Die Weisheit der Vielen

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Stehen in der Quellenangabe für Hausarbeiten oder Referate-besonders zu historischen Themen- hauptsächlich Wikipediaartikel, ist das gemeinhin ein Zeugnis für eine weniger tiefgründige Recherche zum Thema. Ist das wirklich so?

Der ZEIT-Redakteur Christian Staas führte für die vergangene Ausgabe (Nr. 28) ein Interview mit dem Privatdozenten für Allgemeine Geschichte der Neuzeit, Uni Basel, Peter Haber zum Thema Geschichts-Artikel bei Wikipedia. Dieser lobt vor allem die Aktualität der Online-Enzyklopädie und visuelle Aufbereitung, die ein herkömmliches Lexikon in dieser Form nicht bieten können. Ausserdem ist die vielsprachige Aufbereitung zu geschichtlichen Ereignissen immer auch Zeugnis landesspezifischer Sichtweisen. Besonders aufschlussreich sei hier zum Beispiel die sich differierenden Artikel zum Kalten Krieg auf französisch, englisch und deutsch.

Fehlerhafte Einträge treten eher selten auf. Schwierig sei allerdings die Annahme, man könne sich über ein komplexes Thema leichten Überblick mit Wikipedia verschaffen. Der Raum ist hier schlichtweg zu klein, um ein geschichtswissenschaftliches Thema gerecht zu beleuchten. Zudem gilt hier das Motto: Viele Köche verderben den Brei. Lobenswert seien biografische und Ereignis-Lemmata, die wenig Fachwissen voraussetzen.

Die Wissenschaft hat ein Auge auf Wikipedia. Hier wird Geschichte geschrieben. Wie wird sich also die Sichtweise auf Vergangenheit,Gegenwart und Zukunft durch Wikipedia verändern, wenn jeder in der Lage ist, Geschichte zu mitzuschreiben?

DIE ZEIT (Nr.28)

Bewusst Radio hören.

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„Was machst du heute Abend?“-„Ich werde Radio hören!“…klingt irgendwie seltsam. Kann sich in den nächsten Wochen aber durchaus lohnen: Die Kulturradios der ARD werden ab dem 17. Juli, acht Wochen lang eine umfangreiches Komposition aus Musik und Wort präsentieren. Das Radiofestival bietet Jazz, Operette, Konzerte, Gespräche und Lesungen bekannter und unbekannter Künstler.

„Das ARD Radiofestival nutzt die Stärken der regional verwurzelten Rundfunkanstalten und bündelt sie in gemeinsamen, anspruchsvollen Hörerlebnissen“, sagt Bernhard Hermann, Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission und SWR-Hörfunkdirektor .

http://ardradiofestival.de/index.php

Maximierung Mensch

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Es tut sich was in Trier.

Seit gestern läuft das Autorenfestival „Maximierung Mensch„. In Zusammenarbeit der Universität Trier und dem städtischen Theater werden Stücke zeitgenössischer Autoren dargeboten. Die Auswahl der Werke zeigt sich in diesem Jahr  wieder äußerst abwechslungsreich mit z.B. : „AUF DER GREIFSWALDER STRASE „(R. Schimmelpfennig), „SICH GESELSCHAFT LEISTEN“ (U.Schmidt) oder „KASPAR HÄUSER MER „(F. Zeller)

Die mit viel Herzblut inszenierten Aufführungen finden neben der klassischen Theateratmosphäre unter anderem auch in der Industriehalle Pfalzel, im Studio oder in der Trierer Volksbank statt. Orte, die vielleicht den einen oder anderen Kulturbanausen aus der Reserve locken. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, da die Kultur nur durch Partizipation und die Annahme dessen wachsen und gedeihen kann.

Neben den zahlreichen Theaterstücken bietet das Autorenfestival auch Podiumsdiskussionen oder Schreibwerkstätte, die praktisch zur Teilnahme einladen. Die Reihe endet am 12. Juni mit einer wissenschaftlichen Konferenz an der Universität mit Vorträgen von u.a. Nicole Colin (Amsterdam) oder Christine Bähr (Trier).

