Hollywoods neue Freiheit

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Super Mario Bros. Mortal Kombat. Tomb Raider. Diese Titel lassen Gamer mit der Zunge schnalzen, alle drei sind unbestrittene Meilensteine des Mediums Videospiel. Die selben Titel dürften bei Cineasten jedoch blankes Entsetzen auslösen, denn neben ihrem Klassikerstatus als Games ist diesen drei außerdem gemein, dass sie als Vorlage für äußerst fragwürdige Spielfilme herhalten mussten.

Das Verhältnis zwischen den Medien Film und Videospiel darf mittlerweile durchaus als belastet angesehen werden. Peinlichkeiten wie die oben genannten sind im Genre der Videospielverfilmungen eher die Regel als die Ausnahme. Umgekehrt bekommt auch jeder erfolgreiche Film ein passendes Game spendiert und auch hier handelt es sich mehrheitlich um Wegwerfware. Die scheinbar allgegenwärtige Medienkonvergenz beißt sich an diesen beiden Medien wiederholt die Zähne aus.

Woran liegt das? Warum lässt sich aus einem guten Game kein guter Film machen und umgekehrt? Der YouTuber und selbst ernannte „Game Theorist“ Matthew Patrick (a.k.a. MatPat) hat sich in einem Video dieser Frage gewidmet und kam zu dem Schluss, dass die Verantwortlichen auf beiden Seiten konsequent ignorieren, dass Merkmale, die ein gutes Game ausmachen (Handhabung, Grafik, Narrativ, Erkundungsfreiheit etc.) noch lange keinen guten Film schaffen. Super Mario Bros. mag als Game ein absoluter Klassiker sein, aber es verfügt schlicht über keine brauchbare Story. Auf der anderen Seite hatten Games zu Filmen (abgesehen von der Lieblosigkeit ihrer Produktion) bisher immer mit den Limitierungen des Mediums, insbesondere in optischer Hinsicht zu kämpfen. Filme leben neben ihrem Narrativ auch von ihrem Schauspiel, von Mimik und Gestik, Kameraeinstellungen und Belichtungen.

Nun war dem Moore’schen Gesetz zufolge absehbar, dass zumindest die letztgenannte Hürde irgendwann fallen würde, irgendwann würde es möglich sein, über ein animiertes Gesicht die selben Emotionen auszudrücken, wie über ein abgefilmtes. Das Spiel, welches diese neue Ära einläutete war nach Meinung vieler Gamer das 2013 veröffentlichte „The Last of Us“. Ursprünglich veröffentlicht als Schwanengesang für Sonys Playstation 3, als furioser Schlussakkord der damaligen Konsolengeneration, zeigte es der Welt was mittlerweile möglich ist und was vielleicht in Zukunft noch möglich sein wird. Das Game wurde von Fachpresse, wie auch Zielgruppe frenetisch gefeiert, als –  entgegen seines Namens – erstes seiner Art, als erste gelungene Melange aus Game und Film, ein Meisterwerk, ein Meilenstein. Obwohl es keine Film- oder sonstige Vorlage hatte, schien erstmals der Begriff „cineastisch“ im Zusammenhang mit einem Game angebracht. „The Last of Us“ verband erstmals wirklich ausgereifte Charaktere mit einer packenden und emotionalen Story und einem visuell überwältigenden Setting einer postapokalyptischen Welt. Entwickler Naughty Dog genügte es nicht, spannende Kämpfe gegen Zombies und Paramilitärs zu liefern, das „drumherum“ musste stimmen und es stimmte. Wer sich davon einen Eindruck machen möchte, dem seien die zahllosen Lets-Play-Videos auf Youtube empfohlen. Trotzdem wäre es falsch davon auszugehen, dass die erfolgreiche Einbindung von cineastischen Elementen automatisch ein gutes Game hervorbringt. Die Essenz jedes Spiels (nicht nur von Videospielen) ist es, den Spieler vor Entscheidungen zu stellen, die den Spielverlauf beeinflussen. Entscheidungsfreiheit ist der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Spiels, nimmt man sie dem Spieler, so verliert das Spiel seinen Sinn. Überfrachtet man ein Game mit Filmeinlagen und vernachlässigt diesen Aspekt, ist es kein gutes Game. Aus diesem Grund werden Games-Verfilmungen nie an ihre Vorlagen heranreichen, denn die wenigsten Games verfügen über die dramaturgischen Komponenten einen Wegfall der Entscheidungsfreiheit zu kompensieren.

Schon jetzt ist die Games-Branche eine wesentlich umsatzstärkere Industrie als das Kino. Hollywood-Größen wie Kevin Spacey spielen Rollen in Games, als seien es schon Filme, die Resultate sind schon rein optisch verblüffend. Während die Technik mit Riesenschritten fortschreitet, scheint es weiterhin ausgeschlossen, dass Film dem Medium Videospiel noch einen Schub geben können, während es jedoch durchaus möglich ist, dass die Zukunft Hollywoods auf der Playstation spielt.

Kevin Spacey in Call of Duty – Advanced Warfare (2014)

125,3 Elektronenvolt, aber was hat das mit Gott zu tun?

