Profanität in der Presse

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Michael Adams , der für sein Buch den Titel “ Praise of Profanity“ wählte, beschreibt Fluchen als „sozial“ ja sogar als „ästhetisch“. In vergangenen Jahren waren Schimpfwörter, die in Diskursen der Politik fielen, die Neuigkeit in den Medien schlecht hin. Mit dem Wandel unserer Gesellschaft und in Anbetracht des aktuellen Trends gehören Krauftausdrücke heutzutage zum allgemeinen Sprachgebrauch. Der Gebrauch von Obszönität in den öffentlichen Medien ist am zeitgemäßen Standard gemessen in unserer Zeit weniger skandalös denn je. (http://ajr.org/2014/04/04/swear-words-news-stories/)Psychologen ordnen Schimpfwörter als kreative Sprache ein, welches die Sprache würzt und den eigenen Aussagen an Nachdruck verleiht. So behaupten sie, gebe die Sprache Einsicht in den Charakter eines Menschen. Werden also Schimpfwörter von der Mehrheit der Bevölkerung als Vokabular der Ungebildeten und von Menschen sozial niedriger Klasse angesehen, beweisen die großen Vorbilder unserer Gesellschaft uns das Gegenteil: Am häufigsten zitieren Medien Politiker und Prominente, die sich gewiss gewählt ausdrücken, sich artikulieren können und doch hin und wieder auf ihren Wortschatz an Schimpfwörtern zurück greifen.(http://www.sueddeutsche.de/kultur/schimpfwoerter-im-tv-amtlich-verordnete-pruederie-1.975135)

In der deutschen Demokratie, die Meinungsfreiheit groß schreibt und Zensuren aufhebt, ist es der Eigenständigkeit und dem Geschmack der Journalisten überlassen individuell zu entscheiden, was sie veröffentlichen. Und doch hat zum Beispiel die Leserschaft einer Zeitung, gewisse Standards, die sie erhebt und Erwartungen, die sie hegt.So soll der Ton einer eher konservativen Zeitung in ihrer Berichterstattung höflich, rücksichtsvoll und ernst zu nehmend sein. Dies führt zu stilistischen Unterschieden innerhalb der Medien, die es keinesfalls riskieren möchten, ihre Leserschaft der Obszönität auszusetzen und eventuell einen Teil ihrer Rezipientengruppe zu verlieren.(https://www.nytimes.com/2014/03/31/opinion/the-case-for-profanity-in-print.html?_r=0) Darum wird von vielen Medien auf Nummer Sicher gegangen und im Zweifelsfall auf die Öffentlichkeit verzichtet. Im Umkehrschluss kommt es nicht selten zum Vorwurf der „Zensur“, versuchen Journalisten höflicherweise Verbalinjurien in der Berichterstattung unter den Tisch fallen zu lassen, bzw. diese mit Hilfe von Abkürzungen, Symbolen oder ähnlich klingenden Wörtern mehr oder weniger verdeckt wiedergeben. Leser fühlen sich der Wahrheit beraubt, ist der Gebrauch von Profanität in den Medien zum Verständnis eines Sachverhalts notwendig und dennoch umgangen. Journalisten schreiben schließlich für ein mündiges Publikum und wie Ingeborg Bachmann erklärt, ist „die Wahrheit dem Menschen zumutbar.“ Häufig setzen Journalisten, die umfassend, fair und unerschrocken berichten wollen, Kraftausdrücke provokativ ein, da gerade durch den Zensurvorwurf ihre Berichte ins Rampenlicht rücken.

Insgesamt spricht man jedoch von einer Art Selbstzensur, die Journalisten unter dem Einfluss des Pressekodex vollziehen. Dazu hat der Presserat in einem Plenum nach rechtlich und ethischen Überlegungen , Richtlinien hinsichtlich der journalistischen Berichterstattung festgelegt.  Sie sollen die Berufsethik, sprich: die Wertsetzung innerhalb des Berufs des Journalismus wahren. So empfiehlt zum Beispiel der Absatz „Sorgfalt“ des Pressekodexes, reißende Formulierungen zu unterlassen und eine objektiv angemessene Wortwahl zu wählen, was im Englischen unter “ Political Correctness“ verstanden wird. (http://www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/).  Kraftausdrücke sind nicht fahrlässig zu benutzen. Aussagen, die die sachliche Ebene verlassen und das Ansehen einer Person herabsetzen, gelten als Diffamierung, die eine Straftat darstellen. Eine Frage, die Journalisten bei der Veröffentlichung einer Obszönität grundsätzlich klären sollten, ist, ob die Diskriminierungsgefahr gering und die Bedeutung für das Verständnis eine Sachverhalts hoch und der Gebrauch von Profanität im Druck rechtmäßig ist.

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