Der Rapper Bushido ist am Anfang vor allem wegen seiner “frauen-, schwulen- und behindertenfeindlichen” und “gewaltverherrlichenden” Texte in die Medien gekommen. Dann hat Bushido plötzlich seine Biographie geschrieben. Diese wurde promt ein Publikumserfolg. Jetzt ist die Verfilmung da, Regisseur: Berd Eichinger. Dieser hatte vor ihm schon Hitler und Andreas Baader als Hauptfiguren. Seit dem der Film raus gekommen ist, ist Bushido gesellschaftsfähig geworden, was vielleicht auch daran liegt, dass im Film die “bösen” Sachen weggelassen wurden und Bushido wohl ziemlich lieb dargestellt wird (außerdem soll der Film “strunzlangweilig” sein; klingt verlockend).
Jetzt regen sich aber wieder Journalisten auf, dass der Bushido es soweit bringen konnte. Von den Tagesthemen bis zur Bildzeitung, alle berichten über ihn. Die bösen Skandale von gestern sind vergessen. Die Bild schreibt: “Er ist zierlicher, weicher und symphatischer als sein Klischee”. Für die Bunte ist er ein “Rebell, der seine Seele öffnet”. Das Hamburger Abendblatt fragt gar: “Bürgermeister Bushido-warum nicht!”
Der Ministerpräsident von Bayern plaudert auf einer Party mit Bushido. Danach sagt er einem Reporter, Bushidos “Zuversicht, sein Optimismus, seine Einstellung, dass man im Leben was bewegen kann”, würden ihn “beeindrucken”.
Dass die Journalisten sich nun aufregen ist ziemlich dumm von ihnen. Ob ihnen jetzt erst klar geworden ist, dass sie manipuliert wurden?
Vielleicht wollen sie sich nicht eingestehen, dass sie guten Geschichten nicht wiederstehen können.
Ein böser, böser Rapper aus dem Ghetto, der es ganz allein nach ganz oben geschafft hat. Der harte Gangster mit dem weichen, sensiblen Kern. Es ist doch immer dasselbe. Auch der Rapper Eminem aus Amerika hat sich aus relativer Armut auf den Olymp des Showbizz gekämpft, zu sehen in seinem Film “8 Mile”.
Neu ist die Geschichte also nicht. Originell auch nicht , aber was soll`s.
Meiner Meinung nach bedient Bushido nur den Markt, und zwar hat das vor sieben Jahren schon mit den provokanten Texten angefangen. Irgendwas war gerade gut genug, Hauptsache irgendeiner regt sich ordentlich auf. Die Texte haben manchmal wie Parodien geklungen.
Beispielsweise schildert Bushido im Lied ” Staatsfeind Nummer 1″ seine schlimmen Knasterfahrungen “jeder ist hier am Ende und unrasiert”;” ich suche nachts meine Mama im Kissen”. Dies wird allerdings zusätzlich lächerlich, wenn man weiß, dass Bushido damals nur einen Monat absaß, weil er seine Bodyguards auf ein armes Schwein gehetzt hatte, das die Reifen seines BMWs zerstochen hatte. Von wegen Staatsfeind.
Lächerlich ist auch, dass die Journalisten jetzt dumm aus der Wäsche schauen, weil ihnen dämmert, dass Bushido sie gehörig an der Nase herumgeführt hat und sie genau das beichtet haben, was er ihnen zum Frass vorgeworfen hat. Von den Tagesthemen bis zur Bild, alle haben gehorsam an Bushidos Selbstinszenierung mitgewirkt und ihn zu dem gemacht, was er heute ist: reich.
Quellen: “Zapp”- Sendung vom 03.02.10, Videostream:
http://www.youtube.com/watch?v=v8753vPRPe8