Stellungnahme zur Kritik des Schwulen-Referates

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Stellungnahme zur Kritik des Autonomen Schwulenreferates an einem Beitrag des medienwissenschaftlichen Blogs:

Das autonome Schwulenreferat hat auf ihrer Website eine Kritik zu einem Kommentar des Studierenden Daniel Heißenstein veröffentlicht. Der betroffene Student nimmt hierzu Stellung:

Hier der Link zu meinem Beitrag:

http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/10309

Hier der Link zur Kritik:
http://www.uni-trier.de/fileadmin/studium/AStA/Referate/SWU/stellungnahme.pdf

Zuerst einmal möchte ich sagen, ich fühle mich geehrt, so viel Aufmerksamkeit vom autonomen Schwulen-Referat zu meinem Kommentar zu bekommen.

Die Herleitungen sind teilweise plakativ und falsch, was ich im folgenden darlegen werde.

1) “Diese Äußerung fiel als Reaktion auf den Aufruf des Verfassers des Blogeintrags,
dass auch nicht heterosexuelle Fußballer zu ihrer sexuellen Orientierung stehen sollten.”

Das stimmt so nicht. Der Verfasser bezeichnet es als “sehr schade, dass Homosexualität im
beliebtesten Volkssport der Deutschen ein solches Tabuthema darstellt.” Hier ist
keinerlei Aufruf des Verfassers zu finden. Der Verfasser bewertet den Anspruch der
Medien, mehr nicht.

2) Der Begriff „Männersport Nummer 1“ für Fußball ist meiner Meinung nach gerechtfertigt.
„Männersport Nummer 1“ bezieht sich hierbei auf die Tatsache, dass, numerisch gesehen,
keine andere Sportart von mehr Männern praktiziert wird. Diese Tatsache kann man nicht
bestreiten.
Ich wage auch die These aufzustellen, dass Ballett eine Frauensportart ist. Es üben zwar
auch Männer diese Sportart aus, jedoch wird diese Sportart von Frauen dominiert. Meine
Aussage zeugt daher nicht von einem falschen Geschlechterbildnis, diese Herleitung ist
nicht nachvollziehbar.

3) Ich bin tatsächlich der Meinung, dass Sexualität im Fußball nichts zu suchen hat.
Jeder kann privat tun und lassen was er will. Aber ob jemand heterosexuell oder
homosexuell ist interessiert mich, als Fußballfan, einfach nicht. Es verdient keine
mediale Aufmerksamkeit. Ich will die Spieler spielen sehen, was sie sonst machen,
interessiert mich nicht sonderlich. Mein Satz zeugt demnach nicht von einer homophoben
Einstellung, was ja bedeuten würde, dass ich eine Aversion gegen Schwule/Lesben pflege.
Sondern von meiner Meinung, dass die Thematisierung von Sexualität im Fußball gerne ein
Tabuthema bleiben darf.

4) In dieser “Parallelwelt” sei es korrekt,
“politisch nicht korrekt” zu sein

Der Satz entspricht nicht meinem Kommentar. Ich habe geschrieben, dass ich es okay finde,
wenn die Parallelwelt politisch nicht korrekt ist. Das heißt, ich toleriere politische
Unkorrektheit im Fußball. Es bedeutet hingegen nicht, dass es korrekt und somit allgemein
gültig wäre. Die Darstellung des Schwulenreferates ist an dieser Stelle falsch.

5) das dritte Problem des Schwulenreferates ist ja fast schon Satire. Dort wird aus meinem Kommentar bezüglich politischer Unkorrektheit auf Sexismus, Homophobie und fehlende Einsicht meinerseits geschlossen. Dieses „Problem“ ist in keinem der drei Punkte haltbar. Ich frage mich, wie man derartige Herleitungen finden kann. Ich bitte um eine weiterführende Erklärung des Schwulenreferates hierzu.

6) Das vierte Problem ist überspitzt formuliert. Ein “Gedankenschloss” wie das meine
nimmt einem Fußballer nicht das Recht, zu seiner Persönlichkeit zu stehen. Er kann das
gerne machen, allerdings rechtfertigt das keine mediale Aufmerksamkeit. Das vierte Problem ist somit nicht haltbar.