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Der 4. Juli 2012 versetzte die Welt der modernen Physik in einen Aufruhr, der weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaushallte. Am CERN, dem Europäischen Institut für Kernforschung in der Schweiz wurde ein neues Elementarteilchen mit der Masse 125,3 Elektronenvolt (ca. 10^-25 kg) entdeckt. Diese Meldung dürfte für Nicht-Physiker zunächst mal recht unspäktakulär sein, schließlich wird doch ständig irgendwo irgendwas entdeckt. Allerdings stellte sich bald heraus, dass es sich bei dem gefundenen Teilchen höchst wahrscheinlich um das berühmte Higgs-Boson handelte. Dieses Higgs-Boson, benannt nach seinem Quasi-Entdecker Peter Higgs zeichnete sich bislang vor allem dadurch aus, dass es noch nicht gefunden wurde. Seine Existenz war theoretisch nachgewiesen, einzig der tatsächliche physische Beweis fehlte als letzter Baustein zur Verifizierung der derzeit als gültig betrachteten physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Gut 40 Jahre lang mühten sich Physiker in aller Welt nun das Higgs-Boson nachzuweisen, was lange Zeit als nicht gerade aussichtsreiches Unterfangen galt. 1993 wollte nun der Physiker Leon Ledermann ein Buch über das Higgs-Boson veröffentlichen, unter dem schönen Titel „The Goddamn Particle“, was sich auf die frustrierenden Versuche beziehen sollte, das Higgs-Boson aufzuspüren. Leider war dieser Titel dem Verlag ein bisschen zu offensiv, weshalb man „damn“ kurzerhand aus dem Titel strich. Übrig blieb „The God Particle“ und dies ist für eine Entdeckung wie die Gestrige ein Schlagwort wie es sich die Vertreter der publizistischen Medien nicht schöner hätten ausdenken könnten.

Darum wimmelte es gestern in sämtlichen Zeitungen, Onlineblogs, Nachrichtensendungen usw. vom „Gottesteilchen“. An vorderster Front (im deutschsprachigen Raum) wie üblich die Bild, die mit „Gottesteilchen“ um sich feuert als hätte sie einen Werbevertrag für diesen Modeausdruck, doch auch Blätter wie der Spiegel, die FAZ, der Stern, die Welt und viele andere geizten nicht mit dem Gottesvergleich. Dies mag auf den ersten Blick verständlich sein, denn wahrscheinlich kann der Durchschnittsleser alleine mit dem Titel „Higgs-Boson“, geschweige denn mit den genannten Massezahlen nicht gerade viel anfangen. Um eine wichtige Nachricht zu verbreiten braucht man eben einen zumindest wichtig-klingenden Titel, und da kommt „The God Particle“ gerade recht. Entschließt sich der geneigte Leser dann jedoch einen näheren Blick auf die jeweiligen Artikel zu werfen, bleibt der Gottesbezug meist auf der Strecke. Die Erklärungsversuche für diese Titulierung beschränken sich entweder auf „weil das Teilchen so wichtig ist“ oder auf die noch spartanischere Variante „weil es eben so genannt wird“. Bloß von wem? Von den Physikern in CERN? Tatsächlich sind es nur die Medien selbst, die diese Bezeichnung benutzen und etabliert haben. Ob man sich daran nicht erinnern kann oder es lieber garnicht will sei einfach mal dahingestellt. Was bleibt ist eine bewusste Irreführung der Leser zugunsten der Prägnanz, denn mit Gott hat das Higgs-Boson herzlich wenig zu tun.

 

Bild.de:“ Gottesteilchen entdeckt!“ http://www.bild.de/news/ausland/cern/gottesteilchen-entdeckt-25001752.bild.html (Abruf am 05.07.2012)

Freistetter, Florian: „Liebe Medien: Das Higgs-Boson ist kein „Gottesteilchen“!“ http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/07/liebe-medien-das-higgs-boson-ist-kein-gottesteilchen.php (Abruf am 05.07.2012)

Spiegel Online: „Physiker feiern Durchbruch bei der Gottesteilchen-Suche“ http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/higgs-boson-cern-gibt-entdeckung-von-teilchen-am-lhc-bekannt-a-842478.html (Abruf am 05.07.2012)

Sueddeutsche.de: “ „Danke, Natur“ “ http://www.sueddeutsche.de/wissen/higgs-teilchen-entdeckt-danke-natur-1.1401966 (Abruf am 05.07.2012)

Faz.net: „Gottes-Teilchen: Higgs-Boson entdeckt?“http://www.faz.net/aktuell/wissen/physik-chemie/gottes-teilchen-higgs-boson-entdeckt-11807864.html (Abruf am 05.07.2012)

Stern.de: „Jubel bei der „Gottesteilchen“-Suche“ http://www.stern.de/wissen/kosmos/hinweis-auf-higgs-boson-jubel-bei-der-gottesteilchen-suche-1851063.html (Abruf am 05.07.2012)

Die Fußballkommentatoren-Demokratie

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Dieser Tage grassiert in Europa wieder mal das Fußballfieber. Was gibt es auch schöneres als sich mit Freunden zu treffen, Bier auf, Grill an und Los: Länderspiel! Doch da sind sie wieder, die Geißel der Nation, der Ballast der Republik. Sie tragen Namen wie Béla Réthy, Fritz von Thurn und Taxis oder Marcel Reif. Ihre Profession ist das Fußballkommentieren, ihre Waffe der Phrasenbaukasten und die „Statistik“-Doppelseite die jeden Donnerstag im Kicker erscheint. Klingt nicht gerade nach einem schweren Job, oder? Könnten wir alle das nicht mindestens genauso gut?