Das (oft bemängelte) kulturelle Angebot kann sich also durchaus sehen lassen, denn man bereit ist, es zu würdigen und zu nutzen.

„Köhler von Blogger zu Fall gebracht?“

geschrieben von in Allgemeines, Medien und Politik, MedienkritikKommentare deaktiviert für „Köhler von Blogger zu Fall gebracht?“

Seit gut einer Woche beherrschen der Rücktritt unseres Bundespräsidenten und die Wahl seines Nachfolgers das öffentliche Interesse. Es wird wild analysiert, kontrovers diskutiert und in alle Richtungen spekuliert. Was steckt hinter dem plötzlichen Entschluss des sonst so soliden und gefestigten Köhlers?

Nicht nur der Rücktritt selbst ist äußerst brisant, auch der Weg dorthin schreibt seine eigene Geschichte. Die weitgefächerte Beachtung dessen setzte ungewöhnlich zeitversetzt ein. Erst die Leserbriefe aufmerksamer Deutschlandradiohörer führten dazu, dass die Redaktion entschloß, das Interview noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch Spiegel Online reagierte erst nach zahlreichen Leserbriefen auf das Interview und entschloß, eine Geschichte daraus zu machen. Ab da begannen sich die medialen Mühlen zu drehen. Was das „heute journal“ sich jedoch am vergangen Mittwoch erlaubte, war fast schon anmaßend. In der Sendung wurde der Frage nachgegangen, wer oder was den Präsidenten zu Fall gebracht hätte und der Bezug richtete sich in dem Beitrag dann direkt an den 20 jährigen Jonas Schaible: „Köhler von Blogger zu Fall gebracht?“

Diesem war die fragwürdige Aussage im Interview auch aufgefallen und er stellte dies auf seinem Blog beim-wort-genommen.de kritisch in Frage. Ausserdem richtete er sich via twitter an diverse Redaktionen und forderte sie zu einer Auseinandersetzung mit Köhlers Kommentar auf, nachdem diese noch nicht nicht reagiert hatten.

Der Beitrag des „heute journals“ vermittelte seinen Zuschauern jedoch den Eindruck, als hätte der Politik- und Medienwissenschaftsstudent den Präsidenten gestürzt und reduziert den Skandal massenwirksam auf ein Gesicht. Es geht um die Macht des Web 2.0, schon klar. Doch weder die Medien, noch die Opposition haben diesen Rücktritt gefordert. Das versucht Jonas Schaible auf seinem Blog klar zu stellen:

„Einige Worte zum Rücktritt von Horst Köhler – weil mein Name ja jetzt in diesem Zusammenhang kursiert. Weil ich in eine Rolle gedrängt werde, die nicht der Realität entspricht. Weil ich immer noch Interviewanfragen bekomme. Ich hatte gedacht, das Interesse würde nach einem Tag erlahmen. Da dem nicht so zu sein scheint, möchte ich einiges klarstellen. Um das gleich eingangs zu betonen: Nein, ich habe Horst Köhler nicht gestürzt. Natürlich nicht. Ich glaube nicht, dass ich relevanten Einfluss auf das Geschehen genommen habe – zumal nicht in meiner „Funktion“ als Blogger.

[…] Ich habe unterschätzt, dass viele Medien auf jede Geschichte anspringen, die gute Klickraten und Zuschauerzahlen verspricht. Dabei hätte mir klar sein müssen, dass die Kombination aus Köhler, dem vielen immer noch fremden Internet und aufmüpfigen Bloggern, personalisiert durch einen 20-jährigen Studenten, genau eine solche gute (und schnelle) Geschichte ist. Ob sie nun relevant ist oder richtig, ist da nur Nebensache.[…]“

Jonas Schaible war einer von vielen aufmerksamen Zuhörern. Den Blogger mit in die Verantwortung für den Rücktritt zu ziehen halte auch ich für fragwürdig, denn der Einfluss der Blogsphere auf die Politik ist umstritten, wurde die öffentliche Kritik schließlich erst durch die Leitmedien wie z.B. spiegel.de laut. Primär ging es die Forderung einer Auseinandersetzung mit der von Köhler getroffenen Aussage. Für den Rücktritt entschied er sich ganz allein.