 

7) Die Schlussfolgerung des Autors ist eine Folge seiner verqueren Logik und den zahlreichen Fehlern in seiner Kritik. Eine Schlussfolgerung, die auf Fehler aufgebaut ist, kann als nichtig angesehen werden.

Ich nehme die Aufforderung, meine Ansichten zu überdenken, zur Kenntnis.
Die Kritik des Schwulenreferates ist voller Fehler, unlogisch und übertrieben. So kann auch ein autonomes Schwulenreferat nicht arbeiten.

Ich fühle mich durch den Beitrag beleidigt und verlange eine Entschuldigung oder zumindest eine Relativierung des Beitrages seitens des Schwulenreferates.
Ich werden meinen Kommentar nicht weiter relativeren, dazu besteht keinerlei Anlass.
Ich bedauere zutiefst, dass in einem Referat der Universität Trier so ungenau gearbeitet wird. Das kann das Referat doch sicher besser. Ich freue mich auf eine Antwort.

Und es tut mir außerordentlich Leid, dass ich eine eigene Meinung besitze.

MFG
Daniel Heißenstein

Sinn und Unsinn der 5% Hürde

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Die Landeswahlleiterin, Dr. Petra Michaelis-Merzbach hat nach erfolgter Prüfung 35 Parteien für die Berliner Wahlen am 18. September zugelassen. Neben den klassischen Parteien finden sich Nischenparteien für jede nur erdenkliche politische Gesinnung: Die Demokratische Linke, die Deutsche Konservative Partei, die ökologisch-demokratische Partei und andere. Auch gibt es Parteien für einzelne Themen wie die Familien Partei Deutschlands oder die Humanwirtschaftspartei. Und dann gibt es noch Parteien, deren Existenzberechtigung zumindest als alternativ angesehen werden kann, zum Beispiel die Anarchistische Pogo Partei und die Partei der Sektion der Vierten Internationale. Der mündige Bürger kann bei soviel Auswahl leicht überfordert werden. Bei vielen Parteien weiss kaum jemand, wofür die Partei eigentlich steht und wer sie vertritt. Doch jede Partei, auch Spaßparteien, finden Sympathisanten die sie wählen. Das kann bei der Landtagsbildung und im politischen Tagesgeschehen zu Problemen führen. Parteien wie die Violetten und die grauen Panther können es auf 0,6 Prozent bringen, was bei 149 möglichen Sitzen im Landtag zu einem Sitz führen würde. Das kleine Randparteien keinen Einfluss bei Entscheidungen haben und nichts blockieren können, gibt es die 5% Hürde. Würde es sie nicht geben, gäbe es deutlich mehr Protestwähler, die kleine, alternative Parteien wählen würden, da ihre Stimme dann nicht verpuffen würde. Ich halte es für wahrscheinlich, dass dann circa 10 Sitze an Randparteien gehen würden, die momentan nicht im Landtag vertreten sind. Das würde Abstimmungen erschwerden und den Apparat Landtag noch schwerfälliger und langsamer machen. So gesehen, ist die 5% Hürde ein Schutz des Politikapparates gegen Minoritäten. Das klingt diskriminierend und irgendwie ist es das auch. Aber irgendwo muss die Pragmatik ja beginnen. Daher wird es die Pogo Partei und die Violetten wahrscheinlich wieder nicht in den Landtag schaffen. Schade eigentlich, ein bisschen Farbe und Nichtpolitikprofis würden dem Landtag nicht allzu sehr schaden.