So oder so ähnlich müsste der Gedankengang zweier Berliner Fußballfans verlaufen sein, die den gefühlten 80 Millionen professionellen Fußballkommentatoren der Republik nun die Chance bieten sich zu beweisen. Auf ihrer Website mit dem geschmackvollen Namen „marcel-ist-reif.de“ kann jeder, der sich dazu berufen fühlt und im Besitz eines Headsets ist, vom heimischen Computer aus die Spiele der Europameisterschaft live kommentieren. Sein Stream kann dann auf Marcel-ist-reif.de aufgerufen werden und live in der ganzen Welt als Alternative zum echten Marcel Reif und co. benutzt werden. Ob die Welt tatsächlich auf dieses Konzept gewartet hat, sei mal dahingestellt, witzig ist es allerdings allemal.

Lediglich an der Technik haperts bei der „Fußballkommentatoren-Demokratie“ (sic!) dank des neuen digitalen Fernsehsystems noch. Denn „live“ ist nicht mehr gleich live, je nach Standort und Anbieter kann es zu Übertragungsdifferenzen von bis zu zehn Sekunden kommen. Das klingt zwar nicht wirklich nach viel, kann aber bei einem Simultankommentar recht nervige Blüten tragen. Vielleicht ist es für die heimische EM-Party doch noch entspannter einfach sein Bierchen zu trinken und Béla Réthy (Marcel Reif kommentiert die EM nämlich garnicht selbst) einen guten Mann sein zu lassen. Denn auch Berufskommentatoren sind nur Menschen und ganz ehrlich: Ohne das „Übrigens hat Holland die letzten 174 Pflichspiele nicht mehr gegen Deutschland gewonnen.“ würde auch irgendwie was fehlen, oder?

 

Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/digital/amateurreporter-kommentieren-em-spiele-im-netz-bald-ist-marcel-reif-fuer-die-rente-1.1379842

Von Schwertern, Sandalen und Netzpiraten

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Glückwunsch „Game of Thrones“!

Die Adaption der Romanreihe „A Song Of Ice And Fire“ von George R. R. Martin ist derzeit im Begriff die am häufigsten gedownloadete Fernsehserie der Geschichte zu werden. Ein bittersüßer Triumph für den produzierenden Pay-TV-Sender HBO, denn von den kolpottierten 25 Millionen Downloads der gerade laufenden zweiten Staffel, fand kein einziger auf legale Weise den Weg auf die heimischen Rechner.  Wie auch, es gibt für die High-Budget-Serie schlicht kein Angebot seitens HBO, weder via  iTunes noch auf Amazon oder anderen legalen Download-Seiten. Wer „Game of Thrones“ will, muss also für saftige 50$ pro Monat das komplette HBO-Programm abonnieren. Kein Wunder also, dass eine derartige Vermarktungsstrategie die Fantasyfreunde in Richtung bestenfalls halblegaler Filehoster und Streamingportale treibt (HIER trefflich karrikiert).

HBO kanns gelassen sehn, erreicht „Game of Thrones“ doch trotz allem regelmäßig Traumquoten (für Pay-TV-Verhältnisse) und ist den illegalen Downloads auch ein gewisser Werbeeffekt nicht abzusprechen – immerhin hat der Sender auch noch andere qualitativ hochwertige Produktionen im Angebot – allerdings wird hier angesichts solcher Zahlen auch gewaltiges Potential verschenkt.

Wie geschickte Vermarktung im TV-Serienbereich aussehen kann, zeigt zur Zeit das deutsche Streamingportal Myvideo, eine Tochterfirma der ProSiebenSat.1 Media AG. Bereits vergangenes Jahr bot Myvideo die erste Staffel der US-Serie „Sons of Anarchy“ werbefinanziert als Browserstream an, nun legt das Portal mit dem Sandalen-Epos „Spartacus – Blood and Sand“ nach. Dabei kann der User sogar zwischen dem englischen Originalton und der deutschen Synchronisation wählen und das alles vollkommen legal. Die User danken es mit mehreren Hunderttausend Klicks pro Folge, ein beachtliches Ergebnis auf dem vergleichsweise kleinen deutschsprachigen Markt.

Ein derartiges Modell wird für „Game of Thrones“ zwar wohl nicht in Frage kommen, läuft es doch der Grundidee eines Pay-TV-Senders zumindest teilweise zuwieder, doch das Beispiel Myvideo zeigt dass auch die vielbeschworene heutige „Netzgemeinde“ noch legale Angeboten dankend entgegennimmt – wenn man sie denn lässt.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/game-of-thrones-got-stellt-wohl-download-rekord-auf-a-833014.html (Abgerufen am 15.05.2012)

http://www.golem.de/news/us-serie-kostenlos-myvideo-bringt-spartacus-blood-and-sand-ins-internet-1203-90691.html (Abgerufen am 15.05.2012)

Filmrezension: The Avengers – Nur noch kurz die Welt retten…

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„The Avengers“ ist einer dieser Filme, bei dem ich garnicht erst versuchen brauchte unvoreingenommen ins Kino zu gehen. Zu lange hat man mittlerweile darauf gewartet, sich gefreut und natürlich eine himmelhohe Erwartungshaltung angestaut, was per se ja etwas nicht allzu Gutes ist, birgt es doch die Gefahr einer unsanften Bruchlandung auf dem Boden der Hollywood-Realität.
Doch nun ist er endlich da, DIE bis dato potentiell ultimative Comicverfilmung und es fällt mir nach der gestrigen Sichtung dieses Superdupermega-Blockbuster schwer diesen nun zu rekapitulieren ohne die momentan überstrapazierteste Phrase des deutschsprachigen Internets (aus der Feder der Deichkinder) dazu noch einmal heranzuziehen. Deshalb hier die etwas längere Version:

Das Grundkonzept sollte ja mittlerweile bekannt sein: Vier Superhelden, die von Marvel in den letzten Jahren bereits jeweils einen (bzw. zwei für Iron Man) eigenen Film spendiert bekamen, formen zusammen mit zwei… na ja… überaus talentierten Superagenten ein Team um – Überraschung – die Welt vor der Vernichtung zu bewahren, welche hier durch einen narzisstischen Gottespross und seine ausgeliehene Armee, bestehend aus einigen Whateveraliens und einer handvoll fliegender Transformerwale repräsentiert wird.
Das hat natürlich den Anspruch eher Auge (und Fanherz) als Hirn zu schmeicheln und deshalb kommen die Avengers auch standesgemäß in 3D daher – was im Gegensatz zu manch anderem Superdupermega-Blockbuster der letzten Jahre (Pirates 4) nicht in einem Debakel endet. Ganz im Gegenteil.

