In allen spanischen Qualitätszeitungen von ?El país? bis ?El Mundo? und sogar in dem katholischen Blatt ?ABC? werden täglich Sex-Anzeigen abgedruckt.
Die einzige Ausnahme bildet die noch relativ junge Zeitung ?Público?, die sich gegen solche Anzeigen aussprach, ebenso gegen Berichte über den Stierkampf, der in Spanien sehr populär ist.
Nun hat der spanische Frauenverband FMP, der sich für die Gleichstellung von Männern und Frauen einsetzt, verlangt, diese Art von Kontaktanzeigen in den Zeitungen abzuschaffen.
Der Grund ist die enge Verbindung und teilweise Überlappung von Prostitution und Menschenhandel in Spanien. Denn rund 90% der Prostituierten seien illegale Einwanderinnen und haben meist keine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung.
Laut Polizeiberichten werden viele der Frauen nach Spanien verschleppt und hierbei erpresst, genötigt und gefoltert.
Ob dieser Aufruf des FMP Wirkung bei den Medien hat, ist fragwürdig, da diese Anzeigen wohl eine wichtige Einnahmequelle der spanischen Zeitungen sind.
Es muss wohl erst zu einem gesetzlichen Verbot kommen ? wobei es wichtiger wäre, dem illegalen Einschleusen von Frauen und den Misshandlungen nachzugehen als irgendwelchen Nebensächlichkeiten, die sich daraus ergeben. Aber es wäre immerhin ein Anfang.
Quelle: F.A.Z. vom 4. Juni 2008