Fifa Fight Club

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Joseph Blatter gegen Mohamed bin Hammam. Der amtierende Fifa-(Fédération Internationale de Football Association) Boss gegen den Präsidenten der asiatischen Fußball-Konföderation AFC. Die einstigen Verbündeten sind zu Erzfeinden geworden, die kurz davor sind, sich gegenseitig zu vernichten. Es geht um das Amt des Fifa Präsidenten; Blatter will eine vierte Amtszeit, bin Hammam will ihn stürzen.  Machtkämpfe um Chefposten sind nichts ungewöhnliches, doch dieser Kampf kommt zur Unzeit. Die Fifa steckt ihm größten Bestechungsskandal ihrer Geschichte. Mehrere Funktionäre wurden bestochen und die Weltmeisterschaft 2022 wurde unrechtmäßig an Katar vergeben. Eine WM, die durch Korruption vergeben wurde? Es ist klar, dass nun Köpfe rollen müssen. Und die Fifa Führungsetage reagiert wie Kinder im Kindergarten, frei nach dem Motto: “Schaut mich nicht so an, der andere wars!” Blatter wirft Hammam und Warner, dem Chef des Karibischen Verbandes, Bestechung vor und Hammam kreidet selbiges dem Chef an. Das ganze hat zur Folge, dass gegen alle Beteiligten von der Ethikkommission ermittelt wird. Die Ergebnisse der Ermittlungen waren abzusehen: Blatter wurde von allen Vorwürfen freigesprochen, Hammam und Warner wurden von ihren Posten suspendiert, die WM-Vergabe wird möglicherweise zurückgenommen. Und dann geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Aber wer soll der Institution Fifa überhaupt noch glauben? Wenn die Chefetage sich gegenseitig zerpflückt und irgendwie jeder in einen Bestechungsskandal verwickelt ist? Die Fifa Chefetage führt momentan einen Kampf mit sicherem Ausgang: Es gibt nur Verlierer. Interessant wäre es nun, den Reputationsschaden der Fifa in der Bevölkerung und in den Fußballverbänden zu ermitteln. Wie groß der Schaden durch den Krieg gegen sich selbst letztendlich wirklich ist. Dies könnte mittels Internetbefragung oder -umfrage herausgefunden werden. Sicher ist bisher nur eines: Der Fifa Fight Club hat sich öffentlich bekämpft und zum Gespöt aller gemacht. Dabei sollte der Verband  lieber frei nach Lothar Matthäus handeln: “Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.”

Du bist Navy Seal. Du bist Amerika.

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Mein Auftrag ist klar: Den jahrzehntelang gesuchten Terroristen aufspüren, liquidieren und einsacken. Ich steige aus dem Helikopter und pirsche mich an die dunkle Villa an. Hinter jeder Ecke lauert ein bewaffneter Terrorist, die ich ohne zu zögern erschiesse. Im Inneren der Villa finde ich einen Mann mit weißem Turban, augenscheinlich Osama bin Laden. Zielen, schießen, treffen. Osama hat stilecht einen Kopfschuss erhalten. Ich packe mir seine Leiche und renne zurück zum Helikopter. Mission completed.

So oder so ähnlich haben viele Spieler in “Kuma War” den Einsatz der Navy Seals nachspielen können. “Kuma War” ist ein Ego-Shooter von Kuma Reality Games, einer Firma die nach eigenem Anspruch dem Gamer die Möglichkeit bietet “Nachrichten selbst zu erleben”. In dieser kürzlich erschienen Mission verkörpert man einen Navy Seal, der den Auftrag hat Osama bin Laden zu töten. Man ist Soldat und Soldaten stellen keine Fragen. Sie funktionieren einfach. Kein Hinterfragen, keine moralischen Bedenken, Auftrag ist Auftrag. Also erschiessen wir circa 15 Terroristen und schließlich Osama, den Feind. Als Navy Seal ist die Welt noch in Ordnung, es gibt Gut und Böse und die guten Jungs töten die bösen Jungs, c´est la vie. Noch plumper kann Propaganda eigentlich nicht gemacht werden. Der Hersteller verharmlost den gezielten Mord, er glorifiziert ihn sogar. Die Botschaft “dont fuck with us” kommt beim Spieler an. Töten ist okay, die anderen waren schließlich unsere Feinde. So viel blinden Patriotismus gab es in Deutschland auch einmal, mit bekanntem Ende. Während überall auf der Welt über den Mord diskutiert wird, rechtfertigen die Amerikaner ihn auf ihre Weise, geschmacklos und politisch unkorrekt.