 

-SPOILER-
Die Story setzt dort ein wo „Captain America“ endete, nämlich kurz nach dessen Erweckung aus der selbstverschuldeten Kältestarre. Dabei wird auch der Handlungsstrang um den Allspark äh Tesserakt wieder aufgegriffen, was zumindest mir einige Problemchen bereitete, denn gerade diesen Film des „Marvel Cinematic Universe“ hatte ich – als gefühlt Schwächsten der Reihe – nicht mehr so wirklich präsent.
Jedenfalls erscheint durch die Kraft dieses Tesserakt Thors Stiefbruder und Nemesis Loki (Tom Hiddleston) erneut auf der Erde (bzw. mitten im HQ von S.H.I.E.L.D), macht zunächst mal ziemlich viel kaputt und nimmt bei seiner Flucht das Super-Artefakt sowie den gehirngewaschenen Meisterschützen Hawkeye (Jeremy Renner) gleich mit, weshalb sich der einäugige Director Fury (Samuel L. Jackson) mit Hilfe seiner Superagenten-Kollegin Black Widow (Scarlett Johansson) gezwungen sieht „ein Team aus besonderen Leuten“ zusammenzustellen um den Zauberwürfel zurückzuholen, weil ja sonst die Erde vernichtet wird usw.
Nach und nach werden also Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.), Steve Rogers/Cpt. America (Chris Evans) und Dr. Bruce Banner/Hulk (Marc Ruffalo) zur Party eingeladen und schließlich bequemt sich sogar Thor (Chris Hemsworth) noch einmal aus Asgard herab, um den egozentrischen Halbbruder zur Räson zu rufen.
Da jeder dieser Allstars bislang als Einzelkämpfer für das Gute stritt, fällt es der Gruppe trotz ultraepischem Flugzeugträger-Flugzeug als HQ nicht gerade leicht zueinander zu finden, was in einigen wirklich witzigen (solange Tony Stark involviert is) Wortgefechten und schließlich dem unvermeidlichen Crash des ultraepischen Flugzeugträger-Flugzeugs unter freundlicher Beihilfe des grünen Wutklotzes mündet.
Dank dieser erfolgreichen Teambuilding-Maßname stimmt ab jetzt glücklicherweise die Chemie in der Mannschaft, gerade rechtzeitig für eine Endscheidungsschlacht bei der Optimus Prime rostig vor Neid werden würde. Also: Dimensionsportal auf, Alienarmee her, Fight! Und was hier optisch geboten wird, sucht bisher in Hollywood seinesgleichen. Aliens gegen Menschen, Avengers gegen Aliens, Thor gegen Loki, Hulk gegen alle. Nur die fiktive amerikanische Regierung erweist sich mal wieder als Spielverderber und geht das Problemchen mit dem Dimensionsloch über Manhattan auf die New-Kids-Art an: Atombombe drauf. Klappt natürlich nicht so richtig nach Plan, beschert uns aber einen tollen Independence-Day-Gedächtnismoment, bevor der Showdown endet und in den Epilog übergeht.
Meine Herren, was war das denn?
-SPOILER ENDE-

Mission erfolgreich, Erwartungen erfüllt. „The Avengers“ ist tatsächlich der Film, auf den alle gehofft haben und noch mehr. Denn der Superhelden-Clash ist nicht nur eine Materialschlacht sondergleichen, sondern auch über weite Strecken wirklich witzig (was v.a. auf Downey Jrs. Konto geht) und zuweilen sogar ein bisschen melancholisch.
Josh Wendon hat das Kunststück geschafft alle Superhelden unter einen Hut zu bringen, das beste aus ihren Solo-Auftritten zu destillieren und zu einer explosiven Mischung zu formen.
Dabei kommt kein Team-Mitglied zu kurz, die nur auf dem Papier langen 142 Minuten werden genutzt um jedem Avenger genug Screentime einzuräumen, um sich selbst in den Gesamtplot einzufügen und das beträchtliche versammelte Schauspielpotential auszuspielen. Dabei überzeugen insbesondere Downey Jr. (erneut) und Marc Ruffalo, der seinen Hulk-Vorgänger Edward Norton – bekanntermaßen ja ebenfalls ein exzellenter Schauspieler – überdeutlich auf die Plätze verweist. Scarlett Johansson agiert gewohnt gut, doch hätte ich mir eine nähere Beleuchtung ihrer Figut Black Widow gewünscht, da dieser ja bisher nur einen Kurzauftritt in Iron Man 2 zugestanden wurde. Die andere Dame am Set, Cobie Smulders als Agent Hill, ist hier (ebenso wie die unzähligen „Is das nicht Robin aus HIMYM?“-Murmler im Kinosaal) schlicht überflüssig. Samuel L. Jackson gewinnt in seiner Rolle als Nick Fury nicht gerade viele neue Sympathiepunkte, aber das muss der Mann seit Pulp Fiction auch nicht mehr.
Lediglich bei Tom Hiddleston als Loki bin ich mir ein bisschen uneinig. Zwar hat der Mann zu ein wirklich herrlich-diabolisches Grinsen drauf und agiert auch sonst in seiner Rolle wirklich hervorragend. Loki hat als Thors Gegenspieler wunderbar funktioniert, aber als Hauptgegner der ganzen Gruppe ist er (selbst mit seiner merkwürdigen Alienarmee) schlicht nicht mächtig genug, es geht keine wirkliche physische Bedrohung von ihm aus, nachdem ihm erstmal sein Psycho-Szepter fehlt, was in seinem finalen „Kampf“ mit dem Hulk so eindrucksvoll wie unrühmlich illustriert wird. Trotzdem oder gerade deshalb einer der witzigsten Momente des ganzen Films.
Ach ja, Jeremy Renner als Hawkeye war auch irgendwie dabei.