weitere Quellen:

http://www.heutejournal.zdf.de/ZDFde/inhalt/0/0,1872,1021120_idDispatch:9656092,00.html

http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E4221A6EC514842CA96A7C39645451AC4~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Promi-Magazin auf Ki.Ka

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Die Kreise des Entertainments im Fernsehen weiten sich immer weiter aus. Selbst der Kindersender Ki.Ka scheut sich nicht, der Gier nach Boulevard zu frönen und unsere Kleinsten mit dem dumpfen Glanz der Stars und Sternchen zu blenden. Ab 15. Mai, dann immer samstags um 20.00 Uhr, startet der Privatsender ein Promi-Magazin, welches von einer französischen Bulldogge (??) moderiert wird.

Die Sendung bedient neben den neusten Klatschgeschichten von Lady Gaga und Miley Cyrus auch Themen wie Sport, Film und Lifestyle. Der Sender hat in meinen Augen eine Bildungsfunktion, die er u.a. missachtet, indem er den Kleinen suggeriert, besonders eindrucksvoll am Strand aussehen zu müssen und und so der Saat der Oberflächlichkeiten eine zusätzliche Grundlage zum gedeihen bietet.

Das 10minütige Magazin „Mr. Big und die Stars“ soll „bildstark und unterhaltsam die wichtigsten Ereignisse der Woche zusammenfassen“, so das offizielle Statement des Senders zu der Programmerweiterung. Da frage ich mich nun, wie Wichtigkeit bei dem Sender gemessen wird und ob es wirklich nötig ist, jede Nische für den Kommerz zu nutzen. Wo sind die Grenzen?

Quellen:

http://www.medienhandbuch.de/news/kika-bringt-neues-starmagazin-37637.html

„Qualität kommt von Qual“…

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…unter diesem Motto kämpt der Journalist, Autor und angesehene („Auch die ihn hassen, hassen ihn auf Knien“) Sprachkritier Wolf Schneider für den Erhalt und respektvollen Umgang mit der deutschen Sprache. Seinen Ruf verdiente sich der 85jährige unter anderem als Chefredakteur der „Welt“, Verlagsleiter vom „Stern“, Moderator der „NDR Talkshow“ und Autor diverser Sachbücher, die als Leitfäden für viele Journalisten gelten. Anfang Mai brachte der Rowohlt Verlag das neue Buch des sog. Sprachpapstes heraus: „Deutsch für junge Profis“. Dieses richtet sich vornehmlich an die Generation 2.0, die ihre Spuren im Netz hinterlassen.

Es werde täglich überproportional mehr auf den zahllosen Internetblogs gepostet als gelesen. Der Grund hierfür sei neben der leichten Zugänglichkeit, die mangelnde Qualität der sprachlichen Ergüsse, denen es an weit mehr als nur der grammatikalischen Richtigkeit mangelt, so seine Behauptung. Er gibt Anleitung, wie Schreiberlinge lernen, die Texte so zu schreiben, dass sie auch gelesen werden (oder zumindest die ersten 20Sekunden (oder rund 350 Zeichen) des Lesens überleben – ab dann sei das Maß des Gelangweiltseins voll).

Einleitend beschreibt er :

Mit 32 Rezepten kommen Sie diesem Ziel schon ziemlich nah – und rasch werden Sie die Heerschar der Einfach-drauflos-Schreiber ebenso hinter sich gelassen haben wie die der verkorksten Germanisten. Zumal, wenn Sie die Sprache liebe. Nur wer sie umarmt, kann ihr schöne Kinder machen.“

Seiner eigenen Ideologie folgend, liefert er auf 192 Seiten ein hilfreiches Werkzeug für ambitionierte Schreiber und zeigt auf, dass ein Satz eben auch Einsatz bedarf:

WAS Sie schreiben, ist Ihre Sache – aber WIE Sie es formulieren sollten, damit es die Chance hat, beachtet zu werden, zu wirken, vielleicht sogar Sympathie zu stiften: Das lässt sich lernen.“


Quellen:

http://www.rowohlt.de/magazin_artikel/Wolf_Schneider_Deutsch_fuer_junge_Profis.02052010.2853227.html