In solchen Episoden sollen Nachrichten den Gamern näher gebracht werden, leider voller Pathos und Patriotismus. Ich fand die Idee grundsätzlich nett, allerdings wurde die Problematik aktueller Geschehnisse doch arg schlampig umgesetzt.

Skandal! Hacker-Welle überrollt Deutschland

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Erst erwischt es die ARD, den Mammut der Rundfunkanstalten, und jetzt das: Der E-Shop der deutschen Vorzeigepartei CDU wurde gehackt!

Da haben wir nochmal Glück gehabt, der Eindringling kommt mit friedlicher Absicht. Nichts ist passiert, Frau Merkel würde die Aktion wohl als “nicht hilfreich” titulieren. Das tut sie aber öfter, daher können wir das getrost ignorieren und uns weiter an grünen Aliens auf der CDU Seite erfreuen. Doch es wird noch schlimmer! Es hat auch den guten Guido mit seiner Klientelpartei erwischt.

Was können wir hier finden? Die FDP hat ein neues Angebot im E-Shop, es gibt Lufttrockner die auf Knopfdruck eine Guido-Rede abspielen! Ich habe mir sofort einen bestellt, leider bekam ich keine Antwort auf meine Anfrage. Überhaupt scheint die FDP nicht so viel Wert auf die Sicherheit ihrer Kundendaten zu legen. Dabei kann man sich doch eigentlich auf die FDP verlassen. Denn wenn Guido etwas verspricht, dann hält er das auch, z.B. Steuersenkungen. Das ist wirtschaftlich doof, macht aber nichts. Guido macht das trotzdem.

Es wurde scheinbar die gesamte Elite des Politikestablishment gehackt, doch die Hacker haben uns auch an anderen, empfindlichen Stellen getroffen. Der Shop des Internetportalgiganten Web.de wurde um ein Model erweitert:

Das neue BrandsToGo Model sieht gefährlich gut aus. Sein Stil könnte führend im kommenden Frühjahr werden. Vor allem von rechts betrachtet, hat das neue Model einen verführerischen Charme. Es setzt komplett neue Maßstäbe, bisher galt braun als die Farbe des Winters, doch das fesche, pinke Outfit wird sich total durchsetzen.

Fast alle infrastrukturell wichtigen Webseiten in Deutschland wurden gehackt. Wir können von Glück sagen, dass in China nicht noch ein Sack Reis umgefallen ist. Der letzte hat schon die Eule im Kölner Dom, nachzulesen auf der ARD Website, zur Strecke gebracht. Wer weiss, was der nächste Sack Reis angestellt hätte.

Vielen Dank an den Chaos Computer Club und die anderen Hacker für euren trockenen Humor und das erneute aufdecken zahlreicher Sicherheitslecks.

Thilo Sarrazin – Bestsellerautor durch Medienpräsenz

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“Deutschland schafft sich ab”, von Thilo Sarrazin.

Das Buch ist seit 15 Wochen auf Platz 1 der Bestsellerlisten, hat mittlerweile 1,2 Millionen verkaufte Exemplare und man kann mit Fug und Recht behaupten, es ist das meistgelesene Sachbuch der Nachkriegszeit. Wie kam es dazu? Wie schafft es ein ehemaliger Bundesbänker eine heftige Debatte in der Bevölkerung auszulösen?

Ursrprünglich sollte das Buch eine Kritik am deutschen Sozialstaat aus der Sicht eines Sozialdemokraten werden. Doch Sarrazin hat weiter ausgeholt und viele Thesen aufgestellt. Er spricht unter anderem über Genetik, Intelligenzvererbung und den Wert von Migranten für die Wirtschaft. Was an seinem Buch auffällt, ist die sachliche, kalte, vollkommen rationale Sprache, als würde er über Gegenstände und nicht über Menschen sprechen. Sarrazin bemüht sich nicht um eine beidseitige Darstellung von Problemen, er polemisiert und führt Statistiken an um seine Thesen zu stützen. Sein ganzes Theoriekonstrukt basiert auf Zahlen, Fakten und Statistiken, die er nach Gutdünken deutet. Teilweise argumentiert er fadenscheinig, löchrig oder einfach unsinnig. Das besondere an seinen Thesen ist, das sie vollkommen frei von Ethik und Moral sind. Sarrazin abstrahiert alles auf Zahlenebene und seine Lösungsvorschläge setzen dort an. Z.B. die These des Intelligenzsterbens: Sarrazin behauptet, dass durch die sinkenen Kinderzahlen bei Deutschen und steigenden bei Migranten die Intelligenz in Deutschland abnimmt. Seine Lösung ist, Migranten je nach Intelligenz das Kindergeld zu verringern oder zu streichen. Die Lösung ist Sarrazin-logisch, wie auch einige andere seiner Thesen.