Ein Wort noch zur Technik: Dies war der zweite Film nach „Avatar“, bei dem ich nicht das Gefühl hatte, unnötig für 3D bezahlt zu haben. Die Effekte sind wirklich beispiellos, nie wurde jemand ästhetischer vom Hulk verprügelt und nie gab es außerhalb eines Fußballstadions eine hübschere Zeitlupe als den hammerschwingenden Thor. Me gusta.

Zu guter Letzt bleibt zu sagen: Guter Film, gute Schauspieler, witzig, spritzig, mit viel Action und Bummbumm, drei Dimensionen, Menschen, Tiere, Emotionen, leider g…

Der etwas andere Jason Statham

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[Wer sich durch den Titel hat in die Irre führen lassen, dem sei gesagt, dass dies eine reine Filmreview des Films Drive (2011) ist. „Drive: Filmreview“ ist aber leider einfach kein schöner Titel für einen Blogpost.]

 

 

Es kommt dieser Tage nicht gerade oft vor, dass aktuelle Kinofilme derart beeindrucken können, dass ein Review dazu wirklich den Aufwand rechtfertigen würde. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel und das Privileg dieser Ausnahme gebührt dem gerade angelaufenen Drive wie kaum einem Film der letzten paar Jahre.

Nach Sichtung von Titel, Filmposter und Trailer habe zumindest ich eher einen weiteren Transporter-Abklatsch erwartet, weswegen mich eine durchschnittliche Bewertung von 8/10 auf der Seite der Internet Movie Database schon ein wenig stutzig machte und letztlich den Ausschlag gab die 5,50 €-Investition (es lebe der Studentenrabatt!) ins heimische Lichtspielhaus zu riskieren.

Die Story ist relativ schnell erzählt und auch nicht gerade der Glanzpunkt dieses Streifens. Drive definiert sich viel mehr über das „WIE?“ denn über das „WAS?“, trotzdem sei der Plot hier kurz umrissen:

Der namenlose Driver (Ryan Gosling) arbeitet tagsüber in der Autowerkstatt seines väterlichen Freundes Shannon (Bryan Cranston) und nebenbei als Hollywood-Stuntman. Nachts bietet er sein überragendes Talent hinterm Steuer als Fluchtwagenfahrer mit Prinzipien  in Los Angeles Unterwelt an. Jason Statham lasst grüßen. Bis hierhin zumindest. Eines Tages lernt der Driver die alleinerziehende Irene (Carey Mulligan) kennen, deren Mann gerade die letzten Wochen einer längeren Haftstrafe verbüßt und die überraschenderweise die direkte Nachbarin des Drivers ist. Es entwickelt sich eine zarte Love-Story, (so viel Zugeständnis an das bekannte Blockbuster-Schema muss wohl sein) bis Irenes Mann Standart (Oscar Isaac) aus dem Zuchthaus entlassen wird. Und der bringt – wiederum nicht gerade unerwartet – einen ganzen Haufen Ärger in Gestalt einiger recht übellauniger und ihm nicht wirklich wohlgesinnter Gestalten mit sich.

Wo jeder andere sich zumindest heimlich freuen würde, dass dem Rivalen die Schlinge quasi schon um den Hals liegt, entscheidet der Driver sich jedoch Irene zuliebe, sein fahrerisches Talent für die Rehabilitierung von Standart einzusetzen. Die Sache geht schief und der Driver, Irene, Standart und sogar Shannon geraten in wirklich ernsthafte Probleme. Mehr sei dazu nicht hier nicht verraten, der Rest ist ohnehin einigermaßen vorhersehbar. Der Anspruch des Drehbuch ist es ohnehin nicht irgendein kompliziertes Konstrukt à la Fight Club zu erschaffen, die Prioritäten liegen schlicht woanders.

Es ist die Eindringlichkeit und Atmosphäre mit der Regisseur Nicolas Refn (der schon in Walhalla Rising bewies, dass er kein Mann der vielen Worte ist) und sein Star Ryan Gosling hier etwas Besonderes erschaffen. Gosling gelingt es beinahe die legendären 58 Worte, die Arnold Schwarzenegger in Terminator I sprach, zu unterbieten. In manchen Szenen verweilt die Kamera für gefühlte Stunden einfach auf seinem Gesicht, oder fängt einen tiefen Blickwechsel mit Carey Mulligan ein. Den Rest erledigt der geniale (!) Soundtrack. Drive braucht einfach keine Worte. Wird in manchem Action-Blockbuster  – und HIER liegt der Unterschied zu The Transporter, The Fast and The Furious und Konsorten (wenngleich die beiden genannten auf ihre Art ebenfalls gute Filme sind und definitiv ihre Daseinsberechtigung haben) – die Abwesenheit von Dialogen v.a. als Freifahrtschein gesehen, noch ein paar Autos mehr zu zerschroten, erhebt Refn dieses Stilmittel, gemeinsam mit Goslings genialer Mimik zum Kunstobjekt, durch welches tiefe Melancholie und nervenzerfetzende Spannung gleichermaßen erzeugt werden.