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1487041/Ein-Meister-der-rigoros-geschliffenen-Sprache.html

http://wissen.dradio.de/index.36.de.html?dram:article_id=2664

http://www.stern.de/kultur/buecher/wolf-schneider-der-levitenleser-der-nation-wird-80-539870.html


Vom Suchen und Finden der Talentchen

geschrieben von in Fernsehen1 Kommentar »

Die Castingwelle ebbt einfach nicht ab: Nun startet auch der Sender VOX eine eigene Castingshow. „X-Faktor“ heisst die neue Suchen-und-möglichst emotional-Finden-Sendung, die auch den Gesangs Talenten eine Plattform geben, die zu alt für Popstarts, zu weich für Dieter Bohlen sind, oder die bei all den anderen Castingshows kläglich scheiterten (Stempel: mangelnde Massenvermarktungstauglichkeit).

Ganz innovativ sucht man bei X-Faktor nun nicht nur einen total-einzigartigen-Superstar oder eine Stylo-Teene-Band, sondern direkt in drei Kategorien: Solosänger/-innen von 16 bis 24 Jahren, Solosänger/-innen ab 25 Jahren und Duette bzw. Gesangsgruppen ab 16 Jahren. Dies diene der Chancengleichheit. Und die Juroren sind keine fiesen Brandmarker, sondern dienen als Mentoren, die die Kandidaten auf ihrem möglichst steinigen Weg nach ganz oben auf den Popolymp begleiten. Dies dient dann wohl der Gefühlsduselei. Alles ganz innovativ und doch der gleiche Einheitsbrei wie alle anderen „Ich bring dich groß raus“-Shows

Da das Format „X-Faktor“ sich bereits Top-Quoten in Amerika und dem Vereinigten Königreich lieferte, hofft der Sender an die Erfolge anschließen zu können. Wie ein Pressesprecher mitteilte, werde man die Sendung allerdings so platzieren, dass diese sich nicht mit dem Kassenschlager „DSDS“ parallelisiere. Nur traut man in den Chefreihen der RTL Group seinem Zögling VOX diese Aufmerksamkeit wohl nicht ganz zu, denn die Auftaktsendung und das hoffentlich quotenträchtige Finale steht auf dem Programmplan des Mentors RTL. Unter Kollegen greift man sich schließlich unter die Arme…oder klaut sich manchmal eben auch die Butter vom Brot.

Quellen:

http://www.pooltrax.com/news/2010/03/x-factor-die-castings-beginnen-310310.html

http://www.dwdl.de/story/23773/x_factor_vox_versucht_sich_an_musikcastingshow/

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Visual Leaders 2010

geschrieben von in Allgemeines, Printmedien, Qualität, Zeitschriften, ZeitungskriseKommentare deaktiviert für Visual Leaders 2010

Bereits am am gestrigen Donnerstag (25.3.) wurden in Hamburg die 19.  Lead Awards verliehen. Ausgezeichnet werden u.a. die besten Fotoserien, Magazinbeiträge, Anzeigen und Websites von 420 deutschen Magazinen aus 2009. Im Gegensatz zu anderen Medienpreisen genießen die Lead Awards ihre Anerkennung aufgrund des einzigartigen Auswahlverfahrens: Das Vorschlagsrecht obliegt allein der Lead Academy. Eine Vorjury entscheidet über die Nominierung preiswürdiger Beiträge, welche dann von einer prominent besetzten Hauptjury in 20 Kategorien (u.a.“Porträtfotografie des Jahres“ ,“Cover des Jahres“ oder „NewcomerMagazin des Jahres“) gekrönt werden.

Doch wo man meinen könnte, die Krise der Verlage hätte die Awards negativ beeinflusst, der irrt: Da zu einem Yin auch immer ein Yang gehört, gewinnt der Juryleiter der Lead Awards, Markus Peichel, dem Anzeigeneinbruch etwas Positives für die Kreativszene ab: „Wenn die Annoncenzahl schrumpft, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass eine Fotostrecke durch Anzeigen unterbrochen und dadurch zerstückelt wird.“, sodass letztlich die optische Erscheinung an Qualität gewinnt und „die letzten Haudegen des kreativen Journalismus sich richtig ins Zeug legen.“

Die Goldmedaille in der Königsdisziplin „Lead Magazin“ ging in diesem Jahr an den „Spiegel“, mit der Begründung, er sei  „sympathischer, zeitgemäßer, aufgeräumter und zugänglicher als früher. (…) Er hat an Arroganz verloren – und gleichzeitig an Relevanz gewonnen.“, so Peichel. Silber erhielt das Fußballmagazin „11Freunde“, Bronze ging an die „Vogue“.