Wie kommt so ein Buch zu so einem großen Erfolg? Bereits vor Druck veröffentlichte der Spiegel und Bild Exzerpte aus dem Buch und setzten eine erste Diskussion über die provokanten und gewagten Thesen an. Politiker wurden nach ihrer Meinung gefragt und viele kritisierten Sarrazin, unter anderem Angela Merkel und Christian Wulff. Sarrazin geriet unter heftigen Beschuss, nur wenige verteidigten ihn. Je mehr Leute sein Buch kritisierten, desto mehr setzten sich mit dem Thema auseinander. Vor allem die Reaktionen von führenden Politikern und Intellektuellen heizten die Debatten weiter an. Während der ersten kritikbeladenen Wochen, hielt sich Sarrazin an eine selbstauferlegte Mediensperre. Erst als Bild und andere Blätter ihn feierten, tingelte Sarrazin durch die Republik um seine Thesen zu verbreiten. Plötzlich war das Thema “In”, ein jeder wollte mitdiskutieren. Es liefen Debatten in Fernsehen, Radio und im Internet. Sarrazin zu kaufen, heisst dabei zu sein. Es ist mehr Demonstration als wirkliches Interesse das Buch zu lesen. Das Buch wurde in den Medien hochstilisiert, es gab viel Schwarz-Weiß-Denken. So ist das Buch nicht mehr nur ein paar Seiten Papier, sondern ein Bekenntnis für die Partizipation an der Lösung der durch Sarrazin aufgezeigten Probleme. Durch die Omnipräsenz in den Medien wurde aus dem Buch mehr als ein Buch. Das Buch bietet für einige ein Ventil für ihre Wut und Ressentiments gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund.

So eine Wirkung und so viel Aufmerksamkeit hat dieses Buch nicht verdient.

Quellen:

Deutschland schafft sich ab – Thilo Sarrazin

www.spiegel-online.de

www.zeit.de

Guido Westerwelle – Niedergang eines Einzelkämpfers

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“Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.”?

Das Zitat beschreibt den Zustand des Außenministers, Vizekanzler und Parteichefs perfekt. Man sieht die zwei Gesichter des Guido Westerwelle. Einerseits ist er laut, schrill und populistisch, der geborene Oppositionspolitiker. Andererseits ist er jetzt in Amt und Ehren und will sich ein Profil schaffen; er ist geltungssüchtig, er will in der Geschichtsschreibung Deutschlands von Bedeutung sein. Es ist fast schon traurig seinen schleichenden Verfall mitansehen zu müssen.

Er ist angetreten als Nachfolger des seriösen und diskreten Wolfgang Gerhard. Westerwelle stand für Aufbruch, für eine andere Sorte Politiker. Die Liberalen haben sich jahrelang auf diese eine Person verlassen, was Westerwelle sagte, war auch die Meinung der FDP. Seine Stimme wurde zur Stimme der FDP und zur Botschaft der Partei. Die FDP hat sich auf einen einzelnen Kämpfer verlassen, Westerwelle gegen den Rest der Parteiwelt. Und das hat geklappt. Mit 14,6% hatte die FDP das beste Ergebnis aller Zeiten und war wieder in der Regierung vertreten. Er ist medienaffin, kann sich gut verkaufen und ist populär.  Hier endet die Erfolgsgechichte Guido.