—SPOILER—

Wem nach dem finalen Showdown – wenn die Kamera langsam am Bein des Drivers hochgleitet um dann minutenlang auf dessen Gesicht zu verweilen, während unklar bleibt ob dieser nun überlebt hat oder nicht – nicht der Puls bei 240 schlägt, der ist vermutlich bereits hirntot.

—SPOILER ENDE—

Obwohl Drive zu einem großen Teil von Goslings Spiel lebt – von der Ambivalenz des beinahe zerbrechlich wirkenden Namenlosen der in Sekundenbruchteilen zum wahnsinnigen Berserker wird – tragen auch Carey Mulligan und die Gangster-Mimen Albert Brooks und „Hellboy“ Ron Perlman, sowie eigentlich der gesamte Rests des Casts zum Gesamtkunstwerk bei. Sie alle spielen echte Charaktere, im klassischen Wortsinne, Menschen mit Tiefe, mit Hintergründen und Abgründen, was heute leider nicht mehr allzu oft den Weg auf die große Leinwand findet. Außerdem sei an dieser Stelle noch einmal der wirklich genial passende Soundtrack erwähnt, der wirklich jede Szene, jede Gesichtsregung und jeden Blick punktgenau untermalt und unglaublich aufwertet.

Das FSK18-Rating trägt Drive übrigens absolut zu Recht, auch wenn man es nach meinem bisherigen Geschreibsel vielleicht nicht unbedingt erwarten würde. Die Splatterszenen sind wirklich nichts für schwache Nerven (Stichwort „Pumpgun“), sodass die heftigen Gewaltausbrüche eher eine er- und abschreckende Wirkung haben, zumal sie im absoluten Kontrast zum restlichen Erzähltempo stehen.

Fazit: Drive ist weder ein Film der vielen Worte, noch der ausartenden (Auto-)Aktion, wobei zumindest letzteres von mir so nicht erwartet wurde. Er ist quasi das Gegenteil des In Time, bei dem eine gute Grundidee zu einem eher mittelmäßigen 08/15-Actioner verwurstet wurde. Drive ist sicher nicht der heilige Gral der Storykomplexität, aber er spielt seine Stärken gnadenlos aus. Er gleicht einem System Of A Down-Song, manchmal sanft, langsam und fragil, plötzlich so brutal und eruptiv, dass man glauben mag plötzlich in einem völlig anderen Film zu sitzen, nur um dieses Tempo im nächsten Augenblick wieder völlig rauszunehmen. Das ist spannend, das ist innovativ, das ist Kunst.

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Quellen:

Website des Films in der Internet Movie Database: http://www.imdb.com/title/tt0780504/ (Abruf am 01.02.2012)

Website des Films auf Moviepilot.de: http://www.moviepilot.de/movies/drive-3 (Abruf am 01.02.2012)

The Big Blackout

geschrieben von in Allgemeines, Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Zukunft des Internet2 Kommentare »

Die Erde ist rund und außerdem ein Puzzel.

Ein unvollständiges zwar, welches mit teilweise kryptischen Zeichen beschriftet ist und dem aus irgendeinem Grund ein paar Teile fehlen, aber nichtsdestotrotz wurde dieses Puzzel binnen weniger Jahre zum bildlichen Symbol des gesammelten menschlichen Wissensvorrats – oder zumindest des gängigsten Teils davon – der Wikipedia.

Gab es ein Leben vor Wikipedia? Woher wusste man früher – vor etwa zehn Jahren – was eine Lumensekunde ist, wann und warum Fronleichnahm gefeiert wird oder warum die Automarke Mercedes eigentlich so heißt wie sie nunmal heißt? Zeitzeugen zufolge soll es möglich – wenn auch nach heutigem Verständnis unerhört mühsam  – gewesen sein, sich derartiges Wissensallerlei durch Fachliteratur, Zielgruppenzeitschriften oder fleißiges Quizshow-Schauen anzueignen, aber alleine die Tatsache dass zumindest ich darüber heute nurnoch Mutmaßungen anstellen kann wie diese Offline-Wissenschbeschaffung funktioniert haben könnte, zeigt auf erschreckend einfache Weise wie nachhaltig sich die kleine gepuzzelte Erdkugel in den Köpfen der Menschen (oder zumindest der Jugend) etabliert hat. Wikipedia macht die Welt erklärbar und darum ist Wikipedia wichtig.

Jimmy Wales weiß dass Wikipedia wichtig ist, wahrscheinlich besser als jeder andere. Dieser Mann, der den meisten Menschen hierzulande allenfalls als melancholisch dreinblickender Spendensammler mit Dackelblick ein Begriff sein dürfte, ist in der privilegierten Postition Gründer und somit oberster Chef von Wikipedia zu sein. Als solcher liegt es in seinem Ermessen (nach Absprache mit ca. 1800 Usern und Wiki-Autoren) eine Entscheidung zu treffen, deren volle Auswirkungen ab heute, dem 18.01., zumindest die englischsprachige Welt nachhaltig erschüttern könnten.