Die Ausstellung „VisualLeader – Fotografie, Anzeigen, Online und Editorial Design – die große Leistungsschau der Kreativszene “ ist noch bis zum 11.04.2010 im Haus der Photographie in den Deichtorhallen in Hamburg zu sehen.

Bilderreihe der Ausstellung:

http://www.hamburg.de/deichtorhallen/2164972/visual-leader-bildergalerie.html

alle Gewinner:

http://www.artinfo24.com/shop/artikel.php?id=442

Quellen:

http://www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,683161,00.html

http://leadacademy.de/2010/ix/

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Mehr Politik und Wirtschaft in den Focus

geschrieben von in Printmedien, Zeitschriften1 Kommentar »

Montag ist Focustag.

Ab morgen sehen die Fakten (Fakten,Fakten) allerdings ein bisschen anders aus, als gewohnt. Sowohl optisch als auch inhaltlich soll sich einiges getan haben. Der Charakter einer „Ratgeber-Zeitschrift“ wird abgelegt, der Focus nun vermehrt auf „härtere Themen“ (Uli Baur im Interview mit kress.de) gelegt. Es sei kein Relaunch, sondern eher eine Weiterentwicklung. Wie nötig der Focus diese sog. Weiterentwicklung hat, zeigen die stetig sinkenden (Gesamt-)Verkaufszahlen: in den letzten fünf Jahren sind diese um 23% gesunken, der 12 Monatstrend  zeigt einen Verlust von 22%. Anzeigenkunden bleiben aus und die journalistische Glaubwürdigkeit des Gründervaters Helmut Markwort hat deutliche Kratzer bekommen. Nicht zuletzt durch die „Schulschwänzer“-Debatte um Eberthard Brandt (April, 2008).

Ab September räumt der omnipräsente Markwort nun den Chefsessel und lässt frischen Wind in die Münchner Redaktionsbüros. Cicero-Gründer Wolfram Weimer, der jüngst im Hause Springer die Feder schwang soll im Duett mit Uli Baur dem Image den nötigen Mix aus Seriösität, Information und Unterhaltung geben. Neue Rubriken, wie „Dechiffriert“, „Gute Frage“ oder „Der Selbstversuch“ säumen bereits die kommende Ausgabe. Wie erfolgreich sich die Renovierung gestalten wird, zeigt sich wahrscheinlich erst nach dem „Regierungswechsel“. Häufig fällt einem ja der Riss in der Tapete nach Jahren einfach nicht mehr auf.

Quellen:

http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/102209-chefredakteur-uli-baur-ueber-den-neuen-focus-mehr-platz-fuer-harte-themen.html

http://meedia.de/typo3conf/ext/m2analyzer/analyzer/graph.php?time=10&category=3&titel=12

„Gottes Werk und Googles Beitrag“

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Zeitungskrise1 Kommentar »

Die fundamentale Krise der Verlage ist ja in den letzten Zeit heftig diskutiert worden. Die Verleger pochen auf das „Leistungsschutzrecht“, welches im Koalitionsvertrag eingebunden ist, Bernd Neumann appellierte in diesem Zusammenhang anlässlich des 60. Gründungsjubiläums des DJV an den Berufsethos der  „(…) Objektivität, Unbestechlichkeit, Seriosität und Gründlichkeit der Recherche, die Achtung der Menschenwürde, aber auch die Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen(…)“

Unter der Headline „Gottes Werk und Googles Beitrag“ diskutieren morgen (20.01) Dr. Eva-Maria Schnurr (Freie Journalistin, Hamburg), Dr. Till Jaeger (Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Berlin), Christoph Keese (Head of Public Affairs, Axel Springer AG, Berlin), Malte Spitz (Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen, Berlin) im Saal der Heinrich-Böll Stiftung in Berlin über mögliche Lösungen aus der Krise. Das Gespräch wird live ab 19.00 Uhr im Internet auf www.boell.de und www.carta.info übertragen.