Westerwelle bestand fast schon penetrant auf Steuersenkungen trotz der Wirtschaftskrise. Er hat nicht gemerkt, wieviel Gegenwind er bekomt. Sein Gebiet ist die Innenpolitik, hier kennt sich Westerwelle aus und weiss welche Themen er wie rüberbringen muss. Zu spät hat er festgestellt, dass er eigentlich Außenminister ist. In seiner Gier nach Macht hat er sich auf einen Westerwelle inkompatiblen Posten gebracht, welcher ihn zu Grunde richten wird. Durch Guido entbrennen viele Konflikte:  Mit Merkel, der CSU oder seinem Lieblingsfeind Guttenberg. Auch als Vizekanzler blieb Westerwelle herrschsüchtig und eitel, er hat Streitherde entfacht, obwohl er sie eigentlich löschen sollte. Westerwelle leistete sich mehr Ausrutscher, die ihm als Außenminister angelastet werden. Sein Bild in den Medien wird zunehmend kritischer, er wird zum Buhmann der Koalition stilisiert, zu einem Querkopf der auf Streit aus ist.

Die FDP ist die Partei mit dem größten Vorsitzendenverschleiss. Läuft es nicht, Kopf ab und weiter gehts. Diese Mentalität könnte Westerwelle zum Verhängnis werden. Momentan dümpelt die FDP in Umfragen bei 4-5%, in der eigenen Partei hat Westerwelle kaum Rückhalt, viele fordern offen seinen Rücktritt. Noch hat die FDP keinen geeigneten Nachfolger, weder Lindner noch Brüderle trauen sich bisher den Königsmörder zu spielen. Verliert die FDP in der Landtagswahl in Baden-Württemberg gravierend Stimmen, könnte dass das Ende von Guido sein. Schade, wieder ein schriller Politikpunk weniger.

Guttenberg, der deutsche Obama?

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Shootingstar oder Schleimbeutel, Polit-Star oder Schaumschläger? Es gibt momentan keinen anderen deutschen Politiker, bei dem sich die Geister so scheiden. Man kann über ihn sagen was man will, aber man muss zugeben: Der Mann kann sich inszenieren. Vor zwei Wochen besuchte er den Empfang der Sendung “Ein Herz für Kinder”. Die anderen Gäste kamen züchtig in Anzug und Abendgarderobe, Guttenberg hingegen in Windjacke, Tarnfarbenhose und Wüstenstiefel. Sein Kommentar dazu war, dass er vorher in Kunduz auf Truppenbesuch weilte und keine Zeit zum umziehen hatte. Was für ein martialischer Auftritt. Der Mann versteht es, sich zu verkaufen.

Kurz vorher reist Guttenberg mit seiner Frau zu einem unangekündigtem Besuch zu den Soldaten nach Afghanistan. Er muntert die Truppe auf, bestärkt sie in ihrem Auftrag und gibt Kerner ein Interview zur Afghanistan Debatte. Was soll man dazu sagen? Der Mann ist frech und traut sich was.

Die Medien lieben Guttenberg, kein anderer Politiker lässt sich leichter und besser verkaufen. Seine Partei greift das natürlich gerne auf. Am 29. Oktober diesen Jahres ist der CSU Parteitag. Zu Guttenberg wird frenetisch gefeiert, seine Bundeswehrreform wird innerhalb einiger Sekunden durchgewunken. Seehofer nimmt es mit Humor, zumindest noch. Guttenberg gilt bei vielen als nächster CSU Vorsitzender.

Was macht diesen Mann so besonders? Er verkörpert eine andere Art Politiker. Endlich mal kein Speichellecker, Bürokrat oder Nachläufer. Er ist frech, jung, unverbraucht, machtbewusst und unabhängig. Guttenberg versteht sich wie kein zweiter auf das Polittainement. Er ist kein Weltenverbesserer, er kann es aber so verkaufen. Darum geht es heute in der Politik: Es geht nicht um hehre Ziele, Moral oder Ehrlichkeit, es geht um Visionen. Obama hatte Visionen von einem anderen Amerika, von einem Amerika im Wandel. “Change” war das Schlagwort und Obama hat es perfekt dargestellt. Guttenberg hat nicht das Format eines Obama. Aber das braucht er auch gar nicht, schließlich sind wir hier in Deutschland, dem Land der langweiligsten Politiker. Guttenberg muss nur ein bisschen strahlen, um all die anderen blassen Politiker zu überdecken.

