Brooks hat erst kürzlich einige Gurus umgestylt und ihnen Produkte für den jeweiligen Typ vorgeschlagen. Es ist nicht überraschend, dass auf den Blogs und in den Youtubevideos der Gurus umfassend von dem Event und den Produkten berichtet wurde. Die Marke hat geschafft, was sie erreichen wollte: Marketing.

Letzendlich ist es wirklich interessant zu beobachten wie Gurus von ihren Fans gefeiert werden und von Kritikern, sogenannten Hatern, nach jedem Video Spott ernten. Sicher ist den meisten Verbrauchern inzwischen auch schon bewusst, dass die ehemals autonomen Gurus inzwischen von Firmen um den Finger gewickelt werden.

Meiner Meinung nach ist diese Art des versteckten Product Placements vollkommen legitim. Schließlich profitieren Firmen, Gurus und Konsumenten von der Verbindung. Denn ein geschenktes Produkt, das im Test schlecht abschneidet, wird ein Guru auf keinen Fall seinen Zuschauern empfehlen, da er nicht nur seinen Ruf, sondern auch Abonennten zu verlieren hat, die für seine Werbeeinkünfte verantwortlich sind.

Insgesamt ergibt sich also ein spannendes Beziehungsdreieck zwischen Hersteller, dem Guru in der Vermittlungsrolle und uns – den Konsumenten. Ob sich diese Art der Informationsverbreitung mit eingebauter Werbestrategie weiterhin hält werden wir noch sehen. Bis dahin können wir uns weiter fröhlich durchs Netz klicken.

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http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,668811,00.html

http://www.fragdiegurus.de/nivea-hair-academy-event/

http://www.google.com/support/youtube/bin/answer.py?hl=de&answer=95442

http://www.you./tube.com/watch?v=MZXIjHYsO7k&feature=rel.mfu

Last.Fm – Die Revolution des Hörfunks?

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Von der Funktionsweise des letztes Radios

2002 ging Last.fm auf Sendung. Ziel des Projekts war es das Medium Radio aktiver zu gestalten. So ist es möglich auf der Seite anzugeben, welches Genre oder welchen Künstler man favorisiert, um dann ein auf den persönlichen Geschmack zugeschnittenes Programm zu erhalten.

Gebe ich beispielsweise Raggae an tönt schon im nächsten Moment – nach kurzer Werbung – Bob Marleys Stimme aus den Boxen.

Noch passender wird die Playlist, wenn der Nutzer sich einen Account erstellt und eine Software herunterlädt, die fortan alle gehörte Musik direkt in die Datenbank von Last.fm einspeist.

Dadurch sind einige lustige Spielereien möglich. Man kann sich beispielsweise Statistiken über das eigene Hörverhalten erstellen, bekommt gezielt Künstler und Konzerte vorgeschlagen oder kann einfach die prozentuale Übereinstimmung des eigenen Musikgeschmacks mit dem von Freunden einsehen.

Sicherlich sind diese Tools äußerst unterhaltsam, man sollte aber nicht vergessen, dass alles, was man hört, „gescrobbelt“ (d.h. aufgezeichnet) wird und auch für unangemeldete Nutzer einsehbar ist. Das Privatvergnügen Musik wird so zu einer transparenten Sache.

Social Music Revolution?

Last.Fm als social network

Vorteil an dieser Situation ist ganz sicher der Austausch mit anderen Leuten, denn ähnlich wie bei Facebook gibt es ziemlich überall Kommentarfunktionen, „Freunde“ und sogenannte Nachbarn, Menschen mit einem fast identischen Musikgeschmack.

Man kommt also leicht ins Gespräch und kann auch von den neuen Kontakten wertvolle Tipps bekommen. Zudem ist Last.Fm weltweit verbreitet, sodass eine internationale Kommunikation – meist auf Englisch – stattfindet.

Man könnte fast so weit gehen und Last.Fm als ein spezialisiertes Facebook bezeichnen. Doch hier liegt auch schon der Haken. Wer komplette Privatsphäre will, der ist in einem social network fehl am Platz.

2009 wurde Last.Fm von der Seite TechCrunch vorgeworfen den Datenschutz missachtet zu haben und die Daten von Hörern, die das Urheberrecht verletzen weitergegeben zu haben. Last.FM dementierte den Vorwurf mit den Worten: „Techcrunch are full of shit“.

 

Arbeitsosigkeit für die Musikredaktion?

2007 wurde Last.Fm von der amerikanischen Senderkette CBS für stolze 280 Mio. Dollar übernommen. CBS betreibt einige reguläre Hörfunksender. Die Idee: Weg vom Einheitsbrei des Chartadios und hin zu einem Programm, das die Musik spielt, die die Leute von ihrem PC aus hören. Das sollte durch die Nutzung von Last.Fm Charts geschehen, denn wer weiß besser, was die breite Masse gerne hört, wenn nicht die Masse selbst? Letztendlich unterscheiden sich die Last.Fm Charts aber wenig von den allgemeinen Radiocharts, weshalb der Gedanke dadurch vom Einheitsbrei abzukommen vielleicht etwas zu kurzsichtig war. Eine Schnittmenge aller verschiedenen Musikgeschmäcker ist zwangsläufig irgendetwas „in der Mitte“, etwas das jeder hören kann – Einheitsbrei.

Trotz allem konnte durch die Umstrukturierung der CBS Radiosender etwas erreicht werden: die Musikredaktion, die früher über das Programm entschied, konnte wegrationalisiert werden. Ein enormer Kostenfaktor konnte damit beseitigt werden.

Doch damit tat sich wieder ein Problem auf. Bis die breite Masse ein neues Lied von ihrem Rechner aus scrobbeln kann, vergeht einige Zeit, da es sich nach der Erscheinung erst noch verbreiten muss. Damit haben die 4 umstrukturierten CBS Radiosender keinen Aktualitätsbezug mehr, sondern senden das Neuste immer mit einer gewissen Verzögerung.

Ein Rechercheteam ist damit für einen Radiosender, der neue Erscheinungen präsentieren will, nach wie vor die Quintessenz.

Abschließend lässt sich sagen, dass Last.Fm speziell für große Musikjunkies viel Platz zum Stöbern, Diskutieren und Neuentdecken bereitstellt. Das Radio so wie wir es bisher kannten ersetzt es aber (nicht nur wegen der fehlenden Moderation und Informationsverbreitung (z.B. Nachrichten und Stauinfos)) nicht.

Damit wird Last.Fm nicht das letzte Radio bleiben, sondern wohl fröhlich neben der etwas älteren Version des Hörfunks existieren.

 

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Quellen:

  1. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,648332,00.html
  2. http://www.lastfm.de/download
  3. http://techcrunch.com/2009/02/20/did-lastfm-just-hand-over-user-listening-data-to-the-riaa/
  4. http://blog.last.fm/2009/02/23/techcrunch-are-full-of-shit
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