Ich finde die gewählte Überschrift in diesem Zusammenhang sehr interessant. Google als Synonym für den Teufel zu verwenden (wir erinnern uns an John Irvings oskarprämierten Film: „Gottes Werk und Teufels Beitrag“) kann man als verbale Ohrfeige deuten. Eine symbolische Dichotomie von Gut gegen Böse. Gutenberg, der einst mühsam die erste Bibel druckte gegen das Unternehmen Google, welches mittlerweile den Markt mit 85% beherrscht. Die Grundstimmung des Gesprächs ist somit -auch anhand der ausgewählten Gesprächspartner aus der Medienbranche- erahnbar und könnte sich äußerst provokant gestalten. Wie konstruktiv es wird, bleibt abzuwarten.

http://www.boell.de/calendar/VA-viewevt-de.aspx?evtid=7420

http://www.bundesregierung.de/nn_774/Content/DE/Rede/2009/11/2009-11-08-neumann-djv.html

?Von Afrika lernen?

geschrieben von in Allgemeines1 Kommentar »

Eine ungewöhnliche ?Zeit?.

Wer das Feuilleton der letzte Ausgabe (Nr. 53) der Wochenzeitung ?Die Zeit? aufblätterte, dem begegnete ein ungewöhnliches Zusammenspiel aus Text, Bildern, und ?handgeschriebenen? Kommentaren, welches ganz unter dem Zeichen stand: ?Weihnachten in Burkina Faso?. Federführend für dieses Special war der 49-jährige Opern-, Theater-, und Filmregisseur Christoph Schlingensief (?Freakstars 3000?), dessen Intention es ist, mit den Klischees eines bemitleidenswerten Afrikas aufzuräumen und die Aufmerksamkeit auf den kulturellen Wert dieses Kontinents zu lenken. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Gerade mal drei Tage hatten er und das Team Zeit, die 12 Seiten mit Informationen, Geschichten und Texten (u.a. vom Bundespräsidenten Horst Köhler und dem Schriftsteller Henning Mankell) über ein anderes Afrika zu bestücken. Ein extrovertierter, selbstbewusster Kontinent mit einer tief verwurzelten Kultur.

Die Fotos des Feuilletons stammen, bis auf das Bild des Präsidenten auf dem Titelblatt, von einheimischen Kindern; aufgenommen mit einer einfachen Einwegkamera, die hier eine Plattform bekommen, ihren ganz persönlichen Augen-Blick der Öffentlichkeit zu präsentieren. Versehen mit Kommentaren von Schlingensief selbst.

Der Hintergrund hierfür liegt in dem von ihm initiierten Projekt: ?Eine Operndorf für Burkina Faso?. Mit dem Staatspräsidenten Burkina Fasos, dem Goethe-Institut und der Bundeskulturstiftung als Unterstützung im Rücken, will Christof Schlingensief ab Januar 2010 neben einem Opernhaus, auch eine Schule, in der 500 Kinder Platz finden, ein Theater, ein Gästehaus, Werkstätten, eine Krankenstation, Brunnen und Solaranlagen in dem westafrikanischen Staat aufbauen.

Kurz nach seiner Krebsdiagnose 2008 fasste der Aktionskünstler den Entschluss, das Projekt in die Realität umzusetzen. Nicht, so wie er sagt, aus dem ?Ich bin so toll?- Gefühl heraus, sondern für ?den Moment des Infekts?. ?Ich werde die afrikanische Stadt nicht missbrauchen, um mein eigenes Ding dort zu machen?, sagte Schlingensief dazu. ?Wir verpflanzen keine Kultur, sondern zeigen, welche kreativen Kräfte dort zuhause sind, von denen wir noch viel profitieren und auch lernen können?.

http://www.schlingensief.com

http://www.goethe.de/uun/bdu/de5438662.htm

Die Zeit (Nr. 53)

http://www.festspielhaus-afrika.com/weblog/?page_id=2

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