Die Wikipedia wird abgeschaltet.

Wenn auch nur für einen Tag. 24 Stunden lang bleibt zumindest der englischsprachige Wissensquell versiegt. Dieser kontrollierte Blackout, der auch von anderen vielbesuchten User-basierten Seiten wie mozilla.com oder den Komiker-Katzen von icanhascheezburger.com mitgetragen wird, ist ein Ausdruck des Protests gegen zwei Gesetzesentwürfe, die gerade im US-amerikanischen Kongress bzw. dem Senat vorgetragen wurden: Der Stop Online Piracy Act (SOPA) und der PROTECT IP Act (PIPA), sehen –  kurz gefasst – vor, dem amerikanischen Justizministerium Befugnisse einzuräumen Websiten zu zensieren bzw. zu beschlagnahmen die im Verdacht stehen urheberrechtlich geschützte Inhalte wiederrechtlich zu verwenden oder zu verbreiten. Desweiteren könnten andere Webseiten, z.B. Suchmaschinenanbieter wie Google, gezwungen werden, bestimmte Seiten nicht mehr zu verlinken oder zu bewerben.

Das Anliegen, gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen mag legitim erscheinen, denn wie wir alle wissen ist Raubkopiererei eine schlimme Sache, weshalb die dicken Fische der davon betroffenen Branchen – Plattenfirmen, Pharmaunternehmen, etc. – natürlich mit aller verfügbaren Lobbymacht auf die baldige Verabschiedung von SOPA und PIPA pochen. Die Problematik ergibt sich allerdings daraus, dass diese Gesetze wirklich herrliche Hintertüren bieten, die es dem Gesetzgeber ermöglichen würden über kurz oder lang jeder aus irgendeinem Grund unerwünschten Website, das Leben erheblich schwerer zu machen. Um das Kind und gleichzeitige Schreckgespenst von Jimmy Wales und eines jeden Piraten-Wählers beim Namen zu nennen: ZENSUR.

Besonders betroffen wären dadurch die eben bereits erwähnten User-basierten Webangebote, wie Google, Facebook, ebay oder eben Wikipedia, die zur permanenten Selbstzensur gezwungen werden könnten. Nun sind eben diese vier auch nicht gerade Leichtgewichte der Branche und formatieren sich in einem gemeinsam organisierten Protest – mit Wikipedia als Vorreiter und dem 24-Stunden-Blackout als Warnschuss vor den Bug der Copyright-Kreutzritter.

Die wirtschaftliche und mediale Macht dieser Protestbewegung könnte eine neue Form des Web-Lobbyismus erschaffen, die es in dieser Dimension vorher noch nicht gab und deren politisches Einflusspotential noch kaum abzusehen ist. Unerwartete Schützenhilfe bekommt die Protestbewegung dabei ausgerechnet aus dem Weißen Haus selbst – ein Sprecher verkündete vergangenen Samstag: „Versuche, die Online-Piraterie zu bekämpfen, dürfen nicht in einer Online-Zensur legaler Aktivitäten ausarten oder die Möglichkeiten zur Innovation […] begrenzen.“ Entsprechende Gesetzesentwürfe würden von der Regierung Obama nicht gebilligt werden.

Unter derartigem politischen und lobbyistischen Druck lassen erste Ergebnisse für gewöhnlich nicht lange auf sich warten: sowohl der republikanische Abgeordnete Lamar Smith, der den SOPA-Entwurf vorbrachte, als auch Patrick Lehay, seines Zeichens demokratischer Senator von Vermont und Schöpfer von PIPA gaben an, ihre jeweiligen Kreationen erneut zu prüfen und ggf. zu überarbeiten. Ob dabei ein Konsens gefunden werden kann oder ob die Copyright-Lobby sich der Online-Allianz beugen muss, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch kaum absehbar.

Denn zuvor gehen auf unserem kleinen Puzzle-Globus erst einmal die Lichter aus.

Startseite der englischen Wikipedia von Mittwoch, dem 18.01.2012

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Quellen:

http://wikimediafoundation.org/wiki/Press_releases/English_Wikipedia_to_go_dark (Abruf am 17.01.12)

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,809499,00.html (Abruf am 17.01.12)

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,809442,00.html (Abruf am 17.01.12)

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,809603,00.html (Abruf am 17.01.12)

http://www.stern.de/digital/online/protest-gegen-us-internetgesetz-sopa-wikipedia-sieht-schwarz-1774721.html (Abruf am 17.01.12)

http://www.whitehouse.gov/blog/2012/01/14/obama-administration-responds-we-people-petitions-sopa-and-online-piracy (Abruf am 17.01.12)

 

Bildquelle:

http://en.wikipedia.org/wiki/Main_Page (Abruf am 18.01.12)

Joseph von Nazareth endlich bei Twitter!

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Joseph von Nazareth hat es nicht leicht. Der 35-jährige gelernte Zimmermann schuftet Tag für Tag in seiner Tischlerwerkstatt im Herzen von Nazareth, um sich und seiner jungen Frau Maria eine bescheidene Existenz aufbauen zu können. Doch in letzter Zeit war Maria irgendwie merkwürdig zurückhaltend ihm gegenüber. Und gerade heute erreichte den armen Joseph auch noch die Nachricht dass Maria schwanger sei. Im neunten Monat! Und sie kann sich nicht mal erklären von wem! Während derlei Schicksalschläge andere Menschen in den Alkoholismus oder zumindest ins Nachmittagsprogramm von RTL getrieben hätten, sucht sich Joseph von Nazareth ein anderes Ventil seine schwierigen Gefühle auszudrücken: Twitter!