Guttenberg spielt mit seiner Popularität, sie ist eine effektive Waffe. Das macht ihm viele Feinde unter den Politikern, auch in den eigenen Reihen. Guttenberg ist dreist, er erledigt Dinge schnell und laut. Bisher hat ihn seine Beliebtheit vor den Folgen seines Handelns geschützt, was man an dem Tanklaster Angriff im September sehen konnte. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Stürzt der Polit-Stern vom Himmel oder steigt er noch weiter auf? Ich hoffe, dass Guttenberg seiner Linie treu bleibt und weiter den Medienpolitiker gibt. Das zwingt mittelfristig andere Politiker auch dazu, Politik interessanter zu verkaufen und auch mal gegen den Mainstream zu sein. Und, mal ehrlich, damit könnten wir eigentlich gut leben.

Quellen: www.spiegel-online.de, www.rp-online.de

Schlichtspruch zu Stuttgart 21: Wer hat gewonnen?

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Am 30. November trat Heiner Geißler ein letztes Mal als Schlichter vor die Kamera. Er hat seine Entscheidung gefällt: Pro Stuttgart 21, ab jetzt Stuttgart 21 plus. Nach wochenlangen Protesten und Diskussionen ist eine Lösung gefunden.  Die Bahn muss nachbessern, der Bau wird jedoch fortgesetzt. Unter anderem sollen zwei weitere Gleise gebaut werden und der Bahnhof wird einem Stresstest unterzogen.  Es werden erhebliche Mehrkosten für die Deutsche Bahn entstehen, das Thema Baustopp ist dafür vom Tisch. Wer kann jetzt eigentlich als Sieger gesehen werden? Die Bahn? Die Regierung unter Stefan Mappus? Die Bevölkerung?

Einer der Gewinner ist Heiner Geißler, oder sollte man Heiner Geißler Superstar sagen? In einer Stuttgarter Lokalzeitung wurde er als globaler Schlichter karikiert: Erst Stuttgart, dann der nahe Osten, Korea und dann zwischen Gott und dem Teufel. Er trat als fairer Mittler auf, sorgte bei den Live-Diskussionen auf Phönix für die zweithöchste Einschaltquote in der Phönix Geschichte und konnte mit seinem Witz und seinen Moderationskünsten bestechen.

Wie sieht es mit der Bahn aus? Ihr sowieso schon ramponiertes Image hat nur weiter gelitten und sie haben noch höhere Kosten, daher kann die Fortführung des Projekts nur als kleiner Sieg gewertet werden.

Der geheime Gewinner ist für mich die Demokratie. Endlich setzen Bürgerproteste auch etwas in Gang. Protest ist nicht weiter nur eine Begleiterscheinung, sondern für die Politik ernst zu nehmen. Zwar wurde das Ziel „Stoppt Stuttgart 21“ nicht erreicht, jedoch wurde eine Schlichterrunde und damit eine objektive und rationale Diskussion über das Projekt ermöglicht. Die Gegenbewegung ist daher nicht gescheitert, im Gegenteil: Sie hat gezeigt, wie Demokratie unter Einbindung der Bürger funktionieren kann.

Der eigentliche Gewinner ist meiner Meinung nach Stefan Mappus. Vor dem Schlichtungsprozess hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Druck von allen Seiten erleiden müssen. Der von den Grünen geforderte Heiner Geißler war sein vielleicht letzter Strohhalm und er hat ihn genutzt. Mappus hat Geißler als Schlichter befürwortet und die Schlichtung mitdurchgesetzt. Nach dem Schlichtspruch steht Mappus glänzend da. Er hat einer Diskussion mit offenem Ausgang zugestimmt, er war für mehr Demokratie, er kam den Protestlern entgegen. Manchmal kann man eben nur durch Risiko gewinnen.

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