Ein durchaus legitimer Schritt, bedenkt man wie wenig Aufmerksamkeit dem armen Joseph in gewissen anderen Publikationen zuteil wird. Schließlich hat sich der Kurznachrichtendienst mit dem niedlichen blauen Vögelchen auch für  manch anderen Prominenten bewährt, die einfach mal ihre Meinung sagen wollen.

Wünschen wir unserem Freund Joseph von Nazareth also alles Gute für die Zukunft und hoffen wir dass der Schuft, der Josephs Angetraute verführt hat, bekommen mag was er verdient.

 

Frisst der Fußball seine Kinder?

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In Europa regiert König Fußball. Keine andere Sportart bewegt in Europa und insbesondere in Deutschland derart die Massen wie es der Fußball tut. Was früher schlicht der Sport der Arbeiterklasse war, ist heute Woche für Woche ein mediales Großereignis wie es auf dem alten Kontinent seinesgleichen sucht. Hunderte Kameras observieren jede Bewegung der Protagonisten, moderne Gladiatoren, die Popstars ihres eigenen Mikrokosmos, Vorbilder der Jugend und Zündstoff ewigwährender Stammtischdiskussionen.

Vor fast genau zwei Jahren jedoch wurde zumindest der deutschen Öffentlichkeit schlagartig bewusst, dass es sich bei diesen Halbgöttern in Stollenschuhen möglicherweise auch nur um Menschen handeln könnte. Leider musste sich dazu erst der damalige Nationaltorhüter Robert Enke das Leben nehmen, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Thematik zu lenken. Plötzlich hatten selbst die Helmuts vom Stammtisch alle schon immer gewusst was für einen unglaublichen Druck Menschen aushalten müssen, bei denen jeder noch so kleine Fehltritt auf und neben dem Platz von Millionen sensationsgeiernder Bundestrainern in der Luft zerrissen wird. Robert Enke nützte diese kollektive Erleuchtung leider nichts mehr. Viel mehr wurde selbst aus diesem medialen Schockmoment nicht viel mehr als ein vielstimmig gemurmeltes und von diversen Boulevardmedien laut herausgebrülltes „Man müsste hier…“, und  „War ja klar das sowas irgendwann passiert!“, dessen Widerhall jedoch nach wenigen Wochen wieder verstummte. Fußball ist Tagesgeschäft.

Gestern nun, Samstag, pünktlich zum Anpfiff des 13. Saisonspieltags der Fußballbundesliga, wurde erneut Salz in die eigentlich verheilt geglaubte Wunde Fußball-Deutschlands gestreut. Das Opfer diesmal war DFB-Schiedsrichter Babak Rafati, der seinen Suizidversuch allerdings glücklicherweise überlebt hat. Und wieder muss man sich fragen, was einen Menschen, von dem eigentlich erwartet wird dass er ein privilgiertes Leben führt, zu solch einem Schritt bewegt haben mag. Fliegende Bierbecher und abertausende Hasstiraden im Stadionrund? Mobbingseiten auf Facebook? Oder vielleicht die „Auszeichnung“ zum schlechtesten Schiedsrichter der Saison, die Rafati dreimal in den letzten vier Jahren entgegennehmen musste? Vielleicht hatte der Referee private Probleme, möglicherweise werden sich alle diese Fragen sogar nach Rafatis Genesung definitiv klären lassen, aber eins steht fest: Beim Fußball ist der Schiedsrichter immer der Dumme. Wo Spieler die Sportnation in Anhänger und Missgönner teilen können und sich dementsprechend bei allem Gegenwind zumindest meistens der eigenen Rückendeckung gewiss sein dürfen, fällt dem Schiedsrichter die „Fan“-Kategorie völlig unter den Tisch. Was übrig bleibt sind nach jedem Spiel abertausende aufgebrachte Besserwisser die den Referee regelmäßig als einzig Schuldigen für das Versagen des eigenen Teams ausfindig machen und die Fernsehbilder bieten diesem populistischen Verbalbeschuss im Falle einer tatsächlichen Fehlentscheidung der Schiedsrichter, noch die bestmögliche Schützenhilfe. Kameras verzeihen keine menschlichen Schwächen.

Dabei wäre es theoretisch möglich den Schiedsrichtern einen Teil dieser Last von den Schultern zu nehmen. Stichwort: Chip im Ball. Aber nein, glaubt man den meinungsstarken Fußballkonservativen der Republik und in den Reihen der FIFA, so würden unstrittige, also perfekte Entscheidungen den Sport aller Leidenschaft berauben. Fußball lebt von Fehlern, von Emotionen und Diskussionen, soweit so gut. Wenn diese Leidenschaft allerdings wieder ein Menschenleben fordert wäre es vielleicht einmal mehr an der Zeit für ein Nachdenken, wenn schon der Begriff „Umdenken“ für diesen Umstand als zu tiefgreifend empfunden werden muss. Es ist wieder an der Zeit für eine Reflexion über Leistungsdruck, Hass, Anfeindungen und „Schlechtester Schiedsrichter der Saison“-Votings. Zumindest bis zum nächsten Anpfiff.

 

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http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/560887/artikel_rafati-nach-suizidversuch-ausser-lebensgefahr.html

http://www.stern.de/sport/fussball/selbstmordversuch-von-babak-rafati-ein-schiedsrichter-unter-dauerdruck-1753259.html?1=2

http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,798846,00.html

http://www.sportschau.de/sp/fussball/news201111/19/koeln_mainz_abgesagt.jsp

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